Kapital – Verbrechen

(Vergleichsweise) Leichte Kost

 

 

SENDEMANUSKRIPT

 
Sendung :
Kapital – Verbrechen
(Vergleichsweise) Leichte Kost
 
Redaktion und Moderation :
Walter Kuhl
 
gesendet auf :
Radio Darmstadt
 
Redaktion :
Alltag und Geschichte
 
gesendet am :
Montag, 25. August 2003, 17.00–18.00 Uhr
 
wiederholt am :
Dienstag, 26. August 2003, 00.00–01.00 Uhr
Dienstag, 26. August 2003, 08.00–09.00 Uhr
Dienstag, 26. August 2003, 14.00–15.00 Uhr
 
 
Besprochene und benutzte Bücher :
  • Nicole Schley / Sabine Busse : Die Kriege der USA, Diederichs / Heinrich Hugendubel Verlag
  • Helmut Volpers / Christian Salwiczek / Detlef Schnier : Hörfunklandschaft Niedersachsen, Vistas Verlag
  • Michael Bussmann / Gabriele Tröger : Türkische Riviera / Kappadokien, Michael Müller Verlag
  • Michael Bussmann / Gabriele Tröger : Türkei Mittelmeerküste, Michael Müller Verlag
  • Maja Storch : Das Geheimnis kluger Entscheidungen, Pendo Verlag
  • Mittelweg 36, Heft 3/2003
 
 
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Inhaltsverzeichnis

Jingle Radio Darmstadt - RadaR

In meiner heutigen Sendung werde ich folgende Themen behandeln:

Durch diese vergleichsweise leichte Kost führt euch Walter Kuhl.

Jingle Alltag und Geschichte

 

Weltpolizist

Als der Vater des jetzigen Präsidenten George Dubya Bush, also George Bush I., am 11. September 1990 eine Neue Weltordnung verkündete, waren der Kalte Krieg entschieden und die USA als einzige Weltmacht übrig geblieben. Der Weltpolizist Nummer Eins bestimmte in den kommenden Jahren fast uneingeschränkt die Richtlinien imperialistischer Machtpolitik.

Seine Truppen besiegten im Jahr darauf in einem barbarischen Krieg ein militärisch drittklassiges Land (den Irak), wurden von wütenden Somalis 1994 zum Abzug gezwungen, bombardierten Jugoslawien im Angriffskrieg der NATO 1999 und nutzten den Anschlag vom 11. September zur anschließenden Großoffensive gegen Afghanistan und den Irak. Somit steht die Frage im Raum: Handelt es sich bei den USA um eine aggressive Nation?

Die beiden Politikwissenschaftlerinnen Nicole Schley und Sabine Busse sind der Frage nachgegangen und haben die wahrscheinlich erste geschlossene Chronologie aller wichtigen US-amerikanischen Kriege seit der Unabhängigkeit Ende des 18. Jahrhunderts zusammengetragen. Eine beeindruckende Bilanz, ist man oder frau geneigt zu sagen, wäre da nicht das Problem der mangelnden Analyse.

Der bei Diederichs im Heinrich Hugendubel Verlag erschienene Band reiht sich ein in eine Sammlung mehrerer US-kritischer Bucherscheinungen, etwa Tariq Alis spannend zu lesende Geschichte des Islam mit dem etwas seltsamen Titel Fundamentalismus im Kampf um die Weltordnung [1] oder Jürgen Elsässers Buch Der deutsche Sonderweg, der laut Autor nur durch die Anlehnung an die USA möglich gewesen sei [2]. Angekündigt sind mehrere Neuerscheinungen, etwa zum US-Krieg gegen den Irak oder zu den Seilschaften des derzeitigen Präsidenten.

Dennoch ist bei den Autorinnen der Chronik der US-Kriege, Nicole Schley und Sabine Busse, kein antiamerikanisches Ressentiment herauszulesen. Das macht den Weg frei, das Buch Die Kriege der USA unbefangen zu betrachten.

Der Verlag präsentiert das Buch als eine Sammlung von Fakten, Fakten, Fakten ... - und in der Tat handelt es sich um eine faktische Materialsammlung, eine Fleißarbeit. Daß dabei mitunter Daten und Ereignisse durcheinander geraten, hätte bei sorgfältigerer Lektorierung vermieden werden können. Jahreszahlen jedenfalls sind öfter falsch; und daß die Schlacht auf dem Amselfeld 1389 ausgerechnet zwischen Serbien und Byzanz stattgefunden haben soll, war mir auch neu. Byzanz wartete damals nur noch darauf, vom Osmanischen Reich verschluckt zu werden. Zur serbischen Mythologie der Ereignisse gehört, das Abendland gegen die Türken verteidigt zu haben, was bei einem Kriegsgegner Byzanz einfach keinen Sinn ergibt.

Problematischer finde ich die fehlende Quellenkritik und das Problem, daß keine grundsätzliche Analyse der US-amerikanischen Außenpolitik den Band durchzieht. Da nur Fakten benannt werden, ist es der Willkür der Autorinnen anheimgestellt, welche Fakten sie als relevant betrachten und präsentieren. Weder erfahren wir so die wahren Kriegsgründe im Korea-Krieg 1950 bis 1953, noch den wahren Grund der Ablehnung des Vertragswerkes von Rambouillet durch Slobodan Milošević im März 1999. Hätten die Autorinnen dargestellt, daß von Jugoslawien nicht weniger als die Aufgabe der staatlichen Souveränität gefordert worden war, hätten sie den Angriffskrieg der NATO, übrigens entscheidend vorangetrieben nicht von den USA, sondern durch Joschka Fischer, anders bewerten müssen. Ehrlich wäre es auch gewesen, die UÇK als das zu bezeichnen, was sie war und ist: eine Terroristenbande, von deren Verbrechen wir nur ganz allgemein im Nebensatz ohne weitere Erläuterung erfahren.

Was macht eine aggressive Nation zu einer aggressiven Nation? Diese Frage bleibt vollkommen ausgeblendet, so daß der Untertitel - Chronik einer aggressiven Nation - irgendwie keinen Sinn macht. Allerdings hätte es dazu eben einer Analyse bedurft. Die USA als Akteur im kapitalistischen Weltsystem betrachtet, hätte unweigerlich den Begriff des Imperialismus aufgeworfen. Tariq Ali hat in seinem im selben Verlag erschienenen Buch Fundamentalismus im Kampf um die Weltordnung eine kurze Einführung in die Geschichte des US-Imperialismus gegeben. Was zeigt, daß es möglich ist, auf dieser Grundlage Kriegsziele und Kriegsführung zu begreifen.

Falsch hingegen ist es, von einer aggressiven Nation zu reden. Denn im Kapitalismus sind alle Nationen aggressiv, die um Weltmarktanteile, Rohstoffquellen und Einflußgebiete streiten. Richtig hingegen wäre es deshalb, wenn diesem Buch ein zweites folgen würde über die deutschen Kriege mit dem Untertitel Chronik einer aggressiven Nation. Dann wird nämlich deutlich, daß die US-Aggressivität nicht zum Makel im globalen Konkurrenzkampf hochstilisiert wird, sondern als grundlegende Erscheinung imperialistischer Herrschaft erkannt worden ist.

Dies hätte den beiden Autorinnen vielleicht auch die Augen über die wahren Hintergründe des US-amerikanischen Antidrogenkrieges in Lateinamerika geöffnet. Das Kapitel über Kolumbien ist schlicht Unsinn; wenigstens wird benannt, daß die USA dort das tun, was sie dem Irak vorgeworfen haben: biologische und chemische Kriegsführung gegen die Zivilbevölkerung. Der Zusammenhang zwischen dem Kampf gegen die Drogen und einer klassischen Aufstandsbekämpfungspolitik bleibt den Autorinnen jedenfalls verborgen. Sinnvoll wäre es auch gewesen, darauf hinzuweisen, daß die CIA einer der größten Drogenhändler weltweit war und ist [2a].

Es stellt sich so der Verdacht ein, daß die Autorinnen in mehreren Kapiteln abgeschrieben haben, ohne ihre Quellen kritisch zu beleuchten. Vielleicht liegt hier auch ein Grundproblem des Buches: den generelle Überblick über mehrere Jahrhunderte Krieg läßt eine Detailanalyse mit der genauen Betrachtung von Hintergründen und Zusammenhängen wahrscheinlich nicht zu. Was bleibt: eine Faktensammlung zum Nachschlagen, die leider nur mit Vorsicht zu genießen ist. Das Datum der Verkündung der Neuen Weltordnung durch George Herbert Walker Bush am 11. September 1990 fehlt jedenfalls.

Die Kriege der USA - Chronik einer aggressiven Nation von Nicole Schley und Sabine Busse ist bei Diederichs im Heinrich Hugendubel Verlag erschienen; das Buch kostet 19 Euro 95.

 

Wort ist (nicht) Mord

Trotz Fernsehen, Internet und DVD: das Radio ist immer noch das beliebteste Informations- und Unterhaltungsmedium in deutschen Haushalten. Das hat nicht nur die Werbewirtschaft erkannt, sondern es drängen auch immer neue Hörfunkveranstalter auf einen hart umkämpften Markt um Frequenzen und Werbeeinnahmen. Hörerinnen und Hörer werden dabei in Kauf genommen.

Dabei werden erstaunliche Entwicklungen sichtbar (oder in diesem Fall: hörbar), die bei genauerer Betrachtung jedoch auch zu erwarten waren. Wenn nämlich das Hörfunkprogramm der meist gehörten Wellen daraus besteht, einen Musikteppich um die Werbeinseln zu legen, der nicht zum Abschalten verführt, dann ist die Konsequenz klar: Wort ist Mord. Insofern ist es nicht erstaunlich, wenn das vor kurzem in Hamburg verabschiedete neue Landesmediengesetz die kommerziellen Anbieter vom lästigen vorgeschriebenen Wortanteil befreit.

Unter dem harmlos daherkommenden Stichwort der Deregulierung sollen wir jedoch weitere dieser überaus einschmeichelnden, um nicht zu sagen: desinformierenden, Kanäle erhalten. Die FDP ist hier logischerweise Vorreiter, aber auch bei den anderen Parteien werden Stimmen in diese Richtung laut. Die in die Informationspflicht genommenen Sender wird's freuen: noch mehr Musik, noch mehr Werbung. Auch in Hessen geht die Medienpolitik in diese Richtung. Und dieser Quatsch nennt sich Medienkompetenz.

Hier wäre ein Blick in ein unscheinbares Buch, das von der Niedersächsischen Landesmedienanstalt herausgebracht worden ist, hilfreich. Helmut Volpers, Christian Salwiczek und Detlef Schnier haben die Hörfunklandschaft Niedersachsen 2001 untersucht und dabei eine vergleichende Analyse des privaten Hörfunks vorgenommen. Das Ergebnis läßt aufhorchen.

Die klassische Trennung von Information und Unterhaltung, sowie Information und Werbung, wird immer mehr unterlaufen. Werbung und Sponsoring gerade auch informativer Programmstrecken führen dazu, daß die dargebotenen Informationen nicht nur beliebiger werden, sondern auch unglaubwürdiger. Die Auswahl der Informationen ist geradezu belanglos, Hauptsache: die Hörerinnen und Hörer bleiben dran. Das Gehörte versandet augenblicklich im nächsten Musikteppich oder Werbeblock. Sozusagen die Bild-Zeitung für's Ohr.

Das ist das, was ich Desinformation nenne. Auf diese Art informiert, fällt es nicht schwer, das Medienbombardement an Horrormeldungen über den schlecklichen Zustand der deutschen Kassen zu internalisieren. In der Konsequenz bedeutet dies: einen fremden und den eigenen Interessen widerstrebenden Sinnzusammenhang zu akzeptieren und selbst weiter zu verbreiten. Anders gesagt: Gehirnwäsche. Informative Inhalte, die als Bildungsprogramm zu begreifen wären, finden in kommerziellen Hörfunkprogrammen gar nicht und in den öffentlich-rechtlichen Sendern nur in Minderheitenprogrammen statt. Sprich: Bildung scheint nicht erwünscht zu sein. Ob ungebildete oder falsch informierte Bürgerinnen und Bürger demnach das Ideal darstellen? Es scheint so.

Es sind letztlich die redaktionellen Konzepte der Servicewellen, die beim [Hörer] den Eindruck erzeugen, Hörfunk müsste so sein, wie er derzeit on-air hörbar ist. Mit anderen Worten: Die Radiomacher sozialisieren mittels ihrer Programme ein Auditorium, für das Wort und Information als ein zentraler Programmbestandteil kaum noch vorstellbar erscheint. [3]

So die Autoren der Studie Hörfunklandschaft Niedersachsen 2001. Leider ist es so, daß dieser unreflektiert übernommene Quatsch auch auf diesem Sender munter nachgeäfft wird. Während jedoch Moderatorinnen und Moderatoren der öffentlich-rechtlichen und der privat-kommerziellen Sender hierüber noch ein - wenn auch zynisches - Bewußtsein haben, so fehlt es hier. Wo andernorts von drei Hits am Stück gesprochen wird, was gelogen ist, weil zumindest Jingles und Trailer diese Hits wieder unterbrechen, wird dies von so manchen unserer Sendenden als Qualitätsmerkmal unhinterfragt übernommen. Nur weil's woanders auch so zu hören ist? Zum Glück sind auf diesem Sender die aktuellen Chart-Hits nicht so dominant wie auf den angeblichen Service- und Informationswellen. Nachdem Untersuchungen in den USA ergeben hatten, daß ein eingeschränktes Musikrepertoire mit hohem Wiedererkennungswert zu erhöhten Einschaltquoten geführt haben, wird bei einzelnen Sendern inzwischen die Hälfte des Musikprogramms mit 30 bis 40 Titeln bestritten. Das mag einen hohen Identifikationswert haben und gut für's Werbegeschäft sein, aber ob das wirklich das ist, was wir hören wollen, ist zweifelhaft.

Ein interessantes Ergebnis der Analyse der vier großen niedersächsischen Programme Radio FFN, Hit-Radio Antenne, Radio 21 und NDR 2 ist, daß gerade der Norddeutsche Rundfunk mit einer leichten Ausdehnung des Informationsgehaltes seinen Marktanteil ausdehnen konnte. Im Gegensatz dazu führte der Rückgang an Informationsleistungen bei anderen Anbietern nicht zu einer Zunahme der gemessenen Hörerinnen und Hörer. Ein weiteres Ergebnis ist, daß gerade bei Jugendwellen mehr Informationen kein "Quotenkiller" sind. Doch insgesamt ist es auch in Niedersachsen so, daß die nichtkommerziellen Lokalradios die Defizite ausgleichen müssen. Zusammenfassend läßt sich sagen: private Hörfunkanbieter haben kein publizistisches Profil. Der Informationsgehalt variiert zwischen beliebig und nicht vorhanden. Es gibt eine Akzeptanz für Wortprogramme und mehr Informationen führen nicht automatisch zu vermehrtem Umschalten auf andere Sender.

Dennoch scheint es medienpolitisch gewollt zu sein, mehr Nicht- oder gleich gar Desinformation zu lizenzieren. Inwieweit sich dies zukünftig auf die Förderung des nichtkommerziellen lokalen Hörfunks auswirkt, inwieweit also Bürgerinnen und Bürger als eigenständige Programmgestalterinnen und Moderatoren politisch erwünscht sind, muß die Zukunft zeigen.

Die vergleichende Analyse des privaten Hörfunks mit dem Titel Hörfunklandschaft Niedersachsen 2001 von Helmut Volpers, Christian Salwiczek und Detlef Schnier wurde von der Niedersächsischen Landesmedienanstalt in Auftrag gegeben. Sie ist als Paperback im Vistas Verlag erschienen und kostet 19 Euro.

 

Zwischen Beton und Folter

Die Türkei ist und bleibt ein beliebtes Ferienziel. Das hat sicher weniger mit einer Vorliebe für autoritäre Regierungsformen zu tun oder einer Begeisterung für einen aufgeblähten Militärapparat, der die türkische Bevölkerung daran erinnern soll, wer in diesem Land das Sagen hat. Nein - Urlaub in der Türkei ist eine verhältnismäßig preiswerte Angelegenheit, auch wenn Hartz, Rürup & Co. in trautem Einklang mit Bundesregierung und Opposition sich auch hier auswirken werden. Denn wer kein Geld hat, kann auch nicht reisen.

Obwohl - mitunter hilft hier ein last minute-Angebot. Immerhin zehn Prozent aller in der Türkei Urlaub Suchenden verreist inzwischen auf diese Weise. Dabei muß es nicht immer das Flugzeug sein. Wer etwas mehr Zeit mitbringen kann oder auf das eigene Auto nicht verzichten will, kann auch mit Bus oder Fähre die Türkei erreichen. Auch wenn keine der angebotenen Varianten wirklich ökologisch unbedenklich ist und die Fraport AG schon mit den Urlaubsströmen der Zukunft plant. Den Fluglärm bekommen wir dann alle ab.

Für den Michael Müller Verlag sind vor allem Michael Bussmann und Gabriele Tröger unterwegs. Ihr jüngst herausgekommener Reiseführer Türkische Riviera und Kappadokien bringt uns die Südküste der Türkei rund um den Flughafen und Badeort Antalya näher. Die von findigen Reiseveranstaltern Türkische Riviera so genannte Südküste bietet tatsächlich an über 300 Sonnentagen einen fast durchgehenden Sommer. Die Badesaison geht von April bis Oktober, dazwischen ist es eher regnerisch und kühl.

Wer einfach nur preiswerte Erholung sucht, ist an der Riviera bestens aufgehoben. Wer die Türkei kennen lernen will, ganz sicher nicht. Doch auf ursprünglich-ländliches Anatolien trifft man schnell, wenn man seinen Liegestuhl zusammenklappt und losmarschiert. Das Hinterland des [Mittelmeeres] ist enorm abwechslungsreich. In der wilden Bergwelt des Taurus, dessen Gipfel oft noch bis in den Mai schneebedeckt sind, laden geheimnisvolle Ausgrabungsorte zur Erkundung ein. Dazwischen findet man verschwiegene Dörfer, wo unverfälschte türkische Gastfreundschaft dem Werbeslogan der Fremdenverkehrsämter "Urlaub bei Freunden" keinen Hohn spricht.
Ein ganz besonderes Bonbon ist ein Ausflug nach Kappadokien. Allein die Anreise kann dabei schon zum Erlebnis werden.

Es erwartet die Urlauberin und den Urlauber ein landschaftliches und kulturhistorisches Gesamtkunstwerk, wie Michael Bussmann und Gabriele Tröger betonen [4]. Wer allerdings meint, sich zuballern zu müssen, um sich so aufzuführen, wie er oder sie das zu Hause lieber nicht tut, wird auch fündig. Warum soll sich die Spaßgesellschaft auch nicht längst kulturimperialistisch ausgebreitet haben? Das mit dem Kulturimperialismus ist tatsächlich so eine Sache. Er bleibt nicht bei den Ballermännern stehen, sondern findet sich auch dort, wo die Urlauberin oder der Urlauber eine vom Betonferienparadies noch unberührte Bucht findet. Bussmann und Tröger geben hier einschlägige Tips. Aber was mag das bedeuten, wenn wir uns immer mehr unberührten Raum nehmen und unseren Bedürfnissen unterordnen? Was macht dies aus einer Gesellschaft, die darauf nur bedingt vorbereitet ist? Nicht, daß ich dem angeblich authentischen Leben in der Dritten Welt nachhängen würde - denn es ist barbarisch, patriarchal und perspektivlos.

Die Türkei schüttelt sich von Wirtschaftskrise zu Wirtschaftskrise, und der Internationale Währungsfonds gestaltet diese Armut erzeugende Schüttelei in trauter Zusammenarbeit mit Militärs und Bourgeoisie mit. Hauptsache, die Türkei zahlt ihre Verbindlichkeiten. In welchem Elend die Bevölkerung leben muß, ist ja egal. Dies alles sollte vielleicht mitbedacht werden, wenn wir unseren Ferien-, Bade- und Erlebnisurlaub in der Türkei planen. Gastfreundschaft erwartet Respekt. Dennoch ist Gabriele Tröger und Michael Bussmann uneingeschränkt Recht zu geben: ein Türkeiurlaub kann sich wirklich lohnen, vor allem dann, wenn Neugierde dabei im Spiel ist.

Der Riviera- und Kappadokienband von Bussmann und Tröger ist eine Art Auskopplung aus einem wesentlich umfangreicheren Reiseführer. Auf knapp 700 Seiten stellen die beiden die komplette Mittelmeerküste der Türkei vor: von Istanbul am östlichen Rand der Ägäis vorbei nach Izmir und Bodrum. Dann entlang der erst jüngst erschlossenen lykischen Küste nach Antalya; und von dort durch die Çukurova bis an die syrische Grenze. Wer einen kompletten Überblick über das Strand- und Nachtleben von Istanbul bis Antakya benötigt und die touristischen Sehenswürdigkeiten dabei nicht vernachlässigen will, wird mit diesem Band gut informiert.

Wer sich hingegen schon festgelegt hat und lieber gleich an der Südküste verweilen möchte, findet in dem Band Türkische Riviera / Kappadokien eigentlich alles, was es zu wissen gilt. Eine gute Vorbereitung erspart die nachträgliche Enttäuschung; und das ist durchaus eine Spezialität von Michael Bussmann und Gabriele Tröger. Da sie schon da waren, wo so manche und mancher noch hinwill, sagen sie ohne Rücksichtnahme auf lokale Interessen, ob der Besuch wirklich lohnt - oder nicht. Prospekte versprechen viel, die Realität ist jedoch oftmals eine andere.

Beide Reiseführer sind im Michael Müller Verlag erschienen. Der umfangreiche Band Türkei Mittelmeerküste ist inzwischen in der 6. Auflage herausgekommen. Allerdings sollte der Lektor [oder die Lektorin?] aufpassen, daß die Angaben auf der Rückseite auch stimmen. Das ist nämlich nachzuprüfen. Wenn es heißt, der Reiseführer habe 696 Seiten, und er hat nur 672, dann fällt das auf. Dafür entschädigen rund 250 Fotos, davon rund 50 in Farbe und umfangreiches Kartenmaterial. Dieser Band kostet 22 Euro 90. Der auf die Türkische Riviera und Kappadokien spezialisierte Reiseführer hat die angegebenen 256 Seiten und kostet 15 Euro 90. Der Vorteil liegt im Gewicht.

 

Entscheidungen einer entfremdeten Welt

Das Leben einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft fordert uns so manche Entscheidung ab. Oftmals überlassen wir diese Entscheidung Anderen und wundern uns dann, wie uns geschieht. Doch woran läßt sich erkennen, ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist, ob sie jetzt oder später getroffen werden muß? Maja Storch, Psychoanalytikerin an der Universität Zürich vertraut auf sogenannte somatische Marker, plädiert also dafür, stärker auf das Unbewußte und das Emotionale zu achten.

Ihr im Pendo Verlag erschienenes Büchlein mit dem Titel Das Geheimnis kluger Entscheidungen vertraut auf den neumodischen Trend der Gehirnforschung, um zu belegen, wie wir unsere oftmals merkwürdigen Entscheidungen treffen. Dabei geht sie richtigerweise davon aus, daß im Unbewußten viele Motive dafür verborgen sind, warum wir häufiger gegen unsere eigenen Interessen handeln, wenn wir das einmal etwas rationaler von außen betrachten. Das Unbewußte enthält viele nicht aufgearbeitete Konflikte, Ängste und Anforderungen.

Leider greift Maja Storch auf ein in der Literatur häufig anzutreffendes Beispiel zurück, um ihren Gedankengang zu illustrieren. Ihre Variation zum Thema lautet:

Ein Unternehmer hat einen besten Freund.
Er plant ein Treffen mit einem Kunden.
Er weiß: Der Kunde ist der Erzfeind seines besten Freundes.
Eine Entscheidung muß getroffen werden. [5]

Wie im richtigen Leben also. Ich unternehme, also winkt das Geld. Freundschaft und Liebe gehen flöten. Oder wie geht beides zusammen? Die Crux an diesem Beispiel ist: es ist eine an den Haaren herbei gezogene Alternative. Warum in aller Welt muß ich mein Leben nach den Maximen von Geld, Macht und Profit ausrichten? Warum muß ich andere Menschen als Ware nach dem Motto behandeln: Ich gebe dir, wenn du mir gibst?

Hier kommen dann die somatischen Marker ins Spiel. Körpersignale markieren sozusagen ein bestimmtes Szenario als gut oder schlecht. Sie steuern, so Maja Storch, unser Verhalten. Die Kunst ist also, auf diese Marker zu hören, sie zu erspüren, und sie mit unserer rationalen Einschätzung einer Situation in Einklang zu bringen.

Das Geheimnis kluger Entscheidungen liegt [...] darin, bewußte Beurteilung und unbewußte Bewertungen in der Weise zu koordinieren, daß Wohlbehagen entsteht. [6]

Nun ist sie als Psychoanalytikerin natürlich daran interessiert, daß Menschen mit sich und ihrer Umgebung zufrieden sind. Doch die Realität steht dem meist entgegen. Es sind ja meist nicht wir, die einen Handlungsrahmen vorgeben und uns darin frei entscheiden können, und zwar egal, ob rational oder emotional. Sondern wir leben in einer Welt voller Fremdbestimmung und Entfremdung. Dabei denkt Maja Storch durchaus an die armen Unternehmer, die einfach nicht wissen, was für sie gut ist. Wie gut, daß sie es weiß.

Ohne Motivation gibt es keine Spitzenleistung. Auch Führungskräfte müssen ihre Mitarbeitenden motivieren, das weiß jedes Kind. [Ehrlich? Jedes Kind?] Obwohl viel über Motivation gesprochen wird, wird selten systematisch für Motivation gesorgt. Neunundsechzig Prozent aller Deutschen sind bei ihrer Arbeit nicht motiviert und machen nur Dienst nach Vorschrift, einundzwanzig Prozent geben sogar zu, teilweise aktiv gegen die Interessen des Unternehmens zu arbeiten [7],

zitiert sie eine Umfrage. Eigentlich ein ziemlich rationales Verhalten, wenn man und frau bedenkt, wie bedenkenlos Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefeuert, schikaniert oder finanziell kurzgehalten werden.

Doch was macht man und frau, wenn Ratio und Emotion nicht zueinander finden wollen?

Die Lösung besteht in einem solchen Fall darin, nach Begriffen zu suchen, die positive somatische Marker auslösen. [8]

Statt von Grenzen ist von Freiräumen die Rede, statt von Risiken von Chancen. Doch wer glaubt, hier würde ein altes Heilsrezept postmodern überarbeitet, also: man und frau müsse die Realität nur richtig annehmen oder benennen, liegt falsch. Maja Storch ist sich der Schwierigkeit, selbstbestimmtes Handeln und fremdbestimmte Werte und Strukturen zusammenzubringen, durchaus bewußt. Wenn wir uns nicht wohlfühlen, läßt sich das nicht einfach mit somatischen Markern lösen. Dazu die Autorin:

Wenn jemand mit seinem Leben nicht zufrieden ist, dann liegt das natürlich nicht nur daran, daß dieser Mensch mit sich einfach nur falsch umgeht. Es gibt viele äußere Gründe, die dazu führen können, daß Menschen sich sehr schlecht fühlen. Hunger gehört dazu, Krieg ebenfalls, Arbeitslosigkeit und Armut, Verlust von lieben Menschen oder schwere Krankheiten. Es ist in letzter Zeit in Mode gekommen, [...] so zu tun, als sei jeder Mensch immer und überall seines Glückes Schmied. Diese Haltung dem Leben gegenüber erinnert mich sehr an den amerikanischen Mythos vom Tellerwäscher, der zum Millionär werden kann, wenn er es nur richtig anpackt. Das mag vielleicht für einzelne Menschen zutreffen. Für das große Heer der »working poor«, zum Beispiel der Menschen, die mit drei Jobs gleichzeitig ihre Familie über Wasser halten müssen, wird dieser Mythos mit großer Wahrscheinlichkeit niemals Wirklichkeit werden. Und es ist menschenverachtend und zynisch zu suggerieren: »You can get it, if you really want!« Die große Mehrzahl der Menschen auf dieser Welt lebt abgeschnitten von ausreichend Wasser und Nahrung, von genügend Geld, von Internet, von Bildungsmöglichkeiten und von moderner Medizin. So sind die Fakten. Und diese Fakten werden durch politisches Handeln geändert, nicht durch positives Denken. [9]

Wo Maja Storch Recht hat, hat sie einfach Recht. Daher sind somatische Marker, so sie überhaupt gespürt und angenommen werden können, vielleicht eher eine Möglichkeit, das Unerträgliche erträglicher zu machen. Ich persönlich glaube nicht an Glück. Zumindest nicht solange, wie diese Welt, wie sie ist, existiert. Aber ich glaube daran, daß wir schon etwas daran tun können, selbst diese schreckliche Welt lebenswerter zu gestalten. Allerdings nicht, wenn wir in Kategorien von unternehmerischen Erfolg denken. Warenbeziehungen sind entfremdete Beziehungen, und sie zerstören jede Form von sozialer Kommunikation und Solidarität.

In diesem kleinen Raum, den wir zur Verfügung haben, kann es jedoch sinnvoll sein, auch einmal auf den Bauch zu hören, wie es so schön heißt. Aber vergessen wir dabei nicht, darüber nachzudenken und zu reflektieren, was wir tun und warum wir es tun. Vielleicht ist in dieser Hinsicht das 120 Seiten starke Büchlein von Maja Storch eine kleine Hilfe. Es heißt Das Geheimnis kluger Entscheidungen, ist Pendo Verlag erschienen und kostet 14 Euro 90.

 

Abwicklung des Friedens

I.
Mittelweg 36 heißt die Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Das im Juni herausgekommene Heft 3 gibt uns auf seinen knapp einhundert Seiten wieder einmal einiges Nachdenkliche mit auf den Weg. Ich möchte das Heft von hinten nach vorne durchgehen und fange daher mit dem Aufsatz des Juristen Gerd Hankel über die Internationale Strafgerichtsbarkeit an.

Gerd Hankel fragt, ob der neu errichtete Internationale Strafgerichtshof denn jetzt mehr Sicherheit und Frieden ermöglichen würde oder ob es sich eher um politische Spiegelfechterei handelt. Als Autor der lesenswerten Studie über die Leipziger Prozesse vor dem Reichsgericht in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts [10] weiß er natürlich, wovon er spricht. Völkerrecht und Kriegsverbrechen lassen sich sowohl schwer fassen und noch schwerer ahnden. Ein gewisses Maß an politischer Willkür ist immer dabei.

Gerd Hankel erzählt im Zeitraffer die Geschichte der internationalen Strafgerichtsbarkeit und die Notwendigkeit, internationale Normen auch durchzusetzen, vor allem anhand der deutschen Kriegsverbrechen im 1. und 2. Weltkrieg. Dennoch war es vor allem die Haltung der USA, die nach Ende des 2. Weltkrieges fast 40 Jahre lang die Arbeit der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen an der Schaffung eines internationalen Gerichts blockierte. Zu Recht befürchtete der Weltpolizist Nummer Eins, für seine Aufgabe, die imperialistische Ordnung zu gewährleisten, zur Rechenschaft gezogen werden zu können. Andererseits ist das, zumindest heute betrachtet, eher unwahrscheinlich. Denn wer hat schon die Macht und vor allem das Militär, um die einzige Weltmacht vor Gericht zu zerren? Daher kommt auch Gerd Hankel nicht darum herum festzustellen, daß die neu eingerichtete internationale Strafgerichtsbarkeit

zu einem trügerischen Instrument der Selbstvergewisserung und nicht zu einem Mittel zur Förderung von Sicherheit und Frieden werden [11]

wird.

II.
Verbrechen ganz anderer Art sind Selbstmordattentate. Nikola Tietze untersucht in ihrem Literaturbericht in der Beilage zum Heft verschiedene Theorien und Informationsquellen zu Selbstmordattentaten und Selbstmordattentätern. Dabei kommt sie zu dem Ergebnis, daß diese Attentate im israelisch-palästinensischen Konflikt eine nationalistische Färbung beinhalten, im islamischen Diskurs hingegen einfach aufgesetzt sind.

Was bedeutet, daß islamistische Täter (und auch Frauen) nach ihrer Entscheidung zur Tat den Koran oder eine andere Quelle zur Legitimation ihres Handelns benutzen, also instrumentalisieren. Und umgekehrt: der Islam ist nicht terroristisch. Der religiöse Diskurs ist ein Sinnangebot, das den Ausweg aus dem politischen Scheitern ermöglicht. Das wird zumindest denjenigen Linken in Deutschland, die von Islamfaschisten reden und von den Palästinensern als dem schlimmsten antisemitischen Kollektiv, ganz sicher nicht gefallen.

Das Selbstmordattentat widersetzt sich daher einer sofortigen eindeutigen Erklärung. Es entsteht in einer paranoiden Welt und hat allein die maximale Destruktion des Anderen zum Ziel. Mit solchen Menschen kannst du einfach nicht rational argumentieren. Es bleibt allenfalls zu hoffen, so auch Nikola Tietze, daß eine neue Generation neue Antworten auf die Frage nach dem Sinn, in einer unterdrückten Gesellschaft zu leben, findet.

III.
Den Hauptteil des Heftes machen jedoch drei kurze biographische Studien über Mitglieder der deutschen Elite aus. Es geht hierbei um die Umbruchssituation der 80er und 90er Jahre. Anhand des Lebenslaufs des Generals Klaus Dieter Naumann, des ehemaligen Ostbeauftragten von Bundeskanzler Kohl Johannes Ludewig und des Gewerkschafters Hermann Rappe werden unterschiedliche Umgehensweisen mit der Einführung neoliberaler Politik in der Ära Kohl deutlich. Ich möchte mich hier auf Johannes Ludewig beschränken.

Es ist natürlich fraglich, was ein Begriff wie Elite in einer angeblich demokratischen Gesellschaft zu suchen hat. Es ist auch fraglich, ob ein solcher Begriff die Realität einer Klassengesellschaft richtig zu erfassen vermag. Doch schauen wir uns diesen Verwaltungsbeamten Ludewig näher an, der zum Manager des Aufbaus Ost avancierte. Ludewig studierte in Hamburg an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Sein Vater war Mitinhaber eines kleineren mittelständischen Elektrobetriebes, gehörte als nicht zur Elite der wirklich wichtigen Menschen der Bundesrepublik. Ludewig ging dann ins Bundeswirtschaftsministerium und schien dort als Laufbahnbeamter zu versauern, als 1982 Helmut Kohl das Kanzleramt übernahm. Kohl wurde auf Ludewig aufmerksam und machte ihn zu seinem Vertrauten.

Ludewigs Stunde kam mit der Annektion der DDR. Eine ganze Volkswirtschaft mußte abgewickelt werden, und das ging nicht ohne Scherben ab. Johannes Ludewig als Ostbeauftragter der Kohl-Regierung war nun der Mann, der die neoliberale Zerschlagung der DDR-Wirtschaft nicht nur mitorganisierte, sondern auch abfederte. Diese Zerschlagung überließ er weder allein dem Markt noch der Treuhandanstalt, die sowohl damit überfordert wie aber auch damit betraut war, auf Einzelschicksale keine Rücksicht zu nehmen. Überforderung ist nämlich eine perfekte Möglichkeit, Menschen dazu zu bringen, Dinge zu tun, die verantwortungslos und gemein sind.

Ludewig hat zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel daran gelassen, daß der Markt alleine unfähig sein würde, den Transformationsprozeß zu realisieren, ohne politische Gefährdungen heraufzubeschwören [12],

schreibt Wolfgang Schroeder. Er arbeitet dabei heraus, daß es nicht die offiziellen und hierarchischen Strukturen waren, welche die Ära Kohl geprägt haben, sondern die informellen Netzwerke. Im Zusammenhang mit der Durchsetzung einer neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik scheint diese Überlegung nicht nur plausibel, sondern geradezu notwendig.

Wenn es darum geht, eine komplette Gesellschaft zu demontieren, etwas, was Rot-Grün als angebliches Chaos derzeit vorexerziert, dann sind die althergebrachten Strukturen eindeutig im Weg. Die neoliberale Doktrin bedarf des Marktes und der informellen Hand. Netzwerkarchitekten wie Johannes Ludewig, die sowohl den Überblick bewahren, als auch den Prozeß managen können, waren hierbei unentbehrlich. So gelesen, macht die biographische Untersuchung von drei Mitgliedern einer wie auch immer gearteten bundesdeutschen Elite durchaus Sinn.

Heft 3 der Zeitschrift Mittelweg 36 des Hamburger Instituts für Sozialforschung ist im Juni erschienen und kostet 9 Euro 50. Das Jahresabo mit sechs Heften kostet 48 Euro. Im aktuellen Heft 4 geht es um deutsche Amerikabilder.

 

Schluß

Jingle Alltag und Geschichte -

mit einer vergleichsweise leichten Kost in fünf Gängen. Dabei habe ich folgende Zeitschrift bzw. Bücher vorgestellt:

  • Die Chronik einer aggressiven Nation von Nicole Schley und Sabine Busse trägt den Titel Die Kriege der USA. Ohne eine tiefgründige Analyse reihen die Autorinnen die ihrer Meinung nach entscheidenden militärischen Auseinandersetzungen der einzig verbliebenen Weltmacht aneinander. Ihr Buch ist als Hardcover bei Diederichs im Heinrich Hugendubel Verlag erschienen und kostet 19 Euro 95.
  • Eine vergleichende Analyse des privaten Hörfunks haben Helmut Volpers, Christian Salwiczek und Detlef Schnier im Auftrag der Niedersächsischen Landesmedienanstalt vorgenommen. Unter dem Titel Hörfunklandschaft Niedersachsen 2001 belegen sie zum einen eine weitere Angleichung der kommerziellen Hörfunkprogramme, zum anderen, daß ein höherer Wortanteil nicht unbedingt zum Abschalten führen muß. Die Analyse ist als Paperback im Vistas Verlag erschienen und kostet 19 Euro.
  • Michael Bussmann und Gabriele Tröger haben die Türkische Riviera und Kappadokien bereist und daraus einen Reiseführer zusammengestellt. Er ist im Michael Müller Verlag erschienen und kostet 15 Euro 90. Etwas umfangreicher im Seitenumfang, aber auch umfassender in der Darstellung ist ihr Reiseführer Türkei Mittelmeerküste. Hierin sind die wesentlichen Reiseziele an der türkischen Küste von Istanbul im Nordwesten über Izmir und Bodrum, vorbei an der lykischen Küste und Antalya bis hin zur syrischen Grenze im Südosten versammelt. Auch dieser Band ist im Michael Müller Verlag herausgekommen und kostet 22 Euro 90.
  • Das Geheimnis kluger Entscheidungen versucht uns die Psychoanalytikerin Maja Storch zu vermitteln. Sie greift hierbei auf somatische Marker, auf Gefühle und rationales Handeln zurück. Die Kunst liegt darin, den richtigen Mix zu finden. Ihr Buch ist als Hardcover im Pendo Verlag erschienen und kostet 14 Euro 90.
  • Und schließlich Heft 3 der Zeitschrift Mittelweg 36. Gerd Hankel untersucht hierin, ob die internationale Strafgerichtsbarkeit zu mehr Sicherheit und Frieden führt, und sein begründetes Fazit ist wenig ermutigend. Der Schwerpunkt dieses Heftes liegt jedoch in einer personalisierten Untersuchung der deutschen Elite und führt uns zu einigen interessanten Einsichten darüber, wie die Neoliberalisierung der Gesellschaft gemanagt wird. Das Einzelheft der alle zwei Monate erscheinenden Zeitschrift kostet 9 Euro 50, das Jahresabonnement 48 Euro.

Diese Sendung wird am Dienstag in unserer Nachtschiene um Mitternacht wiederholt, am Vormittag nach dem Radiowecker um 8 Uhr und noch einmal ab 14 Uhr am Dienstagnachmittag. Fragen, Anregungen und Kritik könnt ihr meiner Voice-Mailbox bei Radio Darmstadt anvertrauen; die Telefonnummer lautet (06151) 87 00 192. Oder ihr schickt mir eine Email an: kapitalverbrechen@alltagundgeschichte.de. Es folgt nun Äktschen!, eine Sendung der Kulturredaktion. Am Mikrofon war Walter Kuhl.

 

 

ANMERKUNGEN

 

[1]   Meine Besprechung des Buchs von Tariq Ali findet sich HIER.
[2]   Die Rezension des Buchs von Jürgen Elsässer durch Sonja Vogel findet sich HIER.
[2a]  Siehe hierzu das Buch Die CIA und das Heroin von Alfred W. McCoy [Zweitausendeins 2003] sowie die Aufsätze Verschwiegene Verbrechen. Die CIA und das Gesetz von John Kelly, Information oder Intoxikation? Die CIA, das Crack und die Contras von Gary Webb und Lippenbekenntnisse: Die großen Lügen im Kampf gegen die Drogen von Michael Levine im von Kristina Borjesson herausgegebenen Buch Zensor USA [Pendo 2004].
[3]   Hörfunklandschaft Niedersachsen, Seite 48
[4]   Michael Bussmann / Gabriele Tröger : Türkische Riviera / Kappadokien, Seite 9
[5]   Maja Storch : Das Geheimnis kluger Entscheidungen, Seite 29
[6]   Maja Storch : Das Geheimnis kluger Entscheidungen, Seite 85
[7]   Maja Storch : Das Geheimnis kluger Entscheidungen, Seite 93-94
[8]   Maja Storch : Das Geheimnis kluger Entscheidungen, Seite 104
[9]   Maja Storch : Das Geheimnis kluger Entscheidungen, Seite 107
[10]  Meine Besprechung des Buchs von Gerd Hankel findet sich HIER.
[11]  Gerd Hankel : Internationale Strafgerichtsbarkeit, in: Mittelweg 36, Heft 3/2003, Seite 91
[12]  Wolfgang Schroeder : Der »gute Hirte« des Aufbaus Ost – Johannes Ludewig, in: Mittelweg 36, Heft 3/2003, Seite 42

 

 

Diese Seite wurde zuletzt am 17. Dezember 2005 aktualisiert.
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