Kapital – Verbrechen

Gilgameschs Erben

 

 

SENDEMANUSKRIPT

 
Sendung :
Kapital – Verbrechen
Gilgameschs Erben
 
Redaktion und Moderation :
Walter Kuhl
 
gesendet auf :
Radio Darmstadt
 
Redaktion :
Alltag und Geschichte
 
gesendet am :
Montag, 9. Februar 2004, 17.00-18.00 Uhr
 
wiederholt am :
Montag, 9. Februar 2004, 23.10-00.10 Uhr
Dienstag, 10. Februar 2004, 08.00-09.00 Uhr
Dienstag, 10. Februar 2004, 14.00-15.00 Uhr
 
 
Besprochenes und benutztes Buch :
Abdullah Öcalan : Gilgameschs Erben (2 Bände), Atlantik Verlag
 
 
URL dieser Seite : http://www.waltpolitik.powerbone.de/kv/kv_gilga.htm
 
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Geschichtsschreibung auf Kurdisch – aber mit Pfiff!

Jingle Alltag und Geschichte

Vor drei Wochen gab das Darmstädter Kurdistan Beratungs- und Informationszentrum eine Pressemitteilung heraus, in der auf den schlechten Gesundheitszustand des ehemaligen Vorsitzenden der kurdischen Arbeiterpartei PKK hingewiesen wurde. Gleichzeitig wurde der Sorge Ausdruck verliehen, daß dieser sich verschlechternde Zustand Abdullah Öcalans womöglich zu einer Radikalisierung der kurdischen Bewegung in Europa und in der Türkei führen könne – mit ungewissem Ausgang. [1] Warum aber ist das wichtig? Was kümmert es uns, wenn die Türkei einen Politischen Gefangenen der Isolationshaft aussetzt und gesundheitlich ruiniert?

Die kurdische Community sieht das anders. Für sie ist Abdullah Öcalan nicht einfach ein heroischer weiser Mann. Als die PKK in den 80er Jahren den Guerillakampf in den Bergen Kurdistans begann, erfüllte das die Menschen Kurdistans nicht nur mit Stolz, sondern auch mit Hoffnung. Der Hoffnung nämlich, sich aus Armut, Elend und permanenter Unterdrückung selbst befreien zu können. Mit der Entführung Öcalans und seiner Einkerkerung ging dieser militante Prozeß zu Ende. Der Guerillakrieg war nicht zu gewinnen, auch wenn das türkische Militär nur brandschatzen, foltern und morden, aber ebenfalls den Krieg nicht militärisch gewinnen konnte.

Diese Einsicht führte Öcalan dazu, eine politische Lösung ins Auge zu fassen. Einmal ganz unabhängig davon, wie realistisch eine solche politische Lösung ohne wirklichen Ansprechpartner ist, zeigt diese Bereitschaft zum Dialog mehr Verantwortungsbewußtsein als die gesamte Europäische Union aufzubringen bereit ist. Abdullah Öcalan hat seine Vorstellungen in einem zweibändigen Werk konkretisiert. Es heißt Gilgameschs Erben und ist im Bremer Atlantik Verlag erschienen. Öcalan zeichnet hier den Weg vom sumerischen Mesopotamien zu den Perspektiven einer nahöstlichen Zivilgesellschaft nach.

Die beiden Übersetzer und daher vielleicht besten Kenner dieses Buches, Oliver Kontny und John Tobisch-Haupt, haben Gilgameschs Erben auf einer Veranstaltung Anfang Dezember letzten Jahres [2003] in Darmstadt vorgestellt. In meiner heutigen Sendung lasse ich die beiden fast eine Stunde lang zu Wort kommen. Am Mikrofon für die Redaktion Alltag und Geschichte ist Walter Kuhl.

Doch nun zum Buch. John Tobisch-Haupt, der Sprecher der internationalen Initiative Freiheit für Abdullah Öcalan – Frieden in Kurdistan, beginnt mit dem Rahmen, in dem das Buch zu begreifen ist; Oliver Kontny stellt anschließend wesentliche Inhalte des Buches vor.

Zu der Diskussionsveranstaltung gibt es keine schriftliche Fassung.

John Tobisch-Haupt beleuchtet im folgenden das politisch-ökonomische Umfeld, auf das Abdullah Öcalan sich mit seinem Buch Gilgameschs Erben bezieht. Anschließend geht Oliver Kontny auf die Entstehungsgeschichte des Buches ein und zeigt, daß es auch einen ganz praktischen Zweck erfüllt. Die einzige Möglichkeit für Abdullah Öcalan, einen solchen programmatischen Text an die Öffentlichkeit zu bringen, liegt nämlich darin, ihn als Teil einer Verteidigungsrede zu konzipieren. Doch zunächst John Tobisch-Haupt:

Zu der Diskussionsveranstaltung gibt es keine schriftliche Fassung.

Oliver Kontny zeigt in einem längeren Statement den philosophischen Bezugspunkt Abdullah Öcalans auf, bevor John Tobisch-Haupt auf ganz praktische Umsetzungsmöglichkeiten dieser philosophischen Überlegungen verweist. Zunächst Oliver Kontny über die Bedeutung von Michel Foucaults Theorie für Gilgameschs Erben.

Zu der Diskussionsveranstaltung gibt es keine schriftliche Fassung.

Ist so etwas in einer islamischen Umgebung realistisch? John Tobisch-Haupt hält dies für möglich und verweist auf die Geistestradition eines durchaus innovativen Islam:

Zu der Diskussionsveranstaltung gibt es keine schriftliche Fassung.

Jingle Alltag und Geschichte

Zum Schluß der Diskussionsveranstaltung vom 5. Dezember letzten Jahres gingen die beiden Übersetzer Oliver Kontny und John Tobisch-Haupt noch einmal auf ihren eigenen Zugang zu Abdullah Öcalans Werk Gilgameschs Erben ein. Doch bevor ich die Sendung mit den Worten von John Tobisch-Haupt ausklingen lasse, hier die bibliographischen Angaben zu einem Buch, von dem ich hoffe, daß es nicht nur mich neugierig gemacht hat.

Band 1 ist der eher historisch orientierte Teil mit der Geschichte Mesopotamiens von Sumer über den Islam zum kolonialen Kapitalismus. Der Band hat 480 Seiten und kostet 24 Euro 80. Band 2 behandelt die sich daraus ergebenden politischen Fragestellungen nicht nur für Kurdistan, sondern für die ganze Region. Dieser Band hat 360 Seiten und kostet 19 Euro 80. Erschienen sind beide Bände im Bremer Atlantik Verlag.

Zum Schluß nun noch einmal John Tobisch-Haupt zu den Problemen der Übersetzung. Am Mikrofon für die Redaktion Alltag und Geschichte auf Radio Darmstadt war Walter Kuhl.

Zu der Diskussionsveranstaltung gibt es keine schriftliche Fassung.

 

 

ANMERKUNGEN

 

[1]   Die Presseerklärung vom 19. Januar 2004 hat folgenden Inhalt:

Presseerklärung:
Gefährdung der Gesundheit von Abdullah Öcalan gefährdet den Frieden!

Seit knapp fünf Jahren nun befindet sich Abdullah Öcalan auf der türkischen Gefängnisinsel Imrali unter schwersten Isolationshaftbedingungen in Einzelhaft. Dorthin wurde der Vorsitzende der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in einer internationalen Geheimdienstaktion nach monatelanger Verfolgungsjagd verschleppt. Diese Haftbedingungen sowie die außerordentlichen klimatischen Bedingungen haben den Gesundheitszustand von Öcalan stark angegriffen. Demnach leidet er unter massiven Atembeschwerden, dem weitgehenden Verlust seines Geruchs- und Geschmackssinne sowie vereinzelten Erstickungsanfällen, weshalb die Anwälte um das Leben ihres Mandanten fürchten.
In einem Statement des Istanbuler Rechtsanwaltsbüros, das Abdullah Öcalan betreut, fordern die Anwälte eine sofortige Verbesserung der Haftbedingungen. U.a. werden der Einsatz einer unabhängigen Ärztekommission, die Verlängerung der Besuchszeiten für Familienangehörige (momentan 15 Minuten pro Monat) und die Verlegung an einen anderen Ort gefordert. Darunter verstehen die Anwälte die Überführung ihres Mandanten in den Hausarrest. Die Türkei ist jedoch bis heute weder diesen noch den früheren Aufforderungen des Komitees zur Beobachtung von Folter (CPT) des Europarates sowie amnesty internationals zur Beendigung der Isolationshaftbedingungen und damit zur Verbesserung seines Gesundheitszustandes gefolgt und hält an dieser Praxis fest.
Dieser Zustand bereitet uns Kurdinnen und Kurden große Sorge, da Öcalan maßgeblich verantwortlich ist für die Einleitung des Friedensprozesses in der Türkei, der durch die Haltung Öcalans gegenüber stark gefährdet ist. Denn unter seiner Anleitung hat die kurdische Seite vor viereinhalb Jahren den bewaffneten Kampf eingestellt und beschreitet für eine politisch-demokratische Lösung der kurdischen Frage eine Linie der Friedenspolitik. Um diese nicht zu gefährden, hat Öcalan bis heute Angaben zu seiner Gesundheit stark im Hintergrund gehalten. Doch in Anbetracht der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes und der Bedeutung dessen für eine friedliche Lösung der kurdischen Frage hat sich Öcalan verpflichtet gesehen diese nun an die Öffentlichkeit zu bringen – ein deutlicher Hinweis auf die Dringlichkeit.
Abdullah Öcalan ist Garant des gesellschaftlichen Friedens in der Türkei und damit auch im Mittleren Osten. Die Türkei muss endlich die Schlüsselposition Abdullah Öcalans akzeptieren und dementsprechend handeln. Aber auch die europäische Staatengemeinschaft, der die Türkei angehören will, ist aufgefordert, ihren Einfluss geltend zu machen für eine Verbesserung der Haftbedingungen und damit für eine demokratisch-politische Lösung der kurdischen Frage. Schließlich sind es europäische Konventionen, in denen Isolation als Folter auf Zeit definiert und als menschenunwürdige Praxis bezeichnet werden.
Daher stellen wir Kurdinnen und Kurden die Forderung:
  • Das Komitee zur Beobachtung von Folter des Europarates (CPT) sollte entsprechend seiner Verantwortung eine Delegation auf die Gefängnisinsel Imrali entsenden.
  • Der Zugang unabhängiger Gesundheits- und Menschenrechtsorganisationen auf die Insel zur Beobachtung der Lebensbedingungen von Abdullah Öcalan muss garantiert werden.
  • Eine dauerhafte Lösung für den Gesundheitszustand von Abdullah Öcalan kann unter den Bedingungen des Gefängnisses von Imrali nicht geschaffen werden. Daher muss die Möglichkeit geschaffen werden, dass in eine Haftanstalt Öcalan außerhalb der Insel gebracht wird.
  • Die Einschränkung des Kontaktes mit der Außenwelt und der Besuche seiner Familie und Anwälte müssen aufgehoben werden. Die einer demokratischen und politischen Lösung dienenden Gedanken von Herrn Öcalan sollten der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden.
Um diese Forderungen Nachdruck zu verleihen werden wir am 23.1., 30.1. und 6.2.04 jeweils von 12 bis 18 Uhr einen Infostand auf dem Luisenplatz aufstellen. weiterhin wird am 31. Januar um 14 Uhr eine Demonstration stattfinden.
Kurdistan Beratungs- und Infozentrum

 

 

Diese Seite wurde zuletzt am 21. Dezember 2004 aktualisiert.
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©  Walter Kuhl 2001, 2004
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