Klavier Innenleben
Neue Klänge?

Radio Darmstadt

Ein neuer Besen

Dokumentation

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt.

Der Autor dieser Dokumentation ist seit Juni 1997 Redakteur bei Radio Darmstadt und erfreute sich von Januar bis Oktober 2007 eines nur aus dieser Umbruchssituation zu verstehenden, binnenpolitisch motivierten Sendeverbots. Nachdem das Sendeverbot nicht länger aufrecht erhalten werden konnte, wurde es flugs in ein Hausverbot umgewandelt. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt der Verfasser die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

Zwangsläufig erscheinen in dieser Dokumentation auch einzelne handelnde Personen mit Klarnamen. Damit sollen einzelne Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt werden. Zur Klarstellung: Eine Diffamierung einzelner Personen oder gar des gesamten Radioprojekts ist hiermit nicht beabsichtigt [mehr]. Das Wesen einer Dokumentation besteht darin, daß sie etwas dokumentiert, nämlich das, was tatsächlich vorgefallen ist.


Inhaltsangabe dieser Seite

In periodischen Zyklen befindet die hessische Landesmedienanstalt über die Verlängerung oder Neuausschreibung nichtkommerzieller Frequenzen. Der laufende Turnus geltender Sendezulassungen läuft zum 31. Dezember 2012 aus. Im Fall Darmstadts stellte sich schon seit einiger Zeit die Frage, ob die von selbiger Landesmedienanstalt jahrelang tolerierte Einschränkung der Zugangsoffenheit zum Sender und seinen Produktionsmitteln mit Gesetz und Sendelizenz vereinbar ist. Die Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt geht jedenfalls nicht davon aus, und es scheint so, als werde dies auch in Kassel so langsam mit skeptischem Blick betrachtet. Am 26. März 2012 stellte die Versammlung selbiger LPR Hessen für sechs Standorte die Signale auf „Grün“, während das Signal für Darmstadt noch nicht gezogen wurde. Am 4. Juni 2012 beschloß die Versammlung selbiger Anstalt, die Frequenz in Darmstadt neu auszuschreiben.

Diese Seite faßt Pressemitteilungen, Zeitungsberichte, Forumsdiskussionen und andere zugehörige verlinkbare Events zu einer Übersicht zusammen.


Kapitel 1: Die LPR macht Druck auf Radar

Die Mäuschen aus dem Sendehaus verrieten es: die Probleme mit der Zugangs­offenheit bei Darmstadts schönstem Hinterhofsender ließen der LPR Hessen so gut wie keine Wahl. Katharina Mann beendete die Geheimnis­krämerei aus Kassel und Darmstadt. Sie sprach offen die nun offenen Fragen in ihrem Podcast Hinter den Spiegeln am 16. April 2012 an.

Kurz zusammengefaßt, gibt es fünf oder sechs Möglichkeiten:

„Dissent“ beschrieb den Sachverhalt mit seiner Pressemitteilung am 25. April 2012 auch über die Grenzen des Darmstädter Vereinsfunks hinaus: „Mit der Aufhebung der Hausverbote ist es nicht getan“, nachzulesen in der Radioszene und auf der Pinnwand des BFR.

Am 27. April 2012 traf sich der Trägerverein des Darmstädter Vereinsfunks im Natur­freundehaus am Woog zu seiner Jahreshaupt­versammlung und widerrief die vor fünfeinhalb bzw. viereinhalb Jahren ausgesprochenen Hausverbote. Ein harter Kern von etwa einem Drittel der erschienenen Mitglieder, vierzehn an der Zahl, wollte hingegen lieber das Radio zu Grabe tragen und stimmte gegen die Aufhebung. So etwas könnte man oder frau auch vereins­schädigendes Verhalten nennen, aber das ist mir egal, denn dieser Verein, dessen jahrelanger Vorstand ich gewesen bin, interessiert mich nicht die Bohne. Bemerkenswert an diesm Beschluß ist, daß das Hausverbot erst zum 1. Juni 2012 aufzuheben sei, und, so erklärte es Vorstandsmitglied Markus Lang dem „Darmstädter Echo“, daß hieran keine Bedingungen geknüpft seien. Während die erste Maßnahme zunächst keinen Sinn zu ergeben schien, entpuppte sich die Aussage als falsch. Der Verein stellt sehr wohl Bedingungen.

Der Programmrat als Hort der vereinsinternen Reaktion zog seine eigenen Konsequenzen und verhängte auf seiner Sitzung am 14. Mai 2012 gegen mich ein Sendeverbot für meine Sendung am 11. Juni 2012. Begründung: ich habe in meiner Sendung Zwischen Polizeifunk und Lesekompetenz gegen die Sendekriterien des Vereins verstoßen. Nun sind diese Sendekriterien nicht nur rechtlich unverbindlich, mehr noch, in den vergangenen Jahren haben mehrere Mitglieder desselben Programmrats immer wieder selbst hiergegen verstoßen. Der Sinn dieser Maßnahme ist demnach offensichtlich. Und wenn der Vorstand des Vereins nicht in der Lage ist, dieses Treiben seines Programmrats zu unterbinden, dann nehme ich ihn hierfür mit in die Verantwortung.

Das „Darmstädter Echo“ trug Pressemitteilung und Ergebnis der Mitglieder­versammlung zusammen, fragte auch bei der zugeknöpften Landes­medienanstalt nach, und schrieb am 2. Mai 2012: Radio Darmstadt ringt um die Lizenz.

Die „Frankfurter Rundschau“ zog erst tags darauf mit einer gekürzten Fassung nach, weil sie seit Juli 2009 ihre Darmstädter Inhalte mit einem Tag Karenz von der dortigen Lokalzeitung bezieht: Keine Hausverbote mehr. Radio Darmstadt bewegt sich auf ehemalige Mitglieder zu.

Auch die Forengemeinde nahm die neue Entwicklung zur Kenntnis und tauschte sich darüber aus, beispielsweise in den Radioforen und im Radioforum auf ukwtv.de. Ich empfehle die Lektüre der dort vorzufindenden Haßtiraden eines Jörg Limberg aus der Unterhaltungs­abteilung des Senders. Wer dies liest, weiß, wie dieser Sender zwischen 2006 und 2012 getickt hat.

Kapitel 2: Die LPR schreibt die Frequenz neu aus

Einen Monat später, am 4. Juni 2012, traf sich die Versammlung der LPR Hessen traditionsgemäß auf dem Hessentag und traf eine Entscheidung: die Frequenz in Darmstadt wird neu ausgeschrieben. Die Begründung ist interessant, weil sie nicht ganz zutrifft:

„In Darmstadt wird die von RadaR e. V. – Radio Darmstadt genutzte Frequenz 103,4 MHz im Verlauf des Jahres neu ausgeschrieben, weil in Darmstadt neben RadaR e. V. der Dissent e. V. Interesse an einer Lizenzierung als Anbieter eines nicht­kommerziellen lokalen Radio­programms gezeigt hatte.“

Diese Interessenbekundung datiert vom Sommer 2007. Hingegen hat Dissent meines Wissens bislang kein entsprechendes Interesse für den Zeitraum ab 2013 bekundet. Das mögen Spitzfindig­keiten sein, aber sie weisen den Weg zum besseren Verständnis dessen, was uns die Pressemitteilung der LPR Hessen sagt, und was nicht. Im Oktober 2010 erschien auf einer Mitglieder­versammlung des Radar e.V. ein Repräsentant der LPR Hessen und verdeutlichte den Mitgliedern dieses Vereins ziemlich drastisch, daß sie mit dem Ausgrenzungs­kurs gegenüber Dissent und den zugehörigen Hausverboten nicht lizenzfähig seien. Nun hat selbige LPR Hessen 2007 und 2008 den Radar e.V. weiter lizenziert und im Grad der Ausgrenzung bestand zwischen Herbst 2007 und Frühjahr 2012 kein Unterschied. Allerdings kann die Behörde ja nicht hingehen und sagen, wir haben damals eine Entscheidung getroffen, die wir nicht hätten treffen dürfen und die wir auch heute nicht mehr treffen können und würden. Also schiebt sie das formale Argument eines früheren Interesses von Dissent vor, um nicht öffentlich das Scheitern ihrer Politik eingestehen zu müssen.

Die Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt veröffentlichte daraufhin eine eigene Pressemitteilung.

Aus dieser Pressemitteilung geht hervor, daß Dissent dem bisherigen Lizenznehmer Radar e.V. angeboten hat, einen gemeinsamen Lizenzantrag einzureichen (übrigens, auch schon – bei anderer Gelegenheit – im November 2010). Das wäre dann vielleicht das richtige Signal aus Darmstadt und möglicherweise ein Ende des „Darmstädter Radiokrieges“. Eine Antwort aus dem Hinterhof­funkhaus am Steubenplatz steht noch aus.

Am 30. Juli 2012 erschien die Ausschreibung im Staatsanzeiger für das Land Hessen, Ausgabe 31/2012. Für den Ausschreibungs­text wird auf ein PDF auf der Webseite der LPR Hessen verwiesen.

Kapitel 3: Wie Zugangsoffenheit bei Radar buchstabiert wird

Am 8. Juni 2012 wollte Norbert Büchner als einer derjenigen, dessen Hausverbot aufgehoben wurde, wie an jedem Freitag ab 19.00 Uhr, sein „Radio Theater“ zu Gehör bringen lassen. In weiser Voraussicht hat der Vorstand von Radar pünktlich zum 1. Juni 2012 die Öffnungszeiten seines Büros so geändert, daß an Montagen und Freitagen selbiges nur vormittags, aber nicht nachmittags zu erreichen ist. Wie es der Zufall will, finden am Montag- und am Freitag­nachmittag die Sendungen derer statt, deren Hausverbot aufgehoben worden war. In der Vergangenheit hatte notfalls eine Bürokraft oder ein anderer Beschäftigter des Vereins die auf CDs eingereichten vorproduzierten Podcasts eingelegt und abgespielt oder – weil hier ein gesonderter Vertrag existiert – die per ISDN-Codec durch Norbert Büchner eingespielten Sendungen des „Radio Theaters“ auf das Mischpult gelegt.

Der 8. Juni 2012 ist in Hessen ein Brückentag und so stand es zu erwarten, daß um 19.00 Uhr keine und niemand im Sendehaus sein werde. Björn Böhmelmann legte um 17.00 Uhr eine vorproduzierte Sendung ein (oder ließ einlegen) und zur Vorsicht noch einige Musikstücke zur Überbrückung auf die nächste Sendende. In seiner Abmoderation kündigte er als nachfolgende Sendung den KultTourKalender mit Petra Schlesinger an. Dieser „KultTourKalender“ fällt jedoch mit unschöner Unregel­mäßigkeit aus, vorzugsweise an Brückentagen, aber auch sonst. In der Regel springen dann zufällig im Sendehaus weilende Vereinsmitglieder ein und radebrechen sich entweder einen Kalender zusammen wie beispielsweise am 16. März 2012 der Kollege Aurel Jahn – Sendekritik mit Hörproben finden sich in meiner Sendung Zwischen Polizeifunk und Lesekompetenz – oder sie überbrücken die sonst lähmende Stille mit (in der Regel) beliebiger, belangloser und dudellig dahinträllender Mainstream­musik. Aurel Jahn zog an diesem Freitag das Hessentagsradio seinem Lieblingssender vor und konnte daher nicht als Notnagel einspringen.

Nun besitzt Norbert Büchner derzeit keinen eigenen Zugang zum Sender. Seine Zugangskarte wurde nach Aussprechen des Hausverbots – auf einer mit Protokollnach­bearbeitung verbundenen Vorstandssitzung am 13. September 2006 – gesperrt. Ihm öffnete am Freitagabend keine und niemand die Tür, weil ja keine und niemand nicht im Sender anwesend waren. Folgerichtig konnte auch keine eingereichte CD abgespielt werden, ganz zu schweigen von der Einspeisung des Sendesignals per ISDN-Codec. Der Vorstand, der hier hätte vorsorglich hätte handeln müssen, hatte sich verkrümelt und überließ den Zugang zu seinem Sender dem freien Spiel der Kräfte. Ohnehin hatte er schon den Programmrat angebettelt, ob dieser ihm nicht unter die Arme greifen wolle, wovon der Programmrat als Hort der vereinsinternen Reaktion nichts wissen wollte.

Kurz und knapp: Anstelle des „Radio Theaters“ gab es ein Sendeloch, das nach rund 20 Sekunden von der Sendeloch-Erkennung erkannt und durch Einspielen allerbanalster Unterhaltungsmusik überbrückt wurde. Sei am Rande vermerkt, daß es unerklärlich ist, weshalb seit Jahren bei Sendelöchern immer wieder dieselbe banale Chose zu hören ist und wie es die Techniker geschafft haben, Musikstücke in unterschiedlichster Auspegelung auf den Computer zu plazieren. Denn die technikgesteuerte Auspegelung derart schlecht ausgepehelter Musikstücke versagt hier regelmäßig. Mal klingt der Sender im Flüsterton, mal wieder in halbwegs manierlicher Lautstärke.

So sieht die „Zugangsoffenheit“ zu Darmstadts Lokalradio in der Praxis aus. Das Hausverbot ist aufgehoben, allein, es nutzt nichts, weil man oder frau auch weiterhin keinen Zugang zum Sendegeschehen erhält. Ich bin mal gespannt, wie Radar diesen weiteren Verstoß gegen § 40 Abs. 2 HPRG der LPR Hessen bei der Einreichung der Lizenzunterlagen erklären will.

Kapitel 4: Bettelbriefe aus dem Sendehaus

Aurel Jahn, einstiger Vorstand des Trägervereins von Radio Darmstadt, hat die Initiative ergriffen und diverse lokale Gruppen und Institutionen angeschrieben. Diese mögen doch bitte in einem knappen Schreiben die Unterstützung die Bewerbung von Darmstadts bisherigem Lokalradio unterstützen. In meiner Sendung Wassermühlen und ein Mob hatte ich am 23. Juli 2012 einen solchen Bettelbrief vorgestellt und kommentiert. Selbstredend werden Darmstädter Initiativen, denen das Demokratie­verständnis des Radar e.V. vollkommen schnuppe ist, positiv auf das Ansinnen reagieren. Mir liegen inzwischen mehrere dieser Bettelbriefe mitsamt der daran geknüpften internen Diskussion vor. Offensicht­lich funktioniert das Netzwerk Darmstädter Eitelkeiten genau so, wie ich es in meiner Sendung formuliert hat, nämlich mit gegenseitigem Pampern.

Geben und Nehmen, Betteln und Pampern – oder: die Darmstädter Mischpoke

Nach diesem kleinen Ausflug in die Welt pseudo­redaktioneller Arbeit auf diesem Sender können wir uns nun ungeniert der Lobbyarbeit aus dem hiesigen Sendehaus zuwenden, mit welcher der Trägerverein dieses Lokalradios, ein gewisser Radar e. V., Unterstützungs­schreiben bei gutgläubigen Darmstädter Institutionen fischen geht. Aurel Jahn, bis vor kurzem (oder vielleicht sogar immer noch eingetragener) Vorstand dieses Vereins, hat verschiedene Gruppen und Institutionen in dieser Stadt angeschrieben, und den Text lese ich euch am besten einfach einmal vor:

„Unsere Sendelizenz für die 103,4 MHz in Darmstadt zu senden läuft, wie bei den anderen 6 nicht Kommerziellen Lokalradios in Hessen zum 31. Dez. 2012 aus.

In Darmstadt wird die 103,4 MHz für nicht kommerzielles Lokalradio neu ausgeschrieben. Das bedeutet, dass wir einen kompletten Lizenzantrag schreiben müssen, aber dafür auch die Lizenz für weitere 10 Jahre erhalten können.

Ein wesentlicher Anteil des Lizenzantrages ist der Nachweis, dass wir viel Rückhalt in Darmstadt, also den Menschen und Vereinen, aber auch bei Darmstädter Institutionen haben. Deswegen bitten wir um ein ‚Unterstützer­schreiben‘, dass wir als Anlage dem Lizenzantrag beifügen können.

Ich denke dabei an ein postalisch zugestelltes Schreiben von 4 bis maximal 15 Zeilen an Radio Darmstadt […]. Ich danke Ihnen und auf weiterhin gute Zusammenarbeit.“

Zunächst einmal: Die Sendelizenz läuft nicht nur zum 31. Dezember 2012 aus, sondern Radio Darmstadt ist zudem das einzige der vorhandenen sieben nicht­kommerziellen Lokalradios in Hessen, dem die zuständige Landes­medienanstalt, die LPR Hessen, die Verlängerung selbiger Sendezulassung ausdrücklich verweigert hat. Die anderen sechs durften einfach bis zum vergangenen Samstag einen Verlängerungs­antrag einreichen, und gut ist. Die Lizenz läuft dann unproblematisch weiter. Hingegen nicht so Radar. Die Gründe hierfür benennt Aurel Jahn in seinem Schreiben vorsichtshalber nicht, denn sie könnten ein Schlaglicht auf das Demokratie­verständnis seines Lokalradios werfen. Ein Repräsentant der LPR Hessen hatte dem Verein Radar e. V. auf dessen Mitglieder­versammlung im Oktober 2010 nämlich klipp und klar gesagt, daß dessen Praxis der willkürlichen Haus und Sendeverbote gegen die geltende Sendezulassung verstoße.

Deshalb, und weil es einen weiteren Bewerber um die Darmstädter Frequenz gibt, einen Bewerber, der derlei Zugangs­hemmnisse wie Haus- und Sendeverbote ausdrücklich ablehnt, nämlich die Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt, blieb der LPR Hessen gar nichts anderes übrig, als die Frequenz neu auszuschreiben. Nur so denkt die Behörde, den Verein Radar e. V. dazu bringen zu können, zukünftig die rechtlichen Grundlagen der Sende­zulassung auch einzuhalten, sollte er denn den Zuschlag erhalten. Zudem wird eine solche Frequenz nicht auf zehn Jahre ausgeschrieben, sondern auf fünf, aber auf derlei Genauigkeit kommt es in so einem gut recherchierten Bettelbrief auch gar nicht an. [Nachtrag: die Ausschreibung der Frequenz nennt abweichend vom bisherigen Prozedere sechs Jahre.]

Daß Radar mit seinem Lizenzantrag nachweisen muß, viel Rückhalt in Darmstadt zu genießen, ist schlicht falsch. Die Ausschreibung verlangt vielmehr, so sieht es das Hessische Privatrundfunkgesetz nämlich vor, daß Radar in seinem Lizenzantrag wird nachweisen müssen, daß der Verein sich zukünftig an die gesetzlichen Vorgaben der Zugangs­offenheit halten wird. Das Heischen nach Unterstützungs­schreiben soll den bisherigen diesbezüglichen Mangel nur kaschieren.

Nun spricht nichts dagegen, daß Radar all die vielen Initiativen anschreibt, die der Verein in den letzten Monaten dadurch gepampert hat, daß sie alle einmal ins Mikrofon sprechen durften und sich dabei gebauchpinselt fühlen sollten, um später – wie bei jedem guten Geschäft – die Gegenleistung einzufordern. So läuft eben gute Lobbyarbeit, genau so wie in der von Aurel Jahn in seiner Sendung 291111–radiodarmstadt.de/in-sendeplatz deswegen durchaus zutreffend gegeißelten großen Politik. Da wird, möglichst hinter den Kulissen, gebuhlt und geschachert, und auf wahrheitsgemäße und vollständige Informationen kommt es dabei auch nicht an. Ob dies dabei hilft, ein für Alle (selbstredend außer Nazis und deren Verfassungs­schutzanhang) zugangs­offenes und erst recht ein gutes Radio­programm zu gestalten, muß allerdings bezweifelt werden. Denn das Darmstädter Lokalradio benötigt dringend eine Erneuerung. Und damit meine ich nicht nur die sogenannte Recherche auf diesem Sender, die aus der mehr oder weniger gekonnten Verlesung der Inhalte des Internets besteht.

Kapitel 5: Ein Transparent gegen Nazis

Am 3. August 2012 verirrten sich fünf oder sechs Neonazis aus den Reihen der NPD auf den Darmstädter Luisenplatz. Der Hessische Verwaltungs­gerichtshof hatte erwartungsgemäß das städtische Verbot dieses Auftritts gekippt. Geschützt von einem Polizei- Großaufgebot bemühten sich diese Vertreter der Mitte der Gesellschaft heldenhaft, den etwa 600 Demon­strantinnen und Demonstranten Paroli zu bieten, die sich durch eine polizeiliche Absperrung gesichert dem braunen Treiben entgegenstellten. Selbst­verständlich bemühten sich die prominenten Rednerinnen und Redner aus den Reihen der städtischen Politik darum, das Zusammen­wirken staatlicher Stellen mit eingefleischten Neonazis nicht auf den staatstragenden und verfassungs­schützenden Punkt zu bringen. Darmstadts Oberbürger­meister Jochen Partsch sprach zwar von einem Netzwerk, das bis hin zur NPD reiche, ließ aber die materielle und immaterielle Förderung und Unterstützung des neonazistischen Netzwerkes durch Teile des Staats­apparates tunlichst unerwähnt.

Aber immerhin, Darmstadt zeigte Flagge. Mit einer eigenen Art Flagge tauchten in der Reihe der Demon­strantinnen und Demonstranten auch zwei Vertreter und eine Vertreterin von Darmstadts Lokalradio auf. Während Aurel Jahn das Ereignis mit seinem Mikrofon aufnahm und seine O-Töne in seiner Lokalsendung am selben Nachmittag zu Gehör brachte, nutzten Björn B. und Wally H. die Gelegenheit, mit einer kleinen Radar-Flagge Öffentlich­keitsarbeit zugunsten des eigenen Lizenzantrages zu betreiben. Nun könnten wir diese Parteilichkeit gleichermaßen erfreulich wie opportunistisch nennen, wäre da nicht nachzutragen, daß es nicht zuletzt Wally H. und Björn B. (siehe auch nachfolgend die Unter­schriftenliste) gewesen sind, die sich in Darmstadts Lokalradio verhement dafür eingesetzt haben, daß drei Darmstädter Antifa­schistinnen und Antifaschisten keinen Platz finden konnten und sollten. Und genausowenig, wie Darmstadts demonstrierende Öffentlichkeit nach den staatlichen Wurzeln mörderischer Neonazis gefragt hat, wird sie das transparentige Engagement von Frau H. und Herrn B. in Bezug zu deren Engagement im Sendehaus gesetzt haben. Es gibt Dinge, die will ein aufgeklärter Demokrat, die will eine staats­tragende Demokratin lieber nicht wissen.

Kapitel 6: Radar – was'n des?

Diese Frage kann frau und man sich durchaus stellen. In den allerersten Anfängen des Darmstädter Lokalradios, damals, als es 1995 und 1996 noch Veranstaltungs­radio war, gab es ein Magazin mit selbigem Titel, das den Darmstädterinnen und Darmstädtern das noch nicht lizenzierte Medium nahebringen sollte. Jahre später – Radar zieht gerade in sein Hinterhof­studio um – wird die Konserve neu aufgelegt. Aurel Jahn und Claudius Kleemann spielen Ping Pong miteinander nach dem Motto: kannst du mir das Radio, in dem ich schon länger sende und an dessen Hinterhof­studioaufbau ich auch beteiligt war, eigentlich von klein auf noch einmal verklickern? Das macht der Aurel dann gerne. Und wir hören diese neue Konserve am Dienstag, den 7. August 2012, auf Aurel Jahns offenem Sendeplatz. Derlei Konserven kommen immer dann zum Zug, wenn mal wieder nichts vorliegt, der Redakteur keine Lust hat oder die Moderatorin sich nicht vorbereitet hat. Im August 2012 ist noch hinzuzudenken: wir müssen den Hörerinnen und Hörern das Radio noch einmal nahebringen, damit wir die eine oder andere Unterstützungs­unterschrift mehr einheimsen können. Doch was ist'n des nun?

Zunächst einmal wird die Konserve nicht pünktlich um 17.00 Uhr gestartet, was keiner Rede wert wäre, wenn nicht statt dessen ein niedliches Sendeloch eingespielt worden wäre. Es folgt das Beste von Radio Darmstadt, wenn man und frau mal wieder nichts zu sagen hat, nämlich Musik, bis wir dann völlig konsterniert zu hören bekommen: „Sie hörten die Nachrichten vom Deutschland­funk in Kooperation mit Radio Darmstadt“. Tja, was'n des? Auf diesen Schreck gibt es erst einmal wieder Musik, bis die Konserve, zunächst in Flüsterlaut­stärke, anläuft. Und für ein derartig fragwürdiges Programm möchte der Verein Radar allen Ernstes eine Sendelizenz haben …

Vielleicht sollte ich den Programmrat von Radio Darmstadt einmal fragen, wer denn die Sende­verantwortung für diesen Murks übernommen hat. Aber da frage ich ja den Bock.

Anmerkung zum Datennirwana

Das Internet ist nicht nur ein kurzweiliger, sondern mitunter auch ein kurzlebiger Raum. Webseiten werden verändert, auf Neudeutsch: relauncht, oder verschwinden gleich ganz im Datennirwana. Verlinkte Inhalte, gar durch Lesezeichen getaggt, sind nicht mehr abrufbar. Das kann auch den obigen Links widerfahren.


Im Mai 2009 legten die Gegner der Aufhebung der Hausverbote im Sendehaus eine Unter­schriftenliste aus, die von den Initiatorinnen und Initiatoren samt Umfeld unterschrieben wurden. Diese auch Nichtmitgliedern des Vereins zugängliche Liste wurde mir zugespielt. Der Listenkopf hat folgenden Inhalt:

„Sollte der Vorstand von Radar e.V. das Hausverbot gegen Norbert Büchner für die Räumlichkeiten am Steubenplatz 12 aufheben, erkläre ich hiermit vorsorglich meinen Rücktritt von allen vereins­internen Funktionen und meinen Austritt aus Radar e.V. Auch meine aktive Sende­tätigkeit bei Radio Darmstadt werde ich für diesen Fall umgehend einstellen.“

Da der Vorstand des Vereins bei der Mitglieder­versammlung die Aufhebung nicht nur dieses, sondern aller Hausverbote beantragt hat, ist der Fall hiermit gegeben. Ich fordere daher die Erst­unterzeichnerinnen und Unterzeichner

auf, den obigen Worten auch Taten folgen zu lassen. Daß es sich hierbei um nichts weiter als vereins­interne Stimmungs­mache gehandelt hat, bewies einer der Initiatoren, nämlich Günter Mergel, als er sich auf der Mitglieder­versammlung am 27. April 2012 nach erfolgtem Beschluß zur Aufhebung der Hausverbote in den Vermittlungs­ausschuß des Vereins wählen ließ. Sollte ich das Programmrats­mitglied Ralf D. am 11. Juni 2012 auf der Sitzung des Programmrats antreffen, werde ich ihn fragen, weshalb er a) immer noch sein Pöstchen wahrnimmt und b) überhaupt noch im Sendehaus anzutreffen ist.


Diese Seite wurde zuletzt am 8. August 2012 aktualisiert. Links auf andere Webseiten bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2012. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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