Das Sendesignal, visualisiert.
Das Sendesignal in besagter Nacht.

Radio Darmstadt

Das Sendesignal des Monats (hier: Juni 2010)

Dokumentation

 

Zum Sinn und Zweck dieser Dokumentation.

Zusammenfassung

Erstklassige Basteltechnik beweist sich nicht nur im alltäglichen Programmablauf, sondern auch des Nachts, wenn ohnehin kaum eine oder jemand zuhört. Dann schlägt die Stunde der Erkenntnis, ob die Musikzusammen­stellungen und Wiederholungs­schleifen richtig programmiert und technisch sauber eingespeist werden. Die diesbezügliche Mängelliste seit Herbst 2006 wird länger und länger, was einfach daran liegt, daß hier Spielkinder eine ihnen nicht gefallene technische Schaltung (die jedoch einwandfrei funktioniert hat) durch etwas neues ersetzt mußten. Hauptsache: „digital“. Nun ist ja nichts gegen technische Innovationen zu sagen, sofern sie a) eine Verbesserung darstellen, b) mindestens genausogut funktionieren und c) keine schädlichen Nebenwirkungen aufweisen. Doch genau hier liegt der Hase im Pfeffer.

 


 

In der Nacht vom 15. zum 16. Juni 2010 wurden wir ein weiteres Mal Zeuge (oder Zeugin) der ungeahnten Möglich­keiten im Sendehaus von Radio Darmstadt, ein Sendesignal zu mißhandeln. Woran es diesmal lag, ist schwer zu sagen. Vielleicht könnten die Spielkinder im Sendehaus, die ich zuweilen auch Bastler nenne, uns den Vorgang einmal erklären. Dies hätte den Vorteil, daß sie aufgrund eingehender Beschäftigung mit der Materie auch selbst etwas lernen könnten, was dem Sendesignal zweifellos zugute kommen würde. Aber so …

Die nachfolgende Abbildung zeigt uns drei Stunden im Sendeablauf von Darmstadts Vereinsfunk. Zunächst erkennen wir in Stunde 23 das Ende der letzten regulären Livesendung des Abendpro­gramms, bevor um 23.00 Uhr die Nachrichten des Deutschlandfunks eingeblendet werden. So weit, so gut. Merkwürdiger­weise zeitigt die nun eingespielte Wiederholung des Abendpro­gramms einen erheblichen Pegelabfall. Damit nicht genug – offenbar finden einige merkwürdige Experimente mit der Signalstärke der beiden Stereokanäle statt, die unmittelbar Auswirkungen auf die Signalstärke des anderen Stereokanals besitzen. Einen tieferen Sinn kann ich hierin nicht erkennen.

Kurz vor Mitternacht wird das Sendesignal in reduzierter Form sich selbst überlassen, ehe gegen 1.10 Uhr der linke Stereokanal wieder „volle Dröhnung“ liefert, während der rechte allenfalls vor sich hin flüstert. Erst gegen 6.00 Uhr mit Beginn einer Sendung namens Deine Wiederholung, die zwar weder von „Dir“ nominiert, ausgewählt oder gar „gevotet“ wurde, wie das heute so schön heißt, sondern offenbar den persönlichen Geschmack des Vorstandsmit­glieds Aurel Jahn widerspiegelt, tritt so etwas wie Normalität ein. Der Sendepegel normalisiert sich.

Das folgende Schaubild zeigt für die drei Sendestunden von 23.00 bis 2.00 Uhr jeweils den linken und den rechten Stereokanal. In der Regel sollten beide gleich ausgepegelt sein. Vsualisiert wurde diese Abbildung mit der Audioschnitt-Software Audacity.

Screenshot der Audiodateien.

Ich bewundere seit fast vier Jahren die unerschöpfliche Fähigkeit der Bastelabtei­lung aus dem Hause „Radar“, immer wieder neue, noch sinnlosere Artefakte auf den Sender zu bringen. Aber brauchen wir das wirklich? Oder handelt es sich um eine ausgefallene Nachtunterhal­tung zur Erbauung der Nachtschwärme­rinnen, die nachts das Nachmittags- und Abendpro­gramm einfach noch einmal in Ruhe, zum Einschlafen, anhören wollen – und hier mit dem Kick des Besonderen? Wissen die Sendenden von Radio Darmstadt überhaupt, was ihre Technikfraktion mit ihren Sendungen in technischer Hinsicht so alles anstellt? Haben sie gar schon so weit resigniert, daß es ihnen egal ist, wie sie, ihre Stimme und ihre Sendung „on air“ gebracht werden? Oder ist es ihnen ohnehin egal, was sie ihren Hörerinnen und Hörern zumuten, und dann ist ein derart verhunztes Sendesignal auch irrelevant?

Gehen wir ruhig einen Schritt weiter. Im Programmheft von Radio Darmstadt wird für den Morgen des 16. Juni 2010 Folgendes angekündigt: Um 6.00 Uhr gibt es „Deine Wiederholung“, und ab 8.00 Uhr wird das Vorabendpro­gramm wiederholt, in der Reihenfolge „Dein Sendeplatz“ (8), Alltag und Geschichte Magazin (9), AudioMax (10), RadaR Latino (11) und Gospelrock (13), bevor ab 14.00 Uhr die Wiederholungs­schleife neu beginnt.

Derlei erledigt eine automatisierte Technik. Nur scheint diese nicht so genau zu wissen, was sie tut, was Rückschlüsse auf eine gebastelte Programmierung zuläßt. Tatsächlich wird um 6.00 Uhr „Deine Wiederholung“ als Wiederholung einer Local Heroes-Sendung, vermutlich vom 7. Juni 2010, angeboten. Diese dauert jedoch nicht zwei, sondern nur anderthalb Stunden, weil gegen halb acht urplötzlich in die zweite Hälfte von „Dein Sendeplatz“ überge­blendet wird. Folglich werden die nachfolgenden Sendungen eine Stunde zu früh abgespielt.

Nun ist ausgerechnet das neu gewählte Vorstandsmitglied Aurel Jahn dafür verantwortlich, daß es am Mittwoch­morgen einen Zweistunden­block gibt, den er mit (von ihm?) ausgewählten, besonders wiederholens­werten Sendungen füllt. Der Zweck besteht darin, daß möglichst an jedem Wochentag synchron um 8.00 Uhr die Wiederholungs­schiene verläßlich neu startet. Allerdings, dies zeigt die Erfahrung vergangener Monate, ist auf diesen Verlaß kein Verlaß. Wozu dann der Aufwand mit programmierten Schleifen, wenn es doch nicht funktioniert? Wozu gibt es ein ausgedrucktes Programm, daß nicht gerade selten ohnehin nicht stimmt?

Last, but not least: Seit einigen Wochen geistert eine Nachtsendung namens „Ausklang“ durch das ausgedruckte Programm. Dieser Ausklang soll den Start der nächtlichen Wiederholung um Mitternacht vorbereiten; bis dahin soll ausgesuchte Mainstream-Dudelpop­musik das Herz erfreuen. Also das, was wir überall sonst und erst recht bei Radio Darmstadt ohnehin als Vollpro­gramm um die Ohren gehauen bekommen. Ihr ahnt es schon: auch dieser „Ausklang“ ist eine technische Meisterleistung; sie findet vorsichts­halber nicht statt. Auf jeden Fall nicht in der Nacht vom 15. auf den 16. Juni 2010.

Daß sich das nutzloseste Gremium im Sendehaus, der sogenannte Programmrat, mit derlei Artefakten nicht beschäftigt, ist naheliegend. Seit Jahren redet er über Qualität auf diesem Sender, nur, wenn es darauf ankommt, tatsächlich qualitative Verbesserungen einzufordern, und dazu gehört das Abschalten sinnloser Artefaktgenera­toren, dann hält sich das Gremium vornehm zurück.

Vermutlich handelt es sich hierbei um Medienkompetenz. Die Spielkinder erhalten jedenfalls jährlich mehr als 70.000 Euro von ihrer Landesmedienanstalt, um ihren Artefakten frönen zu dürfen.

 


 

Sinn und Zweck dieser Dokumentation

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung („das Image“) ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt. Der Autor dieser Dokumentation hat von Juni 1997 bis Januar 2007 bei Radio Darmstadt gesendet, bis ihn ein aus dieser Umbruchssituation zu verstehendes binnenpolitisch motiviertes Sendeverbot ereilte. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt er die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

In der Dokumentation werden die Namen handelnder Personen aufgeführt. Damit werden Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt. Zur Klarstellung: Eine Schmähung einzelner Personen oder gar des gesamten Radiosenders ist hiermit nicht beabsichtigt. [mehr]

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Diese Seite wurde zuletzt am 18. Juni 2010 aktualisiert. Links auf andere Webseiten bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2010. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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