Beiträge für den Radiowecker

von Radio Darmstadt

– Januar 2004 –

 

Radiowecker–Redaktion von Radio Darmstadt
 
04.01.2004Testbericht Sony, Teil 2
11.01.2004Theiss Archäologie Preis 2004
18.01.2004Die Phönizier
25.01.2004Brüder
 
 
Seit November 1998 liefere ich auch kleinere redaktionelle Beiträge für den Radiowecker von Radio Darmstadt. Diese Beiträge fasse ich monatsweise zusammen und stelle sie dann auf einer eigenen Seite ins Internet. Eine komplette Übersicht auf alle Beiträge seit 1998 gibt es auf meiner Radiowecker–Startseite. Zudem gibt es eine inhaltliche Übersicht auf alle Beiträge des Jahres 2004.
Meine Radiowecker–Startseite kann auch mit http://www.wkradiowecker.de.vu aufgerufen werden.
 
 
URL dieser Seite : http://www.waltpolitik.powerbone.de/rawe/rw_jan04.htm
 
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Testbericht Sony, Teil 2
04.01.2004 *** Wdh. 06.01.2004 Nächster Beitrag

 
Anmoderation

Weihnachtszeit, Geschenkezeit. Manche Geschenke entwickeln im Laufe ihres Lebens ein Eigenleben. Dann wird eine Reparatur fällig. Radio Darmstadt hat einen weltweiten Medienkonzern auf seine Kompetenz getestet. Ein Erfahrungsbericht von Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte.

Beitrag Walter Kuhl

Ich hätte es ahnen können. Sony hat aus dem Desaster des Vorjahres nichts gelernt. Vor einem Jahr schickte Radio Darmstadt eines seiner Studiogeräte zur Reparatur nach Fellbach bei Stuttgart. Nach einer ungewöhnlich langen Wartezeit kam das Gerät zurück. Doch der Reparaturauftrag wurde nur zur Hälfte ausgeführt. Das einfachste, ein simples Ersetzen einer für den Betrieb lebenswichtigen Schraube, wurde schlicht vergessen. Mein damaliger Erfahrungsbericht ging an die europäische Konzernzentrale. Dort war man nicht so erbaut von solch negativer Publicity und erstattete uns die Kosten der Reparatur. Immerhin.

Im November vergangenen Jahres nun versagte ein zweites Gerät nach vierjährigem Dauereinsatz seinen Dienst. Brav hielten wir uns an die Anweisung, die wir vom Sony Call Center in Köln erhalten hatten. Der dortige Mitarbeiter wußte zwar nicht so genau, wohin wir das Gerät schicken sollten. Aber wenn die Reparaturabteilung für Consumergeräte in Fellbach die falsche Adresse sei, dann würden sie das Gerät zur Profiabteilung weiterleiten. Kein Problem, dachten wir, also dann los! Drei Tage später erhielten wir auch eine Auftragsbestätigung und waren angesichts der Vorweihnachtszeit froher Dinge.

Weitere drei Wochen später kam das Gerät zurück. Schaffte es Sony vor einem Jahr wenigstens noch, die Hälfte der notwendigen Reparaturen auszuführen, so war diese Reparatur ein Totalausfall. Mit der lapidaren Mitteilung, daß das Gerät nicht in Fellbach repariert werde, erhielten wir unser defektes Gerät zurück, verbunden mit der Aufforderung, es selbst nach Oberschleißheim bei München zum richtigen Reparaturservice zu schicken. Das Schöne dabei: Sony verschickte das Gerät auf eigene Kosten.

Jetzt frage ich mich, weshalb es nicht möglich war, das Gerät gleich nach Oberschleißheim weiterzuleiten. Die Kosten für Sony wären dieselben gewesen und wir hätten vielleicht doch vor Weihnachten ein funktionsfähiges Gerät in unserem frisch umgebauten Sendestudio 1 stehen gehabt. Aber nein! Sony ist zu blöd, über den eigenen Horizont zu denken. Ganz bürokratisch wird nicht nachgedacht, sondern zurückgeschickt. Nur – warum dauert das Nachdenken drei Wochen und was war so schwierig daran, den Sachverhalt abzuklären? Ist dies jetzt die vielzitierte Servicewüste Deutschland?

Was lernen wir daraus? Erstens: vertraue nie einer Auskunft eines Call Centers. Zweitens: glaube nie an die Klugheit einer Serviceabteilung. Vor allem dann nicht, wenn es heißt: It's a Sony. Da kann man und frau ja gleich gespannt sein, was denn der Sony Abteilung in Oberschleißheim einfällt.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt. Demnächst nachzulesen im Internet unter www.wkradiowecker.de.vu.
 

Moderation : Katharina Mann (Sonntag), Timo Krstin (Dienstag)
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Theiss Archäologie Preis 2004
11.01.2004 *** Wdh. 12.01.2004 Nächster Beitrag

 
Anmoderation

Geschichte und Archäologie anschaulich darzustellen erfordert nicht nur Kenntnisse des Gegenstandes, sondern auch die Fähigkeit zur verständlichen Darstellung. Der Förderung dieser Darstellung hat sich der Theiss Verlag zur Aufgabe gemacht und einen hierzu einen Preis ausgeschrieben. Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte weiß mehr darüber.

Beitrag Walter Kuhl

Zum zweiten Mal schreibt der in Stuttgart ansässige Theiss Verlag einen Preis für hervorragende journalistische Beiträge auf dem Gebiet der Archäologie aus. Ausdrücklich will der Verlag hiermit nicht nur berufsmäßig arbeitende Journalistinnen und Journalisten ansprechen. Auch beispielsweise Studierende der Archäologie sind mit den von ihnen eingereichten Themen willkommen.

Grundlage der Bewertung ist die gelungene Kombination von wissenschaftlicher Genauigkeit mit verständlicher und seriöser Darstellung der Arbeit. Diese soll den Charakter einer Neuigkeit haben und zwischen dem 1. Januar 2003 und dem 30. Juni 2004 verfaßt worden sein. Selbstverständlich sind auch die historisch und vor allem archäologisch interessierten Hörerinnen und Hörer von Radio Darmstadt eingeladen, einen entsprechenden Beitrag einzureichen. Es werden ein Hauptpreis in Höhe von 2500 Euro vergeben sowie zwei Förderpreise in Höhe von jeweils 750 Euro.

Vor zwei Jahren wurde dieser Preis zum ersten Mal ausgeschrieben. Damals gingen 84 Beiträge beim Verlag ein. Den Hauptpreis gewann Michael Zick für seinen Beitrag über die Hethiter als einer vergessenen Weltmacht. Hervorgehoben wurde von der damaligen Jury die umfassende Darstellung, die – so der Tenor – mit Herzblut geschrieben worden sei. Einen der beiden Förderpreise erhielt mit John Saecker ein Realschüler, was zeigt, daß es nicht auf Rang und Namen, sondern auf die Qualität der eingereichten Beiträge ankommt. John Saecker reichte einen Beitrag zur Datierung eines steinzeitlichen Fundkomplexes ein.

Einsendeschluß für die diesjährigen Beiträge ist der 30. Juni 2004. Über die Vergabe der Preise werden entscheiden: Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts; Prof. Dr. Dieter Planck vom Verband der Landesarchäologen; die aus dem ZDF bekannte Wissenschaftsjournalistin Gisela Graichen; Dr. Rainer Redies für die Zeitschrift Archäologie in Deutschland; der Wissenschaftsjournalist Dr. Michael Siebler; sowie für den Theiss Verlag Christian Rieker und für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft aus Darmstadt ihr Direktor Andreas Auth.

Die Beiträge werden der Jury in anonymisierter Form vorgelegt. Bewertet werden die Aktualität des Themas, die fundierte journalistische Recherche und die wissenschaftliche Zuverlässigkeit der Aussagen. Da die eingereichten Beiträge die archäologischen Themen auch für Laien verständlich machen sollen, wird auf Anschaulichkeit, Sprache und Stil Wert gelegt. Eine Herausforderung ist dieser Preis allemal.

Die genauen Ausschreibungsbedingungen sind auf der Homepage des Theiss Verlages nachzulesen: www.theiss.de. – Und damit wünsche ich viel Glück!

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt. Demnächst nachzulesen im Internet unter www.wkradiowecker.de.vu.
 

Moderation : Katharina Mann (Sonntag), Martin Keindl (Montag)
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Die Phönizier
18.01.2004 *** Wdh. 20.01.2004 Nächster Beitrag

 
Anmoderation

Schon in der griechisch-römischen Antike galten die Phönizier als geheimnisvoll und fremd. Dabei verdanken wir ihnen eine der wichtigsten kulturellen Errungenschaften. Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte stellt uns die Phönizier auf dem aktuellen Stand der historischen Forschung vor.

Beitrag Walter Kuhl

Wir wissen nicht genau wann, wir wissen nicht genau wo, und wir wissen nicht genau wer es war, der die Idee hatte, nicht Silben oder ganze Wörter, sondern einzelne Laute mit einem einzigen eindeutigen Zeichen darzustellen. Aber wir wissen, wer als erster den Nutzen dieser Buchstabenschrift erkannt hat, welche die Grundlage unseres heutigen Alphabets ist. Es waren die Phönizier. Irgendwann gegen Ende des 2. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung war die Reihenfolge und die Aussprache der Buchstaben festgelegt. Die Griechen haben erst Jahrhunderte später den Nutzen dieser einfach zu handhabenden Schrift erkannt.

Doch genauso wie die Phönizier eine möglicherweise aus dem ägyptischen oder syrischen Raum stammende Idee nutzbringend weiter verbreitet haben, so waren sie auch sonst unterwegs: als Händler, als Seefahrer und als Kolonisatoren. Schon vor den Griechen siedelten sie im gesamten Mittelmeerraum, immer auf der Suche nach Bodenschätzen, Sklaven und Absatzmärkten. Doch die Phönizier waren kein Volk. Sie entstammten ursprünglich denselben Stämmen wie die Hebräer oder andere vorderasiatische Nomaden. Es scheint so, als hätten sie sich im politischen Vakuum Mitte des 2. Jahrtausends an der Küste des heutigen Israel, Libanon und Syriens angesiedelt. Sicher profitierten sie bald darauf von der folgenden ägyptischen Expansion nach Palästina und Syrien. Charakteristisch bleibt jedoch, daß die Phönizier auf einen schmalen Küstenstreifen beschränkt blieben. Dies war ihre Ausgangsbasis. Handel war somit lebensnotwendig, um Nahrungsmittel einzuführen oder Edelmetalle für Tribute an die Ägypter, und später die Assyrer und Perser einzutauschen.

Weniger weiß man und frau über das Leben in den phönizischen Städten selbst. Die Städte an der östlichen Mittelmeerküste wurden mehrfach erobert und geplündert und später durch Alexanders Nachfolger hellenisiert. Karthago wurde von den Römern derart gründlich dem Erdboden gleichgemacht, daß es kaum noch schriftliche Überlieferungen gibt. Dabei ist bekannt, daß Phönizier und Karthager über eine reichhaltige Literatur verfügt haben müssen.

Glenn E. Markoe, Kurator am Kunstmuseum in Cincinnati in Ohio, stellt uns die Phönizier in einem gleichnamigen Buch als gar nicht so fremdartig dar. Griechen und Römer, die unmittelbaren politischen und Handelskonkurrenten, hatten sicher ein Interesse daran, die Phönizier als Betrüger und Halsabschneider, als Kidnapper und als moralisch verdorben zu bezeichnen. Dennoch hat auch die übelste Propaganda mitunter einen wahren Kern, etwa bei den überlieferten Kinderopfern. Doch weiß die Archäologie nur bedingt derart überlieferte Praktiken zu bestätigen. Aus Karthago ist eine große Anzahl von Kindergräbern bekannt. Doch inwieweit hier ritueller Mord stattfand oder nur die Bestattung früh verstorbener Kinder vorliegt oder dies gar als Mittel der Bevölkerungspolitik zu betrachten ist, muß derzeit offen bleiben.

Glenn E. Markoe führt kenntnisreich und ohne unnötige Spekulation durch die phönizische und karthagische Geschichte und Gesellschaft. Wenn nötig, beleuchtet er fachkundig verschiedene Theorien und klopft sie auf ihren Wahrscheinlichkeitsgrad ab. Das einzige Manko seines Buches ist jedoch nicht ihm anzulasten: es gibt einfach zu wenige Hinweise darauf, wie die Menschen der damaligen Zeit gelebt, gearbeitet und wie sie ihr Dasein begriffen haben. Doch das, was sich rekonstruieren läßt, gibt den Blick frei auf eine etwas andere Mittelmeerwelt als die der Klassischen Antike. Allein dies lohnt mehr als nur einen Blick in dieses anregende Buch.

Die Phönizier von Glenn E. Markoe sind in der deutschen Übersetzung im Theiss Verlag erschienen. Bis Ende Januar 2004 kostet das 230 Seiten starke Buch als Einführungspreis 24 Euro 90, danach 29 Euro 90.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt. Demnächst nachzulesen im Internet unter www.wkradiowecker.de.vu.
 

Moderation : Katharina Mann (Sonntag), Beatrice Kadel (Dienstag)
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Brüder
25.01.2004 *** Wdh. 26.01.2004 Nächster Beitrag

 
Anmoderation

Ist der vielzitierte Krieg gegen den Terror nur eine phantastische Vision eines durchgeknallten US-Präsidenten oder gibt es rationale ökonomische Momente in dieser Politik? Walter Kuhl aus der Redaktion Alltag und Geschichte stellt uns ein Buch vor, das dieser Frage nachgeht.

Beitrag Walter Kuhl

Zuweilen kann man und frau den Eindruck gewinnen, daß sich die führenden Repräsentanten Europas und der USA nicht grün sind. George Dubya Bush ist verärgert über seine europäischen Partner und grüßt sie nicht. An der Aufteilung der Erdölprofite im Irak sind europäische Konzerne deshalb auch nicht beteiligt. Doch handelt es sich hierbei um atmosphärische Störungen oder um grundsätzliche Konfliktlinien im globalen Kapitalismus selbst?

Conrad Schuhler, als Diplom-Volkwirt Mitarbeiter am Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung (isw), geht in seinem im Herbst erschienenen Buch Unter Brüdern auf die Ursachen sowohl der globalen Konflikte als auch der zugrunde liegenden ökonomischen Krisentendenzen ein. Die Neoliberalisierung der Welt, so sagt er, ist nicht etwa eine falsche Wirtschaftspolitik mit seinen für die meisten Menschen desaströsen Folgen. Ganz im Gegenteil – diese Politik ist rational und vom Standpunkt des globalen Kapitals betrachtet auch sinnvoll und notwendig.

Das neoliberale Projekt ist darauf gegründet, daß alle Volkswirtschaften Maßnahmen der Deregulierung aller Lebensbereiche treffen. Ziel ist, im Wettlauf der Wettbewerbsfähigkeit die Nase vorn zu haben. Insbesondere die Lohnkosten und die damit verbundenen Sozialkosten gelten als unzumutbar hoch: Sozialklimbim. Sie werden systematisch abgebaut. Da bei diesem Konzept der Binnenmarkt nichts mehr abwerfen kann, da die Binnennachfrage abgedreht wird, muß umso mehr exportiert werden. Doch wenn alle exportieren, muß es auch einen geben, der importiert. Diesen einen gibt es tatsächlich – es ist die USA.

Die USA als wirtschaftlich unangefochten stärkste Macht sind nicht nur in der Lage, sich gigantisch zu verschulden, sondern auch in der Lage, durch diese Verschuldung die Exporte der Anderen sicherzustellen.

Diese Strategie ist nun, wie Conrad Schuhler feststellt, keine perfide Maßnahme des US-amerikanischen Kapitals, die Welt auszuplündern, sie aufzukaufen, sondern der Versuch, das gigantische Mißverhältnis zwischen globalen Produktionskapazitäten und effektiver Nachfrage zu lösen. Diese auf Pump gebaute Wirtschaft kann jedoch nicht ewig existieren. Da jedoch auch in den USA selbst der Neoliberalismus am Ruder ist, werden dort wie überall auf der Welt Sozialleistungen abgebaut, arme notleidende multinationale Konzerne subventioniert und vor allem der Rüstungssektor ausgebaut. Krieg ist wie immer die Lösung aller Probleme.

Deshalb wäre es vollkommen falsch, einen bigotten messianisch erleuchteten ehemaligen Alkoholiker als das Problem auszumachen. George Dubya Bush ist aufgrund seiner Fähigkeiten und seiner Integrationskraft genau der richtige Mann, dieses Programm der Beherrschung der Welt zu exekutieren. Die Hegemonialmacht USA benötigt daher politische Spannungen und Konflikte, um dazu legitimiert zu sein, derartige Rechtsbrüche der internationalen Ordnung zu befrieden. Der Lohn besteht, siehe Irak, in den angeeigneten Ressourcen der befriedeten Länder.

Wenn Conrad Schuhlers Buch Unter Brüdern heißt, so gibt dies auch seine Sicht der amerikanisch-europäischen Spannungen wieder. Natürlich sind die Europäer in Gestalt ihrer Europäischen Union keine Friedensmacht. Hier wirken dieselben kapitalistischen Interessen darauf hin, Sozialstandards abzubauen und an der Ausplünderung des Reichtums dieser Erde teilzuhaben. Vorstellungen von einer zivilen Gegenmacht Europas mit grundsätzlich anderen Sozialstandards, wie sie etwa Jürgen Habermas seinem Publikum unterbreitet, sind daher vollkommen wirklichkeitsfremd. Sie beruhigen allenfalls das Gewissen der Klientel einer Politik, die auf Samtpfoten dasselbe erreichen will wie der größere Bruder durch den big stick.

Conrad Schuhler gelingt es, diesen Sachverhalt klar und transparent auszubreiten. Sein Weltbild ist nicht manisch auf die imperialistische Aggressivität der USA fixiert. Im Gegenteil, es sind gerade die Nuancen, die es ihm ermöglichen, sich nicht den Illusionen eines friedlicheren Europa herzugeben. Auch er hat begriffen, daß das Projekt einer europäischen Verfassung einhergeht mit einem eigenem Standbein im globalen Machtpoker. Dennoch sind die Europäer auf absehbare Zeit viel zu schwach, um wirklich ernsthaft mitreden zu können. Aber sie arbeiten daran. Solange sie auf die USA angewiesen sind, arbeiten sie zweigleisig, aber verläßlich – in beide Richtungen. Ihr Schaden soll es nicht sein – unserer schon.

Was also dagegen tun? Wenn die weltweite Bewegung gegen diese Form globaler Neoliberalisierung die Parole ausgegeben hat: Eine andere Welt ist möglich, dann kann diese Welt nicht im Rückfall in eine angebliche Sozialstaatlichkeit Europas gesucht und gefunden werden. Der aktuelle Neoliberalismus ist keine beliebige Politik des globalen, also auch des deutschen Kapitals, sondern er stellt die augenblicklich notwendige Form der Ausbeutung in- wie ausländischer Ressourcen und Menschen dar. Wer dies überwinden will, muß sich daher einlassen auf den Kampf gegen diese Strukturen des globalen Kapitalismus, sagt Conrad Schuhler.

Sein nachdenklich stimmendes Buch Unter Brüdern behandelt dieses zwiespältige Verhältnis zwischen den USA und Europa bei der Neuordnung der Welt. Es ist im PapyRossa Verlag erschienen und kostet 11 Euro.

Abmoderation

Ein Beitrag von Walter Kuhl für Radio Darmstadt. Demnächst nachzulesen im Internet unter www.wkradiowecker.de.vu.
 

Moderation : Katharina Mann (Sonntag), Dirk Beutel (Montag)
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Diese Seite wurde zuletzt am 24. Dezember 2005 aktualisiert.
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