Deutscher Herbst 1977 - 1997

Gespräch mit Monika Haas

 

 

SENDEMANUSKRIPT

 
Sendung :
Offenes Haus
Deutscher Herbst 1977 – 1997
Gespräch mit Monika Haas
 
Redaktion und Moderation :
Walter Kuhl
 
gesendet auf :
Radio Darmstadt
 
Redaktion :
Offenes Haus
 
gesendet am :
Montag, 20. Oktober 1997, 17.00-17.55 Uhr
 
wiederholt am :
Dienstag, 21. Oktober 1997, 08.00-08.55 Uhr
 
 
Mit einem Prozeßbericht vom 28.10.1997 in der Sendung Flickenteppich, gesendet im Offenen Haus am Dienstag, dem 28.10.1997, ab 17 Uhr und wiederholt am Mittwoch, dem 29.10.1997, ab 8 Uhr.
 
 
URL dieser Seite : http://www.waltpolitik.powerbone.de/send199x/oh_mhaas.htm
 
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 Monika Haas 
 

 

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 : Einleitung
Kapitel 2 : Sorry
Kapitel 3 : Schluß
Kapitel 4 : Prozeßbericht 28.10.1997

 

Einleitung

Hier ist Radio Darmstadt mit dem Offenen Haus. - Heute beende ich meine Sendereihe zum Deutschen Herbst 1977. Aber sie wäre nicht vollständig, ohne zu erwähnen, daß die deutschen Strafverfolgungsbehörden bis heute nach Mitteln und Wegen suchen, das Jahr 1977 juristisch und nicht politisch abzuhandeln. Zur Zeit wird Monika Haas vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main der Prozeß gemacht. Monika Haas soll den Entführern der Lufthansa-Maschine Landshut die Waffen nach Mallorca gebracht haben. Das einzige Problem, das die Bundesanwaltschaft bei der Klageerhebung hatte, war, daß Monika Haas nie in ihrem Leben auf Mallorca gewesen ist. Nun, wozu dann das Ganze? Darüber habe ich mit ihr ein längeres Gespräch geführt, das ich in den nächsten 55 Minuten senden werde. Mein Name ist Walter Kuhl.

Doch zunächst - wer ist Monika Haas? Monika Haas, geboren 1948, politisierte sich während der Studentenbewegung. Sie engagierte sich Anfang der 70er Jahre gegen die Haftbedingungen für Gefangene aus der RAF. Diese Tätigkeit unterlag verschärfter staatlicher Überwachung, weshalb sie in den Südjemen emigrierte. Dort heiratete sie Zaki Helou, ein Mitglied der PFLP, der Volksfront für die Befreiung Palästinas. Anfang der 80er Jahre kehrte sie nach Deutschland zurück und wurde 1992 damit konfrontiert, daß sie an der Entführung der Landshut beteiligt gewesen sein soll. Sie war seither etwa 2½ Jahre in Untersuchungshaft. Nominell ist sie immer noch Frauenbeauftragte am frankfurter Uniklinikum, jedoch wird ihr die Ausübung ihres Berufs verweigert. Monika Haas ist die Mutter zweier Söhne und einer Tochter.

 

Sorry

Der Inhalt des Gesprächs mit Monika Haas liegt leider nicht in Textform vor. Monika Haas hat jedoch in mehreren Erklärungen deutlich gemacht, welchem Zweck der gegen sie geführte Schauprozeß gedient hat. Ich verweise daher hierzu auf die Homepage von Monika Haas und des sie unterstützenden Forums: http://www.monika-haas.de.

 

Schluß

Soweit das Gespräch mit Monika Haas, der ich für ihre Offenheit danke.

Die Verhandlungen gegen Monika Haas finden vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main statt, zu erreichen über die S-Bahn Station Konstablerwache, von dort auf der Konrad-Adenauer-Straße nach Norden, unter den Arkaden die letzte Tür vor der Kreuzung auf der rechten Seite.

Nächste Verhandlungstermine sind Montag, der 27.10.[1997] um 12.30. Dort ist Monika Helbing geladen, die Ende der 70er Jahre in der RAF war und sich 1990 der Bundesanwaltschaft als Kronzeugin zur Verfügung stellte. Sowie Donnerstag, der 6.11 um 10.15. Dort ist Brigitte Mohnhaupt, Gefangene aus der RAF, geladen. Weitere Prozeßtermine werden in der taz-Wiese veröffentlicht.

Monika Haas erwähnte es [im Gespräch] schon; einen solchen Prozeß kann sie nicht finanzieren. deshalb gibt es ein Spendenkonto. Die Kontobezeichnung lautet: Cornelia Spohn, Konto 610 65 10 bei der Ökobank Frankfurt, BLZ 500 901 00.

Außerdem gibt es eine lesenswerte Dokumentation zum Prozeß gegen Monika Haas, die vom Komitee für Grundrechte und Demokratie herausgegeben wurde. Sie kann bezogen werden über das Forum für Monika Haas, Postfach 180 148 in 60082 Frankfurt am Main. Sie kostet 8 Mark.

Ich bin am Ende der Sendung angelangt, die am morgigen Dienstagmorgen ab 8 Uhr wiederholt wird. Am Mikrofon war Walter Kuhl.

 

 

Prozeßbericht 28.10.1997

Der folgende Beitrag wurde am 28.10.1997 in der Sendung Flickenteppich ausgestrahlt.

Letzte Woche Montag hatte ich ja in einem einstündigen Beitrag die Frau vorgestellt, um die es hier geht, nämlich Monika Haas. Gegen sie wird vor dem Oberlandesgericht Frankfurt seit einigen Monaten verhandelt, weil sie die Frau gewesen sein soll, die den Entführern der Landshut 1977 die Waffen in Mallorca übergeben hat. Wie Monika Haas im Gespräch mit mir betont hatte, war sie nie in ihrem Leben auf Mallorca gewesen.

Und da habe ich mir gedacht, schau doch mal bei dem Prozeß vorbei, wie das da so abgeht. Und das habe ich gestern für Radio Darmstadt gemacht. Und wie es der Zufall will, wurden nicht langweilige Akten verlesen, sondern es war eine Frau als Zeugin geladen, die 1977 selbst in der RAF gewesen ist. Die Frau heißt Monika von Seckendorff und hieß früher Helbing.

Monika von Seckendorff sollte aussagen, was sie 1977 in Bagdad gemacht hat. Der Hintergrund ist der, daß Monika Haas Ende 1977 mit ihrem palästinensischen Ehemann von Aden im Südjemen nach Bagdad gereist ist; sie selbst hauptsächlich, um sich mit Medikamenten einzudecken. Ihre ein paar Monate alte Tochter wäre in Aden nämlich fast an den unzureichenden medizinischen Verhältnissen gestorben. Die Bundesanwaltschaft wie auch der 5. Strafsenat erhofften sich von der Zeugin, daß diese einen zeitlichen Zusammenhang zur Entführung von Hanns-Martin Schleyer und der Lufthansa-Maschine Landshut herstellt.

Das hat sie aber nicht getan. Sie war sich sicher, daß eine deutsche Frau aus dem Jemen nach diesen Entführungen 1977 oder gar erst 1978 in Bagdad war, deren Säugling sie einige Stunden hüten mußte. Monika Haas selbst habe sie bis zur gestrigen Gerichtsverhandlung nie gesehen.

Der Spiegel, eine als seriös geltende Zeitschrift, schrieb am 22. September dieses Jahres:

Nach Aussage einer RAF-Aussteigerin war in jenen Herbsttagen 1977 auch eine deutsche Frau mit einem Säugling im Haus der PFLP-SC in Bagdad: Monika Haas.

(Die PFLP-SC ist eine kleine Palästinenserorganisation gewesen.) Monika von Seckendorff war die einzige spätere RAF-Aussteigerin, die im Herbst 1977 in Bagdad war. Sie sagte gestern ganz klar, daß sie nie mit Journalisten über ihre Zeit in Bagdad geredet habe; auch nicht mit dem Spiegel.

 

Ein anderer wichtiger Punkt war für die Bundesanwaltschaft und für den 5. Strafsenat die damalige Rolle von Brigitte Mohnhaupt in der RAF. Brigitte Mohnhaupt ist 1982 verhaftet und später zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Dieser Tage kann sie theoretisch einen Antrag auf Haftentlassung auf Bewährung stellen, wie dies gesetzlich für lebenslang Inhaftierte nach 15 Jahren möglich ist. Da Brigitte Mohnhaupt aber nicht dem bewaffneten Kampf abgeschworen hat, wie es dann so schön heißt, wird seitens der Bundesanwaltschaft nach Möglichkeiten gesucht, sie länger im Knast zu behalten. Sie ist aber im Prinzip schon für alle Ereignisse des Jahres 1977 verurteilt worden. Es gibt nur noch eine Möglichkeit, ihr noch ein Verfahren anzuhängen, um dadurch die frühzeitige Haftentlassung zu unterlaufen. Das ist die Landshut-Entführung, an der Brigitte Mohnhaupt zwar nicht beteiligt war, aber möglicherwiese um vier Ecken herum doch.

Und diese vier Ecken sollte Monika Haas als Kronzeugin gegen Brigitte Mohnhaupt liefern. Was Monika Haas selbstverständlich verweigert hat. Ich denke, man kann das nicht anders sehen: quasi zur Strafe hat man ihr selbst den Prozeß gemacht und gegen Monika Haas die Kronzeugin Souhaila Andrawes ausgegraben. Andrawes ist die einzige Überlebende des Entführerkommandos gewesen. Diese hat aber inzwischen ihre belastende Aussage widerrufen. (Was der eben genannte Artikel des Spiegel dann auch verschweigt, weil es nicht ins Konzept paßt.) Die Anklage steht also ohne Beweismittel da und so sucht die Bundesanwaltschaft verzweifelt nach einem belastenden Moment.

 

Monika von Seckendorffs Auftritt gestern hatte aber noch eine andere Funktion. Passend terminiert auf Ende Oktober soll sie fast exakt 20 Jahre nach den Ereignissen in Stammheim folgende Version der Bundesanwaltschaft öffentlich kundtun: Brigitte Mohnhaupt selbst, ganz oben in der Hierarchie der RAF und damit Mitwisserin von allem und jedem, soll in Bagdad etwas zur Todesnacht in Stammheim gesagt haben. Und allein schon die Art der Aussage von Monika von Seckendorff macht deutlich, wie künstlich das ganze ist. Sie habe nämlich durch Brigitte Mohnhaupt den Eindruck gewonnen - so ihre Worte -, daß die Ereignisse in Stammheim nicht durch staatlichen Einfluß zum Mord geführt hätten, sondern daß es sich zum Selbstmorde gehandelt habe. Nicht etwa aus Verzweiflung, sondern um die Politik der RAF voranzutreiben.

Nächste Woche Donnerstag wird dann Brigitte Mohnhaupt selbst als Zeugin geladen sein. Radio Darmstadt wird das Verfahren weiter verfolgen.

 

 

Diese Seite wurde zuletzt am 28. März 2005 aktualisiert.
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