IHK Darmstadt
Eine der Agenturen der strukturellen Gewalt des Kapitals.

Alltag und Geschichte Magazin

Zermürbung und Zerstörung

Sendemanuskript

Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte

Radio: Radio Darmstadt

Redaktion und Moderation: Walter Kuhl

Ausstrahlung am:

Mittwoch, 15. Dezember 2004, 19.00 bis 21.00 Uhr

Wiederholt:

Donnerstag, 16. Dezember 2004, 02.00 bis 04.00 Uhr
Donnerstag, 16. Dezember 2004, 10.00 bis 12.00 Uhr

Vorbemerkung:

Da sich audiovisuelle wie Printmedien gerne auf alles stürzen, was ihr auf Quote oder Auflage beruhendes Verständnis von „Journalismus“ befeuert, werde ich auf meiner Webseite kein Bild von Tatjana Jordan oder Karl Pathenschneider veröffentlichen.

Sechseinhalb Jahre später, im Mai 2011, erhielt ich eine Anfrage aus der Redaktion des SWR-Nachcafés:

„Ich möchte gerne mit Ihnen Kontakt aufnehmen, da ich gerade für eine Sendung, die wir vorbereiten zum Thema Eifersucht recherchiere. Dabei soll es auch darum gehen, wie weit Eifersucht die Menschen im Extremfall treiben kann. Bei meinen Recherchen bin ich auch auf den Fall Ihrer aus Eifersucht ermordeten Kollegen Tatjana Jordan und Karl Pathenschneider gestoßen und würde Sie dazu gerne befragen. Sie waren damals vor Ort im Gericht und haben sicherlich sehr gute Kenntnisse dieses Falls. Vielleicht könnten Sie mir daher bei meinen Recherchen behilflich sein.“

In meiner Antwort ging ich zunächst ausführlich darauf ein, warum Eifersucht das falsche Etikett ist und fuhr fort:

„Ich möchte nicht dazu beitragen, Gewalt gegen Frauen mit dem Etikett ‚Eifersucht‘ zu bagatellisieren, und stehe deswegen für eine Befragung nicht zur Verfügung.

Und wenn ich aus anderer Sicht hinzufügen darf: Ihre Kollegen vom Hessischen Rundfunk hatten sich, kaum hatte ich vom Tod meiner Kollegin, mit der ich über Jahre eng zusammengearbeitet hatte, und ihres Lebensgefährten erfahren, meinen Schockzustand ausgenutzt und sich wie die Geier auf mich gestürzt. – Am Ende der Gerichts­verhandlung wartete das Filmteam eines privaten Fernsehsenders vor dem Gerichtsgebäude auf die Angehörigen, überrumpelte sie, um schnell einen Dreh in den Kasten zu bekommen. Auf die persönlichen Gefühle der Angehörigen wurde nicht im mindesten Rücksicht genommen. Sie wurden wie ein Ding behandelt, dessen Erregung man schnell in Besitz nehmen wollte. Vielleicht bin ich in der Nische eines nicht­kommerziellen Lokalradios an den voyeuristischen Normalzustand nicht gewöhnt; aber derlei fand und finde ich einfach ungehörig.“

Besprochene Zeitschrift:

Mittelweg 36, Heft 5/2004

Playlist:

Zur Neoliberalisierung von Radio Darmstadt und seinem Trägerverein und zur Ausgrenzung mehrerer Mitglieder meiner Redaktion seit 2006 siehe meine ausführliche Dokumentation.


Inhaltsverzeichnis


EinleitungStimmlos anwesend

Jingle (auf Russisch:) Alltag und Geschichte

Die Stimme, die mir diese Worte auf Russisch aufs Band sprach, wird nie mehr live auf diesem Sender zu hören sein. Tatjana Jordan wurde am Montag der vergangenen Woche zusammen mit ihrem Lebensgefährten Karl Pathenschneider von ihrem Ex-Ehemann erschossen. Es gehört zu den Besonderheiten eines nichtkommerziellen Lokalradios wie Radio Darmstadt, daß die Menschen, die Tatjana und Karl kannten, die mit ihnen befreundet waren, die sie fast täglich sahen, daß diese Menschen ihre Trauer auf ihre ganz besondere Weise über die Frequenzen von Radio Darmstadt ausdrücken können.

Vielleicht erscheint es in dem einen oder anderen Fall übertrieben zu sein – doch das macht ein Radio wie das unsere aus. Wenn wir unsere Freundinnen und Freunde betrauern, dann nicht mit Blick auf die Einschaltquote oder die Hörbarkeit, sondern auf den Menschen, der uns genommen wurde. Ich werde hierzu gegen Ende der heutigen Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte einige Fragen aufwerfen und einige unbequeme Antworten geben. Am Mikrofon ist Walter Kuhl.

 

Zerstörerisch anspruchsvoll

Jingle Alltag und Geschichte

mit dem Alltag und Geschichte Magazin, zu hören an jedem dritten und – so vorhanden – fünften Mittwoch eines Monats von 19.00 bis 21.00 Uhr. [Es folgen die Angaben zu den damaligen Sendefrequenzen.] In der ersten Stunde des heutigen Magazins wird es um die festlichen Geschenke einer kapitalistischen Wahnwelt und ihrer Prophetinnen und Propheten gehen: Nämlich – die Zermürbung von Arbeitenden und Arbeitslosen wird begleitet von der Zerstörung solidarischer Zusammenhänge und Gedanken.

Dabei geht es uns im weltweiten Vergleich noch gut damit. Der schwedische Autor Henning Mankell äußert in einem Interview der aktuellen Spiegel-Ausgabe, daß die Weltbank mit ihrer Politik buchstäblich über Leichen gegangen sei. So sei die Weltbank verantwortlich für radikale Ausgaben­kürzungen mit der Folge der Zerstörung der letzten funktionierenden Strukturen. Zwangsläufig würden hierdurch viele Kinder sterben, denn das Gesundheitswesen sei systematisch demontiert worden. Parallelen zur sogenannten Gesundheitsreform in diesem Land sind alles andere als zufällig, wenn auch hierzulande noch nicht so tödlich.

Nun erinnern wir uns sicher alle daran, daß ein gewisser Horst Köhler [1], heute von der CDU beförderter Bundespräsident, in seinem vorherigen Leben von 2000 bis 2004 Geschäftsführender Direktor des mit der Weltbank mehr als nur verbandelten Internationalen Währungsfonds gewesen ist. Hat er von all dem nichts gewußt? Oder ist ein Direktor einer globalen Plünderbehörde nicht bestens im Bilde? Umso merkwürdiger, wenn er nun auf Afrikatour Almosen verteilt, um die Not zu lindern, welche die von ihm geleitete Organisation mit zu verantworten hat [2].

Noch merkwürdiger ist es, wenn Köhler das Unwesen der Kindersoldaten anprangert. Die weltweit 300.000 Kindersoldaten, so meint er, dürfe die deutsche Politik nicht unberührt lassen [3]. Unberührt? Woher mögen diese Kinder wohl ihre Waffen erhalten haben? Ist nicht Deutschland beim Waffenexport an vorderster Front absolute Spitze? Tja – Verlogenheit und Heuchelei war schon immer die Moral der herrschenden Klasse. Das sind dieselben Leute, die uns gleichzeitig zum Sparen und zum Konsumieren anhalten, denn dies ist ohnehin nur Ausdruck der Schizophrenie dieser Welt.

Allein machen sie dich ein; aber allein kannst du auch etwas werden. So verheißen es die Propheten des Marktes. Du sollst deine Chance suchen, weil du ohnehin keine hast. Die Chance deiner Selbstbestimmung besteht darin, dich fremdbestimmt selbst bestimmen zu lassen. Andere entscheiden, was für dich gut ist, Andere fördern und fordern dich.

Die Schule übt ein in ein Leben voller Anpassungszwänge, Konkurrenz­situationen und Leistungs­anforderungen. Das Ergebnis der Pisa-Studien ist nicht etwa, daß sie die Mängel eines Bildungssystems aufzudecken vorgeben, sondern die Pisa-Studien belegen vor allem, daß der Drill, daß die Unterwerfung unter fremde Normen immer noch nicht so richtig selbstbestimmt ablaufen. Denn die Leistungen, die dort gemessen werden, haben ihren Sinn nur darin, die Jungen und Mädchen möglichst früh auf die Erfordernisse eines fremdbestimmten Arbeitsmarktes zuzurichten. Kapitalistische Lohnarbeit dient nicht der Selbst­verwirklichung, sondern ist ein profitables Geschäft.

Wir reden meist nur von der Situation in Deutschland. Im weltweiten Vergleich haben wir es dabei noch verdammt gut. Wir stöhnen vollkommen zurecht über Leistungshetze und Konsumwahn. Wir werden mit Informationen und Anforderungen zugeballert, bis wir nicht mehr weiter wissen – und machen dann erst recht alles mit, Hauptsache, man und frau läßt uns endlich in Ruhe. Wir stöhnen unter dem täglichen Streß und sind nicht mehr in der Lage, Luft zu holen, einen klaren Gedanken zu fassen und vor allem, diesen Wahnwitz in Frage zu stellen.

Aber noch gibt es hier keine Hungersnöte, Massenepidemien oder die komplette Einstellung jeglicher Sozialleistungen. Noch besitzen wir eine materielle Grundversorgung, die es uns ermöglichen könnte, dem Wahnsinn ein Ende zu bereiten. Noch haben weder Weltbank noch Internationaler Währungsfonds hierzulande die Qualitätsstandards gesetzt.

Aber was rede ich da? Wir benötigen keinen IWF, um balla-balla zu werden. Wir benötigen nur eine Arbeitsagentur, einen Bundespräsidenten, einen lokalen Bundestags­abgeordneten, der Oberbürger­meister werden will, und natürlich die üblichen Fachleute wie zum Beispiel den Wirtschaftsweisen Bert Rürup. Und schon läuft das Geschäft mit der Zurichtung der Menschen auf die Bedürfnisse des Kapitals wie geschmiert. Zumindest solange, wie wir mitspielen.

Meine heutige Sendung soll Anregungen geben. Nicht alles, was in der kommenden Stunde zu hören sein wird, halte ich für sinnvoll oder praktikabel. Doch es gibt genügend Gründe, darüber nachzudenken – und es gibt noch viel mehr Gründe, sich diesem Wahn zu verweigern. Gemeinsam, organisiert und illusionslos. Das schöne Leben ist eine kapitalistische Illusion. Wer sich nicht einmachen lassen will, der oder dem bleibt gar nichts anderes übrig, als sich vom 24-stündigen Gehirnwäsche­vollprogramm zu befreien.

Zunächst wird die Redaktion GegenStandpunkt aus Stuttgart die Litanei hinterfragen, wonach Arbeitszeit­verlängerung und Lohnkürzung zu neuen Arbeitsplätzen führen soll. Doch von welcher Arbeitszeit wird hierbei eigentlich geredet? Stefan Zimmer von Radio Z aus Nürnberg sprach hierzu mit der Gewerkschafterin Mag Wompel und dem Sozial­wissenschaftler Nick Kratzer. Julia vom freien Radio Unerhört aus Marburg sinniert anschließend über die Proteste gegen Hartz IV: das kann doch noch nicht alles gewesen sein, oder doch?

Michael Liebler von Radio Z unterhielt sich auf der Frankfurter Buchmesse mit Norbert Trenkle, einem der Mitherausgeber des im Unrast Verlag erschienenen Buches „Dead Men Working“. Norbert Trenkle stellt die Arbeits­gesellschaft grundsätzlich in Frage und sucht nach Alternativen zu Arbeit, Arbeit und Arbeit [4]. Vom Umgang mit Sozialraubbau und anderen Unverschämtheiten handelt schließlich der Beitrag „Ich bin keine Wurst“, den ich auf dem Audioportal der Freien Radios fand.

 

Arbeitsam arm

Länger arbeiten, weniger verdienen! Dies ist das christliche Glaubensbekenntnis des Unternehmer­lagers nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland. Verlängerte Arbeitszeiten und weniger Lohn, vom systematischen Abbau der noch lange nicht ausreichenden sozialen Errungenschaften einmal ganz abgesehen, sollen angeblich neue Arbeitsplätze schaffen. Dies ist sogar wahr: tariflich abgesicherte Jobs werden abgeschafft und statt dessen nicht zuletzt mit Hilfe unserer modernisierten Arbeitsagenturen Niedriglohnjobs en masse eingeführt. Hartz IV macht's möglich. Die Redaktion GegenStandpunkt vom Freien Radio für Stuttgart hat sich über diese Zusammenhänge und Argumentations­stränge so ihre eigenen Gedanken gemacht. [5]

Die Debatte über die Arbeitszeit hat in diesem Land Tradition. Arbeitgeberverbände und ihre Politiker wie Walter Hoffmann oder Politikerinnen wie Silke Lautenschläger bringen ständig neue Vorschläge ein, wie die Arbeitszeit so verlängert werden kann, damit die notleidende deutsche Wirtschaft wieder international wettbewerbsfähig wird. Keine und niemand dieser Oberschlaumeier erklärt uns das Phänomen, wieso der deutsche Export gleichzeitig boomt und die Leute auf die Straße geworfen werden. Stefan Zimmer von Radio Z aus Nürnberg fragte deshalb vor zwei Wochen die Gewerkschafterin Mag Wompel und den Sozial­wissenschaftler Nick Kratzer, von welcher Arbeitszeit hier eigentlich geredet wird. [6]

Weniger Menschen malochen mehr, damit noch mehr Menschen entlassen werden können. Mehr Entlassene kosten den Staat Geld; Geld, das er eigentlich für profitablere Zwecke vorgesehen hat. Andererseits sollen Arbeitslose nicht auf der faulen Haut liegen, sondern auch ohne Job noch nützlich sein. Arbeitsagenturen, Jobcenter und Leiharbeits­firmen warten nur darauf, den Knebel fester zuzuziehen. Gegenwehr ist nötiger denn je. Doch die zarten Anfänge im Sommer diesen Jahres sind verpufft. Unser medial inszenierte Wirtschafts­gläubigkeit versucht uns weiszumachen, daß die Menschen eingesehen hätten, daß ihre eigene Ausplünderung durch Gesundheits­reform und Hartz IV notwendig und richtig sei. Ist das wirklich so? Oder woran liegt es denn tatsächlich, daß die Proteste abgeflaut sind? Julia von Radio Unerhört Marburg ist dieser Frage nachgegangen. [7]

So unerhört und so merkwürdig es klingen mag: Ist Arbeit wirklich eine Lebens­perspektive? Es geht hierbei nicht nur um kapitalistische Lohnarbeit. Norbert Trenkle stellt die Arbeitsorientierung und Warenproduktion grundsätzlich in Frage und ist Mitherausgeber des im Unrast Verlag erschienenen Buches „Dead Men Working“. Das Buch soll so etwas wie eine „Gebrauchs­anweisung zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs“ sein; ich habe das Buch in einer früheren Sendung deshalb auch schon besprochen. Michael Liebler von Radio Z aus Nürnberg traf sich mit dem Autor im Lesecafé auf der 9. Linken Literaturmesse in Nürnberg – herausgekommen ist dabei der nun folgende Beitrag. [8]

Jingle Alltag und Geschichte

mit dem Alltag und Geschichte Magazin. Mein heutiges Thema läßt sich mit den Worten Zermürbung und Zerstörung zusammenfassen. Im der ersten Stunde ging es um die Zurichtung für die Zumutungen eines freiheitlich-demokratischen Arbeitsmarktes. Im Verlauf der zweiten Stunde werde ich die gute Nachbarschaft in unseren Wohnstuben und unserem Lebensumfeld thematisieren. Am Mikrofon Walter Kuhl.

Arbeits- und Sozialkritik, wie von Norbert Trenkle vorgetragen, ist eine Sache, der Umgang mit den Zumutungen unseres konkreten Lebens jeden Tag eine andere. Auf dem Audioportal des Bundesverbandes Freier Radios fand ich folgenden anonym hochgeladenen Beitrag. Was tun, wenn die Arbeitsagentur ruft? Auch wenn der Apparat mächtig tut, allmächtig ist er nicht. Möglichkeiten, sich nicht jede Zumutung gefallen zu lassen, gibt es zuhauf. Denn – wie es im folgenden Beitrag heißt: „Ich bin keine Wurst!“ – Zum Umgang mit Sozialraubbau und anderen Unverschämtheiten [9]. Auch wenn diese Handlungs­anleitung und das damit verbundene Lebensmodell ein wenig naiv klingen mag – Naivität ist nicht verboten. Nur wer sich ein Mindestmaß an Naivität erhält, ist auch in der Lage, sich neugierig ungewohnten Gedankengängen zu nähern, noch fremde Menschen kennenzulernen und Vorurteile zu überwinden.

Doch was empfehlen uns statt dessen die freundlichen Herren Bert Rürup, Walter Hoffmann, Wolfgang Clement oder Edmund Stoiber: Arbeiten! Was empfiehlt uns freundlich lächelnd die Sozialministerin Silke Lautenschläger oder die [damals noch] verhinderte Bundeskanzlerin Angela Merkel? Stellt ja keine Ansprüche! Nein nein – das Anspruchsdenken überlassen wir doch besser denen, die etwas davon verstehen: den Vorständen und Aufsichtsräten von DaimlerChrysler, Opel und VW, den Managern von Karstadt-Quelle, der Telekom oder der Deutschen Bank. Deren Geschäft ist es ja ohnehin, ihre Lohnabhängigen zu zermürben und solidarische Gedanken und Zusammenhänge zu zerstören oder sie am besten gar nicht erst aufkommen zu lassen [10].

Insofern ist es nur konsequent, wenn der Geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds Präsident der Bundesrepublik Deutschland wird. Weiß er doch aus eigener Berufserfahrung, daß nur die besten Ärztinnen und Ärzte dieses Wahnsinns, der sich globaler Kapitalismus nennt, die richtige Medizin verabreichen können; eine Medizin, die in homöopathischen Dosen genossen Armut, Elend oder gleich den Tod bringt. In diesem Sinne wünsche ich ein frohes Fest!

Ihr hörtet hierzu im ersten Teil des heutigen Alltag und Geschichte Magazins folgende Beiträge:

 

Nachbarlich grausam

Besprechung von : Mittelweg 36, Heft 5/2004, € 9,50

Als die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk auf die Idee kam, den Bürger­medienpreis dieses Jahres zum Thema Mein Nachbar auszuschreiben, kam sie sicher nicht auf den Gedanken, daß Nachbarschaft eine ziemlich tödliche Angelegenheit sein kann. Auch die beiden Beiträge aus Darmstadt, die mit einem Preis ausgezeichnet worden sind, gingen eher von den normalen Bedingungen einer Nachbarschaft aus.

Zwar endete auch die eine Nachbarschaft tödlich – eine Frau, die ihr Leben nicht mehr in den Griff bekam und an den Folgen des sogenannten Messie-Syndroms starb. Die Nachbarinnen und Nachbarn schauten weg. Nennt man oder frau so etwas „passive Sterbehilfe“? Der andere Beitrag reflektierte eine gutbürgerliche Nachbarschaft: ein Mann lästert über die Nachbarn und verrät dabei eine ganze Menge über sich selbst. Alles ganz normal.

Beide auch auf diesem Sender ausgestrahlten Beiträge [11] wurden zurecht ausgezeichnet; dies soll auch gar nicht in Frage gestellt werden. Was jedoch außen vor bleibt, ist, daß Nachbarschaft eine gesellschaftliche Konstruktion der Sozialkontrolle ist, die nicht nur integriert, sondern auch ausschließt. Diesen Sachverhalt thematisiert die Oktoberausgabe der Zeitschrift Mittelweg 36 aus dem Hamburger Institut für Sozialforschung: „Tödliche Nachbarn.“

Ulrich Bielefeld eröffnet den Band mit einem Aufsatz über die Soziologie lokaler Gewalt. Gewalt unter Nachbarinnen und Nachbarn entsteht nicht im luftleeren oder gar herrschaftsfreien Raum. Im Gegenteil – Gewalt wohnt jeder staatlich organisierten Gesellschaft inne:

Alle Staaten bedienen sich tatsächlicher und potentieller Gewalt, um ihre Grenzen zu sichern, aber auch, um ihr Recht durchzusetzen. Grenzen und Recht setzen […] Gewalt voraus. Es ist schwierig bis unmöglich, sich einen Staat ohne irgendeine Form zentralisierter Gewalt vorzustellen. […] Die schon eingesetzte und die potentielle Gewalt verfolgen dabei den Versuch, die behauptete innere und äußere Souveränität zu realisieren, die Fiktion des unabhängigen, selbstbestimmten Kollektivs zu verwirklichen. [12]

Hierbei handelt es sich um Gewalt, die mit Macht verbunden ist. Der Staat ist somit nicht nur die Summe aller Ordnungsmaßnahmen oder – in der marxistischen Tradition – der ideelle Gesamtkapitalist. Dies auch. Aber der Staat ist auch die organisierte Gewalt; und diese organisierte Gewalt verfolgt ein Ziel. Woraus folgt:

Kollektive Gewalt, noch diejenige, die sich spontan auszudrücken scheint, ist praktisch nie ausschließlich situativ. Sie ist es faktisch dann nie, wenn sie auf die Herstellung oder Verteidigung eines vorgestellten, geforderten oder realisierten politischen Kollektivs zielt. Das Lokale ist der Ort, an dem sich spontane, aus der spezifisch-nachbarschaftlichen Situation sich ergebende Gewalt und situativ gewalttätige Aktionen mit kollektiver, d.h. ideologisch, administrativ und/oder politisch angeleiteter Gewalt vermischen. [13]

Manchmal, so meint Ulrich Bielefeld, diene der Einsatz staatlicher Gewalt anderen als den genannten Zwecken; es geht also nicht um die Herstellung oder Absicherung innerer und äußerer Sicherheit. Ungleichheit und Diskriminierung erfordern demnach eine ganz andere Gewalt. Da kapitalistische Gesellschaften nun einmal ungleich und diskriminierend sind, müßte man und frau den Gedanken eigentlich umdrehen. Das, was Ulrich Bielefeld für den normalen Staat hält, ist eine Illusion, weil das „manchmal“ Vorhandene der gesellschaftliche Normalzustand ist – mit gewissen Abstufungen in der Entgrenzung dieser Gewalt.

Diese Gewalt betrifft nicht nur den Körper des jeweilig anderen, sondern sie schafft lokale Strukturen der Gewalt. Nachbarschaft spielt im Kontext lokaler Gewalt eine wichtige Rolle. Sie ist nicht der Ort, an den die staatlichen Strukturen nicht hingelangen. Ganz im Gegenteil: Nachbarschaft gehört zur Struktur lokaler Gewalt. […] Nachbarschaft ist als ein besonderer sozialer Ort beschreibbar, an dem sich Nähe und Macht mischen. [14]

Nachbarschaftliche Gewalt, ausbrechende Gewalt, ist nicht einfach da, pur, situativ. Sie ist eingebettet in vorhandene Gewaltstrukturen, wirkt durch sie, drückt diese Strukturen aus.

Sie nutzt als kollektive Gewalt […] nachbarschaftliche Strukturen und vermischt sie mit ideologischen Begründungen, administrativen Diskriminierungen und politischen Aktionen und Organisationen. [15]

Nicht jede Aggression, die sich hochschaukelt, endet tödlich. Normalerweise wird Gewalt gegenüber Nachbarinnen und Nachbarn, Menschen, die wir kennen, als verwerflich abgelehnt, obwohl sie natürlich immer wieder geschieht. Hingegen kann Gewalt gegenüber Menschen aus der Nachbarschaft, die wir zwar kennen, aber nicht als zugehörig betrachten, akzeptiert, begrüßt und gefördert werden. Zugehörigkeit, Identität und Abgrenzungen sind der Nährboden derartiger Gewalt. Diese Gewalt dient der Gemeinschafts­bildung und wird in nationale, kulturelle, ethnische Codes überführt, transformiert. Wir definieren uns durch die Anderen; wir sind wir und die Anderen sind die Anderen. Womit die Grenzziehung die Wurzeln der Entgrenzung einpflanzt. Der damit verbundene Ausschluß von Nachbarinnen und Nachbarn

beendet nicht nur die Freundschaft als einen Mechanismus zur Friedenserhaltung, sondern begrenzt die Freundschaft, die die Gewalt unter Freunden, den Krieg unter Gleichen verhindern und machmal eben: nicht verhindern hilft. [16]

Diese Gewalt hat etwas mit Grenzsetzungen zu tun und führt gleichzeitig darüber hinaus. Nachbarschafts­streits können sich an der Frage entzünden, ob Grenzsteine heimlich versetzt worden sind. Hier streiten zwei prinzipiell Gleiche mit allen Mitteln, aber eben als Gleiche. In dem Moment, wo Nachbarinnen und Nachbarn ausgeschlossen werden, geht es nicht mehr um das Versetzen von Grenzsteinen, sondern darum, überhaupt Grenzen setzen zu dürfen. Wer keine Grenzen mehr setzen darf, erfährt im Gegenzug folglich entgrenzte Gewalt.

»Vor Ort« verbinden sich die »großen Themen« der nationalen oder auch der Welt-Politik, um aus den nebenan untergebrachten Flüchtlingen eine Gefahr, um aus den Nachbarn anderer Religion oder Herkunft eine gefährliches Kollektiv von Anhängern einer nichtmodernen Religion und auch, um aus Nachbarn, mit denen ich schon immer in der Straße gewohnt habe, Verdächtige oder Feinde zu machen. Immer wieder werden einige den Verdacht tatsächlich bestätigen, tun einige, was man ihnen unterstellt. Aber schlimmer noch, immer wieder werden andere nicht das tun, dessen sie verdächtigt werden, nicht so aussehen, wie sie doch aussehen sollten, und nicht zu offensichtlichen Vertretern der Gruppe werden, zu der sie doch gehören, oder sie werden sich zumindest nicht so verhalten, wie doch angenommen wird, daß sie sich verhalten sollten oder müßten. Dieser Aspekt der Unsicherheit, der inhärenten Unklarheit und Unbestimmtheit ethnischer Zuschreibungs­kategorien selbst führt in bestimmten Situationen nicht dazu, die Kategorien als das anzusehen, was sie sind, nämlich allgemeine Sammelkategorien mit großen Unschärfen, sondern die Welt so gestalten zu wollen, daß ebenjene Kategorien wenigstens einigermaßen zutreffen. Je fiktiver die Kategorien sind, je weniger sie die Realität beschreiben, desto zerstörerischer und schließlich krimineller werden die Anstrengungen, die Wirklichkeit nach den Kategorien zu gestalten. [17]

Woraus folgt: Gegen Wahnvorstellungen läßt sich nicht oder nur sehr, sehr schwer rational argumentieren [18]. Ulrich Bielefeld führt seine theoretisch formulierten Gedankengänge dann an zwei Fallbeispielen praktisch vor Augen. Zum einen geht er auf die Asyldebatte und die damit verbundene Verfolgung von Flüchtlingen in diesem unserem Land ein; zum anderen beschreibt er den Bürgerkrieg in Nordirland.

 

Befreundet verfeindet

Die Direktorin des Bucerius Instituts zur Erforschung der deutschen Gesellschaft und Zeitgeschichte Yfaat Weiss geht der Frage nach, was passiert, wenn der Nachbar von einst an deine Tür klopft. Yfaat Weiss bezieht sich auf die literarische Aufarbeitung der Vertreibung der arabischen Bevölkerung im Zuge der israelischen Staatsgründung. Nachbarinnen und Nachbarn wurden vertrieben oder blieben; Jahrzehnte später kehren die Vertriebenen zu ihren damaligen Häusern zurück.

Die polnische Lyrikerin Wisława Szymborska hat in ihrem Gedicht »Ende und Anfang« eine mögliche Lösung eines nicht lösbaren Problems von Besatzung, Vertreibung und gegenseitigen Ansprüchen formuliert; eine Lösung, die vielleicht schockieren mag: manchmal könnte es besser sein zu vergessen, statt zu erinnern. Ein Zuviel an Wissen, so Yfaat Weiss, könne einem friedlichen Zusammenleben sogar eher abträglich sein. Erinnerung kann auch eine schwere Last sein. Aber die Zeit ist hierfür noch nicht reif, meint sie:

Die Entwicklung vom todfeindlichen zum gleichgültigen Nachbarn mag sich genauso gut im Prozeß des Vergessens vollziehen. [19]

Um hinzuzufügen: natürlich sei dies leicht gesagt, wenn man und frau auf Seiten der Sieger steht; weshalb ich diesem Vorschlag des Vergessens nicht so recht folgen mag. Zwar würde jede gute Psychoanalytikerin ergänzen, daß der Sinn der Aufarbeitung das Hervorkramen des Verdrängten ist, nur um es dann umso leichter vergessen zu können. Aber Geschichte und Zusammenleben sind ein anderer Prozeß, der aktive Aufarbeitung und den Willen verlangt, die Verhältnisse abzuschaffen, die zu Gewalt und Tod geführt haben.

Cover Mittelweg 36Eine andere, nicht weniger gewalttätige Nachbarschaft beschreibt Stefanie Schüler-Spingorum in ihrem Aufsatz über lokale Gewalt im Baskenland. Mir scheint, sie unterschätzt die bis heute reale Gewalt des spanischen Repressions­apparats und die damit verbundenen guten Gründe, sich dieser Gewalt zu widersetzen. Die Autorin bezieht sich hierbei zu sehr auf die einer mehr militärischen als politischen Logik folgenden Gewalt der ETA, anstatt zu sehen, daß die gerade bei baskischen (männlichen allerdings!) Jugendlichen vorherrschenden Widerstandsformen nicht unbedingt mit der Logik der ETA übereinstimmen. Eine Perspektive ist allerdings auch hier nicht zu sehen. Ob und inwieweit der baskische Nationalismus wirklich spanienfeindlich ist, wäre eine eigentlich erst noch genauer zu untersuchende Fragestellung.

Elazar Barkan geht auf einen anderen Aspekt ehemaliger Nachbarschaft ein: Was geschieht mit Flüchtlingen, die im Zuge ethnischer Säuberungen oder anderer Vertreibungen aus ihrer Heimat flüchten mußten? Anhand der Umsetzung des Dayton-Abkommens zeigt er, was zu erwarten war: eine große Bereitschaft der jeweiligen neuen Gebietsbesitzer, die ehemaligen Nachbarinnen und Nachbarrn wieder zurückkehren zu lassen, ist nicht zu erkennen. Der Sinn einer ethnischen Säuberung ist ja schließlich nicht die Rückkehr der Vertriebenen. Das ist deutschen Ausländerbehörden jedoch öfter egal – Hauptsache, die Geflohenen lassen sich abschieben.

Allerdings zeigt sich auch, und das umso mehr in Regionen, an denen die westlichen Musterdemokratien ohnehin wenig Interesse haben, daß an irgendeine Form von Nachbarschaft oder Rückkehr oder anderen menschenwürdigen Lebensverhältnissen kaum zu denken ist. Kongo, Ruanda oder möglicherweise derzeit der Sudan wären hier als Beispiel zu nennen. Der Grundsatz der 1993 verabschiedeten »Wiener Erklärung und Aktionsprogramm«, daß es ein Recht auf Zuflucht in anderen Ländern genauso geben soll wie das Recht auf Rückkehr ins eigene Land, ist das Papier nicht wert, auf dem er steht.

Und solange wir in einer kapitalistisch organisierten gewaltförmigen Welt leben, ist mit jeder Rückkehr von Vertriebenen und Flüchtlingen ein neuer Konflikt geradezu vorauszusehen. Das Völkerrecht ist eine nützliche Sache, fragt sich bloß, für wen?

Michael Wildt beschäftigt sich mit deutscher Geschichte – dem Antisemitismus und der Volksgemeinschaft in der deutschen Provinz; wobei er sich vor allem auf Hessen bezieht, was den Aufsatz aus lokalgeschichtlicher Sicht für uns interessant machen könnte.

»Volksgemeinschaft« war durchaus kein exklusiver nationalsozialistischer Begriff. Das Wort erfuhr seine erste Hochkonjunktur bereits im Sommer 1914 […] [20]

und ergriff fast ausnahmslos alle politischen Richtungen vom Hohenzollernkaiser bis zur Sozialdemokratie.

Während der Begriff etwa für die Sozialdemokraten einen klassen­versöhnlerischen Sinn besaß, gewissermaßen als Synonym für die Einheit aller Schaffenden gegen eine verschwindende Minderheit von Großkapitalisten fungierte, war die »Volksgemeinschaft« auf der Rechten […] vor allem durch Grenzziehungen und Ausschluß […] bestimmt. Nicht so sehr die Frage, wer zur »Volksgemeinschaft« gehört, beschäftigte die Rechte, als vielmehr die Entscheidung, wer nicht zu ihr gehören durfte, allen voran die Juden. [21]

Michael Wildt zeigt, wie die »Volksgemeinschaft« hergestellt wurde durch die Ausgrenzung der Anderen, vor allem der Jüdinnen und Juden, und auch, wie dies in der hessischen Provinz inszeniert wurde. Die vorhandene Nachbarschaft wurde als Gewaltressource genutzt; und damit bin ich beim abschließenden Aufsatz von Jan Philipp Reemtsma angelangt. Ungewöhnlich der von ihm benutzte Argumentations­rahmen, denn es sind Donald Duck-Comics, in denen Nachbarschafts­konflikte und Grenzziehungen dargestellt sind. Was wird hier gezeigt?

Die Nachbarschaftsgrenze ist […] von eigener Art. Sie ist die Grenze, die darum so schwierig zu beschreiben ist, weil sie diejenige ist, bei der ihr So-Sein als Grenze die entscheidende Rolle spielt: also daß, nicht was sie begrenzt. […] Die Grenze zwischen Nachbarn ist an sich berührungssensibel. [22]

Nachbarschaftskonflikte werden deshalb auch nie gelöst; denn es ist die Grenze selbst, die sensibel ist. Und solange wir Grenzen benötigen, sind derartige Konflikte nie zu beseitigen. Eine Gesellschaft ohne Grenzen hätte so gesehen gewisse Vorteile. Bis wir jedoch dorthin kommen, wird die gutnachbar­schaftliche Vertreibung Anderer zum friedensstiftenden Merkmal:

Gewalt als gemeinsam begangen, als gebilligt, als mitgewußt, als vertuscht, verschwiegen, oder, je nachdem, als etwas, dessen man sich gemeinsam rühmt. Es ist das identitätsstiftende Wissen darum, einer Gemeinschaft von Schweinehunden anzugehören, die nur in der Gemeinschaft mit ihresgleichen Anerkennung und Zuwendung genießen. Dort aber um so mehr. Die Grillparty wird fortgesetzt als Biwak, in den Stand der Gnade tritt jeder erneut und immer wieder ein durch fortgesetztes Begehen unerhört grausamer und unerhört feiger Gewalttaten. Aber er ist dort, wo keiner den ersten Stein wirft. Wo sonst kann man so sicher sein? [23]

Mittelweg 36 ist die Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Die von mir soeben vorgestellte Oktoberausgabe kostet 9 Euro 50; das Abo mit 6 Heften pro Jahr kostet 48 Euro.

 

Tödlich männlich – eine Art Nachruf auf Tatjana Jordan

Radio Darmstadt und sein Trägerverein RadaR e.V. trauern um Tatjana Jordan und Karl Pathenschneider. Beide wurden aus ihrem Leben und auch aus ihrem mit Freude ausgeübten Hobby hier auf diesem Sender abrupt herausgerissen. Der Tod durch Erschießen mag hierzulande noch ungewohnt sein, in anderen Ländern dieser Erde gehört dieser Tod zum Alltag. Alltäglich hingegen ist hierzulande die ganz normale Gewalt gegen Frauen, insbesondere häusliche Gewalt gegen Frauen.

Die Frauenrechtsorganisation Terre des femmes hat daher in Zusammenarbeit mit dem engagierten englischen Kosmetikunternehmen The Body Shop die Kampagne „Stoppt häusliche Gewalt“ ins Leben gerufen. Laut einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend soll jede vierte Frau schon einmal das Opfer häuslicher und/oder sexueller Gewalt geworden sein. Wir leben am Beginn des 21. Jahrhunderts in einem vorgeblich aufgeklärten Land. Da gibt es Politikerinnen und Politiker, die sich über den frauenfeindlichen Islam und dessen Vorbeter in unserem Land ereifern. Dabei geht die Gewalt – wie so oft – von denen aus, die selbst mit dem Finger auf Andere zeigen.

Gewalt gegen Frauen ist Alltag. Und mitunter auch tödlicher Alltag – Tatjana Jordan ist aus ganz normalen Motiven eines ganz normalen Mannes ermordet worden. Ihr Lebensgefährte Karl Pathenschneider war diesem ganz normalen Mann ebenfalls im Weg; und wenn der Wahnsinn einmal Methode hat, dann finden Männer immer ihren Weg. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, daß Tatjanas Ex-Ehemann Rußlanddeutscher ist.

Kultur und Tradition, Waffenausbildung und Bildung sind vollkommen nebensächlich, wie ein Vorfall am darauf folgenden Tag beweist. Es gab zwischen beiden Vorfällen jedoch einen Unterschied. Die Nachbarinnen und Nachbarn von Tatjana sahen weg; in Weiterstadt führte das couragierte Eingreifen einer Nachbarin im weiteren Sinne dazu, daß ein Mann das Leben einer Frau nicht beenden konnte.

Und auch hier war es ein Ex-Ehemann, der aus ganz normalen männlichen Motiven zuschlug. Hier war es keine Pistole, sondern eine Axt. Die Art der Waffe ist nebensächlich; Männer finden immer ihren Weg. Die Angestellte eines Sonnenstudios in Weiterstadt war jedoch informiert; sie kannte den Mann, der seine Ex-Ehefrau belästigte und bedrohte. Und sie handelte bei aller Aufregung besonnen, warnte die Frau, holte Hilfe herbei. Und dann zum Schluß die Parallele zum Mord in Eberstadt: nachdem der Mann sein blutiges Werk vollendet glaubte, setzte er sich hin und rauchte eine Zigarette [24]. Tatjanas Ex-Ehemann ging nach den Schüssen zu einem Nachbarn und übergab ihm dann ruhig die Tatwaffe. Doch es gab einen wesentlichen Unterschied:

Petra Neumann-Prystaj beschreibt im Darmstädter Echo eine wohl ziemlich typische Situation [25]. Als die Schüsse fielen und die schreienden Kinder zu hören waren, glaubte man nur an das übliche Türenknallen, den üblichen Gewalt- und Lärmpegel – und mischte sich nicht ein. In diesem Fall wäre es dazu auch zu spät gewesen; aber wieviele Male vorher mag es gegeben haben? Dennoch ist es zu einfach, den Nachbarinnen und Nachbarn die Schuld zu geben. Denn es gibt noch eine andere Ebene – und Fragen.

Tatjanas Ex-Ehemann hatte eine richterliche Auflage zu erfüllen, ihrer Wohnung nicht zu nahe zu kommen. Auch der Mann mit der Axt aus Weiterstadt hatte eine solche Auflage; und ignorierte sie. Er konnte sie ignorieren, weil keine Instanz diese Auflage durchzusetzen bereit war. Die Gewalttätigkeit von Tatjanas Ex-Ehemann war aktenkundig und der Polizei bekannt. Aber die Polizei könne nichts tun, wenn nichts geschehe, hieß es. Ja, und wenn es dann geschehen ist, kann sie auch nichts mehr tun.

Aber das Ungeheuerliche hierbei ist leider gesellschaftliche Realität; sie kommt ziemlich häufig vor. Obwohl Tatjanas Ex-Ehemann als gewalttätig bekannt war, erhielt er das Umgangsrecht für die gemeinsamen Kinder, mit der Folge, daß er zwangsläufig die richterliche Auflage, der Wohnung nicht zu nahe zu kommen, verletzen mußte. Wer denkt sich so etwas aus? Kann dieser Mann, kann diese Frau noch ruhig schlafen? [26]

Es heißt immer – Kinder brauchen einen Vater. Brauchen Kinder wirklich einen Vater, der ihre Mutter bedroht und schließlich umbringt? Ist das die Logik deutscher Jugendämter und Familiengerichte? Ja, genau das ist die Logik. Es kommt häufiger vor, als wir wahrhaben wollen. Gewalt in der Familie, Gewalt gegen Frauen wird geduldet – ja muß man und frau nicht sagen: gefördert? – solange es um die Rechte der Väter geht. Frauen haben, wenn es darauf ankommt, keine Rechte [27].

Das ist nicht einfach nur der ganz normale kapitalistische Wahnsinn; hier wird ein ideologisches Programm durchgesetzt. Konsequenterweise kürzt die hessische Landesregierung die Zuschüsse für Frauenhäuser, obwohl diese mehr denn je gebraucht werden.

Sprecher : Zuhause, da sind wir sicher. Hier können wir entspannen und vor der Welt entfliehen. So jedenfalls hätten wir es alle gerne. Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Für viele Menschen ist „zuhause“ ein Ort der Angst und des Schmerzes. Mißhandlungen durch Ehemann, Freunde oder Lebenspartner gehören für viele Frauen und Kinder in Deutschland zum Alltag. Deshalb fliehen jährlich 40.000 Frauen mit ihren Kindern in Frauenhäuser. Bis sie sich endlich dazu entschließen, vergehen oft Jahre. Bis dahin werden sie geboxt, getreten, gewürgt, an den Haaren gezogen, durchs Zimmer geschleift, mit dem Kopf gegen Wände geschlagen und die Treppen hinunter gestoßen. Jeder dritte von uns war schon einmal Zeuge von gewaltsamen Handlungen unter Partnern. Und jeder vierte hat nichts dagegen getan, weil er meint, daß es ihn nichts angeht. Daß häusliche Gewalt keine Privatsache, sondern ein Verbrechen ist, meinen dagegen 80% der Deutschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von The Body Shop. Das englische Kosmetik­unternehmen hat gemeinsam mit der Menschenrechts­organisation Terre des femmes die Kampagne „Stoppt häusliche Gewalt!“ ins Leben gerufen, damit das Thema endlich ins öffentliche Bewußtsein rückt. Jeder kann mithelfen. Zum Beispiel erhalten Kunden in den Filialen von The Body Shop spezielle Briefumschläge, mit denen man sein altes Handy portofrei an einen Verwerter schicken kann. Für jedes eingesandte Handy erhält Terre des femmes dann 3 Euro 50. [28]

Christa Stolle zu den Zielen von Terre des Femmes:

Terre des femmes ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für Frauen und Mädchen. Unser Ziel ist es, daß zukünftig Frauen selbstbestimmt und frei und in Würde überall leben können. Das heißt befreit von Gewalt, befreit von Genitalverstümmelung, Frauenhandel, Ehrenmorden oder auch häuslicher Gewalt.

Es gibt viele Möglichkeiten für die betroffenen Frauen zu handeln. Hierzu Christa Stolle:

Frauen können sich an Institutionen wenden. Es gibt in Deutschland verschiedene Beratungsstellen, Frauenhäuser, wohin sie sich wenden können und auch Hilfe bekommen. Frauen können lernen, sich selbstbewußter zu verhalten, sich gegnüber der Gewalt des Mannes bzw. auch gegenüber seiner Dominanz sich durchzusetzen, sich auch daraus zu befreien, auch auszuziehen aus der gemeinsamen Wohnung und unabhängig zu leben.

Tatjana Jordan hat so einiges davon umgesetzt; letztlich hat es ihr nichts genutzt. Anlaufstellen sind wichtig, keine Frage; ob dies deshalb ein Grund ist, sie finanziell auszutrocknen, wäre eine eigene Untersuchung wert. Wichtig sind jedoch auch Menschen, welche die Gewalt wahrnehmen und eingreifen.

Christa Stolle : Der Bürger und die Bürgerin können Zivilcourage zeigen, auf die Frau zugehen, ihnen Adressen an die Hand geben, sagen, daß sie nicht alleine dastehen, daß viele Frauen davon betroffen sind, daß das nicht selbstverständlich ist, daß sie in so einer Situation leben muß, daß es Möglichkeiten gibt, sich daraus zu befreien, daß es Menschen gibt, die ihnen helfen, ein eigenständiges Leben aufzubauen, daß sie sich auch trennen können von ihren gewalttätigen Männern, daß sie mit ihren Kindern Zuflucht suchen können in Frauenhäusern, daß sie später auch eine eigene Wohnung beziehen können, wo der Mann keinen Zutritt hat – das alles können Bürger und Bürgerinnen diesen betroffenen Frauen mit auf den Weg geben und sie darin auch unterstützen, sie eventuell auch begleiten zu einer Beratungsstelle, um diesen Frauen damit auch Unterstützung zu geben.

Tatjana Jordan war mehr als nur eine Kollegin für uns. Sie hat versucht, viel von dem umzusetzen, was Christa Stolle allen Frauen empfiehlt, die mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind. Radio Darmstadt war für Tatjana eine Möglichkeit, sich selbstbewußt und selbstbestimmt ein eigenes Leben ohne Gewalt aufzubauen. Vieles davon war vielleicht halbherzig, vieles nicht klar genug angegangen. Wer lange Gewalt erlitten hat, hat es schwer, auch die Gewalt zu erkennen, die anderen angetan wird, eben weil sie so selbstverständlich erscheint. Und doch ist sie ihren Weg gegangen.

Behalten wir sie so in Erinnerung, auch als Ermutigung für andere Frauen, die mit denselben gewalttätigen Männern zusammen leben oder die gerade dabei sind, sich von ihnen zu befreien.

In einer Männergesellschaft gibt es jedoch keine Garantie für das Gelingen dieses Befreiungsversuchs. Tatjanas Tod zeigt dies nur allzu deutlich. So wichtig es ist, das Bewußtsein für häusliche Gewalt zu vertiefen, so deutlich ist auch, daß die gesellschaftlichen Institutionen immer auch Machtverhältnisse widerspiegeln. In einer Männergesellschaft können solche Institutionen – Jugendämter, Familiengerichte, Sozialverwaltungen oder Landesregierungen – nur schwerlich andere Interessen berücksichtigen als die ihrer Auftraggeber.

Diese Verhältnisse sind es, die es einem ganz normalen Mann ermöglicht haben, unsere Freundin Tatjana Jordan und unseren Freund Karl Pathenschneider zu töten. Mögen wir ihrer mit der Konsequenz gedenken, diese Verhältnisse zu bekämpfen.

 

Instinktlos

Ende letzter Woche erhielt Radio Darmstadt eine Karte der Darmstädter SPD-Fraktion zugesandt. Angesichts des auch in der Tagespresse und im Hessischen Rundfunk ausführlich erwähnten Todes von Tatjana und Karl gingen wir davon aus, ein Kondolenzschreiben zu erhalten. Doch weit gefehlt – die SPD-Fraktion schrieb:

Angesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes danken wir Ihnen für Ihr Engagement zugunsten der Stadt und ihrer Bürger. Es trägt zur Gestaltung eines lebendigen Gemeinwesens bei.

Für das Jahr 2005 wünschen wir Ihnen persönlich alles Gute, Gesundheit und die Kraft, die Herausforderungen des Alltags gut zu bewältigen.

Dieses Jahr ist für unsere Stadt besonders wichtig, denn am 6. März 2005 wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt.

Unser Wahlmotto ist auch unser Wunsch für die Zukunft:
Darmstadt gemeinsam bewegen.

Unterschrieben wurde diese Karte von der SPD-Fraktions­vorsitzenden Sabine Seidler und

Walter Hoffmann
Ihr Kandidat für das Oberbürgermeisteramt

Instinktlosigkeit scheint in dieser Gesellschaft weit verbreitet zu sein [29].

 

Schluß

Jingle Alltag und Geschichte

Ihr hörtet das Alltag und Geschichte Magazin auf Radio Darmstadt. Diese Sendung wird am Donnerstagvormittag von 10.00 bis 12.00 Uhr wiederholt. Die nächste Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte wird am kommenden Montag um 17.00 Uhr oder in der Wiederholung am Dienstag ab 8.00 Uhr zu hören sein, nämlich: Hinter den Spiegeln mit Katharina Mann und Niko Martin. Es folgt nun die Rhyth-Mix Night mit Bastian Ahrens. Am Mikrofon war Walter Kuhl.

 

ANMERKUNGEN
Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

»» [1]   Zu Horst Köhler siehe die kritische Seite www.koehler-iwf.de, die biographischen Informationen des Internationalen Währungsfonds, sowie den Hintergrundartikel von Ute Reissner.

»» [2]   Das Darmstädter Echo übernimmt am 14. Dezember 2004 ein dpa-Foto und unterlegt es mit den Worten: „Mutmacher: Mit geballter Faust hat Bundespräsident Horst Köhler Menschen in den Straßen der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba erklärt, sie selbst hätten es in der Hand, für eine bessere Zukunft des afrikanischen Lands zu sorgen. Dazu hat jetzt auch Deutschland beigetragen: Während Köhlers Besuch wurde ein Abkommen unterzeichnet, das Äthiopien seine Schulden aus Handels­geschäften mit deutschen Firmen erlässt, für die der Bund bürgt.“ Diese 67 Millionen Euro stellen natürlich nur einen Bruchteil der Ressourcen dar, welche das nordostafrikanische Land im Laufe der Jahrzehnte in die Metropolen des Weltmarkts transferiert hat.

»» [3]   Darmstädter Echo am 18. November 2004.

»» [4]   Meine Besprechung des Buchs „Dead Men Working“ findet sich im Manuskript zur Sendung Schuldgefühle vom 27. September 2004.

»» [5]   Der Beitrag kann derzeit weder angehört noch heruntergeladen werden. Die 2004 frei verfügbaren Beiträge fielen einem Relaunch der Webseite dergestalt zum Opfer, daß Beiträge wie dieser und die folgenden, bei denen nicht geklärt wurde, ob sie GEMA-verdächtiges Material enthalten, vorsorglich in den internen Bereich gestellt wurden. Im Originalmanuskript folgte eine kurze Abmoderation.

»» [6]   Der Beitrag kann derzeit weder angehört noch heruntergeladen werden. Im Originalmanuskript folgte eine kurze Abmoderation.

»» [7]   Der Beitrag kann derzeit weder angehört noch heruntergeladen werden. Im Originalmanuskript folgte eine kurze Abmoderation.

»» [8]   Der Beitrag kann derzeit weder angehört noch heruntergeladen werden. Im Originalmanuskript folgte eine kurze Abmoderation.

»» [9]   Der Beitrag kann derzeit weder angehört noch heruntergeladen werden. Im Originalmanuskript folgte eine kurze Abmoderation.

»» [10]   Bezeichnend ist es, wenn einer der Propheten der Anspruchssteller, der UNS vorhält, unser Anspruchsdenken sein zu lassen, nämlich der CDU-General­sekretär Laurenz Meyer, im Dezember 2004 dabei ertappt worden ist, wie er fleiß nebeneinander her Politik betrieben und Wirtschaftstantiemen eingestrichen hat. Das ist jedoch keinen Skandal wert. Ein derartiges Anspruchsdenken ist absolut kompatibel mit einer im Sinne profitabler Verwertung anspruchsvollen Wirtschaftsordnung. Laurenz Meyer ist natürlich nicht der einzige, der sich ein bißchen Taschengeld dazu verdient.

»» [11]   Bevor die neoliberale Gedankenlosigkeit 2006 den Sender übernahm und mit jedem Webseiten-Relaunch mehr und mehr der eigenen Radiogeschichte entsorgte, war es möglich, die mit dem Bürger­medienpreis ausgezeichneten Beiträge ganz oder teilweise auf der Webseite von Radio Darmstadt anzuhören. Inhaltlich qualitative Beiträge passen eben nicht zu einem Programm, das hauptsächlich aus der besten Musik des selbst­referenziellen Mainstreams und den scheppernsten Konserven der eigenen Vergangenheit besteht.

»» [12]   Ulrich Bielefeld : Gewalt, Nachbarschaft und Staat. Eine Soziologie lokaler Gewalt, in: Mittelweg 36, Heft 5/2004, Seite 5–22, Zitat auf Seite 7.

»» [13]   Bielefeld Seite 6–7.

»» [14]   Bielefeld Seite 8.

»» [15]   Bielefeld Seite 9.

»» [16]   Bielefeld Seite 10–11.

»» [17]   Bielefeld Seite 12–13.

»» [18]   Vermutlich finden sich derlei Mechanismen in jeder Gemeinschaft, angefangen vom Wohnungskollektic bis hin zum Radioverein, und darüber hinaus. Die Geschichte von Radio Darmstadt seit 2006 ist diesbezüglich ein wahres Füllhorn, nachzuvollziehen in meiner zugehörigen Dokumentation.

»» [19]   Yfaat Weiss : Wenn der Nachbar von einst an deiner Tür klopft, in: Mittelweg 36, Heft 5/2004, Seite 23–33, Zitat auf Seite 33.

»» [20]   Michael Wildt : »Wir wollen in unserer Stadt keine Juden sehen«. Antisemitismus und Volksgemeinschaft in der deutschen Provinz, in: Mittelweg 36, Heft 5/2004, Seite 83–102, Zitat auf Seite 85.

»» [21]   Wildt Seite 86.

»» [22]   Jan Philipp Reemtsma : Nachbarschaft als Gewaltressource, in: Mittelweg 36, Heft 5/2004, Seite 103–120, Zitat auf Seite 112.

»» [23]   Reemtsma Seite 120.

»» [24]   Darmstädter Echo am 9. und 10. Dezember 2004.

»» [25]   Petra Neumann-Prystaj : Tödliche Schüsse in Eberstadt, in: Darmstädter Echo am 8. Dezember 2004. Haftbefehl lautet auf Doppelmord, 9. Dezember 2004. Anteil am Schicksal der Kinder, 18. Dezember 2004.

»» [26]   Ich gehe davon aus: Die Selbstgerechten finden immer eine Rationalisierung, damit sie mit den Auswirkungen ihrer Entscheidungen gut leben und umso besser schlafen können. Wenn die Betroffenen damit nicht so gut leben können, dann ist das eben ein unvermeidlicher Kollateralschaden des Patriarchats.

»» [27]   Siehe hierzu die Sendung »Mütter klagen an« aus der Sendereihe „Hinter den Spiegeln“, gesendet am 16. Dezember 2003 auf Radio Darmstadt.

»» [28]   Diese und die nachfolgenden Audioeinspielungen entstammten einer Audio-CD zur Kampagne „Stoppt häusliche Gewalt!“

»» [29]   Bemerkenswert an diesem Schreiben ist die Selbstverleugnung einer Fraktionsvorsitzenden und die männliche Überheblichkeit eines Kandidaten. Vielleicht ist es aber auch nur so, daß das Engagement für Bürger selbstverständlich ist und die Bürgerinnen sehen können, wo sie bleiben; wenn von ihnen nicht ohnehin Engagement erwartet wird – für die Bürger. Noch ist es ein Gerücht, daß am 6. März 2005 ein Oberbürgermeister gewählt wird. Sollte Walter Hoffmann nicht die Gabe besitzen, in die Zukunft schauen zu können, oder davon ausgehen können, daß schon dafür gesorgt werden wird, daß ein Mann den Job bekommt, dann ist darauf hinzuweisen, daß mit Daniela Wagner für die Grünen sich eine Frau für dieses Amt bewirbt, die durchaus ernsthafte Chancen hat, auch gewählt zu werden. Meine Kandidatin ist sie jedoch ebensowenig wie Walter Hoffmann oder Wolfgang Gehrke. –– Für den Autismus der Macht spricht hier, daß die Zyniker/in uns Kraft für die Herausforderungen des Alltags wünschen. Vielleicht sollte ich darauf hinweisen, daß Walter Hoffmann als treuer Gefolgsmann von Wolfgang Clement und der Agenda 2010 mitverantwortlich dafür ist, daß wir diese Kraft wahrhaftig benötigen. –– Um abschließend noch einmal auf die Instinktlosigkeit zurückzukommen: Auf der Webseite von Radio Darmstadt war ein Bild von Tatjana Jordan zu sehen, auf dem bei genauerem Hinschauen der Button zugunsten des Kandidaten Walter Hoffmann zu erspähen ist. Tatjanas Verhältnis zu Walter Hoffmann war jedoch zwiespältig. Sein Verhalten beim Bejubeln des Warlords von Tschetschenien – Wladimir Putin – hat sie rundweg abgelehnt. Putin und sein Krieg in Tschetschenien waren ihr ein Greuel. Nicht zufällig verfaßte sie einen Spendenaufruf für die Kinder von Beslan.


Diese Seite wurde zuletzt am 24. Juni 2013 aktualisiert. Links auf andere Webseiten bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2004, 2013. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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