Felsenmeer
Das Felsenmeer im Lautertal – was mag hier ein einzelner Tropfen bewirken?

Kapital – Verbrechen

Das nützliche Geschlecht

Sendemanuskript

Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte

Radio: Radio Darmstadt

Redaktion und Moderation: Walter Kuhl

Ausstrahlung am:

Montag, 10. Mai 2011, 17.00 bis 18.00 Uhr

Wiederholt:

Montag/Dienstag, 10./11. Mai 2011, 23.10 bis 00.10 Uhr
Dienstag, 11. Mai 2011, 05.10 bis 06.10 Uhr
Dienstag, 11. Mai 2011, 11.10 bis 12.10 Uhr
Dienstag, 11. Mai 2011, 13.10 bis 14.10 Uhr

Zusammenfassung:

Eine den Pharmamultis kritisch gegenüber­stehende Kampagne feiert Geburtstag. Der Hunger in Somalia ist ein profitables Produkt. Grazile und schwimmende Skelette geben Auskunft. Ein Vasenbildnis dient der frauen­feindlichen Ideologie­produktion. Der Neoliberalismus erschafft tradierte Geschlechter­bilder wieder neu.

Besprochene Zeitschrift und Buch:

Zur Neoliberalisierung von Radio Darmstadt und seinem Trägerverein und zur Ausgrenzung mehrerer Mitglieder meiner Redaktion seit 2006 siehe meine ausführliche Dokumentation.


Inhaltsverzeichnis


Die Hungergewinnler 

Jingle Alltag und Geschichte

Im Oktober 1980 beschloß der 4. Bundeskongreß entwicklungs­politischer Aktionsgruppen, kurz BUKO genannt, die Vorbereitung einer Kampagne gegen die Praktiken der Pharmaindustrie in der Dritten Welt. Im Januar 1981 nahm die hieraus entstandene BUKO-Pharmakampagne ihre Arbeit auf. Sie informierte jedoch nicht nur über die Praktiken von Pharmamultis und ihrer Lobby in Regierungen und den üblichen Verdächtigen zur Förderung kapitalistischer Ausbeutung in einer globalisierten Welt. Diese Kampagne aus einem Spektrum, das bei den Krawatten­trägern dieser Welt gewiß nur als störend angesehen wurde, konnte in seiner dreißigjährigen Arbeit durchaus Erfolge feiern. So wurden beispielsweise die Praktiken deutscher Pharmakonzerne, hierzulande aus gutem Grund verbotene Arzneimittel in der Dritten Welt gewinnbringend zu vermarkten, aufgedeckt und weitgehend abgestellt.

Dennoch bleibt es ein Skandal, daß dringend benötigte Medikamente aus Profitgründen patentiert werden und somit nur einer betuchten Elite in Drittwelt­ländern zur Verfügung stehen, währen Millionen Menschen hiervon ausgeschlossen bleiben. Hier konnte die BUKO-Pharmakampagne dazu beitragen, daß ein AIDS-Präparat in Indien nicht patentiert wird, um einheimischen Herstellern die Chance zu geben, das Mittel selbst herzustellen und in andere Drittwelt­länder zu exportieren. [1]

Aber dies ist – bei aller Wichtigkeit – nur ein Tropfen auf ein ganzes Felsenmeer. Und überhaupt stellt sich die Frage, weshalb die Erforschung von Mitteln gegen Krankheiten privatwirt­schaftlich organisiert werden muß, was darauf hinausläuft, daß nur die Mittel erforscht und hergestellt werden, die einen angemessenen Profit versprechen, ganz unabhängig davon, ob sie etwas taugen oder gar neue Gesundheits­risiken bergen. Der in der Regel monatlich erscheinende Pharma-Brief der BUKO-Pharmakampagne ist ein nützlicher Leitfaden zum Verständnis der bis heute und darüber hinaus andauernden Praktiken einer Branche, die zum Nutzen ihrer Aktionäre auch mal Untersuchungen fälscht oder der medizinischen Fachpresse mit fingierten pseudowissen­schaftlichen Artikeln zuarbeitet. [2]

Ein Skandal jedoch unter vielen in einer Welt, die das Massensterben zum Programm erhebt. Meint Walter Kuhl aus der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt.

Die Medien dieser Welt haben nach dem in aller epischen Breite ausgeschlachteten Super-GAU in Fukuschima den Hunger dieser Welt wiederentdeckt. Millionen Menschen in Somalia (und überhaupt dieser ostafrikanischen Region) sind vom Hungertod bedroht. Ein Skandal, wenn wir bedenken, daß weltweit genügend Lebensmittel für Alle hergestellt werden oder werden könnten, wenn da nicht, ja, wenn da nicht wieder einmal egoistische Privat­interessen im Vordergrund stünden. Mit diesen Egoisten meine ich nicht die derzeit im Fokus der Verteufelung stehenden al-Schabab-Milizen. Diese sind ja nur deswegen böse und gemein, weil sie die von der westlichen inmperialistischen Gemeinschaft hofierte Marionetten­regierung bekämpfen. Im Grunde genommen kämpft hier eine Islamisten­fraktion gegen eine andere; und die westliche zivilisierte Welt hat sich nun die eine Fraktion als Verbündeten ausgeguckt, damit das ohne westliche Hilfe gar nicht mögliche Morden in Somalia noch ein paar Jahre weitergehen kann.

Mal werden äthiopische Verbände losgeschickt, mal mischt sich eine afrikanische soganennte Friedenstruppe ein, mal sind es auch die Vereinigten Staaten selbst, die dem Desaster Vorschub leisten. Der Kriegsfilm Black Hawk Down zeigt schonungslos auf, mit welcher herrischen Arroganz die einhemische Bevölkerung niederge­metzelt wird, nur weil sie es wagt, sich dem Diktat des Großen Bruders nicht zu unterwerfen. Daß die Wahhabiten der al-Schabab-Milizen der von den USA und der Bundesregierung mit neuen Panzern hofierten saudischen Königsfamilie ideologisch nahestehen, wirft ein weiteres Schlaglicht auf die Verkommenheit und Verlogenheit der imperialistischen Moral, die nun nach einem weiteren Militäreinsatz schreit. [3]

Natürlich wird auch ein Militäreinsatz den Hunger nicht stoppen. Der Hunger jedoch ist die Waffe der internationalen Gemeinschaft, um das Geschäfts­prinzip der Unterwerfung unter die Bedürfnisse des globalisierten Kapitals zu befördern. Bemerkenswert ist der Schulterschluß der deutschen Bevölkerung mit dieser Aggressionspolitik. In einer unverbindlichen Telefonumfrage im Auftrag der ARD waren 63% dafür, notfalls mit Hilfe eines Militäreinsatzes der Vereinten Nationen Hilfslieferungen zu den Hungernden durchzubomben. Immerhin 34% zeigten Vernunft und sprachen sich dagegen aus. Ganz abgesehen davon, daß die UNO keine neutrale Institution ist, sondern deren Militärapparat der Logik imperialistischer Machtpolitik folgt.

Die Meinungsmacher dieser Welt können hieraus etwas lernen. Während sich nämlich eine Mehrheit der Deutschen gegen den Krieg in Afghanistan ausspricht, benötigt man und frau nur die richtigen Vokabeln und Bilder, um die emotionale Hilflosigkeit der hiermit zugemüllten Bevölkerung in eine wahre Begeisterung für weiteres sinnloses Abschlachten zu gewinnen. Ich schlage vor, daß diejenigen, die Hurra zu diesem Krieg schreien, die Waffe in die Hand nehmen, nach Somalia gehen, und sich dort von denen massakrieren lassen, die eine weitere westliche Intervention überhaupt nicht witzig finden. Dann ist dieses Kapitel vielleicht beendet.

Doch von welchen Egoisten spreche ich dann, wenn ich nicht die Anführer der al-Schabab-Milizen meine? Nun, das Agrobusiness kümmert sich nicht um seine Opfer, es fordert sie vielmehr geradezu ein, um seine profitablen Pfründe zu sichern. Biosprit, Gensoja oder die Rinderherden in den abgeholzten Wäldern am Amazonas mögen hier genannt werden, aber auch die lukrativen Geschäfte an der Börse mit dem Hunger und Elend dieser Welt. Den Herren und wenigen Damen an den Schaltzentralen dieser Konzerne, Banken und Hedgefonds ist es nämlich egal, wer für ihren Profit bluten muß. Und genau aus diesem Grund werden Milliarden Euro und Dollar in ein marodes Bankensystem gepumpt, die dann natürlich nicht fehlen, wen zusätzlich eine Kriegsbeute lockt.

Das dumme Geschwafel von fehlenden Finanzmitteln mag zwar überall wiedergekäut werden, aber es erweist sich jedesmal als fausdicke Lüge, wenn sich mit Waffen­geschäften, Kriegsspiel­zeugen und Militärinter­ventionen neue lukrative Gewinnmöglich­keiten auftun. Dabei wäre es ja ganz einfach. Anstatt Lebensmittel ins Meer zu kippen, Ernten abzufackeln oder auf den Müll zu werfen, könnte mit einem Bruchteil der Gelder für eine militärische Verhinderung der Lösung des Hungerproblems einfach eine Flotte von Schiffen nach Somalia auslaufen und diese Lebensmittel dort anlanden – um dann wieder abzudrehen. Was wird dann geschehen?

Natürlich gibt es auch in Somalia findige Geschäftemacher, selbstverständ­lich auch unter den islamistischen Warlords aller Schattierungen. Die werden die hungernden Massen erst einmal abkassieren, bevor es etwas gibt. Und hier wirkt die normale kapitalistische Konkurrenz. Wenn nämlich ein Überangebot derartiger Lebensmittel, das im weltweiten Rahmen ohnehin vorhanden ist, am Strand von Mogadischu steht, dann fallen notwendiger­weise die Preise ins Bodenlose. So zumindest erklärt es uns die neoliberale Wirtschaftstheorie, die an deutschen Hochschulen gelehrt wird und deshalb wahr sein muß. Aber an einer solchen Lösung hat hierzulande ja keine und niemand Interesse, zumindest nicht bei denjenigen, die ihren ganz persönlichen egoistischen Gewinn flöten gehen sehen.

Und damit verlasse ich dieses unappetitliche Thema und komme zu etwas vollkommen anderem.

 

Grazile Skelette

Besprechung von : Archäologie in Deutschland, Heft 4, Juli/August 2011, 82 Seiten, € 9,95

Kriminalromane haben Hochkonjunktur. Diese Belustigung der Massen an schaurigen Geschichten bedarf einer sozial­psychologischen Erklärung; aber es würde mich heute zu weit führen, eine solche hier anzubieten. Historische Kriminalromane sind als Nischenprodukt ein Renner. Und wenn dann noch reale historische Massenmorde Rätsel aufgeben, dann wird die Phantasie erst recht geweckt. Filmische Rekonstruktions­versuche mit zweifelhaft suggestiven Bildern wie zu den Toten beim heute sachsen-anhaltinischen Eulau, die vor rund 4.400 Jahren getötet wurden, wecken die Lust auf mehr. [4]

Cover AiDOb es sich hierbei um eine eigenwillige archäologische Rekonstruktion handelt, die diesem mordlüsternen Zeitgeist geschuldet ist, oder vielleicht doch um eine der ersten Spuren steinzeitlicher kollektiver Gewalt, möchte ich dahingestellt sein lassen. Selbstredend müssen wir davon ausgehen, daß mit dem Beginn der Neolithisierung dieser Welt – also der bewußten Urbarmachung der natürlichen Ressourcen und damit einhergend auch der individuellen Besitznahme – Aggression und Gewalt befördert wurden.

Das Juliheft der Zeitschrift Archäologie in Deutschland nimmt sich eines weiteren rätselhaften Massensterbens an. Im Einzugsbereich des mecklenburgischen Flüßchens Tollense fanden Denkmalpfleger und Wissen­schaftlerinnen mehr als einhundert tote Individuen, die vor 3.200 Jahren eines ganz und gar nicht natürlichen Todes gestorben sind. Die Verstreuung der Knochen durch ein oder mehrere Hochwasser im Laufe der Jahrhunderte lassen eine Ahnung davon entstehen, daß die mittel­europäische Bronzezeit alles andere als friedlich gewesen sein mag. Nun wäre es gänzlich falsch, den damaligen Bewohnerinnen und Bewohnern kriegerische und aggressive Attribute anzudichten. Eine derart tödlich Epoche wie die Jetztzeit gab es in der Menschheits­geschichte wohl nie. Aber vielleicht regt die Untersuchung über die verstreuten Toten in Mecklenburg weniger zu gewaltlüsternen Phantasien an und vielmehr zu der Frage, wie Menschen dazu gebracht werden, sich in hierarchischen Einheiten die Köpfe einzuschlagen.

Bemerkenswert ist der zeitliche Sprung zum nächsten Artikel in derselben Ausgabe der Zeitschrift. Untersucht wird hier die etwa 100 Jahre alte Geschichte der von britischen Agenten – etwa des berühmt gemachten Lawrence von Arabien – geschürten arabischen Revolution gegen das Osmanische Reich. Insbesondere die Hedschas-Bahn und ihre nähere Umgebung bergen einige archäologische Überraschungen.

Künftig stehen Methoden der Konflikt­archäologie in großflächigen Wüstenregionen auf der Tagesordnung, aber auch bereits denkmal­pflegerische Fragen zur Erhaltung oder Überlegungen, wie die Forschungs­ergebnisse von Orten, die entscheidende Punkte der jordanischen Staatsgenese markieren, vermittelt werden können. [5]

Und damit gelangen wir sofort zur ideologie­befrachteten Geschichts­interpretation. Den Schwerpunkt des aktuellen Heftes von Archäologie in Deutschland bildet jedoch eine eher friedliche Geschichte, nämlich die der entweder im Mittelalter verlassenen oder jüngst im Zuge des Kohlentagebaus zerstörten Dörfer. Hier scheint es sich nämlcih herauszustellen, daß es unzulässig ist, aus heutigen Siedlungs­strukturen oder denen vor rund einhundert Jahren Rückbezüge auf den Aufbau eines Dorfes im Mittelalter herzustellen. Je nach Herrschafts­struktur scheint sich auch die Ausrichtung und der Mittelpunkt eines Ortes verändert zu haben. Nicht unerwartet ist hingegen der Befund,

dass sich die Bauern durch einen robusteren Körperbau auszeichneten als die Adeligen. Letztere weisen ein deutlich grazileres Skelett auf. Bei den weiblichen Angehörigen des Adels sind zudem die Muskelmarken derart schwach ausgeprägt, dass körperliche Aktivitäten weitgehend ausgeschlossen werden können. [6]

Ich gehe wohl recht in der Annahme, daß die bäuerlichen Mädchen und Frauen ganz anders malochen mußten. – Die Zeitschrift Archäologie in Deutschland erscheint alles zwei Monate zum Preis von 9 Euro 95 das Heft; der Abonnementsbezug ist über den Theiss Verlag möglich. Beim Abonnement kommen dann zwei Sonderhefte hinzu. Diese Sonderhefte sind auch als gebundene Ausgabe einzeln über den Buchhandel erhältlich.

 

Keramische Einhegung der Amazonen

Besprechung von : Lambert Schneider / Martina Seifert – Sphinx Amazone Mänade. Bedrohliche Frauenbilder im antiken Mythos, Theiss Verlag 2010, 108 Seiten, € 24,95

Dem Bereich der Genderforschung in der Antike ist das zweite Sonderheft des Jahres 2010 zuzurechnen. Lambert Schneider und Martina Seifert geben uns in diesem auch als Buch erschienenen Heft einen Einblick in bedrohliche Frauenbilder im antiken Mythos. Jede Klassen­gesellschaft, die etwas auf sich hält, benötigt eine sozial­psychologische Verarbeitung von inneren und äußeren Bedrohungen. Das Bild der Frau, die domestiziert werden muß, um ihre Natur zu beherrschen, ist offenkundig ein schon sehr alter Topos. Die Frauen des antiken Griechenland, wobei hier womöglich zwischen verschiedenen Städten und Zeiten zu differenzieren wäre, erhielten ihren Platz im Haus zugewiesen und hatten sich keusch und züchtig zu verhalten. Da Männer mit keuschen und züchtigen Frauen als solchen nichts anzufangen wissen, benötigten sie als Ausgleich Hetären und Prodtituierte. Die männliche Moral war natürlich auch schon damals verlogen.

Buchcover Sphinx Amazone MänadeDer Klassische Archäologe Lambert Schneider hat mit seiner Kollegin Martina Seifert dieses Werk über Amazonen und Mänaden, die Sphinx, Kirke, Medea oder die Gorgone Medusa verfaßt, das einen Einblick in die männlich-patriarchale Gedankenwelt des klassischen griechischen Altertums geben will. Anhand diverser plastischer Kunstwerke und Keramiken erhalten wir einen kursorischen Überblick auf eine Gedankenwelt, die den Mythos nicht statisch reproduzierte, sondern im Verlauf der Geschichte das bedrohliche Weibliche auch künstlerisch zu domestizieren suchte. Eine weitreichende Analyse dieser patriarchalen Gedankenwelt fehlt jedoch, erst recht in Bezug auf die ganz und gar gewalttätige Geschichte der griechischen Stadtstaaten. Ich verstehe diese Zusammen­stellung eher als einen Ansatz für eine radikale Ideologiekritik der klassisch griechischen Epoche. Damit verbunden wäre zudem eine ebenso radikale Ideologiekritik der Rezeptions­geschichte der klassischen Antike mitsamt ihrer Männer- und Frauenbilder.

Oder anders gefragt: Warum ist das Bürgertum derart auf diese Antike abgefahren, um sie als „klassische Bildung“ zu benutzen? Hat dies etwas mit eigenen Männer­konstruktionen zu tun?

Die griechischen Männer mußten sich ihrer herbei­phantasierten Rationalität immer wieder neu vergewissern. Das Einsperren der von ihnen beherrschten Frauen bedurfte der Legitimation. Frauenbilder, wie sie in den Anfängen des schriftlich erhaltenen Mythos noch vorhanden waren, etwa bei Homer, bedurften der Neuinter­pretation, um dem Bedrohlichen, das von selbst­bewußten und selbstbestimmt handelnden Frauen – übrigens bis heute, auch bei Radio Darmstadt – ausgeht, zu begegnen. Deswegen gibt es ja im klassischen Athen die Tragödien, die Komödien und die Satyrspiele, in denen diese für die Männermacht noch bedrohlichen Mythen noch einmal neu aufgegriffen, aufgearbeitet und verwässert werden.

Die künstlerischen Wege, die über Steinreste und Keramikscherben den Weg bis zu uns gefunden haben, diese männliche Weltinter­pretation ständig neu zu reformulieren, werden anschaulich dargelegt; auch wenn ich es zuweilen verwirrend fand, auf welche Weise Text und Bilder [räumlich voneinander getrennt] zusammen­gestellt wurden. Das Kapitel über die Amazonen belegt zudem, wie außen­politische Rücksicht­nahmen und die Perserkriege die Rezeption dieser Frauenarmee beeinflußt hat.

Vielleicht ist hier der Hinweis erlaubt, daß die Wissenschaftliche Buchgesellschaft, zu welcher der Theiss Verlag gehört, 1999 den Verlag des gleichnamigen Vaters des Autoren Lambert Schneider gekauft und seit kurzem auch als Imprint-Verlag nutzt. Daraus jedoch den Schluß zu ziehen, hier habe der Sohn über Beziehungen einen Verlag gefunden, geht vollkommen fehl. Denn Lambert Schneider ist ausgewiesener Kenner der Materie und seine Kollegin, die Archäologin und Kultur­historikerin Martina Seifert, nicht minder. Als Buch mit dem Titel „Sphinx Amazone Mänade“ ist das Sonderheft zu Archäologie in Deutschland im vergangenen Herbst im Theiss Verlag herausgebracht worden; das Buch umfaßt 108 Seiten und kostet 24 Euro 95.

 

Das neoliberale Geschlecht

Bevor ich auf einen Vortrag der Wirtschafts- und Politikwissen­schaftlerin Gabriele Michalitsch zur polit­ökonomischen Geschlechter­reproduktion zu sprechen komme, noch ein Hinweis in eigener Sache. Angesichts dessen, daß ich aufgrund eines absurden Hausverbots die Sendung, die ihr zur Zeit hört, als vorproduzierten Podcast auf CD einreichen muß, habe ich keine Kontrolle darüber, wie verhunzt dieser Podcast von Radio Darmstadt ausgestrahlt wird. Die Verzerrungen, die von Zeit zu Zeit meine Sendungen begleiten, stammen von einer miserabel eingestellten Studio- und Sendetechnik im Hause Radar. Wenn etwa nach einer halben Stunde Sendezeit eine Passage wiederholt wird, dann liegt das nicht daran, daß ich nicht sauber schneiden kann, sondern daß Radar nicht in der Lage ist, seine Technik zu warten. [7]

Mitte Juni fand in Graz ein mehrtägiges Symposium zu neoliberaler Herrschaft und emanzipatorischen Strategien statt. Die zur Zeit an der Universität Wien lehrende Gabriele Michalitsch referierte über die Frage, wie der Neoliberalismus Geschlechter­verhältnisse so reformuliert, daß Kapital und Patriarchat Hand in Hand gehend sich die Weiblichkeit zunutze machen. Ein Dank geht an Radio Helsinki in Graz, das den Vortrag für meinen Podcast zur Verfügung gestellt hat. – Am Mikrofon war Walter Kuhl aus der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt.

»»  Zum Podcast mit dem Vortrag von Gabriele Michalitsch.

 

ANMERKUNGEN
Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

»» [1]   Die Problematik kapitalistischer Ausbeutung, die von den Metropolen in die Peripherie verlagert wird, lasse ich hier einmal außen vor. Selbstredend müssen auch indische Pharmakonzerne profitabel wirtschaften und deshalb ihre Beschäftigten ausbeuten und die Preise ihrer Lieferanten drücken.

»» [2]   Siehe beispielsweise: Verschwiegen wird, was nicht passt oder Von wegen „schwarz auf weiß“. Derartige Erkenntnisse sind für aufmerksame Leserinnen und Leser des Pharma-Briefs nicht neu; neu ist eher, daß derartige Erkenntnisse vorsichtig Eingang in Mainstream­medien wie hier der Webseite des Bayerischen Rundfunks finden.

»» [3]   Eine bemerkenswert vernünftige Sichtweise bietet die mehrfach in mehreren Regionen Afrikas tätige Journalistin Claudia Mende in ihrem Artikel Vermeidbare Hungerkatastrophe am Horn von Afrika in Telepolis am 18. August 2011.

»» [4]   Siehe zur fragwürdigen kriminologischen Medialisierung der jungsteinzeitlichen Fundstätte bei Eulau meine Besprechung des Buchs „Tatort Eulau“ in der Sendung Tödliche Vorgeschichte am 22. November 2010.

»» [5]   Heinrich Natho : Auf der Suche nach der Arabischen Revolution, in: Archäologie in Deutschland,. Heft 4/2011, Seite 12–17, Zitat auf Seite 17.

»» [6]   Claudia Damrau / Dirk Scheidemantel : Abgebaggert: Zwei Dörfer erzählen ihre Geschichte, in: Archäologie in Deutschland,. Heft 4/2011, Seite 34–37, Zitat auf Seite 35.

»» [7]   Da man (oder frau) im Hause Radar die Wahrheit nicht ertragen kann, wurde in der Wiederholung ab 13.10 Uhr diese Stelle mit einem Pfeifton gestört. Dieser hielt jedoch nicht lange genug an, so daß meine nach dem Pfeifton folgende Aussage durch das Pfeifen aus dem Walde des Sendestudios erst recht bekräftigt wurde.


Diese Seite wurde zuletzt am 27. August 2011 aktualisiert. Links auf andere Webseiten bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2011. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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