Titelfoto Mai 2008
Darmstadt unter Strom

Radio Darmstadt

Stereofones Absurdistan

Mai 2008
Dokumentation

 

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt. Der Autor dieser Dokumentation hat von Juni 1997 bis Januar 2007 bei Radio Darmstadt gesendet, bis ihn ein aus dieser Umbruchssituation zu verstehendes binnenpolitisch motiviertes Sendeverbot ereilte. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt er die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

In der Dokumentation werden die Namen handelnder Personen aufgeführt. Damit werden Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt. Zur Klarstellung: Eine Schmähung einzelner Personen oder gar des gesamten Radiosenders ist hiermit nicht beabsichtigt. [mehr]

 


 

Zusammenfassung

Auf dieser Seite werden einzelne Vorkommnisse des Monats Mai 2008 dokumentiert.

Anstelle der bislang üblichen detaillierten Monatsübersichten wird in diesem Monat das zentrale Ereignis herausgegriffen. Radio Darmstadt sorgt für eine innovative Weltneuheit und strahlt sein Programm in Stereoqualität auf nur einem Stereokanal aus. Vielleicht sollte sich die Bundesnetzagentur diese Innovation zu eigen machen und das gesamte analoge UKW-Frequenzband neu danach ausrichten. Stereosender mit nur einem Stereokanal benötigen nämlich einen kleineren Frequenzbereich. Die hierdurch frei werdenden Frequenzen könnten mit weiteren Dudelsendern gefüllt werden. Aber Scherz beiseite, die Sache ist bitterernst. Offensichtlich gibt es bei Radio Darmstadt keine Qualitätskontrolle, so daß der hier beschriebene Vorgang wochenlang unbemerkt bleiben konnte.

 


 

Vermutlich am Fronleichnams-Donnerstag, am 22. Mai 2008, nutzte die Technikcrew von Radio Darmstadt die Gelegenheit, ihre Umgestaltung der Studiotechnik fortzusetzen. Hierbei werden unter anderem die vorhandenen oder auch neu verlegte Audiokabel an einer neu gestalteten Sammelschiene verschaltet. Daß es hierbei nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, mag folgendes Schaubild verdeutlichen.

Screenshot der Audiodatei von 17 bis 18 Uhr am 23. Mai 2008.

Wir sehen einen linken Stereokanal, und dort, wo der rechte zu sehen sein sollte, erkennen wir eine schmale Linie. Das rechte Stereosignal fehlt. Die schmale Linie kommt vermutlich von einem Übersprechen eines benachbarten Kabels. Im Grunde genommen kann so etwas bei einem sauber verlegten symmetrischen Audiokabel nicht vorkommen, woraus wir den Schluß ziehen können, daß die Verkabelung nicht mit der notwendigen Fachkenntnis und Sorgfalt verschaltet worden ist. Ich habe hierzu eine technisch belegbare Vermutung, aber werde den Experten vom Steubenplatz hier nicht alles verraten.

Dieses "Kunstwerk" ist schon deshalb umso ärgerlicher, weil im November 2003 das erste Sendestudio komplett renoviert und mit einem neuen Regietisch versehen wurde und das zweite Sendestudio in Betrieb gegangen ist. Von diesem Zeitpunkt an bis ins Frühjahr 2006 waren Katharina Mann und Norbert Büchner maßgeblich mit der Wartung und Instandhaltung eines absolut sauberen Sendesignals mitsamt einer in nichtkommerziellen Radiokreisen als vorbildlich anerkannten Studiotechnik betraut. Ärgernisse wie das hier dokumentierte und auch an vielen anderen Stellen meiner Dokumentation über die Geschehnisse bei Radio Darmstadt seit Herbst 2006 vorzufindende Bastelprodukt waren nicht nur undenkbar, sondern fanden zudem auch nicht statt. Erst, seitdem seit Herbst 2006 eine neue Technikcrew ihre laienhafte Technikphilosophie versucht umzusetzen, sind derartige Artefakte so etwas wie ein Quasi-Standard zu nennen.

Das erstmalige Auftreten dieser neuen Stereofonie ist am 23. Mai 2008 um 16.59 Uhr zu registrieren, als Christian K. mit seinem Bericht aus der Stadtverordnetenversammlung das Sendesignal übernimmt. Deshalb ist es wahrscheinlich, daß die Technikjungs das lange Wochenende produktiv genutzt hatten. Insgesamt wird dieser Mumpitz bei etwa 25 Gelegenheiten bis zum 15. Juni 2008 mit insgesamt etwas mehr als 76 Sendestunden zu hören sein. Als besonderen Clou haben sich unsere Techniker eine Kunstschaltung ausgedacht, die in der Nacht vom 6. zum 7. Juni 2008 wirksam wird. Da nämlich der Computer, mit dem das Wiederholungsprogramm eingespeist wird, rechts nicht von links unterscheiden kann, verwandelt sich das halbe Stereosignal mehrere Stunden lang in ein überhaupt nicht hörbares. Ich muß zugeben, daß ich fast einen Monat benötigt habe, die Ursache dieses Sendelochs zu begreifen, so absurd ist der zugrunde liegende Mechanismus!

Ganz wichtig für das Image des Senders war die Werbeveranstaltung der Darmstadt Citymarketing für das Shoppen bei Nacht am 6. Juni 2008. Radio Darmstadt übertrug hierbei nicht nur innovative esoterische Klagcollagen, die dem Sender von dritter Seite zur Verfügung gestellt wurden, er übertrug nicht nur das vom lokalen Stromerzeuger Entega gesponserte Event mit passend für den Sender produzierten Werbebotschaften, nein, er übertrug zudem auch seine innovativen Stereosignale. Dies ist insofern geradezu köstlich, weil als Teil der Marketingstrategie das von Radio Darmstadt verbreitete Sendesignal in der Darmstädter Fußgängerzone und in ausgewählten Kaufhäusern verbreitet worden ist. Ich frage mich, was sich so mancher Geschäftsmann gedacht haben mag, als er versucht hat, mit seinem Stereoempfänger die bereit gestellten Außenübertragungsboxen zu füttern – und es dann auf einer Box mucksmäuschenstill blieb. Da haben die Verantwortlichen von Radio Darmstadt wirklich etwas Tolles für das angeschlagene Image des eigenen Senders produziert.

Zur ausführlichen Dokumentation von "Darmstadt unter Strom".

Intelligent, wie die hierfür verantwortliche Technikcrew ist, hat sie nach der Inbetriebnahme ihres umgebauten Preßspanstudios Ende Juni 2008 vorsorglich das neue Feature wieder mit eingebaut. Diesmal war es innerhalb von fünf Tagen an mehr als 116 Sendestunden zu vernehmen. Ab und zu ist es sogar noch im August 2008 zu registrieren. Der Vorstand wurde über dieses neuerliche Auftreten in Kenntnis gesetzt, mal sehen, wann er den Unfug endlich abgestellt bekommt.

DatumAnzahl VorfälleDauer in Std.:Min.fehlender Kanalbetroffene Sendung(en)betroffene Redaktion(en)
23. Mai11:01rechtsBericht aus der StadtverordnetenversammlungLokalredaktion
25. Mai11:00rechtsRadaR SportplatzSportredaktion
26. Mai11:56rechtsKultur mit Rüdiger G. und Nils P.Kulturredaktion
27. Mai35:53links (2), rechtsWiederholung. Sendecomputer sendet linken Stereokanal rechts. Radiowecker, dann noch einmal in der Wiederholung.Unterhaltungsredaktion
28. Mai24:07rechtsRadiowecker, AugenweideUnterhaltungsredaktion, Kulturredaktion
29. Mai24:00links, rechtsWiederholung, RadioweckerUnterhaltungsredaktion
30. Mai10:59rechtsKultTourKalenderKulturredaktion
31. Mai12:03rechtsRadioweckerUnterhaltungsredaktion
1. Juni39:20rechtsWiederholung, Extra Alt, MusikgedudelAuslandsredaktion
3. Juni12:26rechtsRadioweckerUnterhaltungsredaktion
4. Juni11:02rechtsAugenweideKulturredaktion
5. Juni14:04rechtsRadiowecker, WiederholungUnterhaltungsredaktion
6. Juni111:29rechtsFortsetzung 5.6., KultTourKalender, Darmstadt unter StromKulturredaktion, Vorstand
7. Juni38:28rechts, linksFortsetzung 6.6., WiederholungNachts vier Stunden Sendeloch wegen Kunstschaltung.
10. Juni12:11rechtsRadioweckerUnterhaltungsredaktion
11. Juni15:27rechtsWiederholungMöglicherweise aufgrund neuer Technikarbeiten im Sendehaus.
12. Juni26:10rechtsRadiowecker, WiederholungUnterhaltungsredaktion
13. Juni13:01rechtsVerkehrspolitik, KultTourKalender, Salsa RadioLokalredaktion, Kulturredaktion, Unterhaltungsredaktion
15. Juni11:56rechtsLifestyle MelangeUnterhaltungsredaktion

Am 28. Mai 2008 betrat ein ehemaliges Vorstandsmitglied des Trägervereins von Radio Darmstadt ein Elektronik-Fachgeschäft in Darmstadt. Da er dort als regelmäßiger Kunde bekannt ist, wurde er von einem Mitarbeiter gefragt, was mit dem Sender los sei. Dieser Mitarbeiter hatte zunächst geglaubt, sein Radio sei defekt. Als er diesem vermeintlichen Defekt auf den Grund gehen wollte, habe er feststellen müssen, daß Radio Darmstadt nur auf einem Kanal sendet. Bemerkenswert hieran ist, daß sogar ein technischer Profi erst einen Defekt seines Gerätes vermutete, aber dann durchaus in der Lage war zu erkennen, daß das ausgestrahlte Signal nicht den technischen Vorschriften entspricht. Die Techniker vom Steubenplatz hingegen bemerkten von all dem vermutlich gar nichts.

Ab Mitte Juni wurde das bisherige, sorgfältig aufgebaute Sendestudio 2 durch eine billige Preßspankopie ersetzt. Auch hierbei müssen sich erschütternde Szenen wie im wirklichen Leben zugetragen haben. Ein Vorstandsmitglied telefonierte bei geöffneter Studiotür derart laut mit einem der Techniker, daß die Chefallüren des Vorständlers nicht verborgen geblieben sind. Der vorgesehen Zeitplan für den Umbau konnte bei derart motivierten Mitarbeitern natürlich nicht eingehalten werden, so daß das erste Sendestudio erst irgendwann einmal das Schicksal des schon "renovierten" ereilen wird. Als Folge des Technikumbaus wurde nun das Sendestudio, das von der neuen Stereotechnik bislang verschont blieb, mit selbiger ausgestattet. Innovative Features müssen eben verbreitet werden …

DatumAnzahl VorfälleDauer in Std.:Min.fehlender Kanalbetroffene Sendung(en)betroffene Redaktion(en)
30. Juni144:10rechtsverschiedeneFast zwei Tage Dauereinsatz.
2. Juli171:09linksverschiedeneFast drei Tage Dauereinsatz.
5. Juni11:54rechtsWiederholung, BigosAuslandsredaktion

Hier ist anzumerken, daß am 2. Juli um 14.56 Uhr das erste Trauerspiel von einem etwa achtzehnsekündigen Sendeloch abgelöst worden ist. In dieser Zeit wurden vermutlich Kabel vertauscht, in der Hoffnung, das Problem damit in den Griff zu bekommen. In der Folge fehlte dann drei Tage lang der linke Kanal. Am 5. Juli muß der Druck zu groß geworden sein. Am 3. Juli hatte ich in einer Pressemitteilung die lokalen Printmedien auf dieses sich zu diesem Zeitpunkt seit gut sechs Wochen hinziehende Desaster hingewiesen, mit Kopie an die zuständige Landesmedienanstalt. Das Problem muß senderintern bekannt gewesen sein, denn Radiowecker-Moderator Christian K. sprach es am Morgen in seiner Sendung öffentlich an:

In den letzten Tagen ist es bei unserem Programm einige Male zu Störungen gekommen. Mal ist nur der rechte, mal ist nur der linke Kanal zu hören. Das liegt an den derzeitigen Umbauarbeiten. Dieses Problem wird sich in einigen Tagen gegeben haben und dann wird Radio Darmstadt wieder in voller Qualität auf beiden Kanälen senden.

Das für diese Technikbastelei zuständige Vorstandsmitglied hat sich trotz Aufforderung bis heute [22. August 2008] nicht bei den von dieser Stereofonie betroffenen Sendenden bzw. Redaktionen entschuldigt. Jedenfalls könnte festgehalten werden, daß mit dem nötigen Druck von außen tatsächlich auch innen etwas geschieht, um einem bekannten Mißstand abzuhelfen. Könnte – wenn es nicht im Programm von Radio Darmstadt im August neue Vorfälle dieser Art geben würde. Wir dürfen gespannt sein, wann es den Technikern des Senders gelingt, dieses Phänomen endgültig abzustellen.

Im übrigen sei hier darauf hingewiesen, daß das Phänomen des einkanaligen Stereosignals den Verantwortlichen schon einmal begegnet war. Am 1. April 2008 fehlte nämlich schon einmal der rechte Kanal. Dies hätte verantwortungsbewußt handelnde Techniker sensibilisiert …, zumal es in meiner Dokumentation nachzulesen war.

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 22. August 2008 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2008.
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