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Image und Akzeptanz

Radio Darmstadt

Image und Akzeptanz von Radio Darmstadt

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2000

 

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Auf dieser Seite werden einzelne Aussagen der "Image– und Akzeptanzuntersuchung nichtkommerzieller Lokalradios in Hessen", auszugsweise dokumentiert. Diese Untersuchung wurde im Jahr 2000 im Auftrag der LPR Hessen durchgeführt und 2001 veröffentlicht.

Quelle:
Image– und Akzeptanzuntersuchung nichtkommerzieller Lokalradios in Hessen
Eine Untersuchung im Auftrag der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen)
Autoren: Helmut Volpers / Christian Salwiczek / Detlef Schnier
Schriftenreihe der LPR Hessen, Band 13
KoPäd–Verlag, München 2001
ISBN 3–934079-31–8, € 14,50
http://www.kopaed.de/kopaedshop/index.php?PRODUCT_ID=189

 


 

Regionalspezifische und publizistische Rahmenbedingungen sowie Programmprofile der untersuchten NKL[1]

Radio Darmstadt hat sein Verbreitungsgebiet am Rande des südhessischen Ballungsraums im Rhein-Main-Neckar-Dreieck. Das Kernverbreitungsgebiet ist das Stadtgebiet Darmstadt mit 135.000 Einwohnern und 27.000 Studierenden. RADAR hat von den untersuchten NKL die bei weitem höchste technische Reichweite: 197.000 Personen werden mit voller Empfangsqualität erreicht (plus 157.000 mit bedingter Versorgung). RADAR richtet sich einerseits an das großstädtische Darmstädter Publikum, andererseits aber auch an die Bevölkerung des Umlandes. Erreicht wird die Bevölkerung bis 10 Kilometer Umkreis vom Stadtrand, d.h. in Pfungstadt, Weiterstadt, Groß-Gerau, Dieburg, Starkenburg, Griesheim, Roßdorf. Im Osten erstreckt sich das Sendegebiet bis zur Stadtgrenze (Odenwald), im Westen ist das Empfangsgebiet weiterreichend. Das Verbreitungsgebiet von RADAR ist somit vergleichsweise großräumig und gibt dem Sender den Charakter eines Regionalradios. Diesem Umstand wird versucht, Rechnung zu tragen, indem der Sender seine Aktivitäten auch in die Region verlängert, d.h. mit Übertragungen aus Randgemeinden innerhalb des Sendegebietes.

Das Programmprofil von RADAR ist weniger klar konturiert als diejenigen von RUM [2] und RFM [3]. Die Programmpraxis weist ein großes Themenspektrum auf, ist hierbei aber weitaus stärker durch Unterhaltungsformen geprägt – sowohl in Wort als auch Musik. Unter dem organisatorischen Oberbegriff "Unterhaltungsredaktion" fallen 16 verschiedene "Personalityshows", wovon ca. die Hälfte populäre Musik spielen [4]. Der Sender hat ein 24–stündiges Programm, das (außer am Wochenende) ab 24 Uhr in der Nacht mit Wiederholungen gefüllt wird. Sendebeginn ist um 06 Uhr (am Wochenende um 07 Uhr) mit dem Morgenmagazin "Radiowecker". Im Programm sind mehrmals täglich in unregelmäßigem Rhythmus Weltnachrichten zu hören, die vom DeutschlandRadio eins zu eins übernommen werden. Täglich um 17:55 Uhr werden Lokalnachrichten in der Sendung "O–Ton" ausgestrahlt [5]. Es gibt regelmäßige fremdsprachige Sendungen, wobei sieben Sprachen Berücksichtigung finden [6].

In zahlreichen Sendungen werden im großen Umfang Jingles und Trailer eingesetzt. Die Musikfarbe ist im Tagesprogramm ähnlich wie bei RFM auf Mainstream bzw. Chartmusik ausgerichtet. Der Moderationsstil ist "locker", die Zuhörer werden zum Großteil geduzt. Insgesamt erhält das Programm streckenweise die Anmutung eines Begleitprogramms.

Vorrangiges Medium der off–air–promotion für RADAR war bisher das monatlich in einer Auflage von rund 5.000 Exemplaren erscheinende Programmheft. Aus Kostengründen wurde mittlerweile die günstigere Variante des Folders eingeführt, der durch eine Firma an markanten öffentlichen Stellen Darmstadts ausgelegt wird. Der Sender ist unter "www.radiodarmstadt.de" im Internet präsent. Die Homepage weist ausführlich auf die Kooperationspartner (Sponsoren) des Senders hin.

 

Das Image bei lokalen Funktions- und Entscheidungsträgern [7]

Der Bekanntheitsgrad von RADAR bei den Darmstädter Funktions– und Entscheidungsträgern ist hoch, alle Befragten gaben an, den Sender zu kennen. Höher als bei RFM und RUM ist die Nutzung des Programms, 80 Prozent hören das Programm zumindest sporadisch. Die Bedeutung des NKL innerhalb des Spektrums der lokalen Publizistik wird differenziert gesehen: Während man für eine breite Bevölkerung dem Sender eine geringe Bedeutung zumisst, wird sie für die Zielgruppen des Programms als hoch angesehen. Grundsätzlich wird dem Sender eine geringe Breitenwirkung unterstellt. Er erscheint aus Sicht der "Eliten" als ein sehr gruppenspezifisch ausgerichtetes Angebot, wodurch sich eine Begrenzung seiner Wirkung ergebe. Da bei den Funktions– und Entscheidungsträgern in Darmstadt eine vergleichsweise gute Programmkenntnis vorliegt, sind hier die Antworten zur Programmpraxis ausführlicher und differenzierter als bei den beiden anderen NKL. Die Hörer empfinden das Wortprogramm weitgehend als ambivalent, sowohl inhaltlich als auch in der Präsentation wird eine große Schwankungsbreite in der Qualität wahrgenommen. Zwar wird die häufig amateurhafte Machart einzelner Programmstrecken bei diesem Sendertyp hingenommen, aber dennoch Potenziale zur Qualitätssteigerung vermutet. Die Musikfarbe des Senders wird als jugendlich, peppig empfunden, allerdings als nicht besonders innovativ.

Allgemein werden als Stärken des Senders genannt:

Als Schwächen der Programmpraxis erscheinen:

Ein zusammenfassendes Meinungsbild der Funktions– und Entscheidungsträger fällt hier schwerer als bei den beiden anderen NKL, da es insgesamt sehr ambivalent ist. Der Programm erscheint den meisten Befragten als ein unüberschaubares und wenig profiliertes Angebot. Die Qualität der einzelnen Sendungen wird als sehr schwankend empfunden, wodurch sich keine generelle Bewertung vornehmen lasse. Allgemein sind die Befragten der Meinung, dass man aus der Existenz des NKL für Darmstadt "mehr machen könnte" als dies bei der gegenwärtigen Radiopraxis der Fall ist. Hier wird vor allem das offenkundige Fehlen einer koordinierenden "Zentralredaktion" als möglicher Ansatzpunkt gesehen.

 

Nutzung und Hörerbindung: [10]

Alle NKL werden weitgehend nur an einigen Wochentagen gehört. Es dominiert eine Nutzungsfrequenz von 1–3 Tagen pro Woche. Definiert man diejenigen Hörer, die ihr jeweiliges NKL an vier und mehr Wochentagen hören als Stammhörer, ergeben sich die in Abb. 9 dargestellten Werte. [11]

Bezogen auf die Stammhörer innerhalb der WHK-Hörer [12] ergibt sich für alle NKL in Hessen ein Mittelwert von rd. 21 Prozent, hiervon weicht RFM mit knapp 18 Prozent deutlich nach unten ab. Den weitaus höchsten Anteil an Hörern, die für ihren NKL keine kontinuierliche Nutzungsfrequenz angeben, hat RUM mit fast 42 Prozent. Dies ist ein Indikator dafür, dass das Programm stärker als die anderen beiden NKL als Einschaltprogramm (ereignis– oder programmbezogen) gehört wird. Die Hörfrequenz zeigt deutlich, dass die NKL als Ergänzungsprogramme zusätzlich zu einem "Erstsender" gehört werden. Dies wird auch dadurch erhärtet, dass Exklusivhörer, die ausschließlich das NKL nutzen, überhaupt nicht vorkommen.

Die durchschnittliche Verweildauer beim Programm pro Tag ist bei RUM und RADAR ziemlich ähnlich [13]: Gut 55 Prozent hören das Programm zwischen ein und zwei Stunden an den Einschalttagen. Rund 40 Prozent nutzen das Programm mehr als zwei Stunden. Kurzhörer unter einer Stunde sind bei diesen beiden Programmen mit 5 Prozent die Ausnahme.

Markant unterschieden von der üblichen Hörfunknutzungskurve ist die tageszeitliche Nutzung der NKL-Programme. Grundsätzlich steigt die NKL-Nutzung im Bereich des frühen Abends – im Vergleich zur sonstigen Tagesnutzung – bei allen NKL an. Wobei sich hier wiederum interessante Unterschiede im Binnenvergleich erkennen lassen: [14]

Ähnlich ist es bei RADAR, wo das Morgenprogramm, der "Radiowecker" eingeschaltet wird, am Vormittag, Mittag und frühen Nachmittag hingegen kaum gehört wird. Die zweite Nutzungsspitze im RADAR-Programm liegt dann zwischen 17–19 Uhr (kulturelle und politische Themensendungen sowie Lokalnachrichten).

Diesen Nutzungskurven entspricht auch, dass die NKL kaum am Arbeitsplatz gehört werden. Über 90 Prozent der Befragten aller NKL gaben an, ihr NKL-Programm ausschließlich in der Freizeit zu hören.

Nutzungsveränderungen bzw. Zuwächse und Verluste von Hörern sind bei den drei untersuchten NKL in unterschiedlichem Maße festzustellen: Den größten Anteil an Hörern, die das Programm bereits seit über einem Jahr hören, hat RADAR mit knapp 77 Prozent, gefolgt von RUM mit beinahe 70 und RFM mit knapp 66 Prozent. Die größte Steigerung in der Häufigkeit des Einschaltens hat RFM mit 14 Prozent, gefolgt von RUM mit 7 und RADAR mit 5,4 Prozent.

Die Hörerbindung an die NKL-Sender wurde über zwei Indikatoren ermittelt: Die "Vermissensfrage" in der Reichweitenerhebung und die "Verzichtbarkeitsfrage" in den Intensivinterviews [15]. Bei der Vermissensfrage zeigt sich die stärkste Hörerbindung eindeutig bei RFM, den über 66 Prozent der WHK-Hörer sehr vermissen würden.

Die Frage nach der Verzichtbarkeit des NKL wurde in den Intensivinterviews mit Stammhörern gestellt. Im Unterschied zur Vermissensfrage ging es hierbei um eine Konkurrenzentscheidung zwischen den NKL und den anderen genutzten Hörfunkprogrammen. Hier zeigt sich, dass die Bindung an das NKL bei den meisten Hörern schwächer ist, als an die sonst genannten Programme. Als unverzichtbar innerhalb ihres individuellen Hörfunkmixes nannten jeweils 30 Prozent RFM und RUM. Bei RADAR ist die Bindung mit 50 Prozent der Hörer, die den Sender als unverzichtbar bewerten, deutlich höher. Hierin ist ein Indikator dafür zu sehen, dass insbesondere RFM und RUM als Ergänzungsangebot innerhalb des Hörfunkmixes genutzt werden, während RADAR für viele Hörer offenbar den Charakter eines Begleitprogramms hat, dem höhere Priorität bei der Nutzung zugewiesen wird.

 

Akzeptanz der Sender und Programme allgemein: [16]

Wie bereits durch die Reichweitenerhebung deutlich wurde, ist das Interesse der Hörerschaft an der Berichterstattung über lokale kulturelle Aktivitäten besonders groß. Aus diesem Grund wurden die Stammhörer gefragt, ob ihrer Meinung nach über die örtlichen kulturellen Aktivitäten vom jeweiligen NKL ausreichend berichtet würde. Für RUM und RADAR zeigen die Ergebnisse mit jeweils 95 Prozent eine große Bejahung dieser Frage. Bei RFM ist hingegen aus Sicht von knapp 27 Prozent der Befragten ein Defizit in der lokalen Kulturberichterstattung gegeben.

 

Stärken-Schwächen-Profile der untersuchten NKL: [17]

Am wenigsten eindeutig konturiert ist offenbar das Programmangebot von RADAR. Hier sind die Anzahl der Nennungen für die einzelnen Stärken und Schwächen am geringsten und die Profilbildung vergleichsweise indifferent. Immerhin begrüßen über 30 Prozent der Stammhörer das vielfältige Themenspektrum des Programms und knapp 30 Prozent loben die lokale Berichterstattung. Als Schwäche wird auch hier die Unprofessionalität genannt, allerdings wird sie in zwei Bereichen explizit verortet. Während über 30 Prozent die Laienhaftigkeit des Journalismus und der Moderation beklagen, beziehen sich knapp 30 Prozent ausdrücklich auf bemerkbare technische Pannen, insbesondere den häufigen Ausfall ganzer Sendungen.

 

Bewertung einzelner Programmstrecken: [18]

Nach Ansicht der Teilnehmer der Gruppendiskussionen in Darmstadt lehnt sich die Musikfarbe im Tagesbegleitprogramm von RADAR größtenteils sehr eng an den Mainstream an, der in den etablierten Radioprogrammen verbreitet wird: "… kann man aber auch einen anderen Sender einschalten, läuft ungefähr das gleiche." Es werden "die gängigen Sachen" gespielt, "Kaugummimusik, die nicht weh tut". Ein Teil der Hörer zeigt Verständnis dafür, damit sich ein breites Publikum auf der Frequenz wieder– bzw. zusammenfinden kann. Andere kritisieren das musikalische Imitationsverhalten, und das dahinterstehende fehlende eigene Musikkonzept: "unter aller Kanone" und "schalte auf Dauer ab". Erklärt wird dieses Phänomen der mangelnden Unterscheidbarkeit damit, dass die Produzenten dieser Morgens– bzw. Magazinsendungen zumeist "normale Leute mit einem normalen Musikgeschmack" seien. Da im Sender offenbar die Maxime vertreten werde, "dass jeder Radio machen darf, der es möchte" [19], darüber hinaus mangels sendereigenem Musikarchiv jeder seine private Musiksammlung einbringt, könne im Ergebnis nur eine am Mainstream orientierte Musikfarbe herauskommen.

Hinsichtlich der Verpackung (Jingles und Trailer) gibt es nahezu ein einhelliges Urteil bei den Teilnehmern der Gruppendiskussionen. Machart und Einsatzhäufigkeit werden fast durchgehend kritisch beurteilt: "Das sind fast schon kommerzielle Jingles", "schon zu professionell für RADAR", "das hört sich an, als wäre man bei HR 3". Als Hintergrund ist zu erwähnen, dass ein Großteil der Jingles in der Tat beim HR produziert wurde. Was die Einsatzhäufigkeit betrifft, fühlt man sich "an die kommerziellen Radios" erinnert, auf RADAR herrsche teilweise die "Jingle-Mania" [20]. Diese Einschätzung deckt sich mit einem Teilergebnis der Programmbeobachtung, dass einige Sendungen regelrecht "totgejingled" werden, ein Befund, der auch im Gespräch von einem Vorstandsmitglied eingestanden wurde.

Kritik richtet sich auch auf die beiden Tagesbegleitmagazine "Radiowecker" (6–8 Uhr) [21] und "Infomagazin" (16–17 Uhr), die allein aufgrund ihrer Platzierung im Sendeschema eigentlich eine lokale Informationsgebung erwarten lassen. Statt dessen werden jedoch vorwiegend Servicefunktionen wahrgenommen: u. a. halbstündliche Verkehrsmeldungen (deren Sinnhaftigkeit angezweifelt wird) sowie der Wetterbericht in einer regelmäßigen Liveschaltung mit dem Deutschen Wetterdienst Offenbach. Teilweise dient das "Darmstädter Echo" als Informationsquelle für mehr oder weniger belanglose Kurzmeldungen aus aller Welt – je nachdem, welches Team gerade die redaktionelle Verantwortung für den Tag trägt [22]. Redaktionelle Beiträge mit hintergründiger Rechercheleistung finden kaum Eingang in diese Sendeplätze. Bereits die Anmoderationen geben Aufschluss darüber, welches Selbstverständnis im Vordergrund steht: es handelt sich um Unterhaltungssendungen. Bezeichnenderweise ist der "Radiowecker" organisatorisch der Unterhaltungsredaktion zugeordnet.

Bemängelt wird von den Hörern darüber hinaus, dass RADAR keine bzw. kaum Themen setzt bzw. initiiert, die dann von anderen Medien aufgegriffen werden könnten. Hierbei werden jedoch die strukturellen Rahmenbedingungen (geringe Finanzen und ehrenamtliches Personal) als mögliche Erklärung herangezogen. Es wird aber auch eingeräumt, dass "bis vor eineinhalb Jahren alles anders [im Sinne von: besser] war". Im Zuge von grundsätzlichen senderinternen Diskussionen, Entscheidungen und Vorstandsumbesetzungen hat offensichtlich ein Wandel stattgefunden, der auf das Programm durchgeschlagen ist und von der Hörerschaft seismographisch registriert wurde. [23]

Kritisch gesehen wird teilweise das journalistische Selbstverständnis der Lokalnachrichten, die mit dem Sendetitel "O–Ton" täglich um 17:55–18:05 Uhr ausgestrahlt werden. Offensichtlich ein ungeliebter, weil arbeitsintensiver Sendeplatz, denn es finden sich kaum ehrenamtliche Mitarbeiter, die für ein regelmäßiges Erscheinen der Sendung sorgen. Der Journalismus zeichnet sich teilweise dadurch aus, dass offizielle Akteure ein Forum erhalten, wo sie ungeschnitten und unkommentiert ihre Statements verbreiten können. "Da merkt man RADAR als Hörer an, dass dort absolute Kompetenz, absolute Reflexion fehlt." Und: "Das Problem ist die Lokalpolitik, die ist völlig unterrepräsentiert. Da könnte man noch viel mehr machen und politisch wirksam werden." [24]

Weitere Aspekte der Gruppendiskussionen waren das wenig konturierte Selbstverständnis des Senders (Konzept, Anspruch), d. h. die teilweise auch mangelnde Unterscheidbarkeit zu traditionellen Hörfunkangeboten, die eingeschränkte publizistische Ergänzung sowie Defizite in der öffentlichen Präsenz und bei der sprachlichen Professionalität (Verbesserung u. a. des Journalismus durch Schulungen). Einen markanten Gegenpol zu diesem Bild von RADAR bilde jedoch u. a. die Redaktion "Alltag & Geschichte" mit Sendeplätzen wie "Kapitalverbrechen", "Tinderbox" etc., die ausgesprochen anspruchsvolles Programm aufweise und mit politisch linksgerichteten und kritischen Inhalten überzeuge. [25] [26]

Bei RADAR gibt es eine Besonderheit, die sich auch in den Gruppendiskussionen dokumentierte. Hier rangiert der politische Sendeplatz "Alltag & Geschichte" noch vor dem Frühmagazin "Radiowecker" und belegt damit das große Interesse an anspruchsvollen Inhalten. Ähnlich große Aufmerksamkeit erzielen die Sendungen "Treffpunkt Eine Welt" und "KultTourKalender". Dem folgen verschiedene Sendeplätze wie "Aurel & Werner" (Oldies), "FriDa" (Frauen), "Kommunalpolitik" und "O–Ton" (Lokalnachrichten). Auf den weiteren Plätzen finden sich dann zahlreiche Musiksendungen und sonstige Themensendungen wieder.

 

Statistischer Anhang

Technische Reichweite, laut Telekom Support Sender am 15. Dezember 1999 :
  Voll versorgt : 197.041 Personen
  Bedingt versorgt: 157.110 Personen

Die Grundgesamteinheit der Untersuchung bildet die jeweilige deutschsprechende Wohnbevölkerung ab 14 Jahren in den Empfangsgebieten. Hieraus wurde eine repräsentative Stichprobe von jeweils 500 Personen befragt. Die Befragung wurde als Computer Assisted Telephone Interview (CATI) durchgeführt. [27]

Bekanntheitsgrad von Radio Darmstadt : 79,4% von 499 Befragten
Wichtige Ergänzung zum sonstigen Radionangebot : 30 von 35 befragten lokalen Funktions– und EntscheidungsträgerInnen
Kopie der üblichen Radiosender : 5 von 35 befragten lokalen Funktions– und EntscheidungsträgerInnen

GelegenheitshörerInnen von Radio Darmstadt :
  44,9% [224] von 499 Befragten
  Umgerechnet auf technische Reichweite vollversorgt : 88.471 Personen
  Umgerechnet auf technische Reichweite bedingt versorgt : 70.542 Personen

Weitester HörerInnenkreis (letzte 14 Tage) von Radio Darmstadt :
  7,0% von 499 Befragten
  15,7% von 224 GelegenheitshörerInnen
  Umgerechnet auf technische Reichweite vollversorgt : 13.793 Personen
  Umgerechnet auf technische Reichweite bedingt versorgt : 10.998 Personen

HörerInnen gestern (Tag vor der Befragung) von Radio Darmstadt :
  1,5% von 499 Befragten
  21,0% von 35 Befragten des WHK

Hörfrequenz pro Woche :
  normalerweise gar nicht : 1 der 35 Befragten des WHK
  1 Tag pro Woche : 8 der 35 Befragten des WHK
  2 Tage pro Woche : 6 der 35 Befragten des WHK
  3 Tage pro Woche : 2 der 35 Befragten des WHK
  4 Tage pro Woche : 1 der 35 Befragten des WHK
  5 Tage pro Woche : 1 der 35 Befragten des WHK
  6 Tage pro Woche : 0 der 35 Befragten des WHK
  jeden Tag : 6 der 35 Befragten des WHK
  unterschiedlich : 10 der Befragten des WHK [28]

Nutzungsverhalten :
  23,1% von 224 Befragten nutzen Radio Darmstadt seit weniger als einem Jahr
  76,9% von 224 Befragten nutzen Radio Darmstadt schon länger als ein Jahr
  5,4% von 224 Befragten hören Radio Darmstadt im Vergleich zu früher häufiger
  55,7% von 224 Befragten hören Radio Darmstadt unverändert häufig
  38,8% von 224 Befragten hören Radio Darmstadt im Vergleich zu früher seltener
  34,7% von 224 Befragten würden Radio Darmstadt sehr vermissen
  52,0% von 224 Befragten würden Radio Darmstadt weniger vermissen
  13,2% von 224 Befragten würden Radio Darmstadt gar nicht vermissen

Sozialdaten der HörerInnen von Radio Darmstadt : [29]
  111 Männer, 113 Frauen (+)
  38 14–29 Jahre, 56 30–39 Jahre (+), 78 40–59 Jahre (+), 49 >60 Jahre
  44 Volks–/Hauptschule, 71 Mittlere Reife (+), 53 (Fach–)Hochschulreife, 45 abgeschlossenes Studium (+)
  84 (+) wohnten seit ihrer Kindheit in Darmstadt, 117 (+) mehr als 5 Jahre, 22 weniger als 5 Jahre

Parteienpräferenzen :

Parteialle n=238NichthörerInnen n=125HörerInnen n=115WHK n=29
CDU25,2%29,6%20,0%17,2%
SPD52,9%55,2%50,4%37,9%
Grüne17,6%11,2%25,2%3,4% [30]

Stärken-Schwächen-Profil
Gefragt wurden hierbei die 31 TeilnehmerInnen der Intensivinterviews.
+ vielfältiges Themenspektrum : 32 Prozent
+ lokaler Bezug / Berichterstattung : 29 Prozent
+ zugangsoffen : 19 Prozent
+ Werbefreiheit : 13 Prozent
+ flotte Musikfarbe : 10 Prozent
+ Zielgruppensendungen : 10 Prozent
– Unprofessionalität (Moderation) : 35 Prozent
– technische Pannen / Sendungsausfall : 29 Prozent
– zu viel Musik : 13 Prozent

 

ANMERKUNGEN

 

[1]   Seite 18 und 19 der Studie

[2]   Radio Unerhört Marburg

[3]   Rundfunk Meißner

[4]   Hierzu Anmerkung 14 der Studie: Vgl. Lizenzantrag, Juni 1999 (Verbesserte Version)

[5]   Hierzu Anmerkung 15 der Studie: Hierzu ist allerdings anzumerken, dass diese Sendung aufgrund personeller Engpässe oft ausfällt.

[6]   Hierzu Anmerkung 16 der Studie: Das sind die Sprachen spanisch, portugiesisch, persisch, russisch, iranisch, kurdisch, türkisch.

[7]   Seite 31 und 32 der Studie

[8]   Ob hier einige Hörerinnen und Hörer gedacht haben, Radio Darmstadt würde alles und jedes senden, nur weil es eingereicht worden ist? Wenn ja: welche Anspruchshaltung ist hiermit verbunden?

[9]   Was sagt uns das? Ist der damit verbundene Anspruch ein Radio von Heinern für Heiner?

[10]  Seite 40 bis 45 der Studie

[11]  Die Werte betragen demnach für Rundfunk Meißner 2,1%, für Radio Unerhört Marburg 1,1% und für RADAR 1,7%.

[12]  Als WHK (weitester Hörer/innen/kreis) wird hier eine mindestens einmalige Nutzung des Mediums in den vergangenen 14 Tagen zugrunde gelegt.

[13]  Hierzu Anmerkung 21 der Studie: Die Ergebnisse dieses Abschnitts resultieren aus den Intensivinterviews.

[14]  Der Absatz über Rundfunk Meißner und Radio Unerhört Marburg wird auf dieser Seite zu Radio Darmstadt nicht wiedergegeben.

[15]  Hierzu Anmerkung 22 der Studie: Die konkrete Verzichtbarkeitsfrage lautet: Auf welchen der von Ihnen genannten Sender könnten Sie verzichten?

[16]  Seite 73 der Studie

[17]  Seite 74 der Studie

[18]  Seite 83 bis 86 der Studie

[19]  Hierzu Anmerkung 25 der Studie: Der Höreindruck des Auditoriums geht dahin, dass teilweise so genannter "Bedürftigkeitsrundfunk" praktiziert würde. Bestätigt wird diese Vermutung von Intensivhörern mit Nähe zum Sender, die von einem "Auffangbecken für Minderheiten" sowie einer "Streetworker-Rolle" des Senders sprechen.

[20]  Hierzu Anmerkung 26 der Studie: Hörer: "Da kriege ich als Hörer die Krise, da werde ich richtig wütend, dass die mir das antun, mir als Hörer das aufs Ohr zu drücken."

[21]  Hierzu Anmerkung 27 der Studie: Hörer: "Der 'Radiowecker' ist bei RADAR das A und O, da geht kein Weg dran vorbei."

[22]  Hierzu Anmerkung 28 der Studie: Das Organisationsprinzip von verschiedenen Teams, die diesen Sendeplatz nach persönlichem Gusto gestalten, lässt eine Parallele zu RUM erkennen, allerdings weisen die Inhalte bei RADAR ein eher unpolitisches Anspruchsniveau auf.

[23]  Interessant, wen die Hörerinnen und Hörer für Veränderungen im Programm verantwortlich machen, wo doch nicht der Vorstand, sondern der kaum wahrgenommene Programmrat und die dort vertretenen Redaktionen das Programm gestalten.

[24]  Die Lieblingsfloskeln aller Kritikerinnen und Kritiker lauten: "Man könnte …", "Man sollte …", "Man müßte …". Der Witz dieser Argumentationsfigur ist, daß von einem nichtkommerziellen Lokalradio wie Radio Darmstadt offensichtlich eine Dienstleistung erwartet wird, die man und frau selbst jedoch nicht erbringen will. Anders ausgedrückt: Andere sollen die eigenen Bedürfnisse (als entfremdete Arbeit!) befriedigen und dafür ihre Freizeit opfern. Dabei läge doch nichts näher, als das, was zugestandenermaßen im Programm absolut unterrepräsentiert ist oder gar fehlt, eigenverantwortlich selbst (!) zu gestalten.

[25]  Hierzu Anmerkung 29 der Studie: Die Redaktion ist sehr stark gebunden an die Person Walter Kuhl, der gleichzeitig auch im Vorstand tätig ist. – Weitere anspruchsvolle Sendeplätze wären u. a. "KultTourKalender", "Kultur + Literatur", "Aus Wissenschaft und Technik", "Treffpunkt Eine Welt" oder das "Nachtfalter Magazin".

[26]  Ein sich anschließender Absatz über Rundfunk Meißner und Radio Unerhört Marburg wird hier nicht wiedergegeben.

[27]  Seite 21 der Studie

[28]  Die Zahlen in Tabelle 7 auf Seite 40 ergeben jedoch eigentlich keinen Sinn. Wenn die Datenbasis die "Hörer des WHK" sein sollen, aber gleichzeitig für RADAR "n=35" angegeben wird (das wären die "Hörer gestern"), dann sind die angegebenen Prozentangaben zumindest mit den "n=35" nicht in Einklang zu bringen. Es scheint, als wären Ungereimtheiten der Datenerhebung durch Simulation unmöglicher Werte hinter dem Komma statistisch "bereinigt" worden. Dieses Phänomen läßt sich übrigens auch an anderen Stellen der Studie nachweisen. Wenn man/frau versucht, von den angegebenen Prozentzahlen auf absolute Werte zurückzurechnen, kommen zerteilte Personen dabei heraus.

[29]  Ein Kreuz (+) gibt an, wenn die Daten der HörerInnen höher waren als die aller Befragten.

[30]  Etwa weitere 40% entschieden sich für die aus den Grünen hervorgegangene Stadtverordnetenfraktion OS/3.

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 20. September 2007 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2007 bzw. beim Verlag und dem Herausgeber ©  2001. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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