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Titelfoto September 2009
Stereo-Einkanalton

Radio Darmstadt

Eine besondere Zeitrechnung

September 2009
Dokumentation

 

Zum Sinn und Zweck dieser Dokumentation.

Zusammenfassung

Wir erleben mit, wie eine Spezialwiederholung für Konfusion im Sendeablauf sorgt. Alte Bekannte kommen wieder, etwa das nur einkanalig ausgestrahlte Stereosignal. Überhaupt die Kanäle. Ist es so schwer, rechts und links sauber zu trennen? Neben einer Hautkontrolle und einem Marathonläufer, der im Ziel tot zusammenbricht, ist es eine Heidenarbeit, aus der Wikipedia einen Text vorzutragen. Dem Sender läuft zudem die Zeit davon: manchmal dauert am Steubenplatz eine Stunde nur 57 Minuten.

Die Anspielungen dieser Zusammen­fassung werden im Text erklärt.

 


 

Deine Wiederholung – eine Wiederholung mit Pfiff!

Zuweilen gehen bei Radio Darmstadt die Uhren anders. Als wenn dort ein eigenes Universum mit eigener Zeitrechnung herrsche, werden wir mit erstaunlichen Seltsamkeiten überrascht. So verkündete die Webseite des Senders Mitte Juli den Beginn der Sommer- und Badesaison zum 10. Juli, vermutlich nach Steubenplatziger Sommerzeit. Doch auch, als die Blätter schon herbsteln, gehen im Sendehaus manche Uhren eigene Wege. Und dies auffällig häufig in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch.

Bildzitat: Screenshot der Radio Darmstadt WebseiteSeit einigen Wochen verkünden uns diverse Programmflyer und auch die Webseite des Senders ein neues eigenwilliges Sendeformat. Unter dem Sendungstitel „Deine Wiederholung“ sollen Sendungen der Vorwoche am Mittwochmorgen noch einmal einem erlesenen, sich den Schlaf aus den Augen reibenden Auditorium zu Gehör gebracht werden. Diese Sendungen sollen der Intention nach von den Hörerinnen und Hörern von Radio Darmstadt ausgesucht werden, in der Praxis stellt sie Aurel J. aus dem Sendungspool von Radio Darmstadt nach rein subjektiven Kriterien zusammen.

Nun steht er am Mittwochmorgen nicht früh auf, um diese Spezial-Wiederholung pünktlich um 6.00 Uhr morgens zu starten. Statt dessen bedient er sich der Technik des Sendehauses, es könnte jedoch auch sein, daß eine andere Person diesen Job übernimmt. Die Fragestellung lautet: Wie bekomme ich die nach Ende des Abend­programms gestartete Wiederholung dazu, pünktlich um 6.00 Uhr abzubrechen, meine eigene Wiederholung einzuspielen und die reguläre Wiederholung ebenso pünktlich um 8.00 Uhr neu zu starten? Denn der besondere Witz von „Deine Wiederholung“ ist nicht der besondere Inhalt, sondern die Synchronisierung der Wiederholungs­zeiten im Anschluß an die vereinzelten Radiowecker, so daß von Montag bis Freitag am Vormittag und Mittag die Wiederholungen des Vorabend­programms gleichmäßig ablaufen.

Ich finde auf diese Frage keine Antwort. Die Antwort, die der Sender findet, ist irgendetwas, was eine Antwort darstellen soll, aber im Grunde genommen ist sie Murks. Dieser Murks begegnet uns nicht nur in der Nacht vom 1. auf den 2. September, sondern auch in der Folgezeit.

Dem ersten Anschein nach verläuft die nach den Deutschlandfunk-Nachrichten um 23.00 Uhr eingespielte Wiederholung des Programms normal. Sie beginnt am Dienstag­abend um 23.10 Uhr und wird am frühen Morgen nach Ablauf der vorgesehenen sechs Stunden um 5.10 Uhr neu gestartet. Stutzig werden hingegen läßt die Einspielung von Deutschland­funk-Nachrichten um 5.00 Uhr. Der von Radio Darmstadt mit dem Deutschlandradio abgeschlossene Kooperations­vertrag sieht um diese Uhrzeit keine Übernahme seiner Nachrichten vor. Wenn wir genau hinhören, müssen wir sogar feststellen, daß hier die Nachrichten von 23.00 Uhr wiederholt werden. Derartige Wiederholungen sind laut Vertrag ohnehin untersagt. Da weder der Intendant noch der Justiziar des Deutschland­radios ausgerechnet morgens in der Frühe Radio Darmstadt hören, fällt das nicht weiter auf.

Rechnen wir kurz nach. Wenn die zu wiederholende Sendeschiene exakt sechs Stunden beträgt [1], hierin jedoch Nachrichten von knapp 10 Minuten Länge enthalten sind, die nicht zur regulären Wiederholung gehören, dann müssen diese zehn Minuten in irgendein Sendungsnirvana verschwunden sein. Und in der Tat ist exakt dies geschehen. In der Nacht zwischen 2.10 Uhr und 4.00 Uhr werden der Wiederholung der Unterhaltungs­sendung RadaR Latino einfach diese zehn Minuten abgezwackt.

Die Merkwürdigkeiten nehmen hiermit jedoch kein kein Ende. Zwar startet „Deine Wiederholung“ wie vorgesehen pünktlich um 6.00 Uhr, endet jedoch schon vorzeitig um 7.53 Uhr, weil just in diesem Moment die Wiederholung des Vorabend­programms gestartet wird. Obwohl – genau diese Wiederholung scheint nicht gestartet worden zu sein, sondern eher die Wiederholung des um 23.00 Uhr gesendeten Programms. Wir hören nämlich um 7.53 Uhr noch einmal als einen speziellen, aber sinnlosen Service des Senders die Deutschlandfunk-Nachrichten von 23.00 Uhr in voller epischer Länge, ehe eine erneute Runde des Wiederholungs-Pokers beginnt. Wen trifft die Programm­kürzung diesmal?

Screenshot der Audiodateien.

Wo in der Originalsendung am Dienstagabend zwischen 19.00 und 20.00 Uhr (die Sendung Audiomax) noch etwas zu hören war, ist am Mittwoch­vormittag eine Lücke von 9 Minuten und 40 Sekunden zu vernehmen. Vermutlich fällt das den Hörerinnen und Hörern von Radio Darmstadt ohnehin nicht auf, so es denn zu dieser Zeit welche gab. Ich möchte es dahinstellen, ob die in der Wiederholung fehlenden Sendestrecken tatsächlich ein so ernsthaftes Problem sind, zumal dann, wenn es sich um beliebige Mainstream­musik, Herumgejingle oder Technobeats handelt. Anders verhält es sich hingegen bei textlastigen Wortsendungen. Da fällt es vielleicht schon auf, wenn ein Gedanke um mehrere Minuten verkürzt wieder­gegeben wird. Andererseits sind die im Einsdreißig-Format groß gewordenen Spielkinder vermutlich ohnehin von Wortsendungen überfordert, weshalb sie abschalten und deshalb die Patzer ihres Sendecomputers oder der vorprogrammierten Wiederholungs­schnipsel nicht wahrnehmen. Die noch fehlenden 20 Sekunden habe ich dann nicht mehr gesucht.

Buchcover Douglas Adams AusschnittWelcher Art Bastelei dieses Phänomen zugrundeliegt, ist einerlei. Es gibt jedoch gute Gründe anzunehmen, daß die technische Bastel­abteilung des Senders ihre eigenen „Erfindungen“ nicht ausreichend testet und die hieraus resultierenden Pannen nicht einmal bemerkt. Die Mehrzahl der bei Radio Darmstadt Sendenden schweigt ergeben, weil es sie vermutlich ohnehin nicht interessiert, wie sich der Sender präsentiert und/oder weil sie innerlich mit dem seit 2006 endemischen Chaos abgeschlossen haben. Insofern gibt es auch kein Feedback, ein Feedback, das ohnehin allenfalls über ein kompliziert angelegtes Ticketsystem den Technikern mitzuteilen wäre. Deshalb braucht es auch irrsinnig lange Zeiträume, bis ein derartiger nicht gerade unerheblicher Fehler erkannt und beseitigt wird. Manchmal auch nur, um durch einen neuen, noch sinnloseren Fehler abgelöst zu werden. Ich bin immer wieder erstaunt, was diesen selbst­ernannten Technikgenies in ihrem eigenen Universum noch so alles einfällt. Unwill­kürlich werde ich hierbei an Douglas Adams' fünfteilige Trilogie Per Anhalter durch die Galaxis erinnert:

„Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau rausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch etwas noch Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt.“

„Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist.“ [2]

Wir werden im Verlauf des September weitere Sendestrecken antreffen, in denen einzelne Sendeminuten einem harten Scherenschnitt des Sende­computers oder einer fehl­kalkulierten Audiodatei­schnipselei zum Opfer gefallen sind.

Beschwerden

Offensichtlich hat es mehrere Beschwerden über die Nacht­schwärmer im Sendehaus gegeben. Neben erheblicher Lautstärke bei geöffneten Fenstern in lauen Sommernächten scheint auch der Hinterhof des Sendehauses Schauplatz ungezügelter Flegelhaftig­keit gewesen zu sein. Der Vermieter, der den Trägerverein des Senders schon einmal deswegen abgemahnt hatte, hatte die Faxen dicke und kündigte dem Verein die Parkplätze im Hof. Die Sendenden dürfen ab September einen Ersatz­parkplatz einige Häuser weiter aufsuchen, der jedoch zur besten Sendezeit verschlossen ist.

Rapsoul und ein seltsamer Marathon

Am 5. September hat die Jugendredaktion von Radio Darmstadt die Band Rapsoul zu Gast. Schon in früheren Sendungen der Redaktion war die Gruppe gefeatured worden. Man und frau sonnt sich halt gerne im Licht der Größen des Showgeschäfts.

Am folgenden Sonntagmorgen beginnt um 8.00 Uhr morgens eine sechs­stündige Liveübertragung vom Darmstadt Marathon aus dem Zielbereich im Bürgerpark. Pannen bleiben nicht aus, so daß der gesamten Performance allenfalls eine Not-Vier (um nicht sitzen­zubleiben) gegeben werden kann. Neben mehreren Sendelöchern fällt eine teilweise unterirdische Mikron­qualität auf. Entweder ist das Signal zu leise oder es ist ganz verrauscht. Wer mit Funk­mikrofonen arbeitet, sollte halt wissen, wie das geht. Die technik­begeisterten Spielkinder haben es jedenfalls nach drei Jahren immer noch nicht heraus­gefunden, denn es ist nicht die erste Außenübertragung dieser Combo, die von Mikrofon­störungen begleitet wird [3]. Auch mit den Kabeln wird wieder einmal herum­experimentiert, um linke und rechte Kanäle sinnvoll zu einem Stereosignal zusammen­zustöpseln. Bei einem Versuch, Stadion­atmosphäre einzufangen, schlägt die Sendeloch-Erkennung zu. In mehrere Interviews wird sinnlos hinein­gejingelt. Hierbei fällt ein Mangel an im Sender vorhandenen Jingles auf, weshalb wir immer wieder mit denselben wenigen beglückt werden. Vermutlich wird hier ein Claim abgesteckt.

Welcher Art der Claim ist, mag folgende Meldung verdeutlichen:

„Radio BOB!-Moderator Daniel Ebert wird zusammen mit dem versierten einheimischen Laufkenner Michael Heist beim ‚Action Point‘ am Karolinenplatz alle Register ziehen, um die Läufer und Zuschauer gleichermaßen in Stimmung zu halten, ehe sie auf die lange Zielgeraden in der Kranichsteiner Straße einbiegen. Im Ziel erwartet Top-Moderator Markus Philipp die Läufer und begleitet die Tagesbesten auch zur Siegerehrung. Wer allerdings nicht live dabei sein kann, der kann bei Radio Darmstadt in einer 6-stündigen Übertragung stets auf der Höhe des Geschehens sein.“

Vielleicht erklärt uns folgende Meldung, der vermutlich eine Presse­mitteilung des Senders oder der im Text genannten Agentur zugrunde liegt, weshalb wir uns am Radio sinnlose Ziel­ansprachen und Musik antun mußten, die von einem vor Ort eingesetzten DJ eingespielt wurde.

„Am Veranstaltungs-Sonntag, 6. September war Radio Darmstadt live beim Darmstadt-Marathon 2009 dabei.

Die Sportredaktion war in der Zeit von 8.00 bis 14.00 Uhr mit ständigen Live-Schaltungen im Start- und Zielbereich im Bürgerpark Nord. Live-Impressionen von der Strecke, welche erstmals neben den Passagen im herrlichen Darmstädter Ostwald auch alle Sehens­würdigkeiten Darmstadts wie die Mathildenhöhe, das Peter-Behrens-Haus, das Schloss, das Landesmuseum und – auch das Darmstadtium tangiert hat. Radio Darmstadt und die Veranstaltungs­agentur wus-media sind für den Darmstadt-Marathon eine Kooperation als Medienpartner eingegangen.“

Ist dem einen Medienpartner vom anderen hier etwas zugeflossen? Wenn ja, war es das Geld nicht wert. Die Live-Impressionen von der Strecke habe ich nicht gehört. Dafür zeigten sich die Herren Moderatoren erstaunlich unvorbereitet und ließen sich von ihren Interview­partnerinnen und -partnern das erzählen, was sie besser einmal selbst vorab recherchiert hätten. Das Beste bei Radio Darmstadt sind jedoch immer wieder die hilflosen Versuche am Mikrofon, sinnvolle Gedanken zu formulieren. Sandro S. beispielweise führt ein Gespräch mit einem „Wettkampf­organisator“ und fragt am Schluß nach dessen Namen. Geniale Interview­technik! Das kann man bei einem vorproduzierten Interview machen und den Namen dann in der Anmoderation verwenden, aber nicht live.

Das FunkhausAnschließend gibt er zurück ins „Funkhaus“, das aus einer kleinen Sprecherkabine hoch über den Sitzrängen des Bürgerpark­stadions besteht (siehe Bild). Groß zu kotzen will halt gelernt sein. An anderer Stelle kündigt er als Siegläuferin „die erste weibliche Kandidatin“ an, „Eva ist ihr Name“. Mehr weiß er auch nicht, denn es steht fett auf ihrem Trikot. Gibt es keine Teilnehmerinnen­listen? Wie auch immer, so fährt er fort, „das ist erstmal die gute Nachricht“. Gab es auch eine schlechte oder ist das nur geistloses Moderatoren­geschwätz? Überhaupt: Kandidatin, wobei? Da verwechselt der Herr Starreporter offensichtlich einen Wahlabend mit einem Sportereignis.

Kurz nach Eins fordert uns Sandro S. auf dranzubleiben: „Bleiben Sie einfach dran hier bei Radio Darmstadt. Wie haben viel viel gute Musik mit dem Vor-Ort-DJ Daniel und natürlich auch viele interessante Interviewgäste jetzt in der letzten halben Stunde noch. Einfach dranbleiben und genießen …“. Wer jetzt Prominenz erwartet hat, lag falsch. Um die angekündigte halbe Stunde zu füllen, wird ein Gespräch mit einem Mitarbeiter des ASB Medical Centers und mit einer „jungen Dame“ an der Proviant-Ausgabe­stelle geführt. Eine Frage nach den Verpflegungs­stellen unterwegs deckt die vollkommene Ahnungs­losigkeit des Interviewers auf. Immerhin wird ein weibliches Mitglied des Teams „Lahme Ente“ vorgestellt, wobei Gesprächs­führer Markus L. einmal mehr beweist, daß er bei seinen Interviews seiner Interview­partnerin nicht zuhört. Karin sagt ihm, sie seien „drei Mädels und ein Mann“ im Team, woraus Markus L. messerscharf schließt, das Team bestehe aus fünf Personen.

In der Abmoderation zu Ende der Sendung gibt uns ein Sportredakteur noch einen Ausblick auf das laufende Programm. Die für 15.00 Uhr angekündigte griechische Sendung wird hierbei vollkommen entstellt ausgesprochen, wobei hier anzumerken ist, daß der sendereigene Programmflyer seit fast drei Jahren eine andere falsche Version des Namens präsentiert. Auch hier ist mangelnde Vorbereitung zu beklagen, zumal diese Sendung schon seit Jahren Teil des Sende­geschehens am Sonntag ist. Wie ich schon an anderer Stelle bemerkt habe: Der Eigenname ist der schlimmste Feind des Moderators (oder der Redakteurin).

Eingeleitet wird diese im Abspann als „Riesen-Event“ und „Super-Event“ bezeichnete Übungs­einheit mit der Aufforderung des einen Redakteurs an seinen Kollegen, ihm eine Frage zum Marathon zu stellen. So etwas ist gefährlich, weil derart offene Fragen sehr schnell die blanke Ahnungs­losigkeit bloßlegen können. Diese Gelegenheit läßt sich Claudius K. nicht entgehen und er fragt ganz naiv, wie lang denn so ein Marathonlauf sei. Die Antwort ist präzise – und falsch: „Die Strecke ist genau 42,17 oder so was.“ Alsdann wird die historische Herleitung der zu laufenden 42,195 Kilometer durchdekliniert:

„Im alten Griechenland, wo dieser Marathonlauf quasi das erste Mal stattfand, und zwar zwischen Athen und Marathon. Das wurde dann genau ausgemessen. Sind etwa die Strecke genau 42,17 oder 15. Deshalb, so ist der Marathonlauf entstanden im alten Griechenland.“

„Aber der, der da gelaufen ist, ist der nicht gestorben? […] Also ich kenne das aus der Sage, daß der tot umgefallen wäre im Ziel.“

„Du hast da mehr gelesen und gehört wie ich.“ [4]

So ist das, wenn den Herren Moderatoren und Redakteuren ihr weltweites Ablesenetz nicht vor Ort zur Verfügung steht. Dann ergänzt Halbwissen Fabuliererei. Insbesondere der Zieleinlauf in Marathon gibt einige Rätsel auf und stellt die (ohnehin fragwürdige) historische Überlieferung auf den Kopf. Vielleicht hilft hier ein Blick in die sonst so gerne im Sendehaus abgelesene Wikipedia?

Am Nachmittag fand im Sender wieder ein öffentliches Nassschwimmen statt. Hier wurden die sendenden Frischlinge am Ende ihrer dreitägigen Ausbildungs­einheit öffentlich ins nasse Wasser geworfen. Ob ihnen ihr Teamer Benjamin Gürkan hierbei verraten hat, daß eine gute Vorbereitung vor peinlichen Einträgen in dieser Dokumentation schützt?

Immer wieder mittwochs …

Das SendesignalNach den eingespielten Nachrichten des Deutschlandfunks erhalten die Nachtschwärmerinnen und Taxifahrer in der Nacht vom 8. zum 9. September ein Wiederholungs­programm serviert, dem ich eine gewisse Absurdität nicht absprechen kann. Ob hierfür Aurel J., die Techniker, Robert T. von Gospelrock oder ein mir unbekannte Bastler verwantwortlich sind, möge sich doch einmal der Programmrat fragen, dem die Hoheit über das gesendete Programm obliegt. Besonders hübsch ist die Wieder­einführung einer echten Radio Darmstadt-Innovation, die darin besteht, stundenlang nur einen Stereokanal mit einem Signal zu beliefern. Diesmal waren es acht Stunden. Ich freue mich immer, alte Bekannte aus der Bastel­werkstatt des Senders wieder anzutreffen.

Diese Angelegen­heit wäre im Grunde ein sinnvolles Betätigungs­feld für ein Gremium, das schon seit einiger Zeit vorgibt, eine Qualitäts­offensive starten zu wollen. Nun trifft es sich nur einmal im Monat, und man und frau wird den Eindruck nicht los, als träfe man und frau sich nur, um a) wichtig zu sein und b) möglichst schnell wieder nach Hause gehen zu können. Etwas eigenständig erarbeitet Sinnvolles hat dieser Programmrat in den vergangenen drei Jahren jedenfalls nicht zustande gebracht, denn sogar die Sendekriterien hat er sich mangels eigener Konzepte von Vorstands­mitglied Benjamin Gürkan diktieren lassen.

Sendestundevorgesehenes ProgrammUhrzeittatsächlich wiederholte Sendung
23.10–00.10.de/in-sendeplatz23.09.de/in-sendeplatz
00.10–01.10Dengê Ferat0.02Country Pur, 1. Stunde
01.10–02.10Audiomax0.56.de/in-sendeplatz
02.10–03.10Country Pur, 1. Stunde1.57Dengê Ferat
03.10–04.10Country Pur, 2. Stunde2.56Dengê Ferat
04.10–05.10Gospelrock03.56.de/in-sendeplatz
05.10–06.00de./in-sendeplatz04.56Bericht aus der Stadt­verordneten­versammlung vom 4.9.
06.00–07.00Deine Wiederholung I05.53Country Pur, 2. Stunde
07.00–08.00Deine Wiederholung II06.53Ökotopia vom 1.9.
  07.53Dengê Ferat
  08.03Jingle, Sendeloch, Dudelmusik
ab 08.00Neustart der Wiederholung08.06.de/in-sendeplatz

Darf ich erfahren, wer solch einen Quatsch programmlich wie technisch zusammen­stellt? Immerhin läßt es sich vermuten, welche beiden Sendungen als „Deine Wiederholung“ angedacht waren. Heraus kam jedoch – Murks.

Eine Grenzkontrolle, die unter die Haut geht

Feuriger EliasWohl noch nicht ganz im Sender angekommen war Kultur­redakteurin Petra S., als sie im KultTourKalender am 11. September eine Pressemeldung über das Nachspielen einer historischen Grenz­kontrolle ablas:

„Historische Grenzkontrolle am 20. September

Eine besondere Attraktion stellt alljährlich die historische Grenzkontrolle dar, die dieses Jahr am 20. September (Sonntag) stattfindet. Laien­schauspieler erinnern an die Zeit, als 1918 Griesheim französisch besetzt war und Fahrgäste auf dem Weg nach Darmstadt an der Demarkations­linie am Waldfriedhof Zoll­kontrollen über sich ergehen lassen mussten.“

Fremdwörter erfordern beim Ablesen fremder Texte erhöhte Sensibilität, sonst ergeht es einer so wie der Redakteurin im Studio, die aus der Demarkations­linie eine „Dermatologische“ machte. Nicht überliefert ist, ob die französischen Besatzungs­truppen zwischen 1918 und 1930 ihre Kontrollen ähnlich perfide durchgeführt haben, wie dies heutzutage an der Schengengrenze oder bei Drogenrazzien geschieht. Hier dürfen sich verdächtig oder einfach nur nicht weiß aussehende Menschen nach allen Regeln der Kunst in allen Körper­öffnungen beschnüffeln und betatschen lassen. So etwas kann schon einmal unter die Haut gehen.

Verschluckte Inhalte – oder: Sinnfreiheit als Programm

Am 14. September fällt eine zwangsweise auf CD eingereichte vorproduzierte Sendung dem Minute 34-Syndrom zum Opfer. Dieses Syndrom befällt mit Vorliebe die netten, praktischen Würfel einiger CD-Player der Marke Denon. Ob es sich um ein eingebautes Feature handelt oder einfach nur um ein nicht oder schlecht gewartetes Gerät, wäre eine eigene Untersuchung wert. Diesmal springt der CD-Spieler mitten im gesprochenen Text um eine halbe Minute vor und zerstört damit den vorgetragenen Gedanken­gang. Dieser CD-Spieler ist dann wohl doch eher für Musik geeignet, bei der es nicht darauf ankommt, daß sie verhunzt wird. Und davon verbreitet der Sender eine ganze Menge.

Am Morgen des 15. September funktionierte das Abspielen der Wiederholung des Vorabend­programms mittels eines dafür vorgesehenen Computers ein weiteres Mal nicht. Deshalb legte Unterhaltungs­redakteur Christian K. umsichtig noch einmal die vorproduzierte CD in einen funktionierenden CD-Spieler ein, so daß diesmal das Minute 34-Syndrom ausblieb und die Sendung vollständig zu hören war. Danke!

Screenshot einer AudiodateiZu den kuriosen Innovationen der Techniker von Radio Darmstadt gehört ein Stereosignal, das nur auf einem Kanal verbreitet wird. Der Nutzen dieser Innovation ist bescheiden, allenfalls wird hierdurch das Sendesignal auf eine Weise komprimiert, die an Körper­verletzung grenzt. Klingt halt sch****. Stört aber keine und niemanden im Sendehaus. Am 15. September war diese originelle Interpretation eines Stereosignals knapp fünf Stunden zu vernehmen. Diesmal wurde der rechte Kanal ausgestrahlt und der linke verschluckt – in früheren Fassungen dieser sonderbaren Spezialität war es auch einmal der linke Kanal. Erstmals wurde diese geradezu geniale Innovation einer ungläubigen Öffentlich­keit im Mai 2008 vorgeführt. Anstatt den Quatsch endlich einmal sein zu lassen, wird er immer wieder ausgepackt. Eine weitere einstündige Testsendung scheint es in der Nacht vom 11. auf den 12. September gegeben zu haben. Vermutlich wissen die Techniker des Senders selbst nicht so genau, was sie da angerichtet haben. Ich könnte, wenn ich wollte, ihnen dazu einen Tip geben, aber wozu? Das Thema „rechter Kanal“ und „linker Kanal“ eines Stereosignals werde ich am Ende dieser Darstellung noch vertiefen.

Zunächst steht jedoch wieder eine Nacht von Dienstag (15.) auf Mittwoch (16.) an, und wir können sicher sein, daß auch diesmal der Quatsch seine Soße findet. Nachdem vor zwei Wochen einzelnen Sendungen ganze Minuten­blöcke geklaut worden waren, verlegt sich das Abspielgerät diese Nacht darauf, jede Sendestunde in den Genuß dreier gestohlener Minuten kommen zu lassen. Diese Demokratisierung des Unfugs wird begleitet von der Wiederholung der um 23.00 Uhr aufgezeichneten Deutschlandfunk-Nachrichten. Im Gegensatz zur zehnminuütigen Einspielung längst überholter Nachrichten sind es diesmal nur zehn Sekunden, ein echter Fortschritt! Mehr noch – das Stereosignal beinhaltet sogar beide Kanäle!

Bei den von Aurel J. ausgesuchten Sendungen für „Deine Wiederholung“ handelt es sich um die Augenweide der Kultur­redaktion vom vergangenen Mittwoch und um die inter­kulturelle Sendung der Redaktion treffpunkt eine welt vom vergangenen Donnerstag. Der Sinn dieser Wiederholung wird jedoch verfehlt. Anstatt daß diese Wiederholungen die gesamte Wiederholungs­schiene, wie beabsichtigt, so synchronisieren, daß alle Vormittags­wiederholungen von Montag bis Freitag um 8.00 Uhr beginnen, wird dem Chaos Bahn gebrochen. Durch die geklauten Sendeminuten beginnt die erste Wiederholung schon um 5.43 Uhr. Am Vormittag und Mittag werden den wiederholten Sendungen weiterhin im Durchschnitt drei Minuten abgezogen.

Ob's eine oder jemand gemerkt hat?

LuisenplatzSuchbild

Was fehlt auf diesem Bild, aufgenommen am 12. September auf dem Darmstädter Luisenplatz? Auflösung in Anmerkung 5.

Noch mehr verschluckte Inhalte – oder: die Stimme aus dem Off

Deutlich zu hören war am Nachmittag des 16. September kurz nach halb fünf die Neuausgabe der beliebten Sendereihe „Stimmen aus dem Off“ mit Kultur­redakteurin Anne B., deren Vorproduktion auf Sendung ging. Derartige Stimmen erreichen uns nicht aus dem Jenseits oder anderen Schattenwelten, die auch das Spielemagazin des Senders bevölkern, sondern ganz profan aus dem Sendestudio. Wer eine bestimmte Taste nicht (raus)drückt, hat gelitten. Da dies bei ihr nicht zum ersten Mal geschah, frage ich mich allen Ernstes, was für einen seltsamen Tontechniker sie da engagiert hat. Ich erlaube mir die Anmerkung, daß dieser Tontechniker dringend zur Nach­schulung geschickt werden sollte, weil es sich hierbei um elementarstes Basiswissen handelt. Zwei Stunden ist sie tatsächlich und geplant live on air und dort heißt ihr Techniker Peter F. Ob selbiger, immerhin Ausbilder bei Radio Darmstadt, auch an der Vorproduktion mitgewirkt hat, sollten wir am besten Anne B. selbst fragen.

Auch in der Nacht von Mittwoch (16.) auf Donnerstag (17.) und den ganzen Tag über ist bei der Wiederholung des Vorabend­programms das seltsame Phänomen der drei geklauten Sendeminuten pro Stunde zu registrieren. Daraus läßt sich nur ein Schluß ziehen: bei Radio Darmstadt gehen die Uhren anders! Dort dauert eine Stunde 57 Minuten und macht deutlich, wieviel Gas die Verantwortlichen des Senders geben, um auch den letzten am Radio Verbliebenen ein Alibi zu verschaffen, sich besser einen anderen Sender zu suchen.

Im Donnerstagsprogramm des 17. September steckt ohnehin der Wurm. Vermutlich funktioniert der Wieder­holungs-Computer immer noch nicht, so daß auf die senderinterne Aufzeichnung der Sendungen ausgewichen wird, was wiederum den 57 Minuten-Effekt zur Folge hat. Wer diesen Quark programmiert hat, sollte in Sack und Asche versinken. Dann scheint die Redaktion treffpunkt eine welt nichts vorbereitet zu haben, weshalb sie eine Sendung vom 28. Mai wiederholt. Um 20.00 Uhr hören wir einige Töne des zweiten Teils der Hörzeitung, ehe nach einem Sendeloch computer­gesteuerter Dudelpop erklingt.

Funkhaus des Deutschlandradios in BerlinEtwas, was man und frau nicht unbedingt verstehen muß, ist die schlechte Angewohnheit einiger Musik­redakteure, die Wiederholung des Abend­programms schon um 23.00 Uhr im Hintergrund zu starten, während noch die Nachrichten des Deutschlandfunks eingespielt werden. Irgendein Schlaumeier aus der Wissenschaftsredaktion hatte eigen­mächtig die Parole ausgegeben, daß eine jahrelang bewährte Prozedur durch eine echte RadaR-Innovation abzulösen sei. Anstatt die Wiederholung nach den Nachrichten zu starten, die in der Regel um 23.09 Uhr enden, solle in Zukunft pünktlich zur vollen Stunde auch in der Nacht der Sendungs­wechsel stattfinden. Mit der Folge, daß regelmäßig der Anfang der ersten zu wieder­holenden Sendung fehlt. Bei einer Wortsendung ist es selbstredend vollkommen sinnvoll, nicht zu wissen, worum es in ihr eigentlich geht. Vielleicht lernen die Jungs der Wissenschafts­redaktion derartigen Unfug heutzutage in ihren Vorlesungen und Seminaren. In der Nacht zum Freitag nun wird die Sendung 12 Zoll bis Mitternacht verlängert, die Wiederholung dennoch schon um 23.00 Uhr gestartet. Folglich fehlt die erste Sendestunde. Was solls, es hört doch ohnehin keine und niemand so genau hin, oder?

Am 18. September hingegen beginnt die Wissenschafts­redaktion ihr inzwischen zur Technosendung mutiertes B-Radar mit der Einspielung aktueller Deutschland­funk-Nachrichten, vermutlich um die Zeit zu überbrücken, bis sie ihr DJ-Equipment zum Laufen bringt. Nun können die versammelten Redakteure ja der Meinung sein, daß ein klein wenig Inhalt ihrer Sendung nicht schadet, aber der Vertrag mit dem Deutschland­radio sieht diese Einspielung nicht vor. Erst recht sieht der Vertrag nicht vor, daß einmal gesendete Nachrichten später noch einmal wiederholt werden, aber genau dies geschieht in der Nacht und am Samstag­nachmittag. Gewiß ist es sinnvoll, um 14.56 Uhr Nachrichten zu senden, die achtzehn Stunden auf dem Buckel haben. Ob der Schlaumeier dieser Redaktion auch daran gedacht hat?

Am 20. September sind die eingespielten Nachrichten derart verrauscht, daß es sogar einem Redakteur des Senders auffällt und er sie abbricht.

Abkupfern ist Schwerstarbeit

Musikredakteur Björn B. befindet sich im Urlaub in Südfrankreich, weshalb er in seiner Sendung Blende am 19. September von seinen Spielekollegen Nils P. und Marc G. vertreten wird. Vielleicht hätte er ihnen besser verraten, wie der Titel seiner Sendung lautet, denn Herr P. spekuliert im Verlauf der beiden Sendestunden fantasievoll vor sich hin. Natürlich hätte hier ein Blick in den aktuellen Programmflyer weitergeholfen, aber Recherche ist vermutlich uncool. So heißt die Sendung mal „Musical Telegraph“ und mal „Musikkontraste“. Immerhin schimmert beim ersten Sendungs­namen so etwas wie eine Ahnung durch, hat doch Björn B. tatsächlich in früheren Zeiten einen solchen Telegrafen genutzt, um uns beispielsweise das Theremin nahezubringen. Mit den Musikkontrasten lag Nils P. hingegen vollkommen daneben. Dies war eine Sendereihe der Musik­redakteurin Susanna Radetzki [6], in der es bevorzugt um Latino-Pop ging.

Diese halbgare Einstellung verfolgt uns auch anderweitig. So wird zu einzelnen in der Sendung vorgestellten Künstlerinnen und Künstlern fleißig und crossmedial das weltweite Ablesenetz vorgetragen, und erst gegen Ende der Sendung wird uns endlich einmal eine Quelle der verbreiteten Weisheiten genannt. Mag ja sein, daß es nicht so gut kommt, einfach das Promomaterial diverser Webseiten unkritisch wiederzukäuen. Herr G. sollte hierfür im übrigen in Zukunft einen Vorlese­kursus belegen, damit es nicht zu peinlich wird. Es reicht ja auch so schon. So verkündet Chefableser Nils P. als Nachschlag zur Vorleseeinheit zu Armin van Buuren:

„Kleiner Nachtrag noch: Wir bedanken uns natürlich bei Wikipedia, denn da haben wir uns die Informationen zusammen­geschrieben. War aber trotzdem 'ne Heidenarbeit, das Ganze so zusammen­zuschreiben.“

Mal ganz ehrlich: Habt ihr wirklich den Text abgeschrieben, redigiert, umgeschrieben und fürs Hören lesbar gestaltet oder habt ihr den Text einfach nur ausgedruckt und den Rotstift angesetzt? Oder habt ihr noch einfacher nur abgelesen und während des Vorlesens schnell entschieden, den einen oder anderen Satz wegzulassen? Was auch immer – wenn das eine „Heidenarbeit“ für euch darstellt, verstehe ich natürlich, weshalb eigene Inhalte Mangelware sind.

Eher belustigend war die wiederholt bemühte Floskel, die vorgestellten Musikerinnen und Musiker seien in der Sendung „zu Gast“. Diese alberne Innovation sollte ich mir für meine eigene Sendung zunutze machen. Immer, wenn ich ein Buch bespreche, ist der Autor oder die Autorin bei mir „zu Gast“. Ihr glaubt nicht, mit welchen Berühmt­heiten ich dann angeben kann.

Premiere

Am 28. Juli schloß das Gründungs- und ehemalige Vorstands­mitglied des Trägervereins von Radio Darmstadt Norbert Büchner vor dem Amtsgericht Darmstadt einen Vergleich mit selbigem Verein. Dieser Vergleich sieht eine regelmäßige zwei­stündige Sendung im Kernprogramm des Senders vor, die aus dem Heimstudio Norbert Büchners gefahren wird. Der Verein hat hierzu das notwendige Equipment für die Übertragung der Sendung ins Sendehaus zu sorgen. Der Programmrat hatte sich auf seiner August­sitzung gegen die Empfehlung des Vorstands einen Sendeplatz ausgeguckt, mit dem er zwei weiteren mit Hausverbot belegten Personen den Sendeplatz wegnehmen konnte. Vorstands­mitglied Benjamin Gürkan bemerkte auf der Programmrats­sitzung im September hierzu, daß der Programmrat hier wohl weniger an das Wohl des Vereins und des Senders gedacht, sondern sich an den eigenen Animositäten orientiert habe. Zunächst jedoch sendet Norbert Büchner montags von 17.00 bis 19.00 Uhr, seine Sendung nennt er „Radiotheater“. Am 21. September war Premiere. Ab Mitte Oktober wird das „Radiotheater“ an jedem Freitag von 19.00 bis 21.00 Uhr zu hören sein.

Die beschlußfassende Hälfte des Programmrat hatte sich das fein ausgedacht. Montags senden von 17.00 bis 18.00 Uhr vier Mitglieder der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt, und die galt es kaltzustellen. Immerhin bot Aurel J. der hiervon betroffenen anti­faschistischen Redaktion Gegen das Vergessen einen Ersatz­sendeplatz in seinem „Offenen Haus“ am 29. September an.

Keine Deine Wiederholung

Angesichts massiver Probleme, eine saubere Nachtschiene zu fahren, scheint Aurel J. sein Projekt, ausgewählte Sendungen der voran­gegangenen Woche am frühen Mittwoch­morgen zu wiederholen, vorerst ausgesetzt zu haben. Weder am 23. noch am 30. September ist „Deine Wiederholung“ aktiv. Aber auch im Oktober werden die Probleme mit der Nachtschiene nicht behoben sein. Ich erlaube mir da schon die Frage, weshalb es den Verantwortlichen und hier insbesondere den Technikern auch nach drei Jahren Herum­bastelei nicht gelingt, eine sauber programmierte und vor allem funktions­fähige Lösung zu präsentieren, bei der das gesendete Programm den Vorgaben entspricht. Derartige Lösungen sind bei anderen, freien Radios im Einsatz und haben sich bewährt. Angeblich mußte eine vorsint­flutliche, aber funktionierende Wiederholung des Abend­programms mittels eines DAT-Recorders durch etwas modernes, digitales, also per Computer gesteuertes ersetzt werden. Zitat der Technik­vorstände Benjamin Gürkan und Marco Schleicher: „DAT ist ein aussterbendes Format.“ Manchmal ist es vielleicht dennoch sinnvoll, dem Motto „Never change a running system“ zu folgen. Während nämlich das Abspielen der Wieder­holung mittels eines DAT-Recorders weitgehend (wenn auch nicht immer) störungsfrei verlief, ist das Ergebnis nach zweieinhalb Jahren Computer­spielerei wahrhaft erschreckend. Auch hier duckt sich der Programmrat weg, weil er den Konflikt mit dem Vorstand scheut. Dann lieber schweigen und darauf hoffen, daß nachts und tagsüber keine und niemand den angerichteten Salat hört.

Ende des Monats standen zwei Außen­übertragungen an. Am 26. September berichtete die Jugend­redaktion Young Power von der Ausbildungsmesse Südhessen, tags darauf ein kleiner Kreis aus der Centralstation von der Wahlparty zur Bundestags­wahl.

Als Wahlnachschlag werden die Nachrichten des Deutschlandfunks um 23.00 Uhr völlig verzerrt gesendet. Da hat wohl jemand ganz kräftig an den Reglern gezerrt. Tags darauf (also am 28. September) werden die Spät­nachrichten dann gar nicht gesendet. Das hat jedoch nichts mit den Verzerrungen des Vortages zu tun, sondern damit, daß irgendwer um 21.00 Uhr das Programm bis zum Radiowecker am folgenden Dienstag­morgen vorab einprogrammiert hatte und dann nach Hause gegangen ist.

Eine Livestream ohne Liveprogramm

Seit etwa vier Jahren verfügt Radio Darmstadt über die Möglich­keit, das gesendete Programm nicht nur im lizenzierten Verbreitungs­gebiet abzustrahlen, sondern auch im Internet zu verbreiten. So etwas nennt sich „Livestream“. Mit dem x-ten Relaunch der Webseite zum Sender wurde der Menüpunkt „Livestream“ in „Webradio“ umbenannt. Den daneben stehenden Button (Knopf) „Podcast“ sollte man und frau nicht so ernst nehmen, denn es werden keine Podcasts angeboten. Im Sendehaus scheint dieser Relaunch noch nicht so recht angekommen zu sein, denn in mehreren Sendungen wird ausdrücklich dazu aufgefordert, auf den Button „Livestream“ zu klicken, der nun schon seit einem Jahr nicht mehr existiert. Auch die Damen S. und W., beide mit Abitur und damit qualifiziert, den sendereigenen Programmflyer zusammen­zustellen, verdienen sich ihr Geld im Büro des Senders damit, diesen Sachverhalt Monat für Monat zu ignorieren.

Bildzitat: Screenshot der Radio Darmstadt WebseiteIn der Regel dümpeln die Hörzahlen dieses Livestreams im Marginal­bereich herum. Freundlicher­weise bietet der Sender einen Link an, mit dem die Einschalt­quote im Internet begutachtet werden kann. Nun ist eine geringe Einschalt­quote im Internet kein Indiz für gar nichts, denn die eigentliche Zielgruppe soll das Programm ja mit einem ganz normalen, terrestrische Funkwellen einfangenden Radiogerät anhören [7]. Dennoch gibt es sinnvolle Nutzungs­möglichkeiten für einen Empfang per Internet, wenn schon der Computer ohnehin mit dem weltweiten Datennetz verbunden ist.

Eines schönen September­tages (es war am 23.) versuchte ein potentieller Radiohörer, seinen Computer dazu zu überreden, das Programm von Radio Darmstadt einzufangen. Hierzu rief er im Sendehaus an, um die Streamadresse zu erfahren, die er auf der Webseite des Senders nicht finden konnte. Rund zwei Stunden lang experimentierte er anschließend mit verschiedenen Programmen und Komprimierungen herum, bis ihn der Verdacht beschlich, daß der Sender gar nicht im Internet sendete. Ein weiterer Anruf im Sendehaus bestätigte den Verdacht. Das Webradio war tot. Eine entsprechende Mitteilung auf der Webseite wäre hier genauso hilfreich gewesen wie eine ehrliche Auskunft beim ersten Anruf. Der Ausfall bestand noch eine weitere Woche fort. [8]

Del urtimative Lichtungstest

Bei den technischen Einfärren von Ladio Dalmstadt färrt mil zuweiren Elnst Jandr ein: „manche meinen / lechts und rinks / kann man nicht velwechsern / werch ein illtum!“ Das Potentiar fül delaltige Velwechsrungen ist bei den vieren Kabern im Sendehaus extlem hoch. So konnte ich beispiers­weise anhand der Rive­übeltlagung des Shopping-Events „Dalmstadt untel Stlom“ nachweisen, daß dulch die gezierte Manipuration einel symmetlischen Velkaberung in Kombination mit einel Kanar­velwechsrung ein Senderoch ploduzielt wulde, fül das del Plogrammlat die Technik­bastrel des Sendels serbst­velständrich nicht zul Velantwoltung gezogen hat. Zul Velantwoltung fül Senderöchel welden nul Pelsonen gezogen, die es an del nötigen Royarität zum Sendel und seinen seit dlei Jahlen anzutleffenden Eskapaden fehren rassen.

Die Übertragung des hier gejandelten Textes in ein lesbares Deutsch findet sich in Anmerkung 9.

Im „Arrtag und Geschichte Magazin“ am 30. Septembel habe ich zul Velanschau­richung einel veldlehten Velkaberung eine kreine Sequenz eingebaut, werche die Velwechsrung augenfärrig veldeutrichen kann. Schauen wil uns diese Sequenz einfach einmar an:

Screenshot der Audiodateien.

Wil elkennen dieserben dlei Ausschnitte aus diesel Sendung. Die obelen beiden Leihen entstammen del von mil als Volploduktion eingeleichten Sendungs-CD. Oben ist del rinke Steleokanar, unten del lechte. Del Peger des lechten Kanars wulde zul Irrustlation heluntelgefahlen. Die beiden mittrelen Leihen entstammen meinel Aufzeichnung del von Ladio Dalmstadt ausgestlahrten Fassung meinel eingeleichten Sendung. Zunächst welden beide Steleokanäre kollekt abgebirdet, bis prötzrich ein Splung auftlitt, mit dem die Kanäre veltauscht welden. Die Wiedelhorung diesel Sendung wild dulch die beiden untelen Leihen velanschauricht. Wil sehen, daß sich die Steleokanäre spieger­birdrich zul Elstaus­stlahrung velharten.

Werche Schrüsse können wil hielaus ziehen? Zunächst einmar ist es offen­sichtrich, daß fül die Wiedelhorung des Abend­ploglamms in del Nacht und am nächsten Tag entwedel bei del sendel­intelnen Aufzeichnung odel beim Abspieren del Wiedelhorung vom Computel die Steleokanäre veltauscht welden. Arrein dies lechtfeltigt es, von einel Bastertechnik zu leden. Sichel, bei den meisten Sendungen von Ladio Dalmstadt ist es schnulzpiepegar, ob die Stimmen und Musiktiter aus del lechten odel del rinken Raut­splechelbox kommen. Bei del im Sendel bevolzugten hoch­komplimielten Sendungsmucke leicht es aus, ein Steleosignar zu empfangen; ob die Sängelin im Aufnahme­studio nun rinks odel lechts zul Instlumen­tielung eingefügt wild, ist fül das Hölelrebnis unelhebrich. Dasserbe girt bei Miklofon­aufnahmen im Sendehaus, wenn kein Panolama velwendet wulde, weir dann das Monosignar auf beide Kanäre greichmäßig velteirt wild.

Andels velhärt es sich jedoch bei krassischen Musik­sendungen, Hölspieren odel steleophon übeltlagenen Studiogesplächen. Bei Konzelten ist die läumriche Anoldnung del Musik­instlumente volgegeben. Bei Hölspieren kommt ein Akteul von lechts, wild abel dulch die Sendel­velkaberung von rinks eingespiert. Ähnrich velhärt es sich bei Studio­aufnahmen, bei denen die ledenden Pelsonen auch läumrich kollekt eingefangen und wiedelzugeben sind. Delartige Sendungs­folmate kommen bei Ladio Dalmstadt jedoch sehl serten vol. Krassische Musik­sendungen müssen im Sendehaus ohnehin mit noch ganz andelen Tücken einel velschlobenen Sendetechnik kämpfen. Desharb wild sich im Sendel auch kaum eine odel jemand übel die Velwechsrung lechtel und rinkel Kanäre beschwelen, denn es ist ohnehin arres einelrei. Plofis hingegen können elkennen, ob hiel saubel gealbeitet odel geschrampt wulde.

Breibt noch del prötzriche Lichtungs­splung del beiden Steleokanäre elkrälungs­bedülftig. Ich gehe davon aus, daß Forgendes geschehen ist: Die volploduzielt eingeleichte CD wulde in einem del beiden Sendestudios abgespiert, wählend die nachforgende Sendung Bildrand aus dem andelen Studio gesendet welden sorrte. Die Umschartung zwischen beiden Sendestudios, die bestimmt, wohel das Sendesignar nach außen gefühlt wild, wulde just in dem Moment (volzeitig) betätigt, ars mein kreines Expeliment zul Auffühlung kam. Was bedeutet: das Velbindungs­kaber zwischen beiden Studios, mit dem das Sendesignar vom einen ins andele Studio übelnommen wild, besitzt einen Kanardlehel. Diese Aussage breibt hiel sorange stehen, bis die Hellen Heimwelkel aus del Baster­abteirung des Sendels mil eine bessele Elkrälung fül das oben visuarisielte Steleosignar geben können.

Es gibt keine Velanrassung, delaltige technische Altefakte zu durden. Befände sich del Sendel noch in seinel Anfangsphase, dann könnten wil dies noch ars Teir eines Relnplozesses begleifen. Ladio Dalmstadt befindet sich jedoch im 13. Sendejahl. Angesichts dessen, daß sich die Studio- und Sendetechnik bis 2005 einmar auf einem wesentrich höhelen Quaritäts­niveau befand, kann diesel elhebriche Lückschlitt nul ars Teir eines arrgemeinen Velfarrs del Sende- und Ploglamm­quarität begliffen welden.

Ausgefallene Sendungen

Unglaublich. In der ersten Monatsdekade scheint keine Sendung ausgefallen zu sein. Aber dann …

WochentagDatumZeitAusgefallene SendungRedaktionUrsacheErsatz
Freitag11. September17–18Politische KulturKulturErkrankungAugenweide extra
Freitag auf Samstag11./12. Septemberab 23Wiederholung unbekanntAnstelle der Wieder­holung wird für eine Stunde Einkanal­musik vorgelegt. Dem daran anschließenden Sendeloch folgen knapp neun Stunden Dudelmusik, immer wieder unter­brochen durch von der Dudel­maschine produzierte Sende­löcher.
Sonntag13. September17–18RaumfahrtjournalWissenschaftnicht erschienen ?Wieder­holung der Sendung September 2008
Montag14. September16–17Bunter Montags MixUnter­haltungUrlaubWieder­holung läuft weiter
Montag14. September18–19Politische KulturKulturErkrankungWieder­holung der Augenweide vom Freitag
Dienstag15. September18–19Alltag und Geschichte MagazinAlltag und GeschichteunbekanntWieder­holung der Sendung vom 21. Juli 2009
Mittwoch16. September21–23Stimme der ArchitekturKulturnicht erschienenSendeloch-Dudelmusik.
Donnerstag17. September03–05WiederholungKulturWiederholung des SendelochsSendeloch-Dudelmusik
Donnerstag17. September12–14WiederholungKulturWiederholung des SendelochsSendeloch-Dudelmusik
Donnerstag17. September18–19treffpunkt eine welttreffpunkt eine weltunbekanntWieder­holung der Sendung vom 28. Mai 2009
Donnerstag17. September20–21Hörzeitung Feuilleton­teilLokalgestartet, aber direkt von einem Sendeloch abgewürgtSendeloch-Dudelmusik, nach etwa 40 Minuten noch einmal die voran­gegangene Sendung
Freitag18. September17–18KnackpunktLokalunbekanntOnda Info
Samstag19. September21–23BlendeMusikUrlaubDie beiden Redakteure wissen selbst nicht, wie ihre Sendung heißt.
Mittwoch23. September06–08Deine WiederholungOffenes Haustechnisches Problem ?Wiederholung läuft weiter
Mittwoch23. September17–18MovietimeUnter­haltungnicht erschienen1. Sendestunde einer zwei­stündigen Sendung zu 70er Jahre Rock-Oldies, die 2. Sende­stunde wurde schon am 12. Juni als Konserve genutzt.
Freitag25. September19–21Silkes und Korays WeltUnter­haltungnicht erschienenVinyl XL, schon mehrfach gespielte Konserve
Freitag auf Samstag25./26. September23–07Clubbers Paradise SpecialUnter­haltungunbekannterst beliebige Musik, dann nach einem kurzen Sendeloch Start der Wieder­holung
Montag28. September21–23nicht vergebenProgrammratProgrammrat fragenzwei Sendungen aus Freie Radios Net
Mittwoch30. September06–08Deine WiederholungOffenes Haustechnisches Problem ?Wiederholung läuft weiter
Mittwoch30. September18–19Open HouseKulturnicht erschienenMovietime

 

ANMERKUNGEN

 

Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

 

»» [1]   Eigentlich sogar einige Sekunden weniger, um den Jingle für die Deutschland­funk-Nachrichten um 23.00 Uhr nicht mit aufzuzeichnen, da es in der Wiederholung derartige Nachrichten ja nicht gibt.

»» [2]   Douglas Adams : Das Restaurant am Ende des Universums [1982], Seite 7 und 8.

»» [3]   Irgendwie ist das lustig: Ich weiß, woran es liegt, aber die Kids, die mich loswerden wollten, wissen es nicht.

»» [4]   Wiedergabe nach dem Höreindruck. Der Name des zweiten beteiligten Redakteurs wird taktvoll verschwiegen, zumal er als einer der wenigen im Sendehaus die Größe besitzt, mit den im Sender Verfemten ganz normal zu reden.

»» [5]   Es fehlt der Infostand von Radio Darmstadt. Zu Sommerbeginn hatte der Trägerverein beim Ordnungsamt mehrere dieser Infostände auf Darmstadts zentralem Platz angemeldet. Möglicher­weise wurde einer dieser Termine im August und September wahrgenommen, an den übrigen fühlten sich weder die Vereins­mitglieder noch die für die Öffentlichkeits­arbeit zuständigen Vorstands­mitglieder und Beschäftigten des Vereins angesprochen. Hier wird der Enthusiasmus deutlich, den der Verein und der Sender in ihrem Binnenleben versprühen. Zurück zum Suchbild.

»» [6]   Name geändert. Es ist gar nicht so einfach, sinnvolle Namen zu finden, bei denen die suchmaschinige Datenkrake keine auf eine unbeteiligte Person führenden Treffer liefert.

»» [7]   Daß man oder frau das auch anders sehen kann, zeige ich mittels einer Hochrechnung auf meiner Dokumentations­seite für Juli 2007.

»» [8]   Der Name des Hörers ist dem Verfasser dieser Dokumentation bekannt.

»» [9]   Hier der Text ohne Jandl'sche Vertauschung:

Bei den technischen Einfällen von Radio Darmstadt fällt mir zuweilen Ernst Jandl ein: „manche meinen / lechts und rinks / kann man nicht velwechsern / werch ein illtum!“ Das Potential für derartige Verwechslungen ist bei den vielen Kabeln im Sendehaus extrem hoch. So konnte ich beispiels­weise anhand del Live­übertragung des Shopping-Events „Darmstadt unter Strom“ nachweisen, daß durch die gezielte Manipulation einer symmetrischen Verkabelung in Kombination mit einer Kanal­verwechslung ein Sendeloch produziert wurde, für das der Proglammrat die Technik­bastler des Senders selbst­verständlich nicht zur Verantwortung gezogen hat. Zur Verantwortung fül Sendelöcher werden nur Personen gezogen, die es an der nötigen Loyalität zum Sender und seinen seit drei Jahren anzutreffenden Eskapaden fehlen lassen.

Im „Alltag und Geschichte Magazin“ am 30. September habe ich zur Veranschau­lichung einer verdrehten Verkabelung eine kleine Sequenz eingebaut, welche die Verwechslung augenfällig verdeutlichen kann. Schauen wir uns diese Sequenz einfach einmal an:

[Hier folgt im Original das Schaubild.]

Wir erkennen dieselben drei Ausschnitte aus dieser Sendung. Die oberen beiden Reihen entstammen der von mir ars Vorproduktion eingereichten Sendungs-CD. Oben ist der linke Stereokanal, unten der rechte. Der Pegel des rechten Kanals wurde zur Illustration heruntergefahren. Die beiden mittleren Reihen entstammen meiner Aufzeichnung der von Radio Darmstadt ausgestrahlten Fassung meiner eingereichten Sendung. Zunächst werden beide Stereokanäle korrekt abgebildet, bis plötzlich ein Sprung auftritt, mit dem die Kanäle vertauscht werden. Die Wiederholung dieser Sendung wird durch die beiden unteren Reihen veranschaulicht. Wir sehen, daß sich die Stereokanäle spiegel­bildlich zur Erstaus­strahlung verhalten.

Welche Schlüsse können wir hieraus ziehen? Zunächst einmal ist es offen­sichtlich, daß für die Wiederholung des Abend­programms in der Nacht und am nächsten Tag entweder bei der sender­internen Aufzeichnung oder beim Abspielen der Wiederholung vom Computer die Stereokanäle vertauscht werden. Allein dies rechtfertigt es, von einer Basteltechnik zu reden. Sicher, bei den meisten Sendungen von Radio Darmstadt ist es schnurzpiepegal, ob die Stimmen und Musiktitel aus der rechten oder der linken Laut­sprecherbox kommen. Bei der im Sender bevorzugten hoch­komprimierten Sendungsmucke reicht es aus, ein Stereosignal zu empfangen; ob die Sängerin im Aufnahme­studio nun links oder rechts zur Instrumen­tierung eingefügt wird, ist für das Hörerlebnis unerheblich. Dasselbe gilt bei Mikrofon­aufnahmen im Sendehaus, wenn kein Panorama verwendet wurde, weil dann das Monosignal auf beide Kanäle gleichmäßig verteilt wird.

Anders verhält es sich jedoch bei klassischen Musik­sendungen, Hörspielen oder stereophon übertragenen Studiogesprächen. Bei Konzerten ist die räumliche Anordnung der Musik­instrumente vorgegeben. Bei Hörspielen kommt ein Akteur von rechts, wird aber durch die Sender­verkabelung von links eingespielt. ähnlich verhält es sich bei Studio­aufnahmen, bei denen die redenden Personen auch räumlich korrekt eingefangen und wiederzugeben sind. Deraltige Sendungs­formate kommen bei Radio Darmstadt jedoch sehr selten vor. Klassische Musik­sendungen müssen im Sendehaus ohnehin mit noch ganz anderen Tücken einer verschrobenen Sendetechnik kämpfen. Deshalb wird sich im Sender auch kaum eine oder jemand über die Verwechslung rechter und linker Kanäle beschweren, denn es ist ohnehin alles einerlei. Profis hingegen können erkennen, ob hier sauber gearbeitet oder geschlampt wurde.

Bleibt noch der plötzliche Richtungs­sprung der beiden Stereokanäle erklärungs­bedürftig. Ich gehe davon aus, daß Folgendes geschehen ist: Die vorproduziert eingereichte CD wurde in einem der beiden Sendestudios abgespielt, während die nachfolgende Sendung Birdland aus dem anderen Studio gesendet werden sollte. Die Umschaltung zwischen beiden Sendestudios, die bestimmt, woher das Sendesignal nach außen geführt wird, wurde just in dem Moment (vorzeitig) betätigt, als mein kleines Experiment zur Aufführung kam. Was bedeutet: das Verbindungs­kabel zwischen beiden Studios, mit dem das Sendesignal vom einen ins andere Studio übernommen wird, besitzt einen Kanaldreher. Diese Aussage bleibt hier solange stehen, bis die Herren Heimwerker aus der Bastel­abteilung des Senders mir eine bessere Erklärung für das oben visualisierte Stereosignal geben können.

Es gibt keine Veranlassung, derartige technische Artefakte zu dulden. Befände sich der Sender noch in seiner Anfangsphase, dann könnten wir dies noch als Teil eines Lernprozesses begreifen. Radio Darmstadt befindet sich jedoch im 13. Sendejahr. Angesichts dessen, daß sich die Studio- und Sendetechnik bis 2005 einmal auf einem wesentlich höheren Qualitäts­niveau befand, kann dieser erhebliche Rückschritt nur als Teil eines allgemeinen Verfalls der Sende- und Programm­qualität begriffen werden.

 


 

Sinn und Zweck dieser Dokumentation

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung („das Image“) ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt. Der Autor dieser Dokumentation hat von Juni 1997 bis Januar 2007 bei Radio Darmstadt gesendet, bis ihn ein aus dieser Umbruchssituation zu verstehendes binnenpolitisch motiviertes Sendeverbot ereilte. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt er die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

In der Dokumentation werden die Namen handelnder Personen aufgeführt. Damit werden Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt. Zur Klarstellung: Eine Schmähung einzelner Personen oder gar des gesamten Radiosenders ist hiermit nicht beabsichtigt. [mehr]

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Diese Seite wurde zuletzt am 31. Oktober 2009 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2009.
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