Das Automobil – eine Droge, die stinkt, lärmt und tötet

Flugblatt und Pressemitteilung, Darmstadt 1998

– DOKUMENTATION –

 

 
1998 fand zum 20. Mal in Darmstadts Fußgängerzone eine Automobilausstellung statt. Mitte der 90er Jahre gab es hiergegen so etwas wie eine Opposition. So wurde bei einer Ausstellungseröffnung Darmstadts Oberbürgermeister Peter Benz gestört; bei einer anderen feierten die KritikerInnen der Ausstellung mitten im Trubel eine Beachparty. Denn: durch die Klimaerwärmung lag Darmstadt plötzlich an der Nordsee. 1998 kündigten die StadtpiratInnen und die BUNDjugend an, die Automobilausstellung sprengen zu wollen.
Wiedergabe des Textes nach dem mir vorliegenden Flugblatt bzw. der zugehörigen Pressemitteilung. Fehler wurden stillschweigend korrigiert; der Text der Syntax einer HTML–Seite angepaßt. Fett– und Kursivschreibung wie im dokumentierten Flugblatt.
 
 
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DOKUMENTATION

 

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 der StadtpiratInnen

Das Automobil – eine Droge, die stinkt, lärmt und tötet

Auch dieses Jahr findet zum nun 20. Mal die Darmstädter Automobilausstellung in der Wilhelminenstraße statt. Auch dieses Jahr findet Oberbürgermeister Peter Benz freundliche Worte für einen Klimakiller und Totengräber.

Aus gegebenem Anlaß stellen wir fest:

  • Jedes Jahr werden allein in der Bundesrepublik etwa 10.000 Menschen im Straßenverkehr getötet.
  • Alkoholismus ist eine gesellschaftlich akzeptierte Erscheinung – aber Alkohol am Steuer ist neben Raserei die zweithäufigste Unfallursache mit Personenschäden; es gibt eben harte Drogen, die in dieser Gesellschaft erwünscht und erlaubt sind: Alk und Autos.
  • Um ein einziges Automobil herzustellen, werden etwa 20 Tonnen Kohlendioxid (CO2) in die Luft geblasen. Von den Emissionen im laufenden Betrieb einmal ganz zu schweigen …

Autofahrerinnen und Autofahrer erweisen sich zudem immer wieder als asozial; sie nehmen Fußgängern und Radfahrerinnen mutwillig die Vorfahrt, sie parken direkt vor der Stammkneipe auf Rad– und Fußwegen, sie gefährden bewußt andere, wenn sie bei ROT über die Straße brettern. Wollten wir jeden dieser Fälle anzeigen und bekämen nur 10% des Bußgeldes als Prämie, wir würden stinkreich werden.

Autos sind eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Sie lärmen, sie verpesten die Luft, sie verletzen und töten. Hiergegen fordern wir vom Darmstädter Magistrat umgehend eine Gefahrenabwehrverordnung! Herr Knechtel, werden Sie tätig. Sofort!

Warum fördert die Stadt Darmstadt eine Veranstaltung, die trotz all dieser bekannten Tatsachen in einer Fußgängerzone (!!) stattfindet? Warum ist die Stadt Darmstadt so scheinheilig und geht gegen Drogenhändler auf dem Luisenplatz vor und fördert einige Meter weiter aktiv den Drogenhandel mit teuren Luxuskarossen selbst?

Wir fordern als Sofortmaßnahme den augenblicklichen Baustopp der B3–Umgehung im Westen Darmstadts und der Nord–Ost–Umgehung sowie den NULLTARIF für alle öffentlichen Verkehrsmittel.

Wir brauchen keine Autos und keine neuen Straßen – wir brauchen ein gut ausgebautes, rund um die Uhr verfügbares und vor allem kostengünstiges öffentliches Verkehrssystem. Das ist keine Frage der Finanzierung, nur eine des politischen Willens.

Darmstädter Jugendliche für notwendige Einmischung
Kranichsteiner Str. 81 · 64289 Darmstadt · Fon (06151) 712xxx · Fax (06151) 782xxx

StadtpiratInnen jeden Sonntag ab 18:30 im JuKuZ Oetinger Villa
BUND–Jugend jeden Montag ab 17:00 im JuKuZ Oetinger Villa

 

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 der StadtpiratInnen

PRESSEMITTEILUNG VOM 8. MAI 1998
ZUGLEICH
WICHTIGE GEBRAUCHSANWEISUNG FÜR POLIZEI UND STAATSANWALTSCHAFT
Zu Risiken und Nebenwirkungen der Automobilgesellschaft fragen Sie Ihren Drogenbeauftragten.

Das Automobil – eine Droge, die stinkt, lärmt und tötet

Auch dieses Jahr findet zum nun 20. Mal die Darmstädter Automobilausstellung in der Wilhelminenstraße statt. Auch dieses Jahr finden Oberbürgermeister Peter Benz und Ordnungsdezernent Horst Knechtel freundliche Worte für einen Klimakiller und Totengräber.

Aus gegebenem Anlaß stellen wir daher nochmals fest:

  • Jedes Jahr werden allein in der Bundesrepublik etwa 10.000 Menschen im Straßenverkehr getötet.
  • Alkoholismus ist eine gesellschaftlich akzeptierte Erscheinung – aber Alkohol am Steuer ist neben Raserei die zweithäufigste Unfallursache mit Personenschäden; es gibt eben harte Drogen, die in dieser Gesellschaft erwünscht und erlaubt sind: Alk und Autos.
  • Um ein einziges Automobil herzustellen, werden etwa 20 Tonnen Kohlendioxid (CO2) in die Luft geblasen. Von den Emissionen im laufenden Betrieb einmal ganz zu schweigen …

Diese Tatsachen und Gefahren der Autogesellschaft sind längst bekannt. Da nichts geändert wird, müssen wir davon ausgehen, daß sie mutwillig gewollt werden. Autos sind eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Sie lärmen, sie verpesten die Luft, sie verletzen und töten. Hiergegen fordern wir vom Darmstädter Magistrat umgehend eine Gefahrenabwehrverordnung! Herr Knechtel, werden Sie tätig. Sofort!

Um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen, kündigen wir hiermit definitiv an, daß wir am Samstag, den 9. Mai 1998 um 11 Uhr die Automobilausstellung in der Wilhelminenstraße sprengen werden.

Wir haben darin Erfahrung. Gegen menschengefährdende strahlende Castor–Transporte haben wir 1994 eine Brücke und 1995 die Gleise vor dem AKW Biblis gesprengt.

Wir fordern als Sofortmaßnahme den augenblicklichen Baustopp der B3–Umgehung im Westen Darmstadts und der Nord–Ost–Umgehung sowie den NULLTARIF für alle öffentlichen Verkehrsmittel.

Wir brauchen keine Autos und keine neuen Straßen – wir brauchen ein gut ausgebautes, rund um die Uhr verfügbares und vor allem kostengünstiges öffentliches Verkehrssystem. Das ist keine Frage der Finanzierung, nur eine des politischen Willens.

An die Presse:
Wir freuen uns, Sie bei unserer bislang eindrucksvollsten Aktion begrüßen zu dürfen. Vergessen Sie nicht Ihren Schutzhelm. (Ein Hinweis an das Darmstädter Echo: Bastian Ripper ist entgegen Ihrer Behauptungen kein Mitglied der StadtpiratInnen; unser Anführer sowieso nicht. Auch wenn Sie das nie kapieren werden: Wir brauchen im Gegensatz zu Ihnen so etwas anachronistisches wie Anführer nicht, denn wir wissen selbst, was wir wollen.)

An die Polizei:
Wir verweisen auf unser Fax vom 31.7.1994. Schauen Sie doch einfach in Ihren Handakten nach.

An die darmstädter Staatsanwaltschaft:
Wir wissen, daß Sie ein humorloser Haufen sind. (Das ist keine Beleidigung und auch keine üble Nachrede, das ist schlicht die Realität.) Das wird uns nicht daran hindern, ernsthaft zu erwägen, ob wir nicht Anzeige gegen den verantwortlichen Staatsanwalt im Spreng–Verfahren gegen Bastian Ripper am kommenden Freitag wegen groben Unfugs im Amt stellen sollen. Bitte halten Sie für diesen Fall die branchenüblichen Ermittlungskapazitäten für uns bereit.

An die darmstädter Bevölkerung:
Bitte haben Sie Verständnis für die Unannehmlichkeiten, die unsere Aktion für Sie bedeuten könnte. Vielleicht stimmen Sie uns zu, daß gesprengte Autos wesentlich angenehmer und umweltfreundlicher sind.

Darmstädter Jugendliche für notwendige Einmischung
Kranichsteiner Str. 81 · 64289 Darmstadt · Fon (06151) 712xxx · Fax (06151) 782xxx

StadtpiratInnen jeden Sonntag ab 18:30 in der Projektwerkstatt Kranichsteiner Straße 81 * 64289 Darmstadt

 

 

Diese Seite wurde zuletzt am 13. Mai 2005 aktualisiert.
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Die Autor/inn/enschaft des Flugblatts und der Pressemitteilung der StadtpiratInnen ist unbekannt.
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