Küche von Radio Darmstadt
Küche nach der Zerschlagung des Radioweckers

Radio Darmstadt

Gerhard Schönberger und die Radiowecker-Redaktion

Ein Zusammentreffen am 6. Juli 2006

Rekonstruktionsversuch

 

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt. Der Autor dieser DokuMentation hat von Juni 1997 bis Januar 2007 bei Radio Darmstadt gesendet, bis ihn ein aus dieser Umbruchssituation zu verstehendes binnenpolitisch motiviertes Sendeverbot ereilte. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt er die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

In der Dokumentation werden die Namen handelnder Personen aufgeführt. Damit werden Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt. Zur Klarstellung: Eine Diffamierung einzelner Personen ist hiermit nicht beabsichtigt. [mehr]

Dies gilt insbesondere für die auf dieser Seite vorgetragene Charakterisierung des Radiomoderators Gerhard Schönberger. Hier geht es allein um den Versuch, einen Sachverhalt zu rekonstruieren, und nicht darum, einen Radiomoderator zu demontieren. Die Hörerinnen und Hörer von Radio Darmstadt sind ohnehin intelligent genug, um die dramaturgischen Leistungen dieses Moderators durch gezieltes Einschalten oder Abschalten zu würdigen. Selbstverständlich habe ich hierzu eine Meinung. Aber sie tut hier nichts zur Sache.

 


 

Zusammenfassung

Am 6. Juli 2006 versuchte Gerhard Schönberger, die Praktikantin der Radiowecker-Redaktion Viola Seeliger zur Rede zu stellen. Hieran wurde er von Mitgliedern der betreuenden Redaktion gehindert. Schönberger mobilisierte daraufhin Mitglieder der Musikredaktion, des Programmrats und des Vorstands, um sich Genugtuung für diese in seinen Augen ruchlose Tat zu verschaffen. Dies führte in der Konsequenz zu dem von Schönberger gewollten Ausschluß zweier Redaktionsmitglieder aus dem Trägerverein von Radio Darmstadt, die mit der Jingleproduktion nichts zu tun gehabt hatten. Ihr Vergehen war, eine am Jingle ebenfalls unschuldige Praktikantin vor dem Zugriff Schönbergers zu schützen.

Vorausgegangen war ein am Morgen des 12. Juni 2006 zu hörender Jingle der Praktikantin Tanja Ribartsch, der charakteristische Ähms und Jas des Kulturredakteurs Schönberger kunstvoll zu einer Eigenkreation verbunden hatte. Auf dieser Seite wird der Versuch unternommen, aus den dem Verfasser dieser Dokumentation vorliegenden Aussagen und Gedächtnisprotokollen den tatsächlichen Ablauf der Ereignisse zu rekonstruieren. Die Namen der beiden Praktikantinnen wurden für diese Dokumentation verfremdet.

Sicherlich kann man und frau sich über die kleinkarierte Welt bei Radio Darmstadt nur wundern. Es jedoch als Kinderkram abzutun, unterschlägt, daß hiermit menschliche Schicksale verbunden sind. Wenn Kinderkram zur Kündigung von Beschäftigungsverhältnissen und zum rechtlich dubiosen und menschlich verwerflichen Ausschluß von Vereinsmitgliedern führt, wenn hierdurch nicht nur die Finanzen des Vereins für persönliche Rachefeldzüge herhalten müssen, sondern insbesondere auch das Programm und sein Ambiente darunter leiden muß, dann handelt es sich nicht mehr um Kinderkram, sondern um Machtmißbrauch und um Unfähigkeit, Konflikte nach den Standards einer zivilen Gesellschaft zu regeln. Gerhard Schönberger tritt in seinen Sendungen und auch sonst öffentlich als Vertreter der Menschenrechte auf. Zu diesen Menschenrechten gehört auch, andere anzuhören, andere Sichtweisen zuzulassen und anderen Menschen Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Gerhard Schönberger saß im widerrechtlichen Ausschlußverfahren daneben und hat sich fein herausgehalten. Es lief ja auch alles in seinem Sinne.

 


 

Datenbasis

Dem Verfasser dieser Dokumentation liegt das Protokoll der Vorstandssitzung vom 13. September 2006 vor, in dem Gerhard Schönbergers Version der Ereignisse Eingang gefunden hat. Schönberger brachte sowohl am 6. Juli in die Küche als auch am 13. September in die Vorstandssitzung als Zeugen seinen Musikredaktionssprecher Clemens B. mit. Dessen Aussage auf der Vorstandssitzung ist ebenfalls Teil dieses Rekonstruktionsversuchs.

Weiterhin liegt dem Verfasser ein undatiertes Gedächtnisprotokoll von Katharina Mann sowie ein Gedächtnisprotokoll von Tanja Ribartsch vom 4. November 2006 vor. Zudem hat der Verfasser mit der Praktikantin Viola Seeliger am letzten Tag ihres Praktikums in der Radiowecker-Redaktion, am Tag nach dem Küchenvorfall, also am 7. Juli 2006, ein längeres Gespräch geführt.

Diese Datenbasis ist somit wesentlich ergiebiger als die einseitige Darstellung auf der Vorstandssitzung am 13. September. Die Mehrheit des Vorstands des Trägervereins von Radio Darmstadt war jedoch auch nicht an einer differenzierten Darstellung der Geschehnisse interessiert. Vorstandsmitglied Benjamin Gürkan erklärte ausweislich des Protokolls, "daß für ihn die Faktenlage klar wäre, und es bewußt kein Gespräch mit beiden gegeben hätte, weil diese sich für ein Gespräch verweigern." Gürkan betrachtet offensichtlich die urlaubsbedingte Abwesenheit auf einer Vorstandssitzung, zu der zudem unter Vorspiegelung falscher Tatsachen eingeladen worden war, als eine Verweigerung, die ihn dazu legitimiert, geltendes Recht zu brechen. Eine Anhörung ist dem Vereinsrecht genauso wie der Satzung des Trägervereins zufolge zwingend vor einem Vereinsausschluß erforderlich. Ob ihn das dann Vorgetragene interessiert oder nicht.

 

Vorgeschichte, Teil 1

Die Art und Weise des Zusammentreffens zwischen Schönberger und Teilen der Radiowecker-Redaktion am Abend des 6. Juli 2006 in der Küche von Radio Darmstadt bleibt unverständlich, wenn nicht die Vorgeschichte herangezogen wird.

Buchcover des Rechtshandbuchs Bürgermedien
Rechtshandbuch Bürgermedien, sehr nützlich.

Am Morgen des 12. Juni 2006 spielte Tanja Ribartsch als Selbstfahrerin des Radioweckers einen von ihr frisch kreierten Jingle. Neben ihr saß, ohne an der Erstellung des Jingles am Einlegen der MiniDisc oder gar am Bedienen des Mischpults beteiligt gewesen zu sein, die zweite Praktikantin Viola Seeliger. In diesem Jingle hatte Tanja Ribartsch einige aufgezeichnete Wortelemente des Kulturredakteurs Gerhard Schönberger aneinandergereiht und diesen dadurch einen neuen Sinn verliehen. Schönberger pflegt aus dramaturgischen Gründen seine Sendungen mit einem wohldosierten Einstreuen Aufmerksamkeit erheischender Ähms und Jas zu versehen. Diese Elemente werden öffentlich auf einer lizenzierten Radiofrequenz gesendet und in der Regel am Folgetag mehrmals wiederholt. Sowohl die Aufzeichung einer solchen Sendung wie auch das Zitieren einzelner Sendeelemente in einem eigenen Werk ist presserechtlich vollkommen unschädlich. Wer sich auf eine bestimmte Weise dramaturgisch in Szene setzt, muß damit rechnen, daß derartige Elemente auch zu vom Autor unbeabsichtigten neuen Kreationen verwendet werden können. Dies gilt nicht nur für die gesamte Öffentlichkeit, sondern selbstverständlich auch für die Kolleginnen und Kollegen des eigenen kleinen Lokalradios. Entscheidend ist hier die Frage, ob die Verwendung der Stilelemente von Schönbergers Sendung eine willkürliche und den Autor herabsetzende Montage darstellt, und, ob der Autor der Ähms und Jas zuvor hätte gefragt werden müssen.

Das Urheberrechtsgesetz in der Fassung vom 13. September 2003 regelt das Thema Bearbeitung und Umgestaltung eines geschützten Werkes wie folgt: [1]

§ 23 – Bearbeitungen und Umgestaltungen

Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes dürfen nur mit Einwilligung des Urhebers des bearbeiteten oder umgestalteten Werkes veröffentlicht oder verwertet werden. Handelt es sich um eine Verfilmung des Werkes, um die Ausführung von Plänen und Entwürfen eines Werkes der bildenden Künste, um den Nachbau eines Werkes der Baukunst oder um die Bearbeitung oder Umgestaltung eines Datenbankwerkes, so bedarf bereits das Herstellen der Bearbeitung oder Umgestaltung der Einwilligung des Urhebers.

§ 24 – Freie Benutzung

(1) Ein selbständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, darf ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes veröffentlicht und verwertet werden.

(2) Absatz 1 gilt nicht für die Benutzung eines Werkes der Musik, durch welche eine Melodie erkennbar dem Werk entnommen und einem neuen Werk zugrunde gelegt wird.

Das Rechtshandbuch Bürgermedien schreibt hierauf aufbauend zum Thema Bearbeitung und Umgestaltung eines Werkes: [2]

Mit dem Begriff der Umgestaltungen werden Veränderungen des ursprünglichen Werkes erfasst, die keine eigene gesitig persönliche Schöpfung sind und damit weder Werkcharakter noch Urheberrechtsschutz haben. Eine Umgestaltung liegt z.B. in der Verballhornung eines Textes, in dem einzelne Vokale ausgetauscht werden.

Die abschließende Stufe der Bearbeitungen ist die freie Benutzung, § 24 UrhG, die sich dadurch auszeichnet, dass ein fremdes Werk die Grundlage bildet, jedoch der Wesenskern der freien Benutzung so weit verselbstständigt wird, dass die Züge des Ursprungswerkes vollkommen verblassen oder zurücktreten. […]

Bei der freien Benutzung greift der Benutzer nur insoweit auf das vorbestehende Werk eines anderen zurück, als es ihm Anregungen für ein eigenes, selbständiges neues Werk gibt, deshalb bedarf die freie Benutzung nicht der Einwilligung des Urhebers des benutzten Werkes.

In diesem Fall liegt etwas anderes vor als die Verballhornung durch Vokaletausch. Auch handelt es sich nicht um eine Parodie, die ohnehin nicht der Zustimmung des Autors des ursprünglichen Werkes bedarf. Wir finden hier die Montage einzelner Bestandteile von Schönbergers Sendungen vor, die einerseits charakteristisch für seine Art der Moderation sind, andererseits das Ursprungswerk, nämlich eine oder mehrere komplette Sendungen vollkommen in den Hintergrund treten lassen. Auch wird hier nicht willkürlich vorgegangen oder gar der Autor der Ähms unangemessen vorgeführt. Es handelt sich um ein Kondensat von tatsächlich vorgetragenen Sprachfetzen, welche die Person Schönberger treffend charakterisieren. Daher ist die Frage erlaubt, weshalb er sich über seine eigenen Sprachbausteine aufregt. Hat Tanja Ribartsch etwa den unverzeihlichen Fehler begangen, das Geheimnis von Schönbergers Sprachduktus zu lüften? Das wäre jedenfalls nicht verboten.

Der rote Schrank mit den Redaktionsfächern
Der rote Schrank mit den Redaktionsfächern.

Die ganze Fragestellung läßt sich nur durch Anhören des gesendeten Jingles beantworten. Mir liegt diese Fassung nicht vor. Die entsprechende MiniDisc der Radiowecker-Redaktion wurde, offensichtlich zu Kopierzwecken, am 5. Juli 2006 aus dem verschlossenen Fach der Redaktion entwendet und am 7. Juli wieder ins Fach zurückgesteckt, und zwar dergestalt, daß zwingend davon ausgegangen werden muß, daß sie nicht eingeworfen, sondern nach Öffnen des Schließfachs wieder zurückgesteckt worden ist. In der Tat hatten mehrere Personen außerhalb der Redaktion Zugang zu dem Schlüsselbund mit den Ersatzschlüsseln.

Die bei dem Diebstahl kopierten Jingles wurden auf der Programmratssitzung am 10. Juli 2006 vorgespielt, genauso wie die nicht auf dieser MiniDisc vorhandene Radiofassung vom 12. Juni. Als Anwesender beim Anhören kann ich festhalten, daß die Kriterien Willkür und Herabsetzen nicht erfüllt wurden. Es handelt sich im Grunde sogar um eine liebevolle Collage einzelner Elemente, die als Ganzes Gerhard Schönberger den morgendlichen Radiowecker beginnen lassen. Der Autor wird weder lächerlich gemacht noch vorgeführt; die seinen Sendungen entnommenen Ähms und Jas bilden nicht den wesentlichen Teil des Jingles. Vielleicht hätte Gerhard Schönberger einmal darüber nachdenken sollen, was es für die Hörerinnen und Hörer von Radio Darmstadt bedeutet, pro Sendestunde mit gefühlt mindestens 50 dieser dramaturgischen Stilelemente versorgt zu werden.

Auch hätte er nicht gefragt werden müssen. Das Wesen des Zitats ist, daß ohne Rücksprache mit dessen Autor oder Autorin selbiges entweder zur inhaltlichen Bereicherung einer eigenen Argumentation genutzt oder zur künstlerischen Einarbeitung in ein neues Kunstwerk verwendet werden darf. Hierauf bezieht sich auch der Begriff des Zitats, das aus dem Zusammenhang gerissen wird. Nicht nur, daß dies exakt dem Wesen eines Zitats entspricht, es zeigt auch, daß mittels eines Zitates nicht das Werk als Ganzes, sondern ein bestimmtes charakteristisches Moment betrachtet wird. Die Ähms des Gerhard Schönberger, die im Radio verkündet werden, sind ab diesem Moment frei verfügbar. Wenn er dies nicht will, muß er sich vorher Gedanken darüber machen, wie er das Aussenden seiner Ähms verhindern kann. Spätere Versuche, selbige wieder einzufangen, schmecken nach Zensur. Wer als Journalist in der Öffentlichkeit des Radios auftritt, ist ab diesem Zeitpunkt prinzipiell für seine moderativen Leistungen der positiven wie negativen Kritik unterworfen. Mir ist nicht bekannt, daß sich Gerhard Schönberger jemals über Lob und Dank beschwert hätte. Mir ist aus eigener Erfahrung jedoch sehr wohl bekannt, daß es ein heikles Thema ist, zu seinen Sendungen auch kritische Töne anzuschlagen.

 

Vorgeschichte, Teil 2

Ohne die Autorin des neuen Jingles zuvor zu kontaktieren, wurde das Ausstrahlen dieses Jingles auf der abendlichen Programmratssitzung des 12. Juni 2006 nach einem Vortrag der designierten Vorstandsfrau Susanne Schuckmann unter dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes ausgiebig diskutiert. Die hierbei geschürten Ressentiments gegen die Radiowecker-Redaktion sollten sich noch als sehr nützlich erweisen.

Gerhard Schönberger wurde durch seine Redaktionskollegin Susanne Schuckmann aus der Redaktion treffpunkt eine welt vom Ausstrahlen des morgendlichen Jingles informiert. Er selbst hört nach eigener Aussage kaum dieses Morgenmagazin. Er schrieb daraufhin den beiden Praktikantinnen einen persönlichen Brief, den er jedoch nicht etwa in das verschlossene Fach der Radiowecker-Redaktion einwarf, sondern für alle sendenden Vereinsmitglieder öffentlich sichtbar auf das Mischpult in Sendestudio 1 aufklebte. Ihm war offensichtlich daran gelegen, seinen Unmut möglichst vielen Menschen kundzutun, und das, bevor die Betroffenen davon Kenntnis erhalten konnten. Das vom Verein präferierte Verfahren geht davon aus, daß ein Mitglied, das mit einem anderen Vereinsmitglied oder einer Redaktion Probleme hat, den Vermittlungsausschuß anruft. Katharina Mann und Norbert Büchner wurde in einem anderen Fall explizit (zu Unrecht) vorgeworfen, diesen Weg nicht eingeschritten zu haben, was als Begründung für den Vereinsausschluß herhalten mußte. Quod licet Iovi non licet bovi.

Gerhard Schönbergers vierseitiges Schreiben enthält folgende charakteristische Passagen:

Am Montag, den 12.06.2006, zwischen 6 und 8 Uhr morgens in der Sendung "Radiowecker", lief, wie man mir natürlich sofort berichtet hat (da ich so gut wie nie "Radiowecker" höre), ein von mir nicht genehmigter Zusammenschnitt einzelner Sendeteile aus meinen Sendungen (?), die den HörerInnen, die es mir berichteten, aus dem Zusammenhang gerissen scheinen und in der Art und Weise, wie sie gesendet wurde, wohl eines "tieferen Sinns" oder gar der Eigenschaft eines sinnvollen "Sendebeitrags" oder "Sendungs-Bestandteils" völlig entbehrten. Gleichwohl war einigen HörerInnen sofort klar, daß es sich bei dem "Ehm"'s und "Äh"'s bzw. bei der Nennung unserer Sendefrequenz um meine Stimme gehandelt habe.

Wir erfahren:

1.  Ihm wurde sofort etwas berichtet, und das ist natürlich. Wieso eigentlich?

2.  Er hört so gut wie nie Radiowecker – was im Verlauf des Textes noch relevant werden wird.

3.  Das Fragezeichen indiziert, daß er zu diesem Zeitpunkt nicht einmal weiß, woraus die gehörten Sendeelemente stammen.

4.  Mehrere HörerInnen hätten es ihm berichtet. Seine Aussage im Programmrat war jedoch, es sei nur eine gewesen – Susanne Schuckmann.

5.  Die ihm unbekannten Sendeteile wurden aus einem ihm unbekannten Zusammenhang gerissen, entbehrten eines tieferen Sinns oder der Eigenschaft eines wertvollen Sendebeitrags. Sein ganzer Unmut stützt sich auf eine Aussage vom Hörensagen; und er wertet den ihm völlig unbekannten Beitrag vollkommen ab.

Hieraus schließt er messerscharf, die beiden Praktikantinnen unbedingt angehen zu müssen.

Wenn alles so, wie es mir berichtet wurde, zutreffen sollte, wäre ich über ein solches unkollegiales und beleidigendes Verhalten eurerseits mehr als empört. Es ist sicherlich nicht so, daß ich keinen Spaß verstünde – aber ich bewege mich (als Mensch im Beruf, als Künstler auf der Bühne, als Moderator im Sendestudio, als Christ in und außerhalb der Kirche) auf einem Niveau, an das heranzureichen dieser Euer "Sendebeitrag mit meiner Stimme" weit entfernt ist. Ich kann Euch nur empfehlen, meine Sendungen öfter zu hören und auf ihren Aufbau, ihren Inhalt und ihren Anspruch zu achten – und so etwas Vernünftiges für Eure eigene "Radio-Arbeit" zu lernen.

Dieser arrogante Vortrag wirft einige Fragen auf:

1.  Wenn alles so ist … – und wenn nicht? Entspricht es seiner Vorstellung christlicher Ethik, erstmal draufzuhauen und dann zu sagen, oh, 'tschuldigung, war nicht so gemeint?

2.  Menschen, die von sich behaupten, sich auf einem Niveau zu bewegen, das andere nicht erreichen, müssen sich an ihren Worten messen lassen. Abgesehen davon ist Schönberger gar nicht mehr berufstätig. Das Niveau seiner Sendungen läßt sich am besten durch eigenes Anhören kennenlernen. Eine Mehrzahl der Mitglieder seiner Kulturredaktion sind jedenfalls von seinen Sendungen nicht sonderlich angetan. Seine Selbstbeweihräucherung wird hier sehr kritisch gesehen. [beispiel siehe anhang]

3.  Schönberger hatte sich einmal als Teamer für ein Ausbildungsseminar versucht. Im Anschluß daran kam Vorstandsmitglied Benjamin Gürkan zu dem vernichtenden Urteil, daß Schönberger hierzu ungeeignet sei. Dies kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Mehr als eine Person dieses von ihm geteamten Ausbildungsseminars kam im Anschluß zu mir, um sich Hilfestellung zu dem geben zu lassen, was Schönberger nicht vermittelt hatte, obwohl dies essentieller Bestandteil dieses Seminars gewesen ist. Anders ausgedrückt: er wurde für das Seminar aus Fördermitteln der LPR Hessen und aus Mitgliedsbeiträgen von Vereinsmitgliedern bezahlt – und ich durfte seine Arbeit machen.

4.  Er kennt den Jingle und dessen Dramaturgie und Anmutung nicht, weiß aber, daß er einfach nur schlecht sein kann, viel schlechter jedenfalls als alles, was er selbst zuwege bringt.

[Auf der nächsten Programmratssitzung] habt Ihr dann Gelegenheit, Euch wegen dieser Unverschämtheit und Geschmacklosigkeit zu erklären bzw. offiziell zu entschuldigen. Schließlich wollen wir ja alle nicht, daß kleinere oder größere Gedankenlosigkeiten, Dummheiten oder Bosheiten eskalieren – schließlich wollen wir alle doch stilvoll und anständig miteinander umgehen. Ich jedenfalls werde bis zu dieser neuerlichen Sitzung bzw. bis zu Eurer Entschuldigung "die Sache", die nichts mit "Journalismus", "künstlerischer Freiheit" oder gar "Humor" zu tun hat, nicht auf sich beruhen lassen.

Auch hier müssen wir uns fragen, ob sich Gerhard Schönberger an seine eigenen elitären Regeln hält. Da Tanja und nicht Viola den Jingle produziert und gesendet hat, ist dieses Schreiben gegenüber Viola exakt das, was er anderen vorwirft: unverschämt und geschmacklos. Er jedenfalls geht mit den beiden Praktikantinnen weder stilvoll noch anständig um, sondern haut ihnen sein vierseitiges Elaborat stillos um die Ohren. Möglicherweise entspricht dieses Vorgehen jedoch seiner Definition und Vorstellung von anständigem Verhalten. Er definiert die Regeln und der Rest der Welt hat sie zu akzeptieren. Die nachgeschobene Drohung, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen, läßt nirgends eine soziale Kompetenz durchscheinen, auf andere zuzugehen und zu versuchen, den Sachverhalt friedfertig zu klären. Dieses Schreiben kann also als eine Kriegserklärung aufgefaßt werden: Unterwerft euch oder ich werde euch meine Macht spüren lassen. Kein Wunder, daß weder Tanja Ribartsch noch Viola Seeliger Lust verspürten, auf dieses "Gesprächsangebot" einzugehen.

Anmerkung des Verfassers: Ich bin mir ziemlich sicher, daß Schönberger nicht einmal bemerkt, wie er mit anderen Menschen umgeht. Er ist dermaßen ichbezogen, daß es ihm nicht in den Sinn kommt, daß andere Menschen sein vielleicht wirklich friedfertig gemeintes Verhalten nur als aggressiv wahrnehmen können. Die Empathie, sich in den Anderen oder die Andere hineinzuversetzen, fehlt da, wo sie am dringendsten benötigt würde. Die Welt dreht sich allein um die tatsächlichen oder eingebildeten Verletzungen des Gerhard Schönberger; und wenn Andere dabei verletzt werden, existiert der damit verbundene Schmerz nicht.

Weiterhin vermute ich, daß die Rage, in die sich Gerhard Schönberger treibt, nicht nur selbstbestimmt ist. Er befindet sich in einem sozialen Umfeld innerhalb des Senders, das aus Gründen, die hier nichts zur Sache tun, einen gewissen Groll, wenn nicht Haß auf Norbert Büchner und Katharina Mann hegen. Durch sein Umfeld läßt sich Schönberger in seiner Opferhaltung bestärken. Dieses Umfeld gibt der Angelegenheit jedoch eine neue Dynamik. Schönberger läßt sich für Interessen instrumentalisieren, die mit dem Konflikt um das Jingle nicht das Geringste zu tun haben. So nutzt dieses Umfeld Schönbergers öffentlich vorgetragene Rage eiskalt dazu aus, die eigenen strategischen Ziele umzusetzen, nämlich den Rauswurf von Katharina Mann, Norbert Büchner – und Walter Kuhl.

So schob Gerhard Schönberger einige Tage später ein zweites Schreiben nach. Dieses umfaßte zwar nur eine Seite, es endete jedoch charakteristisch mit dem fett und gesperrt gedruckten Satz: "Die Angelegenheit wird nicht im Sande verlaufen !!!

Dies waren also die emotionalen Voraussetzungen, welche den Verlauf der Küchensitzung am Abend des 6. Juli 2006 bestimmen sollten.

 

Aussagen von Gerhard Schönberger

Bemerkenswerterweise ist keine Aussage von Gerhard Schönberger auf der Vorstandssitzung am 13. September 2006 protokolliert worden, obwohl Schönberger auf der Sitzung selbst anwesend war. Dem Vorstand liegt auch keine schriftliche Äußerung Schönbergers vor. Dennoch wurde der Vorfall am 6. Juli 2006 als Teil des Ausschlußverfahrens gegen Katharina Mann und Norbert Büchner einbezogen. Hierzu wurde eine Aussage des Musikredaktionssprechers Clemens B. protokolliert.

Gerhard Schönberger hat auf der Programmratssitzung am 10. Juli 2006 einen längeren Redebeitrag vorgelesen. Welche genauen Ausführungen er hierbei zur Situation in der Küche gemacht hat, ist mir nicht erinnerlich. In einem Schreiben [pdf] an seine drei Redaktionen, die Kulturredaktion, die Musikredaktion und die Redaktion treffpunkt eine welt, geschrieben wahrscheinlich in der 2. Julihälfte, führt er hierzu aus (Hervorhebungen im Original):

Die inzwischen schon (liegt in der Natur der Sache) einigen (sendenden) RADAR-Mitgliedern bekannt gewordenen jüngsten Vorfälle bei RADAR (die fragwürdige und zu mißbilligende Beteiligung von Mitgliedern der Radiowecker-Redaktion an der kindischen und Gerhard Schönberger diffamierenden "Bastel-Arbeit" eines (am 12.06.2006 (also nur 8 Tage nach meiner ersten christlichen Sendung "soul food cafe" – gibt es da etwa einen Zusammenhang?) um ca. 7.30 Uhr ohne Erlaubnis gesendeten !) "Sender-Kennungs-Jingles" bzw. (des weiteren) die massiven (verbalen) Bedrohungen von Gerhard Schönberger durch Katharina und Norbert – in Zeugengegenwart –, die dazu geführt haben, daß sich Gerhard Schönberger beleidigt und gemobbt fühlt und sich nicht mehr sicher fühlt im Sendehaus (!), haben Gerhard Schönberger als unbestrittenes (und in jeder Hinsicht schuldloses) Opfer nunmehr veranlaßt (da ihm die "Rüge", welche in der PR–Sitzung vom 10.07.2006 von der überwältigenden Mehrheit der stimmberechtigten Anwesenden gegenüber der Radiowecker-Redaktion (nicht nur für das Senden des o. a. "Jingles" !) erteilt wurde, nicht ausreicht), die bewußten Vorfälle (dazu gehören eben auch noch die – in der PR–Sitzung vom 10.07.2006 n i c h t  mehr behandelten – Pöbeleien und verbalen Bedrohungen seiner Person v o r  Z e u g e n !) durch Katharina und Norbert) v o r  d e n  V e r m i t t l u n g s a u s s c h u ß  z u  b r i n g e n !

Hier spricht eine unbestreitbar verletzte Seele. Eine Seele, die so mit sich selbst beschäftigt ist, daß sie ihren Widerpart nicht mehr realistisch wahrnehmen kann. Die gesamte Radiowecker-Redaktion wird kollektiv angeklagt und hat sich dementsprechend auch kollektiv zu verantworten. Was aus diesem Schreiben deutlich herausschreit, ist der Ruf nach Rache. Eine Rüge für ein presserechtlich nicht zu ahndendes Vergehen reicht ihm nicht. Deshalb verfällt er auch in Verschwörungsphantasien wie der, man und frau habe seine christliche Sendung treffen wollen, wozu es nicht einen Anhaltspunkt gibt. Wenn wir davon ausgehen, daß sich Schönberger wirklich beleidigt fühlt und dies nicht nur Pose ist (das auch, aber es ist nicht die Hauptsache), dann ist klar, daß er sich auf eine Weise verhält, die seinen eigenen Ansprüchen auf ein friedliches und christliches Miteinander nicht genügt. Ob er sich dies bewußt gemacht hat, muß offen bleiben. Sein Verhalten läßt jedoch den Schluß zu, daß er nicht begreift, daß die Gegenseite schon allein aus dem Grund, daß er die Falschen anklagt, keine Veranlassung sieht, auf ihn zuzugehen. Und so eskaliert eine Situation, bei der verletzter Stolz einen rationalen Diskurs weitgehend ausblendet.

Auf der Vorstandssitzung am 13. September wurde hingegen eine Zeugenaussage des Musikredaktionssprechers Clemens B. protokolliert. Demnach sagt er

als Zeuge aus, das er mitbekommen habe als Gerhard Schönberger von Katharina Mann und Norbert Büchner gehindert wurde beide Praktikanten Tanja Ribartsch und Viola Seeliger etwas zu fragen. Zitat: "Verlasse den Raum, Sofort! Die beiden werden dir nicht antworten." Auf die warum Frage von Gerhard, kam die Antwort, das er wohl die Frauen bereits über einen Brief bedroht hätte und dies nun sich bedroht fühlten. Es soll eine ruhige Stimmung seitens Clemens B. und Gerhard Schönberger gewesen sein. Seitens Norbert Büchner kam wohl die Aussage "Da ist die Tür, Raus!", bei Katharina Mann kam es wohl zur Aussage "Wir können auch jederzeit dafür sorgen, das du Hausverbot durch den Vorstand erhälst.

Markus Lang trägt auf derselben Sitzung einen vorbereiteten Ausschlußantrag vor, in dem er das vage Dahingestellte ("kam es wohl") als feststehende Tatsache zur Aburteilung vorgeschlagen wurde:

Bei einem Zusammentreffen von Gerhard Schönberger, Katharina Mann und Norbert Büchner haben die beiden letztgenannten die massive Drohung gegen Herrn Schönberger ausgesprochen (unter Zeugen). Sie drohten Gerhard Schönberger mit Hausverbot, das sie durch den Vorstand veranlassen würden. Gerhard Schönberger hat aufgrund dieser Drohung seine Sendetätigkeit bei Radio Darmstadt eingestellt.

Hier liegt ein typischer Fall von Tatsachenverdrehung vor. Diese willkürliche Interpretation von angeblichen Verhaltensweisen wurde ab Juli 2006 gezielt in die Vereinsöffentlichkeit getragen. Halten wir doch einfach die protokollierte Aussage von Clemens B. in ihrem Kern fest:

1.  Clemens B. bezeugt, daß Gerhard Schönberger beide Praktikantinnen nicht befragen konnte. Tatsächlich ging es jedoch darum, daß Schönberger mit nur einer Praktikantin, nämlich Viola Seeliger, außerhalb der Redaktionssitzung unter vier (eigentlich sogar sechs, mit Clemens B. nämlich) Augen sprechen wollte. Im Gegenzug hatte die Radiowecker-Redaktion Schönberger angeboten, mit ihm auf der Redaktionssitzung gemeinsam ein aufklärendes Gespräch zu führen. Dies hat er jedoch verweigert. Tanja Ribartsch, die in der Küche anwesend war, wurde von Schönberger sogar ignoriert. Die hier protokollierte Aussage ist also falsch.

2.  Als Schönberger auf das Angebot, gemeinsam im Gespräch die gegenseitigen Verletzungen aufzuklären und ernstzunehmen, nicht eingegangen war, sondern darauf beharrte, alleine mit der einen Praktikantin zu reden, wurde er gebeten, den Raum zu verlassen, damit die Redaktion mit ihrer Sitzung beginnen könne. Nicht auszuschließen ist, daß hier Worte in seinem sehr bestimmten Tonfall gefallen sind, die in einem angespannten Klima als Bedrohung hätten aufgefaßt werden können.

3.  Clemens B. sagt nicht aus, daß mit Hausverbot gedroht wurde. Protokolliert wird eindeutig die Vagheit dieser Behauptung. Daraus ergibt sich, daß die Anwesenden auf der Vorstandssitzung den tatsächlichen Gehalt der Aussagen von Katharina Mann und Norbert Büchner eben nicht wiedergeben konnten. Im übrigen haben beide in einem Schreiben an den Vorstand erklärt, eine solche Drohung nicht ausgesprochen zu haben. Hier steht zumindest einmal Aussage gegen Aussage. Daraus einen Ausschlußgrund zu konstruieren, ist abenteuerlich und zeigt, wie dünn die Grundlage für ein vorn vornherein feststehendes Resultat tatsächlich gewesen ist. Markus Lang muß vage Äußerungen bemühen, um abstrafen zu können. Dieses Vorgehen hält keinem rechtsstaatlichen Standard stand.

4.  Gerhard Schönberger legt öfter Pausen in seiner Sendetätigkeit ein, so auch im Sommer 2007. Hier paßte seine Urlaubsplanung sehr gut zu seinem Erpressungsvorhaben, solange nicht mehr senden zu wollen, bis er ausreichende Satisfaktion erhalten habe.

 

Weitere Aussagen

Aus den vorliegen Äußerungen von Gerhard Schönberger und Clemens B. ist also nicht ersichtlich, was tatsächlich vorgefallen ist. Hierzu gibt es zwei Gedächntnisprotokolle von Tanja Ribartsch und Katharina Mann. Die Mehrheit des Vorstands des Trägervereins von Radio Darmstadt hat zu keiner Zeit auch nur erwogen, diese Zeuginnenaussagen anzuhören, geschweige zur Kenntnis zu nehmen. Schließlich gibt es noch eine Aussage von Viola Seeliger, mit der ich am 7. Juli 2006 über ihre emotionale Verfassung am Abend zuvor gesprochen habe. Viola erzählte mir sehr eindringlich, wie sehr sie vor Gerhard Schönberger und seinem Auftreten Angst gehabt habe und wie dankbar sie der Redaktion dafür gewesen ist, sich für sie eingesetzt zu haben. Wie schon erwähnt: Viola Seeliger wurde von Gerhard Schönberger vollkommen zu Unrecht angegangen.

Logo der Radiowecker-Redaktion
Logo der Radiowecker-Redaktion.

Wir müssen bei der Aufklärung, was tatsächlich vorgefallen ist, die unterschiedlichen Sichtweisen und Befindlichkeiten der beteiligten Personen im Blick behalten. Neben Gerhard Schönberger, dem aus seiner Sicht Unrecht geschehen war und der meint, sein Recht auf seine Weise durchsetzen zu können, war als sein Zeuge einer der beiden Sprecher der Musikredaktion, nämlich Clemens B., anwesend. Dieser wurde von Schönberger sehr wahrscheinlich ad hoc angesprochen und war in keinster Weise mit der Vorgeschichte vertraut. Daraus folgt fast zwangsläufig, daß ihm die Dynamik der Situation nicht nur unverständlich bleiben mußte, sondern daß er sehr wahrscheinlich damit auch überfordert war. Sicherlich wird er seinem Redaktionskollegen gegenüber loyal gewesen sein und deshalb zunächst das ja auch vehement vorgetragene Anliegen Schönbergers nicht infrage gestellt haben. Ob er sich bei ausreichender Reflexion tatsächlich hiermit identifiziert haben würde, darf bezweifelt werden. Auf der Vorstandssitzung am 13. September verfielen die Anwesenden auf der Suche nach Ausschlußgründen ins Anekdotenerzählen. Es wurden unüberprüft Stories kolportiert, die eindeutig gegen Katharina Mann und Norbert Büchner zielten. Ab einem bestimmten Punkt verwahrte sich Clemens B. gegen diese Übergriffe. Offensichtlich war ihm dieses Vorgehen nicht geheuer. Dagegen unternommen hat er allerdings nichts. Aus all dem folgt jedoch, daß sich Clemens mehr hat instrumentalisieren lassen, als ihm wohl lieb war, und, weil er bestimmte Aspekte nicht begreifen konnte, seine tatsächliche Zeugenaussage so vage blieb. In dieser Zeugenaussage wird ein einziger Moment am Ende einer längeren Debatte herausgegriffen, ohne die Vorgeschichte zu betrachten. Eine derartige Drohung wäre, selbst wenn sie gefallen wäre, von vorurteilsfreien "Richtern" ganz anders bewertet worden.

Tanja Ribartsch faßt den Abend so zusammen: Sie saßen zu sechst in der Küche und warteten auf eine siebte schon im Sendehaus anwesende Person, um mit der Redaktionssitzung zu beginnen. Da platzt Schönberger hinein und wendet sich direkt an Viola Seeliger. Sie, durch andere Zusammenhängen emotional gebeutelt, reagiert kleinlaut. Schönberger fragt sie, ob sie mit ihm unter vier Augen reden wolle, was sie nicht wollte, aber nicht mehr sagen konnte, weil ihre betreuende Redaktion eingriff. Daraufhin regte sich Schönberger auf, was der von Clemens B. geschilderten ruhigen Stimmung widerspricht. Aber das ist vielleicht auch Wahrnehmungssache.

Was Herrn Schönberger nur nicht auffällt, ist, daß er allein schon wegen seiner Statur ziemlich angsteinflößend ist, und, wenn er dann auch noch aufbrausend ist und man Angst haben muß, er vergißt Luft zu holen, dann ist diese ganze Person noch angsteinflößender.

Ich habe den Eindruck, daß sich Gerhard Schönberger seiner Wirkung nicht bewußt ist, vielleicht auch deshalb, weil er sich selbst für sehr verletzlich hält.

Ein darauf folgendes Angebot, er möge sich dazu setzen, also ein direktes Angebot zur Schlichtung, habe er abgelehnt. Daraufhin wurde er gebeten zu gehen, worauf er fragte, ob man oder frau ihn rausschmeißen wolle. Er bekam ein "Ja" als Antwort dafür, daß er jetzt gehen solle, was Schönberger möglicherweise als ein "Ja" verstand, man wolle ihn mit physischer Gewalt rauswerfen. (Was fast schon absurd anmutet, weil Schönberger von seiner Statur her gut in ein Football-Team passen würde.) Tanja hatte den Eindruck, Schönberger wußte ganz genau, wen er sich vornehmen wollte, denn sie wunderte sich, warum er nicht nach ihr gefragt habe. Und sie fragt sich, ob Viola dem redegewandten und bestimmt auftretenden Gerhard Schönberger überhaupt gewachsen gewesen wäre, und vermutet, Schönberger habe das schwächste Glied in der Kette herausgreifen wollen, um ein "Geständnis" herauszuholen. Was Gerhard Schönberger hierbei ganz gewiß nicht berücksichtigt hat, ist, daß frau zu einem derartigen "Gespräch" grundsätzlich nicht ohne Begleitung gehen sollte. Und damit wäre Schönbergers Vorhaben ohnehin geplatzt.

Katharina Mann betrachtet die Geschehnisse in ihrem Gedächtnisprotokoll ähnlich, aber mit einigen Unterschieden. So geht sie nur von fünf anwesenden Personen aus, als Schönberger mit Clemens B. die Küche betrat. Hier wird auch der Grund klar, warum auf das noch fehlende, aber im Sendehaus anwesende Redaktionsmitglied gewartet werden mußte. Diese hatte sich ins Vorproduktionsstudio verzogen, um einige Jingles zu überspielen, da die MiniDisc mit den Jingles der Redaktion (worauf sich auch der Schönberger-Jingle befand) aus dem Redaktionsfach im roten Schrank entwendet worden war. Schönberger ging schnurstracks auf Viola zu und fragte sie, ob sie Viola sei. Erst im Nachhinein wurde den Beteiligten klar, wie Schönberger darauf kam. Er war an diesem Abend Chef vom Dienst und sah, wie sich eine ihm unbekannte Person als Viola Seeliger in die Anwesenheitsliste eintrug. Dies mag auch der Anlaß für ihn gewesen sein, Viola in die Küche zu folgen.

Wie Tanja Ribartsch schon angedeutet hatte, ging es Viola zu diesem Zeitpunkt psychisch nicht so besonders gut. Deshalb hätten sich, Katharina Mann zufolge, sie selbst, Norbert Büchner und auch Tanja Ribartsch "sofort wie die Tigerinnen vor ihre Jungen schützend" vor Viola gestellt. Katharina sagte zu Schönberger, ein Vier-Augen-Gespräch werde es nicht geben, denn er sei hier nicht der Chef, der bestimmt, wo's langgeht.

Mit dieser Äußerung wollte ich darauf hinweisen, dass jede normale Arbeitnehmerin mehr Rechte hat, als Gerhard Schönberger in diesem Moment Viola Seeliger zugestehen wollte. Wahrscheinlich hat Gerhard Schönberger das einfach nicht verstanden, noch nicht einmal die Worte, weil sie für ihn vermutlich auch keinen Sinn ergaben.

Katharina Mann lud dann Schönberger ein, an der Redaktionssitzung teilzunehmen. Darauf sei er nicht eingegangen und habe statt dessen Drohungen ausgestoßen, weshalb er des Raumes verwiesen wurde. Norbert Büchner habe Schönberger dann nahegelegt, doch den Vermittlungsausschuß anzurufen, wenn er schon hier nicht reden wolle. Katharina Mann meinte dann, ohne konkreter zu werden, am besten sei es, er ginge jetzt. Und dann verließen Schönberger und Clemens B. den Raum.

Wenn wir diese Aussagen zu den Vagheiten der Vorstandssitzung hinzufügen, erhalten wir folgendes Bild: Schönberger hat eine der beiden Praktikantinnen identifiziert und will nach seinen schriftlichen Pamphleten eine der beiden Praktikantinnen zur Rede stellen. Sein Wortschwall aus den Pamphleten läßt erahnen, daß eine gleichberechtigte Kommunikation gewiß nicht stattgefunden hätte. Er – das sich selbst stilisierende Opfer – kennt keinen anderen Zugang als eine Entschuldigung einzufordern. Eine andere Verhandlungs– und Gesprächsbasis gibt es für ihn nicht. Dies sehen – weil sie die Pamphlete Schönbergers zum Teil kennen – auch die Redaktionsmitglieder der Radiowecker-Redaktion so, weshalb sie sich selbstverständlich vor die einem Schönberger deutlich unterlegene Kollegin stellen. So etwas nennt man und frau Zivilcourage. Schönberger läuft mit seiner Forderung ins Leere und regt sich auf. Sein Zeuge Clemens B. bleibt stumm und wird das meiste nur am Rande registriert haben. Die Stimmung ist schon aufgeheizt, als Katharina Schönberger das Angebot macht, auf der Redaktionssitzung in einem gesitteten Verfahren die Unstimmigkeiten aus der Welt zu schaffen. Hier hätte Schönberger, der in seinem Schreiben an seine drei Redaktionen auf seiner Deeskalationsbereitschaft herumreitet, sofort zusagen müssen. Dies war die beste Chance, die er bekommen konnte, um zu einem für ihn befriedigenden Ergebnis zu gelangen. Ich wette, die Jingleproduzentin Tanja Ribartsch hätte sich bei ihm entschuldigt und den Jingle aus dem Verkehr gezogen. Die Angelegenheit hätte sofort bereinigt werden können.

Aber was macht Schönberger? Er blockt ab. Er weiß in diesem Moment, daß nicht er Herr des Verfahrens sein wird. Da er ein im Grunde doch eher unsicherer Mensch ist, sieht er seine Felle davonschwimmen. Er kommt aufgrund seiner eigenen Vorurteile gar nicht auf die Idee, daß das Angebot zum gemeinsamen Gespräch ehrlich und ernst gemeint ist. Deshalb verdrängt er dieses Gesprächsangebot in seinen folgenden Schriftsätzen und mündlichen Einlassungen. Das ist nicht einmal böse Absicht, sondern eine bestimmte Art, mit Konflikten umzugehen. In dem Moment, in dem er den Schlichtungsvorschlag zurückweist, kann er nicht mehr zurück. Hierin liegt ein Aggressionspotential verborgen, das ihm wohl am wenigsten klar ist. Ab diesem Moment argumentieren beide Seiten aneinander vorbei und wünschen nur noch ein Ende des gescheiterten Dialogs. Allerdings kann Schönberger dann nicht einfach gehen, sondern muß noch ein bißchen Luft ablassen. Dies bringt ihm die bestimmt vorgetragene Aufforderung ein, den Raum zu verlassen. Ob hier wirklich Drohungen ausgesprochen wurden oder ob einzelne Äußerungen nur als Drohung verstanden wurden, ist eigentlich unerheblich. Die Situation konnte nur noch entgleiten, und hierfür ist zunächst einmal derjenige verantwortlich, der das gleichberechtigte Gespräch verweigert hat – Gerhard Schönberger.

Er, das selbsternannte Opfer, sieht nicht, daß Viola Seeliger tatsächlich Opfer ist, nämlich das Opfer von Schönbergers zuerst schriftlichen, dann sinnlich erfahrbaren Nachstellungen. Und weil er es in dieser Situation nicht begreift, daß er selbst ein Unrecht begangen hat, verfestigt er seine Haltung. Er geht nicht etwa zum Vermittlungsausschuß, wie ihm dies von Norbert Büchner dringend angeraten wurde, sondern wendet sich an den Programmrat und den Vorstand. Ab diesem Moment kennt er nur noch ein Ziel: Rache und Genugtuung. Von Deeskalation ist nichts mehr zu spüren. Auf der Programmratssitzung vier Tage später redet er sich (und sein Auditorium) in Rage. Die Anwesenden der Programmratssitzung am 10. Juli 2006 können hierfür als Zeuginnen und Zeugen benannt werden, allen voran der damalige Programmratssprecher und Sitzungsleiter Clemens B.

 

Deeskalation à la Schönberger

In dem schon angeführten Schreiben an seine drei Redaktionen vertritt Gerhard Schönberger einige Tage nach der Programmratssitzung am 10. Juli 2006 die These, er sei schon immer an Deeskalation interessiert gewesen und habe auch immer so gehandelt:

Gerhard Schönberger, der in den letzten Wochen bereits 4 mal (vergeblich, weil alle mutmaßlichen (und erwiesenermaßen) Beteiligten der Radiowecker-Redaktion seine Bemühungen vereitelt haben) versucht hat, diese Vorfälle, deren Opfer er so unvermittelt wurde, zu deeskalieren, unternimmt damit einen w e i t e r e n  5 .  Versuch, seine Deeskalations-Bemühungen voranzutreiben … und nun auch (mit Hilfe und der Unterstützung des Vermittlungsausschußes) z u  d o k u m e n t i e r e n.

Wahrscheinlich glaubt Schönberger sich das wirklich, er würde durch massive Forderungen deeskalieren. Doch dieses imaginierte Selbstbildnis wird durch die Realität eindrucksvoll widerlegt. Auf der Programmratssitzung am 10. Juli 2006 verlas er nämlich ein mehrseitiges, also vorbereitetes Schreiben, das mir leider nicht vorliegt. Er redete sich hierbei nicht nur in Rage und konnte vom Programmratssprecher Clemens B. schier nicht gestoppt werden. Mehr noch, er forderte ausdrücklich, daß der Programmrat beschließen oder dem Vorstand zur Entscheidung vorlegen solle:

1.  Katharina Mann und Norbert Büchner aus dem Trägerverein von Radio Darmstadt (RadaR e.V.) auszuschließen;
2.  oder sie zumindest abzumahnen;
3.  ein vier– bis sechswöchiges Sendeverbot gegen beide auszusprechen;
4.  ein Hausverbot für die Dauer von 4 bis 6 Wochen auszusprechen oder zumindest solange, bis er seine Entschuldigung erhalten habe;
5.  sowie beide aufgrund schlechter Eignung aus der vereins– und radiointernen Aus– und Weiterbildung auszuschließen [3].

Seine Deeskalation besteht offensichtlich darin, die bedingungslose Unterwerfung unter seine Ansprüche einzufordern oder, falls die Unterwerfung nicht eintritt, in Ausgrenzung und Rausschmiß. So spricht jemand, der sich in seinen Sendungen ausdrücklich für die Einhaltung der Menschenrechte und für eine Kultur der Menschlichkeit [siehe unten] einsetzt. Der Kontrast zwischen Worte und Taten wird deutlich, wenn es um die eigene Person geht. Was dies für die Menschlichkeit bedeutet, wollen wir hier lieber nicht ergründen …

 

Folgen

Katharina Mann und Norbert Büchner wurden im Beisein von Gerhard Schönberger in einem Schauprozeß am 13. September 2006 aus dem Verein ausgeschlossen, beide zu den Vorfällen nicht angehört. Das damalige Vorstandsmitglied Niko Martin wies auf der Sitzung ausdrücklich auf den rechtswidrigen und satzungswidrigen Charakter des Ausschlußverfahrens hin und forderte die vom Vereinsrecht und der Satzung zwingend gebotene Anhörung ein. Dies entlockte dem anwesenden Gerhard Schönberger folgende Stellungnahme: "Ach du liebe Zeit." Ja, es scheint eine Zumutung zu sein, ein rechtsstaatlich einwandfreies Verfahren durchzuziehen. Wenn für Schönberger die Schuld feststeht, kann man auf lästige Formalien gerne verzichten.

Der Radiowecker-Redaktion wurde schon auf der Programmratssitzung zwei Tage zuvor der Sendeplatz entzogen, die Redaktion anschließend auf der Mitgliederversammlung am 8. Dezember 2006 aufgelöst. Mehrere Mitglieder der Radiowecker-Redaktion haben den Verein verlassen. Das Ansehen des Senders in der Öffentlichkeit hat insbesondere dadurch schwer gelitten, daß es zwischen September 2006 und Januar 2007 fast gar keinen Radiowecker mehr gab und seit Februar 2007 eine Art Karikatur. Wenn es darum geht, aus Haß und Ressentiment geleitete Rechnungen zu begleichen, dann ist das Ansehen von Verein und Sender den handelnden Personen offensichtlich egal.

Es ist bemerkenswert, daß die Mitglieder des Vereins sich gerne dieser aufgeblasenen Menschlichkeit angeschlossen haben. Dies illustriert auf sehr drastische Weise, wohin es führt, wenn eine einzelne Person zum Katalysator des geballten Volkszornes wird. Kaum eine oder jemand hat versucht, Schönberger einmal gut zuzureden. Kaum eine oder jemand hat versucht, vermittelnd einzugreifen, die Mehrheit des Vorstands des Vereins ohnehin nicht.

Das Vermittlungsverfahren zwischen Gerhard Schönberger und Tanja Ribartsch endete in für beide Seiten annehmbarer Weise. Schönberger verpflichtete sich hierbei, seine drei Redaktionen vom erfolgreichen Vermittlungsverfahren in Kenntnis zu setzen, damit auch für diese der Fall abgeschlossen sei. In der Kulturredaktionssitzung mußte er geradezu zu diesem Geständnis genötigt werden. Ob er in der Musikredaktion oder der Redaktion treffpunkt eine welt seiner Verpflichtung nachgekommen ist, darf bezweifelt werden. Bei der von ihm vollkommen zu Unrecht beschuldigten und von ihm mehrfach beleidigten Praktikantin Viola Seeliger hat sich Schönberger bis heute nicht entschuldigt. Entschuldigungen fordert er von anderen Personen ein.

 

Abschließende Frage an Gerhard Schönberger

Zum Schluß habe ich eine einfach zu beantwortende Frage an Gerhard Schönberger, der sich bekanntlich in seinen Sendungen und öffentlichkeitswirksamen Auftritten für die Rechte von Opfern einsetzt. Gerhard, hast du dich ein Jahr nach diesen Vorfällen wenigstens bei der hier in dieser Dokumentation Viola Seeliger genannten ehemaligen Praktikantin der Radiowecker-Redaktion auf die Weise entschuldigt, welche du von Katharina Mann und Norbert Büchner eingefordert hast?

Sobald mir die Antwort vorliegt, wird sie hier veröffentlicht werden.

 


 

Anhang

Auszugsweises Transkript einer Sendung von Gerhard Schönberger am 2. April 2007

Das folgende Transkript dient der Dokumentation der Behauptung Gerhard Schönbergers, er bewege sich auf einem Niveau weit oberhalb des von ihm angefeindeten Beitrags, und seiner Empfehlung, seine Sendungen wegen ihres Aufbaus, ihrer Inhalte und ihres Anspruchs öfter anzuhören. Es gibt den Höreindruck des gesprochenen Wortes wieder und ist selbstverständlich nicht autorisiert.

Tja, liebe Freunde, es ist mal wieder soweit hier bei Radio Darmstadt auf der 103,4 Megahertz. Wir haben wieder den ersten Montag im Monat, und zwar den ersten Montag im April, wenn ich recht informiert bin, des Jahres 2007. Und jetzt geht's los mit der Sendung lyrics and poetry. Am Mikrofon euer Gerhard Schönberger.
Heute hab ich nicht nur eine Stunde zur Verfügung, und ihr auch nicht, sondern wir haben drei Stunden zur Verfügung. Und die wollen wir natürlich ausnutzen. Wir haben Literatur, wir haben auch ein bißchen Noma, wir haben ein bißchen Kinderarmut in aller Welt, wir haben eine Mixtur heute in der Sendung lyrics and poetry. Wir fangen natürlich von 18 bis 19 Uhr an mit Literatur. Was im einzelnen, das sag ich euch direkt nach den Jingles.
[Jingle 1:] Meine Damen und Herren, sehr verehrte Hörerinnen und Hörer, liebe Freunde von Radio Darmstadt. In wenigen Minuten erwartet Sie eine weitere Sendung der Kulturredaktion, die Sie auf gar keinen Fall versäumen sollten. Soeben betritt der Redakteur und Moderator dieser Sendung das Studio, es kann sich also nur noch um Sekunden handeln, bis er spätestens nach Ablauf dieses Jingles mit seiner Live-Sendung beginnt. Wir wünschen Ihnen an dieser Stelle schon mal viel Spaß bei der nun folgenden Sendung der Kulturredaktion mit Lyriker und Liedermacher und Noma-Botschafter Gerhard Schönberger, am Mikrofon und an der Technik. Sie werden es nicht bereuen.

Er sitzt natürlich schon länger im Studio, hat auch dort schon geredet, aber er betritt es jetzt … Soviel zum Aufbau seiner Sendungen … Und weil es mit einem Jingle nicht genug ist, folgt gleich anschließend ein zweites.

[Jingle 2:] Hallo, liebe Hörerinnen und Hörer draußen an den Rundfunkempfängern, die ihr zurecht schon mit Spannung auf diese Sendung gewartet habt. Hier ist lyrics and poetry, zu Deutsch Liedertexte und Poesie. Bei mir in der Sendung dreht sich alles um das Wort. Und zwar um das geschriebene, gesprochene, gesungene Wort, das geschrieene und geflüsterte Wort, das mutige und das mutlose Wort, das bedeutungsvolle und das nichtssagende Wort, das hochdeutsche und das dialektgefärbte Wort, das fremdsprachige und das übersetzte Wort, das versuchte und das vollendete Wort, das geschulte und das natürliche Wort, aber auch das unverständliche Wort, das tonlose, das verweigerte Wort. In meiner Sendung habe ich immer einen Studiogast eingeladen, manchmal sogar mehrere Studiogäste, die ich Ihnen vorstellen darf. Am Mikrofon und am Mischpult sitzt bzw. steht der Redakteur und Moderator dieser Sendung in höchsteigener Person, nämlich der Lyriker und Liedermacher und Noma-Botschafter Gerhard Schönberger. Ja, und das bin ich. Wer Lust hat, mich auf meiner Homepage zu besuchen bzw. mir ein E–Mail zu senden, für den nenne ich jetzt die Internetadresse meiner Website. Sie lautet ganz einfach www.gerhardschoenberger.de, alles klein und zusammen geschrieben ohne Punkt oder Bindestrich. So, jetzt geht's aber endlich los mit der Sendung lyrics and poetry.

Die Jinglelei ist hiermit vorerst beendet.

Ja, und da will ich auch schon gleich mal das Geheimnis lüften dieser beiden Jingles, die ich hier ja nun schon einige Jahre spiele. Fast schon vier Jahre könnte man sagen, aber nicht von Anfang an, habe ich die natürlich verwendet. Das erste Jingle wird sozusagen musikalisch begleitet von der Gruppe Blonker und der Titel zum ersten Jingle heißt Sidewalk Café. Und der Titel zum zweiten Jingle heißt Wild Cat Blues. Jou. Und jetzt hab ich direkt noch einen Jingle gebastelt, weil wir ja dieses Jahr, und zwar im Jahre 2007, sozusagen Jubiläum feiern hier, wir bei Radio Darmstadt, auf der 103,4 Megahertz zu hören und über den Livestream. Wir feiern ein Jubiläum, wir feiern nämlich den zehnten Jahrestag sozusagen unseres, ja, Dauersendebetriebs, das heißt des Beginnens unseres Dauersendebetriebs. Und der war – wie gesagt – im Februar, glaube ich, ja, vor zehn Jahren. Da war ich noch gar nicht dabei, fast hätte ich gesagt, war ich noch gar nicht geboren. Aber ich bin ja erst, sagen wir mal, seit vier Jahren dabei, aber habe ein schönes Jingle gemacht aus gegebenem Anlaß, denn wir feiern dieses Jubiläum das ganze Jahr über mit Sondersendungen. Und heute haben wir so eine Sondersendung, eine dreistündige Sendung lyrics and poetry von 18 bis 21 Uhr. Jawoll, drei Stunden statt einer Stunde heute dankenswerterweise. Die Kollegen von der U–Redaktion haben mir zwei Stunden abgegeben.

Es handelt sich ja wohl eher um die Irreführung des Publikums. Erstens hat er nicht "wie gesagt" das Sendejubiläum im Februar schon einmal erwähnt, und zweitens ist dies keine Sondersendung. Eine Sondersendung findet zu einem besonderen Ereignis statt, nicht aber dann, wenn die Unterhaltungsredaktion ein Problem hat, zwei Stunden Sendeplatz zu füllen und deshalb froh ist, dem Vielsender Gerhard Schönberger diesen Sendeplatz abtreten zu können. Mit dem Jubiläum hat dieser Sendeplatztausch nicht das Geringste zu tun.

Jou, und ich habe sie gerne genommen, hab gesagt, mach mal eine Sondersendung draus, obwohl natürlich manche dieser Sondersendungen auch nicht im Programmheft stehen. Die kommen ganz überraschend, ja, so kann es manchmal gehen. Das Programmheft ist auf jeden Fall immer richtig und stimmt auch immer. Auch das im Internet, könnt ihr nachgucken. Und der Programmflyer ist auch immer ok.
Screenshot der Webseite von Gerhard Schönberger
Die Webseite von Gerhard Schönberger.

Es scheint eine Marotte unserer Moderatorinnen und Moderatoren sein, sich ganz systemkonform daran zu beteiligen, das Publikum anzuflunkern. Da werden Hypes um Dinge gemacht, die eigentlich keiner Erwähnung wert sind. Der Programmflyer ist, seitdem er nicht mehr von Katharina Mann zusammengestellt worden ist, eine mittlere Katastrophe. Wenn man und frau gewisse Standards gewohnt ist, dann sind Flyer mit einer Fehlerquote so um 10 bis 25 Angaben doch ein bißchen arg sinnlos. Auf jeden Fall sind sie nicht immer richtig. Da Herr Schönberger kein Gespür für derlei Fragen besitzt und vor allem sich nicht die Mühe macht, das gedruckte Produkt einmal mit den Realitäten abzugleichen, kommt eine solch falsche, um nicht zu sagen: wahrheitswidrige, Aussage zustande. Im Internet können wir tatsächlich nachschauen, sofern der zuständige Webmaster es im Verlauf des Monats auf die Reihe gebracht hat, den aktuellen Monatsflyer auch einmal hochzuladen. Diese Sendung des Herrn Schönberger fand am 2. April statt. Zu diesem Zeitpunkt war als aktuelles Programm (sic! siehe Homepage!) noch der Märzflyer angegeben. Der Aprilflyer wurde erst fünf Tage nach Schönbergers Sendung hochgeladen. Warum erzählt uns dieser Moderator also einen derartigen Käse? Weil er nicht nachrecherchiert hat. Er hätte auf die Homepage schauen und wie der berühmte Philosoph schweigen sollen!

Aber manchmal ergeben sich halt kurzfristig Änderungen und deswegen können wir auch manchmal ganz kurzfristig euch, liebe Hörerinnen und Hörer, überraschen mit Sondersendungen. Und so eine, wie gesagt, haben wir heute, drei Stunden lyrics and poetry. Ich wollte [noch irgendetwas ?] sagen, ich habe den Faden verloren, Irgendwas hatte ich noch, was wollte ich denn noch sagen? Grübel. Hm hm hm, ich denke mal drüber nach, und in dieser Zeit spielen wir noch ein Jingle, und zwar das Jingle, das ich gemacht habe zu Ehren von, ja, Radio Darmstadt. Und, ich hab's nicht alleine gemacht. Also, Mickey Mouse hat mir dabei geholfen.
[Jingle:] In diesem Jahr feiert Radio Darmstadt ganzjährig den zehnten Jahrestag der ersten regelmäßigen Sendung, die im Februar 1997 über den Äther ging und mit der unser ständiger Sendebetrieb begann. Dieses runde Jubiläum ist ein Grund von vielen Gründen, der uns ehrenamtliche Redakteure und Moderatoren von RadaR stolz macht. Ein weiterer Grund, stolz zu sein, ist, daß wir alle, Männer und Freuen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe, unterschiedlichen Glaubens und unterschiedlicher Weltanschauung es bei allen in einem Verein nötigen, teilweise auch unnötigen Auseinandersetzungen mit vereinten Kräften geschafft haben, in dieser langen Zeit ein gutes Programm auf die Beine zu stellen und am Laufen zu halten. Nicht nur die demokratisch gewählten Gremien von RadaR, sondern alle Vereinsmitglieder haben nach Neigung und Fähigkeiten dazu beigetragen. Über diese gute Nachricht, von der in den nächsten Monaten noch öfter die Rede sein wird, sollten wir aber einiges nicht vergessen. Wir senden nicht nur für euch, liebe Hörerinnen und Hörer, und für uns selber. Wir verstehen unser Anliegen, gutes Radio zu machen, auch so, daß wir zu humanitären und karitativen Themen engagiert Stellung beziehen und gelegentlich sogar zu Spenden aufrufen für die Menschen, denen in der ganzen Welt schon das allererste Menschenrecht, nämlich als Mensch unter menschenwürdigen Verhältnissen leben zu dürfen, von einer machthungrigen Weltpolitik und einem geldgierigen Weltwirtschaftssystem vorenthalten wird. Im Januar dieses neu angebrochenen Jahres 2007 feiert bzw. feierte auch Noma-Botschafter Gerhard Schönberger ein Jubiläum. Seit vier Jahren gehört er unserem Verein an – um genau zu sein: am 5.1.2003 war seine erste Sendung – und ist seitdem in den Redaktionen Kultur, Musik und treffpunkt eine welt aktiv als Redakteur und Moderator poetischer, gesellschaftskritischer und christlicher Sendungen mit den Themenschwerpunkten "Gesicht zeigen und Dialog aushalten". Sein Hauptanliegen war und ist es, neben den Themen Literatur und Musik, zu denen er als Lyriker und Liedermacher einen direkten Bezug hat, immer wieder auch Themen anzusprechen, die mit Menschenrechten zu tun haben, vor allem mit der Krankheit Noma, zu deren Bekämpfung er seit nunmehr ebenfalls vier Jahren Informationsveranstaltungen gibt und Spenden sammelt. Er ist einer von uns, einer, den wir hier einmal herausgehoben haben als einen von vielen, die sich in unserem Verein in und auch außerhalb ihrer Sendungen für benachteiligte Menschen und für einen Dialog der Kulturen jenseits aller religiösen Schranken einsetzen. Klickt euch einfach [nicht deutlich zu verstehen] seiner Website www.gerhardschoenberger.de, auf die Site der www.hilfsaktionnoma.de, wenn ihr mehr erfahren möchtet, was Noma ist und wie ihr den nomakranken Kindern im afrikanischen Staat Niger helfen könnt.

Dieser Jingle existiert in drei Fassungen, die uns selbstverständlich alle drei auch in dieser Sendung präsentiert werden. In den anderen beiden Fassungen folgt: "Mein Name ist Gerhard Schönberger."

Tja, und da machen wir direkt weiter hier.

Es folgen die Ankündigung einer Lesung und ein Noma-Interview, sowie eine umfrangreiche Statistik zur Armut in der Welt. Alles nicht falsch. Aber man und frau darf sich schon fragen, wer dieser geballten Ladung Zahlenwust zuhört. Die Frage, wer auch nur einen Bruchteil davon im Kopf behält, wollen wir lieber nicht stellen. Die Didaktik dieses Vorgehens ist zumindest fragwürdig. Ich erwähne das nur, weil Schönberger im oben auszugsweise abgedruckten Pamphlet ausdrücklich den Aufbau, Inhalt und Anspruch seiner Sendungen über den grünen Klee gelobt hat. Sendungen, die verpuffen, sind zwar nicht verboten, ob sie jedoch sinnvoll sind, ist eine andere Frage.

Tja, liebe Hörerinnen und Hörer, ihr fragt euch natürlich hier auf der 103,4, was hört ihr denn da? Ihr hört Radio Darmstadt, ihr hört eine Sendung der Kulturredaktion, die heißt eigentlich lyrics and poetry, und ich bin Lyriker und Liedermacher. Mir geht es um die Poesie, mir geht's um Liedertexte usw. Aber viele meiner Texte, meiner Gedichte, meiner Kurzgeschichten, viele meiner Lieder behandeln die Not in der Welt, und vor allen Dingen auch die Not der Kinder. Und wenn sich einer von euch fragen sollte, was hat so eine Sendung denn eigentlich in der Kulturredaktionsschiene verloren, dann sage ich nur: Mir geht's um die Kultur der Menschlichkeit.

Zum Thema Menschlichkeit: siehe oben. Und auf diese Weise werden die insgesamt drei Stunden Sendezeit gefüllt. Es folgen: der letzte Jingle, diesmal mit dem Unterleger aus dem Film The Typewriter, und anschließend der erste poetische Text des Abends. Zwischendrin einige Bekenntnisse: "Es ist schlimm, was Kindern in dieser Welt angetan wird." – "Ich spreche hier im Plural Majestatis."

Weiter geht es um Folter, es werden von Ihm und Hacer Y. Gedichte von Nazim Hikmet vorgetragen, eine Aufnahme einer Lesung für ai im August 2006 bei der "Langen Nacht der Folter". Danach freut er sich auf die folgenden beiden Stunden, die mit seinem Jingle in einer Variante mit jazzigem Unterleger eingeleitet werden. Somit kommen wir innerhalb von etwas mehr als einer Stunde auf fünf Jingles, die mehr oder weniger um den Gutmenschen Gerhard Schönberger kreisen.

Schönberger, Hacer Y., Torsten Aschenbrenner [4] und Dimitra M. interviewen sich gegenseitig und erzählen sich, wie wichtig und toll sie sind. Dann wird mit großem Brimborium eine Aufzeichung einer Geldsammlung der Auslandsredaktion zugunsten Schönbergers Noma-Engagement zelebriert, so daß es fast schon peinlich wird. Und damit es auch wirklich ankommt, wird sein Dankestext gleich noch einmal verlesen. Dann überträgt er ein schon gesendetes Interview mit der Vorsitzenden eines NOMA-Hilfsprojekts aus Regensburg, das er 2006 geführt hat. Die Sendung nähert sich dem Ende, nicht ohne nochmals mit Spendenaufrufen die hoffentlich noch an den Radiogeräten sitzende Gemeinde wachzurütteln.

Solch eine Sendung kann man machen. Vielleicht ist sie sogar im Rahmen eins nichtkommerziellen Lokalradios sinnvoll untergebracht. Von der Dramaturgie her wäre jedoch zu sagen: Weniger ist besser, und weniger moraltriefend wäre sie noch besser gewesen. Eine Stunde hätte vollkommen ausgereicht. Aber wenn man drei Stunden füllen muß, verliert man offensichtlich das Gespür für die Aufnahmebereitschaft des Publikums.

 

ANMERKUNGEN

 

[1]   Onlinefassung im Internet.

[2]   Eckard Nachtwey, Peter Willers: Rechtshandbuch Bürgermedien, Kiel 1999, Seite 49.

[3]   Das ist eine Retourkutsche. Schönberger wurde aufgrund seines Ausbildungsseminars am 2. und 9. Juli 2005 für untauglich befunden, vereinsinterne bezahlte Ausbildungsseminare abzuhalten.

[4]   Name geändert.

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 27. Februar 2009 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2007, 2009. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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