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Titelfoto Oktober 2009
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Radio Darmstadt

Radiotheater zwischen Deutschlandfunk und Retro-Wiederholung

Oktober 2009
Dokumentation

 

Zum Sinn und Zweck dieser Dokumentation.

Zusammenfassung

Der Monat beginnt mit einem Knaller. Radio Darmstadt setzt ein Thema, und keine und niemand hat's gemerkt. Gut, daß wenigstens die Öffentlichkeits­arbeit des Senders funktioniert. Am 10. Oktober war ein Infostand auf dem Luisenplatz angemeldet, aber keine und niemand hat ihn gesehen. Die Webseite erscheint auch leicht angestaubt, aber dafür war Darmstadts Lokalradio wenigstens beim „Tag der Vereine“ zu sehen und zu hören. Auch in diesem Monat prescht der Sender mit neuen, innovativen Features voran. Diesmal ist es die Retro-Wiederholung aus der Konserven­abteilung. Ein Radiotheater gibt es auch, obwohl es sich zuweilen durch energische Anrufe im Sendehaus bemerkbar machen muß. Dazu paßt, daß manche Wiederholungs­sendung um drei Minuten gekürzt wird und die Nachrichten eines Kooperations­partners auch dann zu hören sind, wenn sie nicht erschallen sollen. Nichts Aufregendes also, und dennoch manch Überflüssiges.

Die Anspielungen dieser Zusammen­fassung werden im Text erklärt. – Der zuweilen etwas sarkastische Unterton richtet sich nicht gegen bestimmte Personen, sondern Zustände. Für diese Zustände sind zwar bestimmte Personen verantwortlich zu machen, aber im Grunde genommen handelt es sich um ein strukturelles Problem, bei dem die konkreten Personen keine entscheidende Rolle spielen.

 


 

Radio Darmstadt setzt ein Thema

So jedenfalls titelt die Webseite von Radio Darmstadt am 23. September: „RadaR setzt Thema“. Was ist geschehen? Nun, Anfang September befand sich auf dem Programmflyer des Senders die Ankündigung eines Thementages zu „Emanzipation der Frauen – und Männer?“. Der Verfasser dieser Meldung, ein gewisser Aurel J., argumentiert mit folgenden „Tatsachen“: „Focus-Chef Helmut Markwort gilt als Darmstädter, jedenfalls rühmt sich diese Stadt damit.“ Issers nun oder issers nicht? [1] Egal, weiter: Am 14. September, zwei Wochen nach Erscheinen des Flyers, habe der Focus Im Zweifel gegen den Mann getitelt; 14 Tage Vorbereitungs­zeit hätten zur Kenntnisnahme und Übernahme des den Thementag ankündigenden Flyertextes ausgereicht. Dann hat Aurel J. den Verein MANNdat angemailt und festgestellt, daß dessen Argumentation der des Focus ähnele. Woraus unser Redakteur messerscharf schließt:

„Das alles ist zwar kein Beweis dafür, daß Radio Darmstadt damit ein bundesweites Thema gesetzt hat, es liegt aber schon ziemlich nahe!“

Diese Argumentationslogik ist einfach bestechend. Nehmen wir uns daran ein Beispiel: In China wird ein neuer Siebenjahresplan verkündet. Ein nach Deutschland migrierter Kongolese will die Verkündung des Plans über Satellit gesehen haben, jedenfalls behauptet er das. Die Chinesen haben nun ein Jahr Zeit, mehr Reis zu produzieren. Eine deutsche Frau hat mit ihrer Freundin gemailt und festgestellt, daß chinesischer Reis gut schmeckt. Also ißt unser Kongolese nächstes Jahr gerne Reis.

Zugegeben, das Beispiel ist hanebüchen, „aber es liegt nahe“, zumindest „ziemlich“. Doch mein Beispiel ist nicht hanebüchener als das angeblich von Radio Darmstadt „gesetzte Thema“. Denn der Focus ist nicht der Nabel der Welt, und die restliche Medien­landschaft schert sich weder um das Focus-Thema noch um den themen­setzenden Redakteur aus der Sendeetage am Steubenplatz. Aber solch ein Mumpitz wird brühwarm auf der sendereigenen Webseite verbreitet. Dies wäre in der Tat ein Thema für überregionale Medien, die dann danach fragen müßten, weshalb ein solch einen Käse produzierendes Lokalradio eigentlich eine Sendelizenz erhalten hat. Da solch ein Käse in der deutschen Medien­landschaft jedoch häufiger vorkommt, fragt auch keine und niemand so genau nach. Jedenfalls nicht Helmut Markwort und sein Focus, der, wenn er den Quatsch gelesen hätte, vermutlich schallend laut lachend sein Darmstädter Küchenradio aus dem Fenster geworfen hätte.

Am 1. Oktober war es dann ganz ohne den Focus so weit. Der „Thementag“ behandelte die Emanzipation und fehlende Gleich­berechtigung aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Sogar ein Teil der ehemaligen Frauenredaktion FriDa ließ sich reanimieren und steuerte sein (eigentlich: ihr) Scherflein zu Aurel J.s Frage nach, ob zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht eigentlich die Männer die Benachteiligten sind. Dieses großartige Ereignis verpuffte sogleich und ist nicht mehr nachzu­vollziehen denn die Webseite des Senders verweigert uns den Zugriff auf sein Informationsarchiv. (Mehr dazu weiter unten.)

Bemerkenswert an diesem Thementag war das Chaos, das der Redakteur, der sich derzeit im Sendehaus unentbehrlich zu machen versucht, anschließend angerichtet hat. Nun ist der grünlichen Programmvorschau für die Nacht zum und am Tag des 2. Oktober nicht ganz über den Weg zu trauen, weil die Angaben für die angegebene Sendezeiten zuweilen unlogisch, aber immerhin vom Ablauf her stimmig sind. Demnach hätte das Programm nach einer „Sex 2.0“-Nachtsendung (mit Pro Familia, nicht was ihr vielleicht denkt) ab etwa 2.00 Uhr so fortgesetzt werden müssen:

Hörzeitung Nachrichtenteil  *  treffpunkt eine welt  *  Hamawass  *  HerrMann  *  FriDa  *  Staatsbürgerinnen  *  Hörzeitung Nachrichtenteil    usw.

Tatsächlich lautete die Reihenfolge jedoch:

HerrMann  *  FriDa  *  Hörzeitung Kulturteil  *  Sex 2.0  *  HerrMann (nach vier Minuten abgebrochen)  *  FriDa  *  treffpunkt eine welt  *  Hamawass  *  HerrMann  *  Hörzeitung Kulturteil  *  Staatsbürgerinnen  *  Hörzeitung Nachrichtenteil  *  treffpunkt eine welt  *  Hamawass

Nun mag die genaue Reihenfolge und ihre zeitliche Zuordnung im morgendlichen Wiederholungs­programm nicht so wichtig sein. Weshalb der Programmflyer dann hierzu eigentlich Angaben macht, muß keine und niemand so wirklich verstehen. Vielleicht handelt es sich um Platzhalter, um Sinnlosigkeit zu kaschieren. Aber wir erhalten einen Vorgeschmack auf das Chaos, das uns in diesem Monat als Wiederholung des Vorabend­programms erwartet.

Das wohltemperierte Wiederholungschaos

Auffällig häufig befindet sich in diesem Monat das wiederholte Vorabend­programm im Widerspruch zu den Vorgaben des Programmflyers oder, wo dieser irrt, zur Logik des üblicherweise gesendeten Programms. Im Grunde genommen ist es ja ganz einfach: wiederholt wird die Programmstrecke von 17.00 bis 23.00 Uhr, wobei die letzte Viertelminute auzublenden ist. In dieser Viertelminute sollte der Jingle zur Ankündigung der Nachrichten des Deutschlandfunk eingespielt werden; und diesen Jingle zu wiederholen, ist in der Wiederholungs­strecke natürlich sinnlos.

Das Ausmaß des als Wiederholung intendierten Chaos soll die nachfolgende Tabelle verdeutlichen. Weitere Informationen zu besonders chaotischen Sendeabläufen werden im Verlauf des weiteren Textes das hier gezeigte Bild abrunden. Die grünen Felder zeigen eine „normale“ Wiederholung, wobei (von mir) ein Versatz um zehn Minuten toleriert wird. Rote Felder verweisen auf irreguläre Programmstrecken. Felder in einem beige-gelben Ton finden Verwendung an Nächten bzw. Tagen ohne Wiederholung.

nachts12345678910111213141516
tagsüber12345678910111213141516
nachts171819202122232425262728293031
tagsüber171819202122232425262728293031

Rot markiert werden grundsätzlich Programmstrecken, die nicht „sauber“ abgespielt werden. Dies schließt durch den Computer auf 57 Minuten abgekürzte Sendestunden genauso ein wie vertraglich untersagte Nachrichten im Wiederholungs­programm.

Im Stau

Am 8. Oktober hören wir mit Verwunderung ab 17.00 Uhr die 1355. Ausgabe der Hörzeitung; das ist die Ausgabe vom 28. September. Eine halbe Stunde später erscheint ein gehetzt wirkender Redakteur der Lokalredaktion, um die richtige Ausgabe, nämlich die vom 5. Oktober, einzuzlegen. Er habe im Stau gestanden, so seine Aussage. Nun kann das ja alles passieren und ist einem nicht­kommerziellen Lokalradio auf ehrenamtlicher Basis auch angemessen. Aber weshalb lag, wie in anderen Fällen, die aktuelle Ausgabe der Hörzeitung nicht schon im Sendehaus vor? Schließlich gibt es freundliche Bürokräfte, die dafür bezahlt werden, die redaktionelle Arbeit der Lokalredaktion abzudecken; ein Privileg, das die Redaktion sich still­schweigend durch das Vorstandamt eines ihrer Redaktions­mitglieder erworben hat.

Gedankenlos, ein Brummen und kein Stand

Am 9. Oktober sagt Kulturredakteur Rüdiger G. um 18.00 Uhr die nachfolgende Sendung an: „der KultTourKalender mit, ich glaube, Petra S.“ Selbige ist jedoch gar nicht im Sendehaus zugegen und vorbereitet hat sich zur Übernahme der Sendung ihr Redaktions­kollege Michael S. – Nun ist das Sendehaus nicht so groß, daß man den Überblick verlieren kann, so daß ich doch die Frage stellen muß, ob sich Petra S. und Michael S. derart ähnlich sehen, daß Rüdiger G., der beide seit Jahren kennt und auseinander halten kann, an dieser Aufgabe scheitert. Wir lernen hieraus: Vorherige Kommunikation ist auch im Journalismus eine sinnvolle Vorgehensweise.

In der Nacht zum 10. Oktober wollen wir gegen 23.00 Uhr den Nachrichten des Kooperationspartners Deutschlandfunk lauschen, doch diese verlassen nicht das Sendehaus. Statt dessen gibt es ein merkwürdiges Brummen und anschließend rund 75 Minuten lang irgendwelche Musik auf die Ohren, bevor kurz nach Mitternacht die Wiederholung dann doch noch gestartet wird. Wem es auch immer gelungen sein mag, das Programm des Vorabends in irgendein Ablaufscript zu stecken, hat vergessen, daß die Wiederholung solange zu laufen hat, bis das Liveprogramm am Samstagmorgen beginnt [2]. So gibt es um 6.18 Uhr ein Sendeloch, das 163 Minuten lang anhält. Die Sendeloch-Erkennung versagt ihren Dienst. Wir fragen besser nicht, wie die Techniker des Senders das schon wieder hinbekommen haben …

Sendesignal von Radio DarmstadtMein Sendesignal des Monats mag nicht spektakulär sein, verrät jedoch eine eigenwillige Interpretation eines Stereosignals. Üblicherweise sollten der linke und der rechte Kanal in etwa gleich ausgesteuert sein. Dies ist am linken Rand des Bildes auch so zu erkennen. Dann jedoch setzt ein Musiktitel ein, der recht eigenartig links „hängt“. In der Tat wird der linke Kanal nur mit halber Lautstärke (oder noch weniger) ausgestrahlt. Nach Ende des Musiktitels wird wieder gesprochen (rechter Rand des Bildes), und der Hänger liegt nur noch in einer Größenordnung von 3 bis 5 dB. Später im Programm gibt es dann auch wieder verstärkt Musik und auch einen deutlicheren Pegelabstand zwischen den beiden Stereokanälen. Dieses Phänomen trat im Oktober mehrfach auf – und es liegt nicht am verwendeten Musik- und Tonmaterial, sondern an den mißglückten Einstellungen der Studio- und Sendetechnik.

Für den 10. und 24. Oktober wurden auf dem Luisenplatz zwei Infostände angemeldet. Die Begeisterung, den Sender in die Öffentlichkeit zu tragen, war riesengroß (Vorsicht, Ironie!). Zugegeben, das Schmuddelwetter am 10. Oktober war nicht dazu angetan, einen Stand aufzubauen und bunte Programmflyer zu verteilen. Aber wer sein Radio liebt, bringt diesen Einsatz doch gerne. Doch, siehe das Eingangsbild rechts oben: Pustekuchen! Zwei Wochen später schien hingegen die Sonne. Gesehen ward dennoch keine und niemand. Blicken wir kurz zurück: im Sommer wurde die Parole ausgegeben, das Image des Senders nach außen zu tragen und durch sichtbares Engagement neue Hörerinnen und Hörer zu gewinnen. Für mehrere Samstage wurde ein solcher Stand angemeldet. Nur mal so eine Frage: war überhaupt irgendwann einmal ein solcher Stand auf dem Luisenplatz zu sehen gewesen? Wo sind denn all die Mitglieder, von denen es 2006 so großsprecherisch geheißen hat, sie würden aktiv werden, wenn der neue, frische Wind durchs Sendehaus bläst und manche alten Mitglieder aus selbigem herausweht?

Deutschlandfunk in der Schleife

Der Kooperationsvertrag von Radio Darmstadt mit dem Deutschlandradio sieht vor, daß die Nachrichten im Radiowecker, an manchen Nachmittagen und um 23.00 Uhr nur live gesendet werden dürfen. Wiederholungen bereits gesendeter Nachrichten wären ja auch sinnlos. Nicht so beim Kooperationspartner am Steubenplatz. Aus Gründen, die ich hier lieber nicht ausbreiten will, ist es der Technikgruppe des Senders gelungen, nicht nur die Gesamtlänge der Wiederholung von sechs Stunden um mehrere Minuten einzudampfen. Hinzu kommt, daß die Nachrichten unsinnigerweise aufgezeichnet und auch im Wiederholungs­programm wieder ausgestrahlt werden. Dieser Quatsch ist mir schon im September aufgefallen, und es ist nicht auszuschließen, daß er schon länger als Technikleiche mitgeschleppt wird. Peinlich hingegen finde ich, daß den Herren Technikern ihr eigenes Mißgeschick erst nach Wochen auffällt. Normalerweise testet man seine Basteleien, bevor man sie auf die Menschheit losläßt. Allein – in Zeiten, in denen die Käuferin eines Gerätes sich automatisch zur Betatesterin bestellt sieht, sind es nun die Hörerinnen und Hörer eines Senders, der angeblich Qualität verbreiten will, die sich diesen Unfug antun müssen.

Ganz bunt treibt es der Sender in der Nacht vom 15. zum 16. Oktober. Nach Ende der Musiksendung 12 Zoll hören wir zunächst ein kurzes Sendeloch, bevor wir zehn Stunden lang mit dem Programm des Deutschlandfunks verwöhnt werden. Vermutlich waren die Redakteure der Musiksendung nicht in der Lage, die Computer im Sendehaus zum Abspielen irgendeiner Wiederholung zu reanimieren. Tja, so ist das eben, wenn man auf digitale Maschinen setzt und über kein funktionierendes Backup-System verfügt!

 

Der folgende Abschnitt behandelt schwerpunkt­mäßig die Webseite von Radio Darmstadt. Dieser Abschnitt kann übersprungen werden.

Das Jubiläum

Vor ziemlich genau einem Jahr haben die Spielkinder am Steubenplatz ihr neuestes Spielzeug online gestellt. Der soundsovielte Relaunch der Webseite von Radio Darmstadt (seit Ende 2006) sprengte alle Maßstäbe. Nun ist das Content Management System Typo3 für ein kleines nicht­kommerzielles Lokalradio wahrlich oversized. Aber das macht nix! Wo sonst kann man (nicht frau) kostenlos und ohne kommerziellen Druck ein so mächtiges Werkzeug ausprobieren? Ich gebe zu, ich spotte. Allerdings enthält mein Spott mehr als nur das kleine Körnchen Salz an Wahrheit. Webseitendesign will halt gelernt sein. Ich will nicht behaupten, daß diesbezüglich die meine state of the art ist, aber derartige wie die im Folgenden geschilderten Ungereimt­heiten finden sich auf meiner Webseite nicht. Von 2003 bis 2006 hatte ich zudem die Webseite von Radio Darmstadt betreut. Auch hier fanden sich solche Ungereimt­heiten nicht. Wir können daraus ersehen, daß mancher Relaunch eher auf eine Verschlimm­besserung hinausläuft.

Die Denker und technischen Lenker des Vereins dachten sich, wenn sie ihre Webseite mit Typo3 gestalten, dann werden die bei Radio Darmstadt Sendenden ganz selbst­verständlich ihre eigenen Inhalte editieren und hochladen, so daß auf der Webseite ein buntes, fröhliches und inhaltsreiches Miteinander vermittelt wird. Nach einem Jahr ist festzuhalten: der Inhalt dieser Webseite ist eher traurig; und das spiegelt womöglich den Zustand des Senders wider. Nun hätte ich den Herren Technikern, die meinen, soziale Interaktion durch Technik ersetzen zu können, ihr Scheitern vorhersagen können. Schon zu meiner Zeit als Vorstand für Öffentlichkeits­arbeit (2004 bis 2007) war es schwierig, den content für die Webseite zusammen­zugetragen. Ich habe mich jedoch nicht auf die sendenden Vereins­mitglieder verlassen, sondern offensiv nach allem gesucht, was es wert war, auf die Webseite des Senders gesetzt zu werden, und das war damals eine ganze Menge. Heraus kam eine umfangreiche, informative und vor allem lesenswerte Webseite, die einen großen Nachteil besaß: sie blinkerte nicht mit vielen bunten Bildchen. Diese Webseite war natürlich seriös, sprich: altmodisch, und entsprach so gar nicht dem Trend nach Eyecatchern und Hypes.

Betrachten wir die Webseite mit Stand Oktober 2009 einmal im Detail. Es gibt Unterseiten zur Vereins­struktur, zu den Redaktionen und Sendungen. Daß hier seit Einführung der Webseite mehrere Sendungen fehlen, scheint keine und niemanden zu stören. Erstaunlicher ist hingegen der Mangel an sinnvoller Infomrationen ausgerechnet aus dem Kreise derer, die sich Typo3 als Universal­waffe gegen die Langeweile im Sendehaus gewünscht hatten. So heißt beispielsweise eine Unterseite mit der Eigenvorstellung Radio Darmstadt schafft Durchblick. Testen wir also das Schmuckstück auf seine Funktionalität.

Die Vermittlung von Medienkompetenz wird als eine große Stärke des Senders betrachtet:

„Medienkompetenz wird dabei nicht per se vermittelt. Medienkompetenz muss von jedem einzelnen und jeder einzelnen angeeignet werden.“

Wohl wahr! Das scheint jedoch insbesondere für die Spielkinder zu gelten, die den Sender betreiben, zum Beispiel das für die interne Aus- und Weiterbildung verantwortliche Vorstands­mitglied Benjamin Gürkan. Er wäre als erster gefordert, das digitale Spielzeug nicht nur einzurichten, sondern auch zu hegen und zu pflegen. Eine statische Webseite aufzubauen, ist eine Sache (und mit Typo3 sinnlos); sie am Leben zu erhalten, mit Inhalt zu füllen, sie gar topaktuell zu halten, eine vollkommen andere. Schauen wir also, was uns medienkompetent als aktuelles Ausbildungsangebot vorgestellt wird.

Bildzitat: Screenshot der Radio Darmstadt WebseiteOh je! Offensichtlich wurde im Zuge des x-ten Relaunchs vor einem Jahr ein einziges Mal ein Inhalt generiert, der nun für alle Ewigkeit sinn- und verstandlos vor sich hindöst. Wir lesen nämlich:

„Unsere aktuellen Angebote

Digitaler Schnitt

[…]

Datum     Samstag, 25.10 2008

Uhrzeit    10:00 - 19:00 Uhr“

Kaum vorstellbar, daß es im Sender seither ein ganzes Jahr lang keine einzige Weiter­bildung mehr gegeben hat! Tatsächlich gab es seither das eine oder andere Seminar. Selbstredend ist das Radio weit davon entfernt, die jährlich zwanzig oder gar noch mehr Seminare pro Jahr anzubieten, die es regelmäßig zwischen 2001 und 2005 gegeben hat. Fragt sich eher, wie viele Seminare stattgefunden haben, seit Benjamin Gürkan im Spätherbst 2005 diesen Vorstands­posten übernommen hat. Laßt mich raten: weniger als 20 – in vier Jahren? Nun, so sieht dann auch der entsprechende Eintrag auf der Hochglanz-Webseite aus.

Dabei ist das Motto des Senders doch: „Vorwärts und immer weiter!“. Wie kann man und frau nur so rückwärtsgewandt so olle Kamellen verewigen? Und was geht eigentlich weiter? Dieser Torso einer Webseite?

Der Versuch, sich diese wunderliche Unterseite abzuspeichern, führt zu einem Verarbeitungs­fehler. Offensichtlich hat der Programmierer all der wunderbaren Funktionen, welche das Content Management System der Webseite anbietet, noch keine Zeit gefunden, die grundlegenden basics der Webseite auch ordentlich einzubinden. Beim Versuch, ein PDF zu erzeugen, schreit uns nämlich in fetten Lettern folgender Text entgegen:

„Error while trying the pdfconversion
Maybe the gen_pdf.php script was not executed at all.“

Ehrlich gesagt, den Eindruck habe ich auch. Testet in diesem Sendehaus eigentlich einmal eine oder jemand die neckischen features, die mit leuchtenden Symbolen angeboten werden? Oder handelt es sich hierbei um eine Bautelle, der das berühmte Webseiten-Baustellen­schild fehlt? Nach einem Jahr könnte ja mal jemand dem Script zu einem glücklichen Ende verholfen haben, oder?

Sehr schön sind auch die Buttons für die Schrift­vergrößerung und Schrift­verkleinerung. So benutzerinnen­freundlich der Vorsatz ist, hiermit Barriere­freiheit herstellen zu wollen, so wenig will mir in den Kopf, weshalb nur die <h1>-Überschriften verändert werden, während der restliche Text seine Größe beibehält. Wurde etwa auch hier ein PHP-Script nicht „executed at all“? Vielleicht liegt das ja auch nur an den Einstellungen meines Feuerfuchses, aber der Internet Explodierer aus dem Hause Gates sieht das genauso. Ich erlaube mir deshalb die Bemerkung, daß mehr Schein als Sein das reale Wesen solch eines Senders trefflich widerspiegeln könnte. Anders gesagt: entweder man kann mit Typo3 umgehen oder man sollte die Finger davon lassen, auf jeden Fall nicht am lebenden Objekt üben! Sonst bleibt es das, was ich diesem Sender so manches Mal aus gutem Grund nachsage – eine Spielwiese technik­verliebter junger Männer, die mit unseren Rundfunk­gebühren subventioniert wird.

Probieren wir einmal etwas Anderes und nutzen wir die Suchfunktion. Die Eingabe des Wortes „Weiterbildung“ führt zu 15 Treffern. Diese überaus nutzerinnen­freundliche Suchfunktion besitzt nur einen gravierenden Nachteil: auch sie ist tendenziell sinnlos konfiguriert. Als ich die beiden ersten der (im Oktober 2009 [3]) fünfzehn angebotenen Seiten aufrufen will, schreit es mir entgegen:

„Error while trying the pdfconversion
Maybe the gen_pdf.php script was not executed at all.“

Ok, das ist logisch, denn es wird zunächst auf PDF-Dokumente verlinkt, die bekanntlich nicht „at all“ exekutiert werden. Aber eine gewöhnliche Nutzerin oder ein normaler user wird hier entnervt abwinken.

Bildzitat: Screenshot der Radio Darmstadt WebseiteAm 10. Oktober 2009 soll, so ein anderer Eintrag auf der Webseite, der wohl nicht zur Medien­kompetenz zählt, jedenfalls nicht dort zu finden ist, ein Typo3-Seminar stattgefunden haben. Es scheint nicht gefruchtet zu haben, denn der Versuch, die gefundene Meldung anzuklicken, scheitert am Detail: „Keine news_id übergeben.“ Eine Archivfunktion also ohne jeden Taug.

Kommen wir zur Abteilung „Bilderbogen“.Da wird uns nämlich ein Rundgang durch das Sendehaus angeboten. Wenn man und frau bedenkt, daß das Innenleben dieses Senders derart streng „geheim“ ist, daß dort nicht fotografiert werden darf – ein entsprechendes Schreiben liegt mir vor –, dann ist die Offenheit, mit welcher der eigene Cola-Automat vorgezuführt wird, wahrlich verblüffend. Ulkiger als der Cola-Automat ist jedoch das angebotene Panorama aus dem Sendestudio 2. Hier wird der Zustand dieses Raumes gezeigt, bevor die Techniktruppe es 2008 zerschlug und durch einen monströsen Kasten aus Sperrholz (oder Preßspan? jedenfalls billig, billig) mit vielen Ecken und Kanten ersetzt hat. Der Sinn dieses Umbaus bestand nicht etwa in einer technischen Verbesserung, sondern darin, jede Erinnerung an ein technisch einwandfreies und ästhetisch ansprechendes Studio vergessen zu lassen, das weitgehend von Katharina Mann und Norbert Büchner konzipiert und aufgebaut worden war. Schön, daß wir es noch einmal sehen dürfen! Aber so etwas Gutes kommt nicht wieder; und ich gebe zu – diese sinnlose und gezielte Zerstörung verzeihe ich den Runderneuerern nicht.

Für einen Sender, aus dessen Ätherwellen in unregelmäßigen Abständen die Vokabel „aktuell“ mit Jingle und allerlei Firlefanz zu vernehmen ist, ist diese erhebliche Inaktualität geradezu symptomatisch.

Bildzitat: Screenshot der Radio Darmstadt WebseiteKehren wir noch einmal zum content zurück. Allein der Blick auf die Startseite verrät uns Mitte Oktober einiges über die Befindlich­keiten im Sendehaus am Steubenplatz. An erster Stelle steht Musik (hier im Bild nicht zu sehen), was logisch ist, denn Radio Darmstadt hat etwas von einem Musiksender. Dann kommen die Mitglieder, deren Zahl offenbar so weit schwindet, daß mit Schnäppchen­preisen um sie geworben werden muß. Da gibt es zum Beispiel die blaue Plastikplanen­tasche mit dem einprägsamen Logo, das eine jede und ein jeder unbedingt haben muß. Mitglieder kommen natürlich verschärft günstiger dran. Auch das Essen in einer benachbarten Kneipe lockt auf einer „Extrakarte mit reduzierten Preisen“. Das Kommunale Kino in Weiterstadt gewährt einen Rabatt von einem Euro. Mal ehrlich – dafür soll ich Mitglied werden? Hat der Sender sonst keine Attraktionen zu bieten, für die es sich wirklich lohnen würde, sich dem mitunter schreiend lauten Vereinsleben seines Trägervereins auszusetzen?

Neben der blauen Tasche und dem geldwerten Vorteil einer Mitglied­schaft wird die Verlängerung der Sendelizenz bejubelt. Auch dies geschah schon vor einem Jahr und die zugehörige Meldung wurde an einem 3. November erstellt, aber die Meldung ist den Verantwortlichen derart wichtig, daß sie als Platzhalter mangels anderer Inhalte auch am 3. November des Jahres darauf herhalten muß. Man und frau krallt sich an dieses Faktum; ein souveräner Umgang mit dem eigenen Medium findet schon gar nicht mehr statt. Psychologisch ist dieses Gekralle jedenfalls hoch interessant.

Halten wir fest: die Jubiläums-Ausgabe der überzüchteten Webseite ist … naja … niedlich. [4]

Radio-Theater

In einem Vergleich vor dem Amtsgericht Darmstadt verpflichtete sich der Trägerverein von Radio Darmstadt am 28. Juli, dem mit Hausverbot belegten Vereinsgründer und langjährigen Vorstand Norbert Büchner eine wöchtenliche zweistündige Sendung in der Kernzeit des Programms zur Verfügung zu stellen. Übertragen wird die wöchentliche Sendung vom Heimstudio des aus dem Sendehaus Ausgeschlossenen über ein ISDN-Übertragungs­gerät aus dem Fundus des Senders. Ab Mitte September fand das „Radio-Theater“ einen Monat lang montags von 17.00 bis 19.00 Uhr statt; ab dem 23. Oktober ist die Sendezeit freitags von 19.00 bis 21.00 Uhr. Der Programmrat nutzte bei beiden Sendezeiten die Gelegenheit, der Redaktion Alltag und Geschichte eins auszuwischen und ihr den für das „Radio-Theater“ benötigten Sendeplatz einfach willkürlich zu entziehen.

Auf der Programmratssitzung im August wurde der Redaktion ihr Montags-Sendeplatz komplett gestrichen. Betroffen von dieser Maßnahme war auch die anti­faschistische Sendung „Gegen das Vergessen“ der gleich­namigen Redaktion. Dieser klare Affront gegen die politischen Inhalte des Senders führte zu einer Beschwerde bei der Landesmedienanstalt. Auf der nächsten Programmrats­sitzung im September wusch Vorstands­mitglied Benjamin Gürkan dem Programmrat den Kopf. Dieser habe nur seine eigenen Befindlichkeiten ausgelebt und nicht an den Verein und den Sender gedacht, mehr noch, beiden mit dieser Aktion geschadet. Das hielt jedoch weder Vorstand noch Programmrat davon ab, sich einen neuen Sendeplatz ebenfalls auf Kosten der Redaktion „Alltag und Geschichte“ zu suchen, diesmal am Freitag. Betroffen war die meist türkisch­sprachige internationalistische Sendung „Evrenselin Sesi“. Die persönliche Beschwerde des Redakteurs dieser Sendung auf der Programmrats­sitzung im November wurde einfach abgetan, der Vorgang nicht einmal im Protokoll der Sitzung vermerkt. Ignoranz pur gegenüber einem Migranten.

Am 23. Oktober nun wollte Norbert Büchner pünktlich um 19.00 Uhr loslegen, doch auf dem Sender lief weiter die Musik der voran­gegangenen Sendung. Dann wurde sogar eine Ausgabe der Hörzeitung eingelegt, die immer dafür gut ist, Lücken im Programm zu verhüllen. Nach einigen Minuten rief Norbert Büchner im Sendehaus an, um zu erfahren, weshalb er nicht im Radio zu hören sei. Der Musikredakteur Björn B., der als Sprecher seiner Redaktion in die Vorgänge im Programmrat eingeweiht war, tat ganz ahnungslos. Er sei, so sagte er am Telefon, davon ausgegangen, daß Norbert Büchner eine CD eingereicht habe; und die habe man nicht finden können. Norbert Büchner hat übrigens noch nie eine CD eingereicht.

So setzt der Vorstand des Vereins einen rechtsgültigen Vergleich um! Anstatt sich darum zu kümmern, daß der Vergleich professionell umgesetzt werden kann, beläßt er seine Vereinsmitglieder ahnungslos und auf sich allein gestellt. In der Woche darauf findet diese Form des Radiotheaters seine Fortsetzung.

Zwischendurch ist es am 26. Oktober die Technikerin der Sendung Äktschn!, die der Meinung ist, es sei angebracht, in die tatsächlich auf einer solchen CD eingereichte vorproduzierte Vorgänger­sendung hineinzujingeln. Hat sie schon einmal etwas von der auf dem Mischpult befindlichen Funktionstaste „Vorhöre“ gehört?

Schon in der Woche zuvor wurde auf demselben Sendeplatz eine ebenfalls zwangsweise vorproduzierte Sendungs-CD vor ihrem Ablauf einfach abgesetzt und das Programm mit Dudelmucke fortgeführt. Es scheint, als habe der Techniker der nachfolgenden Sendung den künstlerischen Wert des auf CD vorliegenden Tonmaterials nicht recht zu würdigen gewußt. Was er als Tonstörung wahrnahm, war Absicht und wohldurch­dacht. Ich gestehe gerne zu, daß manche Sendungen der Redaktion Alltag und Geschichte den herumjingelnden Sender am Steubenplatz überfordern. Das ist jedoch kein Grund, willkürlich derartige Sendungen vorzeitig abzubrechen.

Am 30. Oktober geht das „Radio-Theater“ zum zweiten Mal am Freitag­abend auf Sendung. Beziehungsweise, es würde ja, aber das Norbert Büchner hierfür leihweise überlassene Musiktaxi kann sich nicht ins Sendehaus einwählen. Wieder einmal muß Norbert Büchner im Sendehaus anrufen und auf die Erfüllung des geschlossenen Vergleichs pochen. Die Stimme am anderen Ende weiß jedoch bestimmt, daß das Problem nicht im Sendehaus, sondern bei Norbert Büchner liegt. Natürlich weiß die Person im Sendehaus das ohne nähere Prüfung, denn es stellt sich heraus, daß die Verantwortlichen nach dem „Tag der Vereine“ (siehe übernächster Abschnitt) die Leitung des Musiktaxis nicht wieder freigeschaltet haben. Während des „Tags der Vereine“ hatten sie ein anderes Übertragungs­gerät an denselben Anschluß gehängt. Die Verbindung wird daher mit acht Minuten Verspätung aufgebaut.

Stummgeschaltet

In der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober bleibt das Radio sieben Stunden lang stumm. Die Apparatur, mit der ein Sendeloch erkannt werden soll, versagt ihren Dienst ein weiteres Mal. Über die Gründe müßte ich mutmaßen, obwohl ich eine Ahnung habe, weshalb diesmal ein Sendeloch nicht zuverlässig als ein solches erkannt wurde. Erst am Samstagmorgen um 9.00 Uhr wird die Stille von russischen Weisen abgelöst; das Liveprogramm beginnt.

Tag der Vereine

Am 25. Oktober veranstaltet das Darmstadtium aus Image- und Akzeptanzgründen zum zweiten Mal den Tag der Vereine. Derartige Image­veranstaltungen sind unter anderem deshalb notwendig, um eine aufgebrachte Bürgerinnen- und Bürgerschaft zu besänftigen, die nicht einsieht, weshalb dieser Klotz gegenüber dem alten landesherr­schaftlichen Schloß Jahr für Jahr von vornherein einkalkulierte zwei bis vier Millionen Euro Verlust einfahren soll. Selbst­verständlich ist Radio Darmstadt mittenmang dabei und nutzt sieben Stunden lang von 10.00 bis 17.00 Uhr die Gelegenheit, möglichst viele Vereine vorzustellen und sich hierbei als ein Medium der Stadt in Erinnerung zu bringen. Die Kapriolen, die alle Nasen lang auf dem Sender zu hören sind und die auf dieser Webseite dokumentiert werden, werden im trauten Zwiegespräch selbst­verständlich ebensowenig erwähnt wie die diversen Maßregelungen ehemaliger und noch aktiver Vereins­mitglieder. Schließlich betreibt frau und man mehr Imagepflege als wahrheits­gemäße Selbst­darstellung. [5]

Radio Darmstadt StandErstaunlich viele Vereinsmitglieder (etwa zwölf) beteiligen sich am Aufbau und Abbau, an der Übertragung und Moderation. Manche Redakteure scheinen etwas uninspiriert zu sein, einer zeigt seine blanke Ahnungs­losigkeit dadurch, daß er aus dem Chef des Darmstadtiums einen Herrn Rumreit (statt Krumrey) macht. Wenn sie mangels der Informations­beschaffung dienenden Vorgesprächs nicht wissen, wen sie vor sich haben, stellen sie ihre Fragen nach dem Motto: Stellen Sie Ihren Verein doch einmal kurz vor. Ansonsten werden die Vereine durchgehechelt, was den Vertreterinnen und Vertretern derselben nicht weiter aufzufallen scheint. Die nämlich denken, das muß so sein, und freuen sich darüber, auch einmal ihre Stimme im Radio wiederzufinden. Ob eine oder jemand zugehört hat, ist fraglich, denn halb Darmstadt befand sich ja im post­modernistischen Bau mit der dunklen Außenfassade.

Um auch denen, die selbst vor Ort waren, einen Höreindruck der Übertragung vom Tag der Vereine zu bieten, unternimmt Radio Darmstadt mehrere Anläufe, einen halbwegs konsistenten Mitschnitt anzubieten. Am Montag­abend des 26. Oktober startet Kultur­redakteur Michael S. die Aufzeichnung als Notprogramm, da der Programmrat den Sendeplatz keiner Redaktion andienen konnte. Es beginnt per Computer die neunstündige Aufzeichnung; und just zu dem Zeitpunkt, als ein Sänger namens Markus „Ich will Spaß“ röhrt, stürzt der Rechner ab. Sicherlich wird das eine oder andere Radar-Mitglied das eigene Programm gehört haben, oder?, aber keine und niemand stürzt ins Sendehaus, um das Programm zu reaktivieren. Und so stottert ein spaßiger Markus sechseinhalb Stunden vor sich hin, ehe Unterhaltungs­redakteur Christian K. am folgenden Morgen das Sendehaus betritt, um seinen Radiowecker vorzubereiten. Da auch er den Computer nicht reanimieren kann, spielt er das, was der Sender am besten kann, nämlich gefällige Musik. Zu Ende seines Morgen­programms muß der Redakteur auch öffentlich verkünden, daß die Wiederholung nicht funktioniere. Aber er weiß sich zu helfen, um für die folgenden Stunden irgendein Notprogramm zu gewährleisten. Er kündigt die Methode sogar an! Er provoziert ein ausreichend langes Sendeloch, um die Technik zu zwingen, das Mainstream-Popgedudel aus dem Sendeloch-Computer abzuspielen. Er hat Glück; dieser Rechner funktioniert sogar. Erstaunlich ist nur, daß er hierfür vom Programmrat nicht abgemahnt wurde, denn ein Kulturredakteur wurde ja genau deswegen abgemahnt, weil er ein Sendeloch proviziert hatte, um den Fortgang des Programms zu gewährleisten. Das liegt vielleicht einfach nur daran, wen der Vorstand auf dem Kieker hat und wen nicht.

Der zweite Versuch, den Tag der Vereine noch einmal akustisch hörbar zu machen, wird kurz vor halb elf am Dienstag­vormittag des 27. Oktober gestartet. Allein – irgendwer muß die Audiodateien durcheinander gebracht haben, denn die Wiederholung dieses Events enthält mehrere Zeitschleifen. Begonnen wird mitten in der Übertragung (Sonntag 12.00 Uhr), und wir hören fünf Stunden am Stück. Dann wird rückgeblendet auf die um 11.00 Uhr beginnende Stunde, die nach 60 Minuten endet. Die folgenden beiden Stunden werden übersprungen, ehe der Rest der Aufzeichnung bis zum Beginn des Liveprogramms vor sich hintrudelt. Eine Logik in diesem Stückwerk erkennen zu wollen, fällt schwer. Vermutlich wurden hier einige Audiodateien von der Sonntags-Übertragung zusammen­gewürfelt und sich selbst überlassen. Anders gesagt: die Dateien geben gewissermaßen die Beliebigkeit wieder, mit denen die Vereine durchgehechelt wurden.

Damit auch die letzte Darmstädterin den Tag der Vereine zur Kenntnis nimmt, werden zwei Stunden der Sonntags-Übertragung am Mittwoch­morgen des 28. Oktober ab 6.00 Uhr als besonders wertvolle Sendung eingespielt.

Sinnfreiheit als Programm

Angesichts der Tatsache, daß die Wiederholungen des gesendeten Programms häufiger durcheinander gewürfelt, unvollständig, mit Sendelöchern und Dudelmusik durchlöchert oder anderweitig verhunzt dahergesendet werden, wird sich eine Person, die vermutlich mit dem Einstart der Wiederholung nicht klar kam (was an ihr, aber auch an der erstklassigen Technik liegen kann), am späten Mittwoch­abend des 28. Oktober gedacht haben, daß im Grunde genommen diesem Programm nur noch eines fehlt: Die Wiederholung als Retro-Konserve. Daher hören wir in der kommenden Nacht die Wiederholung des Abend­programms vom 30. Juli 2009. Nun spricht ja nichts dagegen, besonders ausgesuchte Wiederholungen aufgrund ihres künstlerischen Wertes noch einmal zu Gehör zu bringen. Gute Konserven finden immer ihre Liebhaberinnen und Genießer. Doch hier scheint nicht die Qualität der ausgesuchten Wiederholung der Grund gewesen zu sein.

Vielmehr geben gewisse Begleit­erscheinungen Anlaß zu der Vermutung, daß mangels funktionierender Infrastruktur auf etwas zurück­gegriffen wurde, das als Notprogramm gerade noch so abzustarten war. Zunächst einmal endet die italienische Sendung Italian Connection mit dem langen Ankündigungs­jingle für die nachfolgenden Nachrichten des Deutschlandfunks. Dagegen wäre auch nichts zu sagen, wenn hierdurch nicht erst in die schon seit einer Minute laufenden Nachrichten eingeblendet worden wäre. Einen Sinn hierin erkennen zu wollen, wäre müßig. Jedoch muß zur Ehrenrettung der Redakteurin gesagt werden, daß sie als Anfängerin mit dem Prozedere rund um die 23.00 Uhr-Nachrichten wohl etwas überfordert war.

Nach Ende der Nachrichten wird brav der Schlußjingle gespielt, doch wer anschließend den Start des Nachtprogramms mit den Wiederholungen des Abends erwartet hätte, sah sich getäuscht. Vermutlich ließen sie sich nicht per Mausklick aufrufen. Vielleicht lag dasselbe Problem wie am Vortag nach dem Radiowecker vor. Ich gebe zu, daß ich mit dem Verständnis dieser seit drei Jahren als Experiment betriebenen Technik überfordert bin. Ich kann einfach nicht so dumm denken, was aber erforderlich wäre, um die immer neuen Einfälle zu begreifen. Oder versteht ihr, warum beispiels­weise am 19. Oktober die Wiederholung im Slow Motion-Modus zu hören war? Versteht ihr, warum die Bastel­techniker auch nach anderthalb Jahren ihre Erfindung eines Stereosignals auf nur einem Kanal nicht entdeckt und beseitigt haben? Und immer, wenn ich dann denke, es kann nicht noch grotesker werden, dann … – aber lassen wir das.

Nein, nach dem Jingle hörten wir keinen Ton, sondern ein Sendeloch. Und dann Musik aus dem Dudelpop-Computer, der immer dann anspringt (anspringen soll, manchmal tut er das ja zu meiner Erbauung auch nicht), wenn er ein Sendeloch erkannt hat. Nach einer halben Stunde gibt es erneut ein Sendeloch, bevor wir mit der 1346. Ausgabe der Hörzeitung delektiert werden. Redaktions­schluß dieser Ausgabe war, so wird uns gesagt, Montag, der 27. Juli 2009. Warum das so wichtig ist? Nun, die Hörzeitung erzählt Blinden und anderen nicht ausreichend Sehfähigen ausgewählte Meldungen aus dem Darmstädter Echo der Vorwoche. Der Begriff „Aktualität“ erhält in dieser Nacht eine gänzlich neue Bedeutung. Dieser Unfug endet dann mit dem Radiowecker am frühen Donnerstag­morgen. Vermutlich denken sich die Verantwortlichen des Sendehauses, so sie es überhaupt wahrgenommen haben: Hoffentlich hat es keine und niemand gehört!

Seltsamerweise läßt sich am Donnerstagmorgen nach dem Radiowecker das richtige Wiederholungs­programm aufrufen.

Die Wiederholungs-Retro scheint einen Nachahmer (oder eine Nachahmerin) gefunden zu haben, denn in der Nacht vom 6. zum 7. November können wir uns auf die 1354. Ausgabe der „Hörzeitung“ mit Redaktions­schluß am 21. September freuen. Es wurde – nach einem zehnminütigen Sendeloch, ohne die Stille störende Dudelmusik (!) – das Abendprogramm vom 24. Septenber aufgeführt. Ich erlaube mir an dieser Stelle die Bemerkung, daß der Sender seine verletzungs­anfällige Aufzeichnung des Abend­programms eigentlich einstellen könnte, um statt dessen beliebige Wiederholungen aus der Konserven­abteilung vorzuführen. Eine Bitte hätte ich da noch: eine Sendestunde sollte wirklich eine Stunde und nicht 57 Minuten dauern.

Für die letzten beiden Sendestunden am Donnerstag­abend von 21.00 bis 23.00 Uhr vermerkt der Programmflyer, das Programm stehe bei Redaktions­schluß noch nicht fest. Nun, auch in seiner Oktober­sitzung konnte der Programmrat hierfür kein wirklich qualifiziertes Programm hervorkitzeln, weshalb uns Vorstands­mitglied Markus Lang in dieser Zeit das vorspielt, was der Sender am besten kann: irgendwelche Musik, diesmal Techno. Das ist nicht schlimm, das darf er, aber irgendeinen Sinn hierin sehen zu wollen, ginge zu weit. Es belegt einmal mehr, daß der Sender seit einiger Zeit nicht in der Lage ist, zumindest sein Kernprogramm mit qualifizierten Sendungen anstelle eines auf die Dauer nervenden Notprogramms zu füllen. Das letzte Mal geschah dies vor 12 Jahren, und damals lag dies daran, daß das Programm zu schnell expandiert war und sich dann unerwartet Lücken auftaten. Diese Lücken waren damals jedoch so schnell gestopft, daß schon ein Jahr später ein Kampf um die Sendeplätze im Kernprogramm ausbrach. Damals machte es eben noch Spaß, bei Radio Darmstadt zu senden … – und das Sendehaus war voller Leben.

Das Leben muß am Samstag­nachmittag des 31. Oktober im Sender hingegen geradezu getobt haben. Denn keine und niemand an den zahlreich im Sendehaus verstreuten Radiogeräten bzw. an den Computern mit Livestream­verbindung störte sich an dem durch eine Young Power-Moderatorin und einen Redakteur derselben Sendung (die Namen werden hier taktvoll verschwiegen) verursachten halbstündigen Sendeloch. Vielleicht liegt das auch daran, daß die seichte Mainstream­mucke des Sendeloch-Computers dem Programm von „Young Power“ derart zum Verwechseln ähnlich ist, daß keine und niemand den Unterschied wahrzu­nehmen in der Lage war. Etwa um halb sechs muß es dann doch eine oder jemand den beiden im Studio gesteckt haben, daß sie gerade dabei waren, eine Trocken­sendung zu fahren.

Geldsorgen und Programmqualität

Für den 30. Oktober ist turnusmäßig zur alle halben Jahre stattfindenden Mitglieder­versammlung des Trägervereins eingeladen. Diesmal sind nicht ganz so wenige Mitglieder erschienen wie noch im Mai, als gerade einmal knapp über 20 Personen im Sendehaus zugegen waren. Die Mai-MV war die seit zehn Jahren am schlechtesten besuchte Mitglieder­versammlung. Zwei interessante Punkte gab es auf jeden Fall zu behandeln. Zum einen wurde erstmals seit langem wieder einmal über den Jahreshaushalt des Vereins gesprochen, wobei sich eine überraschende Mitteilung ergab. Zum anderen wurde eine Programmanalyse vorgestellt, die von einem (oder zwei ?) Praktikanten durchgeführt worden war.

Der Verein erhält jährlich durch die Landesmedienanstalt Fördermittel für laufende Personal- und Sachkosten in Höhe von maximal 71.500 Euro [6]; weitere Mittel aus anderen Haushalts­töpfen sind möglich. Zudem erhebt er von seinen Mitgliedern Beiträge, die in der Regel 12 Euro für Schülerinnen und Schüler und 36 Euro für Erwachsene und Institutionen pro Jahr betragen. Die letzte Angabe seitens des Vereins über die Anzahl seiner Mitglieder lag bei etwas über 500; realistisch ist dann davon auszugehen, daß eine Zahl von 400 plus x auch Beiträge entrichtet hat. Demnach stünde dem Verein ein Etat von mindestens 84.000 Euro zur Verfügung; und das sollte meiner Erfahrung nach ausreichen.

Allerdings, so wurde nun auf der Mitgliederversammlung berichtet, hat der Vermieter die Miete für die Sendeetage am Steubenplatz drastisch erhöht. Auch dies ist kein Grund zur Besorgnis, denn auch diese Mieterhöhung sollte von den Finanzen aufgefangen werden können. Allerdings sind dann keine extravaganten Ausgaben mehr möglich und es muß solide gerechnet werden.

Der Vorstand erwägt jedoch zwei andere Maßnahmen. So könnten die Bürozeiten des Senders zurückgefahren werden, um Personalkosten zu sparen. Dieser Punkt ist nur begrenzt einsichtig, oder langweilt sich das Personal den lieben langen Tag? Hier könnte der Vorstand sich auch selbst einbringen und mehr Zeit im Sendehaus verbringen, um all die Dinge, die nicht funktionieren oder zu verbessern wären, anzugehen. Die andere Lösung bestehe darin, in kleinere Räumlichkeiten mit weniger Miete umzuziehen. Da bin ich doch sehr gespannt, ob die Herren Techniker ein oder gar zwei funktionierende Sendestudios neu aufbauen können. Zumal sie nun drei Jahre lang bewiesen haben, daß sie zu immer neuen Ideen fähig sind, die mitunter wenig durchdacht zu neuen Klangerlebnissen führen. Nur zu!

Damit mich keine und niemand mißversteht: Ich gehe davon aus, daß, solange der Trägerverein des Senders solide wirtschaftet und nicht unnötige Prozesse führt, die natürlich ins Geld gehen, solange er zudem seinen Mitgliederbestand halten kann, was schon schwieriger ist, daß er sein Lokalradio bis zum Ende der laufenden Sendezulassung am 31. Dezember 2012 finanziell problemlos durchbringen kann – auch ohne Umzug und ohne Entlassungen.

Der zweite interessante Punkt auf der Mitglieder­versammlung war eine senderinterne Programm­analyse, von der mir nicht klar ist, wer sie eigentlich in Auftrag gegeben hat. Der Programmrat wurde hier offensichtlich übergangen [7], denn er wurde nun mit den Ergebnissen der Analyse konfrontiert. Diese Analyse, die mir teilweise vorliegt, offenbart methodische Mängel und inhaltliche Fehler. So wird nirgends die Qualifikation des Praktikanten Darius Beuthner [8] deutlich, eine derartige Analyse überhaupt fachgerecht erstellen zu können. Des weiteren zeigt die Analyse, daß Darius Beuthner weder das Programm noch den Programm­auftrag (Lizenzantrag von 1996 und Sendelizenz!) von Darmstadts Lokalradio wirklich kennt. Wenn allen Ernstes ein von ihm kritisierter „Seitenhieb auf Kapitalismus“ zu einer Abwertung einer Sendung führt, dann ist offen­sichtlich, daß meine Annahme, daß Radio Darmstadt eben kein freies Radio ist, wohlbegründet ist. Inhaltlich ist zu bemängeln, daß der Verfasser eine kurdische von einer deutschen Sendung nicht zu unterscheiden wußte und daher Noten für etwas verteilt hat, was gar nicht stattgefunden hatte. Weitere methodische Mängel ließen sich problemlos hinzufügen, insbesondere bezüglich der Notenvergabe.

Vollkommen unverständlich finde ich, weshalb der Auftraggeber dieser Programm­analyse nicht vorab die Ergebnisse auf ihre Konsistenz und Stimmigkeit geprüft hat, bevor er sie weiter­geleitet hat. Dem Programmrat ein Konvolut unausgegorener Bemerkungen vorzulegen, damit dieser daraus sinnvolle Schlüsse für mehr Qualität im Programm zieht, ist jedenfalls unsinnig. Dennoch hat Darius Beuthner zwei Dinge richtig wahrgenommen. Zum einen wurden manche Moderatorinnen und Moderatoren als Nachahmer kommerzieller Entertainer wahrgenommen:

„Es gibt Moderatoren, die eine eigene Persönlich­keit ausgebildet haben genau so wie Moderatoren, die solche aus kommerziellen Sendern kopieren. Der größere Teil erscheint aber farblos und nicht authentisch.“

Interessante Feststellung. Die andere wichtige Feststellung betrifft die Sendetechnik. Ohne es zu bemerken und zu wollen, hat der Praktikant die Mängel der Sendetechnik beschrieben, sie jedoch fälschlich den Sendenden zugewiesen:

„Speziell bei der Wiedergabe von CDs treten vermehrt Komplikationen auf.“

In der Tat waren im Untersuchungs­zeitraum Ende Juni bis Mitte August 2009 derartige Pannen zu bemerken. Kultur- und Unterhaltungs­redakteur Christian K. sprach am 29. Juli beispiels­weise von den nervigen „Springprozessionen“, die ein CD-Spieler während seiner Sendung ausführte. Die Spezifika dieser Pannen läßt jedoch bei genauem Hinhören nur den Schluß zu, daß die Sendenden mit einer nicht richtig funktionierenden Technik überfordert waren. Ihnen hierfür schul­meisterlich Notenabzüge für ihre Sendungen zu verpassen, ist absurd. Vielmehr ergibt sich hieraus eher eine Gesamtnote für die Gruppe, die ich aus gutem Grund die „Basteltruppe“ (oder so ähnlich) nenne. Deshalb ist der Schluß des Praktikanten falsch, deswegen dem Großteil der Sendenden ein Technik­seminar zu empfehlen.

Nehmen wir als Beispiel, weil es naheliegt und weil ich hierzu auch ausführliche Schulnoten erhalten habe, die Analyse einer meiner Sendungen, nämlich meine Sendung über Antiziganistische Kontinuitäten vom 29. Juli 2009. Der Quatsch fängt schon mit der Einordnung einer willkürlich gewählten Zielgruppe dieser Sendung mit „Ü 30“ an. Offen­sichtlich war Darius Beuthner der Meinung, daß Vergangenheit und Gegenwart anti­ziganistischer Ressentiments und Verfolgung nichts ist, was ihn betrifft. Dabei ist es sicherlich ein Thema, das gerade auch für ihn Relevanz besitzt, denn er lebt in einem Land voller anti­ziganistischer Vorurteile und Stereotypen.

Buchcover Antiziganistische ZuständeDaß Darius Beuthner als Notenverteiler der Meinung ist, meine Beachtung der journalistischen Sorgfalts­pflicht sei durch­schnittlich, kann ich mir nur dadurch erklären, daß er eine „Ausgewogenheit“ à la öffentlich-rechtlicher Rundfunk vermißt hat. Hier zeigt sich eine Auswirkung eines von mir schon angesprochenen methodischen Mangels. Nicht­kommerzielle Lokalradios haben die Funktion einer „publizistischen Ergänzung“ und dürfen daher einseitig sein, um die Einseitigkeit ausgewogener „Wahrheiten“ zu kompensieren. Ein Blick in den Lizenzantrag von 1996 hätte dem Verfasser der Programm­analyse dieses Grundlagen­wissen vermittelt, aber die Auftraggeber im Vorstand hatten diesen Lizenzantrag in ihrem wohlsortierten Büro wohl nicht gefunden.

Des weiteren vermißte Darius Beuthner eine klare Struktur der Sendung. Tja, da hätte er vielleicht besser einmal genauer zugehört. In meinen Sendungen geht es eben nicht so zu wie in einem durchgestylt-verschulten Studiengang; hier ist eigenes Denken gefragt. Daß er den „Unterhaltungswert“ einer Sendung zum national­sozialistischen Völkermord mit einer glatten „5“ bewertet, sagt wohl mehr über den Notengeber als über meine Sendung aus. Wie hätte er denn gerne mit Massenmord „unterhalten“ werden wollen? Hätte ich vielleicht zur leichteren Konsumtion einen Witz über Harzer Käse erzählen sollen? [9]

Den abzuhakenden Punkt „Eigene Persönlich­keit ausgebildet“ bewertet Darius Beuthner mit „befriedigend“. Tja, mit dieser Meinung steht er ziemlich alleine da. Vielleicht gefällt ihm meine Persön­lichkeit nicht, aber daß ich eine besitze, ist offen­sichtlich. Vermutlich bezog er sich hierbei auf Punkt 2.4 der Sendekriterien von Radio Darmstadt. Dort heißt es:

„Moderationstechniken, welche bei kommerziellen Anbietern verwendet werden (Über-Dramatisierung, reißerische Moderation, überzogenes Stimmen­verstellen) sollten bei Radio Darmstadt vermieden werden. Jede Moderatorin und jeder Moderator soll seine/ihre eigene Radio-Persönlich­keit entwickeln und keine Moderatoren aus anderen Bereichen kopieren.“

Benjamin Gürkan, der diese Sendekriterien im Januar 2008 dem Programmrat zum Abnicken vorgelegt hatte, hat sich hier wohl von einem Passus meiner 2006 aufgestellten Goldenen Regeln inspirieren lassen. Dort heißt es unter Punkt 2.18:

„Werde eine Radiopersönlichkeit! Entwickle deinen eigenen Stil – mit Stil. Du hast die Lizenz zu einer eigenen Meinung, sei daher nicht ausgewogen und pluralistisch. Erarbeite dir Inhalte, setze dich mit der Welt auseinander, rede nicht anderen nach dem Mund, ahme nicht den Mainstream nach. Plappern können alle, aber was willst du deinen Hörerinnen und Hörern vermitteln? Benutze dazu deine Stimme, kopiere nicht den Quetschsound oder die manirierte Moderation von Formatradios.“

Daß er die Audio­qualität meiner Musikbeiträge nicht zu schätzen wußte, kann ich mir, ehrlich gesagt, nicht erklären, denn die von mir verwendete erstklassige Musik wurde 1:1 von einer Original-CD auf die Sendungs-CD kopiert. Vielleicht meinte er aber auch mit der minderen Qualität den Unfug, den der Sender mit meiner Sendung angestellt hat, und lastet ihn mir an. Denn er bewertet als „negativen Aspekt“ meiner Sendung ein Funkloch. Und dieses Funkloch führt natürlich zur Abwertung. Peinlicher­weise war für das „Funkloch“ jedoch eine Person im Sendehaus verantwortlich, die meine vorproduzierte Sendung nicht korrekt abgestartet hatte. Als Redakteur mit Hausverbot mußte ich zu diesem Zeitpunkt vorproduzierte Sendungen auf CD einreichen, die in puncto Pegeldisziplin und Musik­qualität über jeden Zweifel erhaben sind. Etwas anderes ist jedoch, was die Sendetechnik und Personen, die für das Einlegen dieser Sendungen verantwortlich sind, daraus machen. Dem bin ich hilflos ausgeliefert. Hierzu habe ich im online gestellten Sendemanuskript vermerkt:

„Der Kompetenzabteilung des Senders, bei dem ich aufgrund eines Hausverbots zwangsweise meine Sendungen per CD einreichen muß, gelang ein besonders einfühlsames Kunststück. Bei einer zweistündigen Sendung sind zwei Sendungs-CDs hintereinander abzufahren. Aus Gründen, die nur das senderinterne Kompetenzteam auflösen kann, gelang es einem Techniker, vielleicht (obwohl ich das nicht glaube) auch einer Technikerin, die zweite CD sozusagen in einem Stumm-Modus abzustarten. Die Folge war ein Sendeloch. Nach etwa einer Dreiviertel­minute erkannte die selbst­gebasteltete Sendeloch-Erkennung selbiges und ließ Dudelmusik vom Feinsten erklingen. Für einen Partysender sind mehrere Hits am Stück selbst­verständlich die passende Untermalung für eine redaktionelle Bearbeitung des Völkermords an den europäischen Sinti und Roma. Immerhin fiel es der Kompetenz­abteilung dann schon nach siebeneinhalb Minuten auf, daß ihr Sendeloch-Erkennungs­computer allerfeinstes Dudelprogramm absonderte, weshalb sie den passenden Regler hochzog oder auf den richtigen Knopf drückte.„

War das dem Darius Beuthner noch nicht genug „Unterhaltung“, weshalb er nur eine „5“ vergab?

Und mit solch einem Firlefanz werden die Sendenden von Radio Darmstadt von allerhöchster Vorstandsstelle belästigt und verwirrt.

Nehmen wir ein anderes Beispiel, bei dem mich die ausführliche Einzel­bewertung schon interessieren würde. Als sechstbeste von insgesamt 88 bewerteten Sendungen schneidet das Spielemagazin In-Game mit der Ausgabe vom 25. Juli 2009 ab. Was der Praktikant natürlich nicht weiß, weil er nicht sorgfältig genug recherchiert hat, ist, daß in dieser Sendung drei Meldungen aus dem Heise Newsticker vorgelesen wurden. Dies stellt in jedem einzelnen Fall eine Urheberrechts­verletzung dar, was im übrigen auch der Heise Verlag so sieht und dem Trägerverein von Radio Darmstadt mitgeteilt hat. Wir lernen daraus, daß besonders eloquent vorgetragene, damit auch unterhaltsame, aber dummerweise geklaute Meldungen hervorragende Bewertungen in der internen Programm­analyse erhalten. Muß ich noch mit den restlichen 86 Beispielen fortfahren? Wer soll eine solche „Analyse“ wirklich ernst nehmen?

Dabei will ich nicht verkennen, daß eine solche – fachlich kompetente – Programmanalyse durchaus anzuraten wäre. Ansätze hierzu bietet die hier vorliegende Dokumentation zu den Geschehnissen bei Radio Darmstadt seit 2006.

Ausgefallene Sendungen

WochentagDatumZeitAusgefallene SendungRedaktionUrsacheErsatz
Freitag2. Oktober21–23Open HouseMusiknicht erschienenWiederholung zweier Sendestunden vom Donnerstag
Samstag3. Oktober03–05Wiederholung Open HouseMusiknicht erschienenwie Freitag 21–23 Uhr
Samstag3. Oktober21–23Open HouseMusikabgesprochener Sendungs­tauschBOROs Rock Show
Sonntag4. Oktober13–15Young PowerWiederholungunbekanntWiederholung des Freitags­programms
Mittwoch7. Oktober19–20BildungslückeBlickpunkt GesellschaftunbekanntJazzZeit (Konserve aus Marburg)
Donnerstag8. Oktober18–19treffpunkt eine weltt1wunbekanntWieder­holung der Sendung vom 24.09.
Mittwoch auf Donnerstag14./15. Oktober00.09–04.24Wiederholung Wiederholung abgestürzt?Sendeloch-Dudelmusik, anschlie­ßend Neustart der Wieder­holung
Donnerstag auf Freitag15./16. Oktober00–10Wiederholung funktioniert nichtDeutschlandfunk als Notprogramm
Freitag auf Samstag16./17. Oktober04.10–09.23Wiederholung Chaos im SendeablaufSendeloch-Dudelmusik
Sonntag18. Oktober11–15Una Domenica ItalianaAuslandeingestellt (?)Radara Yakalananlar
Sonntag18. Oktober21–23KammerflimmernMusikredaktionsintern abgesprochenBedroomdisco
Dienstag20. Oktober18–19Dengê FeratAlltag und Geschichtenicht abkömmlichwilde Mischung mit Sendelöchern
Mittwoch21. Oktober18–19Kultur SpecialKulturunbekanntMovietime
Mittwoch21. Oktober21–23Stimme der ArchitekturKulturunbekanntVinyl XL (Konserve)
Donnerstag22. Oktober18–19treffounkt eine weltt1wAusstrahlung am 15.10. gestörtWiederholung der Sendung vom 15.10.
Freitag23. Oktober17–18KnackpunktLokalkein Inhalt ?Wieder­holung der Hör­zeitung vom Vortag
Freitag auf Samstag23./24. Oktober01.50–09Wiederholung Computerabsturz ?Sendeloch
Montag26. Oktober21–23Sendeplatz nicht vergeben Programmrat fragenWieder­holung Tag der Vereine, dann Computer­absturz
Montag auf Dienstag26./27. Oktober23–06Wiederholung Computerabsturz, ab 4.23 MusikComputer hängt 6½ Stunden an derselben Stelle
Dienstag27. Oktober08.03–10.21Wiederholung Wieder­holung nicht aufrufbar, deshalb als Nothilfe:Sendeloch-Dudelmusik
Mittwoch auf Donnerstag28./29. Oktober23–06Wiederholung Wiederholung technisch nicht verfügbarWieder­holung der Sendungen vom 30. Juli 2009
Donnerstag29. Oktober21–23nicht fest vergeben Programmrat fragenTechno

 

ANMERKUNGEN

 

Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

 

»» [1]   Vermutlich handelt es sich hierbei um bloß gestelzte Schreibe. Markwort ist gebürtiger Darmstädter.

»» [2]   Es handelt sich um die russische Samstagmorgen­sendung „Lichtblick“, die auf der Webseite des Senders keine Erwähnung findet. Dabei ist sie schon seit vier Jahren on air!

»» [3]   Anfang Dezember führte ein Upgrade auf eine höhere Typo3-Version zunächst zu einem Verschwinden der mit diesem Content Management System gestalteten Webseite. Kurz darauf war sie wieder online und der hier geschilderte Mißstand auch beseitigt.

»» [4]   Leider sind die hier angführten Beispiele zum Teil nicht mehr sichtbar. Webseiten verändern sich und mitunter werden hierbei sogar Fehler beseitigt. Somit beschreibe ich hier einen Zustand, der zwar länger anzutreffen war, aber zwischen­zeitlich geändert wurde. So war beispiels­weise am 5. Dezember 2009 anstelle der Mitteilung über eine fehlende news_id eine leere weiße Fläche anzutreffen.

»» [5]   Zu einer wahrheitsgemäßen Selbstdarstellung gehört die Vollständigkeit der Darstellung. Gefilterte Wahrheiten sind keine bzw. eben unvollständig und somit tendenziös.

»» [6]   Siehe hierzu die „Richtlinien der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) über die Förderung des nichtkommerziellen lokalen Hörfunks“ (Förderrichtlinien NKL) vom 5. November 2007.

»» [7]   Der Vorstand betonte in den vergangenen drei Jahren immer wieder, er könne den Programmrat nicht übergehen, um Anforderungen von außen abzuwehren.

»» [8]   Name geändert. Ich bemühe mich in solchen Fällen, Namen zu finden, bei denen die Mainstream-Suchmaschinen möglichst keine Treffer liefern. Schließlich will ich vermeiden, daß Personen, die mit den „Zuständen wie bei Radar“ nicht das geringste zu tun haben, fälschlich ins Visier der Datenkraken rücken.

»» [9]   In der deutschen Kinofassung von Ernst Lubitschs Filmklassiker „Sein oder Nichtsein“ wird der Witz zwei Mal so erzählt: „Sie haben einen Cognac nach Napoleon benannt, einen Hering nach Bismarck und ein Harzer Käse wird mal den Namen des Führers tragen.“ Im Original fehlt der Harz, es wird nur von einem „piece of cheese“ gesprochen. Siehe hierzu auch die Filmanalyse von Thomas Hohenadler.

 


 

Sinn und Zweck dieser Dokumentation

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung („das Image“) ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt. Der Autor dieser Dokumentation hat von Juni 1997 bis Januar 2007 bei Radio Darmstadt gesendet, bis ihn ein aus dieser Umbruchssituation zu verstehendes binnenpolitisch motiviertes Sendeverbot ereilte. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt er die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

In der Dokumentation werden die Namen handelnder Personen aufgeführt. Damit werden Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt. Zur Klarstellung: Eine Schmähung einzelner Personen oder gar des gesamten Radiosenders ist hiermit nicht beabsichtigt. [mehr]

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Diese Seite wurde zuletzt am 22. Dezember 2009 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2009.
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