Tübingen
Wandgemälde in Tübingen

Kapital – Verbrechen

Die Architektur der Utopie im Wahnsinn jetzt

Sendemanuskript

Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte

Radio: Radio Darmstadt

Redaktion und Moderation: Walter Kuhl

Ausstrahlung am:

Montag, 13. Dezember 2010, 17.00 bis 18.00 Uhr

Wiederholt:

Montag/Dienstag, 13./14. Dezember 2010, 23.10 bis 00.10 Uhr
Dienstag, 14. Dezember 2010, 05.10 bis 06.10 Uhr
Dienstag, 14. Dezember 2010, 11.10 bis 12.10 Uhr [1]

Zusammenfassung:

Der Bauverein in Darmstadt bedient seine grüne Klientel mit wohlgefälligem Wohnraum und schmeißt hierzu arme Schlucker auf die Straße. Die Architektin Karola Bloch wirkte als Antifaschistin, Kinderfreundin und Sozialistin. Rassismus ist nicht nur gut Deutsch, sondern hört sich auf gut Deutsch auch richtig Deutsch an. Die wohlbeleibte Metropolengesell­schaft des beginnenden 21. Jahrhunderts leidet nicht an zu viel fettreicher Ernährung, sondern an Umständen, die Menschen dazu verleiten, zu viel vom Falschen zu essen und zu trinken.

Die in den Anmerkungen verlinkten Artikel aus dem „Darmstädter Echo“ werden erfahrungs­gemäß nach etwa einem Jahr aus dem Onlineangebot herausge­nommen. Insofern kann es ab 2011 vermehrt dazu kommen, daß die angegeben Links ins Leere laufen. Spätestens beim nächsten Relaunch der Webseite dieser Zeitung wird dies ohnehin der Fall sein.

Besprochene Bücher:

Zur Neoliberalisierung von Radio Darmstadt und seinem Trägerverein und zur Ausgrenzung mehrerer Mitglieder meiner Redaktion seit 2006 siehe meine ausführliche Dokumentation.


Inhaltsverzeichnis


Grüne Wohnidylle mit unsozialem Nebeneffekt 

Jingle Alltag und Geschichte

Absurdes Theater spielt die Darmstädter Lokalpolitik. Wäre es nicht so ärgerlich, daß letzten Endes wir für die daraus entstehenden Kosten bluten müßten, dann könnten wir befreit auflachen. Und damit meine ich nicht die Scharade um die Abwahl des Aufsichtsratsvor­sitzenden der Heag Holding, Darmstadts noch-Oberbürger­meister Walter Hoffmann [2]. Ob die Stellung der Stadt im Konzernge­flecht Heag/HSE dadurch gestärkt oder geschwächt wird, mag dahinstehen. Ohnehin kungeln in Vorständen und Aufsichtsräten nicht die Vertreterinnen und Anwälte von Bürgerinnen­interessen, sondern die Lobbyisten der auf Rendite erpichten Wirtschaft. Allerdings ist im Falle Heag anzumerken, daß bei der Abwahl Hoffmanns sicherlich die kommenden Wahlen [3] eine Rolle gespielt haben mögen.

Nachdem Teile der SPD Anfang des Jahres ohne zwingenden Grund versucht hatten, Walter Hoffmann abzusägen, aber dabei für einen Plan B in der Hinterhand zu blöd waren [4], wird der parteiintern geschwächte Oberbürger­meister nun von der Opposition medien­wirksam attackiert. Man und frau mag sich fragen, was an den getuschelten Andeutungen über weitere Vorkommnisse dran ist. Erfahren dürfen wir das wegen angeblicher Verschwiegenheitspflichten nicht [5]. Transparenz ist und bleibt in Darmstadts Stadtpolitik ein Fremdwort, zumindest uns gegenüber. Uns bleibt in wenigen Wochen nur die Wahl, welche Intriganten­fraktion wir stärken oder schwächen. Nein, hierum geht es mir heute nicht.

Absurdes Theater spielen auch die Grünen, diesmal im und um den Bauverein. Selbiger, immerhin ein städtisches Unternehmen, betreibt seit Jahren das Geschäft der Gentrifizierung. Mit diesem Begriff – Gentrifizierung bzw. gentrification – wird in der Stadtgeo­grafie ein Prozeß der Umwandlung inner­städtischer ärmerer Viertel zu Neureichen­siedlungen verstanden. Hierbei geht es nicht nur um Sanierung, sondern um die erwünschte Vertreibung ehemaliger Bewohnerinnen und Mieter. Die hiermit verbundene städtische Aufwertung folgt der Logik neoliberaler Zerstörung sich dem Profit­interesse widersetzender Strukturen.

Auf Darmstadt bezogen (und etwas kleinteiliger): Ganze Gebäudezeilen werden modernisiert oder gleich ganz abgerissen, um neuem, wesentlich teureren Wohnraum für eine kaufkräftige Klientel zu erschließen. Dies war so in der Gießener Straße am ehemaligen Schlachthof und in der Holzhof­allee; nun sind die Häuser der ehemaligen Postsiedlung in der Oppenheimer und Binger Straße in der Nähe des Südbahn­hofs an der Reihe. Dutzenden von Mieterinnen und Mietern flatterte im September ein Kündigungsschreiben ins Haus, weil sich der Bauverein an einer angemessenen wirtschaft­lichen Verwertung des Areals gehindert sehe. So läuft das eben – Leute rausschmeißen, die dort schon ewig lange leben, um Luxusmoderni­sierung zu betreiben:

Wir beabsichtigen auf dem Areal, in welchem sich auch Ihr Mietobjekt befindet, nach Räumung der jetzigen Mietobjekte einen Abriss vorzunehmen und ca. 12 Wohnungen in drei 4–geschossigen Mehrfamilien­häusern sowie ca. 40 Reihenhäuser mit einer Gesamtwohn­fläche von ca. 7.120 qm zu errichten. Die neu entstandenen Wohnungen und Reihenhäuser sind für einen Einzelverkauf vorgesehen.

Das Ganze nennt sich dann Oppenheimer Park. Nun handelt es sich hierbei um recht freistehende mehrgeschossige Wohnge­bäude, deren Gesamtfläche, so der Bauverein, nur ein Drittel der geplanten neuen Nutzungs­fläche betrage. Bei diesem Park handelt es sich demnach um eine städtebau­liche Verdichtung, dem so manches Grün zum Opfer fallen dürfte. Sofern die neuen Eigen­tümerinnen die Wohnungen und Häuser vermieten, ist schon jetzt von einer Verdopplung des Mietpreises auszugehen.

Zum Abriß freigegebene Häuser in der Oppenheimer Straße mit grünem Farbtupfen.Das Kündigungs­schreiben enthält eine genaue Berechnung der vorhandenen und der angestrebten Rentabilität, wobei manche Zahlen doch arg willkürlich erscheinen. Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, daß das Ergebnis so zurechtge­rechnet wurde, daß eine Kündigung dabei geradezu herausspringen mußte. Insbesondere der vom Bauverein zu verantwortende Leerstand von rund einem Viertel der Wohnungen der ehemaligen Postsiedlung geht knallhart in die Kalkulation ein. Wo leer da keine Einnahme, also Abriß. Wobei anzumerken ist, daß selbst der Bauverein zum Zeitpunkt der Kündigung davon ausgegangen ist, daß eine mit einer Aufstockung der Gebäude verbundene Sanierung entgegen einer vorherigen Einschätzung eine sinnvolle Option sei. [6]

Nun ist ja im Prinzip gegen eine Sanierung und Moderni­sierung auf den heutigen technischen und ökologischen Stand nichts zu sagen. Allein – selbige geht grundsätz­lich zu Lasten der Mieterinnen und Mieter, die nicht nur monatelang mit Lärm, Dreck und anderen Unannehmlich­keiten belästigt werden, sondern nach über­standener Tortur auch mehr berappen sollen. Wohnraum ist eben kein Grundbe­dürfnis, sondern ein Geschäft.

Wer nun steckt hinter dieser Mustersiedl­ung für Betuchte? Der Vorstand des Bauvereins besteht aus den Grünen Hans-Jürgen Braun und Daniela Wagner, sowie dem SPD-Landtagsab­geordneten Michael Siebel. So viel zum Thema soziale rot-grüne Politik. – Nun ist Kritik am Bauverein nichts Neues. Immer wieder können wir beispielsweise in der lokalen Heimatzeitung lesen, was sich Mieterinnen und Mieter dieses städtischen Unternehmens alles so gefallen lassen müssen [7]. Der Bauverein handelt eben wie ein stink­normaler Konzern, und das heißt, es gilt nur ein Gesetz: Verwertung, Rendite, Profit. Wer solcherlei nur von FDP und CDU erwartet, liegt falsch. SPD und Grüne können das genausogut. Deshalb sitzen ihre Vertreterin und Vertreter auch im Vorstand der städtischen Wohnungsvermarktung.

Die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner der Oppenheimer Straße haben sich organisiert und lautstark ihren Protest gegen ihre Verwurstung bekundet. Seltsamer­weise haben sich auch die Darmstädter Grünen diesem Protest angeschlossen, insbesondere Jochen Partsch, der OB-Kandidat, und Brigitte Lindscheid, die Frontfrau auf der Kommunal­wahlliste [8]. Seltsam ist dies schon deshalb, weil Jochen Partsch als Wohnungs­dezernent wohl nicht weiß, was Daniela Wagner als Vorstandsmit­glied des Bauvereins zu verantworten hat, obwohl sie das doch sicherlich innerhalb ihres trauten Familien­lebens ausdiskutieren könnten. Kommunizieren die Beiden nicht miteinander? Oder liegen hier ebenfalls Verschwiegenheits­pflichten vor, mit deren Intransparenz ein Stück sozialer Kahlschlag zugunsten der neuen grünen Mittelschichten durchgesetzt werden soll?

Nun, dann wissen wir jetzt wenigstens, was wir von einem Grünen Oberbürger­meister Jochen Partsch (sollte er denn gewählt werden) zu erwarten haben. Nämlich dieselbe Filzpolitik wie bei den anderen darin geübten Parteien auch. Ich erinnere mich dunkel daran, daß die Darmstädter Grünen in den 90er Jahren ganz offiziell gegen den städtischen Filz angetreten waren [9]. Doch dieser Filz ist offensichtlich smart genug, seine Kritikerinnen und Gegner mit Pöstchen und schnuckelig-schönem Wohnraum einzubinden. Meint Walter Kuhl aus der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt.

 

Wie unterschiebt frau Bürokraten eine Utopie?

Besprechung von : Irene Scherer / Welf Schröter (Hg.) – Karola Bloch. Architektin. Sozialistin. Freundin, Talheimer Verlag 2010, 392 Seiten, € 44,00

Städtebau folgt seit dem 19. Jahrhundert einer ganz bestimmten Logik. Moderne Städte müssen geplant werden für die profitable Erschließung menschlicher und natürlicher Ressourcen. Hierzu gehören Verkehrsadern und nach sozialen Gesichts­punkten errichtete oder umgestaltete Stadtviertel, gehören repräsentative Gebäude und eine funktionale Infrastruktur. Und natürlich eine Kanalisation zur Vermeidung von Krankheiten; dies vielleicht auch, weil die Bourgeoisie nicht selbst krank werden wollte, vor allem aber deswegen, damit die Arbeitskräfte vollumfänglich ausgebeutet werden konnten.

Stadtplanung ist in der Regel eine Planung über die Köpfe der betroffenen Menschen hinweg, ja im Grunde gegen sie gerichtet. Stadtplanung ist deshalb ein bürokratischer Akt, in dem Menschen als Störfaktor erscheinen. Dieser Störfaktor wird weggeplant, umgesiedelt, ausgegrenzt. Mit dem Siegeszug des Neoliberalismus wird staatliches oder kommunales Handeln an privatwirt­schaftliche Interessen delegiert. Folgerichtig schaffen sich Kommunen Eigenbetriebe, die sich dem Einfluß und der Kontroller kommunaler Parlamente entziehen. Die Heag Holding mit all ihren Unterabteilungen gehört hierzu genauso wie der Bauverein, das Darmstadtium oder die EAD.

Innerhalb dieser Logik bewegen sich Architektinnen und Architekten, die – wenn sie zum Zuge kommen wollen – sich nach denselben privat­kapitalistischen Prinzipien organisieren müssen. Der Architekt, der ein Einfamilien­haus plant, besitzt jedoch andere (und in der Regel geringere) Möglich­keiten und Ressourcen als das Architekturbüro, das für städtische Großprojekte verantwortlich zeichnet. Konzentration und Zentralisation, zwei wesentliche Merkmale kapitalistischer Vergesell­schaftung, finden auch hier statt.

Vor einhundert Jahren jedoch war es für eine Frau so gut wie unmöglich, Architektin zu werden. Die patriarchale Grund­stimmung der bürgerlichen Gesellschaft machte es Frauen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts schwer, diesen Beruf zu erlernen, gar ihn auszuüben. Es bedurfte eines gewissen Beharrungsver­mögens und Willensstärke, aber vermutlich auch eines eigenen gutbürger­lichen Hintergrundes, um hier als Frau erfolgreich zu sein.

Eine dieser Frauen war Karola Bloch. Karola Bloch wurde 1905 in Łodz als Tochter eines jüdischen Textil­fabrikanten geboren, sie entstammte einer arrangierten Ehe. Obwohl wohlbehütete Tochter aus gutbürger­lichem Haus, nahm sie Unterdrückung, Ausbeutung und Armut recht früh wahr. Infolge des deutschen Vormarsches im Ersten Weltkrieg floh die Familie nach Moskau, wo Karola 1917 und 1918 die Oktober­revolution aufmerksam und mit viel Sympathie verfolgte. Nun mag man und frau sich fragen, ob die Schwärmerei einer Elfjährigen ernst zu nehmen sei, doch sie behielt ihre solidarische und emanzipative Grundhaltung ihr Leben lang bei – vielleicht auch, weil sie als Frau und als Jüdin trotz ihrer bürgerlichen Herkunft Unterdrückung und Ausgrenzung am eigenen Leib verspürt hat.

Buchcover Karola BlochDer diesen Herbst im Talheimer Verlag herausge­brachte Sammelband „Karola Bloch – Architektin Sozialistin Freundin“ bringt uns eine Frau näher, die gegen die Widerstände ihrer Zeit und mit großem Elan durchsetzen konnte, Architektur nicht nur zu studieren, sondern später auch – wenn auch unter anderen widrigen Umständen – diesen Beruf auszuüben. Die Heraus­geberin Irene Scherer und der Herausgeber Welf Schröter waren ihr bis zu ihrem Tod 1994 eng verbunden. Die sich hieraus ergebende Verbunden­heit spürt die Leserin, erahnt der Leser quer durch ein Buch, das die verschiedenen Facetten einer Frau zusammen­trägt, die 1961 aus Leipzig nach Tübingen übersiedelte und in der Bundesre­publik weitgehend als die Ehefrau des Philosophen Ernst Bloch wahrge­nommen wurde. Daß Karola Bloch eine eigenständige, emanzipierte Frau gewesen ist, wußten nur diejenigen, die näher mit ihr bekannt waren. Sie war nicht „Frau von“, vielmehr lange Jahre diejenige, die ihrem Ernst ihre ganz eigene Persönlich­keit aufgedrückt hat.

Karola Bloch orientierte sich in den 1920er Jahren, als sie in Berlin lebte, nicht nur an der feministischen Theorie der damaligen Zeit, sondern auch an modernen Bauformen, insbesondere am Bauhaus. Allerdings war das Bauhaus, wie der Rest der Gesellschaft, Frauen gegenüber verschlossen. Zwar gab es dort eine hohe Anzahl von Studentinnen, doch wurden sie gezielt auf die Arbeit mit Textilien angesetzt. Architektur waren eben auch dort Männersache. Schließlich – so Johannes Itten, einer der künstlerischen Leiter in Weimar – können Frauen ja nicht genausogut drei­dimensional sehen wie Männer. In der Praxis zeigt sich jedoch, daß manche Männer nicht einmal über die erste Dimension hinauskommen.

Infolge der Machtübergabe an die Nazis emigrierte Karola Bloch zunächst in die Schweiz, wo es ihr gerade noch gelang, ihr Architektur-Diplom zu erhalten, bevor sie ausgewiesen wurde. Über Wien, Paris und Prag gelangte sie in die USA, wo sie für den Lebensunter­halt ihrer inzwischen dreiköpfigen Familie aufkommen mußte. Das war als Frau im Architektur­beruf nicht leicht. Während der 30er Jahre, noch in Europa, war sie als Kurierin im anti­faschistischen Auftrag unterwegs. In den 20er Jahren bewegte sie sich im Milieu der KPD, aber die Stalinschen Schauprozesse der 30er Jahre behagten ihr überhaupt nicht.

Dennoch nahmen die Blochs eine Einladung aus der DDR an. Ernst Bloch, der bis dato zwar nicht unbekannte, aber privatisierende Philosoph, erhielt im Alter von 64 Jahren einen Ruf an die Universität Leipzig. Auch hier bestand Karola Bloch auf ihrer beruflichen Eigenständigkeit. Für die Deutsche Bauakademie entwarf sie Typenpläne für Kindergärten und Kinder­krippen. Zwar konnte sie ihre Vorstellungen von sozial orientierter moderner Architektur nur ansatzweise umsetzen, aber ihr Einfluß auf die Gestaltung frühkindlicher sozialer Aufbewahrungs- und Lernstätten darf nicht übersehen werden.

Allerdings rieb sie sich am vorgegebenen stalinistischen Zuckerbäcker­stil und machte aus ihrer Abneigung gegen diese absurde Architektur kein Hehl. Als sie dann noch Sympathien für die Rebellion der Arbeiterinnen und Arbeiter in Polen 1956 und den Ungarn-Aufstand desselben Jahres zeigte, wurde sie zur persona non grata. 1957 wurde sie aus der Partei ausgeschlossen, und so nutzten beide Blochs eine Vortragsreise in der Bundesre­publik 1961 zur Übersiedlung ins beschauliche Tübingen. Karola Bloch, das Großstadt­kind, wurde in eine andere Welt versetzt. Ihren Beruf übte sie nicht mehr aus, aber in den 70er Jahren entwickelte sie ein vielfältiges soziales und politisches Engagement.

Welf Schröter führt uns als Mitheraus­geber des Sammelbandes in ihre von fortschritt­lichen Gedanken geprägte Architektinnen­karriere ein. Hierbei werden einige ihrer damaligen Texte wieder zugänglich gemacht, die belegen, weshalb ihr Typenpro­gramm in der jungen DDR an Einfluß gewinnen konnten, obwohl sie nicht voll auf Parteilinie lag. Man und frau kann ein halbes Jahrhundert später durchaus die eine oder andere ihrer Vorstellungen von frühkind­licher Sozialisation kritisch betrachten, muß es wohl auch. Allein – für damalige Verhältnisse, umgeben von einer Mangelwirt­schaft, war das Ergebnis durchaus erstaunlich. Die Journalistin Anne König bemerkte angesichts ihrer Recherchen zu den von Karola Bloch entworfenen Bauten:

Ich trat durch die Tür des ehemaligen Kinderwochen­heims und war von dem zweigeschossigen Licht durchfluteten Foyer sofort eingenommen. So eine großzügig gestaltete Eingangshalle hatte ich in einem Kindergarten in Leipzig noch nie gesehen. [10]

Was Ernst Bloch als Philosoph als utopisches Element in seinen Werken, etwa dem „Prinzip Hoffnung“, theoretisch greifbar darzustellen suchte, entwickelte Karola Bloch eigenständig und praktisch orientiert als emanzipa­torisches Gedankengut für eine bessere, lebenswerte Zukunft. Nicht nur, daß die modernen Städte funktional auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet sein sollten, nein, sie sollten auch schön anzusehen sein. Und was ihre Kindergärten betraf, so meinte sie:

Die Kindergärten und Kinderkrippen für die jüngsten Bürger unserer Republik werden die Sorge um den Menschen zum Ausdruck bringen. [11]

Natürlich wußte sie, als sie das schrieb, daß die Realität des bürokratisch verordneten Pseudosozia­lismus eine andere war, nicht nur aufgrund von Ressourcen­mangel. Vielmehr suchte sie, durch geschickte Wortwahl das utopische Moment auch dort hineinzu­tragen, wo es von bornierten Macht­menschen mit Füßen getreten wurde.

Verlagsstand auf der Frankfurter Buchmesse 2010.Einen Darmstadt-Bezug gibt es auch. Seit den 20er Jahren war sie mit dem expressionistischen Maler Ludwig Meidner bekannt. Genauer gesagt: sie war seine Schülerin, als sie sich für die Aufnahme an der Kunsthoch­schule in Berlin bewarb. Ludwig Meidner war 1963 nach Darmstadt gezogen, und da die Kontakte nie wirklich abgerissen waren, besuchte sie ihn hier und seine damals in der Darmstädter Kunsthalle ausgestellten Werke. Ihr Besuch und ihr teilweise erhaltener Briefwechsel zeigen uns die Bandbreite ihrer künstlerischen, politischen, aber auch philosophischen Interessen. Sie war hier nicht das Anhängsel des in der Bundesre­publik nun berühmten Mannes Ernst Bloch, sondern eine eigenständige, durchaus auch widerständige Person.

Die Architektin, Sozialistin, vielleicht auch Feministin Karola Bloch trug jedoch zu dieser Zeit eine Bürde mit sich herum, die sie ihr ganzes Leben nicht mehr loslassen sollte. Ihre Familie wurde fast vollständig von den Nazis und ihren deutschen Schergen in Treblinka ermordet.

Ich habe rund anderthalb Jahrzehnte in Tübingen gelebt, ohne diese beeindruckende Frau kennenge­lernt zu haben. Vielleicht liegt es daran, daß ich mit der Philosophie Ernst Blochs nur wenig anfangen konnte, vielleicht auch daran, daß ich politisch und persönlich andere Wege gegangen bin. Als ich jedoch Welf Schröter auf der Frankfurter Buchmesse wieder traf und er mir als eine der Neuer­scheinungen seines Verlages dieses knapp 400 Seiten starke Buch über die Freundin Karola Bloch in die Hand drückte, war mir sofort klar, daß hier eine außergewöhnliche Frau mit einer beeindruckenden Biografie ihrer Entdeckung harrt. Der Sammelband „Karola Bloch – Architektin Sozialistin Freundin“ hat mich nicht enttäuscht. Das von Irene Scherer und Welf Schröter herausgegebene Buch ist im Talheimer Verlag zum Preis von 44 Euro erschienen. Und wer noch ein passendes Geschenk zum Jahresaus­klang sucht, und sei es für sich selbst, findet hierin sicherlich einige interessante Sichtweisen und Anregungen. Die Autobiografie von Karola Bloch ist übrigens über denselben Verlag erhältlich.

 

Die Definitionsmacht des weißen Mannes

Besprechung von : Adibeli Nduka-Agwu / Antje Lann Hornscheidt (Hg.) – Rassismus auf gut Deutsch. Ein kritisches Nachschlage­werk zu rassistischen Sprachhand­lungen, Brandes & Apsel Verlag 2010, 559 Seiten, € 44,00

Anderes Thema.

Rassismus ist essentieller Teil einer kapitalistischen Teile- und Herrschafts­struktur, bei dem eine weltweit weiße Minderheit die nichtweiße Mehrheit nach Belieben einordnen, sortieren, ausgrenzen, integrieren, verhöhnen, vertreiben oder ermorden kann. Rassismus hat etwas mit Privilegien zu tun, weißen Privilegien, und vor allem mit der Definitions­macht darüber, wer oder was rassistisch ist und wer sich diesem rassistischen Diskurs zu unterwerfen hat. War das jetzt zu schnell, zu schwierig, zu hart? Nun, dann schauen wir einfach in ein in diesem Frühjahr bei Brandes & Apsel herausge­kommenes Buch mit dem Titel „Rassismus auf gut Deutsch“. Bei diesem Sammelband handelt es sich um ein kritisches Nachschlage­werk zu rassistischen Sprachhand­lungen. Die Autorinnen und Autoren gehen hierin davon aus, daß Sprache eine Handlung darstellt, die eine Wirklichkeit schafft oder reproduziert.

Rassismus funktioniert nicht ohne die Existenz von Rassen. Diese Existenz ist ein Konstrukt. Es gibt keine Rassen. Es gibt jedoch seit Jahrhunderten einen Diskurs darüber, wie Menschen und Menschen­gruppen in ein bestimmtes System einsortiert werden können, um ihnen Eigenschaften und Fähigkeiten zuzuschreiben oder selbige abzusprechen. Dieses System der Einordnung muß allgemeinverständ­lich sein, bedarf jedoch einer ideologischen Grundlage. Ein derartiges (anderes) System ist der patriarchale Unterschied zwischen Männern und Frauen, bei denen Männer Frauen mit bestimmten Eigenschaften definieren, um ihnen so einen Platz in der privilegierten männlichen Welt zuzuweisen. Rassistische Zuschreibungen funktionieren ähnlich. Sie werden, weil angeblich gut sichtbar, an der Hautfarbe der entsprechenden Person festgemacht. Deutsche sind daher weiß, und wer nicht weiß ist, kann keine Deutsche sein.

Kann sie doch. Ist sie sogar. Dies ist womöglich einer der Ausgangspunkte des über 500 Seiten starken Kompendiums über besagten „Rassismus auf gut Deutsch“. Denn es gibt eine schwarze Minderheit in diesem Land, die sich aus unterschied­lichen Gründen als Deutsche begreifen oder es sind [12]. Wenn sich weiße Menschen mit Rassismus befassen, ist es demnach etwas anders, als wenn sich schwarze Menschen damit befassen, denn die einen sind privilegiert und die anderen werden durch den strukturellen Rassismus einer weißen Gesellschaft diskriminiert. Im einleitenden Kapitel zum Zusammen­hang von Rassismus und Sprache bemerken die Herausgeberinnen Antje Lann Hornscheidt und Adibeli Nduka-Agwa folglich:

In unserer intensiven Zusammen­arbeit haben wir immer wieder gemerkt, dass die Zugangsweisen zu Rassismus sowohl von unseren politischen Überzeugungen und wissenschaft­lichen Zugängen geprägt sind, als auch davon, wie wir gesellschaftlich in Bezug auf Rassismus positioniert sind und werden – als diskriminiert oder privilegiert. Es wäre vorstellbar, ein Buch zu rassistischen Sprachhand­lungen aus einer ausschließlich Schwarzen Perspektive herauszugeben. Eine ausschließlich weiße Perspektive für die Herausgabe sehen wir weder inhaltlich noch potentiell als sinnvoll an; dies würde unseren grundsätzlichen Vor- und Einstellungen widersprechen. Rassismus kann nur durch eine maßgebliche Beteiligung und Ermächtigung rassistisch Diskriminierter bearbeitet, verstanden und damit vermieden werden. Weiße können in der Herausgabe eines Buches zu Rassismus immer nur Herausgeb_erinnen sein. Nur dadurch können strukturelle Formen von Rassismus aufgebrochen und Wahrnehmungen und Autorisierungen zu diesem Thema geändert werden: Denn ebenso wie das gesamte wissenschaftliche Feld ist auch die sichtbar gemachte, dominante und universitär institutionali­sierte Forschung zu Rassismus in Deutschland immer noch recht weiß[13]

Die Einleitung verweist auf zweierlei. Zum einen ist das Buch recht theoretisch und vor allem universitär-akademisch angelegt. Keine Sorge, es ist dennoch auch für Normalsterb­liche verständlich. Zum anderen handelt es sich um eine radikale Perspektive aus der Sicht der von Rassismus Betroffenen, die der weißen Angefaßt­heit auf die Pelle rückt. Gerade für eine privilegierte weiße Mehrheit in diesem Land ist es einmal ganz gut, die allgemeine gutbürger­liche Larmoyanz über Ausländerfeind­lichkeit mit der harten Wirklichkeit zu konfrontieren. Hier wird gesagt, was ist, hier wird uns gesagt, wer wir sind, was wir tun, wie wir reden, und was wir anderen damit antun.

Buchcover Rassismus auf gut DeutschBevor ich näher darauf eingehe, was dieses Buch uns nahebringt, ist es vielleicht ganz sinnvoll, die Begriffe „schwarz“ und „weiß“ zu klären. „Weiß“ ist nach dem Verständnis der Autorinnen und Autoren „keine objektive Kennzeichnung eines äußeren Erscheinungs­bildes, sondern die in einer rassistischen Gesellschaft als solche konstruierte privilegierte Positionierung.“ [14] „Schwarz“ hingegen ist eine selbstgewählte und selbstbestimmte Benennung derer, die vom strukturellen Rassismus einer weißen Gesellschaft auf unterschiedliche Weise diskriminiert werden. Andere Benennungen wären zum Beispiel „People of Colour“. Es handelt sich demnach nicht um rassische, völkische, ethnische oder rassistische Kategorien, sondern um analytische auf der Grundlage gegebener Machtverhältnisse.

Nach einer fundamentalen Einführung in das Thema Rassismus aus Schwarzer Sicht, werden zunächst empowernde Begriffe, Konzepte und Benennungen wie Afrodeutsch, Négritude, People of Colour oder Schwarze Deutsche vorgestellt. Nach dieser eigenen Positionierung, zumindest eines Teils der Autorinnen und Autoren, werden konventionelle rassistische Begriffe und Benennungen analysiert. Wer oder was ist ein Ausländer, was bedeutet Entwicklungs­hilfe, wieviel Rassismus steckt in exotischen Vorstellungen und welche Wirkungsmacht hat das „N-Wort“? Sind Tropenkrank­heiten tropische Krankheiten und warum sind Nichtweiße Wilde und Zigeuner vogelfrei? In insgesamt neunzehn derartigen Frage­stellungen erhalten wir Einblicke in die Dimension eines strukturellen und durch Sprachhand­lungen produzierten bzw. reproduzierten Rassismus, die wir im Alltag womöglich häufig übersehen und vielleicht auch ignorieren wollen.

Nach den Begriffen geht es um die damit verbundenen Konzepte. Das fängt schon mit dem Begriff, mit dem Konzept, mit dem Konstrukt „Afrika“ an. Während hierzulande eine weiße Binnensicht sehr genau differenzieren kann, ob eine Schwäbin oder Sächsin ist, ob jemand aus Frankreich oder Italien stammt, ist das bei Menschen, die aufgrund des Konstrukts Schwarz in bzw. nach Afrika verortet werden, pauschal. „Afrika“ ist sowohl eine Person als auch ein Ort, Individualität wird – vielleicht weil sie Weißen vorbehalten ist – negiert. Auch im wissenschaft­lichen Diskurs findet sich diese Homogenisierung wieder. Es gibt eine Afrikanistik, aber unzählige Studienfächer für weiße Gesellschaften und Sprachen. Begegnet mir eine Person, die nicht so weiß oder rosa aussieht wie ein deutsches Muster­exemplar, dann ist die Frage obligatorisch: „Woher kommst du?“ Meine Redaktions­kollegin Sonya Raissi könnte hierzu in ihrem breitesten regionalen deutschen Dialekt eine schlagfertige Auskunft geben.

Derartige rassistische Konzeptualisierungen finden sich in Begriffen wie „Amerika“, „Europa“ oder „Islam“ wieder. Weiße Vorstellungen von Europa oder Islam sind derart konstruiert, daß die konkreten Menschen hierin genausowenig vorkommen wie die mit den Konzepten verbundenen Herrschafts- und Ausbeutungsverhält­nisse. In einer Studie der Universität Tübingen zu Anfang der 1990er Jahre wurde der Islam mit Aggressivität und Frauenunter­drückung, der Buddhismus mit Spiritualität und Friedfertig­keit konnotiert. Abgesehen vom sich hierin ausdrückenden Unwissen wird schlicht ignoriert, daß Religion nicht nur Aberglauben darstellt, also das Opium der bedrängten Kreatur, und somit grundsätzlich ein Herrschafts­instrument ist [15]. Von der Frauenver­achtung oder den Kreuzzügen der Katholischen Kirche will ich hier gar nicht reden, das ist zu banal.

Hanna Acke, die Autorin zum Stichwort „Islam“, geht hier noch weiter – und ohnehin kann ich in meiner Besprechung dieses Sammelbandes nur anreißen, wie tiefschürfend, klar und präzise die Autorinnen und Autoren sich dem „Rassismus auf gut Deutsch“ genähert haben. Die analytische Dimension wird ohnehin immer wieder aufgebrochen und erweitert durch die subjektive Sicht der jeweiligen Sprecherinnen und Sprecher. Nach der Analyse der Begriffe und der Konzepte geht es im abschließenden Teil um Konzepte und Modelle zur Analyse des Rassismus selbst. Wie finden wir ihn, wo finden wir ihn, wie untersuchen wir ihn, wie vermitteln wir unsere Erkenntnisse an Dritte, etwa in Schulen?

Rassismus wird nicht nur biologistisch, sondern auch kulturalistisch begründet. Während der plumpe Rassenge­danke zwar nicht verschwunden, so doch eher verpönt ist, so wird er mit neuen Konzepten und kultura­listischen Vorstellungen wie Religion, Kultur, Sprache oder Essen als ethnische Variante wieder eingeführt. Keine und niemand käme auf die Idee, von einer deutschen Ethnie zu sprechen, oder Französinnen und Schotten ethnisch zu definieren. Diejenigen jedoch, die nicht dem eurozentrischen Weißheitsgebot entsprechen, werden in ethnische Schubladen gepreßt, ob das jetzt den afrikanischen Kontinent oder das zerfallende Jugoslawien betrifft. Anne Lemberg und Ulrike Hamann werden schon Recht damit haben, daß der Rassegedanke mittels ethnischer Konstrukte wiederbelebt wird:

Gerade im deutschen Kontext halten wir den Ansatz des Ersetzens von „Rasse“ durch „E[thnie]“ (oder „ethnische Herkunft“) für problematisch, da er an eine Denktradition anknüpfen kann, die Gesellschaft als Abstammungsge­meinschaft versteht. [16]

Dennoch plädieren sie nicht rundweg dafür, den Begriff zu verwerfen, sondern genauer nachzufragen, wer ihn mit welchem Inhalt füllt. Denn auch migrantische Communities können sich ethnischer Vorstellungen bedienen, um spezifische politische, wirtschaft­liche und soziale Belange zu thematisieren, etwa Kurdinnen in der Türkei oder Tschetschenen. Und damit sind wir bei der das gesamte Buch durchziehenden Vorstellung von Sprache als einem Handlungsakt. Sprache, so die beiden Herausgeberinnen,

ist ein immer präsentes Medium der Herstellung von Wirklichkeiten: Über sprachliche Handlungen stellen Personen interaktiv soziale Wirklichkeiten her, gleichen sie miteinander ab, passen sie an, lesen durch diese neue Erfahrungen und Eindrücke ein, schreiben sich in soziale Zusammen­hänge ein, machen sich sozial (wieder)er­kennbar. […] Dies führt unweigerlich zu einer Einsicht in die Notwendig­keit eigener kontinuierlicher Reflexion sprachlichen Handelns […]. [17]

Interessant sind die Vermeidungs­strategien des gutbürger­lichen Rassismus: „Das habe ich nicht so gemeint.“ – „Das habe ich ja nur so gesagt.“ – „Du bist aber überempfindlich.“ Entweder einer sagt, was er meint, oder er meint, was er sagt. Und wer nur daherplappert, zeigt sein Innerstes recht deutlich. Und anderen vorzuhalten, sie reagierten überempfind­lich, das ist einer der besonders pater­nalistischen Einwürfe des erwischten weißen Mannes, manchmal auch der weißen Frau. Wie empfindlich eine von derartiger Wortwahl betroffene und diskriminierte Person ist, kann nur sie selbst entscheiden, nicht jedoch der Aggressor. Aber vermittelt das mal der weißen Weltsicht ganz normal ethnisch Deutscher, also Volksdeutscher!

Ich halte dieses Buch besonders gut geeignet für diejenigen, die denken, sie seien nicht rassistisch, denken nicht rassistisch, handeln nicht rassistisch. Ich denke, sie können durch die radikale Schwarze Sicht noch so einiges lernen und verändern. Die Herausge­berinnen sind nicht gar so streng. Sie denken, daß dieses wirklich tiefschürfende, erhellende, provozierende und weiterführende Buch besonders geeignet sei für ein breites Spektrum von Leserinnen und Lesern unterschiedlicher Selbstpo­sitionierung und Fremdzu­schreibung. Also für dich und mich? Warum nicht? Allerdings haben mehr als 550 Seiten auch ihren Preis. Mit 44 Euro ist der von Adibeli Nduka-Agwu und Antje Lann Hornscheidt herausgegebene Band „Rassismus auf gut Deutsch“ nicht unbedingt preiswert. Ist dieses im Verlag Brandes & Apsel erschienene Buch deshalb vielleicht auch ein Fall für den Gabentisch?

 

Glaubensfragen um Zucker und Fett

Lecker. Aber was ist drin?

Dieser Teil meiner einstündigen Sendung wurde eingeleitet durch einen Austauschbeitrag von Radio F.R.E.I. in Erfurt: Der Gourmet Genießerkuchen von Bahlsen. Anzuhören über neben­stehenden Player.

Besprechung von : Ulrike Gonder / Nicolai Worm – Mehr Fett! systemed Verlag 2010, 219 Seiten, € 19,95

Nun sind die Zutaten für die Leckereien der Lebensmittel­industrie nur ein Teil der Ernährungs­problematik weißer reicher Industrie­nationen. Allenthalben wird uns verkündet, wir leben und essen ungesund, als gebe es unter kapitalistischen Vorzeichen die Möglichkeit eines grundsätz­lichen Strategie­wechsels. Da auch dieses Grundbe­dürfnis marktwirtschaft­lichen Regeln unterliegt, wird die Gesundhaltung der aktuellen, potentiellen oder zukünftigen Ware Arbeitskraft der individuellen Verantwortung zugeschoben.

Nicht etwa die Lebensmittel­chemie, die Tierhaltungsbe­dingungen, Monokulturen oder ungesunde Arbeitshetze sind das Problem, sondern unser persönlicher Umgang damit. Wir bewegen uns zuwenig und essen zuviel, und wenn nicht zuviel, dann das Falsche. So trötet es uns allenthalben um die Ohren, und wenn die Experten das so sagen, dann muß es wohl auch stimmen. Also probieren wir es mit Sport und Diäten, ohne zu begreifen, daß wir damit in eine neue Runde des profitablen Hamsterrades geschickt werden.

Buchcover Mehr Fett!Wobei anzumerken ist, daß es sich hierbei um die Luxuspro­bleme maximal eines Viertels der Weltbe­völkerung handelt. Mindestens eine der sieben Milliarden Menschen hungert ganz unfreiwillig, weitere Millionen sterben aufgrund des Ausschlusses vom Überfluß dieser Welt. Dies ist umso perverser, als Jahr für Jahr festgestellt wird, daß selbst auf der Grundlage der verschwenderischen Ressourcenver­nutzung für industriell verfertigte Massenernährung genügend Lebensmittel für alle sieben Milliarden Menschen vorhanden sind – und auch in Zukunft sein werden. Die Probleme liegen also woanders.

Passend zu den ungesunden Lebens- und Arbeitsbe­dingungen kapitalistischer Metropolen versuchen seit Jahrzehnten Berater und Institutionen wie etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung uns zu erklären, wie wir uns gesund oder zumindestens gesünder ernähren können. Da wird uns die Salzlüge aufgetischt oder mit einem zu hohen Cholesterin­spiegel gedroht. Wir würden zu fett essen, weshalb wir auch immer fetter werden, und müßten deshalb mehr Kohlenhydrate zu uns nehmen. Die Ökowelle schwimmt geradezu auf dem damit verbundenen moralischen Gesundheits­druck, obwohl außer einer verringerten Pestizidbe­lastung im Durchschnitt betrachtet Ökopro­dukte auch nicht viel besser und gesünder sind als andere. Was also tun?

Nicht alle Lebensmittelchemiker und Ernährungs­beraterinnen gehen konform mit diesem massenmedial ertrommelten Gesundheits­trend. Manche dieser Außenseiter sind spinnerte Figuren, die uns die seltsamsten Therapien und Ernährungsge­wohnheiten nahezubringen suchen. Bei nicht wenigen ist hiermit ein lukratives Geschäft verbunden, denn mit einem schlechten Gewissen läßt sich Kasse machen. Gerade zu Weihnachten funktioniert dies besonders gut, weshalb es die professionelle Spenden­werbung in diesen Wochen ganz besonders auf unser Portemonnaie abgesehen hat. Diese möglicher­weise gesundheits­fördernde Beruhigung des eigenen Gewissens wird jedoch hierzulande einer bestimmten, ohnehin ausgegrenzten Bevölkerungs­gruppe versagt. Eine milde Gabe ist im Hartz IV-Regelsatz nicht vorgesehen, obwohl die christliche Sozialministerin hieran hätte denken müssen. Ganz im Gegenteil – wer eine milde Gabe erhält, muß sie sich auf selbigen Regelsatz womöglich anrechnen lassen. Ja, christliche Nächsten­liebe kann kompliziert sein.

Es gibt jedoch auch eine Kritik am gängigen Bild gesunder Ernährung, die nicht nur mit guten Argumenten die wissenschaft­liche Basis des Ernährungsmain­streams bezweifelt, sondern die zudem wohlbe­gründete Alternativen aufzeigt. Wenn diese Kritik dann noch verbunden ist mit einem gewissen laissez-faire und nicht mit neuem moralischen Druck auf unser figurbetontes schlechte Gewissen, dann lohnt es sich auch, sich damit zu befassen.

Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer hat vor Jahren die gängigsten Lebensmittel­irrtümer aufgelistet und hierbei auf die ganz speziellen Lobbyinter­essen der Lebensmittel- und Pharmain­dustrie hingewiesen. Zwar sind auch manche seiner Ausführungen kritisch zu betrachten, etwa wenn er ein Menschenbild propagiert, daß den Unsinn der Evolutionsbio­logie wiedergibt [18]. Aber inhaltlich sind seine Anmerkungen zum Lifestyle-, Gesundheits-, Jugend- und Schönheitswahn dieser Gesellschaft durchaus zutreffend; was fehlt, ist eine grundsätzliche Analyse darüber, welche Marktkräfte uns diese speziellen und mit viel Werbung geträuften Lebenslügen zu verkaufen suchen.

Daß wir uns beispielsweise zu wenig bewegen, ist sicherlich richtig. Ob der Rückgriff auf die ursprünglich in den Savannen herum­streifenden Menschen wirklich weiterhilft, ist eine andere Frage. Natürlich bewegten sich diese Menschen zwangsläufig mehr, aber sie lebten deshalb nicht länger. Heutige Lebensgewohn­heiten und Arbeitsbe­dingungen sind jedoch geradezu dahingehend angelegt, daß wir uns wenig bewegen, weshalb zwangsläufig jede Nahrungsauf­nahme andere Effekte haben muß als beim unbeschwerten Leben in der Savanne; unbeschwert zumindest solange, bis der nächste Leopard unseren Vorfahren Beine gemacht hatte.

Bigott wird der generelle Aufruf, uns mehr zu bewegen dann, wenn wir gleichzeitig mit spannenden Filmen auf Kinosessel und heimische Couches gelockt werden, wenn uns crunchige Snacks vorgesetzt und pappiger Süßkram als Balsam für die geschundene Seele verkauft wird. Weshalb die Seele so geschunden ist, wird ausgeblendet. Der Streß einer modernen Industriegesell­schaft ist jedoch für viele Menschen nur mit dem Rückgriff auf regressive Mechanismen auszuhalten. Die einen spielen den Blockwart, die anderen futtern Schokolade. Und wo wird dieser Streß erzeugt? In Schulen, Fabriken, Büros, Einkaufs­zentren, auf Autobahnen, in überfüllten oder ausfallenden Zügen usw., also überall dort, wo wir herumge­scheucht werden, um heute oder zukünftig die Rendite einer relativ kleinen Bevölkerungs­gruppe sicherzustellen.

Kommen wir zurück zum Futtern.

Eine der Ernährungslügen betrifft den übermäßigen Gebrauch pflanzlicher und tierischer Fette. Insbesondere die tierischen Fette stehen auf der Liste des Bösen. Hiergegen anzuschreiben, hatten sich Ulrike Gonder und Nicolai Worm vorgenommen, und ihr Buch „Mehr Fett!“ trägt daher auch den Untertitel „Warum wir mehr Fett brauchen, um gesund und schlank zu sein“. Ob es wirklich gut, gesund und auch erstrebens­wert ist, schlank zu sein, will ich einmal dahingestellt sein lassen, ich habe hier meine Zweifel. Ihr Plädoyer jedenfalls für den vermehrten Genuß von Fetten und den Verzicht auf unnütze Kohlen­hydrate hat einiges für sich. Daß hierbei eine weitere Methode der gesunden Lebensfüh­rung angepriesen wird, muß nicht wirklich erstaunen [19]. Dabei würde es völlig ausreichen, darauf hinzuweisen, daß die gängigen Ernährungs­lügen über das Fett wissenschaft­lich schlicht nicht fundiert sind. Es ist alles eine Frage der manipulativen, interessege­leiteten und selektiven Interpretation zum Teil willkürlich gesammelter Daten.

Das Buch „Mehr Fett!“ beginnt mit einer Geschichte des eigenen Leidens – nicht mit der eigenen Figur, sondern mit dem hartnäckigen Kampf gegen den institutionali­sierten Mainstream der Ernährungs­dogmen. Dabei war es gewiß nicht hilfreich, wenn Nicolai Worm für die Agentur der deutschen Agrarwirt­schaft CMA tätig war. Diese Lobbyorgani­sation der großbäuerlichen Vermarktung deutscher Lebensmittel löste sich nach einem Urteil des Bundesverfassungs­gerichts im vergangenen Jahr auf. Insofern mußte sein Plädoyer für mehr fettreiche Kost als Ausfluß seiner Tätigkeit erscheinen, was andere Lobbyisten auch weidlich auszunutzen verstanden. Dieser erste Teil der Kränkungen wird alsdann abgelöst von einer Kurzgeschichte der Fett-Phobie. Hierin erfahren wir so einiges über wissenschaft­liche Standards und vor allem darüber, wie Studien so zurecht interpretiert werden, daß genau das Ergebnis dabei herauskommt, was beabsichtigt war. Und selbst wenn nicht, dann finden sich die passenden Propheten.

Wer nun glaubt, Ulrike Gonder und Nicolai Worm würden uns empfehlen, unsere Ernährung auf möglichst viel fettreiche Nahrung umzustellen, irrt. Ausgewogene Ernährung bedeutet in ihrem Sinne einfach mehr und vor allem die sinnvollen Fette zu nutzen. Wichtig ist, daß das Essen nahrhaft ist, und noch wichtiger, daß es gut schmeckt. Und ehrlich gesagt, mir geht es so, daß mir die als besonders gesund angepriesenen Gemüse, Früchte, Körner und Zubereitungen nun gar nicht zusagen. Ein wichtiges Kriterium für Wohlbefinden ist jedoch, daß man und frau mag, was sie auf dem Teller sehen, was sie in der Küche riechen und im Gaumen schmecken. Wohlbefinden stellt sich nicht mit dem vermeintlich guten Gewissen ein, durch Askese etwas für die eigene Gesundheit getan zu haben und möglichst schlank durch die Gegend zu laufen.

Nun ist auch nicht alles gesund, was wir in diesem Buch vorfinden. Wo das Schweinefett gelobt wird, fehlt zwar nicht der Hinweis auf Schweinemast, aber auf Hormone und Schlacht­methoden. Überhaupt dürften Vegetarier und Veganerinnen sich in diesem Buch überhaupt nicht wiederfinden, weil tierische Eiweiße und Fette hierin eine große Rolle spielen. Bleibt dennoch ein nennenswerter Teil der Bevölkerung, für den es sicherlich weniger schädlich ist, in dieses Buch zu schauen als sich den auch von den Krankenkassen unterstützten unsinnigen Ernährungs­kampagnen zu unterwerfen. Wobei die Autorin und der Autor durchaus darauf eingehen, daß die von ihnen propagierte alternative Ernährungs­weise bei bestimmten Krankheits­bildern nicht anzuwenden sei.

Befremdet haben mich die immer wieder vorzufindenden Verweise auf Studien mit Mäusen und Ratten. Nun sind Tierversuche gängiges Mittel, um im ersten Schritt mögliche toxische oder gesundheitsgefähr­dende Merkmale zu erforschen. Aber diese Ergebnisse einfach so stehen zu lassen, so als könne man und frau von Mäusen auf Menschen schließen, ist auch nicht gerade sinnvoll. Beispiel:

Hätten sie die Wahl, so entschieden sich beispielsweise 10 von 13 Mäusestämmen für das fettreichere Futter. Das ist durchaus sinnvoll, denn Fett ist energiereich […] [20]

Und Kühe fressen Gras, das ist durchaus sinnvoll, hilft mir aber auch nicht weiter, wenn das Gemüse nicht schmecken will. Und so verwundert es mich nicht, wenn von einer uns angeborenen Vorliebe für Süßes die Rede ist. Das halte ich für ein Gerücht, das auf unpassender wissenschaftlicher Methodik beruht. Dennoch – halten wir einfach fest: fettreichere Nahrung macht im Vergleich zu kohlenhydrat­reicher Nahrung auf lange Sicht auch nicht dicker und fetter, aber vielleicht zufriedener. Obwohl Zufriedenheit letztlich auf eine soziale Komponente zurückzu­führen ist und auf unsere Lebens- und Arbeitsbe­dingungen verweist. Wir futtern dann nicht, weil wir Hunger haben, sondern um uns orale Befriedigung in einer Welt permanenter Frustration zu schaffen. [21]

Auffällig ist das häufige Sprechen im Konditionalis. Sprich: manches könnte so sein, ist vielleicht so, sollte besser einmal näher untersucht werden. Wenn auch die Kritik an der bestehenden Ernährungswissen­schaft stimmig erscheint, so sind manche Aussagen des Buches doch eher vage, eben weil valide wissenschaft­liche Daten und Studien fehlen. Ob hier ein Forschungs­bedarf angemeldet wird, um neue Jobs zu kreieren? Auch gegen Krebs und Demenz sei fettreichere Nahrung hilfreich, obwohl dann auch hier weiterer Forschungs­bedarf angemeldet wird.

Insgesamt ist das von Ulrike Gonder und Nicolai Worm verfaßte Buch „Mehr Fett!“ dennoch interessant, und sei es, weil es überzeugend zeigt, wie unbegründet die weit verbreiteten Ernährungs­tipps sind. Da das Schwergewicht der Argumentation eine gesunde Lebens­führung an der Ernährungs­weise und weniger an der sozialen Umgebung festmacht, ist das Plädoyer für mehr und hier die richtigen Fette zwar hilfreich, aber nicht ausreichend. Irritierend wirkt zudem die Einbindung des herausgebenden systemed-Verlags in eine Verlags­kooperation mit alternativen Heilmethoden, Neuem Denken, Mystik und Heilung. So esoterisch finde ich das Buch „Mehr Fett!“ dann doch wieder nicht.

Das von Ulrike Gonder und Nicolai Worm geschriebene Buch „Mehr Fett!“ aus dem systemed Verlag umfaßt 219 Seiten und kostet 19 Euro 90.

 

Schluß

Jingle Alltag und Geschichte

In der vergangenen Stunde sprach ich über den Oppenheimer Park, die Grünen und ihren Bauverein. Alsdann stellte ich die Architektin, Sozialistin und Freundin Karola Bloch vor. Wo wir Rassismus auf gut Deutsch vorfinden, verrät uns ein nicht ganz Schwarzes Autorinnen- und Autorenteam, von dem ich so einiges gelernt habe. Radio F.R.E.I. in Erfurt beschäftigte sich mit Eiern und Keksen, und abschließend gab es ein Plädoyer für mehr Fett in der Nahrung.

Vorgestellt gabe ich die Bücher:

Das Manuskript zur Sendung versuche ich, in den kommenden Tagen auf meine Webseite hochzuladen; es ist dann nachzulesen auf www.waltpolitik.de. Am Mikrofon war Walter Kuhl aus der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt[22]

 

ANMERKUNGEN
Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

»» [1]   Wieder einmal fiel am Dienstagmorgen der sogenannte „Radiowecker“ aus, weshalb die Wiederholung des Vorabend­programms weiter vor sich hindudelte. Angesichts dessen, daß im Programm Stimmen laut werden, a) man (Frauen kommen dort nicht vor) solle die Wiederholungs­zeiten auf die volle Sendestunde synchronisieren und b) die Wiederholungen sollen so ablaufen wie im Programm­flyer vorgesehen, zeigt sich einmal mehr, daß die Qualitäts­kontrolle des Programmrats weiterhin gründlich versagt. Es wird halt gesendet, wie es zufällig daherkommt. Wenn dann noch von der Orientierung an den Hörer (Frauen kommen weiterhin nicht vor) die Rede ist, der ein zuverlässig eingelegtes Programm auch zum gewohnten Zeitpunkt hören können soll, dann führt sich der Qualitäts­begriff der Quasselbude Programmrat ad absurdum. Derlei, um auf die „ guten alten Zeiten“ des Morgen­magazins der Redaktion „Radiowecker“ zurückzu­kommen, war bis zu deren mutwilliger Zerschlagung durch die von Vorstand und Programmrat aufgeputschten Mitglieder des Trägervereins im Herbst 2006 nicht möglich.

»» [2]   Wolfgang Görg : Aufsichtsrat wählt Walter Hoffmann ab, Darmstädter Echo (online) am 29. November 2010.

»» [3]   Kommunalwahl am 27. März 2011. Wahl zum Oberbürger­meister (kandidiert diesmal keine Frau?) ebenfalls am 27. März 2011, Stichwahl am 10. April 2011.

»» [4]   Wolfgang Görg : SPD lässt Oberbürger­meister Hoffmann fallen, Darmstädter Echo (online) am 24. Februar 2010.

»» [5]   Daniel Baczyk : Hoffmann kassiert den nächsten Schlag, Darmstädter Echo (online) am 11. Dezember 2010.

»» [6]   Antwort des Baudezernenten auf eine Kleine Anfrage des Stadtver­ordeten Georg Hang der Fraktion „Alternative Darmstadt“, April 2010.

»» [7]   Beispielsweise im Artikel Der Darmstädter Bauverein in der Kritik von Alexandra Welsch im Darmstädter Echo (online) am 18. Februar 2010.

»» [8]   Daniel Baczyk : Kritik am Bauverein: Grüne fordern Abriss-Stopp, Darmstädter Echo (online) am 8. Dezember 2010.

»» [9]   Zur Kommunalwahl 1993 traten die Grünen mit dem Slogan an: „Wir machen dem Filzhut Beine“. Danach gab es die erste rot-grüne Koalition in Darmstadt und der Filzhut wurde mit gutdotierten und ehrenamt­lichen Pöstchen weitergereicht.

»» [10]   Anne König : Der Kindergarten der Leipziger Baumwoll­spinnerei, in: Irene Scherer / Welf Schröter (Hg.) : Karola Bloch – Architektin Sozialistin Freundin, Seite 212–225, Zitat auf Seite 214.

»» [11]   Karola Bloch : Grunsrißschemas von Einrichtungen für das Kleinkind, in: Scherer/Schröter, Seite 175–188, Zitat auf Seite 188.

»» [12]   Ich verstehe zwar nicht, was so begehrens­wert daran ist, sich ausgerechnet als „deutsch“ zu definieren, kann mir dieses Unverständnis aber auch als deutscher Mann leisten. Ein bißchen mehr Reflexion über das Deutschsein hätte diesem Sammelband jedoch nicht geschadet.

»» [13]   Adibeli Nduka-Agwu / Antje Lann Hornscheidt : Der Zusammenhang zwischen Rassismus und Sprache, in: dieselben (Hg.) – Rassismus auf gut Deutsch, Seite 11–49, Zitat auf Seite 11–12. Die Autorinnen und Autoren des Bandes pflegen zudem eine Schriftsprache, deren zunächst verwirrende und beim Lesen bewußt irritierende Schreibung die Haupt- und Nebenbe­deutungen der verwendeten Begriffe und Konzepte besser herausstellen soll.

»» [14]   Nduka-Agwu/Hornscheidt, Seite 19.

»» [15]   Vgl. Karl Marx: „Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.“ (Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, Marx-Engels-Werke (MEW) Band 1, Seite 378.)

»» [16]   Anne Lemberg und Ulrike Hamann : „Ethnizität“ – zwischen Differenz und Identifikation, in: Nduka-Agwu/Hornscheidt (Hg.), Seite 291–298, Zitat auf Seite 296.

»» [17]   Nduka-Agwu/Hornscheidt, Seite 35.

»» [18]   Udo Pollmer / Susanne Warmuth : Lexikon der populären Ernährungs­irrtümer [2000].

»» [19]   Nicolai Worm präsentiert die leicht abgewandelte Logi-Methode. Ich verzichtete in der Sendung bewußt auf eine eigene Ernährungsem­pfehlung und daher auch auf die Erwähnung der Logi-Methode, da es sich auch hier um eine Glaubensfrage handelt, welche Ernährung sinnvoll und gesund sei. Grundsätzlich hat der Ansatz, Kohlenhydrate durch Fett zu ersetzen, einiges für sich. Allein, die Ernährungsgewohn­heiten der Menschen kapitalistischer Metropolen sind sozial bedingt; ungesund ist der kapitalistische Lebensstil als solcher. Ob und welche Schlüsse eine nachkapitali­stische Gesellschaft hieraus ziehen wird oder ziehen sollte, darf nicht einer neuen medial propagierten Erziehungs­diktatur überlassen werden.

»» [20]   Ulrike Gonder / Nicolai Worm : Mehr Fett!, Seite 41.

»» [21]   Insofern ist die im Buch vorzufindende Annahme, eine fettreichere Kost würde zu weniger Hungergefühl und daher auch weniger Nahrungszu­nahme führen, falsch. Vgl. Seite 47. Andererseits sind der Autorin und dem Autor soziale Defizite als Futterquelle nicht fremd (Seite 45).

»» [22]   Abschließend gab es noch zwei Ausgaben des „Vogels der Woche“, und zwar Die Sackmeise und, nahtlos daran anschließend, die Die Böllerhenne.


Diese Seite wurde zuletzt am 30. Dezember 2010 aktualisiert. Links auf andere Webseiten bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2010. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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