Buchcover Julia Lovell Die Große Mauer

WALTPOLITIK

Online-Rezension

 

Besprechung von : Julia Lovell – Die Große Mauer, Theiss Verlag 2007, 344 Seiten, € 22,90

 

Als sich mit Ende der Jungsteinzeit aus den vorhandenen dörflichen Gemeinschaften Siedlungszentren und darauf folgend die ersten Königreiche bildeten, standen diese immer wieder vor demselben Problem: Woher sind die Ressourcen zu nehmen, um die sich heraus bildende Elite zu ernähren und darauf aufbauend staatliche Funktionen zu finanzieren? Die landwirtschaftlichen Kapazitäten und materiellen Ressourcen waren begrenzt und bedurften der externen Zufuhr von Gütern, vor allem von den Gütern, die nicht selbst hergestellt werden konnten. Mit dieser Fragestellung verbunden war jedoch von Anfang an eine zweite: wie kann das Erreichte gesichert werden, wie können die von diesem Reichtum Ausgeschlossenen daran gehindert werden, plündernd und erobernd in das protostaatlich oder schon staatlich organisierte Gebiet einzufallen?

Die eurozentrierte Historie findet diese Fragestellung schon bei den ersten Stadtstaaten Mesopotamiens vor (denen beispielsweise das Material für Steinbauten fehlte), aber auch im Ägypten des Alten Reiches (wo es an Edelmetallen mangelte). Wenn wir unseren Blick nach Osten schweifen lassen, finden wir eine ähnliche Entwicklung in Indien und vor allem in China vor. Das historische Wissen um den Übergang von der Steinzeit zur Metallzeit ist hier jedoch vage; die chinesische Geschichtsschreibung wartet hier mit Legenden und Mythen auf, deren wahrer Kern nur begrenzt zu erschließen ist.

Ob es in China eine von der Neolithischen Revolution unabhängig parallele Entwicklung gegeben hat, ist derzeit nicht zu entscheiden. Tatsache scheint jedoch zu sein, daß vor rund 10.000 Jahren der Übergang zur Ackerbaugesellschaft stattgefunden hat und daß sich etwa 6.000 Jahre später eine sich zunehmend ausdifferenzierende Zivilisation entwickelte. Aus dem 13. Jahrhundert v.u.Z. stammen die ersten schriftlichen Zeugnisse, wobei zu berücksichtigen ist, daß einige Jahrhunderte später viele schriftliche Überlieferungen dem Feuer und dem Vergessen übergeben wurden. Und doch läßt sich daraus folgern, daß die vorderasiatische Zivilisation einen Entwicklungsvorsprung von rund 1.500 Jahren besessen haben mag.

Ob es tatsächlich eine tief verwurzelte chinesische Schwäche für Umfassungsmauern gegeben hat, wie die englische Historikerin Julia Lovell in ihrem Buch über Die Große Mauer suggeriert, mag dahingestellt bleiben. Immerhin weisen die frühesten Versionen der Ideogramme für »Siedlung« und »Verteidigung« aus der Zeit um 1200 v.u.Z. auf von Mauern umgebene Grundstücke hin. Allerdings sind Mauern nichts Ungewöhnliches und zeitgleich im vorderasiatischen Raum weit verbreitet. Jedoch gibt es eine Besonderheit: in China wurden geradezu exzessiv Mauern errichtet.

 

Eingemauerte Menschen

Julia Lovell geht dieser fast schon manischen Angewohnheit in ihrem Buch über die chinesische Geschichte der letzten drei Jahrtausende nach. Der Ansatz einer Historikerin, die Geschichte eines sich erst seit rund einhundert Jahren als »China« begreifenden Landes anhand seiner Verteidigungsbauten zu schreiben, ist ungewöhnlich. Und doch wird hierbei eine Antwort auf die anfangs gestellten Fragen gegeben, eine Antwort, welche die Manie durchaus verständlich werden läßt. Denn vorkapitalistische Staaten und Reiche können sich nur dann entwickeln, wenn sie expandieren, wenn sie dem Bestehenden neue Ressourcen hinzufügen. Armeen, Machthaber und Gefolgsleute wollen versorgt und belohnt werden. Das Auspressen der eigenen Bevölkerung, und das heißt vor allem: der Bäuerinnen und Bauern, hat Grenzen. Werden diese Grenzen überschritten, sind Hunger und Rebellionen die Folge. Julia Lovell weist daher auf eine Besonderheit des chinesischen Mauerbaus hin: die Mauern stehen nicht direkt an den Grenzen des Staates, sondern werden weit vor den Grenzen mitten in der trostlosen Einöde der Steppen, Wüsten und Gebirge errichtet.

Daher dürfen wir uns diese Grenzen nicht als statische Gebilde vorstellen. Die Mauern sind genauso wie der Limes als eine Demarkationslinie zu betrachten, die bei Bedarf überschritten und mißachtet werden kann. Das Römische Imperium endete nicht einfach an den Mauern, Wällen und Palisaden des Grenzlandes. Und genauso wenig endete der Einfluß der chinesischen Herrscher an der Mauer. Die diversen Mauern wiesen die Barbaren des Nordens darauf hin, wer hier das Sagen hatte und wer die Macht besaß, sich den Reichtum im Inneren wie Äußeren anzueignen. Nicht nur, daß sich hierin ein sinozentrisches Weltbild widerspiegelte, sondern der Anspruch, das Reich der Mitte zu sein, wies den umgebenden »Völkern« eine untergeordnete Stellung zu. Die Barbaren des Nordens galten als Abschaum, deren natürliche Bestimmung es war, sich dem chinesischen Herrschaftsanspruch zu unterwerfen. Daß diese Barbaren und die Chinesen des nördlichen Grenzlandes mehr miteinander verwandt waren, als der chinesischen herrschenden Klasse lieb war, ist eine der Ironien dieser Geschichte.

Der historische Entwicklungsprozeß, der zum heutigen China geführt hat, war weder geradlinig noch vorherbestimmt. Die Ursprünge Chinas liegen in den Flußtälern des Gelben Flusses und seiner Nebenflüsse im Nordosten. Nördlich hiervon lebten Steppennomaden, die mal als Hunnen, mal als Türken, mal als Mongolen ins Rampenlicht der Weltgeschichte traten. Manchmal beherrschten sie den Norden Chinas und der Unterschied zwischen Nomaden und Ackerbauern wurde verwischt und gleichzeitig künstlich durch Standesregeln aufrecht erhalten. Die hierbei hervortretenden gegenseitigen »ethnischen« Vorurteile belegen nicht eine vorhandene ethnische Differenz, sondern allenfalls die Konstruktion derselben. Im Südwesten lebten andere Barbaren und die Tibeter, der Süden Chinas bestand mehr aus Dschungel denn aus bewohnten Gebieten. Dies war zumindest die Ausgangslage im 1. Jahrtausend v.u.Z.

Die erste historisch faßbare Dynastie der Shang residierte am Gelben Fluß in der 2. Hälfte des 2. Jahrtausends v.u.Z. Auch wenn das Gebiet dieses Reiches nur einen Bruchteil des beherrschten Gebietes während der Tang-Dynastie oder Qing-Dynastie umfaßt hat, so wurden hier die Grundlagen des späteren China gelegt. Hier liegen die Anfänge der chinesischen Schriftkultur. Die gesellschaftliche Klasseneinteilung war schon gegeben, das Zusammenleben war hoch ritualisiert. Rituale sind mehr als nur Vergewisserungen des Selbst in einer unsicheren Welt, sie sind auch Instrument von Herrschaft. Die Bauern hatten Abgaben abzuliefern, an staatlichen Bauprogrammen teilzunehmen und in den Krieg zu ziehen. Außer der vielleicht hoch ritualisierten gesellschaftlichen Ideologie finden wir hier alles vor, was eine frühe staatliche organisierte Klassengesellschaft ausmacht. Es ist jedoch diese spezielle Ideologie, die später einen Konfuzius hervorbrachte, auf dessen tatsächlichem oder dem ihm angedichteten Denken in den nachfolgenden Jahrhunderten die Legitimation königlicher bzw. kaiserlicher Herrschaft fußte.

War der Prozeß der Herausbildung staatlicher Organisierung einmal hervorgebracht, so wurden immer mehr Gebiete diesem Herrschaftsanspruch einverleibt. Königreiche expandierten und zerfielen, bis in den Jahrhunderten vor der Reichseinigung gegen Ende des 3. Jahrhunderts v.u.Z. die ersten Mauern erbaut wurden. Inzwischen hatten die Steppennomaden des Nordens begehrliche Blicke nach Süden geworden, während umgekehrt die frühen chinesischen Herrscher danach trachteten, ihr Herrschaftsgebiet um die zum Teil durchaus fruchtbaren Gebiete im Nordwesten auszudehnen. Der Konflikt war unvermeidbar, aber militärisch für die chinesische Seite schwer zu gewinnen. Die Nomaden waren mobiler, zumal sie etwas besaßen, was in China fehlte: das Pferd. Um den Herrschaftsanspruch zu demonstrieren und gleichzeitig die Angriffe der Barbaren abzuwehren, verfiel man auf ein simples Mittel: man baute Mauern.

Wir dürfen uns diese frühen Mauern nicht so vorstellen wie die touristischen Vorzeigeobjekte in der Nähe Pekings. Diese ersten Mauern – und auf dieses Muster wurde jahrhundertelang zurückgegriffen – bestanden hauptsächlich aus festgestampften Lehm. Holzplanken oder Ziegelsteinschichten bildeten das äußere Gerippe. Derartige Mauern ließen sich in kürzester Zeit über Hunderte von Kilometern errichten, aber ihr Wirkungsgrad blieb begrenzt. In unzähligen Eingaben und Schriften wurde der marode Zustand der doch gerade erst erbauten Wälle beklagt. Doch das Material war preiswert, weil vor Ort vorhanden, und es gab genügend Menschen, die zum Mauerbau abkommandiert werden konnten. Hunderttausende sollen bei derartigen Froneinsätzen jämmerlich krepiert sein.

Nebenbei sei hier bemerkt, daß jede Mauer eine weitere Funktion aufweist: sie soll nicht nur Angriffe von Außen abwehren, sondern auch die eigenen Untertanen davon abhalten, vor den arbeitsreichen und erbärmlichen Zumutungen zu fliehen. Das Leben in der Steppe war für unzählige Chinesinnen und Chinesen während vieler Jahrhunderte attraktiver, als von den eigenen Herren ausgebeutet und ausgeblutet zu werden.

 

Unbewältigte Gewalt

Und doch lösten die Mauern das grundlegende Problem letztlich nicht. Jede Mauer hatte ihr Ende; und die mobilen Barbaren mußten nur das Ende der Mauer finden und diese umgehen. So gesehen ist die chinesische Geschichte eine lange Abfolge von Mauerbauten und deren Erosion. Solange die staatliche Organisation intakt war, solange also Luxusgüter, Metalle und vor allem Silber nach China flossen, konnte eine gut ausgerüstete Armee die Mauern sichern und die Barbaren in ihre Schranken verweisen. Die Zentrifugaltendenzen eines solch expandierenden Reiches führten jedoch auch zu lokalen Machtbasen, in denen starke Führungspersönlichkeiten auch eigene Interessen verfolgen konnten. So manche Dynastie begann und endete auf diese Weise.

Julia Lovell beschreibt diesen Kampf gegen den Rest der Welt von den Zeiten der Shang bis zur Großen Firewall des modernen China. Die Folie ihrer Geschichtsschreibung ist die Große Mauer, wobei sie von Anfang an klarstellt, daß diese Große Mauer eine historische Fiktion ist. Das, was wir heute vorfinden, sind Überreste verschiedenster Epochen, und das, was wir uns unter der chinesischen Mauer vorstellen, ist ein kurzer Abschnitt zur Tourismusförderung in der Nähe von Peking. Weite Teile dieser Mauer sind kaum noch zu erkennen und sie wurden bis ins China Maos als Baustofflager mißbraucht. Die Aussage, diese Mauer sei das einzige Bauwerk, das ein Beobachter vom Mond aus sehen könne, ist deshalb eine Fiktion. Der US–amerikanische Astronaut Neil Armstrong bestätigte zwar diese zuvor jahrzehntelang kolportierte Aussage, aber es ließ sich nachträglich nachweisen, daß er wohl einer Wolkenformation aufgesessen war. Als der Chinese Yang Liwei im Jahr 2003 mitteilte, er habe im All keine Mauer entdecken können, war das chinesische Bildungsministerium peinlich darum bemüht, diesen Irrtum aus den Grundschulbüchern zu verbannen. [1]

Ob Chinas Große Firewall der den technologischen Gegebenheiten angepaßte Versuch ist, die chinesische Mauer aufrechtzuerhalten, wie es die Autorin nahelegt, scheint mir nun doch etwas aufgesetzt zu sein. Denn jedes diktatorische Regime ist danach bestrebt, dissidente Äußerungen und Informationen zu unterdrücken. Berücksichtigen wir dann noch, welche Bestrebungen es auch in den westlichen Demokratien gibt, bestimmte Inhalte im Internet zu zensieren, dann sind die Grenzen zwischen der einen und der anderen Art der Informationskontrolle eher fließend. Dennoch ist der von der Autorin vorgebrachte Gedanke als solcher legitim und nicht ganz von der Hand zu weisen.

Überhaupt bemüht sich Julia Lovell um eine differenzierte Darstellung, ohne dabei in Beliebigkeit zu verfallen oder sich um klare Positionen zu drücken. Dieser sympathische Zug findet sich sowohl in ihrer nüchternen Beschreibung chinesischer Ausbeutungs– und Unterdrückungspraktiken von den Anfängen bis heute wieder als auch in der bissigen Kritik eurozentrierter Zuschreibungen. Die Autorin beherrscht ihren Gegenstand, weiß um den Wert kritischer Distanz bei gleichzeitiger Parteinahme für die Unterlegenen. Insbesondere verfällt sie nicht der Glorifizierung der Blüte Chinas während der Tang-Dynastie, wie sie vor allem von den unkritischen Nachbeterinnen und Nachbetern der in China als kriminell verfolgten Sekte Falun Gong [2] praktiziert wird. Das Zeitalter der Tang-Dynastie zeichnete sich durch die üblichen Ausbeutungs–, Plünderungs– und Eroberungsmechanismen aus. Nach der chinesischen Niederlage gegen die Araber im Jahr 751 am Talas im heutigen Usbekistan kam eine zunehmende Ausländerfeindlichkeit hinzu, die sich mehrfach in Massenmord entlud.

Gewalt in unfaßbaren Dimensionen scheint eine Grundkonstante der chinesischen Politik und Geschichte seit ihren historisch faßbaren Anfängen gewesen zu sein. Der Bevölkerungsreichtum des Landes führte hier zu Exzessen, wie sie selbst im gewiß nicht weniger gewalttätigen Europa in diesem Umfang nicht zu finden sind. Wenn in den fast schon zyklisch wiederkehrenden Gewaltorgien Hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschen getötet wurden, zeugt dies weniger von einer besonderen Barbarei der chinesischen Gesellschaft als davon, daß soziale Gewalt jeder Klassengesellschaft innewohnt. Dies ist keine chinesische Besonderheit. Der römische Schriftsteller Plutarch etwa gibt an, daß Caesar bei seinen Eroberungszügen in Gallien etwa eine Million Menschen umgebracht und eine weitere Million versklavt habe. Diese Zahl erscheint aufgrund Caesars eigener Angaben durchaus glaubhaft.

Im Falle Chinas, vor allem dann, wenn weite Teile des Landes unter einer Herrschaft vereint waren, ließ sich die der Gesellschaft innewohnende Aggression nur begrenzt nach außen tragen – und wirkte daher mit besonderer Brutalität nach innen zurück. Dies findet sich sowohl in der Art und Weise, wie Herrschaftsprojekte umgesetzt wurden, wieder, als auch in den Formen des Widerstandes von unten. Das »kommunistische« China unter Mao unterscheidet sich hier sehr wenig vom China des ersten Kaisers Qin Shihuangdìs vom Ende des 3. Jahrhunderts v.u.Z.

Die Barbaren des Nordens waren so gesehen jahrhundertelang das Ventil, welches die gesellschaftliche Gewalt zügeln sollte. Julia Lovell geht wohl zurecht davon aus, daß die jahrhundertelangen Kämpfe an der Nordgrenze zwischen Chinesen und Steppenkriegern eher von chinesischer Seite zu verantworten sind als von den »barbarischen« Nomaden. Es ist kein Zufall, daß das China der Tang-Dynastie (ideologisch verklärt) zum einen ein Zeitalter der Harmonie gewesen sein soll, sich zum anderem durch einen besonderen Expansionsdrang ausgezeichnet hat. Bezeichnenderweise ließen die Tang keine Mauern errichten. Als dann die Araber im Westen den Chinesen ihre Grenzen aufzeigten, schlug die Gewalt mit fast schon unabänderlicher Notwendigkeit nach innen zurück.

Julia Lovells Parforceritt durch drei Jahrtausende vernachlässigt fast schon zwangsläufig wichtige Details, akzentuiert die Darstellung mitunter auf scheinbar Nebensächliches, konzentriert sich vielleicht zu sehr auf die Geschichte einzelner Herrscher und ihrer Taten und Untaten. Dies mag dem Blickwinkel der Autorin geschuldet sein, der sich auf die Große Mauer stützt, und ist insofern auch hinreichend begründet. Eine umfassende Geschichtsschreibung ist ein solches Buch hingegen nicht, aber dies ist von der Autorin auch nicht beabsichtigt und deshalb nicht zu kritisieren. Der dynastieorientierte Kapitelaufbau des Buches läßt der Darstellung aller historischen Epochen ihren Raum; eine einseitige Bevorzugung der älteren oder neueren Geschichte Chinas ist demnach nicht vorhanden. Die Leserin und der Leser erhalten somit einen angemessenen Einblick in eine dreitausendjährige Vergangenheit bis in die Gegenwart hinein.

Problematisch finde ich hingegen die eher unreflektierte Wiedergabe der offiziellen chinesischen Geschichtsschreibung durch die Autorin, in welcher der Untergang und Verfall einzelner Dynastien den persönlichen Eigenarten einzelner Herrscher angelastet wird. Ein ausschweifender Lebensstil mit allen Perversionen ist jedoch Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse; Verfallstendenzen entstammen also sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen. Ein despotisch, lüstern oder untätig agierender Kaiser drückt demnach eher diesen Verfall aus anstatt für ihn verantwortlich zu sein. Weiterhin ist die unkritische Übernahme von Zahlenangaben für die Größe chinesischer oder barbarischer Armeen zu nennen. Auch wenn China schon zu historischen Zeiten über eine riesige Bevölkerungszahl verfügt hat, so ist es wenig glaubwürdig, daß Hunderttausende Soldaten gegeneinander antraten.

Das Buch Die Große Mauer bietet der fachkundigen Leserin und dem historisch versierten Leser nicht viel Neues. Als Einführung in die Grundlagen der chinesischen Geschichte eignet sich das Buch vor allem wegen seines originellen Ansatzes, die Geschichte Chinas anhand ihres Mauerbaus darzulegen. Leider finden sich in dem von einer fachlich versierten Autorin geschriebenen Buch einige merkwürdige Aussagen, die wieder einmal belegen, daß man oder frau besser nur über Dinge schreiben sollte, in denen sie zu Hause sind.

Ich hätte mir aussagekräftigere Landkarten zur Unterstützung des umfangreichen historischen Materials gewünscht, zumal denn, wenn in den einzelnen Kapiteln zugeordneten Karten die im Kapitel genannten Orte nicht zu finden sind. Dies ist vielleicht der einzige ernsthafte Kritikpunkt an diesem ansonsten anregend und gut lesbar geschriebenen Band.

 

 

ANMERKUNGEN

 

Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

 

»» [1]   Der US-amerikanische Astronaut Leroy Chiao will jedoch die Chinesische Mauer von Bord der Weltraumstation ISS nicht nur erkannt, sondern angeblich mit einer einfachen Kamera auch fotografiert haben [mehr] bzw. [english]. Dirk Wagner entmystifiziert diese Aussage jedoch gleich wieder. Demnach hat Leroy Chiao die Mauer nicht mit bloßem Auge erkennen können, sondern mit einem Teleobjektiv die Gegend abfotografiert, wo sich die Mauer befinden müßte. Ihm kam hierbei der winterliche Lichteinfall zugute, bei dem die mit Schnee angereicherten Mauern einen Kontrast zur umgebenden Landschaft erzeugten [artikel].

»» [2]   Zur Sekte Falun Gong und ihrer Verquickung mit der mehr als problematischen Menschenrechtsorganisation IGFM siehe das Manuskript meiner Sendung Menschenrechte vom 17. August 2005. Die Verfolgung dieser Sekte in China als kriminelle Organisation rechtfertigt natürlich weder Folter noch Arbeitslager, allerdings ist zu berücksichtigen, daß diese Polizeistaatsmethoden in China auch sonst erschreckend "normal" sind. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, daß eine verfolgte Sekte deshalb nicht an sich positiv zu bewerten ist. Die chinesische Regierung verfolgt nicht den von Falun Gong verbreiteten Aberglauben, sondern die durch Falun Gong verursachte Flucht vor der Realität durch Millionen Chinesinnen und Chinesen. Und wer sich vor der Arbeit drückt, hat bekanntlich im Kapitalismus nichts zu lachen.

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 8. Januar 2008 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2007, 2008. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

URL dieser Seite : http://waltpolitik.powerbone.de/rezensio/lovellgm.htm

 
 
 
Valid HTML 4.01 Transitional  Valid CSS!