Informationsveranstaltung von YoungPOWER
YoungPOWER Infoabend

Radio Darmstadt

Einwände gegen mein Qualitäts-Logbuch und ein Wahlergebnis

Dokumentation

 

Zum Sinn und Zweck dieser Dokumentation.

Zusammenfassung

Auf dieser Seite gebe ich eine an mich gerichtete E–Mail eines Jugendredakteurs von Radio Darmstadtwieder.

Dieser war einige Zeit Sprecher der Jugenredaktion von Radio Darmstadt, YoungPOWER. Zu dieser Zeit hat er einige innovative Ideen in die Radiopräsentation seiner Redaktion eingebracht und diese dort mit umgesetzt. Zwar könnte man und frau sagen, daß die Sendungen der Redaktion zu stark formatiert worden sind, aber das ist Ansichtssache. Auf jeden Fall ist durch (nicht nur) seine Arbeit in der Redaktion Struktur hineingekommen, die dem Erscheinungs­bild der Sendungen der Redaktion zugute kam.

In der auf dieser Seite wiedergegebenen E–Mail äußert dieser Jugendredakteur sein Unverständnis über das öffentlich zugängliche Qualitäts-Logbuch des Autors dieser Dokumentation. Zudem nimmt er die zu diesem Zeitpunkt undurchsichtige Situation in Bezug auf die Vorstandswahl auf der Mitglieder­versammlung am 28. April 2006 zum Anlaß, mir einige unangenehme Dinge um die Ohren zu hauen. Vielleicht muß ich ihm einiges nachsehen, weil Jugendliche einfach ungeduldig sind und es nicht mögen, wenn man ihnen Vorhalte macht. Im Anschluß an die Dokumentation seiner E–Mail gibt es eine kurze Anmerkung hierzu.

Der Name des Jugendredakteurs tut nichts zur Sache und wurde daher weggelassen. Ihm sei für seine persönliche wie berufliche Zukunft nur das Beste gewünscht.

 


 

E–Mail vom 22. Mai 2006

Hallo Walter,

ich habe deine Vorstands- und Verwaltungsarbeit bisher (natürlich mit kleinen Ausnahmen) immer sehr geschätzt, weil du viel für den Sender getan hast, viel auch für YoungPOWER und uns und mir oft Unterstützung gewährt hast. Ich glaube, wenn ich auf der letzten MV anwesend gewesen wäre, hätte ich dich selbst wieder gewählt.

Umso unverständlicher ist mir jetzt dein aktuelles Verhalten. Es erwächst darin eine überhebliche Arroganz, wie ich sie bisher eigentlich nur von [zwei Namen] erlebt habe – und eine Defensivhaltung, welche mit der eines kleinen Kindes vergleichbar ist, dem der Lolly aus der Hand gerissen wurde.

Ich bin bei Radio Darmstadt nun seit über 5 Jahren aktiv im Einsatz; habe immer versucht, YoungPOWER und auch RadaR insgesamt weiterzuentwickeln und voran zu bringen. Meine feste Überzeugung dabei ist, dass ein Verein (und auch ein ganzes Land) nur dann gut funktionieren kann, wenn jedes Mitglied aufrichtig und nach bestem Gewissen handelt und sich zu jeder Zeit überlegt, was genau – nach möglichst objektiven Maßstäben – das Beste für den Verein (das Land) wäre. Es muss zwischen den Menschen ein gewisses Vertrauen herrschen und eine gewissen Ehrenhaftigkeit bei den eigenen Handlungen wäre sicher auch nicht schlecht.

„Inzwischen haben sich bei Radio Darmstadt einige KritikerInnen des Logbuchs gefunden, die mir vereins­schädigendes Verhalten unterstellen. Einmal abgesehen davon, daß es wohl kaum einen Verein schädigt, wenn Schwachstellen offen gelegt werden, um sie zu beseitigen, ist es doch bemerkenswert, daß dieselben KritikerInnen bislang nicht dadurch aufgefallen sind, daß sie offensiv daran arbeiten, die Qualität des dargebotenen Programms zu verbessern. Im Gegenteil – manche von ihnen tauchen leider immer wieder in diesem Logbuch als Beispiel dafür auf, wie man und frau besser nicht sendet. Offensichtlich ist es also nicht vereins­schädigend, stümperhaft zu senden und die HörerInnen hiermit zu belästigen, aber vereins­schädigend, auf dieses Stümpertum hinzuweisen. Das läßt tief in die Seelen der KritikerInnen blicken. Sie möchten die Kritik loswerden, ohne etwas ändern zu müssen.“

Leider, lieber Walter, macht man sich mit solchen Texten keinerlei Freunde – im Gegenteil: man verliert welche. Ich war IMMER bemüht, mit einer möglichst fairen und objektiven Einstellung das Programm von RadaR wie auch RadaR selbst zu verbessern. Mit einer solchen arrogant ausgedrückten und verallgemeinerten Unterstellung deinerseits würden wohl die meisten Menschen an meiner Stelle keinen Grund mehr darin sehen, überhaupt noch mit dir zu kommunizieren!

Du solltest dich mal fragen, was du mit dieser ganzen Aktion (wie dem „Qualitätslogbuch“) überhaupt erreichen willst!? Du machst dein Ansehen, welches du dir bei vielen Leuten in den letzten Jahren hart erarbeitet hast, zunichte, stellst dich in eine Ecke und isolierst dich vollkommen im Verein. Welchem Zweck dient dein Logbuch wirklich?

Meine Hypothese ist, dass du damit lediglich die „Wut“ zum Ausdruck bringen möchtest, welche du verspürst, weil andere Leute leider nicht alle deine Ansichten teilen oder weil andere schlichtweg nicht so perfekt sind wie du. Meinst du, es motiviert 15-jährige Schüler, die gerade mit dem Hobby „Radio“ begonnen haben, ein solches Zitat zu lesen:

„Der Computerexperte von YoungPOWER wäre besser verständlich gewesen, wenn der Techniker auf den Unterleger verzichtet hätte. Das zweistündige Musikberieselungs­bett darf ruhig einmal für klare Informationen unterbrochen werden.“

Sicher gibt es Hunderte von Fehlern, die wöchentlich bei allen Sendungen von RadaR gemacht werden und das YoungPOWER-Programm ist bei Weitem nicht perfekt. Aber statt öffentlich über diese Sendungen und Sendenden herzuziehen, wäre es – würdest du wirklich eine Qualitäts­verbesserung erzielen wollen – wesentlich sinnvoller und auch didaktischer, die betreffenden Personen entweder in freundlichem Ton selbst darauf anzusprechen oder ihnen eine E–Mail zu schreiben.

Und nun noch zum Punkt der konstituierenden Vorstandssitzung:

Wie ich auf der Sitzung selbst schon angemerkt habe: Sicherlich ist es nach Paragraphen gesprochen vollkommen rechtens, wenn du 5 Tage nach der Vorstandswahl die Wahl anzweifelst und zum Registergericht rennst. Aber wenn du wirklich im Sinne des Verein, im Sinne der Mitglieder, handeln wolltest, dann müsstest du vor einer solchen Aktion erstmal überlegen, ob das eigentlich fair ist und ob du damit irgend etwas für den Verein erreichst!

Es scheint unbezweifelt, dass die MV seit etwa 4 Jahren nach dem alternativen Wahlmodus wählt, dass jemand nur dann im Vorstand ist, wenn die Mehrheit der anwesenden Personen für ihn stimmt => absolute Mehrheit also. Auf der MV selbst wurde dieser Wahlmodus den anwesenden Mitgliedern offenbar kurz erläutert und es wurde danach ausgezählt. Der Wahlausschuss (dem nach meinen Informationen auch Nobby beiwohnte) sah keinerlei Komplikationen – ALLE Anwesenden waren mit dem Wahlergebnis „zufrieden“, will heißen: niemand hat sich beschwert!

Am Mittwoch hätte sich der neue Vorstand konstituiert und es wäre mit „frischem Wind“ weiter gegangen, weil einige neue Vorstandsmitglieder gewählt waren, die sicherlich begierig darauf waren, etwas in die Hand zu nehmen. Stattdessen hast du mit deinem Verhalten erreicht, dass ein Vorstand noch 2–3 weitere Monate amtieren muss, der weiß, dass seine Zeit längst abgelaufen ist und in der verbleibenden Zeit auch nicht mehr viel ändern kann. [Name] hat zeitliche Probleme und schafft's nicht mehr – und den neu gewählten Vorstands­mitgliedern vergeht die Lust, während sie zurückgelehnt im Stuhl warten müssen, bis endlich die Neuwahlen stattgefunden haben – SEHR motivierend!

OK – an den Neuwahlen kann wohl kaum noch jemand etwas ändern. Aber meinst du, dass du mit dieser Aktion Stimmen gewonnen hast?! Meinst du, bei den nächsten Wahlen wiederholt sich das selbe Ergebnis, nur dass es dir dann für den Vorstand reicht? Ich würde da sehr vorsichtig sein … Alles, was du erreicht hast, ist eine Verzögerung der Konstituierung und eine Leerlaufphase des Vorstands von 3 Monaten. Und ein schlechtes Klima im Verein. Bravo!

Während du früher immer an die Demokratie appelliert hast und alles darauf zurückberufen hast, hintergehst du jetzt dein eigenes System: Die Demokratie hat vor 4 Jahren gesagt „Wir machen ein alternatives Wahlverfahren.“, die Demokratie hat mit diesem Wahlverfahren dich nicht gewählt und die Demokratie (inklusive dir) hat gesagt „Das ist in Ordnung so.“

Wenn du dann ein oder zwei Tage später kommst und mit dem Finger auf die Satzung zeigst, dann ist das offensichtlicher wie es kaum sein kann ein Festkrallen an der „Macht“, ein klares Suchen nach einem Schlupfloch, um doch noch weiter „regieren“ zu können. Satzungstechnisch korrekt – moralisch widerlich!

Es kann durchaus sein, dass ich aufgrund meines zur Zeit recht harten Studiums für einige Wochen auf deine E–Mail nicht antworten kann. Aber ich bitte dich trotzdem, einfach mal drüber nachzudenken.

Grüße von jemandem, der von dir enttäuscht ist.

[Name]

 


 

Kurze Anmerkung

Ich habe auf diese E–Mail nicht geantwortet. Erstens hätte eine wie auch immer geartete Antwort nur eine weitere Eskalation bedeutet, und zweitens geht aus dem Schluß der E–Mail ziemlich unmißverständlich hervor, daß der Jugendredakteur gar nicht an einer Antwort interessiert ist.

Worum geht es hier überhaupt? Der Verein hat gewählt und dabei ist Chaos entstanden. Das Problem ist jedoch nicht das Chaos, sondern die Tatsache, daß Einzelne sich das Chaos zunutze machen, ihre eigenen Spielchen zu spielen. Der Jugendredakteur spürt den damit verbundenen neuen Wind und hängt sein Fähnchen danach. Er schreibt ja selbst, daß er kein Interesse hat, mit mir zu diskutieren. Fürchtet er so sehr meine – wie er weiß – oftmals begründeten Argumente? Egal.

Dennoch eine Klarstellung, damit das obige nicht einfach so stehen bleibt. Der Vorwurf der Arroganz ist einer, der fällt, wenn einem die Art der Kritik nicht paßt, egal ob sie berechtigt ist oder nicht. Mit dem formalen Argument Arroganz wird der Inhalt der Kritik weggewischt. Im Gegensatz zum Jugendredakteur geht es mir nicht darum, mir mit freundlichen und meist unverbindlichen Worten Freunde zu schaffen. Wenn ich seine Ausführungen ernst nehme, also: an mein Land Radio Darmstadt denke, dann darf ich mir keine Freunde machen, wenn es darum geht, das Beste für den Sender zu wollen. Alles andere wäre korrumpierend.

Der Sinn des vom Jugendredakteur kritisierten Logbuchs war jedoch nicht, einzelne Sendende vorzuführen, sondern zu verdeutlichen, daß trotz jahrelanger Ansprache, und die war zunächst sehr freundlich, es manche Sendende nicht begreifen wollen, daß ein rundfunk­gebühren-finanziertes Bürgerinnen- und Bürgerradio sehr wohl in der Pflicht steht, ein möglichst qualitatives Programm zu senden. Einmal abgesehen davon, daß es nicht sehr nett ist, mit moderativer und technischer Inkompetenz in die gute Stube der Hörerinnen und Hörer hineinzuplatzen. Jede gute Band übt, bevor sie öffentlich auftritt; bei Radio Darmstadt wird nicht einmal auf dem Sender geübt. Es gab irgendwann einen Zeitpunkt, wo es klar wurde, daß interne Kritik auf taube Ohren und offensichtliche Ignoranz stieß. Das Logbuch hatte daher eine erzieherische Wirkung. Wer sich selbst öffentlich als Radiomensch präsentiert, muß damit rechnen, in derselben Öffentlichkeit thematisiert zu werden. Was ist daran so schwer zu verstehen? Erstaunlicher­weise hatte das kritisierte Logbuch einen positiven Effekt auf das Sendeverhalten – die Patzer wurden tatsächlich viel weniger. Warum war das bei der vorherigen internen Diskussion nicht möglich?

Es geht nicht um Patzer. Die sind menschlich. Es geht um den Umgang mit Patzern und es geht vor allem darum, zwischen Patzern und Lernresistenz zu unterscheiden.

Wenn der Jugendredakteur seinen jungen Redaktions­kollegen in Schutz nimmt, ist das in Ordnung. Nichts anderes erwarte ich von einem verantwortungs­bewußten Menschen. Aber ich erwarte auch, daß er dann innerhalb seiner Redaktion vermittelt, daß Radiomachen nicht nur Spaß bedeutet, sondern harte und verantwortungs­volle Arbeit ist. Im übrigen füge ich hinzu: das Logbuch ging gerade mit YoungPOWER sehr schonungsvoll um. Mich selbst habe ich hingegen genauso hart kritisiert wie meine Kolleginnen und Kollegen im Radio auch. Lest selbst!

Der Jugendredakteur findet mein Verhalten moralisch widerlich. Warum schreibt er mir dann? Um sich einmal richtig auszukotzen? Ist das moralischer?

Nachtrag, rund dreieinhalb Jahre später: Inzwischen läßt sich der „frische Wind“ des damals neu bzw. wieder gewählten Vorstandes deutlicher bewerten. Zunächst einmal waren es die neu gewählten Vorstands­mitglieder, die das Registergericht gegen meine Wahl angerufen hatten [pdf], und nicht ich. Das Registergericht hat die Anfechtung meiner Wahl abgeschmettert, so daß sich die neue Mehrheit im Vorstand andere und ziemlich skurrile Wege ausgedacht hat, um mich loszuwerden.

Durch den „frischen Wind“ ist im Verein nichts besser geworden. Die Studio- und Sendetechnik ist einer Gruppe von Bastlern übergeben worden, die ziemlich innovative, wenn auch sinnlose Artefakte produziert haben. Die Mitglieder­zahl des Vereins ist erheblich gesunken. Das Leben im Sendehaus ist verschwunden, die Mitglieder, die sich angeblich engagieren wollten, wurden nicht gesehen. Die interne Aus- und Weiterbildung liegt am Boden. Der Verein stand aufgrund seiner neu ausgerichteten Politik mit Vereinsausschlüssen, Sende- und Hausverboten knapp vor dem Lizenzentzug. Außerdem scheint dem Verein Anfang 2010 aufgrund seiner Rechtsstreitig­keiten so langsam das Geld auszugehen, so daß ein Umzug in andere, billigere Räume beschlossen wurde. Davon handelt meine Dokumentation. Es ist die Dokumentation des Niedergangs der Sendekultur eines einstmals in der Stadt verankerten Projekts.

 


 

Sinn und Zweck dieser Dokumentation

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung („das Image“) ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt. Der Autor dieser Dokumentation hat von Juni 1997 bis Januar 2007 bei Radio Darmstadt gesendet, bis ihn ein aus dieser Umbruchssituation zu verstehendes binnenpolitisch motiviertes Sendeverbot ereilte. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt er die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

In der Dokumentation werden die Namen handelnder Personen aufgeführt. Damit werden Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt. Zur Klarstellung: Eine Schmähung einzelner Personen oder gar des gesamten Radiosenders ist hiermit nicht beabsichtigt. [mehr]

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Diese Seite wurde zuletzt am 19. Februar 2010 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2007, 2010. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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