Kapital – Verbrechen

Nachhaltiges Doping

 

 

SENDEMANUSKRIPT

 
Sendung :
Kapital – Verbrechen
Nachhaltiges Doping
 
Redaktion und Moderation :
Walter Kuhl
 
gesendet auf :
Radio Darmstadt
 
Redaktion :
Alltag und Geschichte
 
gesendet am :
Montag, 25. März 2002, 17.00–17.55 Uhr
 
wiederholt am :
Dienstag, 26. März 2002, 00.00–00.55 Uhr
Dienstag, 26. März 2002, 08.00–08.55 Uhr
Dienstag, 26. März 2002, 14.00–14.55 Uhr
 
 
URL dieser Seite : http://www.waltpolitik.powerbone.de/kv/kv_nachh.htm
 
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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 : Vom Gender Mainstreaming zur nachhaltigen Entwicklung
Kapitel 2 : Doping ist gut
Kapitel 3 : Backwaren für alle

 

Vom Gender Mainstreaming zur nachhaltigen Entwicklung

Jingle Alltag und Geschichte

Sendeankündigung auf Polnisch

Wer heutzutage staatlich geförderte Projekte durchführen möchte oder auf EU–Gelder nicht verzichten will, der sollte seine oder die sollte ihre Projektanträge mit den richtigen Vokabeln würzen. Stehen die einen auf den Begriff der nachhaltigen Entwicklung, so müssen sich die anderen Projekte dem sogenannten Gender Mainstreaming verpflichten. Gender Mainstreaming ist der neoliberal gewendete Begriff, der früher Frauenförderung hieß – beim Gender Mainstreaming dürfen auch mal die ach so benachteiligten Männer gefördert werden, wenn sie zufällig einmal in einem Bereich in der Minderheit sind. Soll ja vorkommen. Gender Mainstreaming schillert ambivalent – zum einen wird hiermit europaweit die Förderung von Frauen sozusagen zur Chefsache erklärt und damit auch gesellschaftliche Norm. Andererseits geht es eigentlich doch nicht um die Förderung von Frauen oder den Abbau ihrer Benachteiligung, sondern darum, ein bislang zu wenig genutztes Potential zu erschließen: Frauen als sozial und fachlich kompetente und gleichzeitig mehrfach nutzbare oder gar ausnutzbare Subjekte und Objekte. Daß auf der Woge des Gender Mainstreaming sich das eine oder andere an den Interessen von Frauen orientierende Projekt durch– und umsetzen läßt, spricht nicht gegen diese Projekte. Irgendwo muß die Kohle ja herkommen. Nur – es ist eindeutig zuwenig Kohle.

Doch diese Ambivalenz, so spannend sie ist und so viel aus Kapitalismus–kritischer und Patriarchats–kritischer Sicht dazu zu sagen wäre, ist heute nicht Thema meiner Sendung. Statt dessen lasse ich Uta vom Dresdener Lokalradio ColoRadio mit ihrem Abgesang auf das Konzept der Nachhaltigkeit zu Wort kommen und in einem zweiten Beitrag collagiert Holger vom Freiburger Freien Radio Dreyeckland eine sehr nachhaltige Sportberichterstattung. Die Kommentare von Dirk Thiele von Eurosport während des 30–Kilometer–Langlaufs der Frauen während der Olympischen Spiele in Salt Lake City zur nachhaltig notwendigen Nutzung von Dopingmitteln werden leicht verfremdet und umarrangiert, um den wahren Gehalt des Sports herauszustellen. Damit kann ich mich heute etwas zurückhalten und andere Stimmen und Meinungen zu Wort kommen lassen. Für die Redaktion Alltag und Geschichte bei Radio Darmstadt begrüßt euch Walter Kuhl.

Nachhaltigkeit, Agenda 21 und wie die Begriffe alle heißen mögen, die doch nur um den heißen Brei herumreden. Sollen wir uns doch als brave Staatsbürgerinnen und –bürger ökologisch und sozial nachhaltig verhalten, während die Industriekonzerne und die Politik weiter das blutige und schmutzige Geschäfte von Ausbeutung, Ausplünderung und Zerstörung der Grundlagen von Menschlichkeit und Reichtum betreiben dürfen. Während wir lokal darüber nachdenken, wie wir nachhaltige Grünflächen schaffen, wird in den Ländern der sogenannten Dritten Welt auch und gerade von der blaßrosarot–olivgrünen Menschenrechtsregierung mit staatlichen Geldern die systematische Zerstörung der natürlichen Ressourcen geplant und durchgeführt. Mit Hermesbürgschaften beispielsweise werden Riesenstaudämme abgesichert, zu deren Bau Zigtausende Menschen vertrieben oder umgesiedelt werden. Wer nicht freiwillig geht, wird geschlagen, gefoltert oder umgebracht. Hey, ihr nachhaltigen GRÜNEN, die ihr dieser eurer Bundesregierung im vergangenen Herbst leidenschaftlich das Vertrauen ausgesprochen habt, schämt ihr euch nicht? Geht's euch noch gut, wenn diese Menschen für eure Ideale leiden und sterben müssen? Oder bedeutet euch Nachhaltigkeit genau dies?

Im Dresdner Lokalradio ColoRadio wurde dazu der folgende Abgesang auf das Konzept der Nachhaltigkeit am 14. März [2002] gesendet:

Der gesendete Beitrag ist (zur Zeit der Sendung bei Radio Darmstadt) im Internet an folgender Stelle herunterladbar: http://www.freie–radios.net/content.php?id=915.

Das war ein Beitrag des Dresdner Lokalradios ColoRadio mit dem Titel Abgesang auf das Konzept der Nachhaltigkeit, in Dresden gesendet am 14. März. Ihr hört hier natürlich Radio Darmstadt und wer könnte euch das besser erklären als Günter und Cynthia?:

Jingle

 

Doping ist gut

Kommen wir von einer nachhaltigen Verlogenheit zur anderen. Sport ist Mord, sagen die einen, erlaubt muß sein, was nicht verboten ist, kommentierte auf Eurosport Dirk Thiele während der Olympischen Spiele in Salt Lake City. Diese Spiele und auch die sich anschließenden Paralympics haben wieder einmal gezeigt, daß systematische Höchstleistungen ohne die Einnahme erlaubter und verbotener Stimulantien überhaupt nicht möglich sind. Schneller, höher, weiter – der Wahlspruch der Olympischen Spiele fragt erst gar nicht danach, wie diese Höchstleistungen zustande kommen. Hilflos wird das unterschwellig als normal betrachtete Doping hingenommen. Nun ist Doping ja nur, wenn man und frau erwischt worden ist. Oder genauer: wenn man und frau zu blöd war, das dann nicht Doping genannte Doping innerhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte zu halten.

Dennoch ist jede Kritik am Doping im Sport solange sinnlos, wie nicht die Grundlagen des Leistungssports selbst diskutiert und kritisiert werden. Eine kapitalistische Leistungsgesellschaft kommt überhaupt nicht ohne Leistungssport aus. Und so wie sich Millionen Menschen mit allen möglichen Mittelchen täglich für den Arbeitsmarkt fit machen, so verhalten sich auch die Heroen des Sports. Die Vorbilder der Arbeit sozusagen. Während in der DDR und den anderen Ländern des sich real nennenden Sozialismus die Helden der Arbeit als verlogen erkannt und im Westen als ideologisch gebrandmarkt wurden, sind die Helden des Sports in Ost und West schon immer gern gesehen worden. Harte Männer und Frauen, die an ihre Leistungsreserven gehen, die diszipliniert und ausdauernd ihre Ziele verfolgen – welch bessere Vorbilder gäbe es für die besinnungslose Zustimmung zu Ausbeutung und Konsum? Daß derselbe Sport auch noch die moderne Variante der schon im antiken Rom zur Beschwichtigung der Massen veranstalteten Brot und Spiele darstellt, macht den Leistungssport umso attraktiver für diejenigen, die davon profitieren.

Blicken wir also noch einmal zurück auf Salt Lake City. Dirk Thiele von Eurosport hat unfreiwillig kultverdächtige Kommentare von sich gegeben, die Holger von Radio Dreyeckland neu arrangiert und collagiert hat. Hören wir also rein in eine Reportage, die den Sport auf ihre Weise auf den gedopten Nenner bringt: Erlaubt muß sein, was nicht verboten ist.

Der gesendete Beitrag ist (zur Zeit der Sendung bei Radio Darmstadt) im Internet an folgender Stelle herunterladbar: http://www.freie–radios.net/content.php?id=882.

Eine Collage von Radio Dreyeckland aus Freiburg.

 

Backwaren für alle

Jingle Alltag und Geschichte

Nachhaltig ist Doping ja schon. Körper und Geist werden zielstrebig auf die permanente Ausbeutbarkeit aller Ressourcen hin orientiert. Die gesundheitlichen Folgekosten spielen keine Rolle. So wie es ja auch keine Rolle spielt, wenn die wenigsten tatsächlich in ihren Jobs das Rentenalter erreichen. Die meisten sind entweder vorher schon so zerschlissen, daß sie auf die Straße gesetzt werden oder in den vorzeitigen Ruhestand gehen. Nicht nur Sport ist Mord und geht auf die Knochen, sondern dies gilt genauso für den großen Sport der kapitalistischen Leistungsgesellschaft. Gesund ist weder Arbeitshetze noch Fließband noch Großraumbüro. Auch nicht der Job der Supermarktkassiererin und auch nicht der des Fernfahrers. Aber wen kümmert's? Hauptsache, die Wirtschaft brummt. Hauptsache, die Dividende stimmt. Oder in den Worten von Karl Marx:

Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: Die Erde und den Arbeiter. [Karl Marx, Das Kapital, Band I, Marx–Engels–Werke, Band 23, Seite 529–530]

Wer von Agenda 21 redet, ohne den Kapitalismus abschaffen zu wollen, wer von Doping redet, ohne den Sport als Teil kapitalistischer Kultur zu begreifen, macht sich etwas vor. Wer nur vom großen Kuchen der kapitalistischen Bäckerei abhaben will, vergißt, daß die ganze Bäckerei in selbstverwalteter Produktion noch ganz andere Torten, Brötchen und Brote hervorbringen könnte, von der alle Menschen dieser Erde satt werden könnten. Oder fragt mal die indischen Bäuerinnen, die von einem rotgrün geförderten Staudammprojekt vertrieben werden, was die von dieser Sorte Nachhaltigkeit im Sinne der Agenda 21 halten.

Diese Sendung wird – wie gewohnt – wiederholt um Mitternacht in der Nacht von Montag auf Dienstag, um Dienstag nach dem Radiowecker mit Holger Coutandin um 8 Uhr und noch einmal nachmittags ab 14 Uhr. Fragen, Anregungen und Kritik zu dieser Sendung könnt ihr wie immer entweder auf meine Voice–Mailbox bei Radio Darmstadt aufsprechen; die Telefonnummer lautet (06151) für Darmstadt, und dann die 8700–192. Oder ihr schickt mir eine Email an: kapitalverbrechen@alltagundgeschichte.de. Sendemanuskripte zu einzelnen meiner Sendungen und meinen Radioweckerbeiträgen sind auf meiner Homepage zu finden: www.waltpolitik.de.

Alltag und Geschichte ist ebenfalls im Internet präsent unter www.alltagundgeschichte.de. Dort findet sich eine aktuelle Übersicht über die nächsten Sendungen unserer Redaktion. So zum Beispiel am kommenden Mittwoch ab 19 Uhr Saft und Kraft – unser Gesundheitsmagazin mit Dirk Beutel und Holger Coutandin. Gleich folgen die Lokalnachrichten von Radio Darmstadt. Und mit dem hüpfenden Wallaby aus der Tinderbox von letzter Woche verabschiede ich mich. Für die Redaktion Alltag und Geschichte am Mikrofon war Walter Kuhl.

Zion Train : Wallaby

 

 

Diese Seite wurde zuletzt am 4. Januar 2006 aktualisiert.
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