Green green grass of home

Grüne Moral

 

 

SENDEMANUSKRIPT

 
Sendung :
Green green grass of home
Grüne Moral
 
Redaktion und Moderation :
Walter Kuhl
 
gesendet auf :
Radio Darmstadt
 
Redaktion :
Alltag und Geschichte
 
gesendet am :
Montag, 30. September 2002, 17.00–18.00 Uhr
 
wiederholt am :
Dienstag, 1. Oktober 2002, 00.00–01.00 Uhr
Dienstag, 1. Oktober 2002, 08.00–09.00 Uhr
Dienstag, 1. Oktober 2002, 14.00–15.00 Uhr
 
 
Verwendete Literatur :
  • Jürgen Elsässer : Make Love And War, Pahl–Rugenstein Verlag [2002]
  • Fred Halliday : Wirtschaftliche und gesellschaftliche Verhältnisse in Afghanistan nach der Aprilrevolution 1978, in: Kritik Nr. 24, Zeitschrift für sozialistische Diskussion, Verlag Olle & Wolter [1980], Seite 57–67
 
 
Playlist :
  • Joan Baez : Green green grass of home
  • Nina Hagen : Wau Wau
 
 
URL dieser Seite : http://www.waltpolitik.powerbone.de/kv/kv_green.htm
 
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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 : Einleitung
Kapitel 2 : Bildung für Ungebildete
Kapitel 3 : Großer Bruder
Kapitel 4 : Märchenzeit
Kapitel 5 : Bauernfängerei
Kapitel 6 : Die GRÜNEN und Afghanistan
Kapitel 7 : Kriegsverbrechen
Kapitel 8 : Airbase
Kapitel 9 : Schluß
Anmerkungen zum Sendemanuskript

 

Einleitung

Die folgende Sendung ist für GRÜNE Parteimitglieder sowie deren Wählerinnen und Wähler über 18 Jahren nicht geeignet.

Jingle Alltag und Geschichte

Ich muß zugeben: ich bin schockiert. Und das, obwohl mich in dieser Gesellschaft nicht mehr viel überraschen kann. Aber dann das – 20% aller gültig wählenden Darmstädterinnen und Darmstädter haben ihr Kreuzchen bei der grünen Partei abgeliefert. 15.400 Menschen. Da fragt man sich schon, was in deren Köpfen vorgegangen sein mag. Im Verlauf der folgenden Stunde will ich versuchen, darüber mehr herauszufinden.

Nun ist diese Sendung ja genau für diese 15.400 Menschen nicht geeignet. Für wen mache ich diese Sendung dann? Gute Frage. Aber wie ich noch zeigen werde, muß ein Großteil dieser Wählerinnen und Wähler schlicht und einfach bildungsresistent und bar jeder realistischen Wahrnehmung der Wirklichkeit sein. Anders ist es nicht zu verstehen, warum 15.400 Kreuzchen ausgerechnet bei der grünen Illusionspartei mit Moralgarantie gelandet sind.

Ich könnte die Fragestellung auch anders formulieren. Ende der 70er Jahre wurde die grüne Partei gegründet. Damals trug sie ihre vier Prinzipien gebetsmühlenartig vor sich her: basisdemokratisch, ökologisch, gewaltfrei und vorn. Geblieben ist vorn, denn bei jeder sich bietenden Gelegenheit sind die GRÜNEN fleißig vorn mit dabei.

Wenn es darum geht, Kriege zu führen, sind die GRÜNEN vorn. Wenn Joschka Strahlemann redet, sind sie vorn. Wenn es darum geht, der Atommafia den Ausstieg aus der Kernenergie schmackhaft zu machen, sind sie vorn. Und beim Zuwanderungsgesetz sind sie an vorderster Stelle mit dabei, wenn es darum geht, unerwünschte Migrationsbewegungen kapitalismuskompatibel zu managen. Vorn. Ganz moralisch. Was diese grüne Moral wert ist, dazu mehr im Verlauf dieser Sendung.

Am Mikrofon für die Redaktion Alltag und Geschichte auf Radio Darmstadt ist Walter Kuhl.

 

Bildung für Ungebildete

Bevor ich mich der Frage zuwende, was 15.400 Menschen, also etwa 20% derjenigen, die in Darmstadt gewählt haben, bewegt haben mag, ausgerechnet die GRÜNE Partei zu wählen, noch eine Bemerkung und ein kleiner Joke am Rande.

Ein Lehrer der darmstädter Lichtenbergschule meinte nach der Wahl besonders klug zu sein. Er schalt die anderthalbtausend Deppen, die allein in Darmstadt ungültig gewählt hatten. Auf die Idee, daß dies ein bewußter politischer Akt gewesen sein könnte, kam er nicht. Das ging über seinen geistigen Horizont hinaus. Also, ich sage, lieber ungültig als GRÜN wählen. Aber in Pisaland sind offensichtlich auch die Lehrer nicht klüger als es die Kultusministerin erlaubt.

Doch zurück zur großen Politik: Noch in der Woche nach der Bundestagswahl fällt den politisch verantwortlichen rot–grünen Politikerinnen und Politikern auf einmal auf, daß der Staatshaushalt ein riesiges Loch aufweist. Ich weiß ja nicht, was sie in den Wochen davor getan haben, wahrscheinlich Wahlkampf, um sich vor der Verantwortung für dieses Loch zu drücken, aber auffällig ist es ja schon. Jeder Schatzmeister wäre für ein derart inkompetentes Verhalten fristlos gefeuert worden. Nun standen die schwarz–gelben Insolvenzverwalter ja schon bereit. Nur – das Kompetenzteam von Edmund Stoiber ist ja bekanntlich ebenso kompetent wie ihr großer Meister.

Lothar Späth schafft jede Menge neue Arbeitsplätze auf dem Arbeitslosenmarkt, indem er mehrere Milliarden D–Mark Subventionsgelder dafür verwendet, seine gut geschmierten Geschäftsbeziehungen zu pflegen. Wenn dabei Zigtausende auf die Straße gesetzt werden, umso besser. Woher sollen sonst die neuen Zeitarbeitsagenturen des Herrn Hartz ihre leistungswilligen Arbeitskräfte herbekommen? 800.000 solch schwachsinniger Jobs wollte uns Edmund Stoiber schenken. Hat er gesagt.

Dann doch lieber die rot–grünen Insolvenzverwalter. Die machen zwar dasselbe, reden aber nicht ganz so viel Stuß.

Nein, wißt ihr, wie kompetent Edmund Stoiber ist? Erinnert ihr euch an seinen ersten Auftritt nach Schließung der Wahllokale? Freudig kam der Strahlemann in der CDU–Parteizentrale aufs Podium gestiegen und erzählte uns, es sei noch nicht an der Zeit, die Champagnergläser zu öffnen. Recht hat er, wo er Recht hat. Oder habt ihr schon einmal ein Champagnerglas geöffnet? Naja, ein Gurkenglas mit Schraubverschluß vielleicht. Oder ein Glas Marmelade. Aber ein Glas Champagner? Aber er hat ja Recht: da er kein Champagnerglas öffnen kann, wird er auch nicht Bundeskanzler. Und so jemand fordert von Migrantinnen und Migranten den Nachweis deutscher Sprachkenntnisse ...

Da fällt mir ein – Günter Jauch und die 50 Euro–Einstiegsfrage:

Edmund Stoiber, wenn man was zu feiern hat, was wird dann geöffnet:
  • A    eine Champagnerflasche
  • B    ein Champagnerglas
  • C    eine Champagnerbüchse
  • D    eine Champagnertüte

Tja, der Junge wird nie seine Million kriegen ... [1]

Lisa Fitz : Nationale Identität (Auszug)

 

Großer Bruder

Wer hat wohl die GRÜNEN gewählt? Grob gesagt, gibt es hier wohl drei Lager. Die einen aus Überzeugung, die zweiten, weil oder obwohl sie es besser wissen, und die dritten, weil sie immer noch an die Illusionen der GRÜNEN Partei glauben. Die ersten sind Überzeugungstäterinnen und –täter – und sie wissen, warum sie es sind. Wer im Bundestag für Krieg stimmt, weiß, was er oder sie tut. Wer aus Darmstadt auf den Bundesparteitag der GRÜNEN fährt und für Krieg stimmt, weiß, was er oder sie tut. Mit Überzeugungstäterinnen und –tätern zu diskutieren, macht keinen Sinn.

Die zweiten kennen die Fakten. Sie kennen die Atommülldeals von Jürgen Trittin und die Lügen eines Rudolf Scharping und eines Joschka Fischer, die zum Krieg gegen Jugoslawien geführt haben. Der Krieg war vermeidbar, aber Joschka wollte ihn. Sie verteidigen auch die Ökosteuer, obwohl damit das Lohndumping finanziert werden soll. Und sie ignorieren die Feinheiten des neuen Zuwanderungsgesetzes, in dem sogenannte Ausreisezentren festgeschrieben worden sind, die Migrantinnen und Migranten freundlich, aber bestimmt davon überzeugen sollen, daß die Hölle in ihrem Heimatland immer noch lebenswerter ist als die Hölle, die ihnen hier droht. Dieses zweite Lager derer, die GRÜN gewählt haben, weiß das alles. Aber sie haben trotzdem GRÜN gewählt. Nach Moral frage ich hier lieber nicht.

Das dritte Lager sind die Unwissenden. Diejenigen, die aus den Pisa–Schulen kommen und noch an die Illusionen der GRÜNEN Luftikusse glauben. Die nicht ahnen, daß es eiskalte Klasseninteressen sind, die aus den GRÜNEN eine staatstragende Partei gemacht haben. Der Nitrofen–Skandal hat für diejenigen, die genau zugehört haben, deutlich gemacht, welch eine verlogene Bande die ökogrüne Bauernschaft ist. Monatelang hatten sie gewußt, daß sie Gift verticken, aber sie haben natürlich alle brav still gehalten. Geld stinkt nicht.

Träumt weiter, bin ich geneigt zu sagen. Träumt weiter eure Illusionen von einer besseren Welt ... mit den GRÜNEN. Jubelt weiter eurem Oberguru Joschka zu, der euch das Denken abnimmt und der ganz im Sinne eurer Moral handelt. Wie er das macht, erzähle ich euch im Verlauf dieser Sendung. Doch nach dem begeisterten Jubelsturm auf dem darmstädter Marktplatz fühlte ich mich an den Schluß von George Orwells Roman 1984 erinnert. Joschka führt all diejenigen, die von einer besseren Welt geträumt haben, wieder heim. Und dafür sind sie ihm unendlich dankbar.

Endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen und akzeptiert. Oder in den Worten George Orwells:

[Winston] blickte hinauf zu dem riesigen Gesicht. Vierzig Jahre hatte er gebraucht, um zu erfassen, was für ein Lächeln sich unter dem dunklen Schnurrbart verbarg. O grausames, unnötiges Mißverstehen! O eigensinniges, selbst auferlegtes Verbanntsein von der liebenden Brust! Zwei nach Gin duftende Tränen rannen an den Seiten seiner Nase herab. Aber nun war es gut, war alles gut, der Kampf beendet. Er hatte den Sieg über sich selbst errungen. Er liebte den Großen Bruder. [2]

Und wie wir ja alle wissen, macht Liebe blind. Schlimmer noch – Liebe ist die systematische Ausblendung der Realität. Betrachtet doch mal die Hetero– und Homo–Pärchen um euch herum. Austauschbar in ihrer Belanglosigkeit auf der Suche nach der oder dem Einen. Zwei Menschen, die sich unter normalen Umständen nicht einmal grüßen würden, finden zueinander. Die Trennungs– und Scheidungsraten verraten uns ja auch, daß es sich hier um ziemlich belanglos zusammengewürfelte Paare handelt. Meist merken sie es nur zu spät.

Damit dieser Gesellschaftskitt funktioniert, dafür gibt es die Liebe. Seifenopern und Chartbreaker handeln von – genau: der Liebe. Und genauso ist es auch in der Politik. Joschka Fischer hat derart astronomisch herausragende Sympathiewerte in Meinungsumfragen, daß hier kein rationaler Grund mehr vorliegen kann. Aber es gibt einen – die Liebe. In Joschka Fischer werden alle Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche hineinprojiziert, egal, wie irrational sie sind. Die Esoterikpartei der GRÜNEN ist nicht umsonst eine Partei der Irrationalität.

Mal ganz abgesehen von ihren rechtsradikalen Wurzeln aus der Gründungszeit der GRÜNEN Partei Ende der 70er Jahre. Über den Zusammenhang von Esoterik, Rechtsradikalismus und Naturspinnerei kann euch Günter Mergel in seiner Sendereihe Esoterik zwischen Magie und Aberglauben eine ganze Menge erzählen. Auch, was das mit den GRÜNEN zu tun hat. Ich belasse es hier bei diesem Hinweis.

Als sich diese Partei gründete, faßte sie ihre Prinzipien in vier Worten zusammen: basisdemokratisch, ökologisch, gewaltfrei und vorn. Und was ist davon übrig geblieben? Nun die Basisdemokratie ist personifiziert in Gottvater Joschka Fischer. Widerspruch wird nicht geduldet; aber alle Abweichler und Abweichlerinnen sind in den letzten zwei Jahrzehnten ohnehin ausgeschlossen worden.

Ökologisch? Ich frage mich bis heute, wie es die GRÜNEN geschafft haben, den Deal mit der Atommafia als Erfolg zu verkaufen. Irgendwie muß das mit der Liebe perfekt funktioniert haben. Also – Jürgen Trittin vereinbart mit der Atomindustrie, daß sie ihre Atomanlagen länger laufen lassen darf, als dies für die Unternehmen selbst profitabel wäre. Im Gegenzug dafür darf er Umweltminister bleiben. Und so strahlen die Reaktoren weiterhin vor sich hin und produzieren weiterhin jede Menge Atommüll, deren Entsorgung weiterhin ungeklärt bleibt. Gut, es gibt ja jetzt diese – Zwischenlager. Und so wird in den nächsten Zigtausend Jahren von Zwischenlager zu Zwischenlager zwischengelagert, bis vielleicht doch mal jemand oder eine auf die Idee kommt, wie die Zwischenlagerung beendet werden kann. Voraussichtlich dann, wenn die Strahlung so weit abgeklungen ist, daß sie nicht mehr meßbar ist. Und dann waren die Zwischenlager in der Tat Endlager – so, wie das Atomgesetz es zwingend vorschreibt.

Was in der Diskussion völlig außen vor bleibt – sind jedoch weniger die nicht vorhandenen Endlager, sondern die Herstellungsbedingungen der Urans. Da werden in den Bimboländern riesige Krater aus der Erde gebuddelt, giftige und strahlende Uranschlämme ungefiltert ins Trinkwasser geleitet – ganz nach dem Motto: nach mir die Sintflut, und wir sind ja eh in der Dritten Welt. Und Jürgen Trittin feiert sich, weil er den Bimbos in dieser Dritten Welt diese Scheiße noch weitere 30 oder mehr Jahre zugemutet hat. Das, was ich dabei nicht verstehe, ist: Ich dachte, die GRÜNEN stehen doch sonst so auf Aborigines oder Indianer. Aber wenn's um das eigene Seelenheil geht, sind sie ihnen dann doch egal.

Sie alle jedenfalls jubeln Joschka zu, als er dies auf dem Marktplatz als Erfolg GRÜNER Politik verkauft. Das ist nicht nur GRÜNE Ökologiepolitik, ich denke: das ist purer Rassismus! Hierzulande Ökosteuer und in der Dritten Welt das Giftmülldepot. Doch zum Rassismus komme ich noch zurück, keine Sorge. Denn je mehr wir über die GRÜNE Partei erfahren, desto mehr müssen wir das GRÜNE Multi–Kulti–Unwesen genauer betrachten. Folklore ja, spezialisierte Arbeitskräfte ja, aber Bimbos – die bleiben doch bitte an den Stacheldrahtzäunen von Schengenland hängen.

In den Wochen vor der großen Flut beherrschte jedoch ein ganz anderes Thema die Republik. Ein gewisser Herr Hunzinger hatte sich ganz offensichtlich den einen oder anderen Politiker gekauft. Und gewisse Abgeordnete waren so frei, und nutzten ihre dienstlich erworbenen Flugmeilen ganz privat. Dabei waren auch die GRÜNEN. War da nicht etwas mit GRÜNER Moral? Kerstin Müller, ihr Auftritt!

Wir GRÜNE beteiligen uns an diesem Regierungsbündnis, um eine Politik zu verwirklichen, die auf festen, unveränderlichen, moralischen Überzeugungen begründet ist. [3]

Jetzt frage ich mich nur – wieviele Dienstreisen mögen unsere GRÜNEN Parlamentarierinnen und Parlamentarier verflogen haben, um in den Genuß von ausreichend Bonusmeilen für den Privatflug gekommen zu sein? Und ich dachte immer, Kerosinschleudern seien besonders umweltfeindlich. Offensichtlich ändert sich das, wenn man und frau an der Regierung ist. Ich stelle mir schon vor – Rezzo Schlauch will den Ausbau des Frankfurter Flughafens verhindern. Das muß er ja schon aus ganz egoistischem Eigeninteresse sein lassen. Denn welcher GRÜNE schädigt sich schon selbst? [4]

Eben. Und damit sind wir wieder bei meinem Thema. GRÜNE Moral.

Dieter Nuhr : Ökologie heute (Auszug)

 

Märchenzeit

Bevor ich jetzt auf die grüne Kriegspolitik zu sprechen komme, möchte ich noch einmal meinen Hinweis loswerden. Diese Sendung ist garantiert für GRÜNE Parteimitglieder und die Wählerinnen und Wähler der GRÜNEN Partei über 18 Jahre nicht geeignet. Geeignete Sendungen wären die Märchenzeit mit Hedi und Andreas oder die Sendung Freitagabends um 19 Uhr. Viele Worte, kein Inhalt und garantiert viel Musik.

Auszug aus der Sendung Märchenzeit vom 18. September 2002 auf Radio Darmstadt. Kein Manuskript hierzu vorhanden.

Ich will mal die Frage außer acht lassen, warum es bei Radio Darmstadt eine Wahlwerbesondersendung für GRÜNE und SPD ausgerechnet im Kinderprogramm gegeben hat. Aber wenn Iris Bachmann den sozialen Gerechtigkeitsbegriff ausgerechnet in einem Wahlprogramm wiederfindet, dann scheint es sich wirklich um eine Märchensendung gehandelt zu haben. Denn das Wahlprogramm der GRÜNEN kennen garantiert die wenigsten ihrer Wählerinnen und Wähler und noch garantierter wird es keine Rolle für die GRÜNE Politik der nächsten vier Jahre spielen. Ich dachte, Radio Darmstadt habe seine Desinformationssendungen so langsam aus dem Programm gekickt. Offensichtlich habe ich mich geirrt.

Was Walter Hoffmann betrifft, so ist er ein redlicher Sozialdemokrat. Er setzt sich für Arbeitsplätze ein, egal, wie sinnvoll oder tödlich sie sind. Besonders in der Rüstungsindustrie. Das Systeminstandsetzungszentrum und das Gerätehauptdepot in Darmstadt helfen ganz sicher mit, daß unsere Jungs in Afghanistan auf Menschenjagd gehen können. Natürlich hat ihn Hedi nicht danach gefragt, warum es sinnvoll ist, die deutsche Kriegsproduktion zu unterstützen, und erst recht hat sie ihn nicht danach gefragt, warum er im Bundestag für zwei völkerrechtswidrige Kriege votiert hat. Diese spannenden Fragen hat sie ihrem Kinderpublikum dann doch lieber nicht zutrauen wollen. Denn die Kleinen wollen ja gut schlafen, bevor sie am Wahlsonntag wählen gehen.

Ob die Bimbos in Afghanistan, die mit Hilfe der bedingungslosen Solidarität auch eines Walter Hoffmann und erst recht eines Joschka Fischer abgeknallt werden, das genau so sehen, darf jedoch bezweifelt werden. Aber was kümmern uns ein paar tausend tote Bimbos, wenn hier die Arbeitsplätze brummen. Also, wenn das kein Rassismus ist.

 

Bauernfängerei

Doch kommen wir zu den GRÜNEN und ihren Wahlaussagen zurück, auf die unsere wackere Direktkandidatin Iris Bachmann ja soviel Wert gelegt hat. Ich möchte euch daran teilhaben lassen. Beim Lesen mußte ich mich allerdings unwillkürlich fragen, ob derselbe Schwachkopf, der Joschka Fischers Bundestagsreden schreibt, auch hier am Werke war. Habt ihr schon einmal Joschka Fischer länge Zeit am Stück reden hören? Kraut und Rüben. Inhaltliche Konfusion hoch drei. Was ja nur beweist, daß er nicht wegen seiner Inhalte beliebt ist, sondern weil er der große Bruder ist.

Also – in der Wahlzeitung der GRÜNEN mit dem originellen Titel Grüne Zeiten war folgendes zu lesen:

Gabis Truppe und der Frieden
Die friedensbewegte Haltung der PDS um Gabi Zimmer ist simpel und verlogen, nach der Devise: Laßt die anderen für den Frieden kämpfen. Die selbsternannte Anti–Kriegspartei ist keine Friedenspartei. Das Wort Frieden schmückt schön – aber wenn auf der Welt Konflikte ausbrechen ...

einfach so, wie bei einem Vulkanausbruch, brechen die Konflikte einfach so aus. Keine Täter und auch keine GRÜNE Beteiligung. Aber weiter im Text:

... aber wenn auf der Welt Konflikte ausbrechen, dann haben die Postsozialisten keine Antworten, denn dann würde ihre selbstgefällige Rhetorik in sich zusammenfallen. Heuchelei auch im Inneren: Am Tag der Bluttat in Erfurt lehnte eine ...

eine!

... PDS–Bundestagsabgeordnete im Bundestag die rot–grüne Reform des Waffengesetzes ab, ...

über dessen Inhalt der Autor vorsorglich schweigt – die Bundeswehr wurde ja nicht entwaffnet –

... weil die Sport– und Freizeitschützen sonst reglementiert würden. Waffen sind wohl eine Herzensangelegenheit der Partei mit höchsten Offiziersdichte.

Darauf komme ich gleich zu sprechen.

Da zeigt sich die Doppelmoral derjenigen, die Militäreinsätze legitimierten, wenn es – wie beim Prager Frühling – um die sozialistische Sache ging: Frieden als taktisches Instrument, ohne Überzeugung.

Ich zitierte soeben nicht die BILD–Zeitung, sondern das GRÜNE Wahlkampfkäsblatt.

Doch fangen wir gleich mit 1968 an – Prager Frühling. Soweit mir bekannt, aber vielleicht ist das in der Pisahochburg Deutschland noch nicht in den Geschichtsbüchern vermerkt, existierte 1968 die PDS noch gar nicht. Nun ist es ja richtig, daß viele alte Kader auch Mitglied der neuen PDS geworden sind. Aber mit der Argumentationslogik muß ich schon noch mal nach den rechtsradikalen Wurzeln der GRÜNEN fragen.

Außerdem hätte der grüne Schreiberling – ich kann es einfach nicht glauben, daß eine Frau einen derartigen Stuß schreibt – vielleicht besser vom sowjetischen Einmarsch in Afghanistan geschrieben. Denn in und zu Afghanistan haben die GRÜNEN mehr auf dem Kerbholz als die SED beim Einmarsch in die Tschechoslowakei.

Dann wirft der Autor in der offiziellen und millionenfach verteilten Wahlzeitung der GRÜNEN ausgerechnet der PDS vor, nicht für völkerrechtswidrige Kriege gegen Jugoslawien und Afghanistan gestimmt zu haben, und nennt das auch noch verlogen. Super! Die PDS hat sich dem eindeutig verweigert und klargemacht, daß es in beiden Fällen zivile und vor allem praktikable Alternativen gegeben hätte. Nur waren die GRÜNEN aus verständlichen Gründen an diesen Alternativen gar nicht interessiert. Sie wollten ja Krieg führen. Wozu dann zivile Alternativen? Der Krieg gegen Jugoslawien beispielsweise ist nicht einfach ausgebrochen – wie es uns der Autor klarmachen wollte –, sondern durch Joschka Fischer in Rambouillet und Rudolf Scharping mit der Lüge des angeblichen serbischen Hufeisenplans überhaupt erst in Gang gesetzt worden. Naja, GRÜNE blenden die Realität halt aus. Wo die Liebe so hinfällt ...

Eben – wo die Liebe hinfällt. Eine gewisse Angelika Beer, sicherheitspolitische Sprecherin der GRÜNEN und für die friedlichste Partei des Universums in die parlamentarischen Versammlung der friedlichsten Kriegsorganisation der Gegenwart – also der NATO – geschickt, hat sich verliebt. Naja, keine Neuigkeit, wissen wir ja, ist ja schon ein bißchen länger her, auch wenn bei Radio Darmstadt zuweilen der Aktualitätsjingle bei Meldungen gespielt wird, die sechs Wochen alt sind. Verliebt hat sie sich in einen Oberstleutnant der Bundeswehr, der in Mazedonien stationiert ist.

Wenn's Spaß macht. Nur – nach der Logik des GRÜNEN Schreiberlings muß ich ja davon ausgehen: wenn eine PDS–Bundestagsabgeordnete ein Waffengesetz nicht billigt, ist die PDS eine Kriegspartei; was sind dann die GRÜNEN, wenn die wichtigste militärische Frontfrau der GRÜNEN – Angelika Beer – einen Bundeswehroffizier liebt? Früher gab es das Instrument der dynastischen Ehen, um zwei verfeindete Lager zu versöhnen. Heute reicht ein bißchen Liebe und alles wird gut. Tu felix Austria nube! Oder ist es einfach nur das symbolische Band, das den Schulterschluß zwischen Partei– und Olivgrünen besiegelt?

Doch um diesen GRÜNEN Stuß zum Abschluß zu bringen. Wer glaubt, mit derart inhaltslosen und dummbeuteligen Argumenten Wählerinnen und Wähler gewinnen zu können, betreibt – und dann sind die GRÜNEN dann doch wieder konsequent – Bauernfängerei. Und es zeigt, wieviel Dummheit sie ihren Wählerinnen und Wählern zutraut. Nun ja, Joschka Fischers Auftritt in Darmstadt hat ja den Beweis für die Richtigkeit dieses Vorgehens abgeliefert. Jubel, Jubel, Jubel, und ja nicht an die Fakten denken!

Und hier noch einmal der Hinweis: Diese Sendung ist für GRÜNE Parteimitglieder sowie deren Wählerinnen und Wähler über 18 Jahren nicht geeignet. Bei soviel Bildungsresistenz empfehle ich: abschalten und weghören.

Joan Baez : Green green grass of home

 

Die GRÜNEN und Afghanistan

Nach so vielen Schalmeienklängen, die selbst realitätstüchtige Menschen noch an GRÜNE Illusionen glauben lassen, komme ich wieder auf die nackten Fakten zu sprechen. Joschka Fischer pries einmal seine seltsame oder vielleicht doch nicht ganz so überraschende radikale Lebensänderung durch das Auswechseln und völliges Umschreiben [s]einer persönlichen Programmdiskette. Nun wollen wir mal hoffen, daß er sich dort nicht einen Virus eingefangen hat. Aber das klingt doch sehr nach der Gehirnwäschemethode des Neurolinguistischen Programmierens. Natürlich hat sich Radio Darmstadt hierzu so seine Gedanken gemacht und ist dem Geheimnis seiner Ausstrahlung womöglich auf die Schliche gekommen:

Collage, bestehend aus:

  • "Please enter the password.">
  • Piep, piep, piep.
  • Laibach : War, war ...
  • "... knallt euch das Hirn raus!"
  • "Password correct.
  • O–Ton Joschka Fischer (mehrfach wiederholt) : Krieg ist widerwärtig.

Ist ja schon gut, Joschka. Wissen wir doch. Aber warum führst du dann Krieg? Tja, ob mir das die GRÜNE Basis erklären kann? Muß sie nicht. Ich kann's. Es ist nämlich so:

Gemeinhin wird der sowjetische Einmarsch in Afghanistan in den letzten Tagen des Jahres 1979 als Beginn des Bürgerkrieges angesehen. Doch dies ist eine bewußt einseitige Verdrehung der Tatsachen. 1973 wurde König Saher Schah durch seinen Schwager Prinz Mohammad Daud entmachtet, der wiederum durch eine kleine radikale Organisation – die Demokratische Volkspartei Afghanistans – 1978 weggeputscht wurde.

Afghanistan war schon damals eines der ärmsten Länder der Erde, während die Stammesfürsten und insbesondere Saher Schah in Luxus schwelgten. Derselbe König, der Anfang dieses Jahres ausgerechnet von der GRÜNEN Friedenspartei als politische Lösung präsentiert und nach Afghanistan importiert wurde, hatte 1971/72 kein Problem damit, während einer Dürre, die etwa anderthalb Millionen Menschen das Leben kostete, Hilfsmittel abzuzweigen und seinem persönlichen Reichtum hinzuzufügen.

Die kommunistisch orientierte Demokratische Volkspartei ging zunächst einmal daran, die schlimmsten Errungenschaften der feudalen Ordnung Afghanistans zu beseitigen. Sie verkündeten eine Landreform und den Schuldenerlaß für die kleinen Bauern. Von dieser Maßnahme sollten etwa 11 Millionen Menschen profitieren. Das Regierungsprogramm von 1978 sah die völlige rechtliche, politische, gesellschaftliche und kulturelle Gleichstellung der Frauen Afghanistans vor – 1978, vor den Mudschaheddin! Der Brautkauf sollte abgeschafft werden, das Heiratsalter wurde auf 16 Jahre festgesetzt und Eheabsprachen verboten. Ins Kabinett wurde folgerichtig auch eine Frau aufgenommen. Weiterhin verpflichtete sich die neue revolutionäre Regierung, alle Sprachen Afghanistans anzuerkennen und Kinder in der Grundschule zunächst in ihrer eigenen Sprache zu unterrichten.

Die mit der Sowjetunion freundschaftlich verbundenen afghanischen Kommunisten waren in dieser Hinsicht moderner als beispielsweise die heutige Türkei, die das Kurdische mit Billigung von Joschka und Co. immer noch unterdrückt. Radio Kabul sendete in den verschiedenen Sprachen Afghanistans und es erschienen schnell Wochenzeitungen auf Usbekisch und Turkmenisch.

Dieses sicher nicht einmal überaus demokratische Regime war das emanzipatorischste, welches Afghanistan bis zum heutigen Tage gesehen hat. Deshalb mußte es weg. Schon vor dem Einmarsch sowjetischer Truppen im Dezember 1979 unterstützte die CIA die Mudschaheddin, die mit den Maßnahmen der neuen Regierung natürlich überhaupt nicht einverstanden waren. (Ich glaube, Ende der 70er Jahre war der Vater des heutigen Präsidenten CIA–Chef.) Schulbildung, Frauenemanzipation und Landreform richteten sich gezielt gegen die Interessen der Stammesfürsten und deren Gefolgschaft, aber auch gegen die ganz egoistischen Interessen ganz normaler afghanischer Männer. – Wir sehen somit, daß schon hier die USA die reaktionärsten Elemente Afghanistans unterstützten, so wie sie es bis hin zu den Taliban weitere 20 Jahre lang praktizierten.

Die Lage in Afghanistan spitzte sich 1979 derart zu, daß sich die Sowjetunion zur Sicherung des eigenen Machtbereichs und der eigenen Grenzen zu Afghanistan gezwungen sah, militärisch zu intervenieren. Wer die Methoden der russischen Kriegsführung in Tschetschenien kennt, kann sich vorstellen, daß nicht nur die Mudschaheddin, sondern auch die Sowjetarmee Menschenrechte nicht besonders hoch achteten. Kriegsverbrechen kamen auf beiden Seiten vor. [5]

Die Kriegsverbrecher auf afghanischer Seite sind vor kurzem in Kabul eingezogen und heute die besten Freunde der USA und des mit ihnen bedingungslos solidarischen Gerhard Schröder, dem wiederum die GRÜNEN ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen haben. So geschehen am 16. November letzten Jahres; aus dieser Bundestagssitzung gibt es ja auch mein Lieblingszitat von Kerstin Müller.

Wenn also heute davon geredet wird, Afghanistan sei vom finsteren Joch der Taliban befreit worden, dann dürfen wir nicht vergessen, daß genau diese Taliban von den USA gefördert und an die Macht gebracht worden sind. Die Rechte der afghanischen Frauen haben die USA nie interessiert. Sie haben ja von Anfang an die frauenfeindlichen Schurken nach Kräften unterstützt.

Und jetzt komme ich zu den GRÜNEN.

Erklärung der GRÜNEN Bundestagsfraktion 1987:

Ganz sicher ist das [prorussische] Regime in Kabul auch bei vielen auf Zustimmung gestoßen, weil es im eurozentristischen Sinne Teile unserer Wertvorstellungen umzusetzen versucht hat, mit welch mörderischen Mitteln auch immer, anders als die islamischen Mudjahedin, deren Wertvorstellungen wir dort besonders vehement ablehnten. Wir glauben, gesellschaftlich schon viel weiter zu sein, zum Beispiel in der Beurteilung der Rolle der Frau. [6]

Der Vorwurf des Eurozentrismus bedeutet nichts anderes als Afghanistan den Afghanen zu überlassen – also den patriarchalen Arschlöchern und Mördern. Die Burka, gemeinhin als das Symbol der Taliban angesehen, wurde den afghanischen Frauen jedoch schon von Gotteskriegern der Mudschaheddin aufgezwungen.

Bis zum Frühjahr 1983 gelang es den Kumpels der GRÜNEN, über 90 Prozent der 230 höheren und 1438 Grundschulen Afghanistans zu zerstören. Bei der Eroberung von Kunduz wurde ein Waisenheim in die Luft gesprengt, selbstredend mitsamt der Kinder, weil diese als Waisen von Regierungsbeamten und Mitgliedern der Demokratischen Volkspartei den Tod verdient hätten. Uli Fischer und Milan Horacek, zwei Größen der hessischen GRÜNEN Mitte der 80er Jahre, besuchten die Mudschaheddin und berichteten nach der Rückkehr:

Die sind echt gut drauf. [7]

Joschka Fischer hingegen war schon 1986 ganz staatsmännisch und drückte das im Bundestag etwas diplomatischer aus:

Wenn ich auch nach wie vor davon überzeugt bin, daß die internationale Bündnisorganisation einiger afghanischer Widerstandsorganisationen den Interessen der Völker Afghanistans schadet, halte ich die Position, den Mudjahedin pauschal einen undemokratischen und antiemanzipatorischen Charakter zu unterstellen, für borniert, kurzsichtig und ideologisch einäugig. [8]

Es ist eben alles eine Frage der Sichtweise. Oder der Moral? Vielleicht ahnte Joschka Fischer ja schon, daß er die Mörder und Plünderer der 80er und 90er Jahre im Jahr 2002 bei den Petersberger Gesprächen wieder an einen Tisch zusammenführen sollte, um mit ihnen eine neue afghanische Menschenrechtsregierung zu bilden.

 

Kriegsverbrechen

Collage mit Redeausschnitten einer Bundestagsdebatte, in der es um Joschka Fischers Äußerungen zugunsten von Sitzblockaden geht.

Bei GRÜNER Moral fällt mir natürlich auch Cem Özdemir ein. Selbiger hatte von einem gewissen Herrn Hunzinger Anfang 1999 einen persönlichen Kredit in Höhe von 80.000 Mark erhalten. Einfach so. Ohne Gegenleistung. Hat Hunzinger gesagt. Klar – kriegen wir ja alle. Ist ja ganz alltäglich. Stutzig hat mich dann das Datum gemacht. War da nicht was im Frühjahr 1999? Und dann gibt es die ganz spannenden Verbindungen des Herrn Hunzinger nach Belgrad zur damaligen serbischen Opposition, die bei ihm in seinen Veranstaltungen zum Beispiel mit Herrn Scharping ja ein und aus ging. Dann gibt das doch eine ganz neue pikante Note, wenn ein gewisser Herr Özdemir rein zufällig Anfang 1999 kurz vor dem Krieg gegen Jugoslawien einen Kredit über 80.000 Mark erhät. Ein Schelm, wer sich dabei etwas denkt. Tja, und deswegen mußte vielleicht Cem Özdemir seinen Hut nehmen, bevor ruchbar wurde, was vielleicht Anfang 1999 mit einem GRÜNEN passiert sein könnte ... Wie gesagt, ein Schelm, der sich was dabei denkt.

Nur – wenn eine PDS–Bundestagsabgeordnete aus der PDS eine Waffenpartei macht, was macht dann ein erwischter Cem Özdemir aus den GRÜNEN? Eine korrupte Partei? Naja, ist ja nicht meine Logik. Es ist ja die Logik der GRÜNEN Wahlkampfzeitung. Aber Denken darf doch mal erlaubt sein ... – oder? Oder bei den GRÜNEN lieber nicht?

Doch zurück nach Kabul.

Im Frühjahr dieses Jahres präsentierte die PDS–Bundestagsfraktion auf einer Pressekonferenz einen britisch–irischen Journalisten und dessen Filmdokumente. Nach seinen Recherchen und Bildern waren Ende November 2001 mehrere hundert gefangene Taliban–Soldaten in Container gepfercht und durch Austrocknen und Verdursten–Lassen ermordet worden. Die Medien schwiegen. Joschka und seine GRÜNE Combo logischerweise auch.

Die US-Zeitschrift Newsweek titelte am 26. August: Die Kriegsverbrechen von Afghanistan. Und Newsweek bestätigt Monate später all das, was Jamie Doran gefilmt hatte. Dabei war das nichts Neues. Der Krieg zwischen den verschiedenen Mudschaheddin– und Talibanfraktionen wurde schon öfter auf diese Weise geführt. Ab in die Container und sterben lassen.

Nur – diesmal war die US Army dabei. Ein gewisser Herr Rumsfeld meinte schon damals sehr treffend: Ich möchte diese Kämpfer lieber nicht lebend sehen. Das Pikante dabei: Direkt verantwortlich für dieses Kriegsverbrechen war der Warlord und US–Verbündete General Dostum von der glorreichen Nordallianz. Dafür wurde Dostum auch belohnt. Er ist heute stellvertretender Verteidigungsminister in der von der rot–grünen Koalition hofierten Regierung Karsai. Das möge mir Joschka doch mal erklären. Doch der sagt nur:

O–Ton Joschka Fischer:

Krieg ist widerwärtig. [9]

 

Airbase

Tja, das sehe ich ganz genau so. Nur – ich führe keinen Krieg. Joschka hat schon einen angezettelt und einen zweiten zur Unterstützung des Herrn Dostum und seiner Mordgesellen bereitwilligst und solidarisch unterstützt. Aber jetzt reden wir ja alle über den Irak – und da ist ganz gewiß alles ganz anders. Sagt zumindest Joschka. Aber glauben tun wir ihm dann doch lieber nicht.

Für den kommenden Donnerstag, dem revanchistischen Tag der neuen deutschen Einheit, also am 3. Oktober, rufen verschiedene Initiativen und Organisationen zu einer Demonstration zur US–Airbase am Frankfurter Flughafen auf. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Bahnhof Zeppelinheim. Bemerkenswert ist, daß die grüne Friedenspartei gar nicht erst erwähnt wird. Weder im Aufruf noch unter denen, die den Aufruf verfaßt haben. Entweder wurden die GRÜNEN erst gar nicht gefragt, oder sie haben dankend abgelehnt. Mit Frieden wollen sie vielleicht gar nichts zu tun haben.

Günter Mergel aus der Redaktion Alltag und Geschichte [10]wird uns zum Schluß dieser Sendung erklären, warum die GRÜNEN am 3. Oktober lieber nicht zur Airbase gehen. – Doch obwohl ich den Aufruf in seiner politischen Aussage problematisch finde, weil er – gegen jede rationale Erkenntnis – immer noch an die Herrschenden und ihre Kriegsmaschine appelliert, möchte ich einige Passagen wiedergeben. Wer sich angesprochen fühlt, soll hingehen. Immer noch besser, als sein oder ihr Kreuzchen bei den GRÜNEN abzuliefern.

Kein Krieg gegen den Irak!
Die USA planen einen Krieg gegen den Irak. Mit fadenscheinigen Argumenten zimmert sich die US-Administration eine Legitimation für einen Angriff zurecht. Die Frage scheint nicht mehr [zu sein], ob, sondern wann der Krieg gestartet wird.
Im letzten Golfkrieg 1991 durchlitten die Menschen 42 Tage und Nächte pausenlose Bombardements. Mindestens 150.000 Menschen starben unter den angeblich sauberen, chirurgischen Schlägen. [Als] Folge der eingesetzten Uran–Munition stiegen Krebs– und Mißbildungsraten rapide an. Das andauernde US–Embargo hat bis heute mehr als 500.000 Kindern das Leben gekostet. Aus Protest gegen diese Sanktionen, die die irakische Bevölkerung leiden lassen, das Regime hingegen faktisch stabilisieren, sind nacheinander zwei UN–Koordinatoren für den Irak zurückgetreten.

Es gibt außer den GRÜNEN nämlich tatsächlich noch Menschen mit einem moralischen Rückgrat. Der Aufruf hätte jedoch klarmachen müssen, daß exakt in dieser Todesrate und der Stabilisierung des diktatorischen Regimes Saddam Husseins der Sinn des Wirtschaftsembargos verborgen liegt. Doch weiter im Text:

Dieser angekündigte Krieg kann noch und muß verhindert werden!

Dann hättet ihr allerdings die einzige Antikriegspartei mit realistischen Chancen für den Bundestag wählen müssen; und nicht die grünen Friedensblubberblasenzerstäuberer.

In den USA, in England, in vielen Ländern dieser Welt formiert sich der Widerstand gegen diesen Krieg. Den begrüßenswerten Aussagen unserer Politiker[i]nnen [und Politiker], Deutschland werde sich an Militäraktionen gegen den Irak nicht beteiligen, müssen nun Taten folgen:
Wir fordern den sofortigen Rückzug der Bundeswehr aus der Golfregion!

Warum nicht die Auflösung des deutschen Kriegsspielzeugs?

Keine Nutzung der US-Militärbasen in Deutschland als Aufmarsch– und Nachschubstützpunkte!

Das hat doch Edmund Stoiber in einem Anfall geistiger Umnachtung kurz vor der Bundestagswahl auch schon gesagt. Wie wär's, wenn wir uns hier eher an die Vorschläge des Bundesaußenministers halten? Nur mal so ins Blaue gedacht ...

Dazu gehört eben auch, daß es immer wieder junge Leute geben wird, die das Recht auf Sitzblockaden wahrnehmen wollen. Und das ist gut so. Das ist richtig so. [...] Ich rufe hier nicht zu Sitzblockaden auf, sondern ich sage Ihnen, zum Wesen einer offenen Gesellschaft, zum Wesen einer Demokratie gehört es auch, daß junge Menschen Sitzblockaden machen. [11]

Tja – wo er Recht hat, hat er Recht.

Die Demonstration zur US–Airbase beginnt am kommenden Donnerstag (am Tag der Deutschen Einheit) um 14 Uhr am Bahnhof Zeppelinheim. Mal sehen, ob es mehr als freundliche Mahnungen geben wird. Ob sich Herr Bush davon beeindrucken lassen wird?

 

Schluß

Jingle Alltag und Geschichte –

mit einer Sendung zu grüner Moral und den Motiven ihrer Wählerinnen und Wähler, die Realität für ein paar Illusionen zu verkaufen.

Doch ich möchte nicht in den Geruch der Einseitigkeit geraten. Zwar ist die Wahrheit einseitig, das liegt einfach im Wesen der Wahrheit, aber vielleicht ist ja die Erkenntnis dieser Wahrheit viel vielschichtiger. Deshalb lade ich hier an dieser Stelle kompetente Vertreterinnen und Vertreter der GRÜNEN Partei dazu ein, mit mir über Kriegsspiele, Atommülldeals, Ausreisezentren und neoliberale Ökosteuern zu diskutieren. In genau zwei Wochen, am 14. Oktober 2002 um 17 Uhr, möchte ich von ihnen aus berufenem Mund erfahren, warum die Bimbos in Afghanistan weniger wert sind als grüne Ökofarmen, warum die NATO noch nicht in Tschetschenien einmarschiert ist und wieso GRÜNE Politikerinnen und Politiker eigentlich in nennenswertem Umfang umweltschädliche miles and more ansammeln können.

Meine Voice–Mailbox bei Radio Darmstadt ist Tag und Nacht zur Bestätigung dieses Termins eingeschaltet; die Telefonnummer lautet (06151) 87 00 192. Oder das grüne Kompetenzteam schickt mir eine Email an kapitalverbrechen@alltagundgeschichte.de. Also – bis zum Freitag, den 11. Oktober, erwarte ich eure Rückmeldung. [12]

Dies war eine Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte auf Radio Darmstadt. Im Internet erreichbar unter www.alltagundgeschichte.de oder ganz normal über das gute alte Telefon unter der Rufnummer 87 00 129.

Gleich folgt eine Sendung der Kulturredaktion. Und bevor Günter Mergel uns die rot–grüne Irakpolitik ein wenig genauer erklärt, verabschiede ich mich. Am Mikrofon war Walter Kuhl.

Beitrag von Günter Mergel zum Ausgang der Bundestagswahl, mit der (satirischen) Aufforderung, von irakisch aussehenden Menschen vergiftete reinrassige deutsche Schäferhunder beim zuständigen GRÜNEN Parteibüro abzuliefern, um einen Grund für einen Krieg gegen den Irak zu haben.

Nina Hagen : Wau Wau

 

 

ANMERKUNGEN

 

[1]   Allerdings ist hier zu berücksichtigen, daß Edmund Stoiber als Geschäftsführer der Bayerischen Kapital–AG ganz gewiß nicht auf den Gewinn bei Günter Jauch angewiesen ist.
[2]   George Orwell : 1984, Diana Verlag, Zürich 1950, Seite 272
[3]   O–Ton Kerstin Müller (GRÜNE), Rede im Deutschen Bundestag am 16. November 2001 (Vertrauensfrage des Bundeskanzlers)
[4]   Obwohl – Schizophrenie gehört zum Geschäft.
[5]   Zu Afghanistan Ende der 70er Jahre gibt es einige mehr oder weniger leicht auffindbare, aber brauchbare Einschätzungen und Darstellungen. Ich verweise hier auf:
  • Jürgen Elsässer : Make Love And War, Pahl–Rugenstein Verlag 2002, Seite 27–28
  • Fred Halliday : Wirtschaftliche und gesellschaftliche Verhältnisse in Afghanistan nach der Aprilrevolution 1978, in: Kritik Nr. 24, Zeitschrift für sozialistische Diskussion, Verlag Olle & Wolter 1980, Seite 57–67
[6]   Zitiert nach: Elsässer Seite 29
[7]   Zitiert nach: Elsässer Seite 28
[8]   Zitiert nach: Elsässer Seite 28
[9]   Weitere Informationen hierzu im Artikel Kriegsverbrechen in Afghanistan von Winfried Wolf.
[10]  Günter Mergel hat die Redaktion im Frühjahr 2003 verlassen.
[11]  O–Ton Joschka Fischer, unbekanntes Datum
[12]  die natürlich nicht kam

 

 

Diese Seite wurde zuletzt am 28. Januar 2006 aktualisiert.
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