Beiträge für den Radiowecker

von Radio Darmstadt

– Dezember 2003 –

 

Radiowecker–Redaktion von Radio Darmstadt
 
07.12.2003Abmahnung
14.12.2003Innovation
21.12.2003Steinzeit
28.12.2003Mumia Abu-Jamal
 
 
Seit November 1998 liefere ich auch kleinere redaktionelle Beiträge für den Radiowecker von Radio Darmstadt. Diese Beiträge fasse ich monatsweise zusammen und stelle sie dann auf einer eigenen Seite ins Internet. Eine komplette Übersicht auf alle Beiträge seit 1998 gibt es auf meiner Radiowecker–Startseite. Zudem gibt es eine inhaltliche Übersicht auf alle Beiträge des Jahres 2003.
Meine Radiowecker–Startseite kann auch mit http://www.wkradiowecker.de.vu aufgerufen werden.
 
 
URL dieser Seite : http://www.waltpolitik.powerbone.de/rawe/rw_dez03.htm
 
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Abmahnung
07.12.2003 *** Wdh. 09.12.2003 Nächster Beitrag
 
Anmoderation

Du erhältst eine Abmahnung und fragst dich, was du tun sollst. Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte hat hierzu einen kompetenten Ratgeber gelesen. Hier sein Bericht:

Beitrag Walter Kuhl

Abmahnungen sind im Arbeitsalltag eine gängige Praxis. Die dahinterliegenden Motive sind vielfältig. Die Abmahnung kann als gutgemeinter Fingerzeig gemeint sein, aber im anderen Extrem genausogut als Mobbing begriffen werden. So werden gegenüber ängstlichen Belegschaften Abmahnungen ausgesprochen, um möglichst kostengünstige Überstunden zu erzwingen, mit Hinweis auf eine angebliche Ableistungspflicht. Abmahnungen können aber auch als aktive Beschäftigungspolitik begriffen werden, mit dem Ziel, kostenaufwendige Sozialpläne zu vermeiden. Denn meist ist die Abmahnung die Vorstufe zur Kündigung.

Unverzichtbare Bestandteile einer Abmahnung sind die Beanstandung, der Hinweis und die Ankündigung. Fehlt eines dieser drei Elemente, ist die Abmahnung unwirksam. Daher muß das beanstandete Verhalten hinreichend bestimmt bezeichnet werden. Formulierungen wie Sie haben Ihren Vorgesetzten beleidigt reichen daher nicht aus. Es fehlt die konkrete Angabe, wann, wo und wie diese Beleidigung erfolgt ist. Hingewiesen werden muß darauf, welches vertragswidrige Verhalten nicht hingenommen wird. Zuletzt muß mit der Abmahnung eine Konsequenz angekündigt werden, zum Beispiel der konkrete Hinweis auf eine Kündigung im Wiederholungsfall. Eine Formulierung wie Im Wiederholungsfall behalten wir uns geeignete Schritte vor genügt nicht.

Heinz-Josef Eichhorn und Rolf Steinmann geben in ihrem im gewerkschaftlichen Bund-Verlag erschienenen Ratgeber Abmahnung – was tun? mehr als nur einen Einblick in die Materie. Sie weisen nicht nur darauf hin, wie eine wirksame Kündigung aussehen muß, sondern geben konkrete Handlungsempfehlungen im Falle einer Abmahnung. Denn nicht immer ist es sinnvoll oder notwendig, sich hiergegen zur Wehr zu setzen. Es besteht nämlich keine Verpflichtung, gegen die Richtigkeit einer Abmahnung gerichtlich vorzugehen. Insbesondere bei mündlichen Abmahnungen kann es sinnvoll sein abzuwarten. Denn wer erinnert sich später noch genau an den Sachverhalt? Was jedoch später nicht beweisbar ist, ist auch unwirksam. In Kündigungsschutzprozessen wird nämlich auch geprüft, ob die zugrunde liegende Abmahnung tatsächlich gerechtfertigt war.

Sinnvoll ist auf jeden Fall ein abklärendes Gespräch mit dem Betriebsrat und der zuständigen Gewerkschaft. Insbesondere bei Abmahnungen in Kleinbetrieben ohne Kündigungsschutz ist hierzu dringend zu raten. Da zeigt sich dann auch, wozu gewerkschaftlicher Rechtsschutz nützlich ist.

Stellt sich die Frage, ob Abmahnungen so etwas wie ein Verfallsdatum haben. Neben verschiedenen Möglichkeiten, einer Abmahnung zu begegnen, etwa durch eine Gegendarstellung oder einer Beschwerde und Klage, kann es auch sinnvoll sein, die Abmahnung stillschweigend verfallen zu lassen. Allerdings ist festzuhalten, daß es keine gesetzlichen Fristen darüber gibt, wie lange eine Abmahnung als wirksam anzusehen ist. Die beiden Autoren gehen jedoch aufgrund der ständigen Rechtsprechung davon aus, daß für eine mehr als zweijährige Aufbewahrungsdauer in der Regel kein Bedürfnis besteht. Dies ist jedoch im Einzelfall zu betrachten und gegebenenfalls im Klageweg auch durchzusetzen.

Ein weites Feld also. Heinz-Josef Eichhorn und Rolf Steinmann stellen sich dieser Aufgabe jedoch in auch für juristische Laien nachvollziehbarer Weise. Hierbei geben sie wertvolle Tips, wie Abmahnungen, Verwarnungen oder Betriebsbußen zu verstehen und vor allem, wie mit ihnen sinnvoll umzugehen ist. Ihr Ratgeber Abmahnung – was tun? ist in der 3. überarbeiteten Auflage im Bund-Verlag erschienen und kostet 9 Euro 90.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt. Demnächst nachzulesen im Internet unter www.wkradiowecker.de.vu.
 

Moderation : Katharina Mann (Sonntag), Timo Krstin oder Beatrice Kadel (Dienstag)
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Innovation
14.12.2003 *** Wdh. 15.12.2003 Nächster Beitrag
 
Anmoderation

Deutschland ist bekanntlich das Land der Tüftler und Bastlerinnen. Innovative Ideen werden groß geschrieben. Heute stellt uns Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte eine technologische Innovation vor, auf welche die Welt dringend gewartet hat:

Beitrag Walter Kuhl

Ich bin mir ja nicht so sicher, ob es sich um einen verspäteten Aprilscherz oder einfach nur um eine bescheuerte Werbeidee handelt. Die in Otzberg am Rande des Odenwaldes ansässige Firma LENI MEDIA stellt am kommenden Freitag in Brensbach das Informationsmedium der Zukunft vor: eine Litfaßsäule. Ja, nun mögt ihr fragen, was denn das Besondere an dieser Litfaßsäule ist. Nun, stellt euch vor: sie dreht sich um ihre eigene Achse. Mehr noch: sie ist beleuchtet und blinkt. Hat uns das nicht allen gefehlt? Ein Werbeträger, der nicht ruhig steht, sondern aufdringlich auf uns einwirkt?

Glaubt ihr, ich mache Witze? Bestimmt nicht. Ich zitiere einfach die Pressemitteilung. Dort heißt es:

Die farbigen Bilder und großen Lettern ziehen neugierige Blicke auf sich: Der Betrachter bleibt stehen und wartet, bis sich die rund 2 Meter 50 hohe und drehende Werbesäule von allen Seiten gezeigt hat.

Ganz bestimmt. Ich habe in meinem tristen Dasein gewiß nichts Besseres zu tun als abzuwarten, bis sich auch die letzte bunte Werbebotschaft der sich drehenden Säule in meinem Gehirn eingenistet hat. Die Firma LENI MEDIA feiert dies als einen großen innovativen Wurf. Dabei gibt sie selbst zu:

Mit Beleuchtung und Bewegung wirken Anzeigen und Slogans noch marktschreierischer.

Das bringt die Sache auf den Punkt. Da Werbung keine Verbraucherinnen-Information ist, sondern der Versuch, Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, kommt es auch nicht auf Argumente an. In der Tat ist es so, daß vor allem Männer, wenn ihnen die Argumente ausgehen, entweder anfangen herumzuschreien oder gewalttätig werden. In der Süddeutschen Zeitung fand ich die hierzu passende Analogie aus der Hörfunkwerbung:

In wenigen Sekunden muß [der Hörfunkspot] die Aufmerksamkeit des Hörers gewinnen, eine Geschichte erzählen, ein Produkt verkaufen – ohne nackte Frauen und digitale Grafikeffekte. Die Antwort auf die Frage, wie man trotzdem in einem Werbeblock auffällt, lautet fast immer: Den Hörer anbrüllen. [SZ, 28.10.2000]

Kein Wunder, daß die neueste Innovation aus der Werbebranche auf diese Form der Bewußtseinsbildung zurückgreift. Verkleidet in blinkende beleuchtete Botschaften. Marktschreierisch. Das nennt sich dann Kommunikation: Menschen anzuschreien. Oder in den Worten von LENI MEDIA:

Kurz und bündig sowie weithin sichtbar ist auf diesen Säulen Kommunikation auf den Punkt gebracht.

Und da dachte ich immer, Kommunikation sei ein Austausch zwischen zwei oder mehreren Personen. Aber es scheint eher so zu sein, daß Kommunikation eine Einbahnstraße ist, bei der die einen schreien und die anderen ... (nein, nicht kaufen, sondern:) sich nur noch entsetzt abwenden. Was bleibt, ist die Erkenntnis, daß den innovativen Ideengebern des Kapitalismus nur noch die nackte Aggression einfällt.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt. Demnächst nachzulesen im Internet unter www.wkradiowecker.de.vu.
 

Moderation : Katharina Mann (Sonntag), Dirk Beutel (Montag)
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Steinzeit
21.12.2003 *** Wdh. 23.12.2003 Nächster Beitrag
 
Anmoderation

Was haben wir uns unter einer steinzeitlichen Siedlung vorzustellen? Eine Forschergruppe besuchte den Stamm der Ewenken im nördlichen Ostsibirien, um sich kundig zu machen. Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte hat ihren Bericht in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Archäologie in Deutschland gelesen.

Beitrag Walter Kuhl

Ich gebe zu, ich zweifle. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Ewenken tatsächlich noch immer eine Lebensweise wie vor tausenden von Jahren pflegen. Zu viele Einflüsse aus anderen Kulturen und Gesellschaften müssen in ihre Lebensweise eingeflossen sein. Zwar leben sie für unsere Verhältnisse primitiv und einfach; aber für die Jagd benutzen sie nicht Pfeil und Bogen, sondern ein Gewehr. Dennoch lassen sich ethnologische Erkenntnisse gewinnen, die gerade daraus resultieren, daß die Ewenken am äußersten Rande der Zivilisation leben.

Die Ewenken, das sind rund 18.000 Menschen auf einer Fläche doppelt so groß wie das wiedervereinigte Deutschland. Taiga und Permafrostboden sind ihre natürliche Umwelt. Jagd und Fischfang bilden so die Grundlagen der Ernährung. Jede Jägerfamilie besitzt 15 bis 30 zahme Rentiere, welche Schlitten ziehen oder als Lasttiere genutzt werden. Felsbilder berittener Rentiere deuten darauf hin, daß diese Tradition mindestens 3000 Jahre zurückreicht.

Trotz aller Skepsis lassen sich dennoch Erkenntnisse gewinnen, die vielleicht auch für weiter zurückliegende Zeiten in klimatisch angenehmerer Umgebung nutzbar gemacht werden können. Die Frage, was eine steinzeitliche Siedlung ausmachen könnte, ist gar nicht so abwegig. Befunde ausgegrabener Siedlungsplätze lassen ja keine Rückschlüsse darauf zu, wieviele Menschen in welchem Zeitraum dort gelebt haben mögen.

Unter einer steinzeitlichen Siedlung verstehen Archäologen ein verhältnismäßig kleines Stück Land, wo die Bewohner ihre Unterkunft hatten und einen Großteil iherer Abfälle hinterließen. [...] Das Siedlungskonzept der Ewenken weicht radikal von solchen archäologischen Vorstellungen ab. Eine Siedlung, in der [die Autoren] fünf Einwohner antrafen, erstreckte sich über einen halben Quadratkilometer. [Seite 15]

Was bedeutet: es gibt keine eingefriedete Siedlung, sondern man und frau nimmt sich den Platz, der für verschiedene Zwecke benötigt wird. So können zu einer solchen Siedlung auch kilometerweit vom Wohnbereich gelegene Boots-Anlegestellen gehören, ferner Jagdgebiete und Friedhofsplätze.

Die ethnologisch-archäologischen Forscher trafen auf eine Form ritueller Knochenentsorgung, denn ein totes Tier muß mit Repekt entsorgt werden, damit die Seele in einem neuen jagdbaren Tier wieder zurückkehrt. Nicht ganz klar wird, ob hier europäisch-pseudoindianisches Gedankengut den rituellen Handlungen der Ewenken aufgestülpt worden ist. Interessant ist ferner, daß es festgelegte Männer- und Frauenbereiche in den Wohnzelten gibt, in denen diese auch ihre Utensilien lagern.

Die Ewenken säubern übrigens beim Verlassen eines Lagerplatzes den Boden gründlich. Sollte dieses Verhalten typisch auch für steinzeitliche Verhältnisse sein, erklärt dies den zuweilen geringen Fundumfang steinzeitlicher Lagerplätze. Der Bericht der drei Forscher, der in der aktuellen Ausgabe 6 der Zeitschrift Archäologie in Deutschland abgedruckt ist, zeigt im Bild zudem die einfachen, aber wirkungsvollen Möglichkeiten der Tierhautbearbeitung. Daraus läßt sich durchaus schließen, daß auch Steinzeitmenschen technologisch gar nicht so rückständig waren, wie wir uns das vielleicht vorstellen mögen.

Schwerpunkt der Zeitschrift ist jedoch die mittelalterliche Landnahme der ehemals slawischen Gebiete zwischen Elbe und Oder. Weiterhin werden die Auswirkungen der aktuellen Sparpolitik auf die archäologische Forschung in Deutschland thematisiert. Auch hier ist die Operation Sichere Zukunft ein Kahlschlag Richtung Vergangenheit.

Das aktuelle Heft der Zeitschrift Archäologie in Deutschland ist im gut sortierten Buch- und Zeitschriftenhandel erhältlich und kostet 9 Euro 95. Empfehlenswert ist hier auch das Abonnement mit Sonderheft zum Preis von rund 60 Euro im Jahr. Das diesjährige Sonderheft behandelt das Siedeln und Leben am Rande der damals bekannten europäischen Welt – in den Alpen, an der Nordsee, auf Grönland oder in den schottischen Highlands in den letzten Jahrtausenden.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt. Demnächst nachzulesen im Internet unter www.wkradiowecker.de.vu.
 

Moderation : Katharina Mann (Sonntag), Beatrice Kadel (Dienstag)
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Mumia Abu-Jamal
28.12.2003 *** Wdh. 29.12.2003 Nächster Beitrag
 
Anmoderation

Zum Jahresende wollen wir eines Vereinsmitgliedes ehrenhalber gedenken, der seit zwei Jahrzehnten im Todestrakt in den USA um seine Freiheit kämpft: Mumia Abu-Jamal. Ein Beitrag von Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte.

Beitrag Walter Kuhl

Vor ziemlich genau 22 Jahren, am 9. Dezember 1981, wird auf offener Straße in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania ein Polizist erschossen. Doch dieser Polizist ist kein gewöhnlicher Polizist. Er wird nach seinem Tode benutzt, um einen der bekanntesten Journalisten von Philadelphia, Mumia Abu-Jamal, kaltzustellen. Drei Jahre zuvor hatte ihm Bürgermeister Rizzo öffentlich ins Gesicht gesagt: "Eines Tages [...] wird man sie [die Journalisten] für ihr Treiben verantwortlich machen und zur Rechenschaft ziehen."

Mumia Abu-Jamal trat Ende der 60er Jahre den Black Panthers bei und befand sich seither im Fadenkreuz der staatlichen Behörden. In Pennsylvania machte er sich als Radioreporter bekannt, der den städtischen Rassismus kritisierte und die Verfolgten verteidigte; vor allem aber: selbst zu Wort kommen ließ. Bis zum Dezember 1981. Er wurde angeschossen und schwer verletzt, überlebte jedoch unerwarteterweise.

Doch Polizei und Justiz arbeiteten Hand in Hand. Sein Fall landete beim entschiedenen Todesstrafenbefürworter Albert Sabo. Dieser sorgte unter eklatanter Verletzung auch in den USA geltender Rechtsstandards dafür, daß Mumia Abu-Jamal das Wort und das Recht auf eigene Verteidigung entzogen wurde. Zeuginnen wurden eingeschüchtert und die Geschworenen belogen. Das Urteil stand von vornherein fest: der Tod.

Während Initiativen und Einzelpersonen aus aller Welt die Freilassung Mumia Abu-Jamals fordern, sitzt die US-Justiz den Fall aus. Prozessuale Richtlinien werden so zurechtgebogen, daß weder eine Neuaufnahme des Verfahrens noch gar ein Freispruch möglich werden. Dabei liegt der Fall klar. Inzwischen hat sich sogar der Mörder des erschossenen Polizisten zu einer Aussage bereit gefunden. Doch all dies ist irrelevant – Mumia Abu-Jamal als Symbol afroamerikanischen Widerstandes gegen staatlichen Rassismus muß sterben.

Zweimal schon wurde der Hinrichtungsbefehl unterzeichnet, zweimal konnte durch öffentliche weltweite Mobilisierung die Vollstreckung verhindert werden. Im Oktober dieses Jahres hat der Oberste Gerichtshof von Pennsylvania alle neuen Beweisanträge der Verteidigung abgelehnt. An dieser Entscheidung war ein Richter beteiligt, der für einen Videofilm verantwortlich ist, in dem jungen Staatsanwältinnen und Staatsanwälten gezeigt wird, wie eine Jury mit rassistischen Methoden dazu gebracht werden kann, unangenehme Geschworene auszusieben. Natürlich befand sich dieser Richter als nicht befangen. Wieso auch?

Derzeit läuft noch ein Berufungsverfahren vor einem Bundesgericht. Der Ausgang ist offen. Scheitert dieses Verfahren, steht den Henkern keine und niemand mehr im Weg.

Am 4. Oktober wurde Mumia Abu-Jamal die Ehrenbürgerwürde von Paris verliehen. Stellvertretend für ihn nahm Angela Davis die Urkunde entgegen. Angela Davis war ähnlich wie Mumia Abu-Jamal Anfang der 70er Jahre aus rassistischen und politischen Gründen inhaftiert und konnte durch eine weltweite Kampagne befreit werden. Doch heute stehen die Zeichen anders. Damals standen die USA mit dem Rücken zur Wand; ein kleines Volk in Indochina zeigte der mächtigsten Militärmacht der Welt ihre Grenzen auf. Dagegen ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts der Anspruch der derzeit einzigen Weltmacht maßlos.

Am 10. Dezember wurde weltweit der Tag der Menschenrechte begangen. Aber nicht nur in den USA gelten Menschenrechte nur dort, wo sie der Staatsraison nicht im Weg stehen. Mumia Abu-Jamal ist nur ein politischer Gefangener in einem Land dieser Erde. Die Abschaffung der rassistischen Todesstrafe muß genauso auf der Tagesordnung stehen wie seine Freiheit.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt. Demnächst nachzulesen im Internet unter www.wkradiowecker.de.vu.
 

  Zu Mumia Abu-Jamal gibt es eine informative und ständig aktualisierte Seite mit vielen weiterführenden Links: www.mumia.de. Mehrere Bücher von und zu Mumia Abu-Jamal sind im bremer Atlantik Verlag erschienen. Das Zitat der Äußerung Bürgermeister Rizzos entstammt der Mumia-Biographie von Terry Bisson: on an move, 2001 auf Deutsch im Atlantik Verlag erschienen [Seite 192].  
Moderation : Katharina Mann (Sonntag), Dirk Beutel (Montag)
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Diese Seite wurde zuletzt am 20. Februar 2005 aktualisiert.
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