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Sendungs-CD verschwindet im Briefkasten

Radio Darmstadt

Pressemitteilung vom 25. November 2008

Dokumentation

 

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt. Der Autor dieser Dokumentation hat von Juni 1997 bis Januar 2007 bei Radio Darmstadt gesendet, bis ihn ein aus dieser Umbruchssituation zu verstehendes binnenpolitisch motiviertes Sendeverbot ereilte. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt er die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

In der Dokumentation werden die Namen handelnder Personen aufgeführt. Damit werden Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt. Zur Klarstellung: Eine Diffamierung einzelner Personen oder gar des gesamten Radioprojekts ist hiermit nicht beabsichtigt. [mehr]

 


 

Zusammenfassung

Am 3. November 2008 wurde die Sendelizenz des Trägervereins von Radio Darmstadt seitens der LPR Hessen bis Ende 2012 verlängert. Begründet wurde die Entscheidung damit, daß nach detaillierter Prüfung die Zugangsoffenheit zum Sender als gegeben anzusehen sei. The proof of the pudding is in the eating. Und siehe da: es schmeckt nicht!

»» Zur Pressemitteilung der LPR Hessen vom 3. November 2008.

»» dpa-Meldung am 4. November 2008.

»» Darmstädter Echo am 4. November 2008.

»» Frankfurter Rundschau am 4. November 2008.

Sollte der Rechtsanwalt des Trägervereins dieses Senders auch diese Dokumentationsseite für Schmähkritik halten, wäre er gut beraten, seiner Mandantschaft zu empfehlen, in Zukunft mehr Wert auf die ungestörte Ausstrahlung eingereichter Sendungs-CDs zu legen.

 


 

Pressemitteilung

Pressemitteilung: 1:4 – Ein weiterer Aussetzer geprüfter Zugangsoffenheit

Pressemitteilung, 25. November 2008

*** *** Radio Darmstadt kürzt willkürlich Vortrag des Finanzjournalisten Lucas Zeise *** Weiterhin lizenzwidrig unvollständige Zugangsoffenheit ***

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem am 3.11.2008 die Versammlung der LPR Hessen „nach detaillierter Prüfung“ beschlossen hatte, daß die Zugangsoffenheit bei Radio Darmstadt gegeben sei, können wir nun allwöchentlich die „geprüften Details“ überprüfen. Dabei stellen wir nun nach Maßgabe der Fakten regelmäßig fest, daß diese Prüfung von derselben Qualität gewesen sein muß wie die regelmäßige Prüfung der ICE-Achsen bei der Deutschen Bahn. Die entsprechenden ICEs wurden auf öffentlichen Druck hin aus dem Verkehr gezogen … [1]

Wie zu erwarten war, scheiterte auch am gestrigen Montag der Versuch, Zugangsoffenheit zu realisieren, an den Zugangsbedingungen bei Radio Darmstadt.

Zum wiederholten Male wurde eine Sendung von einem reparaturbedürftigen CD-Player abgespielt. Diesmal hüpfte das Abspielgerät pünktlich zur Minute 34 auf eine andere Spur und kürzte den aufgezeichneten Vortrag des Finanzjournalisten Lucas Zeise (Mitbegründer der Financial Times Deutschland) um knapp eine Minute.

Das Zwischenergebnis nach dem 3.11.2008 lautet:
Eingereichte Sendungen: 4
Korrekt abgespielte Sendungen: 1

Der Sachverhalt ist sowohl den Verantwortlichen bei Radio Darmstadt als auch der hessischen Landesmedienanstalt bekannt. Beide sehen offensichtlich keinen Grund zum Eingreifen. So verkommt Zugangsoffenheit nicht nur zu einem schlechten Witz, sondern diese außerordentlich gelungene Form der Medien„kompetenz“ wird zudem mit 70.000 Euro pro Jahr gefördert.

(Für die Printmedien: Stellen Sie sich vor, in Ihrer Zeitung würde jeden Montag mitten im Blatt regelmäßig ausgerechnet im Sportteil die Berichterstattung über die Darmstädter Lilien oder wahlweise die Frankfurter Eintracht fehlen. Ihre Abonnenenten würden Sturm laufen, oder?)

Seit kurzem betrifft das Phänomen nicht nur die Sendungen, die aufgrund bestehender Hausverbote auf CD eingereicht werden müssen. Auch die vielgelobte Hörzeitung der Darmstädter Tonband- und Stereofreunde (siehe zuletzt Echo am 25.10.2008) ist nun vom Minute 34-Syndrom betroffen.

Laut Webseite von Radio Darmstadt ist der Verantwortliche für die Studiotechnik das Vorstandsmitglied Benjamin Gürkan. Gürkan ist zudem Stadtverordneter der SPD in Weiterstadt.

Dieser Vorfall reiht sich nahtlos in eine lange Liste ähnlicher Vorfälle ein, bei denen eingereichte Sendungen gar nicht, zu spät, unvollständig, mit Musik unterlegt oder mit Aussetzern eines CD-Players versehen abgespielt worden sind. Die diesbezügliche „Fehlerrate“ liegt für dieses Jahr bei weit über 50% alleine bei den von mir eingereichten Sendungen.

In zwei Wochen, am 8.12.2008, erhält Radio Darmstadt eine erneute Chance, seine „Zugangsoffenheit“ zu beweisen. Wir dürfen gespannt sein. Vielleicht sollten wir alle zur Minute 34 mitsingen: Oops!… I did it again (Britney Spears).

Anbei erhalten Sie als Screenshot den Vergleich der Audiodateien – die gesendete Fassung im Vergleich zum auf CD gebrannten Original.

 

Zum Hintergrund: Der Vorstand von RadaR e.V. versuchte in den Jahren 2006/07 mit Hilfe von zum Teil offen rechtswidrigen Vereinsausschlüssen, Sende- und Hausverboten [2], mehrere ehemalige Vorstandsmitglieder von der Nutzung des Darmstädter Lokalradios fernzuhalten. Dies führte im Dezember 2007 zu einer Entscheidung der LPR Hessen, die Lizenz nur um ein Jahr zu verlängern, um sich die Auswirkungen dieser Maßnahmen näher anzuschauen. Obwohl sich ein Jahr später nichts verändert hatte, befand die LPR Hessen nun, es sei doch alles in Ordnung. Eine detaillierte Dokumentation dieser Geschehnisse findet sich seit Oktober 2007 im Internet.

Das Hessische Privatrundfunkgesetz verpflichtet die sieben in Hessen eingerichteten nichtkommerziellen Lokalradio zur Zugangsoffenheit. Hierfür werden die Trägervereine dieser Lokalradios mit Fördermitteln in Höhe von jährlich rund 70.000 Euro bezuschußt. Die Mittel entstammen einem den Landesmedienanstalten zugewiesenen Anteil an den Rundfunkgebühren.

Nach der nun vorliegenden „geprüften“ Definition der LPR Hessen bedeutet „zugangsoffen“, wenn eine im Sender unerwünschte Person am heimischen Rechner eine Sendung zusammenstoppeln muß und diese dann auf CD einreichen „darf“. Nach derselben Definition ist es dann unerheblich, in welch verstümmelten Zustand diese CD zur Ausstrahlung gebracht wird.

Mehr zu der Unfähigkeit von Radio Darmstadt, eingereichte Sendungen ordentlich abzuspielen, findet sich ebenfalls im Internet unter http://www.waltpolitik.powerbone.de/radiodar/radar828.htm („Das Minute 34-Syndrom“).

 

Mit freundlichen Grüßen
Walter Kuhl

[Es folgen die Kontaktdaten.]

 

Screenshot

Das Bild zeigt die visualisierte Darstellung der entscheidenden Sequenz in den Audiodateien, oben die gesendete Fassung, unten die original eingereichte Sendung. Wir können hierin die Auslassung von etwa 58 Sekunden erkennen. Diese gestohlenen 58 Sekunden sind einem Sprung des Lasers im verwendeten CD-Player geschuldet. Dieser CD-Player hätte längst ausgetauscht werden müssen. Hierfür erhält der Sender schließlich ausreichend Fördermittel! Wenn der verantwortliche Studiotechniker hiermit überfordert ist, hätte sein Kommunikations­experte im Vorstandsteam wenigstens einen Zettel anbringen können: „Außer Betrieb“. Vermutlich ist diese minimale Kommunikations­leistung unter der Würde von Benjamin Gürkan, weil er hierbei keine digitale Signatur anbringen kann. Bei so viel Inkompetenz bleibt einem irgendwie nur noch galliger Sarkasmus.

Screenshot der Audiodateien

 

ANMERKUNGEN

 

Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

 

»» [1]   Siehe hierzu die Dokumentation Der Kölner ICE-3-Unfall vom 9. Juli 2008.

»» [2]   Die am 13. September 2006 ausgesprochenen Vereinsausschlüsse mißachteten die Rechte zweier Vereinsmitglieder auf rechtliches Gehör. Dessen war sich die damalige Vorstandsmehrheit sehr wohl bewußt. Um ein entsprechendes Gerichtsurteil abzuwenden, wurden diese Vereinsausschlüsse einige Monate später zurückgezogen. Zwei der drei am 8. Januar 2007 ausgesprochenen Sendeverbote waren so offensichtlich rechtswidrig, daß schon wenige Tage später ein entsprechender rechtlicher Hinweis der LPR Hessen erging. Die drei Sendeverbote wurden jedoch erst neun Monate später, im Oktober 2007, zurückgezogen, nachdem Vertreter der LPR Hessen dem Verein im persönlichen Gespräch vor Ort verdeutlicht hatten, daß der Verein damit seine Sendelizenz gefährde. Hinsichtlich der Hausverbote sind Klagen vor dem Amtsgericht Darmstadt anhängig.

 


 

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