Medienhaus Südhessen
Verlagsgebäude

Radio Darmstadt

Das Darmstädter Echo berichtet

Dokumentation

 

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt. Der Autor dieser Dokumentation hat von Juni 1997 bis Januar 2007 bei Radio Darmstadt gesendet, bis ihn ein aus dieser Umbruchssituation zu verstehendes binnenpolitisch motiviertes Sendeverbot ereilte. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt er die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

In der Dokumentation werden die Namen handelnder Personen aufgeführt. Damit werden Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt. Zur Klarstellung: Eine Diffamierung einzelner Personen ist hiermit nicht beabsichtigt. [mehr]

 


 

Zusammenfassung

Soweit in dieser Dokumentation auf Artikel aus dem "Darmstädter Echo" Bezug genommen wird, werden diese mit den entsprechenden Online-Artikeln verlinkt. Leider hat es sich Anfang 2008 herausgestellt, daß einzelne Artikel aus dem Jahr 2006 nicht mehr im Onlineangebot vorhanden sind. Deshalb werden sie auf dieser Seite dokumentiert.

 


 

Mehr Mut bei der Berufswahl

Girls’ Day: Am Donnerstag schnuppern rund 800 Mädchen in männlich dominierte Welten

Rund 800 Mädchen, 41 Betriebe, Institutionen und Organisationen: Das ist der Girls’ Day 2006 in Darmstadt. Auch das Medienhaus Südhessen, in dem die ECHO-Zeitungen erscheinen, hat am kommenden Donnerstag (27.) 13 Mädchen zu Gast.

Ziel des bundesweiten Aktionstags, der aus den USA stammt und dort „Take-your-daughter-to-work“-Day (Nimm deine Tochter mit an deinen Arbeitsplatz) heißt, ist die Darstellung des breiten Spektrums im Ausbildungsmarkt. Denn obwohl es hierzulande mehr als 400 Ausbildungsgänge gibt, schließen Mädchen 80 Prozent aller Verträge in den immergleichen 25 Berufen ab. Ganz oben auf der Liste: Arzthelferin, Friseuse, Kauffrau.

Technische Berufe stehen nicht im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Ein Problem. Denn „technische Berufe gewinnen immer mehr an Bedeutung“, sagt der Geschäftsführer des südhessischen Unternehmerverbandes, Wolfgang Drechsler. „Bereits heute haben mehr als die Hälfte der in der Technologieregion Südhessen angebotenen Ausbildungsberufe einen Bezug zur Technik.“

Dies sichere Arbeitsplätze und erfordere, die heranwachsende Generation gezielt auf die technische Entwicklungen und ihre Anforderungen vorzubereiten. Drechsler: „Leider herrschen in vielen Köpfen jedoch noch allzu häufig alte Denkmuster vor, in denen Mädchen nur selten mit gewerblich-technischen Berufen in Verbindung gebracht werden.“ Diese Einstellung gelte es „aufzubrechen“.

Für Tatjana Trilling eine Selbstverständlichkeit. Sie ist Zweiradmechanikermeisterin und bildet beim Werkhof Industriemechaniker aus. Diese außerbetriebliche Ausbildungsstätte unterstützt gezielt benachteiligte Jugendliche, zwischen zehn und fünfzehn pro Jahr. „Equal“ heißt das Projekt zur Entwicklung innovativer Methoden zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Diskriminierung am Arbeitsplatz, das vom Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Der Werkhof ist in ein Netzwerk von Partnern – von der Bahn über die Erasmus-Kittler-Schule bis zu Radio Darmstadt – eingebunden, das sicherstellen soll, dass die Jugendlichen eine über die reine Lehre hinausgehende Bildung und Förderung erhalten.

Dazu gehört interkulturelles Lernen, etwa mit einem Radioworkshop, der die sprachliche Entwicklung unterstützt. Durchlässigkeit in der Ausbildung ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium, um den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. So soll etwa aus einem Industriemechaniker auch noch ein Mechatroniker werden können oder aus einem Anlagen- und Maschinenführer ein Industriemechaniker, wie Tatjana Trilling erläutert.

Am kommenden Donnerstag wird sie acht Mädchen aus einer Schule für Lernhilfe durch die Werkstatt führen. Im vergangenen Jahr durften sich die Besucherinnen Kerzenständer schweißen. „Man kann daran schon gut erkennen, wer welche Interessen und Begabungen hat“, sagt sie. Und die Mädchen merken, dass Haareschneiden nicht der einzig mögliche Handwerksberuf für Frauen ist. „Oft fällt ja die Entscheidung auf Berufe, die man kennt“, sagt Tatjana Trillings Kollegin Anne Küffner. Ausbilderin Trilling empfiehlt Mädchen deshalb, möglichst viele verschiedene Praktika zu machen.

Etwas selbst herzustellen, das ist auch Bestandteil des „Girls’ Days“ bei Schenck, der dort „Kids’ Day“ heißt und sich an Töchter und Söhne von Mitarbeitern richtet. Letztes Jahr war es ein Flaschenöffner, erzählt Maria Tesch von der Ausbildungsabteilung. Rund 60 Mitarbeiterkinder werden am Donnerstag den Betrieb besichtigen, sich auch etwas über CAD (CAD heißt Computer Aided Design, computerunterstütztes Konstruieren) informieren und schließlich eine Stunde am Arbeitsplatz ihres Elternteils zubringen.

Schenck bildet Industrie- und Bürokommunikationskaufleute, Technische Zeichner und Mechatroniker sowie Betriebswirte und Mechatroniker in Kooperation mit der Berufsakademie Mannheim aus und hat im Ausbildungsverbund auch sieben externe Lehrlinge. „Es gibt zuwenig weibliche Bewerber für Männerberufe“, weiß Maria Tesch, „manchmal trauen sich Mädchen einfach nicht, sich zu bewerben oder etwas auszuprobieren.“ Der „Girls’ Day“ soll dies ändern.

Birgit Femppel     24.4.2006

 

Messeler Schüler auf Sendung

Radioprojekt: Klasse 3 b der Ludwig-Glock-Schule schreibt und produziert Hörspiel – Gemeinschaftswerk zusammen mit dem Frankfurter Institut für Medienpädagogik

MESSEL. Es ist schon ein wilde Abenteuergeschichte, die kürzlich über „Radio Radar“ lief. „Da drücken Kinder einen roten Knopf, und schon werden sie in eine andere ferne Welt, sogar in die Zukunft geschleudert“, so beschreibt Sebastian Lehnst (9) die Quintessenz des kleinen Hörspiels „Zeitreise“.

Das Gemeinschaftsprodukt, das die Klasse 3 b der Messeler Ludwig-Glock-Schule zusammen mit Lehrerin Caroline Manstein und zwei Betreuern vom Frankfurter Institut für Medienpädagogik vor Ostern entwickelt und in den Darmstädter Studios produziert hat, fasziniert Kinder und Eltern.

Sebastian, der Erzähler, fand es „gar nicht so schwierig“, mit einigen Sätzen in die Handlung einzuführen und „zu sagen, was passiert und was man im Radio ja nicht sehen kann.“ Die dreizehn Minuten lange Science-Fiction-Story, an der alle 22 Schüler mitgearbeitet haben, beschäftigt die Radiomacher der 3 b auch über den Aufnahmetermin hinaus. „Wir hören unser Hörspiel jeden Abend zum Einschlafen“, erzählen einige Mädchen, und „das Allerbeste war, dass alle mitmachen durften“, heißt es bei den Jungs.

Was die Klasse innerhalb einer Woche mit dem Frankfurter Medienpädagogen Pit Schulz, seiner Kollegin Astrid Schulz und bei Dirk Schirdewan von Radio Radar gelernt hat, wird ihr Verhältnis zum Radio vermutlich nachhaltig verändern: so etwa die Erfahrung, mit welcher Musik sich bestimmte Gefühle erzeugen lassen, wie Stimmen mittels Technik verändert und verfremdet werden können oder wie Klänge und Geräusche im Aufnahmestudio entstehen, schon wenn mit Rasseln oder Scheren geklappert wird.

Ziel der von Klassenlehrerin Caroline Manstein angeregten Projektwoche unter dem Motto „Radio ist mehr als Musik“: mehr Medienkompetenz durch Kennenlernen technischer Voraussetzungen vom Mikro bis zum Mischpult, schließlich als Krönung die Gestaltung eines eigenen Hörbeitrags bis zur Sendung.

Kinder sollen Medien bewusster und differenzierter nutzen, indem sie lernen, ihre Produktionsbedingungen zu verstehen und selbst kleine Beiträge produzieren – so der Ansatz des Grundschulprojekts, das seit 2004 und derzeit auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg läuft.

Vorlieben der Kinder für bestimmte Stars, Sendungen und musikalische Trends in Radio und Fernsehen sollten Erwachsene unbedingt ernst nehmen, meint Bildungsreferent Pit Schulz. Sein Rat bei Elternabenden wie dem in Messel: Eltern sollten mit Kindern über ihre Lieblingssendungen reden, sie möglichst sogar zusammen mit den Kindern hören und sehen, um so mehr über Wünsche, Träume, Idole und Ideale der Neunjährigen zu erfahren.

Die Kosten des Messeler Radioprojekts in Höhe von 200 Euro wurden vom Schulförderverein übernommen. Grundschulklassen aus dem Landkreis, die sich für Projektwochen mit den Medienpädagogen interessieren, können sich beim Frankfurter Institut für Medienpädagogik unter 069 63009424 bewerben.

dit     29.4.2006

 

„Radar“ fürchtet um Existenz

Finanzierung: Geplantes Gesetz sieht Kürzungen der Zuschüsse für Bürgerradios vor

DARMSTADT. Radio Darmstadt (Radar) sendet zurzeit jenseits des laufenden Programms Alarmsignale aus. Die anstehende Novellierung des Hessischen Privatrundfunkgesetzes (HPRG) macht dem nicht-kommerziellen Lokalradiosender Sorgen. Passiert der Gesetzesentwurf der Hessischen Staatskanzlei in der momentanen Fassung alle parlamentarischen Gremien, sieht der Sender Mittelkürzungen um 40 Prozent auf sich und die anderen sechs hessischen Bürgerradios zukommen.

„Das wäre für uns schlicht nicht handhabbar“, sagt Walter Kuhl vom Vorstand des Trägervereins, der die Existenz der ehrenamtlichen Lokalsender bedroht sieht. „Radar“ erhält bislang rund 70 000 Euro jährlich von der Landesanstalt für Privaten Rundfunk (LPR) aus dem Topf der eingezogenen Rundfunkgebühren. Eine Kürzung des Zuschusses um 40 Prozent wäre ein herber Einschnitt, wenn man bedenkt, dass das Fixum für Miete und Nebenkosten bei jährlich rund 30 000 Euro liegt.

Kuhl: „Wir wissen nicht, wie wir das auffangen sollten.“ Die befürchteten Kürzungen ergeben sich Kuhl zufolge aus Veränderungen in den Paragrafen 51 und 57 des HPRG, die eine „schwerwiegende Gewichtsverlagerung“ der Förderungsprioritäten mit sich bringen. Bislang wurden für nicht-kommerzielle Lokalradios, Offene Kanäle und Medienkompetenzprojekte hessenweit vier Millionen Euro jährlich bereitgestellt, 700 000 davon sind für die sieben Bürgerradios bestimmt. Der Gesamtbetrag solle auf 2,5 Millionen heruntergekürzt werden und das eingesparte Geld verstärkt in die Förderung der technischen Infrastruktur, neuer Übertragungstechniken und des Medienstandorts Hessen gesteckt werden.

Zudem solle die Bezuschussung der Bürgersender künftig an Medienkompetenzprojekte gekoppelt werden, wogegen sich „Radar“ ebenfalls wehrt: „Nichtkommerzielle Lokalradios wenden sich an lokale Akteure und stellen daher keine Lern- oder Ausbildungsradios dar“, schreibt der Förderverein in seiner jüngsten Stellungnahme an die Staatskanzlei. Inwiefern die Kritik – auch anderer Bürgerradios – Gehör findet, ist bislang fraglich.

Nach Angaben von Carola May von der Pressestelle des Hessischen Landtags wird der Entwurf in der kommenden Woche in einer ersten Lesung in der Plenarsitzung behandelt und wandert dann durch die weitere Gremien. „Ein Gesetz der Landesregierung“, hieß es jedoch, „wird meistens angenommen“.

Alexandra Welsch     9.9.2006

 

Die Stimmen in der Dunkelheit

Jubiläum: Seit 50 Jahren sind die Darmstädter Tonband- und Stereofreunde aktiv – Wöchentlich eine Hörkassette für Blinde

Alles muss passen – und zwar auf die Minute. Schließlich hat die Kassette mit der Hörzeitung „Darmstadt aktuell“ nur zwei Seiten mit jeweils 45 Minuten Spieldauer. Nachrichten, Anmoderationen, Textbeiträge, Einspielungen und nicht zu vergessen die Jingles, jene kurzen Erkennungsmelodien, die einzelne Themenbereiche einleiten, sollen ein abgerundetes Programm ergeben – Woche für Woche. Schließlich, betont Andrea Braun, „wissen wir ja, dass unsere Hörer auf jede neue Ausgabe warten.“

Blinde und sehbehinderte Menschen in Darmstadt und Umgebung sind die Abonnenten von „Darmstadt aktuell“. Seit 1983 produzieren die „Darmstädter Tonband- und Stereofreunde“ (DTSF) die regionale Nachrichtensendung für rund 170 Hörer. Zwar steht die Produktion der Hörzeitung heute im Fokus der Arbeit der rund 20 Aktiven. Doch in der nunmehr 50 Jahre währenden Vereinsgeschichte verdienten sich die Tonband- und Stereofreunde noch mit ganz anderen Aktivitäten Lob und Anerkennung.

Im Oktober 1956 traf sich erstmals eine Gruppe von Tonbandamateuren im Café Schiller in der Goethestraße. „Da ging es dann vor allem um die Technik“, berichtet Carsten Runge, seit Jahresbeginn Vorsitzender des DTSF. Neben dem Erfahrungsaustausch zu Tonbändern, Aufnahme- und Abspielgeräten bestimmte bald die Suche nach geeigneten Räumen das Vereinsgeschehen. Nach zahlreichen Standortwechseln konnten die Tonbandfreunde mit Unterstützung der Stadt Darmstadt 1998 Kellerräume im Justus-Liebig-Haus beziehen.

Dort befindet sich heute ein Regieraum mit der kompletten Technik und direktem Sichtkontakt in zwei kleinere Studios. Ein weiterer Studioraum für größere Projekte sowie ein Redaktionsraum für Besprechungen gehören ebenfalls dazu. Auch wenn lange Zeit die Bedingungen nicht so ideal wie heute waren, machte der DTSF mit seinen Produktionen über die Grenzen Darmstadts hinweg von sich reden: Für deutsche Auswanderer in Portugal und Iran wurden Tonbänder mit Musikwünschen zusammengestellt. „Schiffsbänder“ versorgten später Besatzungen deutscher Handelsschiffe mit Informationen und Musik aus der Heimat. Von den Tonbandfreunden produzierte Hörspiele wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Wunschkonzerte für Altenheimbewohner in Darmstadt und Umgebung lockten regelmäßig mehr als 300 Zuhörer.

Aber zur Zeit ist „Darmstadt aktuell“ das Hauptprojekt. Denn „mehr ist aus organisatorischen und personellen Gründen schwer zu bewältigen“, sagt Carsten Runge. „Lediglich für den Darmstädter Blindenbund produzieren wir noch das Magazin ‚Gemeinsam‘, das viermal im Jahr über Vereinsaktivitäten berichtet.“

Für jede Ausgabe von „Darmstadt aktuell“ müssen Beiträge aus regionalen Tageszeitungen ausgewählt und für die Hörversion bearbeitet werden. Brigitte Schenk, Andrea Braun und Ute Willert wechseln sich bei der Auswahl der drei Schwerpunktthemen und der Nachrichten ab. Auch der Kulturteil „Schaufenster“ oder die monatlichen Interviews müssen vorbereitet werden. Für die wöchentliche Produktion wird das Redaktionsteam dann von weiteren Sprechern und Sprecherinnen unterstützt. Wer für welche Aufgabe zuständig ist, wird zuvor in einem detaillierten Einsatzplan festgelegt. Carsten Runge und Werner Simon wachen im Regieraum über die Aufnahme, kontrollieren die zahlreichen Anzeigen und Regler. Ziel ist, die 45 Minuten einer Kassettenseite an einem Stück aufzunehmen. Schließlich laufen jeweils fünf Aufnahmegeräte parallel.

„Die zu stoppen und alle wieder in die richtige Ausgangsposition zu bringen, kostet Zeit und Mühe“, berichtet Werner Simon, „und das machen wir nicht so gern. Versprecher, Hustenanfälle, Blackouts passieren natürlich trotzdem. Ein Sprechtraining haben die wenigsten absolviert. Dennoch läuft in der Regel alles wie am Schnürchen. Für rund zweieinhalb Stunden treffen sich die Tonbandfreunde normalerweise – dann ist alles auf Band. Vervielfältigt und an die Abonnenten verschickt werden die Aufnahmen durch den Verein „Stimme der Hoffnung“ in Eberstadt und die „Aktion Tonband-Zeitung für Blinde“ in Holzminden. Die Ausgaben werden zudem von Radio Radar ausgestrahlt. Bald steht das 1200. Programm zur Produktion an. Kein Wunder, dass die Tonbandfreunde für ihre kontinuierliche professionelle Arbeit auf ehrenamtlicher Basis schon mehrfach ausgezeichnet wurden: Von der Stadt Darmstadt wurde ihnen 1993 der Bürgerpreis verliehen. Das Land Hessen ehrte den DTSF 2003 im Rahmen der Ehrenamtsinitiative.

Einblick in seine Arbeit gewährt der DTSF jeden Montag, 19 Uhr, in der Bachgasse 2A. Telefonisch ist der DTSF unter der Rufnummer 99 70 00, per E-Mail unter mail@dtsf.de zu erreichen. Die Internetadresse lautet: www.dtsf.de.

Karin Walz     20.9.2006

 

„Auch mal zeigen, dass die Knie zittern“

Tag für Jungen: Sportangebote, Sexualaufklärung und Radioworkshop in der Schulsporthalle am Bürgerpark – Jonglieren wie die Maori in Neuseeland – Interviews für Sendung „Sportplatz“

Marvin und Lukas knien vor einer Bank, auf der mehrere ausgediente Pappkartons stehen. In jeder dieser Boxen klafft ein Loch, in das die beiden Freunde nacheinander neugierig ihre Hand strecken. „Schwamm, das ist ein Schwamm“, sind sie sich nach einem kurzen Fühltest einig und tasten sich in den nächsten Karton. Das „Fühl-Quiz“ ist eines von vielen Angeboten beim dritten Darmstädter Jungentag in der Schulsporthalle des Berufsschulzentrums am Bürgerpark.

Neben Sportangeboten wie Badminton, Capoeira oder Trampolin gibt es einen Radio-Workshop, Multimedia-Spiele und spielerische Sexualaufklärung von Pro Familia. Angesprochen sind Jungen ab acht Jahren, Veranstalter des Jungentages ist die AG Jungenarbeit Darmstadt und Umgebung zusammen mit der Kinder- und Jugendförderung Darmstadt sowie der Sportjugend Darmstadt.

Ingo Koch vom Jugendamt der Stadt Darmstadt koordiniert den Jungentag und betont die Bedeutung einer gezielten Jungenarbeit. Viel zu tief sitze immer noch das Bild vom starken Geschlecht. „Sie haben deswegen nicht gelernt, ihre Bedürfnisse auszudrücken. Sie kommen nicht und sagen: Ich schaffe das nicht.“

Aus diesem Grund hätten Mädchen heute bessere Bildungsabschlüsse und seien erfolgreicher bei der Lehrstellensuche. Hinzu käme, dass es in der Betreuung wenig männliche Bezugspersonen gäbe, Jungenarbeit müsse aber vor allen Dingen Arbeit von Männern mit Jungs sein. Diese Problematik tritt laut Koch immer mehr ins Blickfeld der öffentlichen Wahrnehmung, deswegen seien Aktionen wie der Jungentag so wichtig. „Hier könnt ihr auch mal zeigen, dass die Knie zittern und das Herz bumpert“, drückt es Wilma Mohr aus, die Leiterin der städtischen Sozialverwaltung. Mit viel Spannung verfolgen einige Jungen die Ansagen von Jörn Brauer. Zum ersten Mal bietet er einen Poi-Workshop an. „Das ist eine Form der Jonglage“, so Brauer. „Poi kommt aus Neuseeland. Die Maori haben es zur Auge-Hand-Koordination gespielt“. Er verteilt an jeden Teilnehmer ein Paar ausgediente Kniestrümpfe, in die zwei Tennisbälle gestopft werden. Schließlich wird in die Bündchen ein Knoten gedreht, damit die Strümpfe in der Faust besser halten. Nun werden die Strümpfe mit beiden Händen gleichzeitig in einer Vorwärtsbewegung durch die Luft gewirbelt. „Wie beim Seilhüpfen“, erklärt der Poi-Fachmann.

Can, zwölf Jahre alt, war bis jetzt bei jedem Jungentag dabei. „Manche Kinder langweilen sich in den Herbstferien“, erzählt er. „Da ist es schon toll, dass es so ein Angebot gibt, und dazu auch noch kostenlos.“ Lukas ist sogar froh, dass keine Mädchen mitmachen, „die zicken immer so“, findet er.

Markus möchte derweil in Erfahrung bringen, warum die Jungen eigentlich heute da sind. Er ist in der Mannschaft von Bernd Schmiedeke, der einen Radio-Workshop anbietet. Hier verrät er, wie eine Sendung geplant wird, wie die Technik eines Aufnahmegerätes funktioniert und was bei einem Interview wichtig ist. „Deutlich sprechen“, hat Markus sich gemerkt, der sich fleißig durch die Menge fragt. Dabei stellt sich heraus, dass die Mehrzahl über Freunde von dem Angebot erfahren hat oder etwa die Betreuer im Hort den Anstoß gegeben haben. Viele Teilnehmer können sich vorstellen, auch im nächsten Jahr wieder zu kommen.

Die Ergebnisse der Interviews laufen am Sonntag zwischen 18 und 19 Uhr in der Sendung „Sportplatz“ auf Radio Darmstadt.

simo     18.10.2006

 

Ein Wochenende selbst Journalist sein

Radio Darmstadt: Mit BUND und VHS ins Studio – Sendebeitrag in zwei Tagen

Wie entsteht eine Sendung im Radio? Wer möchte, kann sich von Radio Darmstadt, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und der Volkshochschule Nachhilfe geben lassen.

Am Freitag (27.) von 15.30 bis 18.30 Uhr und am Samstag (28.) von 9 bis 13 Uhr sind bei Radio Darmstadt, Steubenplatz 12, alle Interessierten eingeladen, sendefertige Beiträge aus den Bereichen Natur, Umwelt, Gesellschaft oder Kultur zu erstellen. Dabei werden Grundlagen des Radiomachens vermittelt und die notwendige Technik vorgestellt. Man geht wie die Profis vor mit Themenauswahl, Redaktionskonferenz und Recherchieren sowie Überlegungen zum weiteren Vorgehen Die Teilnehmer, die einmal selbst Journalist sein wollen, lernen, wie Material gesammelt und aufbereitet wird, damit eine interessante Sendung entsteht und Hörer dranbleiben, nicht wegschalten.

Anmeldungen nimmt Brigitte Martin entgegen, die nach Möglichkeit auch Interviewpartner vermittelt. (Telefon 37 931, E-Mail: brigitte.martin@bund.net.)

Radio Darmstadt ist zu empfangen über UKW-Frequenz 103,4 MHz, Kabel Darmstadt 99,85 MHz oder im Internet unter http://live.radiodarmstadt.de. Infos unter www.bund-darmstadt.de.

br     24.10.2006

 

Nies-Orgien beim Schnupperseminar

Radio Darmstadt: Anfänger liefern gepfefferten Beitrag – Bürgersender wendet sich gegen neues Rundfunkgesetz

Tatiana Soto-Bermudez muss schon wieder lachen. Die Vierzehnjährige steht hinter den Knöpfen und Reglern der Gerätschaften, an denen Niko Martin gerade die aufgenommenen Geräusche abspielt. „Jetzt alle mal niesen“, ruft die Stimme aus dem Off. „Eins, zwei, drei,hatschi!“

Die Eleonorenschülerin Tatiana war eine der Teilnehmenden bei dem Seminar von „Radio Darmstadt“ (Radar) am Wochenende, bei dem Anfänger in den Räumen des nicht-kommerziellen Bürgersenders Grundlagen journalistischen Arbeitens vermittelt bekamen und einen Sendebeitrag selbst erarbeiteten.

Redaktionskonferenzen, Recherche, Ton- und Sprechaufnahmen oder Schnitt standen auf dem Plan des Seminars, das Radar mit der Volkshochschule und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) zum wiederholten Mal kostenlos anbot.

Das aufgenommene Niesen galt dabei nicht als Untermalung für einen Beitrag über Erkältungskrankheiten. Es steht vielmehr dafür, was Pfeffer so alles in sich hat, denn die Teilnehmer machten das Gewürz zum Thema ihres Beitrags. „Ich find’s gut, weil’s mal was anderes ist“, sagt Tatiana. „Es ist eine besondere Herausforderung, weil man im Radio ja nicht riechen kann“, ergänzt Alexander Kunn (18).

Während die beiden Schüler mit dem Aufnehmen von rieselnden Gewürzkörnern oder dem Ritsch-Ratsch-Geräusch einer Pfeffermühle beschäftigt waren, übten sich die anderen in Recherche über Herkunft, Geschichte oder Heilwirkung des scharfen Gewürzes. „Es macht Spaß und ist interessant“, findet Eva Boeschen (15), die am Rechner die Wortbeiträge zusammenschreibt. Darin vorkommen sollen auch Rezepte, „Pfeffer-Bananen mit Beeren“ liegen bereits ausgedruckt neben ihr. Niko Martin vom Radar-Vorstand hilft bei der Bearbeitung der Geräusche.

„Ich wollte wissen, wie so was aufgenommen und gemacht wird“, begründet Tatiana ihre Teilnahme. Sie interessiert sich für Journalismus, arbeitet auch bei der Schülerzeitung mit. „Ich finde es gut, dass hier jeder mitmachen kann“, sagt Alexander.

Niko Martin würde die Funktion des Bürgerradios eher andersherum beschreiben. In erster Linie geht es für ihn um „die Verwirklichung des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung“. Dass man dabei auch etwas lerne, sei ein willkommener Nebeneffekt. Das ist dem Vorstandsmitglied deshalb so wichtig, weil der vermutete Ausbildungsaspekt einer der Knackpunkte des neuen Gesetzentwurfes über den privaten Rundfunk in Hessen ist, der das Bürgerradio derzeit beschäftigt. Demzufolge soll die Bezuschussung der Bürgersender künftig an Medienkompetenzprojekte gekoppelt werden, was „Radar“ und den sechs anderen Bürgerradios in Hessen ein Dorn im Auge ist.

Sie betonen, dass sich nichtkommerzielle Lokalradios an lokale Akteure wenden und keine Lern- oder Ausbildungsradios darstellen. Die Sender sehen sich durch den Entwurf in ihrer Existenz bedroht, sie befürchten wegen der darin vorgesehenen Neugewichtung der Geldverteilung eine Mittelkürzung um 40 Prozent.

„Wir denken, man kann da noch was bewegen“, sagt Martin. Bisherige Gespräche hätten gezeigt, dass sich selbst die CDU als Entwurfseinbringer intern nicht einig sei. Weitere Treffen mit Politikern stünden noch an. Die Radiomacher wollen ihre Bedenken bei der mündlichen Anhörung im Landtag vorbringen.

Das Seminar soll auch für die Idee des Bürgerradios werben. Einen „Lustmacher“ nennt es Brigitte Martin vom BUND. „Es geht darum, die Möglichkeiten von nichtkommerziellen Radios zu zeigen.“ Und dank des gepfefferten Themas wurde der Schnupperkurs zeitweise gar zum packenden Niesseminar.

Alexandra Welsch     30.10.2006

 

Schüler gestalten Radiobeiträge

Berufsorientierungsklasse: Ergebnis morgen ab 17 Uhr bei Darmstädter Lokalsender zu hören

GODDELAU. Junge Menschen sitzen konzentriert vorm Bildschirm. Andere diskutieren angeregt, laufen herum, tun und machen.

Das emsige Treiben im Jugendhaus „WoGo United“, besonders im Computerraum, hat einen Grund: Ein Radioseminar, in der vergangenen Woche angeboten vom Riedstädter Jugendbüro in Kooperation mit dem Jugendbildungswerk des Kreises.

Die Berufsorientierungsklasse der Goddelauer Martin-Niemöller-Schule (MNS) bekam dabei einen Einblick in journalistische Arbeit. Und dies auf praktische Weise, denn die Schüler produzierten eigene Radiobeiträge, die am morgigen Dienstag (14.) bei „Radio RADAR“ gesendet werden. Der Darmstädter Lokalsender unterstützte das Jugendbüro mit Fachwissen und mit portablen Aufnahmegeräten.

Die Idee zu der Veranstaltung entstand im Januar, als die Riedstädter Jugendpfleger ein Fortbildungsseminar in Darmstadt zum Thema „Radio machen“ besuchten. Beim Gestalten eines Radiobeitrags werden Fähigkeiten geschult, die im Berufsleben von wesentlicher Bedeutung sind: sich mitteilen, korrekt und verständlich mit Sprache umgehen sowie – wenn man bei der Recherche Gespräche führen muss – anderen Menschen zuhören.

Das Radioprojekt forderte die MNS-Klasse auch in ihrer Selbstwahrnehmung, denn die Jugendlichen mussten sich erst einmal ihre Interessensgebiete bewusst machen. Und dann galt es, zu überlegen, wie diese Themen einem Hörerpublikum präsentiert werden könnten.

Die Aufgabe erforderte Ausdrucksvermögen von den Schülern, etwa beim Schreiben von Texten. „Das fällt ihnen nicht leicht“, berichtet Jugendpfleger Kai Faßnacht. An Kreativität mangele es ihnen nicht. Doch diese Ideen so in Sprache umzusetzen, dass die Informationen nicht nur für Insider, sondern für alle Hörer begreiflich sind, bedeute für die Seminarteilnehmer eine hohe Hürde.

Lerndefizite wurden offenbar: Faßnacht weist darauf hin, dass der Berufsorientierungsklasse Schüler angehören, die im Sommer den Hauptschulabschluss nicht geschafft hätten. Schon in der damaligen Projektprüfung hätten sie Probleme gehabt, sich zu präsentieren: „Dass ihnen das auch jetzt noch schwer fällt, ist doch klar.“

Außerdem seien es die Jugendlichen gewohnt, einem Lehrer zuzuhören. Und nun befänden sie sich plötzlich in der Lehrerrolle und sollten anderen Menschen etwas beibringen: „Das kennen sie so noch nicht.“ Auch sei es für einen Radio-Laien schwierig einzuschätzen, wie viel Text man für einen fünf- bis sechsminütigen Beitrag benötige.

Das Themenspektrum reichte von Musik über Liebe bis zu Gewalt und Drogen, wie Faßnacht weiter erklärt. So habe sich ein Seminarteilnehmer mit Krieg und Kindersoldaten beschäftigt, dabei ein Interview mit einem Vertreter der Menschenrechtsorganisation Amnesty International geführt.

Eine Schülerin habe sich im Philippshospital über Drogenproblematiken informiert, wobei sie vor allem interessiert habe, welche gesundheitlichen Auswirkungen Rauschmittel bei Jugendlichen hätten.

Ein anderes Mädchen führte ein Interview mit einem türkischen Sänger, so Faßnacht: „Der hat ihr am Telefon sogar was vorgesungen.“

Ein weiterer Nachwuchsreporter spürte dem Phänomen „Happy Slapping“ nach. Dabei werden x-beliebige Passanten völlig grundlos verprügelt, diese Angriffe mittels Handy- oder Videokamera gefilmt und dann im Internet veröffentlicht.

Laut Faßnacht stärkt das Bewusstsein, mit dem Radiobeitrag eine durchaus schwierige Aufgabe bewältigt zu haben, das Selbstwertgefühl der Schüler. Deshalb hofft der Jugendpfleger, dass die jungen Leute durch das Seminar einen Motivationsschub bekommen, der ihnen für ihren weiteren Lebensweg hilft.

Die einstündige Sendung der MNS-Klasse ist am Dienstag (14.) ab 17 Uhr beim Lokalradio RADAR Darmstadt zu hören. Empfangen kann man den Sender unter der UKW-Frequenz 103,4 Mhz, im Kabelnetz auf 99,85 MHz (Darmstadt) und 97,00 Mhz (Groß-Gerau und Weiterstadt) oder mittels Internet (http://live.radiodarmstadt.de).

dirk     13.11.2006

 

Tamara will jetzt auch mitmachen

Tag der offenen Tür: „Radio Darmstadt“ feiert zehn Jahre Dauersendebetrieb und gewinnt eine Kinderredakteurin hinzu

Tamara ist immer noch ganz aufgeregt. „Hier ist es toll“, sagt die Zehnjährige, die heute zum ersten Mal beim Radio ist. „Dass man hier Interviews führt und ins Studio gehen kann“, das gefällt ihr besonders. Sie war eben sogar kurz auf Sendung. „Da war ich ein bisschen nervös“, gibt sie zu und grüßt in dem Zusammenhang ihren Papa: „Der hat nämlich gedacht, ich hätte zu viel Angst dafür.“

Viel Leben herrschte am Samstag in den Räumen von „Radio Darmstadt“ (Radar) am Steubenplatz. Zur Feier von zehn Jahren Dauersendebetrieb hat das nichtkommerzielle Bürgerradio zum Tag der offenen Tür eingeladen. „Es gehört zum Konzept des Tages, dass jeder reinkommen darf und auf Sendung gehen kann“, sagt Markus Lang vom Vereinsvorstand. „Aber eigentlich ist bei uns ja immer die Tür offen“, betont er. „Es kann im Prinzip jeder bei uns senden, solange es nicht rassistisch, sexistisch oder beleidigend ist.“

Die kleine Tamara weiß wahrscheinlich nicht einmal, was das bedeutet. „Mein Thema wären Pferde“, sagt sie. „Darüber weiß ich schon sehr viel.“ Das Reinschnuppern hat ihr so gut gefallen, dass sie künftig bei der Kinderredaktion mitmachen will. Nachwuchsradiomacher können dort mit Unterstützung von erwachsenen Betreuern seit einem halben Jahr regelmäßig auf Sendung gehen. „Das finde ich sehr schön“, sagt Tamara.

Nachwuchssorgen hat Radar nicht. Das zeigt sich auch im Vorstand: Gut die Hälfte der Mitglieder sind mittlerweile jünger als 25 Jahre. „Das bringt teilweise Spannungen, aber auch viele neue Impulse“, sagt Lang. Während die Jüngeren selbstverständlich mit Digitaltechniken, MP 3 oder Laptops umgehen, seien das für manch älteren Radarler böhmische Dörfer. „Es gibt unterschiedliche Ansichten, wo der Verein hinwill.“

Kontroverse Diskussionen gab es bei den Lokalradiomachern stets, seit sie am 1. Februar 1997 als erster nichtkommerzieller Bürgersender Hessens auf der Frequenz 103,4 zu senden begannen. Wie sehr darf man sich professionalisieren, ohne den ursprünglichen Charme zu verlieren? Diese Debatte stand immer wieder im Raum. Querelen gab es unter den Mitgliedern zudem oft über finanzielle Fragen oder Vereinsinterna. „Je mehr Menschen, desto mehr Meinungen“, erklärt sich Lang.

Dabei plagen Radar momentan ganz andere Sorgen, die nicht hausgemacht sind. Durch die geplante Neuerung des Privatrundfunkgesetzes befürchten die Radiomacher eine Kürzung ihrer Zuschüsse um vierzig Prozent. „Dann wären wir nicht mehr lebensfähig“, betont Lang. Die 600 Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich, aber die laufenden Kosten für Energie, Technik und Räume werden aus diesem Landestopf bezahlt.

Im November haben alle sieben Bürgerradios Hessens bei einer Anhörung im Landtag eine gemeinsame Erklärung dazu abgegeben, in der sie den Fortbestand ihrer Arbeit forderten. Auch gab es Gespräche mit Parteien. „Die Politiker haben uns versprochen, dass wir da keine Angst zu haben brauchen“, berichtet Lang. „Aber momentan wissen wir nicht, wie’s weitergeht.“ Ihre aktuelle Sendelizenz gelte erst mal nur bis Ende des Jahres. „Dann müssen wir uns neu um eine bemühen – unter veränderten Rahmenbedingungen.“

Doch die Stimmung trübt das zumindest am Samstag nicht. „Es ist einfach ’ne tolle Sache“, befindet Bernd Schmiedeke, einer von derzeit rund 200 ehrenamtlichen Radiomachern. Er ist von Anfang an dabei und berichtet in der Sportredaktion regelmäßig über die Fußballer vom SV Darmstadt 98. „Ich habe immer davon geträumt, Radio zu machen“, sagt er. „Und hier konnte ich mir diesen Traum erfüllen.“ Die Radar-Macher hoffen, dass dieser Traum so schnell nicht endet.

Informationen über das gibt es unter www.radiodarmstadt.de. Das Sekretariat ist erreichbar unter Ruf 870 01 01 oder per Mail an buero@radiodarmstadt.de. Die Redaktion erreicht man unter 870 01 00 oder redaktion@radiodarmstadt.de.

Alexandra Welsch     5.2.2007

 


 

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