Plakat zum Internationalen Frauentag 1992
Plakat zum Internationalen Frauentag 1992

Internationaler Frauentag

8. März 1999

Sendemanuskript

 

Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte

Radio: Radio Darmstadt

Redaktion und Moderation: Walter Kuhl

Ausstrahlung am:

Montag, 8. März 1999, 17.00 bis 17.55 Uhr

Wiederholt:

Dienstag, 9. März 1999, 08.00 bis 08.55 Uhr
Dienstag, 9. März 1999, 14.00 bis 14.55 Uhr

Zusammenfassung:

Anläßlich des Internationalen Frauentags sprach ich mit mehreren in Darmstadt lebenden und/oder tätigen Frauen über die Bedeutung dieses Tages zu Ende des 20. Jahrhunderts.

Besprochenes Buch:

 


 

Inhaltsverzeichnis

 


 

Einleitung

Jingle Alltag und Geschichte

In der heutigen Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte geht es um den Internationalen Frauentag und darum, was er heute bedeutet oder bedeuten könnte. Ist er ein Tag, an dem Frauen ausnahmsweise einmal Gehör finden und an den restlichen Tagen des Jahres geht das Leben seinen gewohnt männlichen Gang? Sollte gar jeder Tag ein internationaler Frauentag sein?

Über diese und andere damit zusammenhängende Fragen soll es im Verlauf der nächsten Stunde gehen. Dazu begrüße ich im Studio Alexandra Rau und Katharina Mann, am Mikrofon ist Walter Kuhl.

Doch zuvor einige Worte zur Geschichte dieses Frauentags.

Der 8. März als internationaler Frauentag geht auf einen Streik New Yorker Tabak- und Textilarbeiterinnen am 8. März 1908 zurück. Damals forderten die Frauen das Frauenwahlrecht, kürzere Arbeitszeiten, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Die Arbeiterinnen einer Textilfabrik wurden daraufhin vom Firmenbesitzer in der Fabrik eingesperrt. Als in den Werkshallen ein Feuer ausbricht, gelingt nur wenigen Frauen die Flucht, 129 sterben in den Flammen.

Ein Jahr später findet der erste nationale Frauentag in den USA statt. 20.000 Arbeiterinnen legen Ende Februar in Manhattan die Arbeit nieder und streiken acht Wochen lang. 1911 fand dann der erste internationale Frauenkampftag in Dänemark, Österreich, Deutschland, der Schweiz und in den USA statt. An den Demonstrationen für bessere Arbeitsbedingungen, das Frauenwahlrecht und das Recht auf Abtreibung beteiligen sich über eine Million Frauen.

Am 8. März 1917 waren es die Textilarbeiterinnen in Petrograd, das heute wieder Sankt Petersburg heißt, die mit Streiks und Demonstrationen für Frieden und Brot den Sturz des zaristischen Regimes einleiteten. Um diese Kämpfe nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und um an sie anzuknüpfen, erklärte die 2. Internationale Konferenz der Kommunistinnen im Jahr 1921 den 8. März zum Internationalen Frauenkampftag. Es waren ohnehin zuerst die Kommunistinnen und Kommunisten, die den Frauen 1917 nach der Oktoberrevolution das Wahlrecht zusprachen. Das Mutterland der Demokratie, England, folgte erst 1918 mit dem Wahlrecht, und zwar – typisch Kapitalismus – zunächst nur für begüterte Frauen, in Deutschland durften Frauen erstmals 1919 wählen, in den USA erst 1920.

Es folgte ein Gespräch mit Katharina Mann und Alexandra Rau zu der Frage, was beide mit diesem Tag heute verbinden. Eine Abschrift liegt nicht vor.

 

Bittere Lehrstunden und ein Sechzehnstundentag

Aus Anlaß des Internationalen Frauentags ließ das nordrhein-westfälische Frauenministerium 2000 Bürgerinnen und Bürger befragen. Demnach können sich theoretisch 80% der Männer unter 45 Jahren einen Rollentausch mit ihrer Partnerin vorstellen. Allerdings nur noch jeder vierte fände es gut oder richtig, wenn Männer im Beruf zurücksteckten, um sich um Haushalt und Familie zu kümmern.

Die Realität hingegen ist eine andere. Erziehungsurlaub wird zu gerade 2% von Männern genommen. Nur jeder 16. Mann arbeitet in Teilzeit. Die nordrhein-westfälische Frauenministerin Birgit Fischer stellte dazu fest, daß Männer in ihrer durch Teilzeitarbeit gewonnenen Freizeit keinen größeren Anteil an der Haus- und Familienarbeit übernehmen, sondern sich ihren Hobbies widmen würden.

Irgendwie folgerichtig meinte die Hälfte der jungen Frauen und 71% der jungen Männer, daß die Frauenbewegung heute nicht mehr nötig sei. Ich sehe das anders und fragte daher die Darmstädter Frauenbeauftragte Edeltraud Baur, was sie sich zum Internationalen Frauentag wünscht.

Sowohl das Interview mit Edeltraud Baur als auch das sich daran anschließende Gespräch mit Katharina Mann und Alexandra Rau liegen nicht verschriftlicht vor.

 

Wo Lesen nicht systemkonform bildet

Für viele – vor allem junge – Frauen scheinen die Errungenschaften der Frauenbewegung heute selbstverständlich zu sein. Die darum geführten Kämpfe sind aus den Köpfen verschwunden oder gar nicht bewußt. Daß inzwischen längst ein rollback stattfindet, daß vieles immer noch erkämpft werden muß, wird oftmals nicht einmal mehr wahrgenommen.

Das ist eigentlich auch ein Grund, sich die Geschichte der Frauenbewegung noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Was liegt näher, als dies in Form von in Büchern und Zeitschriften gepreßten Buchstaben zu tun? In Darmstadt gibt es den Buchladen Artemis am Mathildenplatz mit Literatur speziell für Frauen, Lesben und Schwule. Ich fragte eine der beiden Buchhändlerinnen, Kerstin M., welche Bücher sie zum heutigen Tag empfehlen würde.

Sowohl das Interview mit Kerstin M. als auch das sich daran anschließende Gespräch mit Katharina Mann und Alexandra Rau liegen nicht verschriftlicht vor.

 

Globale Ausgrenzung, hübsch verpackt

Besprechung von : Joni Seager – Der Fischer Frauen-Atlas, Fischer Taschenbuch Verlag 1998, 128 Seiten, DM 25,00

Ich möchte gegen Ende unserer Sendung zum Internationalen Frauentag noch kurz ein Buch vorstellen. Joni Seager zeigt in ihrem auf Deutsch als Fischer Frauen-Atlas herausgekommenen Buch auf, wie es mit der Wahrnehmung, Gleichberechtigung und Unterdrückung von Frauen weltweit bestellt ist.

Buchcover Fischer Frauen-AtlasWer nach dieser Lektüre immer noch davon redet, daß Frauen alles erreicht hätten oder eine Frauenbewegung oder Frauenförderung heute nicht mehr nötig seien, zeigt sein (oder auch ihr) Interesse an der Aufrechterhaltung dieses Zustands.

Armut ist weiblich – in Deutschland wie in jedem Land der Dritten Welt. Fast zwei Drittel aller Menschen, die nicht lesen und schreiben können, sind Mädchen und Frauen. Parlamente sind immer noch vorwiegend von Männern besetzt, obwohl die Hälfte der Menschheit weiblich ist.

Der Anteil von Professorinnen und Frauen in den obersten Leitungsebenen von Banken und Konzernen ist so verschindend gering, daß er eigentlich nicht erwähnenswert ist.

Und wer denkt, wir leben hier in geradezu paradiesischen Zuständen, sollte immer berücksichtigen, daß diese angeblich paradiesischen Zustände auf der Ausbeutung der Menschen der sogenannten Dritten Welt – und dort meist der Frauen – beruht. Frauen haben immer noch der geringsten Zugang zu Ressourcen, weniger Geld, Eigentum und Macht.

Im reichen Deutschland mag das noch ein wenig zu kaschieren sein, obwohl ein Blick hinter die Fassaden von Konsumtempeln und der angeblich heilen Familien ausreichen müßte, um zu sehen, daß wir erst noch am Anfang stehen.

Es ist vielleicht kein revolutionäres Buch. Aber es zeigt auf, daß Kapitalismus auch in Bezug auf Frauen eine asoziale Veranstaltung ist, und daß patriarchale Strukturen sich bestens mit kapitalistischer Ausbeutung vertragen.

Der Fischer Frauen-Atlas von Joni Seager liefert die nötigen Daten, Fakten und Informationen. Das Buch ist im Fischer Taschenbuch Verlag zum Preis von 25 Mark erschienen.

 

Schluß

Im Studio sprach ich mit Alexandra Rau und Katharina Mann über den heutigen Internationalen Frauentag, ein längeres Interview führte ich mit der Darmstädter Frauenbeauftragten Edeltraud Baur. Ich danke Kerstin M. vom Frauenbuchladen Artemis für zwei zum heutigen Tag passende Buchtips. Diese Sendung wird am Dienstag, den 9. März, um 8 und um 14 Uhr wiederholt. Am Mikrofon war Walter Kuhl.

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 20. August 2008 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 1999, 2001, 2008. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

URL dieser Seite : http://waltpolitik.powerbone.de/send199x/99_maerz.htm

Zur vorangegangenen Sendung

Zur nachfolgenden Sendung

 
 
 
Valid HTML 4.01 Transitional  Valid CSS!