Cover Broschüre zum Prozeß gegen Monika Haas
Broschüre zum Prozeß [1]

Phantomverbrechen

Der Prozeß gegen Monika Haas

Sendemanuskript

 

Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte

Radio: Radio Darmstadt

Redaktion und Moderation: Walter Kuhl

Ausstrahlung am:

Montag, 9. November 1998, 17.00 bis 17.55 Uhr

Wiederholt:

Dienstag, 10. November 1998, 08.00 bis 08.55 Uhr
Dienstag, 10. November 1998, 14.00 bis 14.55 Uhr

Zusammenfassung:

Anläßlich des bevorstehenden Urteils des Oberlandesgerichts Frankfurt wegen der angeblichen Beteiligung an der Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut im Oktober 1977 führte ich ein Gespräch mit der angeklagten Monika Haas. Der Inhalt des Gesprächs liegt nicht in Textform vor, eine Aufzeichung des Gesprächs kann bei einem begründeten Interesse zur Verfügung gestellt werden.

 


 

Inhaltsverzeichnis

 


 

Einleitung

Vor dem Frankfurter Oberlandesgericht findet seit etwa zweieinhalb Jahren der Prozeß gegen Monika Haas statt. Monika Haas politisierte sich über die Studentenbewegung und arbeitete Anfang der 70er Jahre in den Komitees gegen Folter mit. Diese Komitees richteten sich gegen die Praktiken von Polizei, Justiz und Gefängnissen im Umgang mit den politische Gefangenen in der BRD. Es waren vorwiegend Gefangene aus der Roten Armee Fraktion und der Bewegung 2. Juni.

Als politische Aktivistin geriet Monika Haas schnell in das Visier der Staatsschutzbehörden; sie wurde observiert, während Mitstreiterinnen und Mitstreiter schnell kriminalisiert wurden. 1975 entschloß sie sich, sich einer möglichen drohenden Verhaftung zu entziehen und emigrierte in den Südjemen.

Im Jemen hielt sie sich in einem Camp der PFLP auf, der Volksfront für die Befreiung Palästinas. Solidarität mit dem Befreiungskampf der Palästinenserinnen und Palästinenser war damals für weite Teile der deutschen Linken selbstverständlich, und so zögerte Monika Haas nicht, als sie gebeten wurde, für die PFLP einen Brief nach Nairobi in Kenia zu bringen.

Doch sie wurde dort im Januar 1976 vom israelischen Mossad und kenianischen Sicherheitskräften erwartet und verhaftet. Ihr wurde angedroht, sie verschwinden zu lassen, wenn sie nicht eine bestimmte Palästinenserin nach Nairobi locken würde. Zum Schein ging sie darauf ein und konnte nach Aden im Südjemen zurückkehren.

Hier nahm eine Geschichte ihren Anfang, die Monika Haas Jahre später ins Gefängnis und vor Gericht brachte. Um Monika Haas bei bestimmten Fraktionen der palästinensischen Befreiungsbewegung zu diskreditieren, wurde ihr die Zusammenarbeit mit dem Mossad und später auch mit anderen Geheimdiensten angedichtet. Die Stasi, also das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, griff diese Verdächtigung auf, um damit ihrerseits im Nahen Osten Politik zu machen.

Bundesdeutsche Geheimdienste wiederum nutzen den Verdacht gegen sie, um einen ihrer Informanten innerhalb der palästinensischen Befreiungsbewegung zu schützen. Nachdem Stefan Aust im Spiegel 1992 Monika Haas als Beteiligte der Landshut-Entführung hingestellt und ihr zudem Agentinnentätigkeit für mehrere westliche Geheimdienste unterstellt hatte, muß bei einigen Geheimdiensten Panik ausgebrochen sein.

Stefan Aust versuchte im Spiegel zu beweisen, daß deutsche Behörden von Operationen palästinensischer Kommandos nicht nur gewußt, sondern sie sogar gedeckt hatten, um ihren Informanten nicht enttarnen zu müssen. Er kam der Wahrheit offensichtlich sehr nahe, nur verdächtigte er die falsche Person. Die Saat der Verdächtigungen, die seit 1976 gestreut wurden, ging auf.

Wegen der Beteiligung an der Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut im Oktober 1977 wurde Monika Haas kurz darauf erstmals verhaftet, mußte jedoch wieder freigelassen werden, da dem Bundesgerichtshof die Angaben in den Stasi-Akten, auf denen sich der Haftbefehl gründete, nicht ausreichend erschienen.

Die Bundesanwaltschaft ließ jedoch nicht locker. Sie trieb in Norwegen die einzige Überlebende des Palästinenserkommandos auf, das die Landshut entführt hatte. Es handelt sich dabei um Souhaila Andrawes.

Unter der Androhung, ihr in Deutschland den Prozeß zu machen, der womöglich mit einer lebenslangen Haftstrafe für sie enden würde, konnte Andrawes als Kronzeugin gegen Monika Haas gewonnen werden. Kurz nach dieser Aussage wurde Monika Haas erneut verhaftet, seit Anfang 1996 steht sie vor Gericht. Nach zweieinhalb Jahren Untersuchungshaft wurde sie im März 1997 entlassen, muß sich jedoch weiter vor Gericht verantworten. Für kommenden Montag wird die Urteilsverkündung erwartet.

Über die Hintergründe dieses Prozesses sprach ich letztes Wochenende mit Monika Haas. Am Mikrofon ist Walter Kuhl.

 

Gespräch

Der Inhalt des Gesprächs liegt nicht verschriftlicht vor.

 

Schluß

Monika Haas sprach es schon an: die Kosten ihrer Verteidigung sind für sie unbezahlbar. Deshalb wurde von einer UnterstützerInnengruppe, dem Forum für Monika Haas, ein Unterstützungsfonds gebildet. Spenden für ihre Verteidigung können auf folgendes Konto eingezahlt werden:

Cornelia Spohn, Konto 610 6510 bei der Ökobank Frankfurt/Main, BLZ 500 901  00. [2]

Der Prozeß gegen Monika Haas wird voraussichtlich am kommenden Montag, also am 16. November, zu Ende gehen. Wenn dann bei einer doch wohl eher wahrscheinlichen Verurteilung Gründe in der Öffentlichkeit genannt werden, so sollten sie vor dem Hintergrund des Interviews, das ich mit Monika Haas geführt habe, gesehen werden.

Am morgigen Dienstagabend (oder, wenn ihr die Wiederholung hört, heute abend) berichtet der Hessische Rundfunk in seiner Fernsehsendung Das starke Stück der Woche ebenfalls über diesen Fall. Die Sendung ist in Hessen 3 ab 20 Uhr 15 zu sehen.

Durch die Sendung führte Walter Kuhl. Realistischerweise zu erwarten ist, daß das folgende Stück das Lügengespinst nicht wegblasen wird. [4]

 

ANMERKUNGEN

 

Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

 

»» [1]   Herausgeber und Verleger: Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V., Köln 1996.

»» [2]   Über die Aktualität des Spendenkontos kann zehn Jahre danach keine Aussage getroffen werden.

»» [3]   Monika Haas wurde am 16. November 1998 zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. In ihrem Schlußwort ging sie am 5. November 1998 noch einmal auf die Absurdität der Anklage und den Verurteilungswillen der Bundesanwaltschaft (und des Staatsschutzsenats) ein. Am 11. Februar 2000 verwarf der Bundesgerichtshof den Revisionsantrag der Verteidigung von Monika Haas. Im Februar 2001 sah das Bundesverfassungsgericht die Verhandlungsführung des Strafsenats gerade noch im Grenzbereich einer erlaubten Verfahrensgestaltung und nahm die Verfassungsbeschwerde von Monika Haas nicht zur Entscheidung an.

»» [4]   Diese Bemerkung bezog sich auf das nachfolgend gespielte Stück Blow The House Down von Siouxsie and the Banshees.

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 29. Februar 2008 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 1998, 2001, 2008. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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