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Weltweit 2015

Die Leseansicht des Firefox

Einige unangenehme Erfahrungen

Mozilla spendierte mit seinem offiziellen Release 38.0.5 seinem Browser Firefox eine Leseansicht. Damit paßt sich das Styling der angezeigten Webseiten auf Desktops und Notebooks mit ihren größeren Bildschimen dem Aussehen auf Smartphones, Tablets etc. an. Vielleicht ist dies für manche Menschen eine nützliche Sache. Aber nicht alles, was gut gedacht daherkommt, ist auch gut durchdacht oder gar umgesetzt. Der Teufel steckt wie immer im Detail.


Ohne dem Browser in seiner Ausgabe 38.0.5 gründlich unter die Haube geschaut zu haben, so lassen sich bei erster Nutzung schon einmal zwei Bugs finden, die ganz gewiß ein Feature darstellen sollen.

Nehmen wir an, ich will innerhalb der Webseite mittels einer vorhandenen Sprungmarke auf einen Anker derselben Seite springen. So etwas sieht dann so aus:

<a href="#blablablupp">Text<a>

Während dieser Sprung auf der Normalansicht wunderbar funktioniert, scheint bei der Leseansicht ein Parserproblem vorzuliegen. Normalerweise müßte, gesetzt den Fall, die besuchte Seite hat die Adresse

www.blablabla.bla/verzeichnis/datei.htm

ein Sprung auf #blablablupp zum Anker

www.blablabla.bla/verzeichnis/datei.htm#blablablupp

führen. In der Leseansicht verschluckt der browsereigene Parser jedoch den Dateinamen und bietet statt dessen folgende Sprungadresse an:

www.blablabla.bla/verzeichnis/#blablablupp

Daß dies nicht wirklich zielführend ist, ist leicht erkennbar.

Nachzuvollziehen ist das auf meinen Seiten zur Riedbahn, etwa hier.

Nun könnte ich, wenn ich nett wäre, das Bugmeldetool von Mozilla aufrufen und den Bug melden und beschreiben. Freundliche Menschen meinen jedoch auf der Bugzilla-Webseite, ich solle zuvor andere, zukünftige Builds installieren und austesten, ob der Bug schon behoben sei. Als sei ich der Betatester von unausgegorenem Kram. Dann könnte ich noch in der Bugzilla-Datenbank nachschauen, ob der Bug schon einmal gemeldet sei, mich also durch einen Wust von Meldungen klicken. Außerdem könne ich ohnehin erst dann den Bug melden, wenn ich mich registriert und meine Daten einer weiteren Krake übergeben habe. Ziemlich viel Aufwand für eine kleine Meldung. Für einen bürokratischen Apparat mag dieser Arbeitsablauf zwar verständlich sein, aber für mich ist das einfach too advanced. Wie dem auch sei – da wurde ein neues Feature unters Volk geworfen, ohne es ausreichend designed und getestet zu haben. Der Druck, alle paar Wochen dem Browser neue Features zu verpassen, um mit der Konkurrenz mithalten zu können, war wohl zu groß.

Und damit komme ich zum zweiten neuen Feature dieser Leseansicht. Es wird damit geworben, daß mit der Leseansicht überflüssige, weil den Textfluß störende Grafiken, insbesondere Werbung, ausgeblendet werden. Das ist durchaus nützlich, obwohl bei mir das Add-On Adblock Plus zufriedenstellend arbeitet. Ärgerlich wird das neue Feature jedoch dann, wenn Seiten, die auf Grafikdateien basieren, weil mit diesen Grafiken ein Sachverhalt auch ohne große Worte dargestellt werden kann, ihren Sinn verlieren. Die Grafik wird gecancelt und es bleibt das nackte Seitengerüst übrig.

Ob andere Browser ähnlichen Unfug produzieren, habe ich nicht näher erforscht. Was soll ich mir weitere Browser auf meinem Rechner installieren, die womöglich, wie Chrome, noch ganz andere Daten abfragen und übermitteln, als es das Bugzilla-Tool von mir verlangt.

Jedenfalls, die Leseansicht bedarf einer Überarbeitung. Sonst wird Responsive Design dazu mißbraucht, nur noch genehme Daten und Grafiken anzuzeigen. Google hat den Weg dafür freigemacht, indem es Webseiten mit Responsive Design bevorzugt. Mozilla tapert hinterher und baut Murks. Wunderbare digitale Welt eben.


Diese Seite wurde zuletzt am 8. Juni 2015 aktualisiert. Links auf andere Webseiten bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2015. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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