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Radio Darmstadt – Dokumentation

Blick von Außen

Eindrücke vom "Radiowecker", Freitag 15.03.02

 

Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles Lokalradio. Sein Trägerverein wurde 1994 gegründet, um eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten kommerziellen Hörfunksendern aufzubauen. Menschen und Nachrichten, die im ansonsten durchformatierten Sendebetrieb keine Chance auf Öffentlichkeit besaßen, sollten hier ihren Platz finden. Dies galt für politische Fragen, lokale Themen und musikalische Nischen. Ende 1996 erhielt der Verein für ein derartiges Programm die Sendelizenz. Zehn Jahre später läßt sich die Tendenz beschreiben, daß (lokal)politische Themen immer weniger Platz im Darmstädter Lokalradio finden, während die Musikberieselung zunimmt. Zu diesem Wandel gehört, daß Fragen der Außendarstellung ein wesentlich größeres Gewicht erhalten als das Verbreiten journalistisch abgesicherter Tatsachen. Wer diese neue journalistische Ethik nicht mitträgt, wird aus dem Verein und dem Radio hinausgedrängt. [mehr]

Diese Dokumentation geht auf die Vorgänge seit April 2006 ein. Hierbei werden nicht nur die Qualität des Programms thematisiert, sondern auch die Hintergründe und Abläufe des Wandels vom alternativen Massenmedium zum imageorientierten Berieselungsprogramm dargestellt. Der Autor dieser Dokumentation hat von Juni 1997 bis Januar 2007 bei Radio Darmstadt gesendet, bis ihn ein aus dieser Umbruchssituation zu verstehendes binnenpolitisch motiviertes Sendeverbot ereilte. Als Schatzmeister [1999 bis 2001], Vorstand für Studio und Technik [2002 bis 2004] und Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit [2004 bis 2006] kennt er die Interna wie kaum ein anderer. [mehr]

In der Dokumentation werden die Namen handelnder Personen aufgeführt. Damit werden Argumentationsstränge leichter nachvollziehbarer gemacht und Verantwortliche benannt. Zur Klarstellung: Eine Diffamierung einzelner Personen ist hiermit nicht beabsichtigt. [mehr]

 


 

Zusammenfassung

Thomas D. und Dirk L. besuchten Radio Darmstadt am 15. März 2002, um live vor Ort die Atmosphäre bei der Produktion eines Radioweckers zu erleben. An diesem Freitagmorgen führten Dirk Beutel, Holger Coutandin und Norbert Büchner durch das Programm.

 


 

Blick von Außen

Bericht von Thomas D. und Dirk L.

 

Es ist kurz vor 6 Uhr in den Räumen von "Radio Darmstadt". Etwas verschlafen sitzen wir in der Küche und beobachten durch eine dicke Glasscheibe das Treiben im Sendestudio von "RaDar". Die vorher relativ ruhige Atmosphäre in diesem Raum ist einer gewissen Gespanntheit und Nervosität gewichen. Trotz routinemäßig ablaufenden Handgriffen scheint der "Point Zero", der Zeitpunkt, in dem die ersten live gesprochenen Wörter an diesem Morgen über den Äther strahlen, immer noch bei allen Beteiligten für Lampenfieber zu sorgen. Wie uns Holger Coutandin später erklärt, reduziert sich sein Puls erst, wenn er den Ausschlag seiner Stimme auf dem Monitor gesehen hat. Dann ist der Faktor Technik abgehakt und es liegt nur noch an ihm, ob es heute eine erfolgreiche Sendung gibt.

Ein paar Minuten nach 6 ist deshalb die Szenerie bereits von Gelassenheit geprägt. Den einen Regler hochgezogen, den anderen hinunter; während ein Lied läuft, wird flink aus dem CD–Koffer das nächste per Zufallsprinzip ausgewählt; zwischendurch noch schnell die Formulierung für die nächste Ansage zurechtlegen.

Was so locker aussieht, erfordert vor allem eines: sehr genaues Zeitgefühl. Besonders deutlich wird das, als zur halben Stunde die Nachrichten des Deutschlandfunks in das RaDar-Programm eingebunden werden. Genau 30 Sekunden vorher heißt es, den eigenen RaDar-Jingle einzublenden, damit dessen letzter Ton nahtlos in die Ansagen des DLF übergeht. Kein Problem für Holger Coutandin und die anderen Moderatoren, aber faszinierend für uns.

Doch nicht nur Timing, auch Schnelligkeit ist im Radio gefragt. Beiträge, für die wir sicherlich eine halbe Stunde zur Formulierung benötigten, werden hier innerhalb von Minuten oder sogar wenige Sekunden vor der Ausstrahlung fertig gestellt. Dennoch übertragt sich diese anzunehmende Hektik nicht durch den Lautsprecher. Die Stimmen wirken nicht gehetzt, sondern bleiben entweder ruhig oder wirken dynamisch.

Apropos Dynamik! Während wir gespannt die Sendung verfolgen, fällt uns ein eindeutiger Themen- und Schwungwechsel auf, der anschließend auch von allen 3 Moderatoren bestätigt wird. Zu Beginn der Ausstrahlung stehen vor allem allgemeine Themen des Tages im Vordergrund – allen voran das Wetter. Die Stimme der ersten 40-50 min wirkt dabei sonor, ruhig, eben ganz, wie man es sich zum langsamen Wachwerden wünscht. Im weiteren Verlauf tauchen dann aber immer mehr Kurzmeldungen, Veranstaltungstips oder ähnliche Appetithappen auf, die vielleicht am Frühstückstisch schon eher wahrgenommen werden. Dazu ändert sich auch die Art der Ansage zu einem etwas forscheren, peppigeren Hallo-Wach-Typus, jedoch ohne daß es während der Sendung heißt: "Jetzt mal raus aus den Federn!"

Die Moderatoren erklären uns dazu anschließend: "Wir wollen den Zuhörer ja nicht belästigen, wenn er grad im Bad die Zähne putzt". Das Morgenradio solle statt dessen eine belauschende Situation bieten, in der man quasi durch's Schlüsselloch hört.

Das gilt aber natürlich nicht für die Musik. Die dringt mit vollem Volumen aus den Lautsprechern und durchläuft dabei alle Musikstile und Epochen seit den 60er Jahren. Uns fällt auf, daß hier auch die besonderen Bedingungen eines Freitags eine Rolle spielen. Denn nur an diesem Tag sind 3 unterschiedliche Moderatoren an den Mikros beziehungsweise am Mischpult und jeder bringt seinen eigenen Musikkoffer ins Studio und damit auch seinen ganz speziellen Musikgeschmack. "Obwohl wir versuchen, selbst immer 'was anderes zu spielen", wie uns Dirk Beutel nachher versichert.

Aber egal ob Pop oder Rock, ob 70er Disko oder Charthit, stets bleibt der Schwung in den Liedern enthalten und sorgt dafür, daß wir um 8 Uhr nach dem Ende der Sendung wesentlich ausgeschlafener das Studio wieder verlassen. Das Radio hat geweckt. Und außer uns viele weitere Darmstädter, die so mit guter Laune in den Tag starten können.

 

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 28. Januar 2008 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2007, 2008. Das Copyright für den Bericht vom Radiowecker liegt bei den Autoren ©  2002. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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