Beiträge für den Radiowecker

von Radio Darmstadt

– August 2002 –

 

Radiowecker–Redaktion von Radio Darmstadt
 
04.08.2002Schnelle 1
05.08.2002Die Geister von Tewa Pueblo
11.08.2002Musikinstrumente
12.08.2002Bundesligastart
18.08.2002Beschäftigung sichern
19.08.2002Kalender 2003
25.08.2002Neandertaler
 
 
Seit November 1998 liefere ich auch kleinere redaktionelle Beiträge für den Radiowecker von Radio Darmstadt. Diese Beiträge fasse ich monatsweise zusammen und stelle sie dann auf einer eigenen Seite ins Internet. Eine komplette Übersicht auf alle Beiträge seit 1998 gibt es auf meiner Radiowecker–Startseite. Zudem gibt es eine inhaltliche Übersicht auf alle Beiträge des Jahres 2002.
Meine Radiowecker–Startseite kann auch mit http://www.wkradiowecker.de.vu aufgerufen werden.
 
 
URL dieser Seite : http://www.waltpolitik.powerbone.de/rawe/rw_aug02.htm
 
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Schnelle 1
04.08.2002 *** Wdh. 06.08.2002 Nächster Beitrag

 
Anmoderation

Bahnfahren soll schneller und attraktiver werden. Verspricht uns zumindest Herr Mehdorn. Und alle Fernsehsender setzen ihn und des Kanzlers Gattin ins schönste PR–Licht. Über die Schattenseiten dieser Neubaustrecke informiert uns nun Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte.

Beitrag Walter Kuhl

Die Eröffnung der ICE–Neubaustrecke Köln–Frankfurt bedeutet einen neuen Meilenstein in der Maßlosigkeit sinnloser Bahnpolitik. Zwar werden wir auf die Strecke mit dem Versprechen gelockt, eine Stunde auf dem Weg ins Rheinland und Ruhrgebiet einzusparen, aber dafür werden wir auch heftig zur Kasse gebeten. Der Vorteil, den die Bahn gegenüber dem privaten Automobilverkehr ausspielen könnte, wird gleich durch Abzockerei verspielt.

Aber die Alternativen sind rar. Die Bahn baut systematisch alle attraktiven und bezahlbaren Angebote ab. Die Zerschlagung des besten Produkts der Bahn, des Interregio, markiert den Weg, den die Bahn nehmen soll: ein Verkehrsmittel, das an den Bedürfnisse von Männern und Geschäftsreisenden (meist ein– und dieselbe Person) orientiert ist.

Doch werfen wir einen Blick in den Fahrplan. Die schnellste Interregio–Verbindung von Darmstadt nach Köln über die Rheintalstrecke dauert 2 Stunden und 18 Minuten. Die Standardverbindung tagsüber über die neue schnelle Verbindung dauert 2 Stunden und 16 Minuten. Der Fahrzeitgewinn durch energiefressendes Tempo 300 wird aufgehoben durch die katastrophale Anbindung Darmstadts an das ICE–Netz. Wartezeiten von einer halben Stunde in Frankfurt gelten als normal. Selbstverständlich wird daher die Rheintalverbindung gekappt.

Der PDS–Verkehrsexperte Winfried Wolf legt in seiner kostenlosen Broschüre Die 7 Todsünden des Herrn M. ausführlich und eindrucksvoll dar, wie die Bahn auf die Bedürfnisse zukünftiger Aktionäre zugeschnitten wird. Es ist kein Zufall, daß sich die Bahn aus der Fläche verabschiedet und sich geradezu krampfhaft darum bemüht, wenig attraktiv für 2. Klasse–Kundinnen zu sein. Denn in Vorstand und Aufsichtsrat der Bahn sitzen die Lobbyisten der Automobilindustrie, der Mineralölwirtschaft, von Reiseunternehmen, der Lufthansa und von LKW–Spediteuren.

Das neue Tarifsystem der Bahn, das Ende des Jahres eingeführt werden soll, heißt PEP und ist so peppig, daß damit gezielt Geschäftsreisende gefördert werden, während Pendlerinnen und normale Bahnbenutzer in die Röhre schauen dürfen. Ganz offensichtlich gehen die Manager der Bahn von sich und ihren Bedürfnissen aus und sorgen dafür, daß ihresgleichen bestmöglich verhätschelt werden, während die notgedrungen mitgeschleppten anderen 90% Bahnkundinnen und –kunden genau so, nämlich als lästig, behandelt werden.

Winfried Wolf dürfte wohl einer der wenigen Bundestagsabgeordneten sein, die sich nicht der Flugmeilen–Abzockerei schuldig gemacht haben. Der Herr fährt nämlich Bahn, und zwar aus Überzeugung, weil es – im Prinzip – das mit Abstand ökologischste, preiswerteste und attraktivste Verkehrsmittel sein … könnte. Aber genau dieses ist ja politisch nicht gewollt. Die rot–grüne Koalition jedenfalls bastelt am Kahlschlag weiter fleißig mit. Und ab September wird Herr Stoiber mitsamt der 18 Prozent–Abzocker–Partei ganz sicher einen Zahn zulegen.

Doch wo liegen die Alternativen? Und hier sollte unser rühriger Verkehrsverein IVDA aus Darmstadt hellhörig werden. Nachdem die Bahn angekündigt hatte, Darmstadt vom attraktiven Interregionetz abzunabeln, setzte man und frau auf alternative Verkehrsgesellschaften wie beispielsweise Connex. Doch Winfried Wolf weiß hierzu eine Geschichte zu erzählen, die voll im neoliberalen Trend liegt.

Connex, die hierzulande hochgepuschte Alternative zur Bahn AG, ist gut da, wo es Märkte zu erobern gilt, eine Katastrophe dort, wo Connex selbst ein Bahnmonopol besitzt, etwa im Südosten Englands. Nach Angaben der britischen Bahnaufsicht sind dort 25% aller Züge unpünktlich, der Spitzenwert unter allen britischen Anbietern. Auch in der Zahl der offiziellen Beschwerden führt Connex die britische Hitliste an, logischerweise wurde die Gesellschaft auch mit den höchsten Strafen belegt. Im Jahr 2001 erschien Connex in der offiziellen Statistik als diejenige Gesellschaft, deren Lokführer die meisten Stopsignale überfahren hatten. Connex ist also typischer Ausdruck der Logik der Bahnreform, die in England wesentlich brutaler durchgeführt worden ist. Aber Sicherheitsmängel an Zügen und Gleisen sind auch in Deutschland Folge dieser Profitlogik – Eschede ist hier nur ein Beispiel. Das ICE–Unglück war nämlich vermeidbar.

Mehr dazu in der gut lesbaren Broschüre Die 7 Todsünden des Herrn M. von Winfried Wolf. Die Bilanz der deutschen Verkehrs– und Bahnpolitik ist kostenlos bei der PDS–Bundestagsfraktion zu beziehen.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt.
 

Moderation : Katharina Mann (Sonntag), Holger Coutandin (Dienstag)
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Die Geister von Tewa Pueblo
05.08.2002 Nächster Beitrag

 
Anmoderation

Die hessischen Sommerferien gehen in die letzte Woche. Sollte der Sommer noch einmal vorbeischauen, bietet sich ein Nachmittag auf dem Rasen, ein Buch in der Hand, geradezu an. Ein Vorschlag von Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte.

Beitrag Walter Kuhl

Wenn indianische Mystik Eingang in Romane und Sachbücher findet, ist Vorsicht angesagt. Das tatsächliche, aber meist nur angebliche Kulturerbe der Native Americans dient allzuoft als Folie für die eigenen Träume und Wunschvorstellungen von einer natürlicheren, überschaubereren und daher auch vorgeblich besseren Welt. Wahrscheinlich amüsieren sich die Native Americans, die diesen Kulturexotismus der weißgesichtigen Schwärmerinnen und Schwärmer mitbekommen, darüber.

Es gibt jedoch auch Romane, welche die Naturvorstellungen der Native Americans ernst nehmen und sie in einen rationalen, westlichen Gemütern verständlichen Kontext stellen können. Der US–amerikanischen Lehrerin und Romanautorin Susan Slater ist dies in ihrem Roman Die Geister von Tewa Pueblo gelungen. Ihr Roman handelt gleichzeitig von den Problemen der Gesundheitsversorgung von Native Americans und der Ausbeutung auch noch der letzten Ressourcen eines kargen und scheinbar nicht profitträchtigen Landes.

Und während das organisierte Verbrechen namens Kapitalismus, diesmal getarnt hinter einem Spielkasino, in der Öde von Tewa Pueblo im Bundesstaat New Mexico einzieht, muß sich der Medizinpraktikant Benson Pecos mit einigen mysteriösen Todesfällen im Dorf herumschlagen. Der alte, viel zu kleine Friedhof des Dorfes wurde vor kurzem erweitert, und nun geht die Furcht um, daß der Tod durch diese Vergrößerung des Friedhofs geradezu eingeladen worden ist vorbeizuschauen.

Mag sein, daß die Autorin in ihrem Bemühen, den Friedhof zu füllen, etwas übertrieben hat, und die Story mehr einer Verschwörungstheorie als der Realität entstammt. Doch ihr Kriminalfall handelt davon, wie ein gezielt geplantes Verbrechen völlig außer Kontrolle geraten ist, was die Lösung des Falles umso mehr erschwert. Doch die Schuldigen werden – wie sich das in der Fiktion, nicht jedoch in der Realität gehört – zur Rechenschaft gezogen. Und daran haben die Geister von Tewa Pueblo einen ganz und gar nicht mystischen Anteil.

Der zur Sommerlektüre einladende Roman Die Geister von Tewa Pueblo von Susan Slater ist im Unionsverlag erschienen und kostet 19 Euro 80.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt. Dieser Beitrag ist demnächst nachzulesen auf der Internetseite www.wkradiowecker.de.vu.
 

Moderation : Dirk Beutel (Montag)
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Musikinstrumente
11.08.2002 *** Wdh. 13.08.2002 Nächster Beitrag

 
Anmoderation

Musik gehört zu jenen Kulturtechniken, die der Mensch nicht nur zur eigenen Unterhaltung, sondern auch für die Kommunikation mit seinen Mitmenschen und die Kontaktaufnahme mit übernatürlichen Wesen entwickelt hat. Ein Beitrag von Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte.

Beitrag Walter Kuhl

Wenn wir Musik zwischen den Textbeiträgen hören, dann liegt das daran, daß wir bestimmte Hörgewohnheiten verinnerlicht haben. Das Formatradio diktiert uns Beiträge von maximal anderthalb Minuten, weil wir sonst angeblich wegschalten und deshalb als Werbekundinnen und –kunden uninteressant sind. Gute seichte eingängige Musik gilt als perfekter Übergang zum nächsten Werbeblock. Wie gut, daß solcherlei Unsinn bei Radio Darmstadt nicht das Programm bestimmt [, aber leider allzu häufig vorkommt].

Statt dessen können wir uns fragen, woher Musik überhaupt stammt und auf welchen Instrumenten erstmals Töne erzeugt worden sind. Die neue Ausgabe der Zeitschrift Archäologie in Deutschland verweist uns bis in die Eiszeit. Die älteste bislang bekannte Flöte ist beispielsweise 35.000 Jahre alt; und es gibt Hinweise darauf, daß es zumindest Schwirrinstrumente gegeben haben muß, mit denen verschieden hohe Töne durch eine veränderte Umdrehungsgeschwindigkeit hergestellt werden konnten. Die Existenz von Trommeln hingegen ist für die Eiszeit nicht eindeutig nachweisbar. Den Zweck dieser Instrumente können wir derzeit nur erahnen. Natürlich sind Archäologen und Ethnologinnen schnell mit magischen Ritualen bei der Hand und verweisen auf einen religiösen Ursprung der Musik. Aber auch gibt es allenfalls Hinweise, etwa wenn Musikinstrumente zerbrochen als Grabbeigaben dienten.

Doch in den Jahrtausenden danach wurden die Menschen einfallsreicher, zumal mit Kupfer, Bronze und Eisen auch neuartige Materialien zur Verfügung standen. Seltsam mag erscheinen, daß die antiken Leiern nicht gezupft, sondern geschlagen wurden. Die Ursprünge unserer westeuropäischen Musikgeschichte müssen wir jedenfalls im Mittelmeerraum suchen. Schon aus Mesopotamien sind für uns unverständliche Notationssysteme bekannt und aus Ägypten sind sogar antike Instrumente erhalten. Dennoch dürfte es vermessen sein anzunehmen, daß wir wüßten wie antike Musik geklungen haben mag. Überlebt hat jedoch das musiktheoretische Gerüst aus jener Zeit. So war die noch heute gebräuchliche siebenstufige Ganztonleiter mit zwei Halbtönen bereits in Mesopotamien bekannt. Und die Tonleitern der arabischen Musik verweisen auf römische, vielleicht auch schon altägyptische Traditionen.

Warum wir dennoch selbst mit erhaltenen Musikinstrumenten antike Musik nicht nachspielen können, liegt daran, daß wir wenig über deren Rhythmus oder Dynamik wissen. Zwar gibt es inzwischen CDs mit Interpretationsversuchen, aber ob die Römerinnen oder Griechen damit ihre Musik wiedererkennen würden, darf bezweifelt werden. Aus der römischen Zeit sind beispielsweise Mosaiken erhalten, die ein Orchester bei der Arbeit zeigen; und eins der vielleicht erstaunlichsten Beispiele römischer Instrumentenkunst sind raffiniert konstruierte Orgeln.

Eine Einführung in die verschiedensten Aspekte steinzeitlicher und antiker Musik und Instrumente bietet die soeben erschienene Ausgabe 4 der Zeitschrift Archäologie in Deutschland. Sie ist im gut sortierten Buch- und Zeitschriftenhandel oder direkt beim Konrad Theiss Verlag in Stuttgart erhältlich. Das Heft kostet 9 Euro 95.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt.
 

Moderation : Katharina Mann (Sonntag), Holger Coutandin (Dienstag)
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Bundesligastart
12.08.2002 Nächster Beitrag

 
Anmoderation

Wie das in einer medienzentrierten Welt so üblich ist, wird das Ende der fußballfreien Zeit allerorten beschworen. Nicht etwa, weil Fußball unser Leben wäre, sondern weil sich mit Fußball Geld verdienen läßt. Ein Beitrag von Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte.

Beitrag Walter Kuhl

Kaum ist die Weltmeisterschaft vorbei und sind die gestreßten Nationalspieler aus ihrem Erholungsurlaub zurück, der aus Profitgründen natürlich so kurz wie möglich ausfallen muß, werden die Fußballstadien und Fernsehsessel zum Event des Monats hochgepuscht. Allen voran SAT. 1 und die Bild–Zeitung.

Woher die Faszination eines Sports herrührt, in dem gezielt gegrätscht, geschubst und geschummelt wird, läßt sich wohl nicht so einfach erklären. Vielleicht hat das damit zu tun, daß Fouls nicht nur den Sport, sondern auch unser Leben bestimmen. Kapitalismus ohne Betrug ist genausowenig denkbar wie Fußball ohne Schwalben. Und die Stars dieser Veranstaltung werden als Volkshelden gefeiert, so als hätten sie wunderbare Taten für die Menschheit vollbracht. Etwa die Hungernden verpflegt und die Kriegsverbrecher bestraft? Oder gar den Kapitalismus abgeschafft? Nein, leider sind die wahren Helden die, die am nachhaltigsten und medienwirksamsten die kapitalistischen Tugenden von Leistung und Erfolg verkörpern. Oliver Kahn zum Beispiel, der besessene Workaholic aus München. Volksheld schon deshalb, weil er praktisch im Alleingang eine Gurkentruppe ins Finale der Fußball–Weltmeisterschaft gebracht hat. Die gebeutelte deutsche Seele ist ihm dafür natürlich dankbar.

Das hat auch der Sportverlag Berlin erkannt und schnell das Buch zum Erfolg herausgebracht. Oliver Kahn, das Porträt der Nummer 1, gibt einen kurzen, informativen, wenn auch nicht übermäßig tiefsinnigen Einblick in die Karriere und das Leben des Nationalhelden. Und wer sich gerne mit den Besten identifiziert, die natürlich ihren – wie es dann heißt – ehrlichen Charakter behalten, erfährt hier mehr über den Mann, ohne den Schröder, Stoiber und ausgewählte Prominente nicht auf Staatskosten nach Yokohama geflogen wären, nur um am Event teilhaben zu dürfen. Hätten sie mal besser miles and more gemacht als Steuergelder verplempert.

Doch auch die Looser haben ihre Fans. Nicht nur in Darmstadt. Vereine der underdogs haben ihre ganz besonderen Verehrer. Mehr um Niederlagen, als um Siege ranken sich die Mythen. Gemeinsames Leid ist geteiltes Leid. Und wer denkt fußballerisch hier nicht an Borussia Mönchengladbach? Das unvergeßliche 7:1 gegen Inter Mailand beispielsweise. Es ist kein Zufall, daß ausgerechnet dieser Verein nach den erfolgreichen Bayern der zweitbeliebteste der Bundesliga sein soll.

Mythen schaffen eben ihre eigene Wirklichkeit. Dann nimmt man und frau eher nicht zur Kenntnis, daß sich das Management des Vereins Anfang der 90er Jahre schwer tat mit einer klaren und konsequenten Haltung gegen die Neonazis unter den Fans des Clubs. Oder daß ein Rolf Rüssmann selbstherrlich wie ein Diktator jahrelang den Club regierte. Gerade hier zeigt sich das Zusammenspiel von Marktinteressen und Demokratie sehr deutlich.

Das Borussia Mönchengladbach Lexikon von Holger Jenrich holt den Mythos wieder auf den Boden der Tatsachen. Neben einem kurzen geschichtlichen Überblick von den Anfängen des Vereins bis zum Wiederaufstieg in die Bundesliga werden hier ausgewählte Spieler und Ereignisse zusammengestellt. Damit die Mythen wieder eine realistische und historisch gesicherte Grundlage bekommen. Das Buch ist im Verlag Die Werkstatt erschienen und kostet 12 Euro 80.

Und das Buch über Oliver Kahn ist im Sportverlag Berlin herausgekommen und kostet 9 Euro 95.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt. Dieser Beitrag ist demnächst nachzulesen auf der Internetseite www.wkradiowecker.de.vu.
 

Moderation : Dirk Beutel (Montag)
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Beschäftigung sichern
18.08.2002 *** Wdh. 20.08.2002 Nächster Beitrag

 
Anmoderation

Aktuelle Fälle wie Holzmann oder Babcock zeigen, daß häufig erst dann über den Erhalt von Arbeitsplätzen nachgedacht wird, wenn Unternehmen von Insolvenz bedroht sind. Daß dies auch anders geht, erklärt uns Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte im folgenden Beitrag.

Beitrag Walter Kuhl

Verschiedene Konzepte, wie Arbeitsplätze erhalten oder gar neu geschaffen werden können, stellt die Fachzeitschrift Arbeitsrecht im Betrieb aus der gewerkschaftlichen Bund Verlagsgruppe in ihrem aktuellen Schwerpunktheft [08/2002] zum Thema Beschäftigungssicherung vor. Wolfgang Däubler, Professor für Deutsches und Europäisches Arbeitsrecht an der Universität Bremen erläutert darin die Bedeutung von Kündigungsschutzgesetzen.

Entgegen der von Arbeitgeberseite gerne vorgetragenen Behauptung, in Deutschland sei der Kündigungsschutz beschäftigungsfeindlich, stellt Däubler klar, daß in Sachen Kündigungsschutz im europäischen Vergleich eher noch Nachholbedarf bestehe. In den Niederlanden beispielsweise muß in jedem Einzelfall die staatliche Arbeitsbehörde zustimmen; und in Frankreich werden betriebsbedingte Kündigungen von den Gerichten nur bei gefährdeter Wettbewerbsfähigkeit anerkannt, die jedoch erst zu belegen wäre.

Das von der CDU in ihrem Wahlprogramm vorgeschlagene arbeitgeberfreundliche Optionsmodell, das bei einer Neueinstellung den Verzicht auf einen Kündigungsschutz vorsieht, geht jedoch in eine ganz andere Richtung und beweist einmal mehr die Maßlosigkeit der Arbeitgeberlobby. Angesichts dessen, daß vor allem profitable Jobs fehlen, (denn sinnvolle Arbeit gibt es ja genug,) ist zu vermuten, daß es nicht um den Abbau der Arbeitslosigkeit geht, sondern darum, den Kündigungsschutz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über 45 zu lockern.

Weitere Beiträge des Schwerpunktheftes Beschäftigungssicherung gehen auf die neuen Initiativ– und Vorschlagrechte von Betriebsräten ein. Sie können beispielsweise fordern, daß die Beschäftigten betrieblich qualifiziert werden. Dies sei vor allem dann wichtig, wenn Unternehmen modernisiert werden und die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neue Fertigkeiten erlernen müßten. In solchen Fällen kann der Betriebsrat Berufsbildungsmaßnahmen für die Beschäftigten verlangen und notfalls mithilfe der Einigungsstelle auch durchsetzen.

Zum Thema Beschäftigungssicherung findet daher am 12. September in Köln ein Kongreß statt, auf dem nicht nur Wolfgang Däubler erklären wird, warum ein besserer Kündigungsschutz keinesfalls Unternehmen daran hindert, Neueinstellungen vorzunehmen, wie dies auch Edmund Stoiber verkündet. Der Kongreß richtet sich insbesondere an Betriebsräte sowie Anwälte und Fachanwältinnen für Arbeitsrecht. Fragen hierzu können an den Bund–Verlag in Frankfurt gerichtet werden.

Machen wir uns nichts vor – der angeblich übermäßige Kündigungsschutz ist nur ein weiteres vorgeschobenes Argument dafür, das Lohnniveau zu senken und die Arbeitsbedingungen für die abhängig Beschäftigten zu verschlechtern. Wer davon profitiert, ist offensichtlich. Und neben Edmund Stoiber unterstützt im Prinzip auch Gerhard Schröder derart "sinnvolle" arbeitspolitische Maßnahmen.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt.
 

Moderation : Martin Keindl (Sonntag), Holger Coutandin (Dienstag)
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Kalender 2003
19.08.2002 Nächster Beitrag

 
Anmoderation

Das Jahr 2002 erfreut sich nach den Regenfluten doch noch am Sommer, aber das Jahr 2003 macht sich schon bemerkbar. Der Spätsommer ist Kalenderzeit – und die neuen Kalender werden so langsam herausgebracht. Einen davon stellt uns Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte vor.

Beitrag Walter Kuhl

Ja, es ist schon seltsam. Und doch geschieht es jedes Jahr. Denn wer zu spät kommt, den bestraft der Kalender unbarmherzig. Nein, Spaß beiseite. Es gibt Kalender und Kalender. Die einen begleiten uns überall hin und die anderen hängen wir an die Wand. Motive von Kitsch bis Kunst, worin auch immer der Unterschied bestehen mag, sollen uns ein ganzes Jahr lang erfreuen.

Im Dezember dieses Jahres eröffnet die archäologische Ausstellung Menschen · Zeiten · Räume in Berlin ihre Pforten, ehe sie ab Mai [2003] in Bonn zu sehen sein wird. Mit dieser Ausstellung sollen die bedeutendsten Entdeckungen aus Ausgrabungen der vergangenen 25 Jahre, die in Deutschland gemacht wurden, zusammen–, vor– und ausgestellt werden. Von den Fossilien der Grube Messel über Funde der Neandertaler und der Bronzezeit bis hin ins Mittelalter, ja sogar in die Moderne reicht der zeitliche Rahmen.

Die eindrucksvollsten Funde und Kunstwerke dieser Ausstellung sind im Kalender Archäologie 2003 versammelt. Löwenmenschen aus der Schwäbischen Alb oder ein Bernsteinschatz, der in Ingolstadt gefunden wurde. Aufgenommen in fotografisch hochwertiger Qualität präsentiert der Kalender in jedem Monat einen Höhepunkt der Archäologie der letzten 25 Jahre. Ergänzt werden die Fotografien durch Hintergrundinformationen und fachlich fundierte Kommentare.

Der Kalender Archäologie 2003 ist im Theiss Verlag erschienen und im gut sortierten Buchhandel erhältlich. Er kostet 19 Euro 90.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt. Dieser Beitrag ist demnächst nachzulesen auf der Internetseite www.wkradiowecker.de.vu.
 

Moderation : Dirk Beutel (Montag)
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Neandertaler
25.08.2002 *** Wdh. 26.08.2002 Nächster Beitrag

 
Anmoderation

Neandertaler gelten als plump und affenähnlich. Ihr Aussterben wird meist mit der mangelnden Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem modernen Menschen begründet. Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte korrigiert dieses Bild.

Beitrag Walter Kuhl

Als vor rund 150 Jahren die ersten Knochen des Neandertalers gefunden wurden, war Charles Darwins bahnbrechendes Werk über die Entstehung des Menschen noch nicht geschrieben. Zwar ahnte man etwas von der Existenz von frühzeitlichen Menschen, aber man sah – ganz dem Zeitgeist entsprechend – in ihnen bloß Wilde und Primitive. Bezeichnend ist, daß sie mit einer Keule in der Hand dargestellt wurden, obwohl bis heute keine Keule aus der Eiszeit gefunden worden ist.

Bärbel Auffermann und Jörg Orschiedt legen nun in ihrem bei Theiss erschienenen Buch Die Neandertaler den Stand der heutigen Forschung dar. Sie belegen darin, daß der Neandertaler – würde er entsprechend mit Anzug und Krawatte kostümiert werden – uns heute nicht einmal als Fremder begegnen würde. Zu ähnlich sind nicht nur seine anatomischen Merkmale, sondern – soweit sich dies heute sagen läßt – auch sein Sprachvermögen, sein Sozialverhalten und seine Kunstfertigkeit.

Bärbel Auffermann und Jörg Orschiedt waren in den 90er Jahren beim Aufbau des Neanderthal–Museums in Mettmann beteiligt, dessen Direktor Gerd–Christian Weniger für eine gleichermaßen wissenschaftliche Exaktheit wie wissenschaftliche Neugier steht. Was nicht beweisbar ist oder nur spekulativ, wird auch so benannt. Was andere Forscherinnen und Forscher der Frühzeit des Menschen als gesicherte Erkenntnis verbreiten, wird hier noch einmal problematisiert. Und dennoch ist es ein leicht und verständlich zu lesendes Buch.

Doch das Rätsel, warum die Neandertaler, oder vielleicht sollten wir genauer sein: warum die Menschen, die anatomisch als Neandertaler gelten, vor etwa 30.000 Jahren verschwunden sind, ist bis heute ungeklärt. Entweder waren sie im Vergleich zum einwandernden modernen Menschen zu wenige und sind sozial einfach assimiliert worden, oder sie sind aus Gründen, die völlig unklar sind, ausgestorben.

Doch eine These, wie sie der Spiegel im März 2000 aufgestellt hat, wonach die flachköpfigen Neandertaler von unseren Vorfahren im Stil einer ethnischen Säuberung ausgerottet worden sein sollen, läßt sich nicht belegen. Hier ist offensichtlich die unwissenschaftliche Phantasie mit dem Autor durchgegangen, um das angeblich kriegerische Erbe des Jetztmenschen genetisch zu begründen, anstatt die sozialen und ökonomischen Ursachen von Kriegen zu beleuchten. Die Neandertaler müssen ungemein anpassungsfähig gewesen sein, da sie mehrere Jahrzehntausende in Gegenden gelebt haben, die wesentlich kälter und unwirtlicher als unser heutiges Mitteleuropa waren. Doch als Sammlerinnen und Jäger verstanden sie es, das Beste daraus zu machen, so daß es unwahrscheinlich ist, daß sie an der Kälte einer Eiszeit zugrunde gegangen sind.

Vielleicht müssen wir auch von einer weiteren Vorstellung Abstand nehmen. Wir reden von Steinzeitmenschen, weil wir nur erahnen können, mit welchen anderen organischen Materialien sie ihr Leben bestritten haben. Organisches Material ist vergänglich, Stein nicht. Vielleicht sollten wir sie eher Holz– oder Knochenwerkzeugmenschen nennen. Jedenfalls war ihr kultureller Hintergrund wesentlich weiter, als der Begriff Steinzeit vorgibt.

Dies alles und noch viel mehr ist nachzulesen im Sonderband der Zeitschrift Archäologie in Deutschland. Das fundierte, lesens– und vor allem empfehlenswerte Buch von Bärbel Auffermann und Jörg Orschiedt heißt Die Neandertaler. Es ist im Theiss Verlag erschienen und kostet 26 Euro.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt. Dieser Beitrag ist demnächst nachzulesen auf der Internetseite www.wkradiowecker.de.vu.
 

Moderation : Katharina Mann (Sonntag), Dirk Beutel (Montag)
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Diese Seite wurde zuletzt am 4. August 2005 aktualisiert.
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