Auf dem Heinerfest
Das Heinerfest: Alkoholisiert umsatzförderndes Vergnügen.

Radio Darmstadt

Gehe zurück auf Los und melde Bankrott an

Dokumentation des Heinerfestradios 2011

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt.

Der Autor dieser Dokumentation ist seit Juni 1997 Redakteur bei Radio Darmstadt und erfreute sich von Januar bis Oktober 2007 eines nur aus dieser Umbruchssituation zu verstehenden, binnenpolitisch motivierten Sendeverbots. Nachdem das Sendeverbot nicht länger aufrecht erhalten werden konnte, wurde es flugs in ein Hausverbot umgewandelt. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt der Verfasser die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

Zwangsläufig erscheinen in dieser Dokumentation auch einzelne handelnde Personen mit Klarnamen. Damit sollen einzelne Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt werden. Zur Klarstellung: Eine Diffamierung einzelner Personen oder gar des gesamten Radioprojekts ist hiermit nicht beabsichtigt [mehr]. Das Wesen einer Dokumentation besteht darin, daß sie etwas dokumentiert, nämlich das, was tatsächlich vorgefallen ist.


Ein Gruß an die Sendenden von Radar

Liebe Heinerfestradiomacherinnen und -macher,

ich hoffe, ihr erhaltet auf dieser Seite einige Anregungen für euer Veranstaltungsradio, damit ihr es besser, schöner, bunter und vor allem anhörbarer gestaltet. Leider erlaubt es mir meine begrenzte Zeit nicht, alle eure netten Einfälle einzeln zu kommentieren. Allerdings halte ich die Aussage eures Redakteurs Nils Paeschke am Samstag­nachmittag, eures Vorstands­mitglieds Christian Franke am Sonntag­nachmittag und eures internationalen Redakteurs Philipp Hertzog am Montagnachmittag, daß eine Mitgliedschaft in eurem Verein erforderlich sei, um dessen Studio- und Sendeequipment nutzen zu können, für nicht nur falsch, sondern bewußt irreführend. Diese Aussage widerspricht eurer Sendelizenz, und ihr wißt das. Aber da eure Moderatoren sklavisch ablesen, was ihnen von eurem Ghostwriter aufgetischt wird, erhält Wahrheit bei Radio Darmstadt ein ganz eigenes Flair.

Euer Interesse an dieser Seite über euer Heinerfest­radio freut mich. Solltet ihr auf dieser Seite sachliche Fehler finden oder meine Einträge ergänzen wollen, dann kontaktiert mich doch einfach. Sachlichen Beiträgen und Anregungen gegenüber bin ich ja aufgeschlossen.

Vielleicht möchtet ihr mir auch einfach nur wieder einmal mit eurem Anwalt drohen. Vergeßt bitte nicht, daß Meinungs­freiheit in diesem Land ein hohes Gut ist, und, daß ich daher berechtigt bin, euer öffentlich vorgetragenes Programm zu analysieren und genauso öffentlich zu kritisieren. Hierzu gehört selbstredend auch die Nennung der Namen derjenigen, die an dieser eurer Performance beteiligt sind. Ihr nennt sie ja schließlich auch.

Abschließend ein persönlicher Hinweis für den Vorstand von Radar e.V.: euer Bierlaunen­einfall von Montagabend hat einen hervorragenden Einblick in euer Seelenleben offenbart. Bemerkenswert daran ist weniger das sich hierin ausdrückende kindliche Gemüt (das ist eher niedlich), sondern die Verletzung eurer von euch gegenüber Anderen hochgehaltenen Sendekriterien (und das ist dann bigott), hier Kriterium 1.15: „Die eigenen Sendungen dürfen nicht dafür missbraucht werden, persönliche Konflikte zwischen dem/der RedakteurIn und anderen Menschen und/oder Institutionen auszutragen.“ Mir sind eure Sendekriterien ja einerlei, aber wenn ihr sie selbst aufstellt und die Einhaltung von Anderen einfordert, dann seid ihr auch gehalten, euch selbst daran zu halten. Sonst könnte man und frau ja auf die durchaus naheliegende Idee kommen, bei euch seien einige gleicher als andere. In welche Fallen Marco Schleicher hierbei getappt ist, dazu werde ich an anderer Stelle etwas schreiben. Gemach, gemach! Aber da ihr ja so häufig nachschaut, was ich euch zu sagen habe, wollte ich euch nicht allzu lange auf die Folter spannen.

Es grüßt euch euer treuer Hörer Walter Kuhl.

Zusammenfassung

Nach 15 Jahren Abstinenz begleitet „Radio Darmstadt“ erstmals wieder ein Heinerfest. Was als Rückschritt, sozusagen „back to the roots“, erscheint, ist in Wahrheit die Flucht nach vorne. Die in der Überschrift angedeutete Bankrott­erklärung Darmstädter Medienöffent­lichkeit ist eine inhaltliche, keine finanzielle.

„Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschicht­lichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Caussidière für Danton, Louis Blanc für Robespierre, die Montagne von 1848-1851 für die Montagne von 1793-1795, der Neffe für den Onkel. Und dieselbe Karikatur in den Umständen, unter denen die zweite Auflage des achtzehnten Brumaire herausgegeben wird!“ [1]

„Back to the roots“ bedeutet jedoch nicht nur eine Imagination des Aufbruchs, sondern vor allem den totalen Rückschritt. Man und frau fällt bewußt auf den Status eines (nicht dauerhaft) lizenzierten Veranstaltungs­radios zurück, dem es im übrigen erlaubt wäre, Werbung zu senden. Der im Heinerfest­radio 2011 vorgestellten Anmutung des Programms fehlt zu ihrer Vollendung nur noch ebendiese. Die beiden ersten Heinerfestradios waren natürlich keine Tragödien, sondern spiegelten in ihrer – zuweilen – Unvollkommenheit die Suche nach Ausdrucks­formen der Gegenöffent­lichkeit wider. Das Heinerfest­radio 2011 ist nicht nur eine Karikatur dieses Aufbruchs, sondern der bewußte Abschied von redaktionellen Inhalten, die über die Affirmation bestehender Verhältnisse hinausreichen. Eine Farce eben. Zitat eines Mitwirkenden: „Wir haben nicht mehr die 90er.“ Stimmt – mehr als Musik und Gewinnspiel ist bei diesem Radio eben nicht mehr drin.


Das Programm

Fünfzehn Jahre nach den beiden Veranstaltungsradios zum Darmstädter Heinerfest 1995 und 1996 inszeniert der Vereinsfunk einen Aufbruch. In einem über den Werkhof organisierten Bauwagen sollen fünf Tage lang die Besucherinnen und Besucher des Heinerfestes mit viel Musik und ein bißchen Information angelockt werden. „Back to the roots“, könnte man und frau meinen, doch hier ist mehr Schein als Sein.

Fünf Tage lang wird das „normale“ Programmschema komplett ausgesetzt. Das Radiogeschehen wird – mitsamt der allfälligen Wiederholungen – rund um die Uhr an den Rand des Trubels verlegt und von einer Unmenge möglichst massen­kompatibler Mainstream­musik begleitet. Die Heinerfestradios 1995 und 1996 waren von einem gänzlich anderen Kaliber. Damals durften die Darmstädterinnen und Darmstädter ein Programm anhören, das ambitioniert, vielfältig, kritisch und politisch daherkam.

Die Maxime für 2011 jedoch lautet: „Wir wollen uns durch pfiffige Aktionen und ein gut gemachtes, konsistentes, durchhörbares und stimmiges Programm wieder in die Öffentlichkeit und ins Gespräch der Darmstädter bringen.“ So beschreibt das Vorstandsmitglied Marco Schleicher die Zielsetzung eines weitgehend inhaltsleeren Programms, das der Programmrat abgenickt und durchgewunken hat. Die hierbei gespielte Musik wird zweimal stündlich kurz durch redaktionell verpackte Werbebeiträge für den fünftägigen Konsumrausch unterbrochen. Inhaltliche Ansprüche werden hierbei nicht formuliert; es ist ein Radioprogramm, das keiner und niemandem weh tun soll. Wie bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken liegt der Fokus auf Gefallen, Mögen, Hypen. Eine kritische Begleitung der Konsumorgie Heinerfest ist hingegen nicht vorgesehen.

Nachtrag : Die Stundenuhr wird ungefähr so umgesetzt: Kurze Anmoderation zu Stundenbeginn, Musik Musik, redaktioneller Beitrag, Musik Musik, Eigenwerbung, Musik Musik, kurze Bandvorstellung, Musik einer Band aus Darmstadt, kleine Veranstaltungs­information, Musik Musik, redaktioneller Beitrag, Musik Musik, Eigenwerbung, Musik, Eigenwerbung, Musik, Besucherinnen- oder Besucherwunsch, Musik.

Die drohende Evaluation

Diese inhaltliche Bankrotterklärung des Darmstädter Vereinsfunks wird unterstützt durch die Ausgabe von buntigen Buttons und – ganz wichtig – durch Musikwünsche aus der Heinerfest­gemeinde. Die so Angesprochenen sollen sich durch kleine Werbepräsente wie ein Miniaturradio, eine blaue Plastiktasche oder eine Vereinsmitglied­schaft später an Darmstadts sich inhaltlos präsentierenden Sender erinnern. Denn die hessische Landesmedien­anstalt, die LPR Hessen, hat im vertraulichen Gespräch im Vorgriff auf eine Verlängerung oder Neuausschreibung der Sendelizenz eine Akzeptanz- und Reichweiten­untersuchung als Evaluation der Relevanz nichtkommerzieller Lokalradios angedeutet.

Kommerziell orientierte Medienanalysen werden von den Radiostationen gewöhnlich dadurch vorbereitet, daß riesige Werbeplakate ganz viele tolle Gewinne anpreisen; auf das Hören des Senders kommt es dabei weniger an. Denn wenn die Telefonumfragen einsetzen, soll man und frau sich genötigt fühlen, angeblich ein Programm gehört zu haben, das sie nicht wirklich interessiert. Von dieser Marketing­strategie haben die Verantwortlichen bei „Radio Darmstadt“ offenbar gelernt; und sie kopieren – wenn auch in einem bescheidenerem Umfang – diesen manipulativen Unfug. Das einzige, was ihnen und diesem am Formatradio orientierten Programm noch fehlt, ist die Werbung; die Anmutung hierzu ist allerdings vorgegeben. Die von Marco Schleicher vorgelegte Stundenuhr sieht folgerichtig rund 45 Minuten Musikberieselung pro Stunde vor, wobei die Plazierung der einzelnen Sendeelemente genau vorgeschrieben ist.

Bezeichnend ist es, daß beispielsweise eine fundiert inhaltliche Sendung wie „Gegen das Vergessen“ am Heinerfest­montag um 17.00 Uhr diesem Stundenuhr-getakteten Programm weichen muß. Deutlicher läßt sich der Verfall der Darmstädter Radiokultur kaum belegen.

Das Heinerfestradio 1995

Das erste Heinerfestradio vom 29. Juni bis zum 3. Juli 1995 war gänzlich anders angelegt. Täglich live von 12.00 Uhr mittags bis in die Puppen gab es beispielsweise Kultur, Jugendradio, Frauenfunk, Menschenrechte, lokalpolitische Beiträge, Nachrichten oder ein Umweltmagazin. Ja, ein Umweltmagazin täte der Müllorgie rund um das Darmstädter Schloß bis hinauf zur Achterbahn an der Teichhaus­straße gewiß auch heute ganz gut. Als es in Darmstadt wieder einmal eine Razzia gegen den kurdischen Verein gab, was damals bei der intensiven Zusammenarbeit deutscher und türkischer Geheimdienste recht häufig vorkam, konnten die Betroffenen umgehend ihr Anliegen ins Radio tragen. Es war ein gewollt politisches Radio, das erst am späten Abend mit recht unterschiedlicher Musik ausklang. Also etwas vollkommen anderes als die Einheitssoße, die uns vom 30. Juni bis zum 4. Juli 2011 ins Haus steht und die bewußt auf jeden störenden Inhalt verzichtet.

Wenige Tage vor der Neuauflage des Heinerfestradios, nämlich am Freitag, den 24. Juni 2011, mußte „Radio Darmstadt“ wieder einmal Notprogramm fahren, weil die vorgesehene Redakteurin aus welchen Gründen auch immer nicht auf Sendung ging. Nun kann so etwas vorkommen, was jedoch bei einer besonders dünnen Personaldecke irgendwann auffällt. Anstelle des KultTourKalenders wurde eine Konserve eingelegt, die sich als komprimierter Mitschnitt des Heinerfest­radios 1995 entpuppte. Dieser Mitschnitt ermöglichte es, eine Ahnung von dem zu erhalten, worin sich das damalige Heinerfest­radio von seiner neoliberalen und auf viel Musik getrimmten Attrappe unterschieden hat. Merkwürdiger­weise gab es zu diesem Zusammen­schnitt keine An- oder Abmoderation, so daß die Hörerinnen und Hörer diese Konserve am 24. Juni 2011 gewiß verständnislos zur Kenntnis genommen haben.

Eine damalige Radiohörerin, die zwei Jahre als Redakteurin und Chefin vom Dienst bei einem kommerziellen Lokalsender in Nordrhein-Westfalen gearbeitet hatte, sparte nicht mit Kritik, hielt jedoch fest:

„Gut gefallen hat mir das Programm-Konzept, besonders die breitgefächerte Themenwahl. Das aufwendig gemachte Programmheft bot einen guten Überblick und machte neugierig auf die einzelnen Sendungen. Und ein derartiges Mammutprogramm von über 12 Stunden am Tag auf die Beine zu stellen, verdient ohne Zweifel Anerkennung, zumal alle MitarbeiterInnen ehrenamtlich Zeit und Mühe in das Projekt investiert haben.“

Nach drei Veranstaltungsradios in den Jahren 1995 und 1996 hatte der Verein Radar genügend Erfahrung gesammelt, um am 24. September 1996 bei der Beantragung einer eigenen Vollfrequenz vollmundig folgende Absichtser­klärung abgeben zu können:

„Lokale, nichtkommerzielle und demokratisch organisierte Radiostationen könnten ein wirksames Mittel gegen die Konzentration von Medienmacht sein. Eigentumsver­hältnisse und damit Einflußmög­lichkeiten auf das Programm können sich bei kommerziellen privaten Anbietern rasch ändern. Die Organisationsform der Bürgerradios, die sich auf ein breites gesellschaftliches Spektrum stützen, bieten [sic!] in dieser Hinsicht die Gewähr für Kontinuität. Die Gefahr einer Gleichschaltung der Medien in einer Region wird durch NKL deutlich gemindert. NKL wird von vielen Bürgern als Alternative oder Ergänzung zur Lokalpresse ausdrücklich begrüßt.

Nach fast 50 Jahren Erfahrung mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk läßt sich resümieren, daß sich die Rundfunkgesetze in der Praxis als untauglich erwiesen haben, den Rundfunk auf Dauer unabhängig, d.h. parteienfern, und lebendig, d.h. innovativ, zu erhalten. Die Tatsache, daß ungefiltertes, keinen wirtschaftlichen Interessen verpflichtetes, Radio zu hören ist, irgendwo zwischen 88 und 108 Megahertz, bedeutet ein dringend notwendiges Korrektiv in der gegenwärtigen Medienland­schaft. NKL kann durch sein unverwechselbares Programm als dritte Säule des Rundfunkwesens die notwendige Vielfalt sichern helfen.“

Nun – nicht einmal 15 Jahre später ist all dies vergessen, Schall und Rauch, Schnee von gestern, rückständig, um nicht zu sagen: analog. Die digitalen Spielkinder von heute benötigen ein formatiertes, unverwechselbar einseifendes Programm, damit … ja, wozu nun diese Marketingoffensive?

Die Verkaufsabteilung

Von den derzeit fünf, nur noch männlichen Vorstandsmit­gliedern (die beiden Frauen sind längst geflüchtet) sind gleich zwei für das Marketing zuständig. Allein der Begriff ist ein Widerspruch zum nach außen vermittelten Bild eines werbefreien, nichtkommerziellen Lokalradios, aber dies scheint den Jungmanagern im Vereinsfunk noch nicht aufgegangen zu sein. Doch zurück zur Frage: wozu das alles? Es geht wohl kaum darum, die Darmstädterinnen und Darmstädter mittels eines gewollt anspruchslosen Heinerfest­radios von der Qualität des gesendeten Programms überzeugen zu wollen. Vielmehr haben die Verantwortlichen den 31. Dezember 2012 im Auge.

An diesem Tag endet die geltende Sendezulassung, und die hessische Landesmedien­anstalt hat schon mehrfach durchblicken lassen, daß sie das Auslaufen der Sendelizenz dazu nutzen könnte, den Darmstädter Vereinsfunk zur Einhaltung gesetzlicher Regeln zu zwingen bzw. ihm den Kanal gleich ganz abzudrehen. Somit droht die Pleite eines von den Jungmanagern und ihrem Fußvolk vor fünf Jahren begonnenen Projekts, die „Zugangsoffen­heit“ für die imaginierten Feinde dieses Vereinsfunks durch Haus- und Sendeverbote einzuschränken. Daher sollen die ein einfallsloses Programm hörenden Darmstädterinnen und Darmstädter für den Erhalt des Vereinsfunks mobilisiert werden. Zusätzliche Kampagnen sind für sogenannte „Prominente“ vorgeplant. Ein Unterschriften­kartell soll 2012 die Landesmedien­anstalt dazu bringen, einen Vereinsfunk weiter zu lizenzieren, dessen Inhalte gen Null tendieren und der sich bewußt über geltendes Medienrecht hinwegsetzt.

Die hessische Landesmedienanstalt steht hierbei vor einem besonderen Problem. Sie hatte 2007 und 2008, wohl wissend, daß die Auflagen der geltenden Sendezulassung vom Darmstädter Vereinsfunk nicht eingehalten werden, selbige Zulassung verlängert. Sie hatte sich wohl erhofft, daß sanfter Druck entweder Radar als Trägerverein des Lokalfunks zum Nachgeben bringen oder die vom Vereinsfunk Ausgeschlossenen zur Aufgabe nötigen werde. Die auch für die Landesmedien­anstalt elegante Lösung hätte bedeutet, daß die Ausgeschlossenen darauf verzichten, in den weitgehend von selbiger Landesmedien­anstalt finanzierten Studio- und Senderäumen ein ambitionierteres Programm anzubieten.

Ein derart ambitioniertes Programm sucht man und frau beim Darmstädter Vereinsfunk mit seiner „Durchhörbarkeit“ seit Jahren vergebens. Alle Hoffnung war trügerisch. Der Vereinsfunk dachte nicht daran, seinen Exklusionskurs aufzugeben; die inzwischen im Projekt Dissent organisierten Ausgeschlossenen beharrten auf die Einhaltung der geltenden Sendelizenz. Allerdings kann die hessische Landesmedien­anstalt nachträglich nun schlecht Sanktionen für etwas aussprechen, was sie selbst wider besseres Wissen genehmigt hat. Der schwarze Peter liegt hier in Kassel bei den Verantwortlichen der LPR Hessen.

Die gefühlte Erpressung

Auf einer Mitgliederversammlung des Trägervereins von „Radio Darmstadt“ am 29. Oktober vergangenen Jahres hatte der Abgesandte selbiger Landesmedien­anstalt dem kleinen Kreis der Aktiven deutlich gemacht, daß der Verein seit vier Jahren eklatant gegen den Paragrafen des Hessischen Privatrundfunkgesetzes verstoßen habe, der den Zugang zum Medium nicht­kommerzielles Lokalradio regelt. Insbesondere die sogenannte „Zugangsoffenheit“ sei durch die Hausverbote und andere Maßnahmen des Vereins nicht gewährleistet, die Auflagen zur Sendezulassung seien nicht eingehalten worden. Auf der jüngsten Mitglieder­versammlung des Vereins im Mai wurde seitens einzelner Mitglieder vom Vorstand das ausführliche Protokoll dieser MV im Oktober eingefordert, um die von den Vereinsmitgliedern gefühlte Erpressung durch die Landesmedien­anstalt dokumentiert zu sehen.

Auf mehr oder weniger sanften Druck der LPR Hessen nämlich sah sich der Vorstand des Vereins genötigt, den drei Ausgeschlossenen einen Vertrag vorzulegen, der den Wiedereinstieg in die Benutzung der Studio- und Senderäume regeln sollte. Dieser Vertrag wurde am 23. November 2010 in den Räumen der LPR Hessen in Kassel ausgehandelt und der Mitgliederver­sammlung des Vereins am 3. Dezember 2010 zur Annahme vorgelegt. Die dort zusammenge­kommenen rund zehn Prozent der Vereinsmitglieder dachten jedoch nicht daran, den klugen Kurs ihres Vorstand zu unterstützen und lehnten die Verträge brüsk ab. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte die LPR Hessen die Unbelehrbarkeit des Vereins konstatieren und die im HPRG vorgesehenen rechtlichen Maßnehman ergreifen müssen. Statt dessen trat die Versammlung dieser LPR Hessen am 13. Dezember 2010 zu ihrer Weihnachts­sitzung zusammen, beglückwünschte sich zu mehreren Jahren hervorragender Zusammenarbeit – und ging in Kenntnis des Darmstädter Sachverhalts nach Hause.

Ein Dorf in den Weiten Rußlands

Insofern entpuppt sich das Heinerfestradio mit seinem angeblichen „back to the roots“ als Marketingtrick. Es geht nicht darum, den Heinern ein abwechslungs­reiches, spannendes und in den Köpfen hängen bleibendes Programm zu präsentieren, sondern darum, Potjomkinsche Dörfer aufzubauen. Ich werde mir dieses Heinerfestradio genau anschauen und anhören. Ein solches Event mag für den Verein – hier durchaus kommerziell betrachtet – einen Mehrwert bringen, aber für die Darmstädter Sendekultur ist hiermit ein neuer, trauriger Tiefpunkt erreicht. Zu verantworten hat diesen Tiefpunkt jedoch nicht nur die kleine Clique, die vor fünf Jahren den Verein übernommen hat, zum einen Teil um alte Rechnungen zu begleichen und gleichzeitig zum anderen Teil – gemäß dem neoliberalen Neusprech – um Gas zu geben. Die Verantwortung liegt ebenso bei der LPR Hessen in Kassel, die es 2007 und 2008 versäumt hat, rechtzeitig die Weichen dafür zu stellen, daß das ein zuvor noch gerne und massenhaft gehörten Programm nicht zu einem einfallslosen, aber durchgestylten Popgedudel degenerieren konnte. Zwar ist diese Landesmedien­anstalt nicht für die programmliche Qualität zuständig, aber dafür, daß ein Lizenznehmer auch die Lizenzbedingungen einhält. Hätte sie demnach im Herbst 2007 und 2008, als es darum ging, die Sendezulassung zu verlängern, konsequenter gehandelt, müßten wir heute nicht über herbe inhaltliche Qualitäts­verluste reden.

Nach fünf Jahren Cliquenwirt­schaft kann ich anhand eigener Beobachtungen sowie vom Verein intern verbreiteter Zahlen festhalten: Rund ein Viertel der (zahlenden !) Vereins­mitglieder hat sich verabschiedet, rund ein Viertel der Sendenden ist gegangen, mehrere Redaktionen wurden zerschlagen oder mußten mangels Sendewilliger aufgeben, nicht einmal das Kernprogramm kann noch aufrecht erhalten werden, und Radar sendet seit vergangenem Jahr aus beengten Verhältnissen in einem Hinterhofstudio. So sieht neoliberaler Fortschritt in der Praxis aus, wenn jungdynamische Macher aus der ehemaligen Darmstädter Fachhochschule das Ruder übernehmen. Regression an allen Orten. Aber vielleicht ist genau derlei politisch gewollt. Ein Radio, das keiner und niemandem weh tut, gefährdet mangels Relevanz auch nicht die Quote kommerzieller Formatradios.

Das niedersächsische Vorbild

Gehen wir hier durchaus noch einen Schritt weiter. Dank Dagmar Metzger konnten CDU und FDP eine Koalitionsvereinbarung treffen, welche die Möglichkeit eröffnet, den nicht­kommerziellen Lokalradios ans Leder zu gehen. Die beiden Parteien wollen nämlich die Einrichtung kommerziellen Lokalfunks prüfen, um der örtlichen Werbewirt­schaft neue Geschäftsfelder zu erschließen [2]. Zudem solle die Vielfalt des medialen Angebots ausgedehnt werden. Nun verstehen CDU und FDP unter „Vielfalt“ gewiß nichts Ambitioniertes, allenfalls neue Musikfarben und Werbung in einem vielfältigen redaktionellen Kleid. Was ihnen hierzu fehlt, sind Frequenzen; und so werfen sie womöglich bei der Neugestaltung des Hessischen Privatrundfunk­gesetzes im kommenden Jahr einen begehrlichen Blick auf – aufgrund eines anspruchslosen Programms und nicht eingehaltener medienrechtlicher Auflagen – die Frequenz von „Radio Darmstadt“. Darmstadt ist sicherlich ein interessanter Standort für einen derartigen Versuchsballon.

Ohnehin ist so eine Landesmedien­anstalt nicht nur Behüterin nichtkommerzieller Lokalradios, sondern vor allem der Förderung der hessischen Wirtschaft verpflichtet. In der Versammlung dieser Anstalt des öffentlichesd Rechts sitzen – vergleichbar der Selbstverwaltung des Heesischen Rundfunks – verschiedene Sachwalter von Kapitalinteressen, die neben den einschlägig mental geprägten parlamentarischen Vertretern schon dafür sorgen, daß die LPR Hessen ihre Aufgabe klar im Blick behält, als da wären Unternehmer­verbände, Industrie- und Handwerks­kammern, die freien Berufe, der Einzelhandel und die Bauern.

Jede Evaluation kann demnach so gestaltet werden, daß als Ergebnis die Irrelevanz des Darmstädter Vereinsfunks herausgelesen werden kann. Bei Radio Flora in Hannover war die niedersächsische Landesmedienanstalt 2007 genau diesen Weg gegangen. Weil für einen kommerziell orientierten Betreiber keine freie Frequenz zu finden war, wurde das politische Lokalradio in Hannover einfach plattgemacht, wobei in diesem Fall sogar der Vorstand des dortigen Vereins aktiv an der Demontage des eigenen Radiosenders mitgewirkt hatte [3]. Gewisse Ähnlich­keiten zum derzeitigen Niedergang des Darmstädter Vereinsfunks lassen sich auch beim besten Willen nicht von der Hand weisen.

In Hannover wurde die Weigerung, Radio Flora weiterzu­lizenzieren, ausdrücklich damit begründet, daß der Sender sich zu sehr dem Konzept freier Radios verpflichtet fühle und Meinungen aus dem „wirtschaftlich-unternehmerischen Bereich“ zu wenig berücksichtige. Es ist eben böse, den Orgiasten kapitalistischer Ausbeutung kein Forum zu bieten, ein Forum, das sie ohnehin in jedem öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Radiosender zur Verfügung haben.

Präventive Selbstenthauptung

Der Trägerverein von „Radio Darmstadt“ hat diesbezüglich schon einige wegweisende Schritte unternommen. Am 6. Juni 2008 unterstützte der Sender etwa das Einkaufsspektakel Darmstadt unter Strom mit einem ausgefallenen Sendekonzept. Überall in der Innenstadt waren Lautsprecher angebracht, über die „Radio Darmstadt“ ein einkaufsförderndes, besinnliches Programm lieferte. Dieses bestand aus esoterischer Wohlfühlmusik und dezidiert möglichst wenig inhaltlichem Wort. Jedes Wort hätte ja auch das Einkaufs­vergnügen empfindlich stören können. Dumm nur, daß ausgerechnet an diesem Abend der Bastelabteilung aus dem Hause Radar das Kunststück gelang, ihr Stereoprogramm auf nur einem Kanal auszustrahlen. Manche Geschäftsleute durften sich dann darüber wundern, daß aus der linken Box ihrer Stereoanlage schaurige Töne und aus der rechten rein gar nichts kam.

Wieviel Geld das angeblich werbe- und sponsoringfreie Darmstädter Lokalradio aus den Geldtöpfen der heimischen Wirtschafts­förderung für diese eher peinliche Performance erhalten hat, verrät der Verein vorsichtshalber nicht. Eine ausführliche Dokumentation dieses Marketingevents habe ich an anderer Stelle vorgelegt.

Drei Jahre später promotet „Radio Darmstadt“ nun das kommerziellste Event der Darmstädter Konsumland­schaft, eben das Heinerfest, mit viel belangloser Musik und (vermutlich) ausgesucht geschäfts­fördernden Interviews. Derartige Attitüden waren den Macherinnen und Machern von 1995 und 1996 weitgehend fremd. Bleibt noch zu erwähnen, daß der Trägerverein von „Radio Darmstadt“ seine Mitgliedschaft im Bundesverband Freier Radios „aus ideologischen Gründen“ gekündigt hat.

Bevor demnach die hessische Landesmedien­anstalt auf die dumme Idee kommen kann, das Darmstädter Lokalradio mit derselben Begründung abzuschalten wie in Niedersachsen bei Radio Flora, besorgt der Verein Radar ganz von sich aus das Geschäft der inhaltlichen Selbstaufgabe. Vermutlich hat der Vorstand des Vereins hierbei nicht einmal das niedersächsische Beispiel vor Augen. Bei der neoliberalen Geisteshaltung des Vereins läuft das auch ohne äußeren Druck ganz von alleine in die gewünschte Richtung. Ob die LPR Hessen im Nachhinein diese Bankrott­erklärung als ein besonders gelungenes Beispiel für Medienkompetenz bezeichnen wird? Wir werden es wohl noch sehen und hören.

30. Juni 2011: Winterfreuden am Heinerfestdonnerstag

Das Heinerfestradio beginnt mit einem Flop. Angekündigt war sein Beginn pünktlich um 15.00 Uhr. Wer zu diesem Zeitpunkt eingeschaltet hatte, bekam eine Kostprobe aus der Konserven­abteilung des Senders präsentiert. Peter Fritscher war am Tag zuvor offensichtlich nicht zu seiner Sendung Movietime erschienen, so daß statt dessen eine Konserve seiner Sendungen eingelegt wurde. Diese Konserve stammte erkennbar aus dem Januar 2011. Was sich die Hörerinnen und Hörer bei einer Ansage – „gerade bei dem Schnee lohnt es sich natürlich zu Hause zu bleiben“ – gedacht haben mögen, obwohl sie doch von Radio Darmstadts „durchhörbarem“ Programm zum Heinerfest gelockt werden sollen, werden wir wohl nicht erfahren. Vermutlich werden sie den Sender schon zuvor abgeschaltet haben, denn die Wiederholung von Movietime am Donnerstag­nachmittag zeichnete sich durch eine etwa 40-minütige Flüsterstrecke aus. Nun soll es Zeitgenossen geben, die ihre Autolaut­sprecher auf volle Dröhnung einstellen, wenn sie in Eberstadt durchs Viertel jagen, damit auch die Menschen in Arheilgen ihren schlechten Musik­geschmack genießen dürfen. Für diese Spezies Brüller wäre diese Flüsterpropaganda genau richtig gewesen. Sie hätten womöglich sogar den Winterquatsch des Peter Fritscher akustisch verstanden.

Das Heinerfestradio.
Ein Bauwagen am Eingangsbereich des Heinerfestes. Typisch auch das aggressive Auftreten eines Mitwirkenden, der sich zwar öffentlich stolz neben seinem Bauwagenradio zeigte, der jedoch während des Fotografierens sofort auf mich zugeschossen kam, um mir die Verwendung des Bildes mit seinem wertvollen Konterfei zu verbieten. Lieber Thomas, du bist doch gar nicht zu erkennen …

Sagt mal, kümmert sich im Sendehaus keine und niemand mehr um einen vernünftigen Sendepegel? Da seid ihr so stolz auf eure technischen Schnickschnack-Apparaturen – und dann solch eine Pleite! – By the way: Entscheidet euch doch bitte einmal für eine konsistente Schreibweise des Sendungsnamens. Entweder Movietime (Programmflyer) oder Movie-Time (Webseite). Aber Verläß­lichkeit und Verantwortung scheint ja ohnehin nicht eure Stärke zu sein.

Alsdann folgte die Wiederholung der Mittwochabend­sendung aus der Kulturredaktion mit einer Zusammen­fassung des 33. Evangelischen Kirchentags in Dresden. Hierbei durften wir nicht nur an einer die Sinne verkleisternden Gospelmusik teilhaben, sondern auch an einem Phasendreher. Mit dem Erfolg, daß bei einem Küchenradio mit Monoempfang sich das Sendesignal beider Kanäle gegenseitig auslöschte und somit – um den 2010 verstorbenen Redakteur Christian Knölker zu zitieren – „das Nichts nichtete“.

Immerhin begann dann um 16.00 Uhr mit einstündiger Verspätung das Heinerfestradio, und es war genau so dröge, wie aufgrund der Vorgaben zu erwarten war. Besonders apart wirkt hierbei die Stimme der Praktikantin, die im Heinerfest­radiojingle derart monoton vor sich hingesprochen hat, daß ich mich unwillkürlich an eine Redakteurin aus der Unterhaltungsredaktion – den Namen verschweige ich natürlich taktvoll – erinnert fühlte. Diese hatte 2001 nachmittags ein einstündiges sogenanntes „Infomagazin“ gestaltet. Damals hatte ich mir ernsthaft überlegt, ob ihr das Senden am Nachmittag verboten werden sollte, weil die heimfahrenden Autofahrerinnen und Berufspendler beim Anhören ihrer Moderation am Steuer einzuschlafen drohten. Ich hatte sie daher etwas despektierlich „die Schlaftablette“ genannt. Angesichts dessen, daß die diesjährige Heinerfest­radiocrew ein peppiges, durchhörbares und dynamisches Musikprogramm ausgearbeitet hat, wirkt diese Stimme wie ein Fremdkörper. Vielleicht ist das aber auch beabsichtigt. Vielleicht soll uns diese Stimme daran erinnern, daß der Geschwindigkeits­rausch der Gas-Geben-bis-zum-Abgrund-Fraktion nicht alles ist. Dann würde es sich allerdings um das selbstironische Spiel mit der dargebotenen Farce handeln. So viel subversive Intervention hätte ich den Radiospiel­kindern aus ihrem Bauwagen gar nicht zugetraut.

Die heutigen Moderatoren: 16 bis 19 Uhr Nils Paeschke, 19 bis 23 Uhr Benjamin May. Patzer des Tages: Nils Paeschke stellt die Redaktion Mohnrot „für jung gebliebene Alte“ vor. Und meint dazu: „Jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 12 Uhr, da gibt's dort neben ein bißchen Essen, und Senioren stehen da einfach im Vordergrund, Seniorenthemen.“ Naja, und „daß sie massiv Leute suchen.“ Nils, schau bitte in den Flyer oder auf die Webseite: es mohnrotet am Dienstag.

Obwohl – manchmal ist es ja auch eben nicht angebracht, einen Blick auf den hauseigenen Zahlensalat zu werfen. Die Layout­künstlerinnen und Öffentlichkeits­arbeiter, welche den Juliflyer zusammen­gebastelt und zu verantworten haben, haben vor lauter Heinerfest­gedöns vollkommen übersehen, daß es sich zuweilen lohnt, die verwendete Vorlage auf Fehler beim copy-and-pasten zu untersuchen. Anders ist es kaum zu verstehen, wenn auf dem Titelbild, dessen Vorlage eine Freundin der Vorstandsriege geliefert hatte, die Zahl „2010“ erscheint. Das von mir am Heinerfest­bauwagen abgegriffene Exemplar ziert eine mit schwarzem Edding darüberge­kritzelte „2011“. Zwar hätte auch das Ersetzen der „0“ durch eine „1“ völlig ausgereicht, hätte aber nicht so hübsch nichtkommerziell bieder ausgesehen. Allerdings sind genügend Fehlexemplare in Umlauf geraten, so daß mir jetzt beide Fassungen als Vergleichsmuster vorliegen. Die ursprüngliche Onlinefassung enthielt logischerweise denselben Fehler, bis er dann doch noch bemerkt und die Datei ausgetauscht wurde. Derartiger Kalenderunfug kommt bekanntlich bei Radio Darmstadt gerne einmal vor, insbesondere dann, wenn die Herren S. und L. daran beteiligt sind. Der eine erfand für den Januar 2008 die Montage am 7., am 17., am 21. und am 28. Januar, der andere wechselte im Oktober 2002 wochenlang innerhalb eines Tages das Datum. So fing beispiels­weise ein Dienstag morgens als 7. Oktober an, um im Laufe des Nachmittags zum 8. Oktober zu mutieren. Wenn Markus Lang schon anno dunnemals dem Papst Gregor eine derartige Steilvorlage geliefert hätte, dann hätte sich dieser den ganzen Zinnober um zehn zu übergehende Tage 1582 glatt schenken können.

1. Juli 2011: Vertragsbruch am Heinerfestfreitag

Die ersten anderthalb Stunden des heutigen Heinerfestradios werden durch mehrere Aussetzer des Sendesignals (oder Teilen der Sendetechnik ??) begleitet. Deshalb muß auch der für 16.08 Uhr vorgesehene redaktionelle Kurzbeitrag entfallen. Damit der hierdurch entstehende längere Musikteppich nicht zu auffällig wird, wird die Vorstellung einer Darmstädter Band, die erst für kurz vor halb fünf eingeplant ist, vorgezogen.

Radio Darmstadt auf Facebook.
Narzisstische Selbstbespiegelung eines Hinterhofradios: Radio Darmstadt gefällt sich selbst. Screenshot von der Facebookseite des Senders (Screenshot, Bildzitat).

Einige dieser redaktionellen Kurzbeiträge sind ziemlich selbst­referentiell. Vereins­mitglieder interviewen mindestens drei Mal andere Verein­smitglieder zu Themen rund ums Heinerfest. Das erspart die Mühe, sich externe Gesprächs­partnerinnen zu organisieren, und schafft eine familiäre Atmosphäre im Bauwagenradio. Solcherlei Selbsthudelei ist auch auf der Facebookseite des Senders zu betrachten. Da stellt „Radio Darmstadt“ einen Eintrag ein, um im Anschluß den LikeMe-Button zu drücken: „Radio Darmstadt gefällt das.“ Wer hätte das gedacht? Wird so im Sendehaus positive Stimmung über sich selbst verbreitet? Kicher. Richtig lustig wird es dann, wenn die Bürokraft des Senders nichts weiter schreibt, als daß da gerade ein „wunderbarer Song“ laufe – und „Radio Darmstadt gefällt das.“ Wie peinlich darf man oder frau eigentlich in diesem sozialen Netzwerk der Eitelkeiten sein?

Bei der Planung dieses Heinerfestradios wurde – zunächst seitens des Vorstands – entschieden, daß alle regulären Sendungen zu entfallen haben. Die Sendungs­machenden wurden vorsichtshalber nicht gefragt; vielleicht war es ihnen aufgrund des fünftägigen Sommer­vergnügens auch egal. Der Vorstand stellte dem Programmrat sein Konzept auf der Programmrats­sitzung am 6. Juni 2011 vor und der Programmrat wies den Vorstand darauf hin, daß derartige Sondersendungen frühzeitiger zu beantragen seien. Allein, er maulte nur ein bißchen und winkte das Projekt dann durch. Ob und wie die Sendenden darüber informiert wurden, daß sie Ende Juni und Anfang Juli zu Hause bleiben dürfen, ist mir nicht bekannt. Einer wurde keinesfalls informiert, und hier wäre eine Informations­pflicht schon rechtlich geboten gewesen.

Norbert Büchner, 1994 Gründer des Trägervereins von Radio Darmstadt, war in zwei dubiosen Verfahren 2006 und 2007 aus dem Verein und dem Sendehaus hinausge­drängt worden. Bis heute liegt ihm hierzu kein offizielles Schreiben des Vereins vor mit einer Begründung, die über unverbindliche Allgemein­floskeln ohne tieferen Sinn hinausreicht. Er klagte gegen das gegen ihn ausgesprochene Hausverbot. Der zuständige Richter am Amtsgericht Darmstadt wog das Hausrecht des Vereins gegen das Senderecht des Klägers ab. Um beiden Seiten gerecht zu werden, schlug er einen Vergleich vor. Außerhalb jeder Diskussion war es für ihn, daß das im Hessischen Privatrundfunkgesetz vorgesehene Recht auf eine Radiosendung nur durch eine Livesendung gewährleistet werden könne. Das Radio sei ein Medium der Tages­aktualität und keine Abgabestelle für vorproduzierte Podcasts. Der von beiden Seiten am 28. Juli 2009 akzeptierte Vergleich hat folgenden Wortlaut:

„I. Der Beklagte verpflichtet sich, dem Kläger mit einer Ankündigungsfrist von vier Wochen einmal wöchentlich in der Zeit von Montag bis Freitag in dem Zeitraum von 17.00 bis 23.00 Uhr eine Sendezeit von zwei aufeinander­folgenden Stunden einzuräumen. Der Kläger ist berechtigt, diese Sendezeit sowohl für Live-Sendungen wie auch für aufgezeichnete Sendungen zu nutzen. Die einmal unter Beteiligung des Programmrats des Beklagten festgelegte Sendezeit soll sowohl hinsichtlich des Wochentags als auch hinsichtlich des Zeitfensters möglichst nicht geändert werden.

Der Beklagte verpflichtet sich, dem Kläger zur Realisierung von Live-Sendungen das hierfür bei dem Beklagten vorhandene mobile technische Equipment zur Verfügung zu stellen. Dieses mobile technische Equipment wird die Beklagtenseite zum Kläger verbringen und auch von diesem abholen. Dabei besteht zwischen den Parteien Einigkeit darüber, dass unter mobiles technisches Equipment kein Mischpult zu verstehen ist, sondern Übertragungsgeräte.

Zwischen den Parteien besteht auch Einigkeit darüber, dass die laufenden Kosten zur Realisierung von Live-Sendungen oder aufgezeichneten Sendungen durch den Kläger der Kläger selbst zu tragen hat.

Die vorbezeichnete Regelung tritt mit Wirkung ab dem 15. September 2009 in Kraft.

II. Die Parteien sind sich darüber einig, dass durch die vorstehend zwischen ihnen geschlossene Vereinbarung sämtliche rechtshängig gewordenen Ansprüche des Verfahrens 303 C 267/08 des Amtsgerichts Darmstadt erledigt und abgegolten sind.

III. Die Kosten des Rechtsstreits und des Vergleichs werden im Verhältnis zwischen den Parteien gegeneinander aufgehoben.

IV. Die Parteien sind sich darüber einig, dass die vorstehend unter I. getroffene Regelung zunächst für die Laufzeit der aktuellen Lizenzierung des Beklagten gilt. Dies ist bis zum 31.12.2012. Die Parteien sind sich darüber einig, dass, sollte eine zukünftige Lizenzierung des Beklagten auch nach dem 31.12.2012 erfolgen, zwischen ihnen eine vergleichbare Regelung auch für jenen Folgezeitraum angestrebt wird.

Der Beklagte stellt zu dem vorstehenden Vergleichsschluss klar, dass die Eingehung der entsprechenden Verpflichtungen wie unter I. von ihm ohne Anerkennung einer Rechtspflicht geschieht.

V. Die Parteien sind sich schließlich darüber einig, dass der Kläger, auch im Hinblick auf die ihm gewährten Sendezeiten, die Räumlichkeiten des Beklagten zukünftig nicht aufsuchen wird.“

Hieraus folgt, daß ein Heinerfestradio, daß zu Lasten des Sendeplatzes des RadioTheaters von Norbert Büchner erfolgen soll, mit ihm zu kommunizieren ist. Die im ersten Punkt festgelegte vierwöchige Ankündigungs­frist wäre hierbei tunlichst einzuhalten. Noch wenige Tage vor besagtem Heinerfestradio war dies nicht geschehen. Norbert Büchner fragte daher bei einer Bürokraft des Senders nach, womit er denn nun zu rechnen habe. Er erhielt am 28. Juni, also drei Tage vor seinem regulären Sendeplatz, ein mit vielerlei Entschuldigungen, jedoch ohne Unterschrift versehenes Schreiben „des Vorstandes“, daß sein Sendeplatz auf den nachfolgenden Mittwoch zwischen 21.00 und 23.00 Uhr verlegt worden sei. Dies sei auch im – Norbert Büchner zu diesem Zeitpunkt nicht vorliegenden – Programmflyer so vermerkt.

Dieser Ersatztermin hatte für den Sendebetrieb einen unschätzbaren Vorteil. Es handelte sich um einen der Sendeplätze, für die sich keine der zwölf Redaktionen des Senders zuständig fühlte, der also notdürftig mit Konserven­material oder irgendwelcher Musik zu füllen gewesen wäre. Dies ist dann der geeignete Rahmen, dorthin das „RadioTheater“ abzuschieben. Diesen respektlosen Umgang nahm Norbert Büchner zum Anlaß, auf der Ankündigungs­frist von vier Wochen und seinem regulären wöchentlichen Sendeplatz zu bestehen. Da wurde das Vorstands­mitglied Benjamin Gürkan richtig kiebig und drohte mit der Kündigung des Vergleichs, um in der Folge eine ähnliche Regelung durchzusetzen, wie sie bei mir vorliegt – Hausverbot mit der gnädigen Annahme von eingereichten Sendungs-CDs. Anstelle mit eigenem Namen zu unterzeichnen, steht dort in fetten Lettern „DER VORSTAND“. Ist schon wahr – Benjamin Gürkan ist der Vorstand. Sprich: „Wir sind die Hausherren, sitzen am längeren Mischpult­hebel, und wir bestimmen daher, ob wir die von uns geschlossenen Verträge einhalten oder auch nicht. Wenn dir das nicht paßt, dann klage doch. Ätsch!“ Und wer sich an diese Sprach­regelung nicht hält, bekommt dann von ebendiesem Vorstand und seinen Claqueuren vorgehalten, man oder frau sei „nicht kompromißfähig“!

Dies ist eine weitere Fortsetzung der mannigfaltigen Versuche des Senders, die von ihm ungeliebte Verpflichtung zu sabotieren. In meiner Dokumentation über Sinnlose Zugangsartefakte finden sich zahlreiche Beispiele, wie gerade diese Sendung zu spät gestartet, zu früh beendet, mittendrin unterbrochen, durch Störgeräusche überlagert, sonstwie destruiert oder gleich gar nicht eingespielt wurde. Beschwerden hierüber sind sinnlos, weil die Verantwortlichen von Radio Darmstadt mit Ignoranz und Unwillen oder eben, wie im jüngsten Fall, auch mit alphamännchen­haftem aggressiven Verhalten reagieren. Ich schlage vor, daß Norbert Büchner den zur Vertragseinhaltung offenkundig unwilligen Verein zukünftig für jeden dieser Akte in finanziellen Regreß nimmt.

Und damit komme ich zurück zum Geschehen am Heinerfestfreitag.

Kurz nach 19 Uhr spielt die Konserven­abteilung des Senders einen richtig guten Beitrag von Barbara Köderitz vom Heinerfestradio 1995 über die (damals) bedrohliche finanzielle Situation von Wildwasser in Darmstadt ein. Es folgt ein Telefon­interview mit einer Wildwasser-Aktivistin zum diesjährigen Heinerfest. Erstaunlicher­weise erweist sich der konservierte Beitrag inhaltlich und technisch von besserer Qualität. Wie hat Radio Darmstadt das nach 15 Jahren geregelten Sendebetriebs diesmal fertiggebracht, ein Telefon­gespräch mit einem markanten Brummen zu unterlegen? [4]

Die heutige Moderation stammt von Ariane Willumeit (15 bis 19 Uhr) und Rolf Birster (19 bis 23 Uhr). Von Ariane Willumeit stammt auch der Spruch des Tages: „Wünscht euch Musik. Musik! Musik! Musik!“ Weshalb sich Besucherinnen und Besucher des Bauwagens Musik wünschen sollen, die sie anschließend ohnehin nicht hören können, weil sie beim Bummeln über das Festgelände mit dem Heinerfestlärm befaßt sind, kapieren wohl nur diejenigen, die dieses Glaubens­bekenntnis eines jeden Dudelfunks sinnfrei nachbeten können. Den Patzer des Tages hat sich jedoch Rolf Birster geleistet, der mit dem Datum durcheinander geriet. Er stellt kurz die russische Samstagsschule Sovremennik vor, die am Sonntag im Schloß den „Tanz der kleinen Sommerhäschen“ aufführt. Das Heinerfest-Programmheft stiftet hier nutzlose Verwirrung, indem es aus der Samstagsschule eine Sonntagsschule macht. Dieses Kuddelmuddel von Samstagen und Sonntagen führt bei Rolf Birster zu der Ansage: „Eine Auswahl der gelernten Volkstänze wollen sie am Samstag, den 3. Juli, vorführen.“ Der 3. Juli ist jedoch ein Sonntag.

2. Juli 2011: Zwangsmitgliedschaft am Heinerfestsamstag

Das Heinerfestradio am Samstag führt gegen halb vier zu einer kleinen Panne. Mitten in der Moderation des Kulturredakteurs Michael Schardt verabschiedet sich die Technik und hinterläßt ein hübsches Sendeloch. Nach rund 22 Sekunden springt ordnungs­gemäß der computer­generierte Automat ein, der derartige Sendelöcher zu überbrücken hilft, und spielt ein bißchen Mainstream­mucke, die sich im wesentlichen nicht von dem unterscheidet, was uns der Herr Schardt zu Gehör bringen wollte. Nach einer Minute ist das Malheur behoben. Weshalb sich diese Panne am folgenden Tag zur selben Zeit bei einem ebensolchen „Hit aus Darmstadt“ wiederholt, gibt dann doch ein kleines Rätsel auf.

Es scheint, es würden den Bauwagen­redakteuren so langsam die vorgefertigten redaktionellen Beiträge ausgehen, denn sonst ist es nicht zu erklären, weshalb die Moderatoren Nils Paeschke (15 bis 19 Uhr) und Mischa Hildebrand (19 bis 23 Uhr) denselben besoffenen Beitrag der Heinerweiber einspielen. Nun gut, nicht der Beitrag ist besoffen, sondern der Sketsch handelt von den Besoffenen des Heinerfestes. Den Vogel des Tages schießt dann Nils Paeschke ab, der einen vorgefertigten Text über die Redaktion „Blickpunkt vor Ort“ unbesehen abliest. Nach einigen einleitenden Worten über das tolle Heinerfestradio­programm fährt der Moderator – den Sender hypend – fort:

„Und nach fünf Tagen ist wieder alles vorbei. Also am Dienstag. Dann hörst du wieder unser normales Programm. Und bei dem kannst du mitmachen, zum Beispiel in der Redaktion Blickpunkt vor Ort. So wie wir hier am Heinerfest vor Ort sind, geht das auch nach dem Heinerfest. Du kannst von deiner Veranstaltung eine Liveüber­tragung machen oder lokale Themen ins Radio bringen. Alles, was du dazu brauchst, ist eine Mitgliedschaft bei Radio Darmstadt.“

Abgesehen von dem wahrlich bescheuerten Redaktionsnamen, der aus der kürzlichen Vereinigung der Redaktion „Blickpunkt Gesellschaft“ mit der Lokalredaktion namens „Vorort“ entstanden ist, ist der verlesene Text auch sachlich falsch. Selbstverständlich muß keine und niemand, die bei Radio Darmstadt redaktionell arbeiten wollen, die eine Sendung gestalten wollen und die vielleicht auch eine Veranstaltung übertragen wollen, irgendwo Mitglied sein. Schon gar nicht bei Radio Darmstadt. Wann kapiert ihr Super­redakteure es eigentlich einmal, daß Radio Darmstadt kein Verein ist, sondern der Name des Lokalradios, das von einem Verein, nämlich „Radar e.V.“, betrieben wird? Aber auch eine Mitgliedschaft in diesem Radioverein ist nicht erforderlich, um am Mischpult zu sitzen, Musik aufzulegen und ins Mikrofon zu sprechen. Ganz im Gegenteil – die Sende­zulassung geht davon aus, daß Männern, Frauen und Kindern ganz ohne Vereinszwang der Zugang zum Medium Lokalradio zu gewähren ist.

Bemerkenswert ist, daß dieser wohl gewollt fehlerhafte Text am folgenden Sonntag im Nachmittags­programm durch das Vorstands­mitglied Christian Franke erneut zum Besten gegeben wird, und am Montag­nachmittag erzählte Philipp Hertzog aus der Internationalen Redaktion denselben Unsinn in einer leicht gekürzten Fassung. – Dafür gelingt es Mischa Hildebrand am heutigen Abend, bei der Vorstellung der russischen Samstagsschule den Samstag vom Sonntag zu trennen. Gut aufgepaßt!

3. Juli 2011: Sportliches Zeitreisen am Heinerfestsonntag

Auffallend häufig begegnet uns heute in den vorgefertigten redaktionellen Beiträgen der Sportredakteur Bernd Schmiedeke. Begegnete er uns am Donnerstag und Freitag gar nicht, am Samstag ein einziges Mal, so gehen am Sonntag gleich fünf der sechzehn Beiträge auf sein Konto. Vermutlich hat irgendwer, der Not gehorchend, im Beitragspool gekruschtelt und dabei einige Beiträge entdeckt, die besser einmal in den Tagen zuvor gespielt worden wären.

Gegen 15.08 Uhr wird das Kegeln im Orpheum vorgestellt, am Samstag und Sonntag. Christian Franke ergänzt, am Abend gegen 20 Uhr werde der Gewinner feststehen und „wir von Radio Darmstadt sind natürlich mit dabei.“ Na dann, hören wir doch einfach mal in die 20 Uhr-Schiene rein. Wer nicht dabei war, ahnt ihr als meine Leserinnen und Leser vermutlich schon.

Gegen 17.37 Uhr stellt uns Bernd Schmiedeke das Heinerfest-Schachturnier vor und fordert zum Besuch des Turniers im Abend­gymnasium auf. Nachdem der Redakteur zweimal den „Wahnsinn!“ festgestellt hat, werden wir in die Methode dieses Wahnsinns eingeführt. Sein Interview­partner erklärt uns nämlich: „Am morgigen Sonntag werden weiter fünf Runden gespielt. Beginn um zehn Uhr, Siegerehrung rechnen wir mit 17 Uhr.“ Woraus folgt: Wir sollen gestern dem Turnier zuschauen, um heute nicht zu spät zur Siegerehrung zu erscheinen. Und solch ein Mumpitz wird uns als das exklusive Heinerfest­radio verkauft!

Da der Wahnsinn Methode hat, berichtet Bernd Schmiedeke eine halbe Stunde über ein Flag Football Turnier, das wir im Bürgerpark dann natürlich auch aufsuchen sollen: „kommt vorbei, guckt's euch an!“ Blöderweise war das gestern am Samstag, aber das tut der guten Stimmung im Laienspielradio im Bauwagen auf der Rheinstraße keinen Abbruch.

Wir brauchen nur eine weitere halbe Stunde zu warten, dann meldet sich Sportreporter Bernd Schmiedeke gegen 18.08 Uhr vom Fechtturnier in der Georg-Büchner-Schule. Auch hierhin solle der Weg der Hörerinnen und Hörer führen, so unser Radioscout. Natürlich vergaß er hierbei seinen „Wahnsinn!“ nicht. Christian Franke erklärt uns im Anschluß an das am Samstag geführte Gespräch, das Turnier sei schon seit einigen Stunden vorbei. Ein Grund mehr, dem Ratschlag von Bernd Schmiedeke zu folgen und die Georg-Büchner-Schule aufzusuchen.

Bis zum nächsten Auftritt dieses an der wahnsinnigen Einarbeitung seiner aufgezeichneten Interviews in das laufende Programm unschuldigen Reporters vergehen weitere drei Stunden. Logischerweise werden wir dann abends gegen halb elf aufgefordert, das längst abgelaufene Rollhockey­turnier zu besuchen: „Ein Weg ans Orpheum lohnt sich, denn hier gibt es …“ – nein, laßt mich raten – … vielleicht Wahnsinn??

Sagt mal: wer war das Vorstandsmitglied noch einmal, der bei euch die Regie führt? Oder ist die Regie vollkommen ausgefallen und ihr sendet nur zum Spaß sinn- und verstandlos Beiträge, damit ihr eure Stundenuhr gefüllt bekommt? Dann wundert es mich auch nicht, wenn Christian Franke den Flop des Tages bringt, als er den KultTourKalender vorstellt, der „immer freitags ab 18 Uhr […] das neueste aus der Darmstädter Kulturszene“ bringt. Dumm nur, daß selbiger KultTourKalender durch häufige Ausfälle geprägt ist. Aber „immer freitags“, gell, Christian Franke? Wie zum Beispiel am 24. Juni, gar nicht so lange her: Totalausfall. Oder am 27. Mai, da nudelte Radiokollege Michael Schardt eine Konserve zum Thema „Summertime“ ab. Oder am 29. April, als wir einem aufgezeichneten Frauenstadt­gespräch aus dem März 2010 lauschen durften. Am 8. April durfte Ralf Donath bei „Oldies pur“ als Konserve mitwirken, und am 1. April fiel die Moderation total aus und der Sender ließ den Computer als Aprilscherz beliebige, um nicht zu sagen belanglose Musik abdudeln. Ich erspare uns allen einen weitern Rückblick in die nähere Vergangenheit, um das dumme Moderatoren­gewäsch von wegen „immer freitags“ als Marketing­gesülze darzustellen.

Schauen wir lieber, wie es sich für das neoliberale Neusprech gehört, in die Zukunft, nach vorne, und „geben Gas“: Nur zwei Wochen nach den wohlgesetzten Worten des Herrn Franke war was am Freitagabend nicht zu hören? Genau, der „immer freitags“ gelobudelte „KultTourKalender“. Aus lauter Not an fehlendem Programm wurde an diesem 15. Juli 2011 schnell eine Konserve eingelegt, die von einer Kultur­redakteurin erst zwei Tage zuvor nach ihrer Sendung im Sendehaus liegengelassen wurde. Was will die Praktikantin Fiona Lenz auch machen? Es sagt ihr ja keine und niemand, schon gar nicht ihr Mentor aus dem Vorstand, was sie tun soll, wenn nach ihrer lokalpolitischen Rundschau am Freitagabend um 18.00 Uhr der „immer freitags“-„KultTourKalender“ aus heiterem Himmel zum x-ten Mal ausfällt.

Nett zu plaudern, aber keine Inhalte zu haben, das reicht halt nicht, um programmlich zu überzeugen. Es handelt sich um das, was das bei diesem Heinerfest­radio ebenfalls mitwirkende Vorstands­mitglied Aurel Jahn so gerne bei Anderen kritisiert und feststellt: Stuß.

Da fällt es gar nicht mehr ins Gewicht, wenn die Moderation von Christian Franke (15 bis 19 Uhr) auf Michael Schardt (19 bis 23 Uhr) wechselt, der uns sodann erklärt, um 19 Uhr ginge es in die 29. Sendestunde des Heinerfest­radios. Nun ist eine solche Ansage ziemlich irrelevant, denn sie verspricht keinen redaktionellen Mehrwert. Zudem ist sie falsch. Herr Schardt hat zwar richtig gerechnet, aber übersehen, daß am Heinerfest­donnerstag das Superduper­wahnsinns­programm mit Verspärung erst um 16 Uhr begonnen hat, wir demnach also erst in die 28. Sendestunde gehen. Tja, wie ich schon anmerkte, einfach irrelevant. Immerhin konnte uns Michael Schardt mit einer neuen Zahl über die angebliche Größe der Radar-Mitgliedschaft beglücken. Während Vorstands­mitglied Markus Lang auf der kürzlichen Mitglieder­versammlung des Vereins in seinem Rechenschafts­bericht von etwa 550 Mitgliedern faselte, um dann zuzugeben, daß darunter einhundert Karteileichen seien, plaudert die Bürokraft Michael Schardt aus dem Nähkästchen. Es seien, so verrät er uns, „knapp 500 Mitglieder“. Ein drolliger Verein, bei dem die rechte Hand nicht weiß, was die linke auch nicht weiß. Ich könnte jetzt Bernd Schmiedeke zitieren, aber das wäre dann doch ein wenig … arg wahnsinnig.

Halten wir für dieses Sonntagskonzert einfach fest: Wir spielen Radio.

Vor zehn Jahren: Wir spielen Radio

Gehen wir zehn Jahre zurück. In der Nacht von Samstag, 5. Mai 2001, auf Sonntag, 6. Mai 2001, fand eine Unterhaltungs­sendung namens „U-Turn Radioparty“ statt. Der Moderator hatte einen Studiogast, und beide hatten vermutlich ein bißchen gekifft. Das wäre nicht mein Problem, weil ich Kiffen im Gegensatz zum hysterischen Gekeifer in diesem Land für nicht gefährlicher halte als Alkoholkonsum, Nikotingenuß oder Autofahren. Zum Problem wurde die hierdurch beförderte Stimmung, weil sie sich auf das geistige Niveau der Moderation auswirkte. Allerdings hätte der Flachsinn, der da des Nachts abgesondert wurde, auch in einer anderen Unterhaltungs­sendung ohne stimulierende Zutaten gesendet werden können. Eines Tages trieben es die Unterhaltungs­redakteure zu bunt, und das war in besagter Nacht. Deshalb verfaßte ich am 8. Mai 2001 ein Pamphlet mit dem passenden Namen „Wir spielen Radio“ [5], das nachfolgend dokumentiert wird. Die im Text erwähnten Namen wurden anonymisiert, zumal sie zehn Jahre später von keinerlei Relevanz mehr sind.

U-Turn Radioparty, Nacht 5./6. Mai 2001, 0 Uhr 30

„Ja, 0 Uhr und 30 Minuten ist es. Das Geknister kommt aus den Nic Nac-Tüten, also das ist ja …“

… ja, das ist ja – um [Name] zu zitieren – unglaublich [6], denn es würde bedeuten, daß Herr W. in aller Öffent­lichkeit gegen Punkt 6 der BenutzerInnen-Ordnung verstoßen hat. Sind Verstöße gegen die BenutzerInnen-Ordnung – und überhaupt gegen die grundsätzlichen Regelungen zur Nutzung unseres technischen Equipments – in den Wochenend-Nacht­sendungen von Radio Darmstadt eigentlich üblich? Es hat den Anschein. So wurde am Wochenende zuvor fleißig im Internet gesurft – in den Sexseiten. Doch fahren wir fort im Programm, denn jetzt folgt bombastisch der Verkehrshinweis-Jingle:

„A3 Frankfurt Richtung Würzburg, zwischen Aschaffenburg-Ost und Hösbach in beiden Richtungen Fahrbahn­sperrungen wegen Brückenbau­arbeiten bis morgen früh 7 Uhr. Die Umleitungen sind beschildert“

Gesperrt bis Sonntag oder Montag Morgen? Da schon Sonntag ist, hat Herr W. ganz offensichtlich geschlampt. Radio Darmstadt ist jedoch – auch und gerade in seinen Verkehrs­meldungen! – zu wahrheitsgemäßer Berichterstattung verpflichtet! Aber wir spielen ja Radiomachen, da ist das wohl nicht so wichtig. Oder habe ich das so zu verstehen, daß dies Teil eines Comedy-Beitrags der Unterhaltungsredaktion ist? Denn es kommt noch schlimmer:

„A5/A67 rund um das Darmstädter Kreuz Behinderungen wegen einer Baustelle mit einspuriger Verkehrsführung. Landkreis Bergstraße: Die Bundesstraßen 38 und 460 sind in der Ortsdurch­fahrt Fürth wegen einer Veranstaltung zwischen 10 und 19 Uhr gesperrt. Ah, das dürfte doch vorbei sein mittlerweile, glaube ich, das ist ja nicht mehr ganz aktuell hier.“

Vielleicht hätte sich Herr W. vor dem Verlesen seiner wahnsinnig wichtigen Verkehrsmeldung (die er um 0 Uhr nach den Deutschlandfunk-Nachrichten noch nicht aus dem Computer gezaubert hatte) einige redaktionelle Gedanken machen sollen. Informationen sind keine Glaubenssache! Aber das scheint bin der Unterhaltungs­redaktion nicht gerade eine Stärke zu sein. Was Herrn W. jedoch nicht daran hindert, sinnlos weiter zu blubbern:

„Ortskundige werden gebeten, diesen Bereich weiträumig zu umfahren.“

Nebenbei – hätte sich Herr W. sachkundig gemacht, dann hätte er erfahren können, daß der Maimarkt in Fürth tatsächlich am Sonntag, den 6. Mai, stattfinden würde, also die Verkehrsmeldung sich tatsächlich auf ein zukünftiges Ereignis bezieht. Ob dies zu verbreiten, ausgerechnet um 0 Uhr 30 angesagt ist, ist Geschmackssache, aber nicht angebracht ist, seine Hörerinnen und Hörer zu verwirren. Oder handelt es sich um eines der beliebten Ratespiele […] bei Radio Darmstadt? Doch – wir sind noch nicht fertig:

„Stadtverkehr Darmstadt: Auf der Rheinstraße zwischen Albert-Schweitzer-Anlage und dem Kreuzungs­bereich Hindenburg­straße stadteinwärts bis voraussichtlich 22. Juni Behinderungen wegen Bauarbeiten.“

Vielleicht hätte Herr W. einfach frische Luft schnappen und sich bei dieser Gelegenheit davon überzeugen sollen, daß es nachts um 0 Uhr 30 keine Behinderungen bei diesem Kreuzungs­bereich in unmittelbarer Nähe des Sendestudios gibt. Und wen interessiert es, daß diese Nicht-Behinderung bis zum 22. Juni andauert?

„Radar wünscht trotzdem eine gute Fahrt.“

Trotzdem? – Im Kinder­programm von RTL II wird der Werbeblock eingeleitet mit einem grünen Frosch und der Ansage: Ich glaub', ich bin im Wunderland. Doch das Wunder bei Radio Darmstadt findet seine Fortsetzung darin, daß die als nicht mehr ganz aktuell erkannte Meldung zu Fürth im Odenwald selbstverständ­lich in den nachfolgenden Verkehrs­meldungen munter verbreitet wird. Offensicht­lich hat keine redaktionelle Bearbeitung dieses aus dem Internet gezogenen und einfach abgelesenen Textes stattgefunden! Die Krönung ist, daß der Studiogast von Herrn W., ein gewisser [Name], die Verkehrs­nachrichten um 1 Uhr 05 nach dem Verkehrs-Jingle so einleitet:

„Um kurz nach 2. Auf der A3 …“

Um 1 Uhr 30 verkündet derselbe Starmoderator, es sei 2 Uhr 30. Herr W., der im Studio ist und seinen Gast beaufsichtigt, korrigiert diese Desinformation nicht. Da die Herren W. und [Name] seit Beginn der U-Turn Radioparty mehr oder weniger uninformativ über Drogen palavert haben, scheint ein gewisser Zusammenhang nicht weit hergeholt zu sein … Dies wäre dann ein Verstoß gegen Punkt 13 unserer BenutzerInnen-Ordnung.

Ich mache hiermit ausdrücklich darauf aufmerksam, daß Desinformations­sendungen bei Radio Darmstadt nicht durch die Sendelizenz gedeckt sind. Daher meine abschließende Frage an die Unterhaltungsredaktion: Nach welchen redaktionellen Kriterien wird solch ein Schwachsinn über den Äther verbreitet (und das ist ja bekanntlich kein Einzelfall)?

Daß ich mir mit derart sarkastischen Bemerkungen keine Freunde in dieser wenig unterhaltsamen Redaktion gemacht habe, versteht sich. Das Schlimme jedoch war (und ist): Alle hören es, und keine und niemand wagt es – um die herbei­suggerierte gute Stimmung im Sendehaus nicht zu stören –, hier redaktionelle Standards einzufordern. Wir spielen eben Radio. Derart aufgeplusterter Flachsinn ist auch im diesjährigen Heinerfest­radio kein Fremdkörper und er ist das genaue Gegenteil von dem, was nicht­kommerzielles Lokalradio auszeichnet oder zumindest auszeichen sollte: authentisch und ehrlich rüberzukommen.

4. Juli 2011: Selbstdemontage am Heinerfestmontag

Zum Abschluß ihres Heinerfestradios haben sich Vorstandsmitglied Marco Schleicher & Co. etwas ausgedacht, was der den Abgesang moderierende Unterhaltungs­redakteur Nils Paeschke zum Sich-Wegwerfen fand. Auf einen Vergleich zwischen Dummheit und Torheit folgte eine Parodie, welche die Projektionen in den Köpfen des Vorstandes offenbarte. Beide Unterhaltungs­elemente waren für Außenstehende vollkommen unverständlich und nur für einige wenige Eingeweihte im Sendehaus nachvollziehbar. Die von Benjamin Gürkan dem Programmrat vorgesetzten und von Marco Schleicher als universal verbindlich eingestuften Sendekriterien von Radio Darmstadt fragen in Punkt 1.7 nach der Relevanz einer Information für den Hörer. Nun gut, vielleicht auch die Hörerin, aber diese kommt bei Radio Darmstadt in der Regel ja nicht vor.

Was haben sich die Jungs denn ausgedacht: Vermutlich aus einer Bierlaune heraus mußte Marco Schleicher seinen Frust über die kritische Würdigung seines Heinerfest­radios irgendwie abreagieren. Er verfiel hierbei auf das Mittel, einen Popanz aufzubauen. Seiner Darstellung nach habe es sich beim Heinerfestradio 1995 um ein kommerziell orientiertes Event gehandelt, was er dann auch mit einigen wunderbaren Takes aus den Aufzeichnungen des damaligen Heinerfestradios zu belegen suchte. Keine Frage – schon damals hat die Unterhaltungs­redaktion nichts unversucht gelassen, kommerzielle Vorbilder nachzuäffen. Wenn er sich dann einen solchen Affen schnappt, dann kommt eben Banane dabei heraus. Journalistisch hingegen ist dies unredlich. Gerade er als ausgebildeter Journalist sollte doch wissen, daß eine bewußt einseitig verzerrte Darstellung ebenfalls gegen Sendekriterium 1.7 verstößt. Vielleicht kann er mir dann Folgendes erklären: Wenn das damalige Heinerfest­radio derart kommerziell klang, weshalb darf dann sein Vorstandskollege Christian Franke einen Heinerfest­radiotrailer basteln, in dem es heißt: „Radio Darmstadt goes back to the roots. Dahin, wo alles angefangen hat. 1995 beim Heinerfest war Radar das erste Mal auf Sendung. Und weil's damals so schön war, sind wir dieses Jahr wieder dabei.“

Tja, und weil es damals laut des Popanzes des Marco Schleicher so schrecklich kommerziell war, machen wir das diesmal noch einmal. Zwar wollte Marco Schleicher mit seinem Vergleich der Anmutung zwischen 1995 und 2011 das Gegenteil belegen, nämlich daß das jetzige Heinerfest­radio frei von kommerziellen Zügen sei, aber Christian Franke hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Ihr solltet euch besser absprechen.

Ich stelle mir gerade vor, wie Marco Schleicher sich bewirbt und in seiner Bewerbungs­mappe das Dissen der Ursprünge des eigenen Senders als Empfehlungs­schreiben auspackt. Ob er dann auch eingestellt wird? Ich glaube nicht. Aber bei Radio Darmstadts Spiel­kinderradio lassen wir das einmal durchgehen.

In einem zweiten Beitrag karikierte das projektive Gemüt des Radar-Vorstandes Norbert Büchner und mich. Ich habe mich gefragt, ob ich mich mehr über die schale Comedy oder über die Psychostruktur im Radar-Vorstand amüsieren soll.

Jedenfalls – getroffene Hunde bellen, und das „Wuff“ aus dem Bauwagen auf der oberen Rheinstraße war deutlich zu vernehmen. Sollte mir Marco Schleicher beide Beiträge zustellen und der Wiedergabe zustimmen, bin ich gerne bereit, den Leserinnen und Lesern dieser Darstellung die Bierlaunen aus dem Hause Radar vorzuführen. Alternativ schlage ich vor, Marco Schleicher packt beides als Podcast auf die von ihm gestaltete Webseite von Radio Darmstadt, damit auch der Rest der Welt den Kopf schütteln kann. Ich verlinke das dann gerne.

Bleibt vorerst nachzutragen, daß das Montagsprogramm von Philipp Hertzog von 15 bis 19 Uhr und von Nils Paeschke von 19 bis 23 Uhr präsentiert wurde.

Übrigens vermisste ich auf der Webseite von Radio Darmstadt nach Beendigung des Heinerfest­spektakels das Einlösen eines vollmundig vorgetragenen Versprechens, denn es war um Mitternacht noch nicht vorzufinden.

„Machen Sie mit bei unseren Gewinnspielen: Holen Sie sich den Radar-Button an unserem Radiowagen. Werden Sie dann während des Heinerfestes von unseren Reportern wegen des Buttons angesprochen[,] haben sie gewonnen, lassen Sie sich überraschen. Außerdem suchen wir die beste Stimme Darmstadts, einfach bei uns ins Mikro sprechen und mit ein bißchen Glück gewinnen. Über die beste Stimmen können Sie dann unter www.radiodarmstadt.de abstimmen.“

Mag sein, daß sich – mit einer Karenzzeit von einem oder zwei Tagen – am 6. Juli 2011 irgendwer an das im Programmflyer und auf der Webseite gegebene Versprechen erinnert hat. Nun denn, bis zum 20. Juli 2011 durften auch die Leserinnen und Leser dieser Darstellung an diesem Spielchen teilnehmen. Aber – ganz nebenbei gefragt: Sind derartige Gewinnspiele und Stimmcastings nicht billige Kopien kommerzieller Vorbilder? Billig auch insofern, weil es ja nur etwas Billiges zu gewinnen gibt. Aber wer wird denn nun „Darmstadts schönste Stimme“?

Wie dem auch sei. Am Heinerfest­montagabend schlenderte ich zwei Stunden durch das Gewühl auf der Suche nach Mitmenschen, die einen derartigen Button mit sich herumtragen. Tausende, wenn nicht Zigtausende Männer, Frauen und Kinder waren hier versammelt. Gesehen habe ich genau vier Buttons. Einen trug ein Heinerfest­offizieller, einen eine Radar­moderatorin, einen deren Begleiterin und einer, ja einer, prangte auf dem T-Shirt eines nicht dem Event oder dem Radio verbundenen Menschen. Einer! Kein Wunder, daß euer Vorstands­kollege Aurel Jahn, als er mir im Gewühl begegnete, ziemlich frustriert schaute, weil er seine Präsente nicht unters Volk bringen konnte. Was hat euch dieser Marketing-Firlefanz gekostet?

Darmstadts vielleicht nicht schönste, aber zumindest meistgeklickte Stimme

Das kommerziellen Vorbildern entlehnte Stimmencasting „Darmstadts schönste Stimme“ erbrachte genau 3.272 Voten. Der Schluß der Stimmabgabe wurde auf Mittwoch, den 20. Juli 2011, angesetzt, doch schon gegen 21.00 Uhr fielen die virtuellen Rolltore. Gewonnen hat die Stimme Nummer 3 mit ihrer aparten a capella-Interpretation des 60er Jahre Klassikers Hit the Road Jack.

Blackys Blogeintrag.
Blacky nutzt seinen Blog zur Voten­generierung (Screenshot, Bildzitat).

Eine genaue Analyse der abgegebenen Stimmen im vierzehntägigen Zeitraum würde jedoch ergeben [7], daß mindestens 90% der abgegebenen Voten von einigen ganz wenigen Personen abgegeben wurden. Der Formularersteller für das Internetvoting hat sich erst gar keine Mühe gegeben, auch nur die minimalsten Absicherungen gegen doppelte oder gar hundertfache Stimmabgaben einzubauen. Zugegeben, das ist nicht ganz einfach, wenn es effektiv sein soll, aber mit dem Wissen und den Fähigkeiten des sender­eigenen Webmasters durchaus machbar. Vermutlich liegt hier nicht Schlamperei, sondern Absicht vor. Das Pushen einer bestimmten Stimme (und der dahinter stehenden Person) dient so gesehen dem Ansehen des Senders, der hierbei seine durch Klickzahlen erwiesene Beliebtheit belegen kann. Tatsächlich jedoch hat es sich gezeigt, daß vier Stimmen so gut wie keine Resonanz erfahren haben, während sechs Stimmen tagelang vor sich hin schlummerten, um urplötzlich einen nur kurzzeitigen, aber überaus effektiven Massenansturm von Voten zu generieren. So dümpelte beispielsweise Stimme 10 vier Tage auf niedrigem Niveau vor sich hin, ehe innerhalb kurzer Zeit über 150 Voten dazu kamen. Dann passierte wieder tagelang so gut wie nichts, ehe noch einmal um einhundert Stimmen nachgelegt wurde. Faszinierend dann der Ansturm am letzten Tag mit dreihundert zusätzlichen Stimmen. Zum Sieg hat es nicht gereicht. Andere waren cleverer.

Angesichts fehlender Absicherungen gegen mehrfache Stimmabgabe scheint es sehr einfach gewesen zu sein, binnen weniger Minuten den einen oder anderen Hunderter draufzulegen. Ob wir dies eine Abstimmungs­manipulation nennen können? Eher nicht. Denn nirgendwo stand geschrieben, daß nur eine Stimme pro Person zulässig ist. Ohnehin ist derlei Mehrfachstimm­abgabe weit verbreitet, etwa bei der Darmstädter SPD zugunsten ihres damaligen Oberbürgermeisters Walter Hoffmann in einer Onlineumfrage des „Darmstädter Echo“. Selbstverständlich hat auch die Siegerinnen­stimme hiervon profitiert. Im Grunde genommen ist Darmstadts schönste Stimme – gemessen an tatsächlich einmaligen Voten – die Stimme Nummer 4 mit gerade einmal acht Klicks. Aber das kann der Sender nun nicht zugeben, denn es würde die Irrelevanz dieses Firlefanzes nur allzu deutlich werden lassen.

So gewann die „3“ mit 743 Stimmen und zwei Stimmen Vorsprung vor der „7“. Die „10“ hatte nur 720 Stimmen aufzuweisen und durfte wohl gehofft haben, daß zum Abschluß kurz vor Mitternacht eine oder jemand für ihn noch einmal so richtig zuschlägt. Pech gehabt. Die „2“ blieb bei einer Schnapszahl von 555 Stimmen hängen, abgeschlagen kamen die „9“ mit 337 und die „8“ mit 163 Stimmen ins Ziel. Die übrigen vier Stimmen erhielten zusammen gerade einmal 23 Voten. Schade, daß auf des Senders Webauftritt nur noch die Siegerin­stimme zu hören ist. Im Nachhinein dürfte sich ansonsten jede und jeder fragen, wie um alles in der Welt die Stimme Nummer 10 derart erfolgreich Klicks sammeln konnte. Nun ja – klickst du mich, vote ich für dich. Die Anonymität des Internets macht derlei Schmu leicht möglich. So etwas nennt man oder frau dann wohl Netzwerkbildung.

Julian Muldoon auf Facebook.
Julian Muldoon nutzt Facebook zur Voten­generierung (Screenshot, Bildzitat).

Stimme Nummer 9 setzte auf die inzwischen etablierten Vertriebswege des Internet: Blog, Facebook und Twitter. Genutzt hat es ihm nichts. Zwar konnte er zweimalig mehr als einhundert Stimmen verbuchen, doch anschließend schien keine oder niemand mehr Lust zu haben, gerade diese Stimme zu promoten. Ohnehin kennt und schätzt man sich. So hinterläßt der sendereigene Computerspiele-Redakteur Johnny Weltraum auf dem Blog des um Stimmen werbenden „Blacky“ einen anfeuernden Kommentar. Daß er schon vor dem Stimmencasting zu Gast im Sender gewesen ist und somit kein Unbekannter, hat seiner Stimmenzahl gewiß nicht geschadet. Denn wer ist „Blackys“ neuer Arbeitgeber? Nun ja, die Computerspiele­fritzen bei Radio Darmstadt mit ihren tollen und ganz gewiß überhaupt nicht kommerziellen Gewinnspielen. Wurde hier aus dem Sendehaus heraus ein Insider bevorzugt?

Doch anhand der Bewertung von Blackys Stimme wird dann allerdings auch die wahre Resonanz sichtbar. Nachdem in der ersten Woche schnell 330 Stimmen zusammen­geklickt wurden, kamen in der zweiten erbärmliche sieben hinzu. Ganz nebenbei wird der klickgenerierte Mehrwert eines derartigen Stimmen­castings deutlich: „Euer Blacky hat die Chance, einen professionellen Radio-Workshop zu gewinnen. Auf dem freien Markt ist der rund 1000-1500€ wert.“ – Also, da ich die Ergebnisse dieser Workshops Woche für Woche hören kann, bezweifle ich diese Markteinschätzung.

Auch Stimme Nummer 8 (Julian Muldoon) erbettelte sich seine Klicks, wenn auch nur mäßig erfolgreich. Wurde er in den ersten vier Tagen noch auf 150 Stimmen gehypt, so kamen in den verbleibenden neun Tagen ganze drei Stimmen hinzu. Bemerkenswert ehrlich seine Aussage: „Stimmt mal bitte für Stimme 8, ihr habt von mir auch schon viele Votes bekommen! :)“

Da frage ich mich gleich: Entsteht so etwa die Darmstadt Hitparade?

Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, daß diese geringe Resonanz über die meisten Stimm­abgabetage die wahre Geschichte erzählt. Vermutlich werden deshalb nur wenig mehr als einhundert dieser über dreitausend Voten den realen Zuspruch zu diesem Marketing-Gag erkennen lassen, sofern nicht sogar diese einhundert Stimmen durch mehrfaches Nachschauen des aktuellen Zwischener­gebnisses zustande gekommen sind. Ich bin gespannt, wie Radio Darmstadt diese zusammenge­klickten Mehrfachvoten öffentlichkeits­wirksam als ganz, ganz tollen Zuspruch verkaufen wird. Ich werfe mich ja jetzt schon weg vor Lachen. Und, ganz nebenbei bemerkt: Die entscheidende Stimme für die Stimme mit der Nummer 3 kam … von mir! Das habe ich mir dann doch nicht entgehen lassen.

Nachtrag, September 2011: Darmstadts schönste Stimme soll dem Vernehmen nach mit einer Presse­mitteilung der sabbernd hierauf wartenden Weltöffent­lichkeit präsentiert werden. Die Verantwortlichen im Sendehaus erhoffen sich mediale Aufmerksamkeit durch die geringe Darmstädter Printkonkurrenz, indem sie die Übergabe des Gewinns, bestehend aus einer kostenlosen Mitgliedschaft, einem Einführungs­seminar, einer Plastiktasche und einem Schlüssel­anhänger, in Bild und Ton festhalten. Ich denke mal, so herunter­gekommen ist die Darmstädter Presse nun auch wieder nicht, daß sie über dieses Nichts berichten müßte, um ihre Spalten zu füllen. Allein – auch zwei Monate nach dem Vorstands­beschluß, einen derartigen Mumpitz zu veranstalten, scheint es an der Umsetzung zu hapern. Nebenbei sei angemerkt, daß durch das Heiner­festradio offenbar nicht mehr neue Vereins­mitglieder angelockt werden konnten als im (geringen) statistischen Durchschnitt.

Am 19. September 2011 stellt uns der Sender auf seiner Facebook-Seite die Gewinnerin Katharina H. vor. Künstlich fein drapiert hält sie einen in eine simple Klarsichthülle gestopften Papier­ausdruck als Urkunde für ein Ausbildungs­seminar in Darmstadt schönstem Vereinsfunk in der Hand. Die blaue Umhängetasche des Senders hat sie aus Marketing­gründen umschlungen, während der Schlüsselanhänger ebensowenig zu sehen ist wie ein stolz hochgehaltener Mitgliedsausweis. Mögen ihr meine Stimmen zu Ruhm und Glück verhelfen! – Allein: während uns auf Facebook ein marketing­optimiertes Handyfoto mit aussage­kräftiger Türklinke (Nur: welche Aussage, welche Symbolik mag das sein ? Geben sich hier die Marketing­gimmicks die Klinke in die Hand ?) entgegenprangt, fehlt auf der sendereigenen Webseite auch noch Ende des Monats September jeglicher Hinweis auf die gequält glücklich strahlende Gewinnerin. Offensichtlich muß die Webseite als ungeliebtes Typo 3-Experiment herhalten, bei der es auf konsistenten und vor allem aktuellen Inhalt nicht ankommt. Wichtiger erscheint der Facebook-Auftritt des Senders, und sei es als Spielwiese in modernste Marketing­technologien vernarrter Spielkinder: Schnell das Handyfoto hochgeladen und schon schimmert der biedere Charekter selbst­gestrickten Eigenlobs durch. Denn, wie nicht anders zu erwarten, dem Vereinsfunk und seinen Mitgliedern gefällt auch dies.

Im Anschluß an eine nichtkommerzielle Werbesendung für die Bessunger Besäufniskerb – denn was anderes ist der Ringelrein der Kerben in und um Darmstadt als die offizielle Gelegenheit, sich vollaufen zu lassen? [8] – darf sich die Gewinnerin in Darmstadts schönstem Lokalradio am 13. September 2011 präsentieren. Als Schülerin einer 9. Klasse denkt sie zum Glück noch nicht darüber nach, ob sie angesichtes ihres durch Stimmenhäufeln errungener Sieges in Darmstadts schönstem Wettbewerb an eine Castingkarriere denkt. Vielmehr bemühen sich die Moderatoren und Vorstands­mitglieder Markus Lang und Aurel Jahn eifrig darum, die etwas überrumpelt wirkende Schülerin davon zu überzeugen, wie toll es doch sei, in Darmstadts dümpelnster Jugend­redaktion mitzuarbeiten. Damit ihr die Entscheidung leicher fällt, erhält die Gewinnerin einen Gutschein für ein Radioseminar, das sie befähigen soll, selbständig am Mischpult ihren Siegerinsong vorzutragen. Einen wirklich glücklichen Eindruck macht sie hierbei jedoch nicht. Nichtsdesto­trotz behaupte ich einmal, daß ihre Gesangseinlage tatsächlich die beste aller zehn zu bewertenden Performances gewesen ist.

Die Tragödie als Farce

Im Grunde genommen stimmt die in der Überschrift anklingende Aussage so nicht. Hier wird nicht die Tragödie, sondern die Farce zur Farce. In der Nacht vom 3. zum 4. November 2011 stellten die beiden Redakteure der Musiksendung Journey Into Sound zu Ende des abendlichen Liveprogramms fest, daß sie die Wiederholung des Abendprogramms nicht einstarten können: „Normalerweise sollte jetzt hier die Wiederholungs­schiene von Radio Darmstadt kommen, aber wir haben hier gerade technische Probleme. Aus diesem Grund werden wir eine Wiederholung vom Heinerfest­radio spielen vom Juli diesen Jahres.“ Immerhin erfahren diejenigen Hörerinnen und Hörer, die kurz vor Mitternacht den wunderlichen Klängen aus dem Darmstädter Sendehaus lauschen, was es damit auf sich hat, wenn im Laufe der Nacht ein Jingle verkündet, man und frau sende „live“ vom Heinerfestradio. Diejenigen hingegen, die später zugeschaltet haben, werden sich wohl eher gefragt haben, ob hier wieder einmal der Wahnsinn Methode hat.

Und somit schalten wir um in die Vergangenheit und hören den Musikberieselungs­quatsch vom 4. und anschließend vom 3. Juli 2011 noch einmal in aller epischen Breite. Auch der oberdämliche Sketch der Herren Gürken und Schleicher ist hier noch einmal zu bewundern. Den Quatsch noch quätscher machen abschließend die damals aufgezeichneten und nun erneut abgespielten Nachrichten des Deutschlandfunks vom 3. Juli 2011. Doch jede Farce ist steigerungsfähig. Nachdem der Automat im Sendehaus eine Minute lang noch einen undefinierbaren Schnipsel Heinerfest­programm abgenudelt hatte, gab es gegen halb neun am Freitagsmorgen des 4. November ein hübsches Sendeloch. Selbiges wurde nach rund 22 Sekunden kaschiert durch den Dudelautomaten, der zu allen unpassenden Gelegenheiten allerfeinsten Mainstream abzusondern pflegt und den treuen Hörerinnen und Hörern von Darmstadts Lokalradio aufgrund seiner unzähligen Einsätze vermutlich längst zum Hals heraushängt.

Merkwürdigerweise wurde diese Dudelmusik nach zweieinviertel Stunden für eine Minute ausgesetzt und wir hörten ausnahms­weise einmal rein gar nichts. Dann trat der Dudelautomat wieder in Aktion und versorgte uns weitere dreidreiviertel Stunden lang mit der Fortsetzung billigster Ramschware. Eher unverständlich ist, daß der Dudelautomat im rhythmischen Wechsel die Musik mal leise und dann wieder laut einspielt. Ich wage nicht danach zu fragen, was die technischen Spielkinder sich dabei gedacht haben mögen. Irgendwer muß dann gegen halb drei am Nachmittag ins Sendehaus gekommen sein, um den Unfug abzustellen. Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, daß dieser „Irgendwer“ mit dem Einlegen einer Konserve seines Stormy Monday nur an sich selbst gedacht hat.

Summa summarum: ca. 9¼ Stunden Heinerfestmusik, einige Minuten völlig veraltete Nachrichten, sechs Stunden das Gedudel, das Sendelöcher zu überbrücken hilft, und bis zum Beginn des Liveprogramms um 17.00 Uhr noch 2½ Stunden Konsevenmusik. So langsam frage ich mich, was so schwierig an der Programmierung einer funktionsfähigen und von den Sendenden auch zu verstehenden Technik ist, wenn nach fünf Jahren derartiger Verschlimm­besserung das Nacht- und Vormittagsprogramm immer wieder von erneuten Kapriolen heimgesucht wird. Der Begriff des absurden Theaters liegt nahe, aber es ist eben auch eines, das von der zuständigen Landesmedien­anstalt als Medienkompetenz­projekt hochgehalten wird. Einfach irre!

Ein Ausblick

Gerüchten zufolge möchte Radio Darmstadt auch im kommenden Jahr wieder ein Heinerfestradio anbieten. Dies ist nur konsequent, denn sollte die Sende­zulassung tatsächlich am 31. Dezember 2012 auslaufen, dann hat der Sender schon einmal geübt für zukünftige reine Veranstaltungs­events. Dann darf er auch seine Schamgrenzen überwinden und sein Marketing mit dem Einspielen echter Werbung so richtig ausleben. Ob die Mitgliedschaft dieses Senders diesen Schritt dann mitgehen wird, muß sich zeigen. Konsequent wäre er allemal.

 

ANMERKUNGEN
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»» [1]   Karl Marx : Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, in: MEW, Band 8, Seite 115. Mit dem Onkel ist Napoleon gemeint, mit dem Neffen Napoleon III.

»» [2]   Den Hinweis auf den Koalitionsvertrag verdanke ich – ausgerechnet! – dem Radar-Vorstands­mitglied Benjamin Gürkan. Ob er denselben Schluß daraus zieht wie ich, vermag ich nicht zu sagen.

»» [3]   Vergleiche hierzu Hubert Brieden : Ende eines selbstverwalteten Rundfunks, in: Ossietzky Nr. 24/2008. Caren Beckers, ehemaliges Flora-Vorstandsmitglied, wechselte nicht nur die Seiten und fand ihr Auskommen beim neuen Lizenznehmer Leinehertz 106einhalb, sondern war (ist?) zudem bei dem durch die niedersächsische Landesmedien­anstalt maßgeblich beförderten BV BAM (Bundesverband Bürger- und Ausbildungsmedien) tätig. Der Ende 2007 gegründete BV BAM bemüht sich seither, die Bürgermedien in Deutschland für sich zu usurpieren. Die hier aufscheinenden Interessenlagen zwischen Flora-ex-Vorstand, Leinehertz, NLM und BV BAM wären einer eigenen, eingehenden Untersuchung wert.

»» [4]   Gebrummt hat es nach 2006 auf dem Sender häufiger. Siehe hierzu meine Dokumentations­seite Wo fünfzig Her(t)zen brummen.

»» [5]   © Norbert Büchner.

»» [6]   Dieser Redakteur war berüchtigt dafür, in seinen Nachtsendungen innerhalb von fünf Minuten zehn Mal das Wort „unglaublich“ zu verwenden. Hype ersetzt Inhalt. – In der BenutzerInnen-Ordnung war (und ist bis heute) festgehalten, daß Speisen und Getränke in den Sendestudios nichts zu suchen haben. Ein mit Cola verklebtes Mischpult macht genausowenig Spaß wie Kekskrümel im CD-Spieler oder Rauchpartikel auf den empfindlichen Lasern der Abspielgeräte.

»» [7]   Mir liegen mehr als vierzig Datensätze mit den jeweils aktuellen Stimmenzahlen als Screenshot vor. Da das Zwischen­ergebnis nur aufgrund einer vorherigen Stimmabgabe einsehbar war, müssen diese Stimmen vom realen Gesamtergebnis abgezogen werden.

»» [8]   Siehe hierzu auch das Radiofeature von Katharina Mann und Niko Martin »Man muss die Feste feiern, wie sie fallen …«, gesendet bei Darmstadts schönstem Vereinsfunk am 17. Juni 2003.


Diese Seite wurde zuletzt am 4. April 2012 als Version 1.36 aktualisiert. Links auf andere Webseiten bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2011, 2012. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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