Titelfoto Juni 2006
Sommermärchen im Grünen

Radio Darmstadt

Unkonzentriert ins Sommermärchen

Juni 2006
Dokumentation

 

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt. Der Autor dieser Dokumentation hat von Juni 1997 bis Januar 2007 bei Radio Darmstadt gesendet, bis ihn ein aus dieser Umbruchssituation zu verstehendes binnenpolitisch motiviertes Sendeverbot ereilte. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt er die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

In der Dokumentation werden die Namen handelnder Personen aufgeführt. Damit werden Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt. Zur Klarstellung: Eine Diffamierung einzelner Personen ist hiermit nicht beabsichtigt. [mehr]

 


 

Zusammenfassung

Auf dieser Seite werden die Vorkommnisse des Monats Juni 2006 dokumentiert.

Es ist der Monat des Sommermärchens. Alle schauen mehr auf den runden Ball und hören weniger Radio. Dennoch geschehen einige Dinge, die zu nennen wären. So wird der Ende April gewählte Vorstand endlich in das Vereinsregister eingetragen. Eigentlich ist jetzt alles klar; aber das paßt einer Fraktion im Verein nicht. Dann kreiert eine Praktikantin ein kleines Kunstwerk. Dieses Kunstwerk wird bei daran interessierten Sendenden einen ziemlichen Wirbel erzeugen. Es sind im großen und ganzen dieselben Sendenden, die nicht begreifen wollen, daß ihr Radio kein Spielzeug ist, sondern eine ernstzunehmende Aufgabe. Diese Aufgabe erfordert Verständnis für das Sinnhafte und Notwendige im Verbreiten von Wort und Musik.

 


 

DAT RecorderFreitag, 2. Juni 2006
Falsche Aufnahme


Aus nicht nachvollziehbaren Gründen startet gegen 15.00 Uhr unser DAT-Recorder mit dem Abspielen des schon für die Aufnahme vorbereiteten Wiederholungsbandes vom Freitag, also den Sendungen der Vorwoche. Nun störte das keine und niemanden, weil nichts davon auf den Sender ging. Unglücklicherweise versucht kurz vor 17.00 Uhr unsere Zeitschaltuhr, dieses Datband in den Aufnahmemodus zu schalten, was jedoch nicht funktioniert. Der vorgesehene Chef (oder die Chefin) vom Dienst hat offensichtlich die ordnungsgemäße Funktion des Gerätes nicht rechtzeitig überprüft, so daß der Anfang der Sendung über die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung des Tages zuvor nicht aufgezeichnet werden kann.

Das Radiowecker-Team vom Samstag leitete deshalb vor dem Start der Wiederholung um 9.00 Uhr moderativ zum Beginn der aufgezeichneten Sendung über, so daß unsere HörerInnen voll im Bilde waren. Klug mitgedacht (und wahrscheinlich vom Moderator der Sendung über die StaVo vorbereitet)!

Am späten Freitagabend fällt die im Programmflyer angekündigte Friday Night Radioparty zum wiederholten Male aus, ohne daß der Programmrat hieran Anstoß nimmt. Seltsamerweise wird das Wiederholungsband mitten im KultTourKalender, also der Sendung nach dem Bericht über die Stadtverordnetenversammlung, gestartet.

Screenshot der Webseite zu Sighs and ScreamsSamstag, 3. Juni 2006
Sendeloch mit Ankündigung


Der Moderator der Sendung Sighs & Screams hat seine Sendung bereits am Dienstagabend vorproduziert und ist so unvorsichtig, mich zu fragen, wem er denn sein Band in die Hand drücken könne, damit diese Person es für ihn einlege. Ich antworte wahrheitsgemäß und geradezu hellsichtig, daß ich nicht wisse, wer vor ihm senden werde, und daß es sogar gut möglich sein könne, daß auch die Sendung vor der seinen als Konserve eingelegt wird. Ich verweise ihn deshalb an die Unterhaltungsredaktion, die den Sendeplatz vor seinem füllt. Aber weshalb bittet er seine Kolleginnen und Kollegen aus der Musikredaktion nicht um kollegiale Hilfe? Warum sucht er sich statt dessen ein Opfer, an das er die Verantwortung für das korrekte Einlegen seiner Sendung delegieren kann?

So begab es sich, daß am Samstagabend nicht die vorgesehene Wiederholung der Sandwich–WM der Unterhaltungsredaktion lief, sondern eine Konserve aus grauer Vorzeit mit einer Sonntagssendung, die es schon seit längerem nicht mehr bei Radio Darmstadt gibt, nämlich Sunday 7pm. Da der Musikredakteur von Signs'n'Screams geschickterweise das Band mit seiner Sendung in das verschlossene Fach der Unterhaltungsredaktion eingeworfen hatte, konnte natürlich auch keine und niemand um 21.00 Uhr diese Sendung freundlicherweise einlegen, vorausgesetzt natürlich, eine oder jemand wäre zu dieser Zeit im Sendehaus gewesen. Deshalb begann das 93–minütige Sendeloch pünktlich und geplant nach Ablauf des eingelegten Bandes der Unterhaltungsredaktion um 21.00 Uhr und 30 Sekunden. Um 22.33 Uhr betraten eher zufällig ein paar Nachtschwärmer und Nachtschwärmerinnen das Sendehaus und beendeten die vorproduzierte Stille. Selbstverständlich wird es auch kein Dankeschön des verantwortungslosen Musikredakteurs an die Redakteurin des Radioweckers geben, die immerhin am frühen Morgen um 5.00 Uhr dafür gesorgt hat, daß das aufgezeichnete Sendeloch nicht noch einmal zu hören war.

Studioumschaltung in Studio 2Pfingstmontag, 5. Juni 2006
Noch nicht ganz ausgeschlafen


In Studio 2 beginnt der Radiowecker, doch in Studio 1 zwitschern die Vögel am Ende des Wiederholungsbandes. Da die Moderatorin des Radioweckers selbst noch etwas unausgeschlafen ist, vergißt sie, das Sendesignal auf ihr Studio umzuschalten. Deshalb werden unsere Hörerinnen und Hörer zunächst von acht Minuten Geräuschkulisse geweckt.

Funkuhr in Studio 1Pfingstmontag, 5. Juni 2006
Nachmittags um drei


Der Moderator der laufenden Wiederholungssendung verkündet: "Es ist Pfingstsonntag, 17.00 Uhr." Soso. Am Montagmorgen hatte das Radiowecker-Team aufgepaßt und das Wiederholungsband so gestartet, daß die sinnlose Zeitangabe nicht zu hören war. Die Bildungsresistenz auf dem Sender ist so weit verbreitet, daß selbst alte Hasen es nicht einsehen wollen, daß Zeitangaben in Sendungen, die wiederholt werden, ziemlich unsinnig sind.

Umweltdiplom bei Radio DarmstadtDienstag, 6. Juni 2006
Umweltdiplom erwerben


Heute ist der vierte Termin, an dem Darmstädter Mädchen und Jungen bei Radio Darmstadt an einer Veranstaltung zum Erwerb des Umweltdiploms teilnehmen können. Unter dem Motto "Wir machen Radio für Naturschutz und fairen Handel" erkunden sechs Mädchen und vier Jungen das Radio und erarbeiten unter der fachkundigen Leitung von Sonya Raissi und Daniel Fischer einen Beitrag für die Abschlußsendung am 13. Juli. [Kooperationspartner Werkhof Darmstadt]

Screenshot von der KIZ WebseiteDienstag, 6. Juni 2006
Unvorbereitet plappern


Um 18.00 Uhr hören wir zu Beginn der Sendung Knackpunkt den Beginn der Nachrichten des Deutschlandfunks. Das liegt daran, daß der Mischpultzug für den dritten CD–Player eine Zweitbelegung besitzt, mit der das Radiosignal des Deutschlandfunks eingespeist wird, um die Nachrichten im Radiowecker, in den Nachmittagsmagazinen (von 16.00 bis 17.00 Uhr) oder um 23.00 Uhr zu übernehmen. Der Moderator hat also nicht aufgepaßt und deshalb auch nicht auf die Zweitbelegung geachtet. Kann vorkommen, sollte jedoch nicht. Der Moderator ist schließlich durch ähnliche Vorkommnisse in jüngster Vergangenheit vorgewarnt, daß sein Einstart in die Sendung einer besonderen Sensibilität bedarf.

Und so geht es gleich munter weiter! Er stellt seine Gästinnen und Gäste vor, einige Existenzgründerinnen und –gründer, sowie deren Betreuerin, "nämlich die Frau Berg vom KIZ. Schönen Tag, Frau Kiz." Wir erfahren natürlich nicht, was das KIZ ist, denn schließlich haben seine Hörerinnen und Hörer die entsprechende Erklärung aus einer vorangegangenen Sendung noch im Kopf. Statt dessen wird die wesentlich relevantere Information verbreitet, es folge jetzt gleich Musik. Na, so was aber auch! Intelligent auch die Kommentierung einer Existenzgründung mit den Worten "Gesundheitsvorsorge im Bereich Präventiv". Den Unterschied zwischen Vorsorge und Prävention möge er mir doch bitte einmal erklären. Man und frau könnte hieraus den Schluß ziehen, daß es sich hierbei um eine typische Sinnloszwischenmoderation handelt, weil der Moderator schlecht vorbereitet ist und ihm deshalb gerade nichts zur Überleitung einfällt. Grundsätzlich: ein Moderator oder eine Moderatorin, die einfach Musik ankündigen, haben in der Tat meist nichts anderes zu sagen!

Donnerstag, 8. Juni 2006
Guten Abend am Nachmittag


Punkt Donnerstagmittag ist es laut Auskunft unserer Moderatoren jetzt Mittwoch, 21.00 Uhr. Nun, wie soll ich es sagen? Vielleicht so: "To avoid use of date and time in repeated program sequences is strongly recommended."

Montag, 12. Juni 2006
Wir wecken Darmstadt


Radiowecker-Praktikantin Tanja Ribartsch [1] probiert sich an einem neuen Jingle für die morgendliche Sendung. Sie benutzt hierzu charakteristische Ähms und Jas des Kulturredakteurs Gerhard Schönberger und montiert sie kunstvoll zu einem neuen Erkennungszeichen.

Screenshot von weltfussball.deMontag, 12. Juni 2006
Aktuelle Unaktualität


Manche Moderatoren bemühen sich um Aktualität, auch wenn es sich dabei um die abgestandenen Hypes aus dem Internet handelt. Anders der heutige Moderator kurz vor 17.00 Uhr. Er gibt ganz aktuell den aktuellen Spielstand eines Vorrundenspiels der Fußball-Weltmeisterschaft durch. Im Grunde genommen kann da nicht viel schief gehen. Allerdings sind wir erst im Nachhinein klüger und wissen nun, daß diese Weltmeisterschaft mit der zweitärmsten Torausbeute aller Zeiten gegeizt hat. Wenn jedoch zwischen dem Blick auf den Liveticker eines Internetportals und der Durchsage über das Mikrofon einige Minuten vergehen, da kann es schon einmal passieren, daß in der Zwischenzeit ein weiteres Tor gefallen ist. Und dann wird den Hörerinnen und Hörern eine brandaktuelle falsche Information übermittelt. So geschehen beim Spiel Japan gegen Australien, als Australiens Kicker in den letzten Spielminuten noch drei Treffer erzielten.

Montag, 12. Juni 2006
Geschürte Anfeindungen


Das Ende April neu gewählte Vorstandsmitglied Susanne Schuckmann hat die morgendliche Jinglekreation gehört. Sie berichtet hierüber auf der abendlichen Programmratssitzung unter Punkt "Verschiedenes" und gibt sich empört. Sie verstehe nicht, was das soll. Die hierdurch geschürte Stimmung im Programmrat richtet sich daraufhin aggressiv gegen die Redaktion Radiowecker. Susanne Schuckmann und Gerhard Schönberger sind Mitglieder der Redaktion treffpunkt eine welt.

Dienstag, 13. Juni 2006
Polizeiliches Verkehrschaos


Die für 17.00 Uhr vorgesehene Sendung 291111 – radiodarmstadt.de/in-sendeplatz fällt aus. Der vermutliche Grund: Der Redakteur bleibt im Verkehrschaos stecken, das die Darmstädter Polizei angerichtet hat, um die demonstrierenden Studierenden daran zu hindern, wahrgenommen zu werden. Allerdings war die Demonstration angekündigt und das Verkehrschaos abzusehen.

Dienstag, 13. Juni 2006
Unkonzentriert


Erst spielt der Moderator, der seine Redaktionskollegin vom Duft Tunesiens vertritt, in der 18.00 Uhr-Sendung aus Unachtsamkeit zweimal denselben Song hintereinander, dann produziert ein weiterer Redaktionskollege am Ende der Sendung Gospel Rock ein etwa dreiminütiges Sendeloch. Er hätte sich kurz vor 23.00 Uhr das Sendesignal holen und die Deutschlandfunk-Nachrichten einspielen sollen, bevor er Lorettas Leselampe zu Gehör bringt. Allein – er vergißt, sich das Sendesignal in das zweite Sendestudio zu holen. Das kommt davon, wenn man sich selbst mit Unwichtigem ablenkt und deshalb nicht konzentriert bei der Sache ist. So geschehen dem Autor dieser Dokumentation.

Stand der LPR Hessen beim Hessentag 2005Mittwoch, 14. Juni 2006
Der Vorstand tagt


Vorstandsmitglied Niko Martin war auf dem Media Day des Fachbereichs Media an der Hochscule Darmstadt und traf dort den für nichtkommerzielle Lokalradios zuständigen Referenten der LPR Hessen. Von ihm war zu erfahren, daß die sieben nichtkommerziellen Lokalradios (NKL) mit einer neuen Sendelizenz rechnen können, allerdings sei eine Novellierung des Hessischen Privatrundfunkgesetzes zu erwarten. Der Entwurf dieser Novellierung liege der LPR vor; Radio Darmstadt solle sich den Text über die Staatskanzlei besorgen. Es stellt sich heraus, daß weder die Staatskanzlei noch die LPR Hessen bereit sind, diesen Entwurf herauszurücken, obwohl er an andere (meist kommerziell orientierte) Dritte zur Stellungnahme weitergeleitet wurde. Radio Darmstadt erhält den Entwurf im August aus einer anderen Quelle.

Die notwendigen Formalitäten hinsichtlich der Vorstandswahl am 28. April wurden heute beim Registergericht eingereicht. Jetzt heißt es, auf die Entscheidung über die Gültigkeit der Wahl zu warten. – Die LPR Hessen hat einen neuen Computer für das Sekretariat von Radio Darmstadt als Ersatzbeschaffung bewilligt. Dieser Rechner wird Ende des Jahres jedoch zur Aufzeichung des gesendeten Programms verwendet und steht dem Sekretariat nicht zur Verfügung. – Die dringend erforderlichen Wartungs– und Reparaturarbeiten an einzelnen CD–Playern und DAT–Recordern sollen alsbald von Stefan Egerlandt vorgenommen werden.

Mittwoch, 14. Juni 2006
Der Vorstand hält dem Programmrat einen Spiegel vor


Der Programmrat hatte zwei Tage zuvor beschlossen, daß der Vorstand endlich die Unterlagen beim Registergericht einreichen und noch vor der Sommerpause eine Mitgliederversammlung einberufen solle. Der Vorstand stellt fest, daß sich der Programmrat wieder einmal um Angelegenheiten kümmert, die nicht seine Aufgabe sind, statt dessen jedoch seine originären Aufgaben vernachlässigt. Deshalb wird der Programmrat beauftragt, bis Ende September 2006 Sendekriterien aufzustellen, die der Qualität des Programms zugute kommen sollen. Am 11. September wird der Programmrat tatsächlich Sendekriterien beschließen, die jedoch eher einen Akt groben Unfugs darstellen. Diese Sendekriterien werden in der Folge gezielt gegen bestimmte Personen benutzt werden, um die in der Sendelizenz zwingend vorgegebene Zugangsoffenheit zu unterlaufen. [Auszug Vorstandsprotokoll]

Donnerstag (Fronleichnam), 15. Juni 2006
Ahnungslos


Statt der für 18.00 Uhr vorgesehenen Sendung des Eriträischen Freundschaftsvereins ist eine Konserve aus dem Archiv der Redaktion treffpunkt eine welt zu hören. Nun wäre das nicht tragisch, wenn nicht hier gegen einige fundamentale Regeln sinnvoller Sendegestaltung verstoßen worden wäre. Not– oder Ersatzsendungen, und das ist eine vor Jahren durch den Programmrat beschlossene Regelung, sind zeitlos zu gestalten. Hinweise auf Regierungsformen in anderen Staaten, die längst durch die politische Realität überholt worden sind, sind wenig hilfreich, um die gesellschaftliche Situation in einem Land wie Ecuador zu begreifen. Die Sendung wurde im Original im Januar 2004 ausgestrahlt, weshalb es nicht sehr sinnvoll ist, Hinweise auf Gruppentreffen oder politische Initiativen im Februar und März 2004 zu senden. Derartiges hätte also herausgeschnitten werden müssen. Selbstredend gab es auch keine An– oder Abmoderation, welche auf den Konservencharakter dieser Sendung hingewiesen hätte. Etwas peinlich ist der Dank an die Technikerin zu Ende der Sendung und der Hinweis darauf, daß diese Technikerin im Anschluß an die Konserve mit ihrer eigenen Sendung Prima zu hören sein werde. Tatjana Jordan wurde nämlich am 6. Dezember 2004 erschossen; ich finde das einfach taktlos.

Bemerkenswert ist, daß die ursprünglich vorgesehene Sendende zu ihrer Entschuldigung ausgeführt hat, sie habe die Telefonnummer des CvD (Chef oder Chefin vom Dienst) nicht gekannt. Sie wußte zwar, wie frau 10 Minuten vor Beginn der Sendung in der Lage ist, die an einem arbeitsfreien Donnerstag garantiert nicht abgehörte Mailbox des Sekretariats zu besprechen. Aber daß sie die Telefonnummer von Radio Darmstadt nicht kennt, sollte glatt zur Disqualifikation vom weiteren Sendebetrieb führen.

Freitag, 16. Juni 2006
Abwesend und verantwortungslos


Zum wiederholten Mal erscheint um 17.00 Uhr niemand aus der Lokalredaktion zur Sendung. Es scheint so, als fühle sich keine und niemand in der Lokalredaktion für diesen Sendeplatz verantwortlich.

Montag, 19. Juni 2006
Zettels Alptraum


Die Praktikantinnen Tanja Ribartsch und Viola Seeliger [2] finden morgens auf dem Mischpult im Studio ein vierseitiges Schreiben von Gerhard Schönberger vor, das an sie gerichtet ist. Da dieses Schreiben jeglichen kollegialen Respekt vermissen läßt, reagieren beide Praktikantinnen nicht darauf. Hier ein charakteristisches Zitat aus dem Schreiben:
Wenn alles so, wie es mir berichtet wurde, zutreffen sollte, wäre ich über ein solches unkollegiales und beleidigendes Verhalten eurerseits mehr als empört. Es ist sicherlich nicht so, daß ich keinen Spaß verstünde – aber ich bewege mich (als Mensch im Beruf, als Künstler auf der Bühne, als Moderator im Sendestudio, als Christ in und außerhalb der Kirche) auf einem Niveau, an das heranzureichen dieser Euer "Sendebeitrag mit meiner Stimme" weit entfernt ist. Ich kann Euch nur empfehlen, meine Sendungen öfter zu hören und auf ihren Aufbau, ihren Inhalt und ihren Anspruch zu achten – und so etwas Vernünftiges für Eure eigene "Radio-Arbeit" zu lernen.
Gelungene Übertragung 2005Mittwoch, 21. Juni 2006
Stadtlauf mit Geschrei


Für den Mittwochabend war eine Liveübertragung vom 29. Darmstädter Stadtlauf "Cup da Franco" vorgesehen. Wie im Jahr zuvor (siehe neben stehendes Bild) wollte die Jugendredaktion YoungPOWER vor Ort sein. Doch trotz mehrfacher Ermahnung seitens des Vorstandes, diese Übertragung rechtzeitig zu planen und vorzubereiten, gab es am Abend ein großes Geschrei. Die Übertragung fiel aus, statt dessen berieselte Musik den Sender. Die Redaktion Alltag und Geschichte, die kollegial ihren Sendeplatz geräumt hatte, war entsprechend verärgert. Das Vorstandsmitglied Benjamin Gürkan berichtet als Augenzeuge:
Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Aussenübertragung, die nicht stand fand, weil die Herren und Damen YP trotz mehrmaliger Hinweise, dass sie bitte ausführlich und umfassend diese AÜ planen sollen, nicht oder nur halbherzig zur Kenntnis nahmen. Stefan Egerlandt hat sich dankenswerterweise als Fahrer angeboten, ansonsten hätte YP wohl die Geräte mit dem Fahrrad transportieren müssen???!!! Was ich ne derbe Frechheit fand, dass es für YP selbstverständlich war, dass Stefan Egerlandt die Sachen transportiert. Es ist NICHT selbstverständlich und eine freiwillige Leistung von Stefan gewesen. Dankt ihm hierfür!!!

Da ich mir schon dachte, dass diese ganze Geschichte mit der AÜ wohl in die Hose gehen könnte, stellte auch ich mich beim Aufbau zur Verfügung. Währenddessen musste ich mich sehr zurückhalten, um nicht auszuflippen und alles abzubrechen … und da schliesst sich wieder der Kreis. Es war nämlich der Herr A., der penetrant im Weg stand und die gesamte Aufbauphase mit seinen dummen und unqualifizierten Kommentaren spickte, frech wie sonstwas war, während andere sich Mühe gaben, etwas zu retten, was sowieso schon verloren war …

Weiterhin benahmen sich auch andere YP–Mitglieder unter aller Sau und schrien mitten in der Innenstadt (Ludwigsplatz 6, Saturn etc.) rum wie Geistesgestörte. An sich wäre mir das egal, hätten diese netten Menschen kein RadaR-Shirt angehabt. Sie hatten aber ALLE ein RadaR-Shirt an. Und was für den Sender bei guter Arbeit durch das Tragen der Shirts zu gute kommt, kann durch infantiles und nicht angebrachtes Verhalten genausogut auch zerstört werden … Die YP–Mitglieder sollen mal den Begriff Corporate Identity und insbesondere Corporate Behaviour in einschlägiger Fachliteratur nachschlagen und sich das nächste Mal Gedanken machen … Das Ende vom Lied: Die AÜ fand nicht statt, weil scheisse geplant wurde. Stefan und ich hätten uns die Zeit sparen können und zu allem Überfluss war ich persönlich auch noch betroffen, da aufgrund dieser verkorksten AÜ meine Sendung von zwei Stunden auf eine Stunde gekürzt wurde. Danke YP für diese nette Erfahrung! [3]
Linux BildschirmFreitag, 23. Juni 2006
Viel Bullshit anstelle von redaktioneller Arbeit


Der Internetstream von Radio Darmstadt befindet sich in einer Testphase. Durch die Bandbreite des Streams kommt es wiederholt zu Aussetzern bei der normalen Internetnutzung. Die Beschwerden hierzu beantwortet Vorstandsmitglied Benjamin Gürkan:
Morsche Leutz,

ich habe jetzt vermehrt von Leuten gehört, dass der Stream teilweise Aussetzer hat. SAGT BITTE ALLEN WIR TESTEN NOCH!!!!!!
Wenn ich so ab und zu mal in unseren Sender gehe, weiss ich auch warum: Ich schätze einfach mal das die redaktionelle Arbeit lediglich 50% der Internetnutzung ausmacht. Der Rest ist Bullshit wie ICQ, AIM, andere Messenger, andere Streams, sinnloses Surfen usw …

Also wenn ich mal daheim rausfliegen sollte oder ne eigene Wohnung habe, weiss ich ja wos Internet gibt, so machens viele andere ja anscheind auch … […]

Aber ich sage auch, dass es in Punkto Nutzung der Rechner bald schwer auf den Sack gibt. Keiner trägt sich ein. Viele installieren irgendwelche Programme. Damit ist bald Schluss. Ich installiere Linux überall und dann wird rigoros gecutted … Langsam reichts nämlich … geht doch einfach mal aus Spass Freitag, Samstag und Sonntag in den Sender … äh das sieht eher nach Cafe ohne Kellner als nach Sender aus …

Die Leute heulen auch wegen dem Rechner in Studio 2 … tja was soll ich sagen, weil ihr alle so lieb seid und pflegsam mit allem umgeht bleibt der auch noch weitere 6 Monate unter Verschluss … easy … Manche raffens nur auf die harte Tour … leider … [4]
Mit der Charakterisierung des Nutzungsverhaltens der Sendenden hat Benjamin Gürkan vollkommen recht. Allerdings ist hinzuzufügen, daß, nachdem er mit seiner Clique zur Fraktion von Schuckmann & Co. übergewechselt ist, erst recht der Wildwuchs auf den Rechnern herrscht. So werden Pornoseiten bestaunt, während nebenan der Vorstand tagt, oder nächtelang militaristische Adventures gezockt.

Freitag, 23. Juni 2006
Keine Lust


Zum wiederholten Mal fällt die Friday Night Radioparty ersatzlos aus. Ob das ein Gewinn oder ein Verlust für den Sender darstellt, sei dahingestellt.

Faxgerät (Ausschnitt)Sonntag, 25. Juni 2006
Deadline verpaßt


In der Sendung Gehörgang wird um 17.00 Uhr für das Voten zur Darmstadt Hitparade geworben. Da dieser Teil der Sendung jedoch eine Konserve ist, ist der genannte Einsendeschluß schon längst vorbei. So etwas gehört eigentlich herausgeschnitten. Tags darauf hören wir in der Sendung Stormy Monday die Angabe einer Faxnummer aus einer zehn Jahre alten Konserve, bei der es vielleicht interessant wäre herauszufinden, wer denn mit einem Anruf auf diese Nummer belästigt werden würde.

Screenshot der Webseite von Gerhard SchönbergerMontag, 26. Juni 2006
Ultimative Forderung


Die Radiowecker-Praktikantinnen Tanja Ribartsch und Viola Seeliger [5] finden am Morgen im Studio wiederum ein Schreiben von Gerhard Schönberger vor, diesmal versehen mit dem Vermerk: "Bitte diesen Zettel für Tanja und Viola liegen lassen!" Der Autor dieses Schreibens ist sich demnach bewußt, daß er hier gezielt zwei Kolleginnen in der Öffentlichkeit anklagt. Er fordert die beiden ultimativ auf, sich bei ihm für das Senden des Zusammenschnitts zu entschuldigen. Das Schreiben endet mit der Drohung: "Die Angelegenheit wird nicht im Sande verlaufen!!!" Tanja und Viola reagieren auch auf dieses unverschämte Schreiben nicht. Da Viola Seeliger weder für die Zusammenstellung noch für das Senden dieses Zusammenschnitts verantwortlich war, hat Gerhard Schönberger in der vereinsinternen Öffentlichkeit eine unschuldige Person verfolgt und hiermit gegen vereinsinterne Regelungen zur niederschwelligen Konfliktlösung [Dokument] verstoßen.

Cola AutomatMontag, 26. Juni 2006
Getränkelager


Der Getränkeautomat in der Küche wurde zum Wochenende nicht aufgefüllt. Die am Freitag angelieferten Getränkekisten standen daher in der Eingangshalle unbewacht herum. Und am Wochenende war es heiß, sehr heiß. Am Montag fehlten dann einige Flaschen. Eigentlich kein Problem, wenn sie auch bezahlt worden wären. Eine Notiz zum Konsum wäre auch nicht schlecht gewesen. Deshalb verbreite ich am heutigen Mittag folgendes Schreiben über den internen Email-Verteiler:
Hallo miteinander,

am Samstagnachmittag oder Samstagabend haben sich Sendende von RadaR aus den Getränkekisten in der Halle bedient. Insgesamt 6 Flaschen sind verschwunden. Auch wenn der Getränkeautomat in der Küche ratzekahl leer ist, ist das noch lange kein Grund für ungehemmte Selbstbedienung. Die ehrlichen Vereinmitglieder sind nämlich in der Lage, das entsprechende Geld in das Sekretariats-Fach im roten Schrank einzuwerfen.

Bemerkenwert für diese Kommunikationskultur bei Radio Darmstadt ist, daß anstelle einer Sprite-Flasche eine leere Beck's Flasche in einer der Getränkekisten stand. Offensichtlich war da jemand der Meinung, daß die üblichen Sklaven bei RadaR ihm schon seinen Müll entsorgen werden.

Nur weiter so.

Kurdische FlaggeDienstag, 27. Juni 2006
Desolat Disc (DD)


Der Techniker der kurdischen Sendung Dengê Ferat stolpert über die Tücken des Mischpults und vor allem über die inzwischen drei nicht immer funktionierenden CD–Player. Man und frau kann sehr deutlich das Geräusch des vergeblichen Versuchs hören, wenn ein CD–Player versucht, eine CD einzulesen. Der Mischpultzug für den dritten CD–Player ist in der Zweitbelegung mit der Einspeisung des Deutschlandfunks versehen. Vermutlich beim Versuch herauszufinden, warum der dritte CD–Player die CD nicht abspielt, wird zwischen der Erst– und der Zweitbelegung umgeschaltet, so daß wir ein wenig einer aktuellen Sendung des Deutschlandfunks zuhören dürfen. Die Sendung wird beendet mit einer falschen Angabe zur Uhrzeit der nächsten Ausgabe der Sendung und einem Hänger eines CD–Players, für den der Techniker der Sendung nun wahrlich nichts kann, jedoch das zuständige Vorstandsmitglied.

Mischpult Studio 1Mittwoch, 28. Juni 2006
Umschaltprobleme


Der Übergang von der Sendung Augenweide (übrigens eine sehr schön gemachte ruhige Literatur– und Kunstsendung, in der nicht den Hypes nachgejagt wird!) aus Studio 2 zur Sendung Atelier X in Studio 1 mündet in einem merklichen Sendeloch. Es ist schon bemerkenswert, daß auch nach zweieinhalb Jahren die Technik der Übernahme des Sendesignals immer noch nicht beherrscht wird. Allerdings ist hierbei anzumerken, daß auch langjährig Sendende mitunter mit ihrem Kopf woanders sind und die eher unerfahrenen Sendenden ihre Kenntnisse gerade einmal mit einer einzigen Sendung im Monat auffrischen müssen. Da kann schon einmal etwas schief gehen, obwohl: gerade weil so wenig Praxis vorhanden ist, wäre etwas mehr Vorbereitung und Aufmerksamkeit durchaus hilfreich. Also: erst mit dem roten Schalter den Umschaltknopf entsichern, dann den roten Knopf drücken, sodann mit dem roten Schalter den Umschaltknopf wieder sichern. Und dabei nicht vergessen, den Mischpultzug mit dem Sendesignal von Studio 2 auf 0 dB eingestellt zu haben, denn sonst geschieht das, was hier um 20.00 Uhr ertönte: ein Sendeloch.

Delegation aus KarvinaDonnerstag, 29. Juni 2006
Tschechische Delegation zu Gast bei Radio Darmstadt


Neunzehn tschechische Ausbilderinnen und Ausbilder aus Karvina sind Gästinnen und Gäste bei Radio Darmstadt. Sie informierten sich über unser Projekt Handlungsorientierte Sprach– und Medienkompetenzförderung. In einem Interview-Rollenspiel "Wie sie wurden – was sie sind" schnuppern sie begeistert Radioluft. Die tschechische Delegation des Partnerprojekts "Your Future" besucht Darmstadt im Rahmen der Transnationalen Partnerschaft MOTIVA vom 26. bis zum 30. Juni.

Screenshot Amtsgericht DarmstadtDonnerstag, 29. Juni 2006
Ein Appell an die Vernunft


Der am 28. April 2006 auf der Mitgliederversammlung gewählte Vorstand ist inklusive Walter Kuhl in das Vereinsregister eingetragen worden. Damit sollten die Unklarheiten ausgeräumt sein. Niko Martin infomiert die radiointerne Öffentlichkeit und bittet um einen fairen Umgang miteinander. Sein Appell – so wird sich in den Folgemonaten zeigen – verhallt ungehört.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Sendende und liebe Mitgliedschaft,

wir haben so eben Post vom Amtsgericht Darmstadt – Registergericht – erhalten:

Der Vorstand von RadaR e.V. ist wie folgt eingetragen und anerkannt:
Egerlandt, Stefan
Gürkan, Benjamin
Hülsbömer, Simon
Kuhl, Walter
Lang, Markus
Martin, Niko
Schuckmann, Susanne

Die nächste Vorstandssitzung findet (regulär) am Mittwoch, den 12. Juli 2006, um 17 Uhr bei RadaR statt.

Neuwahlen sind dem Schreiben nach nicht notwendig.

Ich hoffe darauf, dass wir gemeinsam für die nächsten zwei Jahre und darüberhinaus sinnvolle Arbeit, gemeinsam, für RadaR e.V. leisten werden und dabei ist eure Mitarbeit gewünscht.

 

ANMERKUNGEN

 

[1]   Name geändert.

[2]   Namen geändert.

[3]   Schreibweise des Originals.

[4]   Der Rechner in Studio 2 wurde Anfang 2006 für die allgemeine Nutzung aus dem Verkehr gezogen, nachdem die Studio 2-Gruppe mehrfach mehrere Stunden damit beschäftigt war, den Rechner überhaupt wieder zum Laufen zu bewegen. Schreibweise des Originals.

[5]   Namen geändert.

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 26. März 2008 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2007, 2008. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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