Plakat zur Rundreise 2009 (Ausschnitt)
Plakat zur Rundreise 2009 (Ausschnitt)

Kapital – Verbrechen

Keren Assaf über New Profile

Sendemanuskript

 

Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte

Radio: Radio Darmstadt

Redaktion und Moderation: Walter Kuhl

Ausstrahlung am:

Montag, 22. April 2002, 17.00 bis 18.00 Uhr

Wiederholt:

Dienstag, 23. April 2002, 00.00 bis 01.00 Uhr
Dienstag, 23. April 2002, 08.00 bis 09.00 Uhr
Dienstag, 23. April 2002, 14.00 bis 15.00 Uhr

Zusammenfassung:

Vortrag der israelischen Friedensaktivistin Keren Assaf über die israelische Friedensbewegung. New Profile ist eine Organisation, die sich als feministisch definiert. Ich fragte nach, was es damit auf sich hat.

Besprochenes bzw. benutzte Broschüre:

Connection e.V. (Hg.) : Nahostkonflikt ohne Ende? Antikriegsarbeit in Israel

Im August und September 2009 gibt es erneut eine Veranstaltungsreihe zum Verhältnis zwischen Israel und Palästina bzw. Israelis und Palästinenserinnen unter dem Stichwort „Barrieren überwinden“. Keren Assaf wird am 1. September in Darmstadt hierüber sprechen. Weitere Informationen zu dieser Veranstaltungsreihe gibt es auf der Webseite von Connection e.V.

 


 

Inhaltsverzeichnis

 


 

taz linkt zu Antisemiten

Am vergangenen Donnerstag fand an der Technischen Universität Darmstadt eine Veranstaltung unter dem Thema „Nahostkonflikt ohne Ende?“ statt. Als Referentin eingeladen war die Aktivistin der israelischen Friedensorganisation New Profile Keren Assaf [1]. Sie legte darin ihr eigenes Verhältnis zu Israel und den notwendigen Schritten hin zu einer Friedenslösung dar. Ihren Vortrag werde ich im Verlauf dieser Sendung als Aufzeichnung spielen.

Doch zuvor muß ich auch heute wieder auf das leidige Thema Antisemitismus zu sprechen kommen. Die Hauspostille unseres GRÜNEN Außenministers, die taz aus Berlin, erlaubte sich ebenfalls am vergangenen Donnerstag ein Spitzbuben­stück der besonderen Art, das so besonders ist, daß ich geneigt bin, die taz ab sofort als eine ganz normale deutsche antisemitische Zeitung anzusehen. Ein Reinhard Wolff schreibt dort unter der Überschrift Skandinavien boykottiert Israel privat:

Die EU will nicht so, wie die schwedische Regierung: Handelsschrauben gegen Israel. EU-treu, wie das offizielle Stockholm ist, verkündeten deshalb einige Regierungs­mitglieder nun ihren eigenen Kaufboykott. Ganz privat natürlich. Aber vorsichtshalber vom Rednerpult des Parlaments.

Die stellvertretende Ministerpräsidentin erklärte:

Waren aus von Israel völkerrechtswidrig besetzten Gebieten wolle sie nicht kaufen. Und da die israelischen Behörden diese nicht speziell kennzeichneten, müsse sie eben alle boykottieren. Leider. Dutzende sozialdemokratische Abgeordnete des schwedischen Parlaments fordern einen Boykott israelischer Waren. […] Eine Liste solcher möglicherweise aus besetzten Gebieten kommenden Produkte haben Boykottorganisationen in den nordischen Ländern veröffentlicht […]. In Dänemark wurde am vergangenen Wochenende mit einer landesweiten Aktion vor vielen Supermärkten Verbraucheraufklärung betrieben und aufgefordert, beispielsweise auch Obst der Marken „Carmel“ und „Jaffa“ in den Regalen liegen zu lassen. Die „Boycott Israel Campaign“ (BIC) erhofft sich damit laut ihrem Koordinator Jan Mortensen ein „politisches Signal“.

Er wird mit den Worten zitiert:

„Israelische Firmen werden Druck auf ihre Regierung machen, und auch das israelische Volk wird beeindruckt, wenn es solche Reaktionen in Europa gibt.“ […] Die internationale Boycott Israel Campaign geht [jedoch] um einiges weiter: Sie setzt Firmen auf eine schwarze Liste, die große Investitionen in Israel tätigen – etwa Coca-Cola, Nestlé, L'Oréal, Kleenex und Disney. […]

Soweit Reinhard Wolff, der dies alles nicht kommentiert und statt dessen einen Link auf die Internetseite der „Boycott Israel Campaign“ setzen läßt. Wie gesagt, alles in der taz vom letzten Donnerstag. Wer die Seite anklickt, wird mit einer Israelfahne begrüßt, die mit einem roten Verbotsschild versehen ist. Es folgt eine Liste von derzeit 22 Firmen und Konzernen, die alle als jüdisch mit rotem Verbotsschild gekennzeichnet sind. Wir haben hier den antisemitischen Grundgedanken visuell aufbereitet, daß das jüdische Kapital überall sitzt.

Dann wird es spannend. Wer verbirgt sich hinter dieser Website? Es handelt sich um eine Organisation namens Innovative Minds, und das klingt alles schön innovativ. Auf der Eingangsseite dieser Organisation finden wir eine ganze Palette islamistischen Gedankenguts: islamische Gedanken und islamische Späße auf CD-ROM, die Kunst der Islamischen Revolution, ebenfalls auf CD-ROM angeboten, islamische Spiele, und – damit es nicht langweilig wird – religiöse Propaganda.

Eine geradezu wundervolle Audiovorlesung einer Internationalen Konferenz über Frauen im Islam wird ebenfalls auf der Hauptseite angepriesen. Ein Dr. Saied Reza Ameli warnt die Muslime davor, den Islam neu zu interpretieren, um fremde sekuläre Ideologien wie den Feminismus damit zu vereinbaren. Wir sehen also, welch Geistes Kind die „Boycott Israel Campaign“ ist, die uns von der taz freundlicher­weise zum Link und zum Nachmachen vorgeschlagen wird. Aber vielleicht gibt dies ja auch nur die Befindlichkeiten des Leserinnen- und Leserkreises exakt wieder.

Nun wundert mich eigentlich wenig, aber das ist schon ein dreistes Stück. Aber vielleicht wundert es uns alle wenig, wenn wir bedenken, daß die GRÜNEN-nahe Heinrich-Böll-Stiftung vor nicht allzu langer Zeit den Präsidenten der Islamischen Republik Iran, den Herrn Khatami, hofiert hat, um über die wundervolle Umsetzung der Menschenrechte im iranischen Gottesstaat zu palavern. Natürlich ohne Coca-Cola, Nestlé und Jaffa-Orangen, die auf der islamistischen Boykottseite als zionistische Produkte entlarvt worden sind. [2]

Nun, da kommen so einige Sachen zusammen. Vor allem, daß gewisse Muslime ein Problem damit haben, den Koran den Gegebenheiten der Moderne anzupassen. Das westliche Zivilisations­modell ist zwar ein Modell, das auf Völkermord, auf Krieg, auf Raubzügen, auf ganz ordinärem Kapitalismus, auf Ausbeutung beruht, aber es ist auch ein Modell der Befreiung von Borniertheit, von anderen Ausbeutungs­strukturen und vor allen Dingen auch ein Modell, das es ermöglicht – ermöglicht, nicht, daß es auch umgesetzt wird, aber es ermöglicht, daß sich Frauen von dieser Gesellschaft emanzipieren.

Frauenhaß ist selbstverständlich Teil dieser Website, denn Frauen sollen gefälligst hier ihr ursprüngliches Verhältnis zu Männern wieder redefinieren können. Sprich: brav, angepaßt und verfügbar sein. Frauenhaß in der Islamischen Republik äußert sich dann im Zweifelsfall in Steinigungen und natürlich in den entsprechenden Verschleierungen, damit ja kein nacktes Stück Haut zu sehen ist. Frauenhaß ist die Grundlage davon; und es ist interessant, daß die taz auf eine Seite, die auch Frauenhaß propagiert, linkt.

Aber kommen wir noch zu einigem anderen Punkt dieser Seite zurück, beziehungs­weise zu dem Artikel von Reinhard Wolff. Es wird ein Konsumenten­boykott als ein gutes Beispiel dargestellt, wie mit Israel in Zeiten des Krieges gegen Palästinenserinnen und Palästinenser umzugehen ist. Konsumenten­boykott – das klingt so, als könne man und frau das Kapital davon überzeugen, vielleicht Druck auszuüben oder vielleicht etwas netter zu sein. Sozusagen, es gebe einen guten Kapitalismus gegenüber dem bösen. Was ich dann doch sehr bezweifeln möchte. Die Firmen, die Israel, den Zionismus, also die Juden unterstützen – Coca Cola, L'Oréal usw. –, die gelten hier nicht als guter Kapitalismus und müssen erst davon überzeugt werden, wieder gut zu werden. Aber – was dahinter steckt und was die message dieser Seite ist: Es gibt keine guten Juden, es gibt keinen guten Kapitalismus, der mit Juden zusammenhängt. Das ist die Aussage dieser Seite, wenn man sie richtig versteht und wenn frau natürlich auch die Hintergründe solcher innovativ aufgemachter Seiten kennt.

Aber trotz soviel übler Meinungsmache einer bedeutenden Zeitung der grün-alternativen Szene begrüße ich euch zu einer hoffentlich auch für euch interessanten Sendung. Am Mikrofon für die Redaktion Alltag und Geschichte ist Walter Kuhl.

 

Vortrag von Keren Assaf

Keren Assaf war auf Einladung des AStA der Fachhochschule Darmstadt, des Nahost-Arbeitskreises und der Stadtverordneten­fraktion OS/3 am vergangenen Donnerstag zu hören. Der in Offenbach ansässige Verein Connection e.V., der sich für das Recht auf Kriegsdienst­verweigerung weltweit einsetzt, hatte eine Rundreise von drei Mitgliedern der israelischen Friedensorganisation New Profile organisiert; Darmstadt war eine der Stationen dieser Rundreise. Keren Assaf berichtete über ihre Organisation und vor allem über ihre Sicht des Krieges Israels gegen die Palästinenserinnen und Palästinenser. Ich habe mich entschieden, ihren Vortrag zusammenzufassen, der am Donnerstag Abend durch die Übersetzung von Johannes Borgetto ergänzt worden war. Sie sprach auf Englisch und ich hoffe, daß ihr Keren Assaf und ihren Äußerungen folgen werden könnt. Es gibt allerdings auch eine von Connection e.V. herausgegebene Broschüre zum Thema, in der die Position von Keren Assaf und anderen Fridensaktivistinnen und -aktivisten aus Israel nachgelesen werden können. Die Broschüre kann bei Connection e.V. in Offenbach bestellt werden. Doch lassen wir Keren Assaf selbst zu Wort kommen, die sich zunächst vorstellt.

Ein Transkript des Vortrags ist leider nicht verfügbar.

So manches von dem, was Keren Assaf referierte, kann ich nur schwer nachvollziehen. Sicher, es mag sinnvoll sein, die andere Seite anzuhören, miteinander zu reden, sich respektieren zu lernen. Aber glaubt sie allen Ernstes, daß es sich um ein bloßes Kommunikations­problem handelt? Ich glaube nicht; und das war auch die Schwäche ihres Vortrages. Selbst­verständlich geht es um mehr. Es geht um Geld, Macht und Profit – um was sonst? Wenn Keren Assaf meint, daß der Krieg nicht im Interesse der beiden Völker (oder meinetwegen auch: der Bevölkerungen) sei, daß es also letztlich eine Frage von äußerlichen Interessen ist, dann frage ich nach den Interessen der israelischen und der palästinensichen Bourgeoisie – oder wie sagt man und frau heute: der Arbeitgeber? Natürlich haben nicht wenige Israelis ein Interesse an einem wirtschaftlich und politisch abhängigen Palästina. Es geht um Land, Wasser und die Nutzung von Rohstoffen und Arbeitskräften. Insofern muß jede Friedens­lösung auch reflektieren, ob ein eigener palästinensicher Staat denn überhaupt lebensfähig wäre und nicht nur neokoloniales Anhängsel Israels bliebe.

 

Perspektiven

In der schon genannten Broschüre von Connection e.V. wird diese Frage auch angerissen. Aus der Gruppe derjenigen, die in einem Offenen Brief an Premierminister Scharon ihre prinzipielle Verweigerung des Kriegsdienstes erklärt hatten, möchte ich einige Stimmen zu Wort kommen lassen. Auf die Frage Welche Lösung des Konfliktes seht Ihr bzw. erhofft Ihr kurz– wie langfristig? antworten mehrere Interview­partnerinnen und -partner Folgendes:

Broschüre Antikriegsarbeit in Israel

Haggai: Laß mich zuerst betonen, daß alle von uns mit allem einverstanden sind, was im Brief steht, aber auch nur damit. Der Brief sagt zum Beispiel bezüglich einer Lösung ein gerechter Frieden und wir alle glauben daran. Ich weiß, daß einige die Unterstützung der Idee von zwei Staaten für völlig falsch halten, daß das die Dinge nur schlimmer machen würde und daß wir direkt zu einem bi-nationalen Staat kommen müssen. Ich denke auch, daß wir das Ziel haben sollten, aber gegenwärtig ist es einfach nicht realistisch, weder aus der Sicht der Israelis, die so etwas nicht akzeptieren würden, und sicherlich auch nicht aus der Sicht der PalästinenserInnen.

Matan: Ich bin Sozialist, ein Internationalist. Langfristig wird es eine Lösung für die Probleme der Welt nur geben, wenn alle Länder unter einem demokratischen Sozialismus vereinigt sind. Kurzfristig erkenne ich an, daß es immer eine Lücke zwischen dem gibt, was wir wollen und was wir erreichen können. Ich denke nicht, daß es fair ist, den Israelis zu erzählen, daß sie warten sollen, und noch viel weniger den PalästinenserInnen, die jeden Tag unter der Besetzung ersticken. Ich denke, daß in der Zwischenzeit eine Lösung gefunden werden muß, die die nationalen Ziele beider Bevölkerungen aufnehmen muß: zwei Staaten für zwei Bevölkerungen, auf der Basis der Grenzen von 1967. Ich sage nicht, daß dies ideal ist, aber es ist die beste bislang vorgeschlagene Lösung.

Alma: Ich denke, daß es auf dem Hintergrund der Globalisierung ein Problem mit der Idee von Palästina als einem unabhängigen Staat gibt. Es wird wahrscheinlich ökonomisch ausgebeutet werden. Dennoch ist ein freier Staat unter einem repressiven Kapitalismus immer noch besser als ein Staat unter militärischer Besatzung, dessen Bevölkerung keine Staatsbürgerschaft hat. Sie sind diejenigen, die unter der täglichen Besatzung leben, und für sie zählt jeder Tag. Das ist der Punkt.

Michal: Jetzt haben wir die Situation, wo ein Kind die Hand des anderen niederhält, so daß das andere damit einverstanden sein wird, was das erste will. Ich denke, daß es nur dann eine Lösung geben wird, wenn es den ernsthaften Versuch gibt, ein ökonomisches und soziales Gleichgewicht zu schaffen.

Ya'ir: Ich sehe keine Lösung mit zwei nationalen Staaten. Selbst wenn sie die Siedler zwangsweise räumen, wird es weiter Streit geben, zum Beispiel über Wasser. Der Nationalismus beider Seiten wird aufgeheizt werden und es wird wieder von vorn beginnen. Es gäbe eine bessere Chance für einen Staat mit allen als BürgerInnen, auch weil der Zionismus irgendwie tot ist. Das kann nicht sofort umgesetzt werden, aber das Ziel muß meiner Ansicht nach in diese Richtung gehen.

Und ich finde das insofern alles interessant, weil es sich ja um Israelis handelt, die durchaus bereit sind, einen bi-nationalen Staat mit einer dann sehr wahrscheinlich palästinensischen Bevölkerungs­mehrheit zu akzeptieren.

 

Interview mit Keren Assaf

Keren Assaf.Zum Schluß hatte ich selbst noch eine Frage an Keren Assaf. New Profile definiert sich selbst als eine feministische Organisation; und so etwas macht mich einfach neugierig, da ich denke, daß soziale Emanzipation ohne politischen Feminismus undenkbar ist. Was also meint in diesem Zusammenhang feministisch?

Keren Assaf: Feminist in our sense means being equal. And the first meaning of New Profile in this sense is that the Israel society is a militaristic society. And what means that? Women could never be equal in this society because they are not fighters. They are less equal because they could never be equal inside a system which is built by men for men, by male codes, maturist[?] codes. This is not codes of women and they could not be equal in this system.

Frage: Wenn New Profile eine feministische Organisation ist, ist es eine Frauenorganisation, also eine Organisation von Frauen, oder eine Organisation für Frauen?

Keren Assaf: Most of the people in New Profile are women. And it was established by a group of women, from an organisation called Women and Mothers for Peace. And there are some men there, not enough, but they are. But still the majority is mothers of young people, some of them soldiers. They decided that they are not willing to sacrify their children any longer, and decided that their voice is important enough to be heard. It is not less important as the voice of the men. That is the main point.

Frage: Gibt es dafür ein theoretische Konzept, eine Grundlage, auf der sie sich organisiert haben, und wenn ja, welches?

Keren Assaf: We want to civilize the Israel society which is now an army society. And the army is the most important thing in it. And we want to civilize it. And a feminist society is the same thing like democratical one or civil one. It means there is no hierarchy built on power but on totally different level. We want to create an alternative code for our society. And this code should be based on listening and understanding and not on achieving war résumées. So this is the theory (I do not know how to describe it). Yeah, that is the point. And it was also supported by struggles like in South Africa for example, in which women took a very special place in creating a change for peace direction. The voice of women is very important because we represent a different line from the men line now in Israel which is a men, manly line of fighting. And we can not take part of this discussion. It is not our discussion. And we must create a new one if we want to build trust between people.

Frage: Nun ist das nicht gerade üblich, das eigene politische Selbst­verständnis explizit auf eine feministische Basis zu stellen, um eine Zivilgesellschaft zu begründen. Wie kommt's?

Keren Assaf: Because that women are discriminated all the time in Israel all along because we have no part in the historical narrative. We have much less respect because we are women, because in wars we did not take a part as fighters. We could not be important enough. The only role, the classical role of the Israeli woman is to be the mother of a soldier, to cook for her son-soldier, to make him sweaters, and to ask not so many questions about it. And this was the classical role of the Israeli women. And this women are educated to sacrify their children, to sacrify them, and when they are eighteen to hand them over to the army and let the army decide what is their destiny. And this is not normal, and this is a big sacrifying, and it is not justified.

Frage: Golda Meir war vor etwa 30 Jahren Minister­präsidentin Israels. Wie paßt das zusammen, wenn es sich doch um eine exklusive Männer­gesellschaft handelt?

Keren Assaf: Golda Meir would not survive if she would not play by the men codes. She was acting by codes of men and she was acting basically like a general in her policy. She led a policy of war and aggression. And if she would act differently she would not survive in the political life. It was not a victory for women. It was like women going to combat units. She had to play by the codes of the men to survive. And this is not equal. [3]

 

Schluß

Jingle Alltag und Geschichte

Heute mit der Aufzeichnung eines Vortrags von Keren Assaf, einer Aktivistin der israelischen Frieden­sorganisation New Profile, vom vergangenen Donnerstag. Mehr zu New Profile ist im Internet unter www.newprofile.org auf Englisch und unter www.connection-ev.de auf Deutsch zu finden.

Was bleibt mir noch zu sagen, was ich an dieser Stelle nicht schon gesagt habe? Daß ich auch unbewaffnete Friedenstruppen (was soll das denn sein?), so wie Keren Assaf dies in der anschließenden Diskussion als Möglichkeit in den Raum stellte, ablehne. Denn das Problem hat zwei Ebenen. Die eine ist der gute Wille auf beiden Seiten, die andere Ebene die nackte Realität einer globalen Ausbeuter­gesellschaft, in der selbst­verständlich Israel und Palästina eine Rolle haben – übrigens nicht nur fremdbestimmt, sondern auch aus eigenem kapitalistischen Interesse. Der Krieg wird ja nicht geführt, weil sich manche Israelis und manche Palästinenserinnen noch nicht so richtig begegnet sind, sondern weil die jüdische Landnahme auf palästinensischem Boden stattfand und bis heute weitergeht. Doch es geht inzwischen um mehr als um Land. Und Wirtschafts­interessen sind immer gute Kriegsgründe. Oder wozu gibt es sonst die – Bundeswehr? Mit diesen Worten möchte ich mich für heute verabschieden. Am Mikrofon für die Redaktion Alltag und Geschichte auf Radio Darmstadt war Walter Kuhl.

 

ANMERKUNGEN

 

Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

 

»» [1]   New Profile war bei Überarbeitung der Seite im Mai 2005 nicht mehr im Internet aufzufinden, konnte jedoch wieder im August 2006 aufgerufen werden.

»» [2]   Die folgenden drei Absätze wurden während der Sendung dem vorbereiteten Sendemanuskript spontan hinzugefügt.

»» [3]   Ich hoffe, ich habe ihre Worte richtig transkribiert.

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 28. August 2009 aktualisiert. Links auf andere Webseiten bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. Die Links auf die taz und auf Innovative Minds waren rein informativer Natur, um die in dieser Sendung geäußerte Position nachvollziehbar zu gestalten. Selbstverständlich distanziere ich mich von dem in den beiden verlinkten Seiten enthaltenen Antisemitismus. ©  Walter Kuhl 2001, 2002, 2009. Das Foto von Keren Assaf entnahm ich der Webseite von Connection e.V. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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