Goldgräberstadt in Montana
Goldgräber­stadt in Montana

Kapital – Verbrechen

Spuren Sporen Sparen

Sendemanuskript

 

Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte

Radio: Radio Darmstadt

Redaktion und Moderation: Walter Kuhl

Ausstrahlung am:

Montag, 26. Oktober 2009, 17.00 bis 18.00 Uhr

Die Wiederholung der Sendung mußte aufgrund eines Totalausfalls des Aufzeichnungs- und/oder Wiedergabe­systems entfallen.

Zusammenfassung:

Die Verzerrungen meiner Stimme auf Darmstadts Lieblings­sender korrespondieren mit stereofonen Artefakten und Kabeln, die bei der Sesamstraße nicht aufgepaßt haben. Die israelische Psycho­analytikerin Yolanda Gampel untersucht die „radioaktiven“ Spuren, welche die Nazis und ihre deutschen Schergen ihren Opfern zugefügt haben. Alexander Emmerich stellt uns den Wilden Westen hinter dem „Wilden Westen“ vor. In Lunapark21 finden wir neben kritischen und hilfreichen Artikeln zur Krise des Kapitals auch einen toten Darwin, der nie gelebt hat.

Besprochene Bücher:

 


 

Inhaltsverzeichnis

 


 

Einleitung

Jingle Alltag und Geschichte

Ich hatte in meiner letzten regulären Sendung am 14. September [2009] angekündigt, daß ich wiederkomme. Tatsächlich war dem Vorstand des Vereins, der dieses Radio betreibt, der Beschluß des Programmrats im August, meine und andere Montags­sendungen abzusetzen, zu heiß. Darüber könnte ich hier jetzt lange und ausführlich reden, und es wäre durchaus eine erhellende Studie darüber, was Demokratie und Toleranz im Leben eines mittelgroßen Vereins am Darmstädter Steubenplatz bedeuten. Schauen wir statt dessen nach vorne. Nach vorne zu schauen, ist ein beliebt gewordenes Schlagwort der neoliberalen Wortkultur, um über die meta­phorischen Leichen im Keller nicht reden zu müssen. Nichtsdesto­trotz sind sie da, wirken fort und hinterlassen ihre Spuren.

Traumatische Extremerfahrungen hinterlassen ganz andere Spuren, nicht nur bei einzelnen Individuen. Sie können als kollektive Erfahrung eine ganze Gesellschaft prägen, insbesondere nach massenhafter Gewalt, Kriegen, ethnischen Säuberungen und Massenmord. Die israelische Psycho­analytikerin Yolanda Gampel ist diesen Spuren bei den Kindern der Shiah nachgegangen; ihre Aufzeichnungen hierzu sind nun in deutscher Übersetzung im Psychosozial Verlag herausgebracht worden. Dieses Buch werde ich zunächst vorstellen.

Da ich Wortspiele liebe, komme ich von den Spuren zu den Sporen und anschließend zum Sparen. Sporen sind zwar nur ein marginaler Bestandteil eines Buchs über den Wilden Westen, aber sie waren dennoch bei mancherlei Gelegen­heit ein unabdingbares Accessoire. Ich stelle diesbezüglich das Buch des Historikers Alexander Emmerich über diese Epoche der Aneignung des amerikanischen Kontinents vor.

Das Sparen ist die Kehrseite des Profits. Genauer: es geht darum, daß an uns gespart wird, damit andere umso besser abkassieren können. Und dabei geht es uns in den heimeligen Metropolen Westeuropas noch vergleichsweise gut. Im weltweiten Maßstab wird aus Sparen Hunger und das Trauma der endemischen sozialen und wirtschaftlichen Gewalt allgegenwärtig. Die Herbst­ausgabe der ökonomie­kritischen Zeitschrift Lunapark21 thematisiert daher „Satte Gewinne, die hungrig machen“.

Und zum Schluß dieser Sendung erkläre ich euch, weshalb ich ein Antisemit, ein Stalinist und ein Terrorist bin. Am Mikrofon ist für die Redaktion Alltag und Geschichte Walter Kuhl von der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt.

 

Ein Postscriptum, aber nicht am Ende

P.S. : Vergangene Woche wurde an dieser Stelle eine Sendung meiner Redaktions­kollegin Katharina Mann abgebrochen, sprich: zensiert. Mal sehen, ob mir dies heute ebenfalls widerfährt. [1]

Solltet ihr euch über die seltsame Tonqualität meiner Sendung wundern, dann kann ich euch versichern, daß meine Vorproduktion in qualitativer Hinsicht ohne Fehl und Tadel ist. Zu den Risiken und Neben­wirkungen auf CD eingereichter Vorproduktionen, insbesondere was die Verzerrungen meiner Stimme betrifft, befragt ihr besser den Vorstand des Träger­vereins von Radio Darmstadt oder dessen seit drei Jahren am Sendesignal herum­experimentierenden Techniker, vielleicht am besten auf der Mitglieder­versammlung des Vereins am kommenden Freitag­abend. In den letzten Wochen konnte ich hierzu folgende absurde Artefakte bewundern.

Zum Beispiel ein Stereosignal, das nur auf einem Kanal ausgestrahlt wird. Solltet ihr Radio Darmstadt mit einer Stereoanlage anhören, dann habt ihr euch sicherlich auch schon gewundert, warum aus einer Laut­sprecherbox kein Ton herauskam. Ich wundere mich nicht mehr, weil ich weiß, woran es liegt. Und es liegt garantiert nicht an meiner oder eurer Lautsprecher­anlage.

Wenn ihr euch dann noch fragt, weshalb dieses Phänomen mal bei der rechten Box und mal bei der linken auftaucht, dann kann ich euch versichern, daß das Krümelmonster in der Sesamstraße gut aufgepaßt hatte, als es darum ging, den Unterschied zwischen „rechts“ und „links“ zu vermitteln. Die in den letzten drei Jahren im Sendehaus verlegten Kabel haben hier jedenfalls nicht aufgepaßt. [2]

Dann gibt es Sendungen, die nachts und tagsüber wiederholt werden. Einmal abgesehen von der Tonqualität ist bei genauem Hinhören festzustellen, daß manche Sende­stunden nur 57 Minuten dauern und auch die Reihenfolge zuweilen nicht stimmt. Und zwar nicht als Einzelfall, sondern als Prinzip. Die Aufzeichnung des gesendeten Programmsk, um es am Folgetag zu wiederholen, scheint dem Aufzeichnungs­computer gewisse Probleme zu bereiten. Das liegt nicht am Computer, sondern an den Einstellungen, die an ihm vorgenommen wurden. [3]

Während ich am Donnerstag am Manuskript zu dieser Sendung schreibe, die ich ja vorproduzieren muß, weil der Verein mir den Zugang zu seinen Senderäumen verweigert, vielleicht auch deshalb, weil ich unangenehme Wahrheiten gelassen ausspreche anstatt sie schönzureden, während dessen also nehme ich eine neue interessante Interpretation eines Stereosignals wahr. Während aus einer Lautsprecher­box ein halbwegs annehmbarer Sound ertönt, flüstert die andere (mit etwa einem Drittel der Lautstärke des anderen Stereokanals) vor sich hin. Ich frage mich, weshalb das keiner und niemandem im Sender auffällt. Mehr noch: weshalb wird dieser Unsinn von den Technikern nicht abgestellt? Können sie das etwa nicht?

Daß klassische Musik auf diesem Sender als Sendeloch wahrgenommen wird, hatte ich an anderer Stelle schon erwähnt. Interessant ist, daß die Einstellung des hierfür benutzten Computers nach meiner Aufführung einer Schumann-Sinfonie geändert wurde. Offensichtlich ahnten die Verantwortlichen, daß ich sie bei jeder meiner Sendungen nun eiskalt vorführen könnte. Lustig war es jedenfalls, als Radio Darmstadt im September den Darmstadt Marathon übertrug. Das Team vor Ort ließ uns an der Stadion­atmosphäre teilhaben, freundlicher­weise ohne dazwischen­zuplappern oder Musik zu spielen. Das war ein Fehler. Denn die Sendeloch-Erkennung befand, daß Live­atmosphäre ebenfalls als Sendeloch zu bewerten sei.

Radio Darmstadt, und darauf sind einige Sendende ja ganz besonder stolz und erzählen sich und euch das zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit, ging am 1. Februar 1997 als erstes hessisches nicht­kommerzielles Lokalradio on air. Seither sind zwölfeinhalb Jahre vergangen, zwölfeinhalb Jahre, in denen die Techniker dieses Senders eigentlich gelernt haben sollten, wie ein sauberes, gut hörbares, technisch einwandfreies und angenehm moduliertes Sendesignal verbreitet werden kann. Tatsächlich gab es eine Zeit bei Radio Darmstadt, in der dies der Fall war, und zwar bis Anfang 2006.

Der Klang wurde von außen als authentisch und unverzerrt gelobt; Klang­optimierungen, wie sie kommerzielle Sender vornehmen, um fett und laut und verlogen zu klingen, waren bei uns fremd. Das hat sich vor drei Jahren geändert; hierbei wurden die Verantwirtlichen für den Wohlklang mit Haus- und Sendeverboten, Vereins­ausschlüssen und Kündigungen überzogen. Und seither versuchen einige Vereins­mitglieder einer Studio- und Sendetechnik Herr zu werden, die sie offensichtlich nicht beherrschen. Das Ergebnis könnt ihr nämlich tagtäglich hören oder dokumentiert auf meiner Webseite wiederfinden.

Dieser Sachverhalt führt mich zu einem ganz anderen Thema. Douglas Adams hat als Vorspann zu seinem zweiten Band der Reihe „Per Anhalter durch die Galaxis“ einen Gedanken formuliert, den ich hier durchaus zutreffend finde. Bei ihm heißt es:

Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau rausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch etwas noch Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt.

Und eine Seite später fährt er dann fort:

Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist. [4]

 

Der radioaktive Niederschlag des Nationalsozialismus

Besprechung von : Yolanda Gampel – Kinder der Shoah. Die transgenerationelle Weitergabe seelischer Zerstörung, Psychsozial Verlag 2009, 159 Seiten, € 22,90

Vor zweieinhalb Monaten fragte mich der Psychosozial Verlag an, ob ich das Buch der israelischen Psycho­analytikerin Yolanda Gampel besprechen wolle. Mir sagte der Name nichts und so ließ ich eine als Datenkrake bekannte Suchmaschine auf das weltweite Datennetz los. Das Ergebnis empfand ich als zwiespältig. Einerseits erschien mir Yolanda Gampel als eine prograssiv eingestellte Frau, die bereit war, über den Tellerrand individual­psychologischer Herangehens­weisen hinaus­zugehen. Seit zwei Jahrzehnten wirkt sie in einer israelisch-palästinensischen Gesundheits­initiative mit, welche die Traumata auf beiden Seiten des Konflikts wahrnimmt und sich um gegen­seitiges Verständnis bemüht. Diese Einstellung entspricht weder dem israelischen noch dem palästinensischen Mainstream und ist gewiß als emanzipatorisch zu betrachten.

Zum anderen jedoch verspürte ich mit einem leichten Unbehagen mein grundlegendes Problem, das ich mit der Psychoanalyse habe. Um nicht mißverstanden zu werden: ich denke, daß das psychoanalytische Instrumentarium Kindern und Erwachsenen dazu verhelfen kann, aus den Fallen der eigenen Sozialisation heraus­zugelangen, sich von inneren und äußeren Ängsten zu befreien und ein Leben zu führen, das nach System­maßstäben als „normal“ gilt. Allerdings ist das, was als „normal“ betrachtet wird, alles andere als normal, sondern eine seit rund zehntausend Jahren kulturell und gesellschaftlich erzwungene und eingeübte Anpassungs­leistung an die Anforderungen einer patriarchal und hierarchisch organisierten Welt. Und weil ich in psycho­analytischen Werken das Begreifen der Dimension dieser – wie ich finde: zerstörerischen – Anpassungs­leistung oftmals vermisse, befürchtete ich, bei dem mir noch unbekannten Buch von Yolanda Gampel dieses Unbehagen in Polemik zu verwandeln.

Ich gebe zu, daß dieses Unbehagen auch nach der Lektüre des Buchs nicht verschwunden ist. Der individual­psychologische Ansatz scheint mir hier noch viel zu deutlich heraus, obwohl Yolanda Gampel über Traumata schreibt, deren Ursachen nicht in der individuellen Psyche zu suchen sind, sondern in ganz manifester Gewalt­erfahrung in einem Grenzbereich, den wir als Normal­sterbliche gar nicht nachvollziehen können. Ich vermute, daß sich die Autorin der Problematik sehr wohl bewußt ist. Sie schreibt nämlich an anderer Stelle in einem Statement in diesem Jahr der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ins Stammbuch:

Abermals diskutieren und untersuchen müssen wir auch das Erbe der sozialen und politischen Gewalt in Osteuropa. Meines Erachtens haben wir uns damit nicht genügend auseinander­gesetzt. Diese Gewalt ist ein Thema, über das wir nachdenken und für das wir Lösungen finden müssen, nicht nur in Osteuropa, sondern auch in südamerikanischen Ländern und in China.

Häufiger als jemals zuvor behandeln wir heutzutage immer mehr Störungen, die mit einem traumatischen, auf sozialer Gewalt beruhenden Hintergrund zusammen­hängen. Die Psychoanalyse beschäftigt sich vorwiegend mit der psychischen Realität, um die unbewusste innere Welt zu erklären. Wie können wir auf beide Realitäten eingehen, ohne den Bereich der Psychoanalyse zu verlassen? Wie sollte eine Arbeit aussehen, die weder eine Dichotomie noch Verwirrung erzeugt? [5]

Die Fragestellung ist richtig. Die innere psychische Verarbeitung von Konflikten, Zwängen und Anforderungen ist ja nicht auf die Analyse und Verarbeitung postnataler (vielleicht auch pränataler) Beziehungs­konstellationen zu Müttern und Vätern zu beschränken. Kinder lernen sehr früh – und ich denke, das wird viel zu sehr unterschätzt –, was es heißt, in einer sozialen Hierarchie überleben zu müssen. Ich würde sogar so weit gehen und die Familie als Keimform gesellschaftlicher Organisierung zu einem erheblichen Teil für derartige Konflikte verantwortlich zu machen. Die Familie ist die erste Instanz, mittels der sozial erwünschtes Verhalten eingeübt wird, und zwar ein Sozialverhalten, das sich an Herrschafts­strukturen und nicht an Befreiung davon orientiert.

Buchcover Kinder der ShoahAllerdings gibt es noch eine weitere Form äußerer Gewalt, die weit über dieses Maß von struktureller Gewalt hinausgeht. Davon handelt das Buch „Kinder der Shoah“. Es ist eine Gewalt, von der Yolanda Gampel sagt, daß sie nicht nur auf die hiervon direkt Traumatisierten einwirkt, also diejenigen, die von den Nazis und ihren Schergen gequält und mißhandelt wurden, aber überleben konnten, sondern auch auf die Nachkommen, die mit Männern und Frauen leben müssen, die das Erlebte eigenständig in den seltensten Fällen verarbeiten konnten. Yolanda Gampel benutzt das Bild der „Radio­aktivität“, um den Vorgang der Übertragung unsichtbarer seelischer Verletzungen beschreiben zu können.

Mich hat sehr beeindruckt, daß sie sehr offen auch ihre eigenen Widerstände und Schwierigkeiten benennt, sich den Opfern der Shoah zu nähern. Vielleicht schwingt hier ein Bewußtmachen der in einer selbst vorhandenen sozialen Konflikte mit, das sie befähigt hat, eine in der israelischen Gesellschaft durchaus nicht mehrheitsfähige Position im israelisch-palästinensischen Konflikt einzunehmen. Es geht um das Verstehen des oder der Anderen, und damit auch um das Verstehen-Wollen.

Ich hatte, um auf meine einleitenden Worte zu diesem Buch zurück­zukommen, noch einen zweiten Grund, eine Ablehnung der Besprechung zu erwägen. Kurz vor der Anfrage des Verlages hatte mich der Beschluß des Programmrats erreicht, mir den Sendeplatz zu entziehen. Irgendwie war ich in Bezug auf die Anfrage darüber nicht ganz unfroh, denn es enthob mich von der Frage, wie ich ein Buch besprechen soll, das sehr viel Sensibilität erfordert, zumal ich als Mensch mit deutschem Paß nicht gänzlich unvorein­genommen hierüber schreiben und reden kann. Doch der Verlag ließ das nicht gelten und er schickte mir das Buch auch ohne die Sicherheit, daß ich es hier vorstelle.

Das entspricht nicht unbedingt normalem kapitalistischen Geschäfts­gebaren. Ob es damit zu tun hat, daß ich auch in der Vergangeheit Büch des Verlags hier vorgestellt habe, oder einfach damit, daß der Verlag selbst aus einer sozial­kritischen, an den Psychoanalytiker und Friedsn­aktivisten Horst-Eberhard Richter angelehnten Haltung heraus entstand, lasse ich einmal dahingestellt. Und so rede ich nun hier über ein Buch, das uns Einiges nicht nur über die Kinder der Shoah sagen kann, sondern auch darüber, wie unverarbeitete Konflikte an die nächste oder gar nächsten Generationen weitergegeben werden können.

Sicherlich verflüchtigen sich manche derartiger innerer Konflikte aufgrund aktueller und streßbehafteter Konstellationen und Anforderungen. Aber in so mancher Eigenart und in so manch sozialem Unvermögen spiegeln sie sich dann doch wider. Es reicht eben nicht aus, nach vorne zu schauen, Gas zu geben und das Vergangene als geschehen, als erledigt abzuhaken. Denn das Vergangene wirkt nach und macht sich dann an Stellen bemerkbar, an denen wir es nicht erwarten würden, und vor allem dann, wenn wir es nicht brauchen können.

Yolanda Gampels vor vier Jahren im französischen Original erschienenes Buch enthält zehn aufeinander aufbauende Kapitel, mit der sie uns am Aufspüren der radioaktiven Elemente teilhaben läßt. So gelangt sie von dem, was ein Überlebender der Shoah nicht aussprechen konnte und was seinen Sohn zu einem eigenartigen Verhalten zwang, um seinen Vater zum Sprechen und damit auch zum Leben zu bekommen, zur Frage, wie wir heute frühzeitig in soziale Konflikte psychologisch begleitend eingreifen können, um neue Traumata nicht in neue soziale und/oder individuelle Gewalt umschlagen zu lassen.

Den sich hier durchaus auftuenden Gedankengang, dem nachzugehen, inwieweit die Shoah als kollektives Trauma im israelischen Vorgehen beginnend von den ethnischen Säuberungen im Unabhängigkeits­krieg 1947 bis zur Terrorisierung Gazas heute nachwirkt, spart die Autorin aus. Kein Vorwurf meinerseits. Vielleicht ist es noch zu früh, hierüber ohne Ressentiment, ohne Anklage und ohne Schuld­zuweisung, aber auch ohne Verharmlosung und Entschuldung zu reden.

Wenn ich bei Yolanda Gampel nachlese, wie sie als Therapeutin versucht, nicht nur eine kommunikative Ebene zu Kindern und Erwachsenen aufzubauen, um an das Geheimnis einer psychischen Blockade zu gelangen, sondern zudem diese Blockaden durch spielerische wie sprachliche Kommunikation aufzulösen, dann bin ich wie auch bei anderen, ähnlichen Darstellungen – etwa bei Melanie Klein – immer wieder fasziniert davon, mit welcher Sicherheit Deutungen vorgestellt und Analysen gegeben werden. Ich frage mich, woher diese Selbst­sicherheit stammt. Ich frage mich, wie oft neben den dargestellten Fällen auch sozusagen ungelöste Fälle bestehen, von denen wir nichts lesen. Nun will ich nicht behaupten, die psycho­analytische Theorie und das damit verbundene Setting wirklich zu verstehen. Manches jedoch kommt mir zu konstruiert vor, scheint aber dennoch zu wirken.

Anderes hingegen zeigt nur zu deutlich auf, was wir Kindern antun können, wenn wir sie mit Erwartungen konfrontieren, die völlig außerhalb ihrer eigenen Einflußnahme sind. Die Vergabe von Namen zum Beispiel:

Ein Kind wählt seinen Vornamen nicht selbst, so wenig wie es seine Eltern selbst auswählt. Wenn es auf die Welt kommt, ist ihm ein Platz der Liebe oder des Hasses bestimmt. Seine Geburt ist das Resultat eines Wunsches oder eines Zufalls, sie kann Freude oder Trauer auslösen, Verwirrung oder Klärung. Man gewährt dem Kind einen Raum zum Leben oder es ist dazu bestimmt, eine Leere auszufüllen. Durch den Vornamen wird es schließlich als eine ganz bestimmte Person festgeschrieben. [6]

Mit dem Namen sind kulturelle Vorstellungen, Traditionen, Symboliken verbunden. Ein Kind ist nicht einfach, sondern hat etwas Bestimmtes zu sein. Der Name kann dann als das Programm aufgefaßt werden, welches das Kind als Erwachsene oder Erwachsener auszufüllen hat.

In einem Land wie Israel,

so fährt Yolanda Gampel fort,

mit seiner kriegerischen Geschichte ist die Wahl des Vornamens von dem Wunsch nach Überdauern des jüdischen Volkes geprägt. [7]

Erhält das Kind (der Junge, im israelischen Kontext ist aber auch ein Mädchen möglich) den Namen eines im Kampf gefallen Helden (oder Heldin), so wird erwartet, sich ebenso zu bewähren. Es lebt somit nicht nur sein eigenes Leben, sondern in ihm (ihr) lebt der (die) Gefallene fort. Daß dies zu inneren Konflikten führen muß, ist einleuchtend. Stirbt er oder sie tatsächlich im Kampf, wird das Schicksal bemüht, um den Tod zu erklären. Ein bißchen hat es auch etwas von self-fulfilling proophecy. Dies kann soweit gehen, daß auch Familien­angehörige sozusagen radioaktiv mit eingeschlossen werden, um dem Schicksal entweder zu entfliehen oder es zu bestätigen. Eine psychoanalytische Behandlung kann die Mechanismen offenlegen und einen Weg aufzeigen, dem in der Namenswahl eingeschriebenen Dilemma zu entgehen.

Laßt mich ein sehr unpolitisch scheinendes Kapitel näher betrachten, ein Kapitel, das für mich symptomatisch die Möglichkeiten und gleichzeitigen Grenzen einer Psychoanalyse aufzeigt, die doch zu sehr den gesellschaftlichen Normen verhaftet ist. Im vierten Kapitel mit dem der Bibel entlehnten Ausspruch „Du wirst es deinen Kindern erzählen“ wird eine Mutter vorgestellt, die mit ihrer jüngsten, inzwischen 17 Jahre alten Tochter nicht zurechtkommt.

Die Analyse des Falls beschreibt eine Familien­konstellation, die von Zwängen und Trennungen geprägt ist. Als Analytikerin stellt Yolanda Gampel einen Zusammenhang zwischen der Kindheit der Mutter im von Nazi­deutschland besetzten Osteuropa und dem Verhalten der Tochter her und zeigt Parallelen auf, die für die Mutter erschreckend sind und die sie nicht wahrhaben will. Überrascht hat mich hier, daß das ganz normale pubertäre Abnabelungs­verhalten junger Menschen überhaupt nicht zur Sprache kommt. Eine Tochter, die sich familienintern bewußt destruktiv verhält und schlechte Manieren zeigt, ist doch nichts Ungewöhnliches, sondern zeigt nur auf, auf welch verlogenen Fundamenten die heilige Familie steht.

Yolanda Gampels Buch „Kinder der Shoah“ ist ein bemerkenswert interessantes Werk, bei dem ich zuweilen hin und her gerissen war, ob ich weiterlesen oder es erst einmal nicht so genau wissen will. Denn es geht nicht nur um die Auswirkungen des Terrors der National­sozialisten und ihrer willfährigen deutschen Kollaborateure, sondern auch um uns selbst. Was tragen wir in uns, was hat die Lektüre fremder Fälle mit uns zu tun, und was tun wir mit dem, was wir in uns tragen, uns selbst und vor allem anderen Menschen an? Schon das Motto des Buchs verdeutlicht die mit der Suche nach dieser Erkenntnis verbundenen Schwierigkeiten:

Die Überlebenden der Shoah tun sich wie alle Opfer gesellschaftlicher Gewalt schwer, über das Erlebte zu sprechen. Zeugnis abzulegen und vor allem gehört zu werden, ist ihnen jedoch zugleich höchstes Bedürfnis. Wer indes von Unrecht, gebrochenen Menschen, von Chaos, Grausamkeit und Verbrechen berichten hört, muss bereit sein, auf feste Beweise zu verzichten. [8]

Das 159 Seiten umfassende Buch ist im Psychosozial Verlag zum Preis von 22 Euro 90 erschienen.

 

Eine Erfolgsgeschichte mit vielen Leichen

Besprechung von : Alexander Emmerich – Der Wilde Westen. Mythos und Geschichte, Konrad Theiss Verlag 2009, 160 Seiten, € 29,90 (ab 1.4.2010: € 34,90)

Eine ganze Industrie lebt vom Mythos des Wilden Westens. In Abenteuer­romanen und unzähligen Filmen erleben wir etwas, das sicherlich anders gewesen ist. Die Faszination eines Genres, das eng mit dem amerikanischen Traum von grenzenloser Freiheit verwoben ist, ist der Bezugspunkt des jüngst bei Theiss herausgebrachten Buchs des Historikers und Wissenschafts­journalisten Alexander Emmerich. Wie schon bei seiner im selben Verlag heraus­gebrachten Geschichte der USA ist deutlich zu spüren, daß der Autor eben beides ist: Historiker und Wissenschafts­journalist – und deshalb auch über mehr als nur angelesene Ahnung vom Thema verfügt.

Der auch in seinen Bildern überzeugende großformatige Band setzt dort an, wo Film und Roman aufhören. Er fragt danach, wie der Wilde Westen wirklich war. Ausgehend von der Mythisierung der Landnahme meist weißer Siedler (Frauen waren zunächst wenige beteiligt) verschafft er uns einen Einblick in eine doch vielschichtige Wirklichkeit. Die Entdeckung des nord­amerikanischen Kontinents war stets verbunden mit seiner Nutzbarmachung; ob dort schon andere Menschen oder auch nur riesige Büffelherden lebten, war dabei neben­sächlich. Als Wilder Westen kann im Grunde das gesamte Gebiet westlich des Mississippi bis zum Pazifischen Ozean bezeichnet werden, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts entweder spanisch-mexikanischer Besitz, Teil des englisch-kanadischen Kolonialreichs oder des Louisiana-Territoriums war.

Buchcover Der Wilde WestenDieses Louisiana-Territorium wurde von Napoleon 1803 für schlappe 15 Millionen Dollar (die damals natürlich einen ganz anderen Wert besaßen als heute) an die USA verkauft. Weiße Herren verscherbelten Land untereinander, das ihnen gar nicht gehörte. Die bekannte Lewis und Clark-Expedition sollte das fast gänzlich unbekannte Land jenseits des großen Flusses erforschen. Diese wie auch andere Expeditionen erzählten von Naturwundern, die man und frau im Osten der USA zunächst gar nicht glauben wollte. Doch der Hunger auf Land und Bodenschätze führte sehr schnell dazu, die frontier, die imaginäre Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis, immer weiter nach Westen zu verlegen. Einen anderen praktischen Nutzen hatte der Kauf der großen Prärieebenen zudem: ab den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden ganze Stämme oder das, was davon noch übrig geblieben war, gen Westen in eine weitgehend trostlose Einöde verfrachtet.

Der Mythos dieser Landnahme, die von Goldsuchern, Cowboys, Eisenbahn­baronen, Trappern und Farmern vorangetrieben wurde, entstand schon Ende des 19. Jahrhunderts. Buffalo Bill, der sich Massakern unter wehrlosen Büffeln rühmte, fand eine Marktlücke und verzauberte mit seiner Wildwestshow ganze Generationen. Die in Hollywood ansässige Filmindustrie konnte ein halbes Jahrhundert später an die von Bill Cody erzeugten Illusionen anknüpfen und uns eine Fiktion für die Wirklichkeit verkaufen.

Natürlich gab es im 19. Jahrhundert Revolverhelden, blutrünstige Indianer, Viehtrecks und Lynchmorde. Aber dies ist nicht einmal die ganze Geschichte und vor allem eine, die mit rassistischem Elan die Landnahme der edlen Weißen zu rechtfertigen suchte. Es waren die weißen Siedler und ihre institutionelle Ordnung, welche die Zivilisation in die Wildnis brachten. Dabei war es diese Zivilisation, die grausam, gewalttätig und mörderisch menschliche Werte mit Füßen trat und den als Indianer bezeichneten Ureinwohnern beibrachte, worin westliche Werte wirklich bestehen.

In Westdeutschland erblühte der Mythos des Wilden Westens in den Winnetou-Filmen der 60er Jahre. Die Winnetou-Reihe war sozusagen der kitschige Heimatfilm für diejenigen, die im Nachkriegs­deutschland das Wahre, Edle und Gute suchten. Die hierin verbreitete heile Welt, die nur von ein paar Schurken gestört wurde, korrespondierte mit der Verleugnung der eigenen Beteiligung an Massenmord und entgrenzter Kriegs­führung. Mit dem Aufbruch der Studenten­bewegung zerbröselte diese heimelige Welt, und andere, härtere, realistischere Western, angefangen von „Spiel mir das Lied vom Tod“, fanden ein sozial­kritischeres Publikum.

Aber in welcher Spielart auch immer, der Mythos „Wilder Westen“ lebt davon, daß vor allem Männer hier den Zwängen der Zivilisation entfliehen können, um ganz Mann zu sein und sich selbst zu verwirklichen. Real hieran ist, daß der Drang nach Westen tatsächlich von Männern vorangetrieben wurde, die sich von den Zumutungen der beginnenden kapitalistischen Zivilisierung befreien wollten. Daß sie hierdurch derselben Zivilisation den Boden bereiteten, ist eine Ironie dieser Geschichte.

Alexander Emmerichs Buch bleibt diesen Mythen nicht verhaftet, aber bedient sich ihrer dennoch. Ein Buch, das den Mythos dekonstruiert, der bis heute Millionen begeistert, fände auch kaum sein Publikum. Insofern liefert er uns den Stoff, der zu den in Bildern erzeugten Träumen gehört, schaut hinter die Kulissen, zeichnet in Ansätzen auch die Alltags­geschichte von Plackerei und vergeblicher Suche nach Glück nach. In manchen Punkten finde ich seine Darstellung zu unkritisch, insbesondere dort, wo er die Gewalt­tätigkeit der Revolverhelden, Banditen und Gesetzeshüter thematisiert.

Mir kam dies beim Lesen so vor wie der heutige Kriminalitäts­diskurs, nach dem Raub und Gewalt allgegenwärtig sind und wir uns mit mehr Polizei, schärferen Gesetzen und am besten der allumfassenden Online­überwachung in der eigenen Wohnung schützen müssen. Ich vermute dagegen eher, daß das Leben im Wilden Westen zwar Gewalt­ausbrüche kannte, aber nicht davon geprägt wurde. Nun gehört Gewalt zu jedem entgrenzten Handeln, und im Westen gab es lange Zeit keine Institution, die rechts­staatliche Normen durchsetzen konnte. Die aus der Recht­abwesenheit resultierenden Weidekriege oder die Jagd auf die als Indianer bezeichneten Native Americans, um an ihr Land zu kommen, waren zwar vorhanden, aber prägten nicht das Leben und Handeln der meisten Siedler und Siedlerinnen.

Andererseits führt uns Alexander Emmerich auch die Schattenseiten der Westexpansion vor Augen. Die vertriebenen und dezimierten Ureinwohner werden hierbei vielleicht allzu idyllisch dargestellt, denn auch vor der Ankunft des weißen Mannes lebten sie nicht einfach friedlich im Einklang mit der Natur. Nur war eben ihr Verständnis von Gewalt und Natur ein anderes als das des weißen Mannes, der sich einfach nahm, was er aufgrund überlegener Technologie und Organisation rauben, plündern, vergewaltigen und zerstören konnte. Auch vor 1500 führten Stämme Krieg, wenn auch eher aus rituellen und sozialen Gründen und weniger, um Besitz anzuhäufen.

Gelernt habe ich auch einiges. Nicht nur, daß die Cowboys mit ihren charakteristischen Hüten ihr Vorbild in den mexikanischen Vaqueros besaßen. Beeindruckt hat mich beispielsweise der Abdruck einer Zeichnung einer typischen aus dem Boden gestampften Westernstadt. Die Fassaden der Gebäude an der Straßenseite wurden irreal vergrößert, um mehr Schein als Sein darzustellen. Ein dahinter liegender Schlafpalast bietet Platz für 500 Personen an, wodurch wir erfahren, wo die Massen an durchreisenden Cowboys und Goldsuchern untergrbracht, wahr­scheinlich eher: eingepfercht, wurden.

Insgesamt handelt es sich bei diesem Buch über den Wilden Westen um eine sachlich und historisch fundierte, gut lesbare und schön bebilderte Übersicht. Daß ich manche Dinge anders bewerte als der Autor, hat sicherlich mit meinem grundsätzlich kritischeren Blick auf das Wesen kapitalistischer Expansion zu tun. Dennoch gibt es auch immanent einige Kleinigkeiten zu bemängeln. Während ich bei Alexander Emmerichs im selben Verlag erschienenen „Geschichte der USA“ keinen Fehler entdecken konnte, scheint in diesem Buch nicht überall gründlich genug gegengelesen worden zu sein.

So hat auf Seite 83 „der amerikanische General“ keinen Namen. Auf Seite 129 wird aus Belle Starr ein Star. Auf Seite 130 dauert eine Gefängnis­strafe „neuen“ Monate.

Bedenklich finde ich beispielsweise die unkritische Übernahme des in US-amerikanische Kriegsgerichts­urteile gegen Native Americans gegossenen Unrechts. So wurden nach einem 1862 ausgebrochenen Aufstand 307 Krieger zum Tode verurteilt und erst auf Intervention von Präsident Abraham Lincoln hin nur 38 von ihnen exekutiert. Begründung: ihnen habe Mord und Vergewaltigung nachgewisen werden können. Ich denke, ich gehe nicht fehl in der Annahme, daß die aufständischen Indianer in diesen Gerichts­verfahren von vornherein keine Chance hatten. Hier von bewiesenen Taten zu sprechen, halte ich für verfehlt.

An anderer Stelle sollen 1835 in den mexikanischen Bundesstaaten Sonora und Chihuahua einhundert Dollar als Kopfprämie für jeden Apachenskalp ausgesetzt worden sein. Waren es nicht vielmehr Pesos?

Zum massiven Einsatz chinesischer Arbeiter beim Eisenbahnbau hätte ich eine Aussage zu den unmenschlichen Arbeitsbedingungen, die an Sklavenhaltung grenzten, erwartet.

Daß die Schoschonen das Yellowstone Plateau schon seit 12.000 Jahren als heiligen Ort verehrt haben sollen, möchte ich doch sehr bezweifeln. Einmal abgesehen von den archäologischen Problemen, die Besiedlung des amerikanischen Kontinents zu rekonstruieren, gab es damals garantiert nicht genügend Menschen, um das ausdifferenzierte Stammeswesen zur Zeit der europäischen Eroberung Amerikas auszufüllen. Wer auch immer die Menschen gewesen sein mögen, die vor 12.000 Jahren den Yellowstone erreichten, es waren gewiß keine, die sich als Schoschonen begriffen haben. Ich bin mir sicher, daß Alexander Emmerich das ähnlich sehen wird. Hier ist dann wohl eher die Wortwahl ein wenig leger, aber damit auch den Sachverhalt verfälschend geraten. [9]

Meine Kritik soll den Gesamteindruck des Buchs nicht allzusehr trüben. Denn es ist interessant und faßt das Wesentliche zusammen, ohne allzusehr alte durch neue Mythen zu ersetzen. Die Darstellung jeder historischen Epoche unterliegt konjunkturellen Zyklen und hat sehr viel damit zu tun, wie eine Gesellschaft über sich selbst denkt und was sie in vergangenen Zeiten wiederentdecken möchte. Alexander Emmerichs Buch ist nicht ganz frei davon, insbesondere bei seiner Darstellung indianischer Lebensweisen. Nichtsdesto­trotz betrachtet er die weiße Landnahme mit der nötigen reflektierten Sorgfalt.

Sein großformatiges und reich bebildertes Buch „Der Wilde Westen“ ist vor kurzem im Theiss Verlag heraus­gebracht worden, es umfaßt 160 Seiten und kostet 29 Euro 90.

 

Hunger nach Land erzeugt Hunger

Besprechung von : Lunapark21, Heft 7, Herbst 2009, € 5,50

Von satten Gewinnen, die hungrig machen, handelt schwerpunktmäßig das Herbstheft der ökonomie­kritischen Zeitschrift Lunapark21. Die hierin versammelte Ökonomie­kritik ist keine trockene Angelegenheit, auch wenn theoretische Fragestellungen nicht zu kurz kommen. Vielmehr geht es darum, das Wesen dessen, was uns tagtäglich als Zumutung begegnet, so zu vermitteln, daß die Neugier auf mehr Erkenntnis die abschreckenden Bleiwüsten ignoriert.

Lunapark21 ist Zeitschrift und Projekt zugleich, ein Projekt, das langfristig nur dann überleben kann, wenn genügend Menschen die Zeitschrift abonnieren. Und so reicht das Spektrum vom einfachen Sozialabo für 16 Euro bis zum Förderabo für 100 Euro. Hier stellt sich die Frage, was eine weitere Zeitschrift uns im informationellen Overload zu bieten hat.

Nehmen wir beispielsweise den Artikel des marxistischen Ökonomen Winfried Wolf über die vier Lehman-Lügen. Diese Lügen aus Politik und Medienmain­stream besagten, daß mit dem Zusammen­bruch der Investmentbank die Krise der Finanzmärkte begann. Es sei ein Fehler gewesen, die Bank fallenzulassen. Die Finanzkrise habe die europäischen Regierungen überrascht und in Europa hohe Kosten verursacht. Das Gegenteil ist der Fall und es lohnt sich nachzulesen, wie wir im Nachhinein an der Nase herumgeführt werden. [10]

Cover Lunapark21Auch an einer Zeitschrift wie Lunapark21 gehen die Jubelfeiern zum Anschluß der DDR an die BRD nicht spurlos vorbei. Dennoch liegt der Fokus der Darstellung nicht dort, wo die blühenden Landschaften versprochen wurden, sondern bei den politisch und wirtschaftlich gewollten Folgen der Annektion eines Niedriglohn­landes. Sebastian Gebhardt skizziert die Planungen der westdeutschen Eliten, wie die DDR möglichst effektiv dem westdeutschen Kapital­verwertungs­interesse einverleibt werden könne, und zeigt, daß die Bevölkerung eigentlich nur ihrer Staatsführung gefolgt ist, die sich des eigenen Überlebens willen schon zuvor finanziell von westdeutschen Krediten abhängig gemacht hatte. Gisela Notz zeigt den Stand der Frauen­erwerbstätigkeit 20 Jahre nach der Wende auf und belegt einmal mehr, daß in der Frauenfrage die Bundesrepublik eindeutig das rückständigere Land war – und wenn wir die ehemaligen Staaten auf heute projizieren – auch weiterhin ist.

Nun ist die Analyse der Schrecken des Kapitals eine Sache. Eine andere ist die Frage nach Handlungs­möglichkeiten. Wenn wir schon Erwerbsarbeit als Teil einer normierten Lebensführung betrachten, stellt sich die Frage, ob diese Erwerbsarbeit angesichts von Millionen Arbeitslosen nicht zeitlich verkürzt werden kann. In den 80er Jahren galt der Kampf um die 35-Stunden-Woche als Einstieg in eine Verkürzung der Wochen- und Lebens­arbeitszeit, um dem zunehmenden Verschleiß an Muskeln, Sehenen und Hirn etwas entgegenzusetzen. Dieser Weg wurde damals von der Gewerkschafts­führung ausgebremst. Doch der Grundgedanke bleibt, und so stellt sich die Frage, ob eine derartige Arbeitszeit­verkürzung heutzutage realistisch ist und wie sie umgesetzt werden kann.

In einem kleinen Abstecher führt uns Georg Fülberth durch die Niederungen einer Bildungs­ökonomie des Humankapitals.

Wenn satte Gewinne hungrig machen, dann sind nicht nur die Hartz IV-Regelsätze für Kinder gemeint. Kinder sind ein Kostenfaktor, und es wird daher nur so viel in sie investiert, daß auch im nächsten und übernächsten Jahrzehnt ein ausreichend motiviertes und funktionales ausbeutungs­bereites Personal bereit steht. Wenn die Planungen überhaupt so weit reichen. Denn der Neoliberalismus ist die Extremform des Grundgedankens des Kapitals: Nach mir die Sintflut!

Verlassen wir den Teller metropolitaner Befindlichkeiten und überblicken wir die ganze Welt. Wir können dort eine diabolische Allianz aus Erdöl, Auto und Agrobusiness erkennen, so der Titel des Beitrags von Winfried Wolf. Gerhard Klas vom Rheinischen JournalistInnenbüro geht ausführlich auf die Auswirkungen der grünen Revolution auf die globale Landwirtschaft ein und stellt hierbei eine neue und selbstbewußte Bewegung von Bäuerinnen und Bauern in verschiedenen Erdteilen vor. Bemerkenswert ist eine Erkenntnis: dort, wo das Agrobusiness mit seinen Monokulturen am schärfsten ausgeprägt ist, regiert der Hunger, dort hingegen, wo Kleinbäuerinnen und -bauern eine tragfähige Subsistenz­wirtschaft aufrecht erhalten können, ist die Versorgung der lokalen Bevölkerung mit ausreichend Lebensmitteln relativ gesichert.

Angesichts einer Milliarde hungernder Menschen ist dieser Sachverhalt nicht irrelevant. Es fragt sich jedoch, ob eine kleinteilige Ökonomie in der Lage wäre, das zu leisten, was das kapitalistische Agrobusiness nicht leisten kann und will, nämlich alle Menschen dieser Erde ausreichend zu ernähren. Die Antwort mag überraschen, aber wenn wir genauer darüber nachdenken, dann kann es auch nicht anders sein. So wie der Kapitalismus überall Reichtum und Verschwendung, Armut und Zerstörung generiert, so bedeutet auch eine kapitalintensive Land­wirtschaft die Unterordnung unter Profitinteressen.

Das heißt: das bebaubare Land wird vernutzt, verschmutzt, vergiftet, bis es nicht mehr verwertbar ist, und dann sich selbst überlassen. Erosion und eine im globalen Maßstab gigantische Umwelt­zerstörung sind die Folge. Auf der rastlosen Suche nach neuen Anlage­objekten werden Wälder abgeholzt, Bäuerinnen und Bauern vertrieben und ganze Naturlandschaften grundlegend mit Staudämmen und Maschinenparks verändert. Die exzessive Orientierung auf Fleischkonsum [11] zerstört Ressourcen genauso wie die Gen­technisierung der Land­wirtschaft. Zurück bleiben Wüsten und … Hunger.

Wenn dann noch Biosprit nicht nur als ökologische Beruhigungs­tablette der Automobil­industrie angebaut wird, sondern auch ein neues lukratives Betätigungs­feld vagabundierenden Anlage­kapitals darstellt, dann wird die Katastrophe auf höherer Stufenleiter fortgeschrieben. Und so ist es wenig verwunderlich, wenn in Ländern mit hohem land­wirtschaftlichen Export­volumen Hunger und Armut grassieren. Das ist kein Fehler des System, sondern genau so funktioniert es.

Und es gibt Alternativen. Diese müssen jedoch als Teil einer Ernährungs­souveränität nicht nur vor Ort, sondern auch global erkämpft werden. Sicher, eine an ökologischen Prinzipien orientierte Land­wirtschaft kann nicht so produktiv sein wie eine gnadenlos durch­rationalisierte kapitalistische Monokultur. Allerdings ist sie nachhaltiger und langfristig betrachtet vermutlich sogar effektiver, vor allem dann, wenn wir Marktkriterien außer Betracht lassen und uns daran orientieren, wem diese Art der Land­wirtschaft nützt. Können hiermit sechs oder sieben Milliarden Menschen ausreichen ernährt werden? Vermutlich schon. Das Dumme ist nur, daß solcherlei im Kapitalismus unerwünscht ist. Wenn es keine Hungerleider mehr gibt, wer läßt sich dann noch freiwillig ausbeuten?

Es gibt nicht nur Konjunkturen der Weltwirtschaft, sondern auch welche der Wissenschaft. Eine Konjunktur der Konjunktur ist jedoch auch hier eine Besonderheit. Vor rund einem Jahrhundert haben verschiedene Ökonomen eine Theorie ausgearbeitet, die als die „langen Wellen der Konjunktur“ bezeichnet wird. Neben den normalen kapitalistischen Industriezyklen von 5 bis 11 Jahren Länge wurden schon damals konjunkturelle Schwankungen ausgemacht, die etwa ein halbes Jahrhundert umfassen, die sogenannten Kondratieff-Zyklen. Es war ein kommunistischer Politiker, nämlich Leo Trotzki, der in den 20er Jahren erstmals den Versuch unternahm, diese Zyklen materialistisch zu begründen und zu untersuchen, ob sie vielleicht auch politisch nutzbar gemacht werden können.

Thomas Kuczynski führt uns nun in einem kleinen Beitrag in diese zyklische Bewegung ein. Die Literatur hierzu ist immens und nicht mehr überschaubar. Allerdings gibt es auch hier Zyklen der Forschung, so der Verfasser. In den langen Aufschwung­phasen ebbt das Interesse ab, während in den Krisenphasen des Kapitals die Zyklen wieder an Interesse gewinnen, weil sie Antworten auf die Krise des Kapitals versprechen. Doch worin sind sie begründet? Schon früh vermuteten manche Autoren einen Zusammenhang mit der Aktivität der Sonnenflecken, beliebt waren lange Zeit als Erklärung Preisphänomene, also die Oszillationen des Marktes. Doch woher kommen diese?

Thomas Kuczynski betrachtet die langen Wellen als Ausdruck schubweiser Basis­innovationen, ein Ansatz, der in den 70er Jahren an Beliebtheit gewann. Ich habe hierzu eine andere, konplexere Vorstellung und muß es im Rahmen dieser Sendung bei dem Hinweis auf den dritten Band des Kapital von Karl Marx bewenden lassen. Marx behandelt dort das Phänomen des tendenziellen Falls der Profitrate, aber auch die Mechanismen, die diesen Fall der Profitrate tendenziell aufzuheben vermögen. Neben technologischen Fortschritten führt er die Eroberung neuer Märkte, die Senkung des allgemeinen Lohnniveaus oder auch Zufälle wie Goldfunde auf, die einen bestimmten Trend zu unterstützen vermögen. Auch wenn Thomas Kuczynski ausgebildeter Ökonom ist, erlaube ich mir die Bemerkung, daß ich seine Darstellung für viel zu verkürzt halte, und dies nicht nur, weil eine Zeitschrift nur begrenzten Platz zur Entfaltung eines theoretischen Gedankengangs bietet. [12]

Und wenn ich schon bei einigen kritischen Anmerkungen bin, dann muß ich auf den einführenden Artikel von Sabine Leidig, bis vor kurzem Bundes­geschäftsführerin von attac und nun Bundestags­abgeordnete der Linken, eingehen. Dies fällt mir umso schwerer, weil Beiträge aus Frauenhand in diesem doch sehr männer­lastigen Debattenmedium eher ein Schattendasein führen. Allein, wenn Sabine Leidig anfängt, uns die Hirnforschung und Epigenetik schmackhaft zu machen, dann frage ich mich, wie dies mit ihren eigenen Worten im Beitrag vereinbar ist. Sie schreibt nämlich:

Was wir erleben, was uns von anderen widerfährt, beeinflusst und verändert uns. Wir verändern uns im Antlitz des anderen. Eine wunderbare Fähigkeit einerseits, die aber eine Kehrseite hat: die Anpassung, den Konformismus. Weil wir erspüren, was in unserem gesellschaftlichen Umfeld gewünscht wird, weil wir auf Resonanz und Gleichklang „gepolt“ sind, ist es so schwer, gegen den Strom zu schwimmen. [13]

Nun ist die Hirnforschung nicht einfach eine Erforschung der wunderbaren Welt menschlicher Verhaltens­muster auf Neuronenbasis, sondern ein knallhartes kapitalistisches Geschäft. Und die Hirnforschung hat Konjunktur. Sie wird gezielt mit Forschungs­geldern gefördert und führt dazu, daß diejenigen, die Karriere machen wollen, sich die Erforschung menschlichen Verhaltens auf biologischer Basis zu eigen machen. Letzten Endes findet hier eine Renaissance statt, nämlich die Biologisierung menschlichen Verhaltens. Alternative sozial­wissenschaftliche Ansätze werden so trockengelegt und bleiben, zumindest im wissen­schaftlichen Mainstream, außen vor. Mir ist nicht klar, was solch ein Ansatz in einer kritischen Zeitschrift zu suchen hat, aber vermutlich ist es das, was man oder frau aushalten können muß, wenn es darum geht, emanzipatorische Ziele zu verfolgen und vielleicht auch eine andere Welt zu erkämpfen.

Ich bin nun weder Experte für Hirnforschung noch für Epigenetik. Was ich jedoch feststellen kann, ist, daß die Hirnforschung von Annahmen ausgeht, die sehr zweifelhaft sind. Ich habe mir einmal den Spaß gemacht, ein Buch des Hirnforschers Manfred Spitzers auf seine unwissen­schaftlichen Annahmen hin zu untersuchen. Das Ergebnis war erschreckend. Noch erschreckender war, daß diese Forschung ganz selbst­verständlich und unhinterfragt das Quälen von Babies und Affen beinhaltet. Und ich denke, es gibt einen Zusammenhang zwischen Forschungs­methode, Forschungs­interesse und Forschungs­ergebnis. Das Loblied der Hirnforschung finde ich auch deshalb in einer ökonomiekritischen Zeitschrift unangebracht. Hier wird nicht gegen, sondern mit dem Strom geschwommen.

Und vielleicht ist es dann kein Zufall, wenn ich in diesem einleitenden Artikel lesen muß, daß nicht nur der Darwinismus überholt, sondern auch sein Schöpfer seit 200 Jahren körperlich tot ist. Es ist bemerkenswert, daß dieser grobe Schnitzer der Redaktion des Hefts nicht aufgefallen ist. Denn vor ziemlich genau 200 Jahren wurde Charles Darwin geboren. Wenn ich hier Sigmund Freud bemühen darf und damit den Kreis zu den psycho­analytischen Betrachtungen von Yolanda Gampel schließe, dann ist es doch auffällig, daß nicht nur der Darwinismus entsorgt, sondern sein Schörpfer erst gar nicht gelebt haben soll. Eine psycho­analytische Deutung halte ich für durchaus möglich und aussagefähig.

Angenehmer und erkenntnis­reicher zu lesen sind hingegen Beiträge über das Fliegen ohne Ersatzteile, die französische Arbeiter­bewegung als Vorbild solidarischen Handelns oder digitale Medien als Wegbereiter des gläsernen Menschen, auch wenn der Inhalt alles andere als angenehm ist.

Lunapark21 ist inzwischen nicht nur eine viertel­jährlich erscheinende Zeitschrift, die in Darmstadt beispielsweise im Georg-Büchner-Buchladen erhältlich ist; hinzu kommen Sonderhefte zu Spezial­problemen kapitalistischer Verwertung, etwa der Verkehrspolitik und der Krise der Automobil­industrie. Das vor kurzem erschienene Heft 7 von Lunapark21 kostet 5 Euro 50. Und wenn ihr das Projekt ähnlich interessant findet wie ich, dann könnt ihr euch das mit dem Abonnement ja noch einmal überlegen. Weiteres findet sich auf der Webseite des Projekts lunapark21.de.

 

Ein antisemitisches Highlight

Jingle Alltag und Geschichte

Am 26. September [2009] habe ich Christoph Jetter und Hannelore Skroblies von der Darmstädter Geschichtswerkstatt dabei begleitet, die Geschichte Darmstadts zu Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu erkunden. Ihr Streifzug führte uns vom Luisenplatz über das Johannesviertel zu den alten Bahnhöfen am Steubenplatz, direkt gegenüber der Sendeetage von Radio Darmstadt, die manchmal euphemistisch auch als „Funkhaus“ tituliert wird [14]. Einiges, das weitgehend in Vergessenheit geraten ist, wurde hierbei erzählt. Eine Aufzeichnung dieses historischen Spaziergangs habe ich für das Alltag und Geschichte Magazin am Mittwochabend des 18. November 2009 ab 19.00 Uhr vorgesehen.

Ausschnitt FlyerErstaunt mußte ich nun feststellen, daß der Sender, der mir seinen eigenen Worten nach gnädigerweise seine Frequenz dafür zur Verfügung stellt, damit ich hier vorproduzierte Sendungen auf CD einreichen darf, die dann mit zuweilen erschreckender Tonqualität ausgestrahlt werden – erstaunt also mußte ich feststellen, daß selbiger Sender, der mich gerade einmal zähne­knirschend duldet, genau diese von mir für Mitte November geplante Sendung auf seinem Programmflyer für November zu einem Highlight seines Programms erklärt [15]. Um es klarzustellen: Radio Darmstadt hat mit der inhaltlichen Qualität und der Produktion dieser Sendung nicht das geringste zu tun. Aber sich fett draufsetzen, das scheint hier opportun zu sein, um nach außen zu demonstrieren, daß man, seltener frau, neben Musik aus dem Dudel­automaten mehr als abgelesene Presse­meldungen und Beiträge aus dem Internet zustande­bringen kann.

Dies ist umso erstaunlicher, als das Vorstands­mitglied des Trägervereins von Radio Darmstadt Günter Mergel mich namens eines obskuren und ansonsten auch öffentlich unbekannten Darmstädter Instituts für Faschismusforschung einen Antisemiten nennt, das Vorstands­mitglied Benjamin Gürkan gegenüber einem mir namentlich bekannten Vereinsmitglied mich als Stalinisten bezeichnet hat und der Unterhaltungs­redakteur Bülent D. meint, mich öffentlich auf diesem Sender mit Al-Qaida und den Taliban vergleichen zu müssen. Das ist starker Tobak. Vor allem, wenn wir dann bedenken, daß ein Antisemit, ein Stalinist, ja ein Terrorist zum Highlight dieses Senders wird. Ich möchte das hier jetzt nicht vertiefen, aber es läßt tief in die Seelen der Verantwortlichen dieses Vereins und ihres Umfeldes blicken. [16]

Hinweisen möchte ich noch auf die Ausstellung „Verstummte Stimmen“, die im Staatsarchiv, dem alten Landestheater, und im Staatstheater zu sehen ist. Die Ausstellung wurde verlängert und ist nun noch bis zum 12. Dezember 2009 zu sehen. Weitere Informationen hierzu finden sich auf der Webseite zur Ausstellung verstummtestimmen.de.

Am Mikrofon war für die Redaktion Alltag und Geschichte Walter Kuhl von der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt.

 

ANMERKUNGEN

 

Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

 

»» [1]   Über die Gründe des vorzeitigen Sendungs­abbruchs kann spekuliert werden. Tatsache ist jedoch, daß die Sendung um einige Minuten zu früh vom Sender genommen und durch Popgedudel ersetzt wurde. Die hier vorgestellte Sendung konnte ungestört zu Ende gebracht werden. Aber bei vorproduzierten Sendungen weiß man bei Radio Darmstadt nie, ob sie auch so ausgestrahlt werden, wie sie auf CD vorliegen. Tatsächlich praktizierte die Technikerin der nachfolgenden Sendung Äktschn! die Vorhöre bei geöffnetem Regler, so daß meine Abmoderation durch ein eingespieltes Jingleartefakt gestört wurde. Über derlei darf man und frau sich bei Radio Darmstadt nicht wundern. die Pflege einer Sender- und Sende­qualität ist im Sendehaus ein Reizwort ohne erkennbar qualitativ positive Folgen.

»» [2]   Mehr hierzu findet sich in meiner Dokumentation zu den Vorgängen bei Radio Darmstadt im September 2009.

»» [3]   Wie es der Zufall wollte, verabschiedete sich am Abend der Sendung der Computer, der ein vorproduziertes Programm ausstrahlen wollte, kurz vor 22.00 Uhr mit einem über sechs Stunden lang zu hörenden technoartigen Gestotter. Unterhaltungs­redakteur Christian K. mußte am Morgen darauf in seinem „Radiowecker“ verkünden, daß die Wiederholung des Vorabend­programms aufgrund eines Totalausfalls der Technik nicht gesendet werden könne. Dies erklärt auch, weshalb die hier vorliegende Sendung am Dienstag nicht regulär wiederholt werden konnte. Statt dessen ertönte – wie bereits erwähnt – nachts ein Stotter­programm und am Vormittag Dudelpop aus dem Sendeloch-Computer. Am späteren Vormittag gelang es dann einem im Sender anwesenden Vereins­mitglied, die Wiederholung des Sonder­programms vom Tag der Vereine vom 25. Oktober 2009 einzuspielen. Bei diesem Selbst­darsteller-Event wurde garantiert verheimlicht, mit welch albernen technischen Artefakten Radio Darmstadt derzeit belästigt.

»» [4]   Douglas Adams : Das Restaurant am Ende des Universumd, Seiten 7 und 8.

»» [5]   Die englische Originalfassung findet sich hier.

»» [6]   Yolanda Gampel : Kinder der Shoah, Seite 89.

»» [7]   Gampel Seite 90.

»» [8]   Gampel Seite 6.

»» [9]   Kriegsgericht Seite 82. Dollar statt Pesos Seite 90. Chinesische Arbeiter Seite 77–78. Schoschonen Seite 102.

»» [10]   Plakativ wird der Medienmainstream im Titel einer im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlten Sendung wiedergegeben: Die Jahrhundert-Pleite. Wie der Lehman-Crash die Welt veränderte.

»» [11]   Ich rede hier weder dem Vegetarismus noch gar dem Veganismus das Wort. Soja ist nicht unbedingt die Alternative. Dennoch gibt es sicherlich ressourcen­schonendere und nicht tier­vernutzende Methoden, den Fleischverbrauch der Erdbevölkerung zu gewährleisten.

»» [12]   Für unverzichtbar zum Verständnis der „langen Wellen“ halte ich Ernest Mandels Werke über den Spätkapitalismus [1972] und die langen Wellen im Kapitalismus [1983]. Jede Darstellung, die neue Impulse für ein altes Thema erzeugen möchte, muß sich an Mandels Ausführungen messen lassen.

»» [13]   Sabine Leidig : LunaLuna – der Mond inspiriert zum Träumen und zu naturwissenschaftlicher Betrachtung …, in: Lunapark21, Heft 7, Seite 2–3, Zitat auf Seite 2.

»» [14]   So bei der Liveübertragung vom Darmstadt Marathon am 6. September 2009, bei der immer wieder in ein imaginäres, um nicht zu sagen imaginiertes, Funkhaus geschaltet wurde, obwohl die Techniker der Sendung in der Sprecher­kabine des Stadions in Darmstadts Bürgerpark saßen. So klein wie diese Kabine ist der Sender nun auch wieder nicht.

»» [15]   Erstaunt war ich dann auch an anderer Stelle, obwohl mir die Schwierig­keiten des Vereins und seines Senders mit Kalendern und Zeitangaben bekannt sind. Der Programmflyer für November beginnt mit dem 27. Februar, fährt fort mit dem 28. Februar und dem 1. März, bevor wir urplötzlich den 2. November schreiben. Die bezahlten Kräfte des Vereins bzw. des Senders – als verantwortlich für die Gestaltung zeichnen Michael S. und Silke W., sowie die Vorstandsfrau (unbezahlt) Susanne Schuckmann – meinen ganz offensichtlich, daß sinnloses Zusammen­kompilieren einer uralten Vorlage den Verein am besten nach außen repräsentiere. Dieser Quark setzt sich fort in der Präsentation des genannten Highlights. Der „Hörtipp“ nennt als Datum den 20. November, verweist aber richtig auf meine Sendung am 18. November. Solcherlei gedankenloses Chaos ist beileibe kein Einzelfall; ich verweise hier auf meine Dokumentation des Flyerchaos Ende 2006 bzw. Anfang 2007.

»» [16]   Das Schreiben von Günter Mergel alias Darmstädter Institut für Faschismus­forschung an die hessische Landes­medienanstalt liegt mir vor. Das Institut ist bei der im Schreiben angegebenen Absender­adresse gänzlich unbekannt. Die Äußerung Benjamin Gürkans fiel vor mehreren Zeug/inn/en; einer der Zeugen wurde anschließend vom Programmrat abgemahnt. Es findet sich in diesem Verein zum Abstrafen immer ein Grund, so absurd er auch sein mag. Den Quatsch mit dem Stalinisten hat Benjamin Gürkan unbesehen und bar jeglicher inhaltlichen Grundlage von seinem neuen Kumpel Mergel übernommen; der Begriff ist ebenfalls im Pamphlet des imaginierten Instituts vorzufinden. Bülent D.s Terror­geschwafel auf den Wellen von Radio Darmstadt, gesendet am 12. und am 14. Juni 2009, ist im Aufzeichnungs­archiv des Senders im „Funkhaus“ zu finden (und in meinem eigenen Archiv, logischerweise).

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 17. Februar 2010 aktualisiert. Links auf andere Webseiten bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2009, 2010. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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