Kapital – Verbrechen

Antideutsche Flausen

 

 

SENDEMANUSKRIPT

 
Sendung :
Kapital – Verbrechen
Antideutsche Flausen
 
Redaktion und Moderation :
Walter Kuhl
 
gesendet auf :
Radio Darmstadt
 
Redaktion :
Alltag und Geschichte
 
gesendet am :
Montag, 19. April 2004, 17.00–18.00 Uhr
 
wiederholt am :
Montag, 19. April 2004, 23.10–00.10 Uhr
Dienstag, 20. April 2004, 08.00–09.00 Uhr
Dienstag, 20. April 2004, 14.00–15.00 Uhr
 
 
Besprochene und benutzte Bücher :
  • Robert Kurz : Die antideutsche Ideologie, Unrast Verlag
  • Thomas Uwer / Thomas von der Osten–Sacken / Andrea Woeldike : Amerika, ça ira–Verlag
 
 
URL dieser Seite : http://www.waltpolitik.powerbone.de/kv/kv_antdt.htm
 
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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 : Einleitung
Kapitel 2 : Wortgeklingel
Kapitel 3 : Karikatur
Kapitel 4 : Moderne
Kapitel 5 : Methode
Kapitel 6 : Treppenwitz
Kapitel 7 : Idealismus
Kapitel 8 : Schurkenstück
Kapitel 9 : Schluß
Ausgewählte Literatur zur Sendung
Anmerkungen zum Sendemanuskript

 

Einleitung

Jingle Alltag und Geschichte

Krisen erzeugen ihre ganz eigenen Propheten. Wo die kapitalistische Ökonomie dahindümpelt, und nicht wenige der als mittelständischer Betrieb verharmlosten Konzerne dabei ganz kräftig absahnen, sind die Krisenideologen nicht weit. Sie erklären uns, warum die Wirtschaft nicht so richtig läuft und welche Gegenmaßnahmen eingeleitet werden müssen. Diese Ideologen und die mit ihnen verbündeten Politikerinnen und Politiker sorgen sich natürlich nur um das Wohlergehen der Profiteure dieses Wirtschaftens. Dazu sind sie ja auch ge– und erwählt worden. Deshalb kommen so vernünftige Gedanken wie Lohndumping, längere Arbeitszeiten, Sonderwirtschaftszonen oder das Führen ganz ordinärer Kriege hierbei heraus.

Doch auch die Kritikerinnen und Kritiker dieser kapitalistischen Globalisierung sind vor ideologischen Argumenten nicht gefeit. Es ist der böse Neoliberalismus, der als Schreckgespenst an die Wand gemalt wird. Und nicht wenige dieser Menschen, die auf Demonstrationen gehen oder die entsprechenden Aufrufe hierzu verfassen, verwechseln dabei das Wesen mit der Erscheinung. Das Wesen ist der Kapitalismus, die Erscheinung seine kompatible brutale neoliberale Form. Als wenn es das eine ohne das andere geben könnte. Diese Verwechslung macht sich häufig am spekulativen vagabundierenden Finanzkapital fest, das nicht investiert werde, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. In der Form des raffenden Kapitals erhält es einen antisemitischen Beigeschmack. Und so wundert es nicht, wenn in Aufrufen und Artikeln sehr schnell der Bogen vom Finanzkapital zum israelisch–palästinensischen Konflikt geschlagen wird. So als ob hier das Grundübel der Krisenhaftigkeit oder gar der weltweiten kriegerischen Auseinandersetzungen verborgen sei. Andere Konflikte, vor allem solche mit deutscher Beteiligung, erst recht in den Tiefen Afrikas, fallen dann schnell unter den Tisch.

Ist Israel also der Nabel der Welt, der herhalten muß, um das scheinbar Unbegreifliche neoliberaler Kriegsführung zu begreifen? Dies wiederum ruft einzelne Restbestände der deutschen Linken auf den Plan, die im Antisemitismus den Hauptwiderspruch des beginnenden 21. Jahrhunderts sehen. Einige Linke firmieren als sogenannte Antideutsche. Nun wäre das alles nicht erwähnenswert, wenn es sich um eine kleine Sekte unter vielen handeln würde, die im stillen Kämmerlein ihre eigene Weltsicht pflegen würde. Dem ist jedoch nicht so. Damit auch andere Menschen etwas von ihrer Weltsicht haben, tauchen sie bei linken und manchmal auch nicht mehr ganz so linken Veranstaltungen und Demonstrationen wie dem Christopher Street Day auf und schwenken in provokativer Hinsicht ihre Israel– und USA–Fähnchen. Wohl wissend, daß sie sich mit ihrem Auftreten keine Freundinnen und Freunde schaffen werden. Aber dies ist ja auch nicht beabsichtigt. Ihnen geht es ja nur um die Bestätigung der These, daß die Deutschen und vor allem die deutsche Linke antisemitisch sei. So eine Israel–Fahne ist daher gut für das eigene Weltbild. Ivo Bozic schrieb zu dieser Fahnenschwenkerei am 24. März [2004] in der Zeitschrift Jungle World:

Im Grunde ist der mitunter gewaltsam ausgetragene Flaggenstreit eine linke Sandkastendebatte auf erbärmlichem Niveau. Ausgelöst wurde er durch die Provokationen von Antideutschen, die teilweise auch Demos gegen den Sozialabbau durch Israel–Fahnen in der ersten Reihe zu funktionalisieren und politisch umzudeuten versuchten; aber auch durch antisemitische Linke, die sogar bei Antifa–Demos das Auftauchen der israelischen Fahnen als Provokation bewerten und teilweise gegen sie handfest vorgingen. Es ist schändlich, dass die Fahne des jüdischen Staates für eine linke Szeneauseinandersetzung in Deutschland missbraucht wird. Schändlich von beiden Seiten.

Ivo Bozic thematisiert eine antisemitische Grundstimmung in diesem Land, die sich zuweilen in sehr merkwürdig verschrobenen Ressentiments (wie etwa durch Jörg Dillmann in Darmstadt [1]) und mitunter auch sehr manifest gewalttätig äußert. Er fährt fort:

Ist dies umso mehr ein Grund, die Fahne bei jeder Gelegenheit in den Wind zu halten? Nein. So selbstverständlich es sein sollte, die israelische Fahne nicht als Provokation zu verstehen, so selbstverständlich sollte es sein, sie nicht als bloße Provokation einzusetzen. Das Verhältnis der Linken zum Antisemitismus und zum Existenzrecht Israels muss nicht anhand ihres Verhältnisses zur israelischen Fahne ausgelotet, der Streit nicht mittels Symbolen geführt werden. Wer das betreibt, der will nur Bekenntnisse. Davon aber gibt es genug. Sie taugen nichts. [2]

Gibt es Antideutsche in Darmstadt? Nun, vielleicht zwei oder drei. Also eigentlich nicht der Rede wert. Dennoch verstehen sie es hier wie anderswo, aus der Minorität heraus ziemlich aggressiv aufzutreten. Warum sich also damit beschäftigen? Nun, Kritik, selbst im antideutschen Gewand, kann nützlich zur Überprüfung des eigenen Denkens und Handelns sein. Ein Vorwurf wie der des Antisemitismus kann denunziatorisch sein, kann aber auch ein Hinweis darauf sein, die eigene Argumentation und die eigene Befindlichkeit nochmals zu überprüfen.

Darum soll es in meiner heutigen Sendung gehen. Und zwar anhand eines Buches, das Robert Kurz letztes Jahr über das antideutsche Sektenwesen geschrieben hat. Doch bevor ich darauf eingehe, begrüße ich euch zur heutigen Ausgabe von Kapital – Verbrechen. Am Mikrofon ist Walter Kuhl.

 

Wortgeklingel

Trailer von Radio F.R.E.I. [3]

Anfang Oktober [2003] hat der KrisisAutor Robert Kurz ein neues Buch veröffentlicht : Die antideutsche Ideologie. Ihr hört im Folgenden eine Kurzvorstellung.
Vom Antifaschismus zum Krisenimperialismus – Kritik des neuesten linksdeutschen Sektenwesens in seinen theoretischen Propheten. Unter den Verwesungsprodukten des deutschen Traditionsmarxismus gehört die antideutsche Strömung zu den unappetitlichsten. Bestimmte Teile der ehemals radikalen Linken und der antifaschistischen Szene wollen sich angesichts der globalen Krise gewissermaßen historisch aus dem Staub machen. Das Eingedenken an Auschwitz wird dafür mißbraucht ideologisch bei der imperialen Macht des Krisenkapitalismus anzuheuern, deren perspektivlose Weltordnungskriege abzusegnen und jegliche soziale Bewegung als völkisch und antisemitisch zu denunzieren. Die radikale Kapitalismuskritik wird so nicht zeitgemäß transformiert, sondern liquidiert. In drei Aufsätzen unterzieht Robert Kurz das assoziative theoretische Blendwerk dieses Denkens einer grundsätzlichen Kritik. Nachgewiesen wird die Fixierung der Antideutschen auf längst gegenstandslos gewordene innerkapitalistische Alternativen, ihre Befangenheit in der repressiven bürgerlichen Aufklärungsideologie und im Idealismus der Zirkulationssphäre. Daraus resultiert eine geradezu fanatische Affirmation der kapitalistischen abstrakten Individualität und der männlich–weißen westlichen Subjektform. Diese im Kern rassistische, frauenfeindliche und zwangsheterosexuelle Ideologie mystifiziert das Kapital und pflegt einen Kult falscher Unmittelbarkeit in der Tradition sehr deutscher Ideologie von Nietzsche bis Heidegger. Die Antideutschen sind genau das, was sie anderen vorwerfen zu sein. Das Buch ist im Unrast Verlag erschienen, kostet 16 Euro und kann im Buchhandel bestellt werden.

Eine Kurzvorstellung des Buches von Robert Kurz, die im November letzten Jahres von Radio F.R.E.I. in Erfurt gesendet worden ist.

Was jedoch sind diese Antideutschen? Die Entstehungsgeschichte dieser politischen Richtung wird in Robert Kurz' Buch Die antideutsche Ideologie leider ausgespart und kann hier nur ansatzweise wiedergegeben werden.

Ende der 80er Jahre, die DDR zerbröselte unter innerem und äußerem Druck, fanden Linke verschiedenster Richtungen an einem Punkt zusammen: Nie wieder Deutschland! [4] Denn schon damals war klar, daß ein wiedervereinigtes Deutschland außenpolitisch und militärisch ein ganz anderes Kaliber sein würde als die Nachkriegs–BRD ohne Friedensvertrag. Die Entwicklung seither hat diese Befürchtung bestätigt: Nachdem Joschka im Kosovo Auschwitz verhindern wollte, hat Peter Struck die Konsequenz gezogen: im weltweiten Einsatz der Bundeswehr.

Deutschland denken heißt Auschwitz denken – und so ergab sich der Name für eine Strömung ganz von selbst, welche vorgab, den alt– und neudeutschen Großmachtstraum zu bekämpfen. Von den damals mehreren tausend Linken sind noch einige hundert übrig geblieben, die im deutschen Wesen und im Antisemitismus das Grundübel der Welt gefunden haben. Dieser antideutsche Antifaschismus ist es, der uns heute beschäftigen soll.

 

Karikatur

Robert Kurz befindet sich seit Jahren im Clinch mit den Antideutschen. So schreibt er auch im Vorwort zu seinem Buch, daß es ihm schwer gefallen ist, sich nochmals und zwar abschließend zum Phänomen antideutschen Sektenwesens zu äußern. Doch seine Motivation geht über eine Abrechnung, die wohl nur für Insider interessant wäre, hinaus. Für ihn sind die Antideutschen ein Zerfallsprodukt einer Linken, die mit ihrem positiven Verhältnis zu Aufklärung und Moderne dem traditionellen Arbeiterbewegungsmarxismus verhaftet geblieben sei. Daher geht es ihm

um Geschichtstheorie, um den Status von [Nationalsozialismus] und Auschwitz, um die Kritik der Aufklärung und des Arbeiterbewegungsmarxismus […], aber auch um die Art und Weise der Auseinandersetzung innerhalb einer paralysierten Linken. [5]
Es geht darum, ob die Weichen in der radikalen Linken der BRD für eine Erneuerung emanzipatorischer Kritik über das arbeiterbewegungsmarxistische [Verständnis] hinaus gestellt werden – oder für einen endgültigen Rückfall in die [Zustimmung zur kapitalistischen] »Vernunft« und »Zivilisation«, die nichts anderes darstellt als den Interessenstandpunkt des männlich–weißen westlichen Metropolensubjekts in der Weltkrise des modernen warenproduzierenden Systems. [6]
Der Aufarbeitung der linken Geschichte und der Geschichtskatastrophe des [Nationalsozialismus] kann sich niemand entziehen, der in den neu aufkommenden sozialen Bewegungen aktiv sein will. Dritte industrielle Revolution, Globalisierung des Kapitals und imperiale Weltordnungskriege verlangen eine theoretische Analyse und eine Entrümpelung des Begriffsapparats, ohne die keine Bewegungslinke mehr ein Bein auf den Boden bekommen wird. [7]

Robert Kurz verfolgt daher zwei Ziele mit seinem Buch: die Kritik der von ihm zurecht sogenannten antideutschen Ideologie vor dem Hintergrund einer tiefer gehenden Auseinandersetzng mit Begrifflichkeiten der eigenen linken Geschichte. Leider vergißt der Autor hierbei, daß er, wenn er eine Insiderdebatte vermeiden will, vielleicht das lesendes Publikum so ansprechen sollte, daß es mit den von ihm entwickelten Begrifflichkeiten und Gedankengängen auch etwas anfangen kann. So jedenfalls ist es äußerst mühsam, das Buch durchzuackern, auch wenn es zuweilen seine erheiternden Momente hat.

Das, was Robert Kurz als antideutsche Ideologie bezeichnet, fußt auf einigen wenigen Grundannahmen. Auschwitz ist ein deutsches Verbrechen, das im Wesen des volkstümelnden Deutschseins enthalten ist. Im Gegensatz hierzu steht der liberale Kapitalismus amerikanischen Zuschnitts, der trotz all seiner Gewalttätigkeit immer auch das Versprechen von Demokratie, Freiheit und Glück beinhaltet habe. Das deutsche Kollektiv hingegen kenne nur Gemeinschaft, Blut und Ressentiments gegen genau dieses Versprechen individueller Entfaltung. Antiamerikanismus und damit verbunden Antisemitismus sind hierbei grundlegende Elemente der deutschen Ideologie. Wer gegen dieses volkstümelnde antiamerikanische und antisemitische Ressentiment ist, wer Emanzipation und Befreiung zumindest denken will, muß gegen Deutschland und für die antideutschen Kräfte auf dieser Welt sein. Ein positives Verhältnis zu Amerika als Ausdruck dieser Vernunft, zum Judentum und zu Israel als letzter Zuflucht der vom Antisemitismus Verfolgten gehört unbedingt dazu.

Robert Kurz legt in den 300 Seiten seiner Polemik gegen Die antideutsche Ideologie dar, wie diese Antideutschen ihre Kapitalismuskritik und ihr Geschichtsbild so gestaltet haben, daß eigentlich nur noch eine lächerliche Karikatur dabei herauskommen kann. Robert Kurz versucht, seine These einleitend am Beispiel der Argumentation von der Singularität von Auschwitz zu belegen, einer Singularität, die letztlich unerklärlich bleibt und sich somit einer rationalen historischen Analyse entzieht.

 

Moderne

Dabei sei es doch so, daß Auschwitz eine Manifestation von Irrationalität und Barbarei sei, wie sie in der Logik des Kapitals und seiner Moderne an sich enthalten ist. Diese Barbarei könne in katastrophalen Momenten der Modernisierungsgeschichte hervorbrechen, muß es jedoch nicht stets in derselben Weise. Die moderne Barbarei kann auch andere Erscheinungsformen annehmen, deren Bedingungsgründe in der jeweiligen Weltkonstellation zu finden sind. Insofern sei Auschwitz als deutsches Verbrechen tatsächlich historisch singulär. [8]

Ein solches Verbrechen kann daher in anderer Form und unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen wieder geschehen, in Deutschland, aber auch anderswo. Die Antideutschen verabsolutieren Auschwitz jedoch zu etwas spezifisch Deutschem, was nur in Deutschland wieder geschehen könne. Woraus sie folgern, daß die Lehre aus der Geschichte nur im konsequenten Antideutschtum bestehen kann und im positiven Bezug auf die Vernunft der Moderne, deren Träger sie in anderen Nationen entdecken wollen. Wenn aber, so Kurz, diese Moderne selbst Ausdruck kapitalistischer Vernunft und Rationalität ist, dann ist die darin enthaltene Irrationalität immer wieder gut für Barbarei, Krieg und Vernichtung. Denn irrational ist das Kapital deshalb, weil die damit verbundene rastlose Verwertung des Wertes als Profit über den Markt und damit hinter dem Rücken von Akteuren geschehe, denen die warenförmigen Grundlagen ihres eigenen Denkens und Handelns fremd bleiben muß.

Wer in Auschwitz einen Betriebsunfall der Geschichte sieht, eine antimoderne unbegreifliche irrationale Erscheinung, kann folglich ein Geschichtsverständnis entwickeln, das in der demokratischen Nachkriegsentwicklung den normalen Gang kapitalistischer Gesellschaftlichkeit sieht. Der Nationalsozialismus wäre so gesehen ein Fremdkörper, ein Alien, und nicht eine durchaus mögliche und dann auch tatsächlich real gewordene barbarische Zuspitzung kapitalistischer Krisenpolitik. Diese Barbarei, so die antideutsche Ideologie, ist als immer wieder drohender Rückfall in vorkapitalistische Zustände zu begreifen, in ein »vorzivilisatorisches Grauen«.

Die historisch längst wiederlegte Metapher vom dunklen Mittelalter ohne jede Zivilisation feiert hier Wiederauferstehung. Wenn daher der Nationalsozialismus mitsamt seiner Vernichtungslogik das vorzivilisatorische Grauen repräsentiert, dann ist das dem gegenüber positiv besetzte kapitalistische zivilisatorische Moment das Heilsversprechen von freier Entfaltung der Persönlichkeit, ausgedrückt im gleichmachenden Tauschwert. Nur in der freien Entfaltung des Kapitalismus gegen die vorkapitalistische Barbarei lägen demnach alle Möglichkeiten emanzipatorischen Fortschritts verborgen. Und diese Zivilisation gelte es mit allen Mitteln zu verteidigen. [9]

Schon Marx ironisierte diese Art von positivem Bezug auf den Kapitalismus mit den Worten Freiheit, Gleichheit, Bentham und meinte damit das ausgeblendete repressive Moment kapitalistischer Vergesellschaftung.

Bei Marx findet sich jedoch auch ein zwiespältiges Verhältnis zur fortschrittlichen Mission des Kapitals. Einerseits beklagte er die mangelnde Entwicklung des Kapitalismus als Grundlage von Emanzipation und behauptete, daß etwa England dem rückständigen Indien dessen glorreiche Zukunft weise [10]. Andererseits begriff Marx, daß die Durchsetzungsgeschichte der kapitalistischen Entwicklung nur mit Arbeitsterror, Krieg und Vernichtung zu denken war; daß diese wenig idyllischen Momente dem Kapitalismus überhaupt nicht äußerlich waren, sondern im Gegenteil gerade das Wesen des Kapitals ausmachten.

Die Antideutschen greifen sich nun den einen Marx heraus, um ihre Geschichtsklitterung zu begründen. Dem US–Imperialismus wird dadurch eine fortschrittliche, zivilisatorische und demokratische Mission angedichtet. Mehr noch, um den Kapitalismus vor sich selbst zu retten, erfinden sie ein eigenes deutsches Produktionsverhältnis, das als Nationalsozialismus dem Kapitalismus äußerlich sei. Nur so können sie dann die zivilisatorische Mission des Kapitals angelsächsischer Prägung – im fortschrittlichen Kampf gegen das deutsche Wesen – behaupten. Dieser Begriff von Deutschland als einem eigenen Produktionsverhältnis macht den Weg frei, an die Stelle des Kapitals die Nation zu setzen, an Stelle sozialer Gegensätze treten dann nationale Gegensätze.

Alle quer zur nationalen Frage liegenden Fragen verschwinden, die Globalisierung ebenso wie die soziale Krisenverwaltung, die Atomkraft usw. Alles konzentriert sich auf »Deutschland« oder das »deutsche Wesen«, die gesamte Weltlage und sogar die Binnenverhältnisse in anderen Ländern und Weltregionen werden allein unter diesem Aspekt wahrgenommen. Sozusagen das Weltall ist nur noch eine Funktion von »Deutschland«. Es gibt nur noch eine Frage, und das ist die deutsche. [11]
Die antideutsche Ideologie ist bloße Gegenideologie, das seitenverkehrte Spiegelbild der deutschen Ideologie, und nicht deren Kritik. [12]

Die sich daraus ergebende Logik, so Robert Kurz, sei einfach umwerfend. Wenn alle Verhältnisse, egal wo auch immer auf diesem Planeten, nur noch als eine Funktion deutscher Verhältnisse wahrgenommen werden, dann nützen alle, die ihre eigene herrschende Klasse in den USA, Frankreich oder sogar in Israel kritisieren, »Deutschland«. Im extremsten Fall sei dann in linker jüdischer Israeli eigentlich so ziemlich dasselbe wie ein rechter deutscher Antisemit. Wie muß dieser Israeli sich fühlen, wenn ihm so etwas gesagt wird? Nur in gewissen Teilen der Dritten Welt, etwa den arabischen Ländern, die von den Antideutschen als »deutsch« definiert werden, darf man wieder gegen das eigene Vaterland sein, vorausgesetzt allerdings, man ist prowestlich und Sympathisant der USA. Doch in den westlichen Ländern und in Israel kann die antideutsche Ideologie nur noch mit rechtskonservativen, reaktionären und nationalistischen Tendenzen zusammengehen. Die antideutsche Zeitschrift Bahamas findet daher auch die Springer–Presse klasse, weil diese den deutschen Alleingang kritisiere und sich auf die Seite der USA stelle. [13]

 

Methode

Dieser Wahnwitz der von Robert Kurz beschriebenen antideutschen Ideologie hat Methode:

In dieser Welt kann passieren, was will – Deutschland geht gestärkt daraus hervor. [14]

Das ist ja auch logisch: denn wenn alles eine Funktion von Deutschland ist, dann ist es in der Tat vollkommen unerheblich, was tatsächlich geschieht. Dieser Unfug gipfelt dann nicht nur darin, den Hauptfeind im eigenen Land zu sehen, was ja noch als richtige Weisheit nachzuvollziehen ist. Aber, so Robert Kurz, das bedeutet mitnichten die Identifikation und Fraternisierung mit der jeweils anderen kapitalistischen Macht. Emanzipatorische Kräfte verbünden sich immer mit den zur innerkapitalistischen oder innerimperialistischen Frontlinie quer liegenden Kräften. Früher galt als solche die Sowjetunion, aber die gibt es ja nun nicht mehr, einmal abgesehen davon, daß ihr emanzipatorischer Gehalt ohnehin begrenzt war. [15]

Apropos Emanzipation. Kennzeichen der tauschwertorientierten Einzelnen im Kapitalismus sei die Individualisierung als Möglichkeit freier Entfaltung. Diese sei, so die Antideutschen, zwar beschränkt, aber immerhin! Daß diese Individualisierung das Gegenteil von Solidarität ist, kommt ihnen nicht in den Sinn. Statt dessen drängt sich der Eindruck auf, daß sich hier der postmoderne Zeitgeist der Beliebigkeit austobt. Worin besteht dann noch der Unterschied zur neoliberalen Ideologie? Gute Frage, vor allem dann, wenn die Antideutschen schon freiwillig das neoliberale Krisen– und Kriegsmanagement bejubeln.

Die Antideutschen stellen geradezu eine Hardcore–Version der allgemeinen postmodernen Entsolidarisierung dar, deren Kehrseite neonazistische Banden und religiöse Sekten sind. [16]

Bis hin zur Esoterik ist es bei einem solchen Weltbild in der Tat nicht weit, wo die Guten und die Bösen irgendwie nur noch per Halluzination auserwählt werden. Die Bösen sind die, welche gegen die gelobte Vernunft aufbegehren. Und das ist neben dem deutschen Kollektiv das islamische. Entsprechend gelten die Palästinenser der Bahamas als das derzeit wohl antisemitischste Kollektiv, was uns auch noch als eine kritische Zuschreibung verkauft wird [17]. Selbstverständlich wird hier die arabische Welt nicht als Teil eines kapitalistischen Weltmarktzusammenhangs begriffen, sondern als vormoderne, nichtkapitalistische Enklave. Den Antideutschen fehlt folglich eine Analyse der Funktionsweise des kapitalistischen Weltmarktes und das heißt eben auch, die peripher–kapitalistische Nicht– oder Teilindustrialisierung als Merkmal globaler Ausbeutung zu begreifen. Daher wird die Barbarei der Dritten Welt als vorzivilisatorischer Schrecken begriffen, woraus folgt, daß die westliche Zivilisation den Barbaren erst noch eingebleut werden muß. In antideutschen Publikationen finden wir folgerichtig Kolonialismus und Rassismus als Konsequenz derartigen Denkens anzutreffen. Der Islam wird als »deutsch« definiert und ist deshalb damit mit allen Mitteln imperialistischer Kriegspolitik zu bekämpfen. Konsequent bejubeln die Antideutschen den US–Einmarsch im Irak.

 

Treppenwitz

Daß sich hier deutsche Männer (und auch ihnen angepaßte Frauen) austoben, denen ihre Nischenexistenz in der Metropole zu Kopf gestiegen ist oder die sich in ihrem Nischenwohlstand von den vielen Neidern aus der Dritten Welt bedroht fühlen, liegt nahe. Israel dient ihnen dann nur noch als eine positive Projektionsfläche, um derart abgeschmackte Philosophien zu begründen, vor allem aber, um sie legitimieren zu können. Peinlich wird es dann, wenn

die Juden nicht spuren, wie sie in der antideutschen Geschichtsphilosophie sollen, wenn sie keine metaphysischen Subjekt–Objekte sein wollen, [denn] dann sind sie »AlibiJuden«. [18]

So ist das zumindest in den einschlägigen Schriften der Antideutschen nachzulesen, in ihrer antideutschen Ideologie. Denn wer über die Zusammenhänge dieser Welt reflektiert, um sie positiv aufzunehmen und zu verarbeiten, denkt und handelt ideologisch. Ideologie ist also ein positiver Bezug zur kritisierens– und verändernswerten Realität. Wenn die Antideutschen ein positives Verhältnis zum Kapitalismus angelsächsischer Prägung entwickeln und damit letztlich jede imperialistische Krisenintervention legitimieren, die nicht »deutsch« ist, dann handelt es sich um Ideologie, und nicht um eine Analyse zur emanzipatorischen Veränderung der Welt.

Diese Ideologie kommt nicht ohne Denunziation, Wortklauberei und analytische Unschärfe aus. Nehmen wir die Metapher vom Kein Blut für Öl, die ich für durchaus bedenklich halte. Allerdings weist Robert Kurz zurecht darauf hin, daß Blut und Blut nicht unbedingt dasselbe sein müssen. Für Wortklauberer ist das aber kein Problem: Blut ist Blut; und weil die Nazis den Begriff benutzt haben, ist er völkisch. Daß Pazifistinnen und Pazifisten das Wort in einem ganz anderen Zusammenhang benutzt haben könnten, nämlich als Kritik an Tod und Verstümmelung, kommt einem oder einer Antideutschen nicht in den Sinn. Assoziationen ersetzen so eine ernsthafte Analyse.

Weshalb ich die Begrifflichkeit dennoch für bedenklich, aber nicht notwendig für völkisch oder antisemitisch halte, das liegt daran, daß dieses doppelte Verständnis oder auch Mißverständnis im allgemeinen – und nicht zuletzt ideologischen – Sprachgebrauch schon angelegt ist. Wo Mißverständnisse vermieden werden können, sollte man und frau dies auch tun. Sonst ergeht es den Antideutschen so, wie Robert Kurz ihre eigene Argumentationslogik auf deren absurde Spitze treibt, wenn er schreibt:

Die Nazis sprachen deutsch, die Antideutschen sprechen deutsch, also sind die Antideutschen Nazis. [19]

Was die Antideutschen ohnehin nicht bekümmert würde, denn wer Antisemit ist, bestimmen ja nur sie [20]. Eine derartige Setzung entzieht sich nicht nur der Kritik, sondern auch der Beweisbarkeit.

Robert Kurz zeigt in seinem Buch Die antideutsche Ideologie die Fallstricke eines Denkens auf, das vielleicht gar nicht so weit entfernt ist von gänzlich anderen politischen Zusammenhängen. Das Entscheidende ist nicht die konkrete Wahnwelt, sondern die zugrunde liegende Identitätslogik, die darauf aufbaut, sich gegen die böse böse Außenwelt zusammenzuschließen. Identität entsteht hierbei durch Abgrenzung gegen außen, und nicht selbstbestimmt. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Und von dort ist es in der Tat nicht weit zum Bekenntnis, daß der Feind meines Feindes mein Freund ist. Und dann verwundert es vielleicht nicht, wenn die antideutschen Ideologen ihre Verbündeten ausgerechnet bei den Sachwaltern der kapitalistischen Verwertungskrise suchen. Der Treppenwitz der Geschichte ist jedoch, daß diese Antideutschen sich als Kommunisten wähnen. Karl Marx würde sich totgelacht haben. [20a]

Das Buch Die antideutsche Ideologie von Robert Kurz ist im vergangenen Herbst im Unrast Verlag erschienen und kostet 16 Euro.

 

Idealismus

Sind die Antideutschen wirklich so dumm, wie Robert Kurz sie in seinem Buch darstellt? Nun, die Auseinandersetzung zwischen ihm und seinem Feindbild läuft schon seit einigen Jahren ab. Daß mitunter die Polemik die sachliche richtige Zuordnung ersetzen könnte, ist nicht auszuschließen. Daher habe ich einen Blick in das von den Antideutschen Thomas Uwer, Thomas von der Osten–Sacken und Andrea Woeldike herausgegebene Buch Amerika – Der »War on Terror« und der Aufstand der Alten Welt geworfen, das letztes Jahr im ça ira–Verlag erschienen ist.

In der Tat geht es in ihrem Buch um einen in Deutschland grassierenden Antiamerikanismus und damit verbunden auch um Antisemitismus; und nicht zuletzt um den Versuch, die Kriseninterventionslogik des US–Imperialismus zu begreifen. Dabei zeigt sich, daß nicht selten die historische Wahrheit für das eigene ideologische Konstrukt zurechtgebogen wird. Denn was eine handfeste Ideologie ist, kennt keine Widersprüche. Ich möchte dies an einigen wenigen Punkten verdeutlichen.

Dabei geht es mir weniger darum, Geschichtsbilder zu korrigieren, sondern eher darum, uns selbst klarzumachen, daß wir unser eigenes Geschichtsbild genauer reflektieren sollten, um nicht dieselben Fehler, nur anders, als die von mir kritisierten Antideutschen zu begehn.

So wird den USA eine zivilisatorische Mission im Irak unterstellt, die nicht einmal George Dubya Bush derart begründen würde:

Entgegen der hierzulande geläufigen Wahrnehmung, Saddam Hussein oder Ossama bin Laden seien lediglich ein anderer Ausdruck der herrschenden Weltordnung, desselben kapitalistischen Diktats, allerdings unter den Bedingungen der Elendsverwaltung, setzen die USA auf die Demokratisierung des Nahen Ostens in einer Tradition, an die man sich in Deutschland nur unzugern erinnert: die Zerschlagung des Nationalsozialismus und des japanischen Militarismus sowie den darauf folgenden demokratisch–kapitalistischen Wiederaufbau beider Länder. [21]

Unterschlagen wird bei diesem Gedankenspiel, um was für eine Demokratie es sich denn dabei handelt bzw. gehandelt hat. Damit verbunden ist die spannende Erkenntnis,

daß gerade diejenigen, die sich der Verbreitung des Kapitalismus verschrieben haben und in oft ans Zynische grenzender Naivität erklären, mehr Markt löse die Probleme der Menschheit, sich der Barbarei, die heute im radikalen Islam ihren zeitgemäßen Ausdruck findet, entschlossener entgegenstellen als diejenigen, die in vermeintlich antikapitalistischer Manier zum Kampf gegen die USA mobilisieren. […] Wem am 11. September nichts einfiel als die verhungernden Kinder in der Dritten Welt, reproduzierte die dem Kapitalismus inhärente Barbarei weit eher noch als jene Freedom Fighters im Lager der berüchtigten Neokonservativen […]. [22]

Wenn ich den Gedanken zuende spinne, dann bedeutet das ja nur, daß zehn Millionen verhungernder Kinder im Jahr nicht so barbarisch sind wie die Selbstmordattentate durchgeknallter arabischer Männer. Dann wundert mich auch nichts mehr. Wenn Madeleine Albright vor etwa zehn Jahren nichts dabei fand, daß durch die von ihr mitgetragenen Sanktionen gegen den Irak hunderttausende Kinder krepierten, dann dient das ja einer weniger barbarischen, um nicht zu sagen: zivilisatorischen und demokratischen Sache. Oder ist es einfach nur so, daß diese Kinder ganz gewiß keine Selbstmordattentäter mehr werden können?

Schon im ersten Aufsatz wird der idealisierende Charakter des Buches deutlich. So schreiben Andrea Woeldike und Thomas von der Osten–Sacken allen Ernstes, daß im 19. Jahrhundert Amerika für fortschrittliche Kräfte in Europa ein Bezugspunkt gewesen sei, denn:

Amerika, Gegenentwurf zum alten Europa, das Land in dem die Nachfahren politischer Flüchtlinge die erste erfolgreiche Revolution durchführten, galt lange als egalitäre Gesellschaft, die sich vom Fluch des Feudalismus befreit habe und jedem, unabhängig von Herkunft oder Stand, die gleichen Aufstiegschancen biete. [23]

Ideologiekritisch hätte hier vermerkt werden müssen, daß der Schein nicht der Realität entsprach; und daß es nicht die Nachfahren politischer Flüchtlinge waren, welche die Unabhängigkeit von England erklärten, sondern Großgrundbesitzer (Sklavenhalter!) und Kleinkapitalisten. Abgesehen davon hatten diese Flüchtlinge kein Problem damit, ganz egalitär ihre indianischen Mitmenschen auszurotten. Sehr idyllisch und zivilisiert, das Ganze! Natürlich ist hierbei richtig, daß in den meisten Ländern Europas die politische Reaktion herrschte. Aber die Demokratie der USA war von Anfang an vor allem eine, die sich ihrer kapitalistischen Wurzeln bewußt war.

Die folgenden Aufsätze befassen sich mit dem in Deutschland schon seit Hegels und vor allem seit Karl Mays Zeiten vorhandenen Antiamerikanismus, der je nach Bedarf aktiviert werden könne. Hieran ist sicher vieles Richtige, aber leider werden die Erkenntnisse dem Diktat der zurecht gebogenen Wahrheit untergeordnet. Amerika ist gut und Deutschland ist böse. Carl Schurz, bürgerlicher Revolutionär von 1848 und später US–amerikanischer Minister, soll einmal geschrieben haben, daß es in den USA wohl Regierungen, aber keine Herren gebe, und daher die Anarchie in höchster Blüte existiere. Dieser ideologische Unfug eines bekehrten kapitalistischen Ministers wird für bare Münze genommen, um die Regierungsform der USA im 19. Jahrhundert zu begreifen [24]. Oder derselbe Autor, nämlich Gerhard Scheit, schreibt allen Ernstes:

Die Religion ist [in den USA] mehr als anderswo privatisiert, so sehr der Präsident sich auch auf Gott berufen mag, der Staat kannte von jeher keine eigentliche Staatsreligion, Säkularisierung ist überflüssig. [25]

Da frage ich mich, warum in einzelnen Bundesstaaten darum gekämpft werden muß, daß die Evolutionstheorie an Schulen gelehrt wird und nicht eine eingebildete biblische Mythologie. Säkularisierung scheint eben doch auch in den USA angesagt zu sein.

Grotesk wird es dann, wenn es darum geht, den US–Imperialismus zu legitimieren. Immer noch Gerhard Scheit schreibt, mal seien die USA als zentrale Macht der Durchsetzung kapitalistischer Allgemeininteressen tätig, mal würden sie dies mit einem eigenen Interesse verbinden. Und es sei ja gut, wenn die USA das allgemeine Interesse gegen das deutsche Wesen verteidigten. [26]

Und als bedürfte es noch des Nachweises, daß sich das neoliberale Denken im antideutschen Gewand wiederfinde, schreibt Christian Knoop, daß die (anglo–)amerikanische Vorstellung von Bürgerrechten und dem Fortschritt aller durch das Streben der Einzelnen nach Glück gekennzeichnet sei. So, als habe es nie den Ausschluß der nichtweißen Bevölkerung im eigenen Land von diesen Bürgerrechten gegeben. Naja, nach Glück durften sie alle mal streben ... Entscheidend sei, daß die Freiheit des Einzelnen als Unternehmer auf dem Markt definiert werde. Mir scheint, ich befinde mich in einem Proseminar Volkswirtschaftslehre zur ideologischen Erbauung [27]. Nett ist auch folgender Unsinn zum Isolationismus der USA in den 30er Jahren:

Der tiefsitzende Unwille, sich erneut in die Auseinandersetzungen des alten Kontinents hineinziehen zu lassen, war der maßgebliche Grund für die lange Zeit der Nicht–Intervention der Vereinigten Staaten gegen Nazideutschland. [28]

Einmal abgesehen davon, daß Christian Knoop damit indirekt zugibt, daß der US–amerikanischen Regierung die deutsche Politik der Judenvernichtung herzlich egal war, ist das pure Ideologie. Die USA sind erst in dem Moment in den 2. Weltkrieg eingetreten, als klar wurde, daß der New Deal alleine das erhoffte Wirtschaftswachstum und damit den Weg aus der Wirtschaftskrise nicht meistern würde. Die Notwendigkeit einer keynesianischen Kriegsökonomie war der entscheidende Grund dafür, sich machtpolitisch nicht nur in der damaligen westlichen Hemisphäre – also gegen Japan – zu engagieren, sondern auch in Europa.

Christian Knoop unterstellt dem US–Imperialismus edlere Motive, als der sich selbst in die Tasche lügt. Wer behauptet, die US–amerikanische Außenpolitik führe nach dem Ende des Kalten Krieges zur einer Politik klarer Interessenssphären zurück, im Sinne eines klassischen Liberalismus, der amerikanische Eigeninteressen mit demokratischen Sendungsbewußtsein verknüpft, hat ja wohl nicht alle Tassen im Schrank [29]. Die US–amerikanischen Vorstellungen von Demokratie sind jedoch immer damit verknüpft gewesen, eine kollaborationsbereite Elite mit der Machtausübung zu betrauen. Deshalb wurden ja auch alte Nazis für die junge Bundesrepublik reaktiviert. Der größte Teil der Bevölkerung war – außer vielleicht im vierjährigen Wahlakt – jedoch von dieser Sorte Demokratisierung ausgeschlossen. Die Art und Weise der Installation eines nach US–amerikanischer Interessenslage zusammengesetzten Regierungsrates im Irak spricht hier eine klare und deutliche Sprache.

 

Schurkenstück

Erhellender ist hingegen ein Aufsatz von Stephan Grigat, der die deutsch–amerikanischen Beziehungen seit 1945 beleuchtet. Der Autor geht dabei insbesondere auf die Vorstellungen von CDU– und SPD–Politikern ein. Doch dann wird in weiteren Aufsätzen die Friedensbewegung rundgemacht und in ihre antiamerikanischen Einzelteile zerlegt. Witzig ist hierbei ein Satz wie dieser:

Der Nachweis, daß Dick Chaney als Lobbyist »Ölinteressen« vertritt […], besagt ja gerade nicht, daß er den Irak rekolonialisieren, quasi Öl rauben, sondern er mit Öl handeln möchte. [30]

Und wir haben ja im Proseminar gelernt, daß Handel immer ein gerechter Austausch ist und nicht etwa durch militärische Intervention als global ungleicher Tausch durchgesetzt wird. Man fragt sich wirklich, wie es manche antideutsche Autoren schaffen, einhundert Jahre Imperialismuskritik einfach auszublenden. Vielleicht hilft uns folgender Satz derselben Autoren, Uli Krug und Bernd Volkert, weiter:

Die Freiheit, die [US–amerikanische Ideologen] verteidigen, kann nicht mehr sein als die Freiheit der Konkurrenz und des Verfolgens notwendig bornierter, individueller Interessen. Gerade darin aber liegt Hoffnung. [31]

Das klingt genauso, als würden Silke Lautenschläger oder Gerhard Schröder uns den Niedriglohnsektor und die Ich–AG mit den Worten verkaufen: "Aber darin liegt Hoffnung." Nur daß das Zauberwort hier nicht Hoffnung, sondern Chance lautet, die wir nur wahrzunehmen hätten. Bei einem solch vereinfachenden Weltbild darf es uns dann nicht mehr wundern, wenn auf einmal die arabischen Länder an ihrem eigenen Elend Schuld sind – nicht etwa koloniale oder neokoloniale Regimes und Strukturen.

Kein amerikanisches Unternehmen hat ernsthaft ein Interesse daran, daß Frauen in Saudi–Arabien das Autofahren untersagt ist, und wenn die amerikanische Außenpolitik auch jahrelang die afghanischen Mudjaheddin im Kampf gegen die Sowjetunion unterstützten, so bedeutet dies nicht, daß sie mit den von ihnen verfolgten radikal–islamischen Zielen übereinstimmte. [32]

Daran ist allenfalls richtig, daß die US–Regierungen allesamt nicht zum Islam konvertiert sind. Daß aber Frauen den Wirtschaftsinteressen geopfert werden und im Kampf gegen das Böse jede noch so verrückte Koalition als vernünftig angesehen wird, wird auch Thomas Uwer nicht leugnen können. Der Kapitalismus ist eine historisch entstandene patriarchale Gesellschaftsformation; und deshalb würden zwar US–Firmen auch Frauen Auto fahren lassen, aber letztlich haben sie auch kein Problem damit, Frauen einzusperren. Warum auch? Diskriminierung gehört zum Geschäft.

Aus der idealisierenden Darstellung kapitalistischer Verwertungsinteressen wird daraufhin der Schluß gezogen, daß die irakischen Massengräber eben nicht Ausdruck des Weltmarktes seien, sondern das Ergebnis autochthoner (das klingt ja auch viel besser als: eingeborener) Barbarei. Tatsächlich! Doch wie kommt dann Madeleine Albright auf die törichte Idee, es richtig zu finden, wenn Wirtschaftssanktionen massenhaft Kinder töten? Und wer hatte Saddam Hussein noch einmal die Waffen zum Massenmord geliefert? [33]

Natürlich ist es richtig, darauf hinzuweisen, daß sich die arabischen Massen nicht damit herausreden können, der böse Westen sei an ihrem Elend schuld. Die palästinensische Autorin Sahar Khalifa legt beispielsweise in ihren Romanen die Dumpfheit der patriarchalen Männerwelt in all ihren Facetten bloß, selbst da, wo sie sich revolutionär gebärdet (also die Dumpfheit, nicht die Autorin). Aber daß diese Regimes deshalb so barbarisch funktionieren, nur weil die USA kein Interesse am Wandel haben würden und lieber mit dem status quo zufrieden seien, ist einfach albern. Nirgendwo, so belehrt uns jedoch Thomas Uwer,

[n]irgendwo in der Region haben die Menschen einen derartigen Terror erleben müssen wie dort, wo arabisch–nationalistische und islamistische Bewegungen als Befreier antraten. [34]

Kunststück – außer Israel hat es dort nichts anderes gegeben. Schauen wir hingegen ein wenig über diesen bornierten Horizont des islamischen Feindbildes, zum Beispiel nach Indonesien oder nach Vietnam, dann sehen wir, daß der islamische Terror der arabischen Welt im Vergleich (aber nur im Vergleich!) hierzu ja noch geradezu harmlos war. Da fragt sich schon, welches Interesse an der Einengung des Blickwinkels besteht. Ob es die herbei halluzinierte US–amerikanische Demokratisierung des Nahen Ostens ist?

Ich kann mir nicht helfen – selten habe ich ein Buch gelesen, daß derart ideologiebefrachtet war. Es scheint, als habe Robert Kurz Recht behalten: die ganze Darstellung arbeitet sich daran ab, sich am deutschen Wesen, an deutschen Interessen und an deutschen Befindlichkeiten zu orientieren. Natürlich in negativer Abgrenzung. Eine ernsthafte Klassenanalyse der arabischen Welt findet hingegen ebenso wenig statt wie eine illusionslose Aufarbeitung innerimperialistischer Gegensätze. Das einzig Brauchbare an dem Sammelband Amerika – Der »War on Terror« und der Aufstand der Alten Welt ist der fast litaneiartig wiederholte Verweis auf die unterschwelligen deutschen Ressentiments gegen die USA oder Israel. Um nicht selbst diesen Ressentiments zu verfallen, ist eine Auseinandersetzung hiermit ohne Zweifel nützlich und notwendig. Doch diese Litanei geht fast schon unter in der zwanghafen Fixierung darauf, die USA zum Garanten einer Politik zu erklären, die Deutsche und Moslems daran hindert, sich die Welt barbarisch anzueignen.

Die Einsicht, daß man von den Deutschen stets das Schlimmste erwarten sollte [35], so Stephan Grigat, kann doch nicht dazu führen, den Schurken einen Oberschurken als Aufpasser zu wünschen, einen Aufpasser, den man nach Möglichkeit vom Schurkentum freispricht. Aber das ist in der Tat die Logik dieses Buches. Es ist im ça ira–Verlag erschienen und kostet 17 Euro 50.

 

Schluß

Jingle Alltag und Geschichte –

heute mit der Vorstellung antideutscher Flausen anhand zweier sehr verschiedener Bücher, und zwar

Diese Sendung wird Montagnacht um 23 Uhr wiederholt, sowie am Dienstag um 8 und um 14 Uhr. Es folgt nun Heinerkult (vertretungsweise) mit Gerhard Schönberger. Für die Redaktion Alltag und Geschichte auf Radio Darmstadt verabschiedet sich Walter Kuhl.

 

 

AUSGEWÄHLTE LITERATUR ZUR SENDUNG

 

Ivo Bozic : Fahnenschändung, in: Jungle World, Nr. 14 vom 24. März 2004
Jürgen Elsässer : Astronautenkost, in: junge Welt, 6. November 2003
Paul–Philipp Hanske : Die Antideutschen. Zündfunk (Bayerischer Rundfunk), 28. November 2003
Kriegsrat II. Thomas Ebermann und Thomas Uwer diskutieren über den Irakkrieg und die Folgen, in: Jungle World, Nummer 17 vom 14. April 2004
Tjark Kunstreich : Von Benes zu Sharon ... oder von Henlein zu Arafat, in: Bahamas 38 (2002)
Tjark Kunstreich / Christian Wagner : Pull up to the bumper, baby. Wie Antideutsche den CSD penetrierten, in: Bahamas 42 (2003)
Robert Kurz : Die antideutsche Ideologie. Vom Antifaschismus zum Krisenimperialismus: Kritik des neuesten linksdeutschen Sektenwesens in seinen theoretischen Propheten, Unrast Verlag 2003
Robert Kurz : Die Schule des Bellizismus. Kurzer Lehrgang zur Einführung in die neue antideutsche Sachlichkeit, 30. Juni 2003
Thomas Uwer / Thomas von der Osten–Sacken / Andrea Woeldike : Amerika – Der »War on Terror« und der Aufstand der Alten Welt, ça ira–Verlag 2003
Justus Wertmüller : Wir Freunde des amerikanischen Krieges. Warum man Israel nicht kritisieren darf und auf die Liebe kein Verlaß ist, in: Bahamas 42 (2003)
Zur Spaltung der Krisis–Gruppe. Erklärung ehemaliger Redaktions– und Trägerkreismitglieder. April 2004
Liebe Freundinnen und Freunde der Krisis! 7. April 2004

 

 

ANMERKUNGEN

 

[1]   Birgit Femppel : Eklat um Dillmann, in: Darmstädter Echo vom 11. März 2004, Seite 14. Zitat aus dem Artikel :

Tiefe Betroffenheit und große Empörung löste Jörg Dillmann (Uffbasse) am Dienstagabend bei der Stadtverordnetenversammlung aus: Er fühle sich zwar jetzt unangenehm, als Deutscher, aber da überall gespart werden müsse, sei seine Fraktion der Meinung, die Stadt solle der jüdischen Gemeinde keine Trauerhalle für 400.000 Euro bezahlen. Das habe nichts mit Wiedergutmachung zu tun, wie bei der Liberalen Synagoge, die von den Nazis zerstört wurde, sagte er. Hier werde eine Religionsgemeinschaft gegenüber anderen, die zum Beispiel eine Moschee bauen wollten, bevorzugt. Außerdem habe es im vergangenen Jahr in der jüdischen Gemeinde nur 22 Beerdigungen gegeben. Die Summe sorge in der Bevölkerung für Unmut.

[2]   Ivo Bozic : Fahnenschändung, in: Jungle World, Nummer 14 vom 24. März 2004
[3]   Die Audiofassung dieses Trailers ist auf dem Audioportal des Bundesverbandes Freier Radios zu finden.
[4]   Siehe hierzu auch programmatisch den Reader zum Kongreß Die Radikale Linke (Konkret Literatur Verlag 1990) und die Reden und Diskussionsbeiträge auf dem Kongreß der Radikalen Linken (isp–Verlag 1990).
[5]   Robert Kurz : Die antideutsche Ideologie, Seite 7.
[6]   Kurz Seite 9.
[7]   Kurz Seite 10.
[8]   Kurz Seite 25.
[9]   Kurz Seite 43.

[10]  Karl Marx äußerte sich an verschiedenen Stellen zum globalen kapitalistischen Entwicklungsprozeß. Hier eine kleine Auswahl :

  • Vorwort zur 1. Auflage des Kapital [Band I, 1867, MEW 23, Seite 12]: "Das industriell entwickeltere Land zeigt dem minder entwickelten nur das Bild der eignen Zukunft."
  • Die künftigen Ergebnisse der britischen Herrschaft in Indien [1853, MEW 9, Seite 221]: "England hat in Indien eine doppelte Mission zu erfüllen: eine zerstörende, und eine erneuernde – die Zerstörung der alten asiatischen Gesellschaftsordnung und die Schaffung der materiellen Grundlagen einer westlichen Gesellschaftsordnung in Asien."
  • Die britische Herrschaft in Indien [1853, MEW 9, Seite 133]: "Gewiß war schnödester Eigennutz die einzige Triebfeder Englands, als es die soziale Revolution in Indien auslöste, und die Art, wie es seine Interessen durchsetzte, war stupid. Aber nicht das ist hier die Frage. Die Frage ist, ob die Menschheit ihre Bestimmung erfüllen kann ohne radikale Revolutionierung der sozialen Verhältnisse in Asien. Wenn nicht, so war England, welche Verbrechen es auch begangen haben mag, doch das unbewußte Werkzeug der Geschichte, indem es diese Revolution zuwege brachte."

[11]  Kurz Seite 111.
[12]  Kurz Seite 113.

[13]  Kurz Seite 114–115. Moshe Zuckermann ist beispielsweise einer derjenigen Israelis, den die Antideutschen überhaupt nicht mögen. Was den Aspekt der Kollaboration mit rechten Kräften betrifft: Die Redaktion der Bahamas legte beispielsweise gewissenhaft dar, warum auf einer antideutschen Konferenz ein Redakteur der Welt willkommen sei :

Wenn der 11. September etwas unabweisbar deutlich gemacht hat, dann dies: daß immer größere Kreise der "Linken" sich von ordinären Faschisten nicht unterscheiden […]. Umso bewundernswerter ist vor diesem Hintergrund das, was Redakteure wie etwa Miriam Lau und Alan Posener in der "Welt" leisten – deren Artikel werden aber regelmäßig immer noch übertroffen von den scharf durchdachten, polemisch treffsicheren und sachlich lehrreichen Artikeln des Redakteurs Hannes Stein. […] Nun sollte sich aber gerade unter antideutschen Materialisten herumgesprochen haben, daß das linkspopuläre Ressentiment von der "Springer–Presse" zum Himmel stinkt […]. [D]aher lohnt es sich ungleich mehr, mit einem ausgewiesenen und intelligenten konservativen Autoren zu streiten als mit irgendwelchen abgehalfterten Polit–Mumien. Das ist […] der Versuch […], einen Streit zwischen Leuten zu führen, die wie Hannes Stein und der Vorbereitungskreis sich ungleich mehr zu sagen haben als etwa der Vorbereitungskreis und die Linken.

Woraus wir ersehen können, daß die antideutsche Ideologie sich selbst der Rechten nahe wähnt. Da gehört sie auch hin.

[14]  Kurz Seite 134.
[15]  Kurz Seite 144.
[16]  Kurz Seite 176.
[17]  zitiert nach: Initiative Sozialistisches Forum : Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten, Seite 176.
[18]  Kurz Seite 210.
[19]  Kurz Seite 278.
[20]  Kurz Seite 280.

[20a] Einige Tage nach dieser Sendung bin ich auf zwei interessante Gedankengänge gestoßen, die – ein wenig gegen den Strich gelesen – so manches erklärlich machen. Ich habe sie in dem im Psychosozial–Verlag erschienenen Sammelband Der 11. September gefunden. Dort schreibt der US–amerikanische Psychoanalytiker Jerry S. Piven ["Terrorismus als Religionsersatz", Zitat auf Seite 210–211] :

Wir müssen jedoch auch immer fragen, in welchem Maße wir Feinde herausfordern und animieren, unsere Fantasien auch zu erfüllen. […] Die Frage ist, inwieweit auch wir einen Feind als Sündenbock brauchen, um unsere Fantasien zu erfüllen, und inwieweit wir seine Vergeltung herausgefordert haben, um die Fantasie von unserem Gutsein und unserer moralischen Souveränität aufrechtzuerhalten. Auch wir haben unsere Fiktionen und unsere mörderischen Neigungen, die durch Mythen und eine Propaganda der Selbstgerechtigkeit maskiert werden.

Johannes Döser ergänzt in einer Endnote ["Zur Psychogenese der terroristischen Entschlossenheit", Zitat auf Seite 253] :

Wenn man sich an die Diskussion in Deutschland erinnert, kann man feststellen, dass bei aller Solidarität mit Amerika seine Fragwürdigkeit als »Weltcontainer« zur Debatte stand und sich Ambivalenz und Enttäuschung darüber Luft machen mussten. Das säkulare Wunschideal nach einem vertrauenswürdigen »Containing« kann auch die USA, das Land Jeffersons und Franklins, diese großzügige Erfinderin der Demokratie, die nie von einer Schreckensherrschaft regiert wurde, die sich von der engstirnigen, antiquierten und zaudernden Winkelbourgeoisie Europas abgesetzt hat, dieses weite pragmatische Land »der unbegrenzten Möglichkeiten« und achtbare Vorbild in Wohlstand, Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetz nicht erfüllen.

Wo diese ContainerFunktion im Deutschland zu Beginn des 21. Jahrhunderts brüchig zu werden scheint, besinnt sich ausgerechnet die idealistische antideutsche Ideologiebildung hierauf. Offensichtlich erfüllt der Container auch hier erst einmal den Zweck, sich den Guten zurechnen zu können, um im zweiten Schritt umso entschlossener das Weltstrafgericht gegen das Böse wenn schon nicht selbst auszuüben, so doch selbiges herbeiphantasieren und beklatschen zu können. Manichäische Weltbilder ersetzen so jede ernsthafte Analyse. Doch dazu mehr im nachfolgenden Text.

[21]  Thomas Uwer / Thomas von der Osten–Sacken / Andrea Woeldike : Vorwort, in: dieselben (Hg.) : Amerika, Seite 15.
[22]  Thomas Uwer / Thomas von der Osten–Sacken / Andrea Woeldike : Vorwort, in: dieselben (Hg.) : Amerika, Seite 15–16.
[23]  Andrea Woeldike / Thomas von der Osten–Sacken : >Altes Europa<, Neue Welt, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 21.
[24]  Gerhard Scheit : Monster und Köter, großer und kleiner Teufel, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 77.
[25]  Gerhard Scheit : Monster und Köter, großer und kleiner Teufel, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 80.
[26]  Gerhard Scheit : Monster und Köter, großer und kleiner Teufel, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 85 und 99.
[27]  Christian Knoop : Vom Isolationismus zum >War on Terror<, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 102.
[28]  Christian Knoop : Vom Isolationismus zum >War on Terror<, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 113.
[29]  Christian Knoop : Vom Isolationismus zum >War on Terror<, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 124.
[30]  Uli Krug / Bernd Volkert : Vorkrieg I: Hate Letters to America, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 165–166.
[31]  Uli Krug / Bernd Volkert : Vorkrieg I: Hate Letters to America, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 167.
[32]  Thomas Uwer : Altes Europa, neuer Orient, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 217.
[33]  Thomas Uwer : Altes Europa, neuer Orient, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 241.
[34]  Thomas Uwer : Altes Europa, neuer Orient, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 241.
[35]  Stephan Grigat : Double–bind. Deutsch–amerikanische Beziehungen seit 1945, in: Uwer u.a. (Hg.) : Amerika, Seite 150.

 

 

Diese Seite wurde zuletzt am 22. Dezember 2005 aktualisiert.
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