Titelfoto Januar 2008
Handgewaschener Kooperationspartner

Radio Darmstadt

Auf der Suche nach dem guten neuen Jahr

Januar 2008
Dokumentation

 

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt. Der Autor dieser Dokumentation hat von Juni 1997 bis Januar 2007 bei Radio Darmstadt gesendet, bis ihn ein aus dieser Umbruchssituation zu verstehendes binnenpolitisch motiviertes Sendeverbot ereilte. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt er die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

In der Dokumentation werden die Namen handelnder Personen aufgeführt. Damit werden Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt. Zur Klarstellung: Eine Diffamierung einzelner Personen ist hiermit nicht beabsichtigt. [mehr]

 


 

Zusammenfassung

Auf dieser Seite werden die Vorkommnisse des Monats Januar 2008 dokumentiert.

Der erste Monat des Probejahrs zur Bewährung [1] verläuft in halbwegs gesitteten Bahnen. Vorstandsmitglied Benjamin Gürkan erzählt uns seinen Lebenstraum. Kulturredaktionssprecher Rüdiger G. wäscht eine andere Hand. Der Programmflyer entpuppt sich als halbgare Angelegenheit. Das Radioweckerteam vom Mittwoch versinkt klanglos ins radiophone Nichts. Gürkan diktiert dem Programmrat zum Teil seltsame Sendekriterien. Die Sendeausfälle zeigen eine erstaunliche Kommunikationsunfähigkeit in der Unterhaltungsredaktion auf.

 


 

Medienhaus SüdhessenDonnerstag, 3. Januar 2008
Hochfliegende Pläne


Jürgen Buxmann schreibt für die heutige Ausgabe des lokalen Anzeigenblattes Südhessenwoche zum "Neuanfang 2008" auch einige Zeilen über das Vorstandsmitglied Benjamin Gürkan:
Lebenstraum Selbstständigkeit

Das ist er auch für den Gräfenhäuser Benjamin Gürkan. Der Sechsundzwanzigjährige beendet im Juli sein Studium, er ist dann Diplom-Media-System-Designer. Gürkan studiert an der Hochschule Darmstadt. "Ich freue mich auf das Studienende. Ich will endlich loslegen in meinem Beruf." Das hat der angehende Akademiker freilich schon getan. Parallel zu seinem Studium hat er eine Ein-Mann-Firma gegründet. "Das will ich mit fertigem Studium in der Tasche intensivieren. Selbstständig sein ist mein Lebenstraum." Einen beruflichen hat er auch noch. "Ich würde gerne an Filmmusiken großer Movieproduktionen mitwirken."
Nun, spätestens dann, wenn Benjamin Gürkan sein Studium beendet hat, hat er ja genügend Zeit, einmal die richtigen Prioritäten zu setzen und das in Ordnung zu bringen, was während seiner Vorstandstätigkeit im Trägerverein von Darmstadts Lokalradio den Darmbach herunter geflossen ist. Ich hätte da einige Vorschläge, die insbesondere auf die Ablösung seiner technischen Innovationstruppe zielen. Oder will er es in seinen Filmmusikproduktionen dann auch kräftig brummen lassen, etwa Digital Surround mit einkomponierter Brummschleife? In seinem Radio läßt er diesen Murks ja jetzt schon ein Dreivierteljahr zu.
Haus am SteubenplatzFreitag, 4. Januar 2008
Eine Hand wäscht die andere


Im KultTourKalender, der heute nicht von Petra S., sondern von Michael S. moderiert wird, stellt Kulturredakteur Rüdiger G. eine Produktion des Theaters Compagnie Schattenvögel vor. Er beendet seine Lobpreisung mit den Worten:
Da gibt's auch eine Telefonnummer, wo man Karten bestellen kann. [Das ist] eine neue Gruppe, der wollen wir ja helfen.
Nun spricht sicherlich nichts dagegen, wenn Radio Darmstadt Newcomer der lokalen Kulturszene in Szene setzt. Doch hier findet ein eigentümliches Geben und Nehmen statt. Rüdiger G. hatte diese seit 2005 bestehende Theatergruppe am 17. Oktober 2007 schon einmal zu Gast in seiner Sendung, um sie aus dem Werk von George Tabori lesen zu lassen und sie hierbei gleichzeitig zu hofieren. Für Menschen, die zum ersten Mal ein Radiostudio betreten, mag dieser Vorgang durchaus eine gewisse Ehrfurcht erzeugen, zumal ein Auftritt in einem ansonsten eher verschlossenen Medium einer und einem das Gefühl gibt, etwas Besonderes zu sein. Rüdiger G. hat bei dieser Gelegenheit gewiß für die Vorzüge von Darmstadts Lokalradio geworben und dabei sicherlich nichts von der auch hörbaren Krise dieses Senders erzählt, von seiner eigenen Rolle darin ganz zu schweigen. Dies war im Herbst, als die Sendelizenz von RadaR auf der Kippe stand. Herausgekommen ist bei so viel Kooperation zufälligerweise am selben 17. Oktober 2007 ein im Folgenden auszugsweise wiedergegebenes Empfehlungsschreiben:
Wir schätzen sehr die Kultursendungen von Radar, da sie lokale und überregional bedeutsame Künstler, Produktionen und Ereignisse stests kritisch, kompetent und mit einem klaren Bewusstsein für die historische Dimension jedweder kulturellen Äußerung präsentieren. […] Die aktive Einbindung von Künstlern in das Redaktionsgeschehen macht unter diesen multiperspektivischen Blickwinkeln die Zusammenarbeit mit und die Rezeption von Radio Radar zu einem erfrischenden Erlebnis lebendiger Kompetenz in Sachen Kultur. Wir unterstützen die Arbeit von Radio Radar in der derzeitigen Besetzung und Organisationsform.
Mich würde ja schon einmal interessieren, wer diesen aufgesetzten Text aufgesetzt hat. Nun darf man und frau von Künstlerinnen und Künstlern keinerlei journalistische Recherche erwarten (und auch bei Radio Darmstadt ist das so eine Sache). Und doch erstaunt die Leichtigkeit, mit welcher der Führungsriege des Trägervereins von Radio Darmstadt ein Leumundszeugnis ausgestellt wird. Eigentlich können Marijke und Peter J. diesem Sender nicht die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet haben, um die Kultursendungen mit dieser Verve schätzen zu können. Denn sonst hätten den Beiden die wunderlichen Hänger des Sendecomputers genauso auffallen müssen wie Sendelöcher und eine programmliche Qualität, die sich zum Teil aus Plagiaten und Banalitäten gespeist hat. Nun mag es sein, daß den Sendungen der Kulturredaktion ein gewisses Niveau nachgesagt werden kann. Allerdings sollte hier einmal über die zugrunde liegenden Maßstäbe und Kriterien kritisch reflektiert werden. Wenn Rüdiger G. im Oktober allerdings schon eine weitere Tabori-Lesung mit der Compagnie für Januar in den Räumlichkeiten von Radio Darmstadt ankündigt, dann stellt sich die Frage nach der journalistischen Distanz noch einmal ganz anders.

Am 17. Januar sagt Rüdiger G. im Radiowecker mit Christian K. noch einmal sein Sprüchlein von der "neuen Theatertruppe" auf. Seine Lobpreisung auf die neue Produktion Vieux Carré findet sich auf der Webseite der Compagnie Schattenvögel.
Bildzitat aus dem JanuarflyerFreitag, 4. Januar 2008
Individuell, ungeformt, einzigartig


Fast pünktlich zum Beginn des neuen Jahres erscheint zumindest auf der Webseite des Senders der neue Programmflyer. Er verspricht uns:
Bei RadaR bekommen Sie alle Infos für Darmstadt aus erster Hand · individuell · ungeformt · einzigartig.
Nun ja. Alle Infos scheint wohl eher die übliche Übertreibung laut krähender Stationen zu sein, die sich aufplustern, um das wenige, was dann kommt, als umso bedeutsamer hinzustellen. Ob die Informationen aus erster Hand sind, ist nicht einfach zu sagen, weil diese Informationen häufig in Form von Pressemitteilungen den Sender erreichen oder Internetquellen entspringen. Individuell sind ganz gewiß manche dieser vorgetragenen Informationen vor allem dann, wenn sie zur Desinformation tendieren; ungeformt sind sie dann, wenn sie nicht redaktionell bearbeitet, sondern stur abgelesen werden; einzigartig sind manche dieser mitunter unverständlich vorgetragenen Wortbeiträge ganz gewiß. Aber dies ist es ja wohl nicht, was Flyerproduzent Peter Fritscher uns damit sagen wollte. Fragt sich nur, ob hinter der Sprechblasenproduktion auch ein vernünftiger Inhalt erscheint. [1a]

Wenn es Nacht wird bei Radio DarmstadtFreitag, 4. Januar 2008
Fly, Flyer, fly


Gehen wir daher dieses neue Produkt aus dem Hause RadaR noch ein wenig durch.
•  Am 1. Januar gibt es garantiert keinen Bunten Dienstags Mix. Auch die monatliche Sendung der Redaktion Mohnrot scheint angesichts des Feiertags auf den Dienstag der Woche darauf gelegt worden zu sein.
•  Daß es am 13. Januar ein Raumfahrtjournal geben wird, wage ich angesichts monatelanger Probleme mit dieser Sendung zu bezweifeln. [2]
•  Die Musikkontraste am 19. Januar werden wohl ebenfalls entfallen, zumal sich die Moderatorin schon im November in ihrer letzten Sendung verabschiedet hat.
•  Am 21. Januar gibt es keinen TiBu-Talk, sondern zunächst einen Party und dann einen Crazy Monday. Am Montag darauf folglich kein U-Red Special, sondern ganz regulär die Fußpilzshow. Vielleicht wäre ein Blick in die von Michael S. erstellte Vorlage nützlich gewesen …

Wir wollen einmal darüber hinwegsehen, daß Herr Fritscher Probleme mit dem Namen der türkischen Sendung Seyhanla Şiir Akşamı hat und deshalb ein seltsames Sjjr erfindet. Weshalb er allerdings die Predigersendung El amor de la vida ins Programm aufnimmt, obwohl er weiß, daß der Moderator schon vor Monaten ein Sendeverbot erhalten hat, ist eher unverständlich. Vielleicht hat unser Vorstandsmitglied aber auch einfach keinen Überblick und verbindet den evangelikalen Prediger nicht mit diesem Sendungsnamen. Abgesehen davon ist auf diesem Sendeplatz seit Wochen eine polnische Sendung, nämlich Mischmasch, zu hören. Am 31. Januar wird unser evangelikaler Prediger jedoch wieder auf diesem Sendeplatz zu hören sein; und er begrüßt – wie es sich für einen als Lokalradio lizenzierten Sender gehört – sein Auditorium in Panama, der Dominikanischen Republik, in Kolumbien und Venezuela. Hierin drückt sich der Charakter der Sendung als Missionsradio aus.

Daß die Auslandredaktion eigentlich Auslandsredaktion heißt, muß der Redakteur eines Programmflyers bestimmt nicht wissen. Seine eigenwillige Kalenderreform wollen wir ihm nachsehen, denn die Aufzählung der Montage mit dem 7., dem 17., dem 21. und dem 28. Januar ist eine wahrlich vernachlässigbare Größe im Vergleich zu der 2002 von Markus Lang angestoßenen Kalenderreform. Was hingegen Migliedsbeiträge sind, die von Födermigliedern zu zahlen sind, fällt wohl eher in das Kapitel ungeformt (oder umgeformt?). Bemerkenswerter ist eher die unvollständige, weil einzigartige (oder eigenartige?) Information, die Nachrichten des Deutschlandfunks werden montags bis freitags um 6.30 und um 7.30 Uhr ausgestrahlt. Das ist zwar nicht ganz falsch (außer am 1. Januar), aber auch nicht ganz richtig, denn samstags kommen Nachrichten um 7.30 und um 8.30 Uhr hinzu, montags und dienstags in den Bunten Mixen zusätzlich welche um 16.30 Uhr und täglich noch welche um 23.00 Uhr. Aber das muß ein Vorstandsmitglied des Trägervereins von Radio Darmstadt alles nicht wissen, wenn er den Programmflyer zusammenstellt [3], weil für ihn das Programm offensichtlich irgendetwas zwischen Schall und Rauch zu sein scheint. Konsequenterweise werden die Wiederholungssendungen erst gar nicht detailliert angegeben.

Soll ich daraus schließen, daß dem Sender die Wiederholungen inzwischen gleichgültig sind und er den entsprechenden Sendeplatz abzugeben wünscht? Ein Fazit können wir jedenfalls ziehen: auch im neuen Jahr wird munter weitergestümpert. Warum überrascht uns das nicht?

Wann es Nacht wird bei Radio Darmstadt

Peter F., der Satzbauakrobat bei Radio Darmstadt, erklärt uns in seinem neuen Wunderwerk, was das heißt – Wiederholung.

In der Nacht wird das Live-Programm (welches zwischen 17 und 23 Uhr ausgestrahlt wurde) auf Radio Darmstadt in der Reihenfolge wiederholt!

In der Programmvorschau erscheint für jeden Tag des Monats (außer sonntags) eine blaßgraue Zeile mit einer Uhrzeit und dem Begriff "Wiederholung". Da diese Uhrzeiten jeweils nach dem Radiowecker zu finden sind, können wir aus der Kombination dieser beiden Angaben messerscharf schließen, daß die Nacht im Sendehaus nie vor 8 Uhr morgens beginnt und in der Regel bis um 16 oder 17 Uhr andauert. Dies erklärt uns auch, weshalb das Sendehaus tagsüber hermetisch verschlossen ist und die Rolläden heruntergelassen sind. Radio Darmstadt schläft nämlich zu den Zeiten, in denen das gewöhnliche Leben pulsiert.

Screenshot von baulinks.deSonntag, 6. Januar 2008
Wie bearbeite ich die lokale Presse?


Darko Kosic, Geschäftsführer einer PR-Agentur, beschreibt in einem Online-Artikel die Grundsätze einer erfolgreichen (lokalen) Pressearbeit. Hierbei denkt er insbesondere an die Sachzwänge eines modernen, überforderten Journalismus. Als Beispiel eines ansprechbaren lokalen Mediums führt er ausgerechnet Radio Darmstadt an:
Als regional tätiger Unternehmer sollte man folgende Mediengruppen und die dort tätigen Journalisten kennen: […] Lokale Radiosender, wie beispielsweise "Radar – Radio Darmstadt", deren Angebot auf lokale Themen zugeschnitten ist.
Jetzt bleibt nur noch die Frage zu klären, weshalb Darko Kosic auf die Idee kommt, ausgerechnet das lokale Darmstädter Radio sei besonders gut als Beispiel dafür geeignet, wie werbewirksame Beiträge rund um das Immobiliengeschäft gut plaziert werden können. Mehr noch – wer wäre denn bei Radio Darmstadt für solcherlei Einflüsterungen empfänglich?

Radiowecker MaskottchenMittwoch, 9. Januar 2008
Abschied ohne Abschied – Das Dream Team scheitert


Letzte Woche Mittwoch hatten uns Silke W. und Peter F. noch einen Radiowecker für heute versprochen. Unterhaltungsredaktions-Sprecher Jürgen R. teilte mit, daß der heutige der letzte Radiowecker des Dream Teams am Mittwoch sein solle. Doch der Abschied geschieht in einer RadaR-typischen Manier: der versprochene Radiowecker fällt einfach aus. Zwei Moderatorinnen und zwei Redakteure sind nicht in der Lage, diesen Termin wahrzunehmen. Anders ausgedrückt: nach ihrem fulminanten Einstart am 1. August 2007 ist nach fünf Monaten und gerade einmal 23 Ausgaben die Luft draußen und die Lust vergangen. Schade – war doch dieser Radiowecker für so manches erheiternde Moment, für so manch sinnloses Geplauder gut. Aber wirklich vermissen wird euch wohl keine und niemand. Zu befürchten ist hingegen, daß es – wie im richtigen Leben – zukünftig am Mittwochmorgen noch schlimmer kommen wird. Die Frage ist nämlich, ob Christian K. auch für den Mittwoch eine nervige Notlösung herauskramen wird. Hör'n wir mal …

Exkurs zum Wetterbericht

Im morgendlichen Radiowecker wird ein aktuelles Darmstadt-Wetter verlesen bzw. eine Wettervorhersage für den kommenden Tag gegeben. Diese Wetterberichte orientieren sich am Internetportal wetter.com. Die Daten werden vom Deutschen Wetterdienst zusammengestellt und wären eine brauchbare Grundlage für einen eigenen Wetterbericht, wenn nicht die Tücken im Detail lägen. Denn wo liegt die Wetterstation, deren Daten wetter.com für Darmstadt angibt? Etwa auf der Mathildenhöhe, oder in Arheilgen, oder in Eberstadt, oder auf einem Hochhaus in Kranichstein? Schon alleine für diese vier Lokalitäten würden wir vier verschiedene Temperaturangaben erhalten, von Regenschauern und Gewittern, die nur in einzelnen Ortsteilen zu beobachten sind, ganz zu schweigen.

Die beiden nächst gelegenen Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes liegen jedoch nicht in Darmstadt, sondern in Mannheim und beim Frankfurter Flughafen. Dort ist das Wetter auf jeden Fall ein anderes als in Darmstadt. Die Angaben für Darmstadt bei wetter.com kommen aus Frankfurt, genauso wie diejenigen für Bad Homburg, Kelsterbach, Dieburg oder Reinheim. Wer demnach einen Wetterbericht für Darmstadt vorliest, verliest eigentlich den vom Frankfurter Flughafen. Dieser liegt in einer Windschneise, in der sich aus topografischen Gründen zudem die Kälte sammelt, während für Darmstadts Innenstadt ein aufgeheiztes Mikroklima anzunehmen ist. Ein Wetterbericht, der wirklich etwas taugen würde, müßte sich zusätzlich auf die Angaben einer eigenen Wetterstation stützen, um die Frankfurter Angaben den tatsächlichen Verhältnissen anzupassen. Das Morgenmagazin der im Herbst 2006 abgeschafften Radiowecker-Redaktion berücksichtigte diesen Umstand und recherchierte jeden Morgen anhand zusätzlicher Daten eine den tatsächlichen Verhältnissen angepaßte Wettervorschau. Die derzeitigen Radiowecker-Redakteure und Moderatorinnen haben hiervon wahrscheinlich noch nie etwas gehört. Und so wird an jedem Morgen, sofern es überhaupt einen Wetterbericht gibt, im besten Fall eine Annäherung an die Realität verkündet.

Samstag, 12. Januar 2008
Zeitreise der Züge


Im heutigen Radiowecker vermeldet Christian K. um 8.47 Uhr, daß der Intercity von München nach Frankfurt, planmäßige Abfahrt um 6.24 Uhr, fünf Minuten Verspätung habe. Weder er noch sein Co-Moderator Thomas T. bemerken diesen Versprecher. Soll sich doch das am Radio zuhörende Auditorium selbst einen Reim darauf machen. Dabei sind die Ansagen zu Verspätungen am Darmstädter Hauptbahnhof eine durchaus sinnvolle Ergänzung zu den den Autowahn befriedigenden Staumeldungen.

Freitag, 18. Januar 2008
Lizenz zum Klauen


Anstelle des KultTourKalenders hören wir eine Konserve einer vor Jahren eingestellten Sendereihe der Kulturredaktion, nämlich Mezzoforte mit Michael S. Die heutige Wiederholung zeigt, daß das Ablesen von Beiträgen Dritter schon immer zum guten Ton bei Radio Darmstadt gehört hat. So kupfert Michael S. beispielsweise in seinem Beitrag zu Keith Emerson einfach Berry Graves' Rock Lexikon (fast) wortwörtlich ab. Ob der Rowohlt Verlag hierzu seine Zustimmung gegeben hat? Mir kann es ja egal sein, woher der Kulturredakteur seine Weisheiten abliest, aber unlauter ist es auf jeden Fall, seine Quelle nicht zu benennen. In diesem Falle ist es sogar nachvollziehbar, weshalb die Quellenangabe fehlt. Womöglich könnte der Verlag bei Radio Darmstadt Ansprüche auf Tantiemen anmelden.

Ist Radio Darmstadt ein freies Radio?

BFR LogoWas ist ein freies Radio? Der Trägerverein von Radio Darmstadt gehört seit Mitte der 90er Jahre dem Bundesverband Freier Radios (BFR) an. Die 1994 verabschiedete Charta des Verbandes listet einige Kriterien auf, die ein freies Radio erfüllen sollte. Hierzu gehören eine unzensierte Offenheit, die Gemeinnützigkeit, eine interne Transparenz; sie sind nichtkommerziell und lokalbezogen, und sie fördern eine selbstbestimmte solidarische Gesellschaft.

Die in dieser Dokumentation aufgeführten Zustände wie bei RadaR lassen erhebliche Zweifel daran aufkommen, ob Radio Darmstadt diesem Leitbild entspricht.

Die sich als freie Radios verstehenden Sender kommunizieren untereinander auch über ein Audioportal. Hierüber können für andere Lokalradios interessante Beiträge ausgetauscht werden. Insbesondere in den vergangenen zwei Jahren hat sich Radio Darmstadt zum Abdecken seiner vielfältigen Programmlücken gerne bedient. Dies spricht nicht unbedingt dafür, daß man und frau politisch übereinstimmt, sondern eher dafür, daß ohne größeren Aufwand die eigene redaktionelle Nichtarbeit kaschiert werden kann. Hierbei bleiben Musiksendungen unberücksichtigt, da hier verwertungsrechtliche Problematiken (GEMA, GVL) hineinfließen.

Ein klareres Bild und ein wesentlich krasseres Mißverhältnis ergibt sich, wenn wir erkennen, ob und inwieweit Radio Darmstadt selbst durch eigene redaktionelle Beiträge zu diesem Austauschportal beigetragen hat. Zwischen 2002 und 2007 hat Radio Darmstadt 240 eigene Beiträge hochgeladen. Hiervon entfallen auf die im Herbst 2006 durch die Mehrheit des freien Darmstädter Lokalradios zerschlagene Radiowecker-Redaktion 108 Beiträge. Von der Redaktion Alltag und Geschichte wurden 127 Beiträge hochgeladen. Ein Beitrag entstammt dem EQUAL-Projekt zur Sprach- und Medienkompetenzförderung und zwei der Redaktion Gegen das Vergessen, die 2001 aus der Redaktion Alltag und Geschichte hervorgegangen ist. Da Alltag und Geschichte und Gegen das Vergessen inzwischen auf der Abschußliste von Vorstand und Programmrat stehen, bedeutet dies faktisch, daß sich Radio Darmstadt hemmungslos der Beiträge dieses Portals bedient, jedoch in sechs Jahren ganze zwei Beiträge beigesteuert hat. Oder noch pointierter: diejenigen, die sich in der Tradition freier Radios verstehen, haben 99% aller Beiträge beigesteuert, während der Rest dieses angeblich so freien Radios nicht einmal ein winziges Prozentchen zustande gebracht hat.

Dies korrespondiert sehr gut mit den anderen freien Zuständen wie bei RadaR.

Screenshot von radioforen.deSamstag/Montag, 26. bis 28. Januar 2008
Hitradio


Ein Forumsteilnehmer namens Hitradio, hinter dem vermutlich ein Vorstandsmitglied des Trägervereins von Radio Darmstadt steckt, antwortet auf radioforen.de auf eine Bemerkung des Users Air Check One. Dieser hatte in Bezug auf die Diskussion auf zwei neu ausgeschriebene Radiofrequenzen in Kassel und Fulda geschrieben:
By the way: vielleicht wird ja Ende des Jahres auch in Darmstadt eine Frequenz frei. Zur Zeit brummt sie ein bißchen vor sich hin, weil die Techniker des Senders mindestens eine Brummschleife in den Signalweg eingebaut haben. Da die Lizenz des Senders zur Klärung praktischer Fragen der Zugangsoffenheit nur um ein Jahr verlängert wurde und der den Sender betreibende Verein an seiner Haltung festhalten will, sehe ich gute Chancen, daß für 2009 eine ziemlich brauchbare Frequenz verdealt werden kann.
Daraus entspinnt sich folgende Diskussion:
Hitradio : Sehr einseitige Sichtweise. Viel eher geht es hier um Erpressung eines Konkurrenzvereins, der versucht alles mit mangelnder Zugangsoffenheit zu argumentieren, um selbst an diese Frequenz zu kommen. Einige aus dem neuen Konkurrenzverein konnten es nicht verstehen, Hausverbote auferlegt zu bekommen. Wer halt versucht, einen bestehenden Verein durch antidemokratische Strukturen zu zerstören bzw. mehrfach handgreiflich wurde …

Air Check One : Vielleicht wäre es angebracht, einfach die Pressemitteilung der LPR Hessen vom 10.12.2007 [http://www.lpr-hessen.de/default.asp?m=3&s=1668] zur Kenntnis zu nehmen. Dort wird das Problem benannt:
"Die Lizenz des Lokalradioveranstalters RAdAR e.V. – Radio Darmstadt wird zunächst um ein Jahr verlängert. Nach Klärung praktischer Fragen der Zugangsoffenheit soll die Zulassung ebenfalls um weitere vier Jahre verlängert werden."
Daraus ergibt sich ja wohl eindeutig, dass es um die Zugangsoffenheit geht – Konkurrenzverein hin oder her. Die hier vollmundig vorgetragenen antidemokratischen Strukturen hätte ich gerne belegt. Unter antidemokratisch verstehe ich hingegen beispielsweise, wenn satzungswidrige Vereinsausschlüsse stattfinden und das zugehörige Vorstandsprotokoll nachträglich "nachgebessert" wird. Antidemokratisch sind auch die zugehörigen Sendeverbote, die ganz und gar das Mißfallen der LPR Hessen erregt haben. Was das "mehrfach handgreiflich" betrifft, da gibt es sehr verschiedene Sichtweisen und vor allem eine gezielt gefütterte Gerüchteküche.

Hitradio : Nun ja, der Konkurrenzverein hat ja wohl der LPR Dinge aufgetischt, die seiner Ansicht nach die Zugangsoffenheit in Frage stellen. Deshalb hat der Konkurrenzverein natürlich damit etwas zu tun, von alleine prüft die LPR nicht. Klar, dass die LPR diese Sachverhalte nun erst mal prüfen muss, dazu ist sie verpflichtet. Das heißt allerdings nicht, dass die Zugangsoffenheit nicht hergestellt ist. Wie gesagt, man prüft erst die Vorwürfe und vergibt dann die Lizenz. Mehr sagt die Pressemeldung nicht aus.
Vereinsausschlüsse, die auf einer Mitgliederversammlung in geheimer Wahl mehrheitlich abgestimmt wurden sind nun mal demokratisch, für den ein oder anderen Betroffenen eben schwer zu ertragen da sie das Ergebnis von Misstrauen sind. Hier sollte man als Betroffener die demokratischen Strukturen und Entscheidungen entsprechend anerkennen und respektieren.

Air Check One : 1. Die nicht vorhandene Zugangsoffenheit wurde durch die offiziellen Dokumente des Trägervereins von Radio Darmstadt selbst "aufgetischt".  2. Vereinsausschlüsse, die in geheimer Wahl abgestimmt werden, werden dadurch nicht demokratischer, wenn diese Vereinsausschlüsse eindeutig auf rechtlich unsaubere Art zustande gekommen sind. Folglich hat der Vorstand entgegen eines Beschlusses der MV diese Vereinsausschlüsse auch wieder zurück nehmen müssen, bevor ein ordentliches Gericht selbige kassiert hätte. Im Grunde genommen hatte damit der Vorstand "die demokratischen Strukturen" nicht respektiert, gell?

gerliman : Ähm, gings hier nicht um neue Privatradios in Kassel oder Fulda? Ich denke, ein interner Streit um die Frequenzen von Radio Darmstadt gehört nicht direkt hierher und langweilt mit der Zeit auch, weil niemand das Klein-Klein mit Zugangsoffenheit, angeblichen Protokolländerungen usw. überprüfen kann … Oder? Oder ab in einen eigenen Thread …

Air Check One : Doch geht. Es gibt hierzu eine Dokumentation im Internet. Und bevor unser Hitradio wieder etwas von Einseitigkeit erzählt, sei angemerkt, daß die darin dokumentierten Inhalte bis heute seitens des Darmstädter Radios nicht angezweifelt werden.
Aber stimmt schon. Darmstadt hat nichts mit den Frequenzen von Fulda und Kassel zu tun. Und doch ist es so, daß Ende des Jahres womöglich eine weitere Frequenz frei wird. Auf demokratischen geheimen gewählten und sonstwie Beschluß der Mitgliederversammlung des Trägervereins von Radio Darmstadt. Die LPR Hessen weiß sehr gut, was sie davon zu halten hat.

Hitradio : Diese Dokumentation ist einseitig, da sie von genau besagten Personen stammt, die eine Abwahl im Verein eben nicht akzeptieren können und heiß auf die Frequenz bzw. nach Macht sind.
Ich glaube kaum, dass Inhalte solange sie nicht angezweifelt werden automatisch gleich sachlich richtig sind. Damit erledigt diese Doku sich gleich von selbst. Auch darüber ist die LPR sicherlich im Bilde.

Air Check One : Und deine Aussage wird weniger einseitig, weil du auf der anderen Seite stehst? Nun ja, die Dokumentation enthält Dokumente, die beispielsweise belegen, daß der Verein die LPR zur Diffamierung einzelner Personen bewußt anlügt. Dieses Vorgehen ist gewiß demokratisch, weil es die Mehrheit im Verein so will. Und wer das anders sieht, fliegt halt raus. Und damit ist jetzt gut hier. Wer wirklich wissen will, was in Darmstadt los ist, kann sich ja selbst ein Bild machen. Oder sich das Programm anhören und sich fragen, weshalb dieser Sender brummt.
Der Forumsteilnehmer Hitradio verläßt sich auf die zum Teil herbeigelogenen Argumentationslinien seiner Kolleginnen und Kollegen und gerät natürlich ins Schlingern, wenn er seine Behauptungen belegen soll. Denn schließlich war er nicht selbst dabei und plappert einfach nur die Gerüchteküche des Senders und seiner Verantwortlichen nach. Der ganze Vorgang kann hier nachgelesen werden.
Bildzitat: Screenshot Der Juso-Webseite Darmstadt-DieburgMontag, 28. Januar 2008
Benjamin Gürkan diktiert dem Programmrat Sendekriterien


Da sich der Programmrat allzu offensichtlich als unfähig erwiesen hat, dem Sender vernünftige Sendekriterien zu verschaffen, hat sich das Vorstandsmitglied Benjamin Gürkan hingesetzt und eine ungemein ausgefeilte Anforderungsliste erstellt. Anstatt hierüber zu diskutieren und hierbei insbesondere die Sendenden in den Diskussionsprozeß miteinzubeziehen, werden die neuen Sendekriterien im stillen Kämmerlein verabschiedet. Wenn ich mir diese Anforderungsliste so anschaue, wird es mir ein Leichtes sein, diesem Sender jeden Tag Verstöße in Permanenz gegen seine eigenen Kriterien nachzuweisen. Dies liegt jedoch nicht nur an den sendenden Vereinsmitgliedern. Geradezu peinlich ist die von Benjamin Gürkan erstellte Passage zur Qualität des zu verwendenden Sendematerials.
Folgende Richtlinien sind weiterhin zu beachten:
Kein hörbares Rauschen und Brummen und keine Störgeräusche in den Aufnahmen.
Wenn man und frau bedenkt, daß Radio Darmstadt jetzt fast ein Jahr lang eine Brummschleife on air bringt, für die als Ressortleiter ausgerechnet derselbe Benjamin Gürkan die Verantwortung trägt, dann erweist sich diese Anforderung als hohle Phrase. Vielleicht wäre es angebracht, wenn unser kleiner Möchtegern-Vorstandsvorsitzender [4] erst einmal mit gutem Beispiel vorangeht und den Murks beseitigt, den die von ihm angeleitete Heimwerkercrew in den vergangenen Monaten in das Sendesignal hineingebastelt hat. Eine genauere Analyse dieser Sendekriterien würde zudem zeigen, daß sich Gürkan zuweilen autoritätsgläubig und ohne Verständnis für die spezifischen Besonderheiten eines nichtkommerziellen Lokalradios an den Vorgaben eines formatorientierten Radios orientiert.
Screenshot von der Webseite des uvk-VerlagsMontag, 28. Januar 2008
In dreizehn Worten auf den Punkt


Punkt 1.8 dieser Sendekriterien lautet auszugsweise:
Für das Hören schreiben und senden

Für den Hörer schreiben, im Sinne von Verständnis des Hörers.
Kurze Sätze, die nicht verschachtelt sind und schnell zum Punkt kommen. Als Faustregel nicht mehr als 13 Wörter pro Satz.
Eine Kernaussage pro Satz.
Gürkan macht hier deutlich, und der Programmrat folgt ihm hierin ergeben, daß das anvisierte Zielpublikum aus jungen Männern zwischen 15 und 35 besteht, deren Ohrmuscheln durch allzu lautes Musikgedudel schon derart gestört sind, daß sie komplexe Inhalte nicht mehr in der Lage sind zu erfassen. Frauen kommen in den Sendekriterien genauso wenig vor wie in einem Programm, das sich in weiten Sendestrecken in der Tat eher an einem männlichen Publikum mit dessen spezifischen Bedürfnissen orientiert. Insofern sind die neuen Sendekriterien erschreckend konsequent, anstatt den Mißstand offensiv anzugehen. Selbst wenn ich persönlich dem Gender Mainstreaming kritisch gegenüberstehe [5], muß gesagt werden, daß sein Sender, der stur an männlichen Formen und Gewohnheiten festhält, in ein Antikenmuseum gehört.

Sofern wir ein Radio jedoch als ein Medium der (politischen) Bildungsarbeit begreifen, wird die plakative Reduktion von Inhalten auf Kernaussagen und schnelle Punkte bedenklich. Es wird hier ein Verständnis des Hörens vorausgesetzt, welches das Mainstreamgedudel affirmativ als Norm akzeptiert. Hörerinnen und Hörer von Mainstreamsendern lassen sich in der Tat nur dadurch bis zum nächsten Werbeblock mitziehen, indem man und frau ihnen keine schwere Kost vorsetzt. Dies ist jedoch nicht die Aufgabe und Funktion eines nichtkommerziellen, schon gar nicht eines freien Radios! Komplexe Inhalte lassen sich zwar auch kompliziert darstellen, aber sie benötigen auch bei sinnvoller didaktischer Aufbereitung Raum zur Entwicklung eines Gedankengangs. Dieser Raum läßt sich nicht durch unsinnige Vorgaben anhand 13 Wörtern pro Satz einengen. Benjamin Gürkan ist Stadtverordneter der SPD in Weiterstadt. Somit hat er das auf den Punkt Kommen mit plakativen Sprüchen derart verinnerlicht, daß er meint, diesen Unfug dem von ihm geleiteten Radio überstülpen zu müssen. Der Programmrat verfügt weder über das notwendige Rückgrat noch über ein über seine eigenen popeligen Sendekriterien hinausgehendes Verständnis von progressiver Radionutzung. Folglich segnet er diesen undurchdachten Unfug bedenkenlos ab.
Screenshot von der Webseite zum FriedensratschlagDonnerstag, 31. Januar 2008
Den Frieden predigen


In der heutigen Sendung der Redaktion treffpunkt eine welt stellt Bernhard B. den Mitschnitt eines Vortrags von Andreas Buro vor, den dieser auf dem 14. Friedensratschlag in Kassel am 2. Dezember 2007 gehalten hat. Verantwortlich für die Sendung zeichnet das Darmstädter Friedensforum. Als Motto zur Sendung wird diese mit folgenden Worten von Andreas Buro eingeleitet:
Ihr wißt ja alle, [die] Friedensbewegung hat immer die prima Analysen, aber bei den Strategien, da wird es dann schon sehr schwach. Ich erinnere mich an eine fürchterlich peinliche Szene. Die Helsinki Citizens' Assembly hatte damals noch mit diesen Abgeordneten, kurdischen Abgeordneten, ein Treffen, und sie hatten etwas großmäulig gesagt – die Engländer waren da ganz vorn –, man muß alles mit pazifistischen Mitteln und gewaltfrei machen. Und dann sagten diese Abgeordneten zu uns: "Wir machen alles, sagt uns, was es sein soll." Und dann saßen die da und wußten nichts. Also, das ist so ein Urerlebnis auch für mich gewesen, ich war dabei.
Die vorangegangenen Sätze von Andreas Buro hätten dieses Motto vielleicht besser verdeutlicht. Bernhard Bieniek moderiert diesen Teil des Vortrags von Andreas Buro im Verlauf der Sendung so an:
Die Waffen nieder. Zur Eskalation des türkisch-kurdischen Konflikts. Das ist der Vortrag von Professor Doktor Andreas Buro, gehalten während des Friedensratschlags am 2. Dezember 2007 in Kassel. In dem dritten und letzten Teil seines Vortrages untersucht Andreas Buro die Möglichkeiten zu Konfliktlösung.
Es folgt die dem Motto der Sendung vorausgehende Passage des Vortrags.
Die Frage ist nun eigentlich, wie kann diese dann doch sehr komplizierte und in sich verknäulte Diskussion und Konfrontation aufgelöst werden. Die Friedensbewegung hat hier, die Kooperation für Frieden hat ein Monitoring-Projekt gestartet, in dem wir versuchen zu zeigen, wie spezielle Konflikte möglicherweise deeskaliert und mit Mitteln der zivilen Konfliktbearbeitung gelöst werden können. Das ist ein wichtiger Schritt vorwärts.
Nehmen wir einmal an, daß das Darmstädter Friedensforum diesen Vortrag deshalb zu Gehör gebracht hat, weil es die von Andreas Buro entwickelten Thesen für bedeutsam hält. Dann muß sich dasselbe Friedensforum fragen lassen, weshalb einzelne seiner Mitglieder den Konflikt in demselben Radio, in dem dieser Beitrag soeben zu hören war, nicht etwa deeskaliert, sondern bewußt und gewollt vorangetrieben haben. Diese Fragestellung gilt insbesondere für die gesamte Redaktion, die eine sehr unrühmliche Rolle dabei gespielt hat. Wäre es nicht angebracht, auf die eingespielten Worte auch Taten folgen zu lassen und sich einmal ganz praktisch vor Ort als deeskalierend zu erweisen? Oder geht es dem Friedensforum dann so wie den Friedensbewegten, als sie von einzelnen kurdischen Abgeordneten nach konkrete Strategien gefragt wurden – und sich hierbei die gesprochenen Worte als hohl und heuchlerisch erwiesen haben?

Donnerstag, 31. Januar 2008
Ausfälle


Vorstandsmitglied Benjamin Gürkan soll auf der Programmratssitzung am 14. Januar angemahnt haben, daß Redaktionen arbeitsfähig zu sein haben. Das Protokoll gibt den Kontext nicht wieder, aber nach Aussage einzelner Programmratsmitglieder ist zu vermuten, daß diese Äußerung gegen die Redaktion Alltag und Geschichte zielt. Diese teilt dem Vorstand seit November mit Bezug auf eine in der lokalen Presse abgedruckten Aussage des LPR-Referenten für die nichtkommerziellen Lokalradios die Sendetermine mit, die aufgrund bestehender Hausverbote beim Sender abgegeben werden und von diesem einzulegen sind. Die Empörung zielt darauf, weshalb diese Redaktion nicht in der Lage sei, für ihre hausverbotenen Redaktionsmitglieder einzuspringen. Dabei wäre es vielleicht angebracht, daß sich die Verantwortlichen einmal ernsthafte Gedanken darüber machen, weshalb ihre Sendelizenz nur um ein Probejahr verlängert wurde. Diese Verkürzung der Lizenzlaufzeit ist genau mit diesen von der LPR Hessen als Verletzung der Zugangsoffenheit betrachteten Hausverboten begründet. Sollte dieser Zustand andauern, werden wohl zu Silvester in Darmstadt die Lichter ausgehen.

Doch schauen wir einmal, wie die Arbeitsfähigkeit der anderen Redaktionen aussieht. Schaffen sie es, ihre eigenen Sendeplätze mit Ersatzsendungen zu füllen oder lassen sie ihre Kolleginnen und Kollegen und erst recht ihre Hörerinnen und Hörer im Ätherrauschen stehen? Daraus ergibt sich, ob sich der gezielt gegen Alltag und Geschichte gelenkte Unmut als ein billiger Vorwand herausstellt. Folgende Sendeausfälle sind im Januar zu vermelden; entsprechende Tabellen lassen sich problemlos für 2007 generieren:

WochentagDatumUhrzeitSendungRedaktionErsatzsendungarbeitsfähig?
Freitag04.01.15Impuls für XUnterhaltungsred.Fortsetzung der Wiederholungnein
Freitag04.01.17Darmstadt interkulturelltreffpunkt eine weltFortsetzung der Wiederholungunklar, mglw. Technikfehler [6]
Samstag05.01.21Sighs and ScreamsMusikredaktionIrie Vibesja
Montag07.01.06RadioweckerUnterhaltungsred.Wiederholungnein
Mittwoch09.01.06RadioweckerUnterhaltungsred.Fortsetzung der Wiederholungnein
Mittwoch09.01.17TiramisúAuslandsredaktionRadara Yakalananlarja
Freitag11.01.17Ich such die DDRBlickpunkt GesellschaftMusikberieselungunklar
Sonntag13.01.15Auslandsredaktion SpezialAuslandsredaktionNeustart der Wiederholungnein
Sonntag13.01.19MedialineAlltag und GeschichteHundemagazin / Hörzeitungabgegebene Sendung wurde nicht eingelegt [7]
Montag14.01.21Irie VibesMusikredaktion12 Zollja
Freitag18.01.15Impuls für XUnterhaltungsred.Fortsetzung der Wiederholungnein
Freitag18.01.18KultTourKalenderKulturredaktionMezzoforteunklar
Samstag19.01.21Rock On!MusikredaktionDJ-Zoneunklar, mglw. Absprache
Montag21.01.19Party MondayUnterhaltungsred.Verlängerung Heinerkultnein
Montag21.01.20Crazy MondayUnterhaltungsred.Musikberieselungnein
Dienstag22.01.16Bunter Dienstags MixUnterhaltungsred.Fortsetzung der Wiederholung[8]
Dienstag22.01.1729 11 11 – radiodarmstadt.de/in-sendeplatzOffenes HausFortsetzung der Wiederholung, gefolgt von einem Sendeloch und nachfolgender Musikberieselung[8]
Donnerstag24.01.19Mischmasch oder El amor a la vidaAuslandsredaktionLateinamerikanische Musikberieselungscheint so
Donnerstag31.01.15Impuls für XUnterhaltungsred.Fortsetzung der Wiederholungnein [9]

 

ANMERKUNGEN

 

Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

 

»» [1]   Die im Dezember 2007 von der LPR Hessen nur um ein statt der beantragten fünf Jahre verfügte Verlängerung der Sendelizenz geht davon aus, daß der eingeschränkte Zugang zu den Räumlichkeiten des Senders in seiner Auswirkung zu beobachten ist, um ersehen zu können, ob der Trägerverein des Radios für weitere vier Jahre lizenzfähig ist.

»» [1a]   Ich habe mir lange überlegt, ob ich die Frage in den Raum werfen soll, weshalb Darmstadts Lokalradio es nötig hat, seinen aktuellen Programmflyer mit den beiden Minijob-Beschäftigten des Trägervereinsbüros zu verzieren. Daß hier zwei junge Frauen einen gewollten Blickfang darbieten, ist allzu offensichtlich. Daraus ließe sich der Schluß ziehen, daß die Kommerzialisierung des Senders auch an dieser Stelle voranschreitet und daß der Sender inzwischen Lockvögel benötigt, die visuell zum Hören eines brummenden Programms auffordern.

»» [2]   Diese in Erfurt produzierte Sendung wurde mit ihrer Dezemberausgabe dann doch eingelegt. Dennoch war die Bemerkung zum Programm gerechtfertigt. In den vier voraus gegangenen Monaten September bis Dezember 2007 fiel die Sendung aus, im Juni und Juli 2007 wurde die Aprilausgabe, die schon im Mai gespielt wurde, noch einmal eingelegt; im Februar 2008 wird diese Sendung zugunsten eines kleineren Sendelochs und eines daran anschließenden Dudelmusikteppichs erneut ausfallen. Und wenn schon nicht das Raumfahrtjournal ausfiel, dann die im Programmflyer vorhergehende Sendung der Auslandsredaktion von 15.00 bis 17.00 Uhr.

»» [3]   Michael S. hatte das Zusammenstellen der monatlichen Programmdaten im Dezember wutentbrannt eingestellt, nachdem seine Datensammlung aufgrund der Untätigkeit des Vorstandes nicht in einen gedruckten Programmflyer gemündet hatte, welchen er dann zu Monatsbeginn hätte verteilen können. Wenn wir dann noch überlegen, daß der Vorstand des Trägervereins am 11. August 2007 dem Programmrat die Herausgabe dieses Druckwerks mit der Maßgabe aufgetragen hatte, daß eine solche Veröffentlichung vom Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit freizugeben sei, dann stellt sich die Frage, weshalb die Kommunikation im Vorstand derart schlecht ist, daß die eine Hand Murks produziert, welche die andere nicht einmal zur Kenntnis nimmt. Vielleicht sollte der Möchtegern-Vorstandsvorsitzende Benjamin Gürkan erst einmal seinem Vorstand Projektmanagement beibringen, ehe er seine in der Praxis unerprobten Theorien über den gesamten Sender stülpt. Was das Möchtegern betrifft: Schon in seinem ersten Vorstandsjahr brachte Gürkan seine Idee vor, die Satzung so zu ändern, daß aus einem gleichberechtigten Vorstand einer mit Vorsitzendem werde. Diesen Posten reklamierte er für sich.

»» [4]   Vergleiche Anmerkung 3.

»» [5]   Das Gender Mainstreaming ist die neoliberale Eindampfung von gezielter Frauenförderung. Siehe hierzu auch meine Sendung Frauen, Hexen, Männerwahn. Teil 3: Bruchstellen. Was den männlichen Charakter von Radio Darmstadt und seines Trägervereins betrifft, so hat die Frauenredaktion FriDa in ihrer Auflösungserklärung vom April 2007 angemerkt: "Wir alle haben gerne 'Radio gemacht' und an Themen mangelt es nach wie vor nicht, den meisten von uns fällt aber die Identifikation mit dem Verein RadaR schwer. Bei einer so zeitaufwändigen Freizeitbeschäftigung wollen wir uns nicht länger auch noch ärgern müssen."

»» [6]   Innerhalb dieser Sendestunde wurde nach einem zweieinhalbminütigen Sendeloch mitten in das Migrationsmagazin hinein umgeblendet.

»» [7]   Die Sendung wurde am Mittwoch, den 23. Januar, ab 21.00 Uhr nachgeholt.

»» [8]   Interessante Variante eines Sendeausfalls: Es scheint so, als seien die beiden Moderatoren der 16.00 und der 17.00 Uhr-Sendung anwesend gewesen. Beide achteten nicht darauf, ob das von ihnen genutzte Studio auch on air war, und schalteten deshalb nicht auf das von ihnen genutzte Sendestudio 1 um. Daher lief zunächst das Wiederholungsprogramm vom Vorabend weiter, ehe es abgebrochen wurde, was zu einem Sendeloch geführt hat. Anschließend dudelte Musik. Mit einem Chef oder einer Chefin vom Dienst wäre das nicht geschehen, aber diese Einrichtung wurde im Februar 2007 ersatzlos gestrichen.

»» [9]   Es ist hier nicht eindeutig zu klären, ob für den 31. Januar der Wechsel des Sendeplatzes von Freitag auf Donnerstag schon geplant war oder ob der Februar-Programmflyer hierzu eine fehlerhafte Angabe bereithält.

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 25. März 2008 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2008. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

URL dieser Seite : http://waltpolitik.powerbone.de/radiodar/radar801.htm

 
 
 
Valid HTML 4.01 Transitional  Valid CSS!